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Charles H. Spurgeon, Auslegung des 1. Psalms

Sonntag 4. Juli 2021 von Charles Haddon Spurgeon (1834-1892)


Charles Haddon Spurgeon (1834-1892)

Der 1. Psalm

Inhalt. Wir können diesem Psalm die Überschrift das Vorwort geben, da gewissermaßen der Inhalt des ganzen Psalters darin angezeigt ist. Es liegt dem Psalmisten am Herzen, uns den Weg zu der wahren GlĂŒckseligkeit zu lehren und vor dem sicheren Untergang der SĂŒnder zu warnen; und eben dies ist der Gegenstand des ersten Psalms, der so gleichsam als der Text gelten kann, wozu der ganze Psalter die göttliche Predigt bildet.

Einteilung. Der Psalm besteht aus zwei Teilen. In dem ersten (V. 1-3) fĂŒhrt der Dichter aus, worin die GlĂŒckseligkeit des Frommen besteht, womit er sich beschĂ€ftigt und was fĂŒr Segnungen er vom Herrn empfĂ€ngt. In der zweiten HĂ€lfte (V. 4-6) stellt er demgegenĂŒber den Zustand und die Beschaf­fenheit des Gottlosen dar und enthĂŒllt dessen Zukunft, indem er mit markigen ZĂŒgen sein schließliches Schicksal beschreibt.

Auslegung

1. Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen, noch tritt auf den Weg der SĂŒnder, noch sitzt, da die Spötter sitzen, 

Wohl dem, oder: Selig ist der Mann, der usw. Siehe, wie der Psalter mit einer Seligpreisung beginnt, gerade wie die gewaltige Bergpredigt unseres Heilandes. Wie viel liegt in diesem freudigen Ausruf ĂŒber das GlĂŒck dessen, der bei Gott in Gnaden steht! Wörtlich wĂ€re etwa zu ĂŒbersetzen: »O der GlĂŒck­seligkeiten des Mannes der usw.« Dass das hebrĂ€ische Wort (hier wie immer) in der Mehrzahl steht, können wir wohl darauf deuten, wie mannigfaltig die Segnungen sind, welche auf dem Manne ruhen, der bei Gott in Huld steht, und wie erhaben und vollkommen das GlĂŒck ist, das er genießt. Möge diese Seligpreisung auch auf uns ruhen!

Der Gerechte wird hier erst (V. 1) beschrieben nach dem, was er nicht tut, und sodann (V. 2) nach dem, was er tut. Er ist Mensch, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen. Er folgt weiserem Rat, er wandelt in den Geboten des Herrn, seines Gottes. Ihn dĂŒnken die Wege der Gottseligkeit friedliche und liebliche Pfade. Seine Schritte richten sich nach dem Worte Gottes und nicht nach den teuflisch klugen und doch so törichten ruchlosen Lebensregeln fleischlich gesinnter Leute. Es ist ein starker Erweis davon, dass im Innern die Gnade waltet, wenn im Ă€ußeren Wandel eine UmĂ€nderung eingetreten und das ungött­liche Wesen von unserem Handeln abgetan ist. Beachte ferner: Er steht nicht (Grundtext) auf dem Weg der SĂŒnder. Sein Umgang ist gewĂ€hlter als frĂŒher. Wohl ist auch er von Natur ein SĂŒnder; aber er ist ein mit dem Blut der Versöhnung gewaschener SĂŒnder, lebendig gemacht durch den heiligen Geist und im Herzen erneuert. Durch Gottes große Gnade steht er in der Gemeinschaft der Gerechten, und darum darf er sich nicht der Menge derer, die das Böse tun, beigesellen. Wiederum heißt es: Er sitzt nicht, wo die Spötter sitzen. Er findet keine Ruhe bei den Spöttereien der Gottesleugner. Mögen andere mit SĂŒnde, Ewigkeit, Himmel und Hölle und dem ewigen Gott ihren Spott treiben, er hat eine bessere Weisheit kennen gelernt als die Philosophie des Unglaubens und ist von Gottes Gegenwart zu sehr durchdrungen, als dass er es ertragen könnte, seinen Namen lĂ€stern zu hören. Des VerĂ€chters Sitz mag stolz erhaben sein, dennoch ist er der Höllenpforte sehr nahe. Lasst uns von ihm fliehen, denn bald wird er leer sein und Verderben den Mann verschlingen, der jetzt darauf sitzt. – Man beachte die Steigerung im ersten Verse:

Er wandelt nicht in dem Rat der Gottlosen, er steht nicht auf dem Weg der SĂŒnder, er sitzt nicht, da sitzen die Spötter.

Menschen, die in der SĂŒnde leben, sinken von einer Stufe des Bösen zur anderen. Erst wandelt man nach dem Rat der Gottlosen, die in ihrem Leichtsinn Gottes vergessen, – das Böse wird tatsĂ€chlich ausgeĂŒbt, aber es ist noch nicht zur Natur geworden; aber darnach wird einem das Schlechte zur Gewohnheit, und man steht nun auf dem Wege der offenbaren SĂŒnder, die in augenfĂ€lligen TatsĂŒnden dahinleben und mit Vorsatz Gottes Gebote ĂŒbertreten; und greift keine höhere Hand ein, so geht die natĂŒrliche Entwicklung noch einen Schritt weiter und man wird zum LĂ€sterer und VerfĂŒhrer, der andere mit ruchloser Lehre pestartig ansteckt, und nun sitzt man, da die Spötter sitzen. Diese sind im Laster zu WĂŒrden gekommen, sie sind bestallt als echte Doktoren der Verdammnis und stehen als Meister der Verruchtheit bei den Bösen in hohem Ansehen. Aber der Mann, der die GlĂŒckseligkeit der Gemeinschaft mit dem Herrn und seinem Worte kennt und der Erbe der Segnungen Gottes ist, kann mit Leuten dieser Art keine Gemeinschaft pflegen. Er hĂ€lt sich rein von solchen AussĂ€tzigen. Alles Böse tut er ferne von sich, denn er hasst den vom Fleische befleckten Rock (Jud. V. 23). Er sondert sich von den Gottlosen ab und geht hinaus außer dem Lager, die Schmach Christi tragend (Hebr. 13,13). O dass auch uns die Gnade zuteilwerde, also von den SĂŒndern abgesondert zu sein. Und nun lasst uns sehen, wie das Wesen des Frommen beschrieben wird.

2. sondern hat Lust zum Gesetz des Herrn und redet von seinem Gesetz Tag und Nacht!

Er lebt nicht unter dem Gesetz als einem Fluch und Verdammungsurteil, sondern in demselben (vergl. 1. Kor. 9,21), und es ist seine Lust, sein Element und die Regel seines Lebens. Eine Lust ist es ihm auch, ĂŒber das Gesetz des Herrn nachzusinnen, bei Tage darin zu lesen und bei Nacht darĂŒber nachzudenken. Er nimmt sich ein Schriftwort heraus und trĂ€gt es den ganzen Tag mit sich umher; und wenn des Nachts der Schlaf seine Augenlider flieht, sinnt er ĂŒber seines Gottes Gesetz. Am Tage des GlĂŒcks singt er Psalmen aus dem Worte Gottes und in der Nacht des Leidens tröstet er sich mit den Verheißungen aus demselben teuren Bibelbuche. »Das Gesetz des Herrn« ist das tĂ€gliche Brot des wahren GlĂ€ubigen. Und wie klein war doch wohl zu den Zeiten des Psalmisten der Umfang der heiligen Schriften! Wie viel mehr denn sollten wir das ganze geschriebene Wort Gottes schĂ€tzen, umso mehr noch, als wir so bevorzugt sind, es ĂŒberall in unsern HĂ€usern zu haben. Aber welch schlechte Behandlung wird diesem Boten des Himmels zuteil! Wir gleichen bei weitem nicht alle den Leuten zu Beröa, die tĂ€glich in der Schrift forschten (Apg. 17,11). Wie wenige unter uns können auf die Seligpreisung unseres Psalmwortes vollen Anspruch erheben. Vielleicht könnten einige von euch, liebe Leser, eine Art negativer Reinheit beanspruchen, indem ihr nicht in den Wegen der Gottlosen wandelt; aber lasst mich euch fragen: Habt ihr Lust zum Gesetz des Herrn? Forscht ihr in Gottes Wort? Macht ihr es zu eurem Geleitsmann, eurem besten Gesellschafter, eurem FĂŒhrer zu allen Stunden? Wenn nicht, so dĂŒrft ihr euch diese Seligpreisung nicht zueignen.

3. Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den WasserbÀchen,  der seine Frucht bringet zu seiner Zeit, und seine BlÀtter verwelken nicht; und was er macht, das gerÀt wohl.

Also nicht ein wilder Baum ist er, sondern er ist gepflanzt (wörtl.: verpflanzt), ein auserwĂ€hlter, als Eigentum wertgeschĂ€tzter und gepflegter Baum, der darum auch vor dem schrecklichen Ausreißen gesi­chert ist, das allen Pflanzen, die der himmlische Vater nicht gepflanzt hat, als Endschicksal bevorsteht (Matth. 15,13). An den WasserbĂ€chen steht er, so dass, wenn ein Bach versiegen sollte, ein anderer ihn trĂ€nkt. Die WasserbĂ€che der Vergebung und der Gnade, der Verheißung und der Gemeinschaft mit Christo sind nie versiegende Quellen. Er ist gleich einem Baume, gepflanzt an WasserbĂ€chen, der seine Frucht bringet zu seiner Zeit: nicht unzeitige FrĂŒchte, gleich den frĂŒhreifen Feigen, die nie den vol­len Wohlgeschmack haben, sondern der Mann, der seine Lust an dem Worte Gottes hat, welches ihn unterweist, bringt in der Zeit des Leidens Geduld als köstliche Frucht, Glauben in der Zeit der PrĂŒfung, geheiligte Freude in der Zeit des GlĂŒckes. Fruchtbarkeit ist eine wesentliche Eigenschaft des begna­digten Menschen, und diese Fruchtbarkeit muss sich zur rechten Zeit erweisen. Und seine BlĂ€tter ver­welken nicht; sein schwĂ€chstes Wort hat eine dauernde Wirkung, seine kleinen Liebestaten bleiben im Andenken. Nicht allein seine FrĂŒchte, sondern auch sein Laub bleibt erhalten. Er verliert weder Schöne noch Fruchtbarkeit. Und was er macht, das gerĂ€t wohl, oder: Und alles, was er tut, fĂŒhrt er glĂŒcklich hin­aus. Wohl dem Manne, der solche Verheißung hat. Aber wir dĂŒrfen die ErfĂŒllung einer Verheißung nicht immer nach dem Augenschein beurteilen. Wie oft wĂŒrden wir, meine BrĂŒder, wenn wir nach unserm schwachen Verstand urteilten, zu der trĂŒben Schlussfolgerung kommen: Alles ist wider mich! Denn obwohl wir wissen, dass wir an der Verheißung unseres Verses Anteil haben, sieht unser Auge, wenn wir in PrĂŒfungen und TrĂŒbsalen sind, doch oft das gerade Gegenteil von dem, was die Verheißung uns zusagt. Aber fĂŒr das Glaubensauge ist dies Wort zuverlĂ€ssig und mit seiner Hilfe nehmen wir wahr, dass unser Wirken gedeiht, auch wenn alles uns zuwider zu gehen scheint. Nicht Ă€ußeres Wohlergehen ist es, was der Christ am meisten begehrt und schĂ€tzt; ihn verlangt nach Wohlfahrt des inneren Menschen. Wir machen etwa gleich Josaphat (1.Kön. 22,49) Schiffe aufs Meer, die nach Ophir gehen sollen, Gold zu holen; aber sie werden zerbrochen zu Ezeon-Geber. Doch auch dies dient zu unserer wahren Wohlfahrt, denn um der Gesundheit der Seele willen mĂŒssen wir oft arm, verlassen und bedrĂ€ngt sein. Das Schlimmste ist manch­mal fĂŒr uns das Beste. Wie in den Wohltaten, die einem Gottlosen widerfahren, ein Fluch verborgen ist, so ein Segen in des Gerechten Kreuz, seinen Verlusten und KĂŒmmernissen. Die PrĂŒfungen der GlĂ€ubigen sind ein krĂ€ftiger Mutterboden, darin Gottes PflĂ€nzlein gedeihen und reiche Frucht bringen.

4. Aber so sind die Gottlosen nicht, sondern wie Spreu, die der Wind verstreut.

Wir stehen nun an dem zweiten Teil unseres Psalms. In dem vierten Vers wird der schlimme Zustand der Gottlosen als Gegensatz benutzt, um dadurch die Farbe des vorhergehenden lieblichen Bildes noch zu heben. Aber so sind die Gottlosen nicht! Das gibt uns zu verstehen: Was immer fĂŒr Gutes vom Gerechten ausgesagt ist, das ist nicht wahr vom Gottlosen. Septuaginta und Vulgata wiederholen nach­drĂŒcklich das »nicht so«. Wie schrecklich ist es, wenn einem die Verheißungen so mit einer doppelten Verneinung belegt sind, und doch ist das gerade die Lage der Gottlosen. Beachten wir, dass hier wieder das Wort Gottlose gebraucht ist, das zu Beginn des Psalms zur Bezeichnung der AnfĂ€nger im Bösen, der noch am wenigsten anstĂ¶ĂŸigen SĂŒnder angewandt worden war. Wenn das der traurige Zustand derer ist, die noch verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig ehrbar leben und nur gegen Gott gleichgĂŒltig sind, was muss es sein mit den offenbaren SĂŒndern und schamlosen UnglĂ€ubigen! Der erste Satz ist eine negative Beschreibung der Gottlosen, der zweite stellt ihr wirkliches Bild dar. Ihr Wesen wird so geschildert: Sie sind wie Spreu, ohne inneren Wert, ohne Leben, ohne Nutzen, ohne Kern; daher ihr Schicksal: Der Wind verstreut sie. Der Tod wird sie mit seinem schrecklichen Hauche in das Feuer treiben, das sie verzehren wird.

5. Darum bleiben die Gottlosen nicht im Gericht, noch die SĂŒnder in der Gemeinde der Gerechten.

Sie werden dort stehen, um gerichtet, und nicht, um freigesprochen zu werden. Furcht wird sie da packen. Sie werden nicht standhalten können und doch vergeblich zu entfliehen versuchen. Sie werden sich nicht verteidigen können, denn ewige Schmach und Schande (Dan. 12,2) wird sie ergreifen. Mit Recht sehnen sich die Heiligen Gottes nach dem Himmel, denn kein Böser wird daselbst wohnen, noch die SĂŒnder in der Gemeinde der Gerechten. Alle unsere Versammlungen auf Erden sind gemischt. Jede Gemeinde hat einen Teufel in ihrer Mitte (Joh. 6,70). Das Unkraut, der Afterweizen (Matth. 13,24 ff.) wĂ€chst in denselben Furchen wie der Weizen. Es gibt jetzt noch keine Tenne, die ganz von der Spreu gereinigt ist. SĂŒnder sind noch vermischt mit den Heiligen, wie Schlacken mit dem Gold. Gottes köstli­che Diamanten liegen noch auf einem Feld zusammen mit Kieselsteinen. Gerechte Seelen wie Lot wer­den diesseits des Himmels bestĂ€ndig gequĂ€lt von den schĂ€ndlichen Leuten Sodoms (2. Petr. 2,7 f.). So wollen wir uns denn freuen, dass zu der großen Versammlung droben, der Gemeinde der Erstgeborenen (Hebr. 12,23), auch nicht einer unwiedergeborenen Seele der Zutritt verstattet sein wird. SĂŒnder kön­nen im Himmel nicht leben. Sie wĂ€ren außer ihrem Element. Eher könnte ein Fisch auf einem Baume leben, als ein Gottloser im Paradiese. Der Himmel wĂŒrde fĂŒr den Unbußfertigen eine unertrĂ€gliche Hölle sein, auch wenn ihm der Eintritt erlaubt wĂŒrde; aber solches Vorrecht wird dem, der in seinen Missetaten beharrt, niemals zuteilwerden. Gott gebe, dass unsere Namen im Himmel angeschrieben seien und ein Platz in den Vorhöfen droben unser warte.

6. Denn der Herr kennet den Weg der Gerechten; aber der Gottlosen Weg vergehet.

FortwĂ€hrend achtet Jahwe auf den Weg der Gerechten: Mag derselbe oft in Nebel und Finsternis gehĂŒllt sein, durch dunkle Wolken und Unwetter der TrĂŒbsal hindurchfĂŒhren, der Herr kennt ihn. Er zĂ€hlt die Haare auf unserem Haupte und wird nicht dulden, dass irgendein UnglĂŒck uns ĂŒberfalle. »Er kennet meinen Weg wohl. Er versuche mich, so will ich erfunden werden wie das Gold. (Hiob 23,10.) Aber der Gottlosen Weg vergeht. Nicht nur sie selbst werden vergehen, sondern ihr Weg wird auch vergehen. Der Gerechte grĂ€bt seinen Namen auf den Felsen ein, der Gottlose schreibt sein GedĂ€chtnis in den Sand. Der Gerechte pflĂŒgt Furchen in die Erde und sĂ€t hier eine Saat aus, deren Ernte erst völlig gesammelt wird, wenn er zu den Freuden der Ewigkeit eingeht; der Gottlose aber zieht Furchen durchs Wasser, und wiewohl ein glĂ€nzender Schweif hinter seinem Kiel sein mag, werden doch die Wogen darĂŒber gehen, und seine StĂ€tte, die ihn kannte, kennt ihn nicht mehr. Wenn der Gottlose im Andenken bleibt, dann nur in der Erinnerung an das Böse, das er getan hat: denn der Herr wird den Namen des Gottlosen vermodern lassen, dass er den Guten zum Gestank werden und nur noch dem Gottlosen selbst durch seine FĂ€ulnis bekannt sein wird. Möge der Herr unsere Herzen und unsere Wege reinigen, auf dass wir dem Lose der Ungöttlichen entrinnen und das GlĂŒck der Gerechten genießen!

ErlÀuterungen und Kernworte

Zum ganzen Psalm. Basilius († 379) bezeichnet den Psalm als kurzes Vorwort zum Psalter; als solches scheint bereits der Sammler ihn an die Spitze der Sammlung gestellt zu haben. GegenĂŒber den zahlreichen, in den Psalmen vorkommenden Klagen ĂŒber die BedrĂŒckung der Gerechten durch gottlose Feinde sollte gleich im Anfang des Buches die Wahrheit betont werden, dass der Fromme zuletzt doch den Sieg behĂ€lt. Prof. D. Fr. BĂ€thgen, Die Psalmen, 1904.

Der Psalter ist Ja und Amen in Liedern zu dem Gottesworte der Tora (des Gesetzes). Darum beginnt er mit einem Psalm, welcher das Geschick des Liebhabers der Tora dem Geschicke der Gottlosen ent­gegenhĂ€lt, einem Echo jener Ermahnung Josua 1,8, in welcher Jahwe nach Moses Tode seinem Nach­folger Josua das Buch der Tora ans Herz legt. Wie die neutestamentliche Bergpredigt als Predigt des verinnerlichten Gesetzes mit makarioi (glĂŒckselig) anhebt, so der ganz und gar auf Verinnerlichung des Gesetzes gerichtete alttestamentliche Psalter mit glĂŒckselig. – Kommentar von Prof. D. Franz Delitzsch † 1890.

Dieser erste Psalm ist zwar klein dem Umfang nach, aber sehr groß und voller Kraft, was den Inhalt betrifft; er fasst die Quintessenz der GlĂŒckseligkeit in sich. Der Psalm trĂ€gt GlĂŒckseligkeit an der Stirn. Er beginnt mit dem, womit wir alle zu enden hoffen. Er mag des Christen FĂŒhrer genannt werden: denn er zeigt den Flugsand, auf dem die Gottlosen ins Verderben sinken, und den festen Grund, auf dem die Frommen in die Herrlichkeit schreiten. Thomas Watson 1660.

Nicht ohne Grund ist das Wort der Seligkeit an die Spitze des Buches der tiefsten Leiden und Gebete gestellt; dieses Wort, wie auch zurĂŒckgedrĂ€ngt und zu Boden gehalten, dringt doch durch alle Töne der Klage und des Schmerzes hindurch und behauptet sich endlich in dem Halleluja des hundert­fĂŒnfzigsten Psalms. Prof. Joh. Wichelhaus † 1858.

Der Dichter sagt in diesem kurzen Psalm mehr Stichhaltiges ĂŒber wahre GlĂŒckseligkeit als irgendeiner der Philosophen oder alle Weltweisen zusammen. Sie klopfen nur auf den Busch, Gott aber gibt uns hier den Vogel in die Hand. John Trapp † 1669.

Wo echte GlĂŒckseligkeit als Schild außen hĂ€ngt, können wir sicher sein, drinnen einen gottseligen Menschen zu finden. Rich. Baker 1640.

GlĂŒcklich der Mann usw. Es ist, wie V. 3 zeigt, nicht Wunsch (»GlĂŒcklich sei«), sondern Aussage in Form des Ausrufs. Die Übersetzung der LXX makarioi, Hieron. beatus ist nicht ganz zutreffend, rich­tiger wĂ€re felix oder fortunatus; denn der Dichter will im Gegensatz zu dem unglĂŒcklichen Schicksal des Gottlosen den nicht gestörten und zu seiner vollen Entwicklung kommenden Ă€ußeren Lebenslauf des Frommen glĂŒcklich preisen. Jeremia, reflektiert darauf, dass der Segen von oben kommt (faustus). Prof. D. Fr. BĂ€thgen 1904.

Wohl dem Manne (Grundtext), dem einen aus tausend, dessen Leben zur ErfĂŒllung des Zweckes dient, zu welchem Gott ihn geschaffen. Adam Clarke † 1832.

Er wandelt nicht, noch steht er, noch sitzt er. Vorschriften in der Form der Verneinung sind manchmal noch bestimmter und unbedingter als bejahende. Unter allen UmstÀnden und zu allen Zeiten soll sich der Fromme von dem gottlosen Wesen rein halten. Rich. Baker 1640.

Des Gottlosen Rat oder Sinnesart ist religiöse GleichgĂŒltigkeit. Er bemĂŒht sich weder um seine eigene Seligkeit noch um die anderer Leute, und er gibt denen, mit welchen er umgeht, den Rat, seine Denk­weise zu der ihrigen zu machen und sich um Beten, Bibellesen, Buße und dergleichen nicht zu kĂŒm­mert. »Das alles ist nicht nötig. Tue recht und scheue niemand. FĂŒhre ein ehrbares Leben, mach keinen LĂ€rm ĂŒber Religion, du wirst gut dabei fahren.« Nun, wohl dem, der nicht in solches Mannes Sinnesart eingeht und seine RatschlĂ€ge nicht befolgt.

Jeder SĂŒnder hat seinen eigentĂŒmlichen Weg, auf dem er ins Verderben wandelt. Der eine ist ein Trin­ker, ein anderer ist unehrlich, wieder ein anderer unkeusch. Nur wenige sind allen Lastern ergeben. Es gibt viele geizige Menschen, denen alle Völlerei ein GrĂ€uel ist, viele UnmĂ€ĂŸige, die den Geiz verab­scheuen, und so hat jeder seine LieblingssĂŒnde, die ihn besonders leicht umgarnt und seiner Lebens­weise das GeprĂ€ge gibt. Darum sagt der Prophet (Jes. 55,7): »Der Gottlose lasse von seinem Wege.« Heil dem, der sich von des SĂŒnders Weg fernhĂ€lt.

Der Spötter hat in seinem Herzen aller Religion und allem sittlichen GefĂŒhl den Garaus gemacht. Er hat sich niedergesetzt, sich vollstĂ€ndig befestigt in der Gottvergessenheit. Er macht aus der SĂŒnde einen Scherz. Sein Gewissen ist verhĂ€rtet. WĂ€hrend er gegen alle geoffenbarte Wahrheit unglĂ€ubig ist, glaubt er dagegen alles, was der Unglaube erdichtet. Wohl dem Manne, der nicht mit solchen Leuten zusammensitzt. Adam Clarke † 1832.

Da sitzen die Spötter. Die einen ĂŒbersetzen: auf dem Sitze der Spötter (vergl. das Wort moschab in 1.Sam. 20,25); die anderen: im Kreise der Spötter (moschab = das Zusammensitzen, Ps. 107,32, vergl. Ps. 26,4 f.: Jer. 15,17). Der Sinn ist im Grunde wenig verschieden. – J. M. Der Ort, wo die Trinker sitzen, ist der Ort der Spötter. Vergl. z. B. Jes. 28,7-15. Matth. Henry † 1714.

Die Spötter. Peccator cum in profundum venerit contemnet: Wenn der Gottlose in die Tiefen der SĂŒnde hineinkommt, wird er ein VerĂ€chter. So zankt Ahab mit Micha (1.Kön. 22,18), weil er ihm nichts Gutes weissagt. Sogar die kleinen Knaben in Beth-El verspotten den Elisa und erfrechen sich, ihn Kahlkopf zu schmĂ€hen. Das Tröpflein Gift schwillt bald zu einem Meer des Verderbens an; wie ein Tropfen Otterngift, das in die Hand gerĂ€t, in die Adern geht und so sich durch den ganzen Körper ver­breitet, bis es die Lebensgeister auslöscht. Gott wird dich verlachen (Ps. 2,4), der du ihn verlachst, und wer ihn verachtet, der soll wieder verachtet werden (1.Sam. 2,30). Wer gegen den Himmel ausspuckt, dem wird sein Speichel aufs eigene Antlitz zurĂŒckfallen. Die SchĂ€ndlichkeiten, welche du gegen die­jenigen begehst, die sich um dein Seelenheil mĂŒhen, werden mit deiner Asche im Staube ruhen, aber einst werden sie auferstehen, um im Gericht wider dich zu zeugen. Thomas Adams 1614.

Es ist in aller Welt unter den Leuten eine gemeine Frage von der Seligkeit, und ist kein Mensch auf Erden, der nicht wĂŒnschte, dass es ihm wohl ginge, und nicht wiederum unmutig darĂŒber wĂŒrde, wenn es ihm ĂŒbel ginge. Doch, so viel ihrer sind, haben sie alle geirrt, dass sie nicht gewusst noch verstanden haben, was rechte Seligkeit ist. Dieser aber, der hier im Psalm redet, der vom Himmel her­unterschallet, schlĂ€gt zu Boden und verdammet alles, was menschliche Gedanken hierin erfinden und ausdenken können, und bringet eine einige Beschreibung der Seligkeit, davon alle Welt nichts weiß, und sagt, dass der selig sei und dass es dem wohl gehe, der Lust und Liebe zum Gesetz des Herrn habe. Als wollte er sagen: Was ratschlagt ihr lange? Was schließt ihr Weltweisen ohne Aufhören so vergeb­lich unnĂŒtze Dinge? Dies ist die einige köstliche Perle (Matth. 13,46), wer sie ĂŒberkömmt, nĂ€mlich, dass er Lust und Liebe zum Gesetz Gottes habe und von den Gottlosen sich absondere, dem gedeihet alles zum Besten. Wer aber diese Perle nicht findet, der mag wohl mit vieler MĂŒhe und Arbeit den Weg zur Seligkeit suchen, er wird ihn aber nicht finden. Wiederum ist denen, die an Gottes Wort ihre Lust und Freude haben, alles lieblich, gut, heilsam und selig, nach dem Wort des 18. Psalms, Vers 26: Dem Reinen ist alles rein. Und kĂŒrzlich davon zu reden: Wie du bist, so ist dir Gott, geschweige denn die Kreatur. Gott ist bei den Heiligen heilig, bei den Verkehrten aber ist er verkehrt. Daher kommt es, dass dem nichts gut ist, der böse ist, und von keiner rechten Lust und Freude weiß, der zum Gesetz Gottes nicht Lust hat.

Lust zum Gesetz des Herrn haben, ist aber menschlicher Natur nicht eingepflanzt noch angeboren, son­dern es muss vom Himmel herunterkommen. Denn weil die menschliche Natur zum Bösen geneigt und geflissen ist, wie Gott selber spricht (1. Mose 8,21), und Gottes Gesetz gut ist, heilig und gerecht (Röm. 7,12): so folget Not halben hieraus, dass der menschliche Wille Gottes Gesetze entgegen und zuwider ist, hasse das Gesetz und fliehe dafĂŒr: ob er sich gleich zuzeiten aus Furcht der Strafe oder aus Lust zur Verheißung stellet, als liebe er das Gesetz, so bleibet gleichwohl allewege ein Hass und Unwille im Herzen wider das Gesetz, und kann es mitnichten umsonst lieb haben. Diese Lust und Liebe nun mĂŒssen wir uns, die wir an unsern KrĂ€ften und Vermögen verzweifeln sollen, vom Himmel herab bitten und empfangen durch einen demĂŒtigen Glauben an Christum. Martin Luther † 1546.

Die Lust, von welcher der Prophet hier redet, ist die einzige, um derentwillen man weder schamrot wer­den noch erbleichen muss; das einzige VergnĂŒgen, bei dem man zu Gaste geht, ohne dass man nachher dafĂŒr zahlen muss; das einzige Ergötzen, das nicht nur viel verspricht, sondern wirklich gibt, und nicht nur, wie andere Lust, den Augenblick befriedigt, da man sie genießt, sondern auch in der Erinnerung ungetrĂŒbte Freude zurĂŒcklĂ€sst. Rich. Baker 1640.

Er sinnt ĂŒber sein Gesetz Tag und Nacht. (Grundtext) Im einfachsten Bibelwort ist eine wunderbare FĂŒlle von heiliger Geistesmacht. Erforschen wir es im Geist des Gebets und im Bewusstsein unserer AbhĂ€ngigkeit von Gott, so entdecken wir weit mehr, als wir zuerst vermuten. Beim oberflĂ€chlichen Lesen einer Schriftstelle geht es uns vielleicht wie dem Knaben des Elia, der, als er zum ersten Mal auf des Karmels Spitze ging, nichts sah. Da wurde ihm der Befehl, siebenmal auszuschauen. Und beim siebenten Male, siehe, da ging eine Wolke auf aus dem Meer, wie eines Mannes Hand. Bald aber wurde der ganze Himmel schwarz von Wolken (1.Kön. 18,43-45). Sinne oft ĂŒber ein Bibelwort nach. Du wirst darin ein Licht schauen, hell leuchtend wie die Sonne. Joseph Caryl 1647.

In seinem Worte tritt Gott dem Menschen seinem persönlichen Wesen gemĂ€ĂŸ denkend und wollend entgegen und dementsprechend soll sich auch der Mensch diesem Worte persönlich zukehren, seine Denk- und Willenskraft darauf richtend. Beides, die praktische und die theoretische Seite, ist hier durch Lust haben und nachdenken bezeichnet. Bloß Ă€ußerliches Denken und augenblickliche, schnell vorĂŒÂ­bergehende Lust genĂŒgen aber hier nicht, sondern es erfordert den ganzen Fleiß und Ernst unseres inne­ren Menschen. Wir mĂŒssen durch fleißiges Nachdenken (»Tag und Nacht«) die göttlichen Gedanken und Gebote ins Herz aufnehmen und unsere ganze Denkweise und Willensrichtung dadurch bestimmen lassen. Das heißt das Gesetz dem Zwecke des Gesetzes gemĂ€ĂŸ gebrauchen (1.Tim. 1,8 Grundtext). Und der fromme Israelit, dem das Gesetz auf diesem Wege zur inneren, den Wandel bestimmenden Lebens­ordnung geworden war (Ps. 40,9), ermĂŒdete nicht, dasselbe als heilsam zu rĂŒhmen; siehe Ps. 119; 19,8-15 u. – G. T. 1882.

Die Priester halten das einfache Volk von dem Worte Gottes, diesem köstlichen Gemeingut aller Chris­ten, ab, indem sie vorgeben, die Bibel sei schwer zu verstehen. »QuĂ€lt euch nicht damit ab, wir wollen euch schon sagen, was der Sinn der Bibel ist.« Sie könnten gerade so gut sagen: »Der Himmel ist ein herrlicher Ort, aber der Weg zum Himmel ist schwierig: bemĂŒht euch nicht, wir wollen fĂŒr euch dahin gehen.« So kommt es, dass die Armen in den Zeiten der Not, wo das teure Bibelbuch sich ihnen in seiner rettenden Kraft erweisen sollte, kein Wort Gottes haben. Anstatt der Schrift können sie Bilder vorzeigen, das seien die BĂŒcher der Laien; als ob der Gerichtshof, vor dem sie einst erscheinen mĂŒssen, ans Bildschnitzern und Malern bestĂ€nde und nicht aus den zwölf Aposteln! Lasst euch nicht betrĂŒgen, sondern forschet in der Schrift, wenn ihr einst von ihr Trost erwarten wollt. Wer auf ein Erbe hofft, wird auf die Erbschaftsurkunde großen Wert legen. Thomas Adams 1614. Nirgends finde ich sĂŒĂŸere Ruhe, als an einem stillen PlĂ€tzchen mit dem teuren Bibelbuche. Nach Tho­mas von Kempen † 1471. Das, worĂŒber ein Mensch nachsinnt, ist bezeichnend fĂŒr sein Wesen: daran mag man erkennen, ob das eigene Herz gut oder böse ist. Das Nachsinnen ist der PrĂŒfstein des Christen; es zeigt, ob er von edlem Metall ist. Thomas Watson 1660.

Durch das Nachdenken verarbeiten wir innerlich die geistige Speise, so dass die Lieblichkeit und NĂ€hrkraft des Wortes in Herz und Leben ĂŒbergeht. Dadurch kommt es bei den Gottseligen zum reichen Fruchttragen. Barthol. Ashwood 1688.

Zu der Erhaltung des Leibeslebens wirken verschiedene KrĂ€fte zusammen: unter andern 1) eine Kraft der Aneignung, zur Aufnahme der Nahrung, 2) eine Kraft zum Behalten der aufgenommenen Nahrung, 3) eine Kraft der Assimilation, um die NĂ€hrstoffe in Fleisch und Blut zu verwandeln, 4) eine Kraft des Wachstums, zur Vervollkommnung des Organismus. Das Nachsinnen begreift das alles in sich. Es schĂ€rft das Urteilsvermögen und fördert uns in der Weisheit und im Glauben zum AbwĂ€gen, Unter­scheiden und Annehmen dessen, was uns durch das Lesen und Hören dargeboten wird. Es unterstĂŒtzt das GedĂ€chtnis in der Aufgabe, die Juwelen der göttlichen Wahrheit in seiner sicheren Schatzkammer zu verschließen. Es verwandelt die dargebotene Wahrheit in geistliche Nahrung. Und endlich hilft es dem erneuerten Herzen dazu, der Vollkommenheit entgegen zu reifen und mehr und mehr den Reichtum der freien Gnadengaben Gottes zu erkennen. Nathan. Ranew 1670.

Gepflanzt an den WasserbĂ€chen. Das spielt wohl auf das morgenlĂ€ndische Verfahren beim Anpflanzen an. Man lĂ€sst kleine WasserbĂ€chlein zwischen die Baumreihen fließen, so dass die BĂ€ume kĂŒnstlich einen bestĂ€ndigen Zufluss von Feuchtigkeit bekommen. C. H. Spurgeon 1869.

Frucht zu seiner Zeit. Da gibt es keine getĂ€uschten Erwartungen. Frucht wird erwartet und wird auch hervorgebracht, und zwar zu der rechten Zeit, wo sie kommen sollte. Die Erziehung durch den göttli­chen Geist, der dem ernstlich um denselben Bittenden nie vorenthalten wird, bringt sicher FrĂŒchte der Gerechtigkeit hervor. Und wer das Wort Gottes unter Gebet liest und betrachtet, wird stets erkennen, was fĂŒr eine Arbeit Gott ihm zu tun gegeben hat, in welcher Kraft er sie vollbringen kann, und welches die rechten Zeiten, Orte und Gelegenheiten sind zum Tun der Dinge, die am meisten zu Gottes Verherr­lichung, der eigenen Seele Heil und der Mitmenschen Erbauung dienen. Adam Clarke † 1832.

Frucht zu seiner Zeit. Es gilt also zu erkennen, was Gott in den verschiedenen Zeiten von uns erwartet, und diese auszunutzen im Blick auf die kommende Abrechnung. Wird meine Gemeinde heimgesucht, wohlan, dann ist es Zeit, betend auf die Gedanken zu merken, die Gott ĂŒber uns hat; steht die Gemeinde in fröhlichem Wachstum, so ist es an der Zeit, Gott zu preisen. Bin ich mit der Vorbereitung einer Pre­digt beschĂ€ftigt, so will ich hören, was Gott mir und der Gemeinde in seinem Wort sagt. Stehe ich in einer Versuchung – jetzt ist es Zeit, auf den Namen des Herrn zu trauen. Habe ich eine einflussreiche Stellung, so will ich recht erwĂ€gen, was Gott unter diesen UmstĂ€nden von mir verlangt. Und so gleicht der weise Christ dem Baume des Lebens, der seine FrĂŒchte bringt alle Monden (Offenb. 22,2). Gleich einem verstĂ€ndigen Landwirte hat er seine bestimmte BeschĂ€ftigung fĂŒr jeden Monat, damit die Frucht zur rechten Zeit sich zeige. John Spencer 1658.

Frucht zu seiner Zeit: O wie ein gĂŒlden, lieblich Wort ist das, damit bestĂ€tigt wird die Freiheit der christlichen Gerechtigkeit! Die Gottlosen haben ihre gewissen Tage, ihre gesetzten Zeiten, ihre geord­neten Werke und erlesene gewisse StĂ€tte, an welche sie so hart gebunden sind, dass, wenn ihr NĂ€chster auch sollte Hungers sterben, ließen sie sich nicht davon reißen. Aber dieser selige Mann, der hier beschrieben ist, ist frei und willig zu jeder Zeit, zu allem Werk, an aller StĂ€tte, gegen jede Person: wie sich‘s schicket, und was sich fĂŒr ein Fall begibt, dienet er dir, und was ihm vor die Hand kömmt, das tut er. Er ist nichts Sonderliches und will es auch nicht sein, sondern er bringet seine Frucht zu seiner Zeit, beide, gegen Gott, sooft es die Zeit erfordert, und Menschen, sooft sie seines Fleißes und MĂŒhe bedĂŒrfen. Martin Luther † 1546.

Der in Gott Lebende bringt allezeit Frucht: Doch steht die NĂ€herbestimmung »zu seiner Zeit« nicht mĂŒĂŸig. Wie der Baum am dĂŒrren Orte oft grĂŒn und belaubt steht gleich dem Baum am Bache und der Unterschied sich erst recht im Jahr der DĂŒrre und Hitze zeigt, so verhĂ€lt es sich auch mit dem Men­schen. Die Weltmenschen und die Scheinfrommen können sich mit dem Laubwerke menschenfreund­licher und scheinfrommer Taten schmĂŒcken, solange die Ă€ußere AtmosphĂ€re genĂŒgende Nahrung an sichtbarem Erfolg, Ehre und Anerkennung bietet; aber wenn es gilt, in der Hitze schwerer Anfechtung unerschĂŒtterlich fest auf Gott zu vertrauen, Unrecht zu leiden, Recht und Gerechtigkeit, Liebe und Barmherzigkeit zu ĂŒben unter Verzicht auf irdische Belohnung, auf Beifall und Ehre bei Menschen, da bleiben diese zurĂŒck. Der Mann aber, von dem der Psalm spricht, bringt Frucht – denn es ist seine Zeit. – G. T. 1882.

Und seine BlĂ€tter usw. Die BĂ€ume des Herrn sind alle immergrĂŒn. Keine WinterkĂ€lte kann sie ihres frischen GrĂŒns berauben. Und doch sind sie, im Gegensatz zu den immergrĂŒnen GewĂ€chsen unseres Landes, alle fruchttragende BĂ€ume. C. H. Spurgeon 1869. Unter Luthers Bild schrieben unsere Vorfahren: Seine BlĂ€tter verwelken nicht. So kann auch von den BĂŒchern noch mancher anderen gottseligen MĂ€nner, eines Arnd, Spener, Starke, Sturm, Scriwer, oder von den Liedern eines Paul Gerhardt gesagt werden. K. H. Caspari † 1861. Diese Worte, wie sie im Geist geredet sind, musst du auch im Geist hören und verstehen, sonst wirst du eben das Widerspiel sehen. Denn die Schrift auch selbst saget allenthalben, dass die Gottlosen blĂŒhen, und gehe ihnen aus der Maßen wohl, wie solches in vielen Psalmen zu sehen ist, also dass du von den Gottlosen allein sagen möchtest: Ihre BlĂ€tter grĂŒnen stets, alles, was sie machen, das gerĂ€t ihnen wohl, und so fortan. Darum ist hier Glaubens vonnöten. Martin Luther † 1546. Äußerliches Wohlergehen ist lieblich, wenn es einem treuen Wandel in der Gemeinschaft mit Gott so folgt, wie die Null hinter einer Ziffer die Zahl vermehrt, wiewohl sie an sich nichts ist. John Trapp † 1669. Der Sturm des Todes fegt mit UngestĂŒm die Seelen der Gottlosen hinweg. H. Ainsworth 1639. Die Gerechten gehen einen Weg, den Gott kennt, und die Gottlosen einen Weg, den Gott verdirbt. Diese Wege kommen nie zusammen; wie können denn die, welche diese verschiedenen Wege gehen, je zusammenkommen? Denn wenn das Verderben ĂŒber die Gottlosen kommt, wird Gottes Ruf ertönen: nescio vos, »Ich kenne euch nicht«. Und dass Gottes nescio vos und sein Kennen jemals in Einklang kommen, ist schlechthin unmöglich. Richard Baker 1640. Als wollte er sagen: So glatt und schön ist der Gottlosen Weg, dass sie vor den Leuten angesehen wer­den, als blieben sie im Gericht stehend, auch in der Gemeinde der Gerechten; aber Gott, den niemand betrĂŒgen wird, kennet ihren Weg wohl, dass es gottlose Leute sind. Derohalben, welches sie doch ganz und gar nicht glauben, so wird ihr Weg vergehen. Vergehen wird er, sage ich, welcher doch so wohl gebahnt ist, und so viel darauf wandeln, dass jedermann nicht anders denken kann, denn er werde ewig wĂ€hren. Martin Luther † 1546. 4-6. Weil der Gottlose aus dem Wort Gottes kein Gewicht der Wahrheit in sich hat, so wird er wie Spreu zerstreut. Weil er es in seiner Spötterei so leicht genommen hat, so wird er erfahren mĂŒssen, wie unvermögend er ist, im Gericht zu stehen. Weil er immer nur SĂŒndengemeinschaft gesucht hat, so wird er auch alsdann nicht bleiben in der Gemeinde der Gerechten, wann er es am meisten wĂŒnschte, auch mit anzukommen. Solang man auf dem Weg ist, lĂ€sst sich mancher dĂŒnken, er wolle bestehen, er sei so gut als die, welche jetzt die Gerechten heißen, und sie haben auch ihre Fehler wie er; aber es wird anders herauskommen. Karl H. Rieger † 1791.

Quelle: Die Schatzkammer Davids. Eine Auslegung der Psalmen von C.H. Spurgeon. CLV Bielefeld. 3. Aufl. 2004

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Sonntag 4. Juli 2021 um 21:23 und abgelegt unter Predigten / Andachten, Theologie.