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Predigt über 1 Mose 11,1-9: Pfingsten und der Turmbau zu Babel

Montag 21. Mai 2018 von Prädikant Wolfgang Wilke


Prädikant Wolfgang Wilke

Liebe Gemeinde, in 1. Mose 11,1-9 finden wir den Bericht über den Turmbau zu Babel: „Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache. Als sie nun von Osten aufbrachen, fanden sie eine Ebene im Lande Schinar und wohnten daselbst. Und sie sprachen untereinander: Wohlauf, lasst uns Ziegel streichen und brennen! – und nahmen Ziegel als Stein und Erdharz als Mörtel und sprachen: Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, dass wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut über die ganze Erde.

Da fuhr der HERR hernieder, dass er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten. Und der HERR sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen und dies ist der Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun. Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des andern Sprache verstehe! So zerstreute sie der HERR von dort über die ganze Erde, dass sie aufhören mussten, die Stadt zu bauen. Daher heißt ihr Name Babel, weil der HERR daselbst verwirrt hat aller Welt Sprache und sie von dort zerstreut hat über die ganze Erde.“

Sie wundern sich vielleicht: Was hat der Turmbau zu Babel mit Pfingsten zu tun. Haben Sie ein wenig Geduld und lassen Sie sich überraschen. Zum Geschehen. Als die Sintflut, die alles Leben auf der Erde ausgelöscht hatte, zu Ende war, landete die Arche mit Noah und seiner Familie auf dem Berg Ararat im Bergland von Armenien.

Noah, begeistert und voller Dankbarkeit über Gottes wunderbare Rettung, baute Gott einen Altar und brachte IHM aus vollem Herzen ein Dankopfer dar. Voller Freude starteten sie nun, auf der durch die Sintflut veränderten Erde, ein neues Leben und begannen, sie wieder zu bevölkern. Im Laufe von fünf Generationen hatten sie sich bereits kräftig vermehrt aber ihr Verhältnis zu Gott hatte sich verändert. Die erste Liebe zu Gott, dem Schöpfer, Retter und Erhalter ihres Lebens, ging bei den nachfolgenden Generationen langsam verloren.

Einer unter ihnen, mit Namen Nimrod, entwickelte sich zu einem starken und mächtigen Anführer und Herrscher. Er überredete sie, sich nicht weiträumig über die Erde zu verteilen, wie Gott es ihnen geboten hatte, sondern als Volk geschlossen weiter nach Osten zu ziehen. Dort kamen sie, im Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris, in eine reichbewässerte und paradiesisch fruchtbare Talebene. Hier ließen sie sich nieder. (V. 2)

Ich möchte drei Punkte beleuchten

  1. Der Plan der Menschen
  2. Das Eingreifen Gottes
  3. Die Einheit durch den Heiligen Geist

1.) Der Plan der Menschen

Sie haben hier alles, was sie zum Leben brauchen und darüber hinaus. Doch sie wollen mehr. Sie wollen, entgegen Gottes Befehl, zusammenbleiben, Einheit und Stärke demonstrieren und nicht zerstreut werden. Die Einheit, die bisher die Menschenfamilie verband, war die Anerkennung und Verehrung des einen, des lebendigen Gottes, des Schöpfers Himmels und der Erde. Das genügt ihnen jetzt nicht mehr. Sie wollen etwas schaffen, das ihnen Ruhm und Ehre einbringen soll. Sie wollen sich ein Denkmal setzen und sich einen Namen machen, der in die Nachwelt hineinreichen und ihnen dadurch Unsterblichkeit verleihen soll.

Die gleiche Motivation steht auch hinter den Pyramiden der Ägypter, den Mausoleen und Obelisken sowie den römischen Triumphbögen der Antike. Diese Rebellion, die Auflehnung der Menschen gegen Gott, kommt einem zweiten Sündenfall gleich und hat seinen Ursprung in dem Verlangen: „sein zu wollen wie Gott“. (vgl. 1.Mose 3,5)

Es ist interessant: Der Name ihres Anführers, der sie zu dem Ungehorsam angestiftet hatte, Nimrod, heißt wörtlich übersetzt „wir wollen rebellieren“. Und genau das wird jetzt umgesetzt. Angestachelt von Stolz und Eigenwille, beschließen sie in einer Volksversammlung, eine Stadt und einen Turm zu bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reicht. Der Turm in der Urzeit sollte die Menschenfamilie unabhängig machen von Gott im Himmel, als gäbe es Gott nicht. Hier zeigt sich die Ausweitung der Ursünde eines Menschenpaares ins Universale.

Das war zwar damals, ist aber heute noch topaktuell, denn die grundlegenden Erfahrungen machen wir an jedem Tag bis heute. Wieviele Türme werden heute gebaut, womit Herrscher, Architekten, Investoren und Konzerne ihre Macht, ihr Geld und ihr Können zeigen und sich einen Namen machen und in die Geschichte eingehen wollen. Z.B.

  • Die Zwillingstürme in Kuala Lumpur (452 m), dreimal so hoch wie der Kölner Dom
  • der Shanghai Tower (652 m),
  • der Hotelturm Burj Kalifa in Dubai (828 m) oder der
  • Kingdom Tower im saudi-arabischen Jeddah, der mit 1007 m alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt und 2019 eingeweiht werden soll.

Die Bauten sind eigentlich nicht unbedingt das Problem, sondern die Motivation, weshalb sie so gebaut wurden. Sie sind zur Verherrlichung von Menschen errichtet worden, weil sie sich damit einen Namen machen wollten, statt Gott damit die Ehre zu erweisen. Ob Gott auch hier, wie damals in Babel, irgendwann eingreifen wird, um den Größenwahn zu stoppen und Schlimmeres zu verhindern?

2.) Das Eingreifen Gottes (damals)

Die Verse 5-8 geben uns einen Einblick in Gottes Gedanken. Der dreieinige Gott, der Schöpfer im Himmel, sieht sich das selbstherrliche Treiben der Menschen da unten auf der Erde an und kommt zu dem Schluss: „Wohin wird das noch führen? Sie sind ein einziges Volk und sprechen alle dieselbe Sprache. Wenn sie diesen Bau vollenden, wird ihnen nichts mehr unmöglich sein. Sie werden alles ausführen, was ihnen in den Sinn kommt.“

Dann entschloss ER sich, machtvoll einzugreifen, um Schlimmeres zu verhindern. D.h. zu verhindern, dass sie den Weg der Rebellion und der Gottlosigkeit weiterverfolgen. Und so sprach ER: „Ans Werk! Wir steigen hinab und verwirren ihre Sprache, damit niemand mehr den anderen versteht!“ So zerstreute der Herr sie über die ganze Erde und sie konnten die Stadt nicht weiterbauen.

Damit waren die hochfliegenden Pläne der Menschen gescheitert. Der Turm blieb unvollendet liegen, weil sich die Menschen nicht mehr verstehen konnten; denn bis dahin hatten die Menschen damals noch eine einzige, allen gemeinsame Sprache. (V.1) Das war noch die Sprache, die Gott dem ersten Menschenpaar gegeben hatte und die sie dann an ihre Nachkommen weitervererbten.

Jetzt aber hatten sie unterschiedliche Sprachen, sodass eine konstruktive Kommunikation unmöglich war. Bis heute ist ja nicht die Vielsprachigkeit der Völker das tiefste Problem, denn das ließe sich durch Dolmetscher noch bewältigen. Die Tragödie bis heute ist, dass wir oft mit ein und derselben Sprache aneinander vorbeireden. Man spricht zu tauben Ohren, man versteht sich nicht mehr. Deshalb musste das himmelstürmende Projekt „Turmbau zu Babel“ aufgegeben werden.

Die Stadt, in der der angefangene Turm stand, wurde Babel genannt, das bedeutet: „Tor Gottes“ oder „Himmelspforte“, doch sie wurde zu einer Stätte der Verführung und Verwirrung. So wird mit Babel oder Babylon in der Bibel, vor allem für die Endzeit, das gottwidrige Reich der Welt bezeichnet, das sich gegen Gottes Reich erhebt.

Aber, was ist heute? Schon wieder, oder immer noch, ist der Mensch dabei, sich gegen Gott aufzulehnen und wieder wollen die Menschen Gott gleich sein, Schöpfer sein. Durch Genmanipulation, Klonen von Schafen und demnächst vielleicht sogar Klonen von Menschen, Entwicklung von denkenden Robotern, die in der Altenpflege eingesetzt werden sollen, maßt sich der Mensch Schöpferfunktionen an, die alleine Gott, dem Schöpfer, zustehen. Und wieder ist der Mensch dabei, ein Weltreich, eine religiös-politische Einheit ohne Gott, ja ein Welteinheitsreich zu schaffen, in dem Gott keine Rolle mehr spielt. Doch die Einheit der unerlösten Menschheit ist kein Traum, sondern ein Albtraum, wie alle geschichtlichen Beispiele zeigen. Solange Gott sie in Seiner Güte verhindert, kann die Gemeinde Jesu nur dankbar sein.

3.) Die Einheit durch den Heiligen Geist

Was hat nun der Turmbau zu Babel mit Pfingsten zu tun? Das heilsgeschichtliche Gegenstück zum Turmbau zu Babel ist das Pfingstgeschehen. Dem katastrophalen Ereignis der Sprachverwirrung in Babylon der Urzeit steht das freudige Pfingsterlebnis in Jerusalem gegenüber.

Gott schenkt durch die Ausgießung Seines Heiligen Geistes das Wunder des neuen Verstehens und der neuen, von Gott geschaffenen Einheit in der Gestalt der weltweiten Gemeinde Jesu Christi; eine Einheit aus Juden und Heiden, die Gott geschaffen hat zur Ehre Seines heiligen Namens. Deshalb hat diese Einheit auch Bestand in Ewigkeit.

Das Kommen des Heiligen Geistes schließt das Heilswerk Jesu ab. Im Heiligen Geist ist die Gemeinde jetzt mit Jesus Christus, dem erhöhten HERRN, bis zu Seiner Wiederkunft verbunden. Nachdem seit der babylonischen Sprachverwirrung die ursprüngliche einheitliche Menschheitssprache, die sie mit Gott und untereinander verbunden hatte, verloren war, wird der ersten christlichen Gemeinde, durch das Wirken des Heiligen Geistes, diese Sprache zeichenhaft wiedergeschenkt. Dieses Sprachwunder an Pfingsten ist eine Vorab-Erfüllung endgeschichtlicher Ereignisse.

Es heißt in Apg 2,4 ff: „… sie begannen in anderen Sprachen zu reden, jeder, wie es ihnen der Geist Gottes eingab.“ (GNB) „Außer sich vor Staunen riefen sie: »Die Leute, die da reden, sind doch alle aus Galiläa! Wie kommt es, dass jeder von uns sie in seiner Muttersprache reden hört? Wir kommen aus Persien, Medien und Elam, aus Mesopotamien, aus Judäa und Kappadozien, aus Pontus und aus der Provinz Asien, aus Phrygien und Pamphylien, aus Ägypten, aus der Gegend von Kyrene in Libyen und sogar aus Rom. Wir sind geborene Juden und Fremde, die sich der jüdischen Gemeinde angeschlossen haben, Insel- und Wüstenbewohner. Und wir alle hören sie in unserer eigenen Sprache die großen Taten Gottes verkünden!“ (V 7-11 GNB)

Die Pfingstpredigt der Jünger hatte nur einen Inhalt: Jesus Christus. Dieser Name soll großgemacht werden! Denn auch Jesus ist vom Himmel herabgestiegen, nicht um uns zu bestrafen, sondern um uns zu befreien und die Strafe auf sich zu nehmen und diesen Namen möchten sie in die Welt tragen.

Schluss

Wie sieht das mit uns aus? Womit wollen wir uns einen Namen machen? Es müssen ja nicht immer Türme sein. Es geht auch anders. Wieviel aufopfernde Lebens-Energie setzen manche Menschen ein, nur um eine Leistung zu vollbringen, mit der sie sich selbst einen Namen in der Welt machen wollen, um ins Guinness-Buch der Rekorde eingetragen zu werden. Lasst uns unsere Energie lieber einsetzen, um Jesus Christus, unseren Retter, zu loben und Seinen Namen groß zu machen und zur Ehre Seines Namens am Bau Seines ewigen Reiches mitwirken. ER wird dann unseren Namen ins Buch des Lebens eintragen. Das allein entscheidet, wo wir unsere Ewigkeit zubringen werden! Und das ist allen Einsatz wert.

Amen.

„Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem HERRN!“ Amen.

Prädikant Wolfgang Wilke, Predigt für Pfingstmontag, 5.6.2017

 

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 21. Mai 2018 um 8:32 und abgelegt unter Predigten / Andachten.