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Gro├čer Konsens gegen Gottes Wort?

Donnerstag 7. Februar 2019 von Prof. Dr. Rolf Hille


Prof. Dr. Rolf Hille

1. Segnung homophiler Paare – ein kirchlicher Konflikt

Es wird kr├Ąftig in der Kirche gestritten und gleichzeitig die Einheit angemahnt. Die Diskussion um die kirchliche Segnung bzw. Trauung gleichgeschlechtlicher Partner ist daf├╝r ein aktuelles Beispiel. Unter dem Druck der ├Âffentlichkeitswirksamen Homosexuellenlobby haben nahezu alle Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland die Einf├╝hrung solcher Amtshandlungen beschlossen. Gegen├╝ber Kritikern verweist man gerne auf den „magnus consensus“, d.h. die gro├če ├ťbereinstimmung, die es in dieser Frage gibt. Und wenn eine breite Mehrheit das so beschlie├čt, kann eine synodale Minderheit nicht das Gegenteil durchsetzen. Die Mehrheit bestimmt nun einmal – so ist das in der Demokratie.

Aber ganz so einfach ist die Sache nicht. Die Verfassungen der Landeskirchen haben sich an Schrift und Bekenntnis gebunden. Inhalte und Gesetze, die im Widerspruch zur Bibel und den reformatorischen Bekenntnissen stehen, k├Ânnen nicht durch Mehrheitsentscheidungen durchgesetzt werden. Hier ist sowohl die Kirche als Ganze wie auch der einzelne Christ seinem Gewissen verpflichtet. Bei Gewissensfragen haben wir die unverf├╝gbaren Rechte des Einzelnen zu achten. Im Blick auf die Kirchengemeinschaft geht es dabei um das biblische Fundament des Glaubens.

2. Ist die Segnung homophiler Paare nur ein Randthema?

Die Bef├╝rworter der Segnung homophiler Partnerschaften wenden ein, es gehe bei dieser Frage lediglich um ein spezielles Problem der Ethik, das keinesfalls die Schrift- und Bekenntnisbindung der Kirche ber├╝hrt. Deshalb k├Ânnten auch kirchliche Gremien wie Presbyterien bzw. Kirchengemeinder├Ąte oder auf Landesebene Synoden mit einfachen Mehrheiten solche Trauungen einf├╝hren. Wer das nicht akzeptiert – so wird gesagt – der stelle den „gro├čen Konsens“, d.h. das hohe Gut der Kircheneinheit in Frage.

Die Einheit der Christen stellt ohne Zweifel eine zentrale Verpflichtung dar. Das Neue Testament mahnt an vielen Stellen zur Einheit; z.B. „Seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens.“ (Eph 4,3) Also muss – so argumentiert man – um der Einheit in Christus willen auf den magnus consensus geachtet werden. Eine Minderheit, die davon abweicht, wird fr├╝her oder sp├Ąter disziplinarisch abgestraft. Zun├Ąchst mag es f├╝r eine ├ťbergangszeit noch Gewissensschutz f├╝r die Pfarrer und Gemeinden geben, die keine Trauungen f├╝r gleichgeschlechtliche Paare durchf├╝hren. Aber der Druck durch die ├Âffentliche Diskussion, durch kirchenamtliche Anordnungen und die Isolation von Abweichlern etc. wird zunehmen.

Dabei ├╝bersieht man geflissentlich, dass die Forderung nach Einheit nicht absolut gilt. Das Neue Testament ruft auch zur Trennung auf, wenn Gottes Gebot missachtet und falsche Lehre verk├╝ndigt wird (vgl. 1. Kor 11,10; Gal 1,8).

3. Wenn Gottes Wort Nein sagt, darf die Kirche nicht Ja sagen

Hier kann nur die R├╝ckbesinnung auf das helfen, was in der Sache eine ├ťbereinstimmung in der evangelischen Kirche erst m├Âglich macht, n├Ąmlich die Bindung an Schrift und Bekenntnis. Und in diesem Punkt ist die Bibel klar und eindeutig. Alle Bibelstellen, in denen das Thema Homosexualit├Ąt angesprochen wird, lehnen deren Praxis strikt ab.

Gott hat Menschen in der Polarit├Ąt von Mann und Frau geschaffen und segnet ihre Liebesbeziehung, aus der Kinder hervorgehen sollen. Diese Gemeinschaft der Ehe wird nirgends aufgehoben, sie ist ein Grundpfeiler der Sch├Âpfungsordnung ├╝berhaupt. Jesus hat sie mit Nachdruck best├Ątigt (Mk 10,6-9).

Im Blick auf das von Gott erw├Ąhlte Volk Israel gilt das Heiligkeitsgesetz nicht zuletzt f├╝r Fragen der Sexualethik. Israel soll den Willen Gottes demonstrativ gegen├╝ber den Heidenv├Âlkern erf├╝llen: „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der Herr euer Gott.“ (3. Mo 19,2) Im 18. Kapitel des 3. Mosebuches wird das hinsichtlich verschiedener Aspekte des sexuellen Umgangs durchgekl├Ąrt. Ehebruch, Inzest, Sodomie und eben auch homophile Beziehungen werden kategorisch verboten: „Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau; es ist ein Gr├Ąuel.“ (3. Mo 18,22) Wer Homosexualit├Ąt praktiziert, verl├Ąsst den Bund mit Gott und stellt sich au├čerhalb der Rechtsgemeinschaft Israels. Diese Anweisung gilt so grunds├Ątzlich, dass Homophilie im pal├Ąstinischen Judentum zurzeit Jesu kein Streitthema war. Sie wurde schlicht abgelehnt. Deshalb war Jesus auch nicht gen├Âtigt, dazu Stellung zu nehmen.

Ganz anders verhielt es sich in der antiken Welt des r├Âmischen Reiches, in dem Paulus als Missionar unterwegs war. Vor allem hatten die alten Griechen aus homosexuellen und lesbischen Lebensweisen ein Ideal gemacht. Der Apostel sieht in diesen Verh├Ąltnissen eine Perversion (Verkehrung) der Sexualit├Ąt. Mit scharfen Worten gei├čelt Paulus die heidnische Praxis als schwere S├╝nde (R├Âm 1,18-28), um dann in einem Lasterkatalog (Verse 29-32) noch weitere Verhaltensweisen, die Gott verwirft und bestraft, anzuf├╝gen. Beim R├Âmerbrief handelt es sich um eine besonders bedeutsame Schrift f├╝r die Reformation – speziell f├╝r Martin Luther. Die Frage stellt sich, wie die Reformationskirchen heute mit dem apostolischen Wort umgehen.

4. Wer verl├Ąsst hier den gro├čen consensus?

Im Zusammenhang mit der Segnung/Trauung gleichgeschlechtlicher Paare wird – wie gezeigt – vorrangig mit der Einheit der Kirche argumentiert. Doch wer verl├Ąsst hier den „magnus consensus“? In der gesamten Heiligen Schrift und durch die Geschichte der christlichen Kirche aller Jahrhunderte und aller Konfessionen hindurch hat selbstverst├Ąndlich der Konsens gegolten, dass die Kirche nicht segnen darf, was Gott verworfen und verboten hat. Man muss deshalb den Spie├č umdrehen und die protestantischen Gruppen in der Weltchristenheit auffordern, zur gro├čen ├ťbereinstimmung zur├╝ckzukehren.

Weil es bei diesem Thema um einen eindeutigen biblischen Befund geht, erweist sich der magnus consensus innerhalb der weltweiten Christenheit als eindeutig. Hierin sind sich die r├Âmisch-katholische Kirche, die orthodoxen Kirchen, viele evangelische Freikirchen und nicht zuletzt die ├╝berw├Ąltigende Mehrheit der Gemeinden in Afrika, Lateinamerika und Asien einig. Der liberale Protestantismus ist nicht autorisiert, einseitig gegen Gottes Wort die globale Kirchengemeinschaft zu verlassen. Vor allem darf niemand gen├Âtigt werden, gegen sein Gewissen zu handeln.

5. Man muss schon auf breiter Front der Bibel widersprechen, wenn man Homosexuelle und Lesben segnet

Es geht bei diesem Konflikt darum, ob im konkreten Fall die Bibel noch Grundlage f├╝r ethische Entscheidungen ist. Man muss, wenn man die Segnung homophiler Paare durchsetzt, schon behaupten, dass Gott sich mit seiner Sch├Âpfungsordnung vertan hat und dass Jesus daneben lag, wenn er sich auf diese Ordnung berief. Des Weiteren wird mit der Trauung homosexueller Paare das alttestamentliche Heiligkeitsgesetz au├čer Kraft gesetzt. Im Blick auf seine sexualethischen Weisungen hat n├Ąmlich das Apostelkonzil (Apg 15,28+29) diese ausdr├╝cklich f├╝r die neutestamentliche Gemeinde best├Ątigt. Darf das mit einem Federstrich zur Seite gewischt werden? Und schlie├člich lag Paulus, wenn man homophile Trauungen einf├╝hrt, mit seinem Urteil im R├Âmerbrief v├Âllig daneben.

Wer die kirchliche Trauung Homophiler demokratisch beschlie├čt, hebt massiv die G├╝ltigkeit des Wortes Gottes auf. Daf├╝r kann niemand legitim die Einheit der Kirche in Anspruch nehmen. Im Gegenteil, die Kirche verspricht in solchen gottesdienstlichen Handlungen den Segen Gottes f├╝r ein Verhalten, das Gott ausdr├╝cklich verboten hat. Damit f├╝hrt die Kirche Menschen in die Irre, denn sie verspricht etwas zu segnen, was Gott nicht segnet.

Damit ist keineswegs der respektvolle Umgang mit Homosexuellen und Lesben aufgek├╝ndigt. Sie werden vielmehr als Menschen in ihrer W├╝rde ernst genommen. Sie haben in der Gemeinde – gemeinsam mit allen anderen S├╝ndern – ihren Platz und ein volles Recht auf Seelsorge und Vergebung. Aber das bedeutet eben keinen Segen f├╝r eine Lebenspraxis, die Gottes Wort ungehorsam ist.

Prof. Dr. Rolf Hille, 28.1.2019

Quelle: www.bibelundbekenntnis.de

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 7. Februar 2019 um 14:26 und abgelegt unter Kirche, Sexualethik.