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Der Brand in der Notre Dame und die Zerstörung des christlichen Europas

Montag 29. April 2019 von Gatestone Institute


Gatestone Institute

Das Feuer, das einen Großteil der Kathedrale Notre Dame im Herzen von Paris zerstört hat, ist eine Tragödie, die nicht wieder gutzumachen ist. Selbst wenn die Kathedrale wieder aufgebaut wird, wird sie nie wieder das sein, was sie vorher war. Buntglasfenster und wichtige architektonische Elemente wurden stark beschĂ€digt und der Eichenrahmen vollstĂ€ndig zerstört. Der Turm, der aus der Kathedrale ragte, war ein einzigartiges Kunstwerk. Er wurde von dem Architekten EugĂšne Viollet-le-Duc entworfen, der das GebĂ€ude im 19. Jahrhundert restaurierte und dessen Werk auf Dokumenten des 12. Jahrhunderts basierte.

ZusĂ€tzlich zum Feuer durchdrang das zum Löschen der Flammen benötigte Wasser den Kalkstein der WĂ€nde und der Fassade, schwĂ€chte sie und machte sie brĂŒchig. Das Dach ist nicht mehr vorhanden: Das Kirchenschiff, das Querschiff und der Chor liegen heute im Freien und sind anfĂ€llig fĂŒr schlechtes Wetter. Sie können nicht einmal geschĂŒtzt werden, bis die Struktur grĂŒndlich untersucht wurde, eine Aufgabe, die Wochen dauern wird. Drei Hauptelemente der Struktur (der nördliche QuerflĂŒgel, der FlĂŒgel zwischen den beiden TĂŒrmen und das Gewölbe) stehen ebenfalls kurz vor dem Zusammenbruch.

Notre Dame ist mehr als 800 Jahre alt. Sie ĂŒberlebte die Turbulenzen des Mittelalters, das Terrorregime der Französischen Revolution, zwei Weltkriege und die nationalsozialistische Besetzung von Paris. Sie hat nicht ĂŒberlebt, was aus Frankreich im 21. Jahrhundert wird.

Die Brandursache wurde bisher auf „einen Unfall„, „einen Kurzschluss“ und zuletzt „eine Computerpanne“ zurĂŒckgefĂŒhrt.

Wenn das Feuer wirklich ein Unfall war, dann ist es fast unmöglich zu erklĂ€ren, wie es entstanden ist. Benjamin Mouton, ehemaliger Chefarchitekt von Notre Dame, erklĂ€rte, dass die Regeln außergewöhnlich streng seien und dass kein Stromkabel oder -gerĂ€t und keine WĂ€rmequelle auf dem Dachboden platziert werden könne. Er fĂŒgte hinzu, dass ein Ă€ußerst ausgeklĂŒgeltes Alarmsystem vorhanden war. Die Firma, die das GerĂŒst installiert hat, hat keine Schweißarbeiten durchgefĂŒhrt und ist auf diese Art von Arbeiten spezialisiert. Das Feuer brach mehr als eine Stunde nach Feierabend aus, und keiner der Arbeiter war noch anwesend. Es breitete sich so schnell aus, dass die Feuerwehrleute, die so schnell es nur ging zur Stelle waren, schockiert waren. Remi Fromont, der Chefarchitekt der französischen historischen DenkmĂ€ler, sagte: „Das Feuer konnte nicht von einem Element ausgehen, das sich dort befand, wo es entstand. Eine echte WĂ€rmelast ist notwendig, um eine solche Katastrophe auszulösen“.

Es wird eine lange, schwierige und komplexe Ermittlung durchgefĂŒhrt.

Die Möglichkeit, dass das Feuer die Folge von Brandstiftung war, kann nicht ausgeschlossen werden. Kaum eine Stunde nachdem die Flammen ĂŒber der Notre Dame aufzusteigen begannen – zu einer Zeit, als noch niemand eine ErklĂ€rung abgeben konnte – beeilten sich die französischen Behörden zu sagen, dass das Feuer ein „Unfall“ sei und dass „Brandstiftung ausgeschlossen“ sei. Die Bemerkungen klangen wie alle offiziellen ErklĂ€rungen der französischen Regierung nach den Angriffen in Frankreich im letzten Jahrzehnt.

Im November 2015, in der Nacht des Massakers im Bataclan Theater in Paris, bei dem Dschihadisten 90 Menschen ermordeten, sagte das französische Innenministerium, dass die Regierung nichts wisse, außer dass es zu einer Schießerei gekommen sei. Die Wahrheit kam erst ans Licht, als ISIS die Verantwortung fĂŒr die SchlĂ€chterei ĂŒbernahm.

In Nizza bestand die französische Regierung nach dem LKW-Angriff im Juli 2016 mehrere Tage lang darauf, dass der Terrorist, der 86 Menschen zu Tode fuhr, ein „Mann mit einem Nervenzusammenbruch“ sei.

Im Jahr 2018 wurde Sarah Halimis Mörder, der wĂ€hrend der Folter seines Opfers Verse aus dem Koran rezitierte, fĂŒr „geistig gestört“ erklĂ€rt und unmittelbar nach seiner Verhaftung in einer psychiatrischen Einrichtung festgehalten. Er wird höchstwahrscheinlich nie vor Gericht stehen. Am 8. April veröffentlichten Alain Finkielkraut und 38 weitere Intellektuelle einen Text, in dem sie sagten, dass dieser Mörder der Justiz nicht entkommen dĂŒrfe. Der Text hatte keine Wirkung.

Das Feuer in der Notre Dame ereignete sich weniger als drei Jahre, nachdem eine „Kommandoeinheit“ von spĂ€ter verhafteten Dschihadi-Frauen versuchte, die Kathedrale durch Explosion von Erdgasflaschen zu zerstören. Drei Tage vor dem Brand in der vergangenen Woche, am 12. April, wurde die AnfĂŒhrerin der Dschihadis, Ines Madani, eine junge Französin, die zum Islam konvertierte, zu acht Jahren GefĂ€ngnis verurteilt, weil sie eine dem islamischen Staat angegliederte Terrorgruppe gegrĂŒndet hatte.

Das Feuer in der Notre Dame ereignete sich auch zu einer Zeit, in der die Angriffe auf Kirchen in Frankreich und Europa immer zahlreicher werden. Allein im Jahr 2018 wurden in Frankreich mehr als 800 Kirchen angegriffen. Viele erlitten schwere SchĂ€den: zerbrochene, enthauptete Statuen, zerschlagene Tabernakel, an die WĂ€nde geschmierter Kot. In mehreren Kirchen wurden Feuer entzĂŒndet. Am 5. MĂ€rz wurde die Basilika St. Denis, in der bis auf drei die Könige von Frankreich begraben sind, von einem pakistanischen FlĂŒchtling vandalisiert. Mehrere Buntglasfenster wurden zerstört, und die Orgel der Basilika, ein zwischen 1834 und 1841 erbauter Nationalschatz, wurde fast zerstört. Zwölf Tage spĂ€ter, am 17. MĂ€rz, brach ein Feuer in der Saint Sulpice, der grĂ¶ĂŸten Kirche in Paris, aus, das schwere SchĂ€den verursachte. Nach Tagen des Schweigens gab die Polizei schließlich zu, dass die Ursache Brandstiftung gewesen war.

Seit Monaten veröffentlichen dschihadistische Organisationen ErklĂ€rungen, in denen sie zur Zerstörung von Kirchen und christlichen DenkmĂ€lern in Europa aufrufen. Notre Dame wurde wiederholt als primĂ€res Ziel genannt. Trotz allem war die Kathedrale nicht ausreichend geschĂŒtzt. Ein paar junge MĂ€nner, die nachts die Kathedrale betraten, kletterten letzten November auf das Dach und drehten ein Video, das sie dann auf YouTube hochluden.

Viele Nachrichten wurden von Menschen mit muslimischen Namen in sozialen Medien veröffentlicht – Twitter, Facebook, die Website von Al Jazeera – und drĂŒckten die Freude aus, ein wichtiges christliches Symbol zerstört zu sehen. Hafsa Askar, eine Migrantin aus Marokko und VizeprĂ€sidentin der National Union of Students of France (UNEF), der wichtigsten Studentenorganisation in Frankreich, veröffentlichte einen Tweet mit dem Satz: „Die Leute weinen ĂŒber kleine HolzstĂŒcke… es ist eine Illusion von weißem MĂŒll“.

Der französische PrĂ€sident Emmanuel Macron, der die Angriffe auf Saint Denis oder Saint Sulpice nie erwĂ€hnt hatte, ging rasch zur Notre Dame und erklĂ€rte: „Notre Dame ist unsere Geschichte, unsere Literatur, unsere Fantasie“. Er hat die religiöse Dimension der Kathedrale völlig außen vor gelassen.

Am nĂ€chsten Abend sagte er, dass Notre Dame in fĂŒnf Jahren wieder aufgebaut werden wĂŒrde: Das war eine mutige Aussage. Viele Kommentatoren interpretierten seine Worte als von seinem Willen diktiert, nach fĂŒnf Monaten Demonstrationen, Unruhen und Zerstörungen, die auf seinen ineffektiven Umgang mit dem Aufstand der „Gelben Westen“ zurĂŒckzufĂŒhren waren, verzweifelt das Vertrauen des französischen Volkes zurĂŒckzugewinnen. (Am 16. MĂ€rz wurde ein Großteil der Champs-ÉlysĂ©es durch AufstĂ€ndische beschĂ€digt; die Reparaturen haben gerade erst begonnen.) Alle Experten sind sich einig, dass es mit ziemlicher Sicherheit weitaus lĂ€nger als fĂŒnf Jahre dauern wird, Notre Dame wieder aufzubauen.

Macron fĂŒgte seltsamerweise hinzu, dass die Kathedrale „schöner“ sein wĂŒrde als zuvor – als ob ein schwer beschĂ€digtes Denkmal nach der Restaurierung schöner sein könnte. Macron fĂŒgte an, dass die Rekonstruktion eine „zeitgenössische architektonische Geste“ sein wĂŒrde. Die Bemerkung fĂŒhrte zu Besorgnis, wenn nicht gar Panik unter den Verteidigern historischer DenkmĂ€ler, die nun befĂŒrchten, dass sie einem Juwel der gotischen Architektur moderne architektonische Elemente hinzufĂŒgen wollen. Auch hier ließ er die religiöse Dimension der Kathedrale völlig außen vor.

Macrons Haltung ist nicht ĂŒberraschend. Von dem Moment an, als er PrĂ€sident wurde, hat er sich von jeder christlichen Zeremonie ferngehalten. Die meisten der PrĂ€sidenten, die ihm vorausgingen, taten dasselbe. Frankreich ist ein Land, in dem ein dogmatischer SĂ€kularismus die Oberhand hat. Ein politischer FĂŒhrer, der es wagt, sich als Christ zu bezeichnen, wird sofort in den Medien kritisiert und kann damit nur einer aufkeimenden politischen Karriere schaden. Nathalie Loiseau – die ehemalige Direktorin der französischen National School of Administration und fĂŒhrende Kandidatin auf der WĂ€hlerliste der Macron’schen Partei „Republique en Marche“ fĂŒr die Wahlen zum EuropĂ€ischen Parlament im Mai 2019 – wurde kĂŒrzlich beim Verlassen einer Kirche nach der Messe fotografiert, was zu einer medialen Debatte darĂŒber fĂŒhrte, ob ihr Kirchenbesuch ein „Problem“ sei.

Die Ergebnisse des französischen SĂ€kularismus sind sichtbar. Das Christentum ist fast vollstĂ€ndig aus dem öffentlichen Leben verschwunden. Die Kirchen sind leer. Die Zahl der Priester schrumpft und die in Frankreich tĂ€tigen Priester sind entweder sehr alt oder kommen aus Afrika oder Lateinamerika. Die dominante Religion in Frankreich ist heute der Islam. Jedes Jahr werden Kirchen abgerissen, um Platz fĂŒr ParkplĂ€tze oder Einkaufszentren zu schaffen. Überall werden Moscheen gebaut, und sie sind voll. Radikale Imame missionieren. Der Mord an Jacques Hamel, einem 85 Jahre alten Priester, der von zwei Islamisten abgeschlachtet wurde, wĂ€hrend er in einer Kirche, in der nur fĂŒnf Personen (drei von ihnen alte Nonnen) anwesend waren, die Messe hielt, ist verrĂ€terisch.

1905 verabschiedete das französische Parlament ein Gesetz, das besagt, dass alle GĂŒter der katholischen Kirche in Frankreich beschlagnahmt wĂŒrden. Kirchen und Kathedralen wurden Eigentum des Staates. Seitdem haben die aufeinanderfolgenden Regierungen wenig Geld ausgegeben, um sie zu erhalten. Die Kirchen, die nicht vandalisiert wurden, sind in einem schlechten Zustand, und die meisten Kathedralen sind ebenfalls in einem schlechten Zustand. Noch vor dem verheerenden Brand erklĂ€rte die Erzdiözese Paris, dass „sie sich nicht alle Reparaturen leisten kann“, die die Notre Dame benötigte, nĂ€mlich „geschĂ€tzte 185 Millionen Dollar“. Laut CBS News, in einem Bericht vom 20. MĂ€rz 2018:

„Die französische Regierung, die EigentĂŒmerin der Kathedrale, hat in den nĂ€chsten zehn Jahren rund 50 Millionen Dollar zugesagt, so dass eine Rechnung von 135 Millionen Dollar ĂŒbrig bleibt. Um den Rest zu sammeln, half Picaud bei der GrĂŒndung der Friends of Notre-Dame of Paris Foundation. Sie arbeitet daran, private Spender sowohl in Frankreich als auch auf der anderen Seite des Atlantiks zu finden.

„‚Wir wissen, dass Amerikaner reich sind, also gehen wir dorthin, wo wir denken, dass wir Geld finden können, um die Kathedrale wieder aufzubauen‘, sagte Picaud.“

Am Abend des Feuers in der Notre Dame versammelten sich Hunderte von Franzosen vor der brennenden Kathedrale, um Psalmen zu singen und zu beten. Sie schienen plötzlich zu verstehen, dass sie etwas immens Wertvolles verloren hatten.

Nach dem Brand beschloss die französische Regierung, Spenden von Privatpersonen, Unternehmen und Organisationen fĂŒr den Wiederaufbau zu sammeln; mehr als eine Milliarde Euro sind bereits eingeflossen. Französische MilliardĂ€re versprachen, große Summen zu zahlen: die Familie Pinault (die HaupteigentĂŒmer des Handelskonzerns Kering) versprach 100 Millionen Euro, die Familie Arnault (EigentĂŒmer von LVMH, dem grĂ¶ĂŸten LuxusgĂŒterunternehmen der Welt), 200 Millionen Euro, die Familie Bettencourt (EigentĂŒmer von L’OrĂ©al), ebenfalls 200 Millionen Euro. Viele der französischen „Linken“ sagten sofort, dass wohlhabende Familien zu viel Geld hĂ€tten und dass diese Millionen besser fĂŒr die Hilfe fĂŒr die Armen verwendet wĂŒrden als fĂŒr die Pflege alter Steine.

Auf absehbare Zeit wird das Herz von Paris die schrecklichen Narben eines Feuers tragen, das weit mehr verwĂŒstet hat als eine Kathedrale. Das Feuer zerstörte einen wesentlichen Teil dessen, was von der fast verlorenen Seele Frankreichs ĂŒbrig geblieben ist und was Frankreich erreichen kann, wenn die Franzosen an etwas Höheres glauben als an ihr eigenes tĂ€gliches Leben.

Einige hoffen, dass der Anblick der zerstörten Kathedrale viele Franzosen dazu anregen wird, dem Beispiel derer zu folgen, die in der Nacht der Katastrophe gebetet haben. Michel Aupetit, Erzbischof von Paris, sagte am 17. April, zwei Tage nach dem Brand, dass er sicher sei, dass Frankreich ein „spirituelles Erwachen“ erleben wĂŒrde.

Andere, nicht so optimistisch, sehen in der Asche des Doms ein Symbol fĂŒr die Zerstörung des Christentums in Frankreich. Der Kunsthistoriker Jean Clair sagte, dass er in der Zerstörung von Notre Dame ein zusĂ€tzliches Zeichen einer „unwiderruflichen Dekadenz“ Frankreichs und des endgĂŒltigen Zusammenbruchs der jĂŒdisch-christlichen Wurzeln Europas sieht.

Ein amerikanischer Kolumnist, Dennis Prager, schrieb:

„Die Symbolik des Niederbrennens der Kathedrale Notre Dame, des berĂŒhmtesten GebĂ€udes der westlichen Zivilisation, des ikonischen Symbols der westlichen Christenheit, ist schwer zu ĂŒbersehen. Es ist, als wollte Gott selbst uns auf die unmissverstĂ€ndlichste Weise warnen, dass das westliche Christentum brennt – und mit ihm die westliche Zivilisation.“

Ein anderer amerikanischer Autor, Rod Dreher, bemerkte:

„Diese Katastrophe in Paris heute ist ein Zeichen fĂŒr alle von uns Christen und ein Zeichen fĂŒr alle Menschen im Westen, besonders fĂŒr diejenigen, die die Zivilisation verachten, die diesen großen Tempel fĂŒr ihren Gott auf einer Insel in der Seine errichtete, wo seit den Tagen des heidnischen Roms religiöse Riten gefeiert werden. Es ist ein Zeichen dafĂŒr, was wir verlieren und was wir nicht wiederherstellen werden, wenn wir jetzt nicht den Kurs Ă€ndern.“

Im Moment deutet nichts darauf hin, dass Frankreich und Westeuropa ihren Kurs Àndern werden.

Dr. Guy MilliĂšre, Professor an der UniversitĂ€t Paris, ist Autor von 27 BĂŒchern ĂŒber Frankreich und Europa.

23. April 2019, Englischer Originaltext: The Burning of Notre Dame and the Destruction of Christian Europe
Übersetzung: Daniel Heiniger

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 29. April 2019 um 14:07 und abgelegt unter Christentum weltweit, Kirche, Kirchengeschichte.