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Das Kreuz – Stolperstein der Theologie

Donnerstag 8. Februar 2018 von Dr. Markus Till


Dr. Markus Till

Der stellvertretende Opfertod Jesu ist der innerste Kern des Evangeliums. Die theologische Verwirrung um die Bedeutung des Kreuzes zeigt, wie sehr das vorherrschende SchriftverstÀndnis der Kirche schadet.

„Heute geht’s ans Eingemachte.“ Mit diesen Worten beginnt Dr. Thomas Breuer seinen Worthaus-Vortrag ĂŒber die Bedeutung des Kreuzestodes.1 Auch der ehemalige PrĂ€ses der EKD, Nikolaus Schneider, sieht in der Kreuzestheologie den „Eckstein und Stolperstein“ der Theologie- und Kirchengeschichte.2 Der Theologe Werner Thiede spricht gar vom „Kernbestand“ und „innersten Heiligtum aller großen Konfessionen“.3 Ihnen allen ist also klar: Beim Kreuz geht es um den innersten Kern des Evangeliums. Wer die Kreuzestheologie Ă€ndert, verpasst dem Christentum keinen neuen Haarschnitt –  er nimmt eine Herztransplantation vor.

Umso seltsamer wirkt es auf mich, wenn immer wieder behauptet wird: Ein liberales SchriftverstÀndnis Àndere doch gar nichts an den Kernaussagen des Evangeliums. In den wesentlichen Dingen seien sich doch alle einig.4 Nirgendwo wird diese Behauptung deutlicher widerlegt als bei der Frage nach der Bedeutung des Kreuzestodes.

Weshalb ist Jesus am Kreuz gestorben?

Jahrzehntelang war fĂŒr mich die Antwort auf diese Frage simpel und sonnenklar: FĂŒr mich! Um meiner Vergehen willen! Die Strafe liegt auf ihm, damit ich Frieden habe. Sein Opfer hat meine Schuld bezahlt („gesĂŒhnt“). Mein Schuldschein hĂ€ngt am Kreuz. Deshalb habe ich freien Zugang zu Gott und mein Name steht im Buch des Lebens.

Nie wĂ€re ich auf die Idee gekommen, dass es bei diesen allerzentralsten Aussagen des Christentums irgendetwas zu diskutieren gĂ€be. Weit gefehlt! Vor einigen Jahren wurde ich erstmals mit einer theologischen Welt konfrontiert, in der bei dieser Frage ĂŒberhaupt gar nichts klar ist, im Gegenteil: Ein ganzer Wust an „Deutungen“ des Kreuzestodes schwappte mir entgegen.5 Nur eines war fĂŒr einige dieser Theologen ganz sicher: Meine simple SĂŒhneopfererklĂ€rung sei jedenfalls grundverkehrt6, denn:

„Gott braucht kein Opfer und schon gar kein Blut“

So formuliert es sowohl der Theologieprofessor Wilfried HĂ€rle7 als auch Dr. Breuer in seinem Worthaus-Vortrag1. Prof. HĂ€rle ergĂ€nzt: „Wird diese Einsicht verloren wird alles vom Ansatz her falsch.“ Und Dr. Breuer legt in seiner vernichtenden Kritik der SĂŒhneopfertheologie nach: „Ein Gott der Menschenopfer braucht ist nicht der gĂŒtige Vater, es ist nicht Jahwe, es ist der Gott Moloch. Es ist kein Gott dem man vertrauen kann.“ „Jesu Tod an sich ist sinnlos.“ „Erlösend ist nicht der Tod am Kreuz, erlösend ist allein die Liebe Gottes.“

Bei solchen SĂ€tzen atme ich tief durch. Worthaus ist schließlich kein ultraliberales Skeptikerportal, sondern wird von Christen quer durch alle Denominationen und PrĂ€gungen gehört und geschĂ€tzt. Und Dr. Breuer ist mit dieser Sichtweise ja nicht allein. Gebahnt wurde diese Entwicklung schon lange vor ihm von prĂ€genden protestantischen Theologen wie Friedrich Schleiermacher8 oder Rudolf Bultmann9, die sich damit deutlich von der reformatorischen Kreuzestheologie10 absetzten. 1986 erklĂ€rte der Theologe Christoph Blank, dass keine Lehre des Christentums grĂ¶ĂŸeren Schwierigkeiten begegne als die Lehre vom stellvertretenden SĂŒhnetod.11 Inzwischen hĂ€lt Christoph Wiesing die SĂŒhneopfertheologie im protestantischen Raum „aus guten GrĂŒnden fĂŒr weitgehend abgelöst.“ Selbst engagierte Pfarrer wĂŒrden ihm sagen: „Das glaubt bei uns keiner mehr.“ 12 In der Tat berichtete ‚Die Welt‘ schon 2009 darĂŒber, wie auch fĂŒhrende Theologen und Kirchenleiter die SĂŒhnetheologie verworfen haben. Was ist da nur passiert?

Was spricht gegen die Lehre vom stellver­tre­tenden SĂŒhneopfer?

Die Argumente, die von verschiedensten Seiten vorgebracht werden, sind vielfÀltig. Die gelÀufigsten lauten in etwa wie folgt:

  1. Die Bibel selbst kenne eine Reihe von „Deutungen“ fĂŒr Jesu Kreuzestod. Die Deutung als SĂŒhneopfer bzw. als stellvertretender Opfertod sei nicht einmal die wichtigste. Insbesondere in den Evangelien komme sie kaum vor, ebenso wenig in den altkirchlichen Bekenntnissen.
  2. Jesus selbst habe seinen Tod nicht als stellvertretendes Opfer gesehen. Seine Aussagen beim Abend­mahl seien ihm erst nachtrÀglich in den Mund gelegt worden.
  3. Die SĂŒhneopfertheologie hĂ€tte sich letztlich erst durch die „Satisfaktionslehre“ des mittelalterlichen Theologen Anselm von Canterbury (1033 bis 1109) durchgesetzt. Sie beruhe auf einem mittelalterlichen RechtsverstĂ€ndnis.
  4. Dass das Leben eines Anderen (egal ob Tier oder Mensch) fĂŒr unsere Vergehen sĂŒhnen könne, sei fĂŒr heutige Menschen nicht nachvollziehbar. Ein großer Prozentsatz heutiger Christen könne damit nichts mehr anfangen.
  5. Sowohl das Alte wie das Neue Testament zeuge davon: Gott brauche das Kreuz nicht, um SĂŒnden zu vergeben. Jesus konnte z.B. dem GelĂ€hmten auch vor seinem Kreuzestod SĂŒndenvergebung zusprechen (Matth. 9,2). Es wĂ€re ja auch seltsam, wenn Gott einen Opfertod benötigen wĂŒrde, wĂ€hrend wir Menschen einander einfach so vergeben können (und sollen!). Dann könnten wir Menschen ja mehr als Gott.
  6. Die SĂŒhneopfertheologie fĂŒhre zu einem sehr problematischen Gottesbild von einem gewalttĂ€tigen Gott, der Blut sehen will, um seinen Zorn stillen zu können. Das stĂŒnde im klaren Widerspruch zu Jesu Lehre von der Feindesliebe. Ein Gott, der gleichzeitig seinen Feinden vergibt (Luk.23,34) und Menschenopfer fĂŒr die Vergebung braucht, wĂ€re schizophren. Dr. Breuer kommentiert: „Das ist kein Gottesbild, das ich heute akzeptieren kann.“ 1

Schon diese AufzĂ€hlung zeigt: Die Argumente gegen das SĂŒhneopfer sind nicht primĂ€r eine Folge von intensivem Bibelstudium, sondern im Wesentlichen intellektueller und philosophischer Natur.13 Das ist auch nicht verwunderlich. Denn kaum eine Lehre in der Bibel ist so vielfĂ€ltig, eindeutig und klar belegt wie die Lehre vom stellvertretenden SĂŒhneopfer Jesu:

 

Das stellvertretende SĂŒhneopfer: Eine der bestbezeugten Lehren der Bibel

Riesige Stapel von Bibelstellen

War der Tod Jesu sinnlos, wie Dr. Breuer behauptet? In der Tat gibt es einige Verse im Neuen Testament, die Parallelen nahelegen zwischen dem Tod Jesu und dem Tod der alttestamentlichen Propheten14. Die meisten Theologen rĂ€umen aber ein, dass dem Tod Jesu im Neuen Testament darĂŒber hinaus eine einzigartige Heilsbedeutung zugeschrieben wird. Walter Klaiber Ă€ußert sogar: Wer die Heilsbedeutung des Todes Jesu „streichen wollte, bekĂ€me ein dĂŒnnes neues Testament“.15

Dass er damit recht hat lĂ€sst sich leicht beweisen. Als „Bibelstellenstapler“ werden ja heute gerne diejenigen verspottet, die ihre Meinung mit Bibelstellen beweisen wollen. Bei der Frage nach der Heilsbedeutung des Kreuzestodes nehmen diese Stapel geradezu schwindelerregende Höhen an. So spricht das Neue Testament im Blick auf das Kreuz vielfach von SĂŒhne16 und Versöhnung17, vom Opfer18, vom (geschlachteten) Opferlamm19 und vom fĂŒr uns vergossenen Blut20. DarĂŒber hinaus lesen wir, dass wir mit Jesu Leben als „Lösegeld“ und mit seinem Blut „erkauft“, „losgekauft“ bzw. „teuer erkauft“ wurden21. Wir lesen, dass er „fĂŒr uns“ stellvertretend starb und hingegeben wurde, ja dass er fĂŒr uns zur SĂŒnde und zum Fluch gemacht wurde22. Das Neue Testament macht außerdem vielfach deutlich, dass der Tod Jesu kein Zufall oder Unfall war. Jesus musste sterben. Der Kreuzestod war ein aktiver Hingabeakt, den Gott vorausgesagt und von langer Hand geplant hatte23 (was klar gegen die von Dr. Breuer und Prof. Zimmer vertretene Überzeugung spricht, dass Jesus bis zuletzt nicht klar gewesen sei, ob er stirbt24). Und schließlich dĂŒrfen wir nicht vergessen: Es gibt nicht nur einzelne Verse sondern ganze Kapitel im Neuen Testament, in denen die Heilsbedeutung des Kreuzes ausfĂŒhrlich entwickelt und entfaltet wird, vor allem in Römer 3 sowie im HebrĂ€erbrief in den Kapiteln 2 bis 10.

Ein engmaschiges Netz

Die Frage ist allerdings: Warum enthÀlt das Neue Testament zur Deutung des Kreuzestodes so viele verschiedene Bilder, Begriffe und Metaphern aus völlig unterschiedlichen Bildwelten?  Haben die Apostel und die ersten Christen womöglich wild herumgerÀtselt, um Jesu Tod zu verdauen? Hat jeder seine eigene Theorie zur Bedeutung des Kreuzestods entwickelt? Können wir uns somit heute aussuchen, welche uns am ehesten zusagt?

Wenn man das Neue Testament genauer analysiert fĂ€llt auf: Viele Bibelverse enthalten mehrere dieser Bilder und Begriffe gleichzeitig! Sie beziehen diese Metaphern ganz direkt aufeinander! Grafisch aufbereitet zeigt sich: Die unterschiedlichen Begriffe und Metaphern sind so engmaschig und vielfĂ€ltig miteinander vernetzt, dass man sie unmöglich isoliert betrachten kann, im Gegenteil: Sie hĂ€ngen alle mit­ein­ander zusammen! Sie ergĂ€nzen und erlĂ€utern sich gegenseitig.26 Der Theologe John Stott schreibt dazu: Auch wenn die Bilder teils ganz verschiedene Bildwelten von Recht und Handel heraufbeschwören, sind sie trotzdem „nicht alternative ErklĂ€rungen fĂŒr das Kreuz, die uns eine Bandbreite liefern, aus der wir auswĂ€hlen können, sondern sie ergĂ€nzen einander, indem jedes einen entscheidenden Teil zum Ganzen beitrĂ€gt.“ John Stott weist außerdem nach: Das stellvertretende Blutvergießen Jesu ist die gemeinsame Basis aller dieser Begriffe: „Wenn Gott in Christus nicht an unserer Stelle gestorben wĂ€re, könnte es weder SĂŒhnung noch Erlösung, weder Rechtfertigung noch Versöhnung geben.“ 25 (siehe auch Tabelle S.3) Somit ist auch klar, dass die Lehre vom stellvertretenden SĂŒhneopfer tatsĂ€chlich zentral ist im Neuen Testament, wie der Theologe Thomas Knöppler bestĂ€tigt: „Es ist kaum zu bestreiten, dass die SĂŒhneaussagen eine enorme Verbreitung und in fast allen neutestamentlichen Schriften ihren Niederschlag gefunden haben.“ 27

 

Die „Deutungen“ des Kreuzestodes hĂ€ngen eng miteinander zusammen

TatsĂ€chlich finden wir das stellvertretende SĂŒhneopfer nicht erst im Neuen Testament. Es zieht sich vielmehr wie ein roter Faden durch die ganze Bibel:

Endlose rote FĂ€den

Das zeigt sich z.B. am Motiv des Lammes, das stellvertretend fĂŒr Menschen stirbt. Als Abraham beinahe seinen Sohn geopfert hĂ€tte, starb ein Schaf an Isaaks Stelle (1.Mo.22,1-14). Erstaunlich: Abraham wurde extra nach „Moriah“ geschickt, dem spĂ€teren Ort des Tempelbergs, an dem der himmlische Vater tatsĂ€chlich seinen Sohn blutig sterben sah. Ist es ĂŒberhaupt möglich, hier keinen Zusammenhang zu sehen?

Noch prĂ€gnanter ist die Geschichte vom Auszug Israels aus Ägypten, in der Gott gleichzeitig als Richter und als Erlöser auftritt, der die Kinder Israels durch das Blut eines geschlachteten Lammes vor seinem tödlichen Gericht bewahrt (2.Mos.
12
). Israel feiert dieses Ereignis bis heute mit dem Passafest. Und bezeichnend ist: Nach der Chronologie des Johannes hing Jesus genau in dem Moment am Kreuz, als die LĂ€mmer fĂŒr das Passafest geschlachtet wurden. Ganz ehrlich: Kann das ĂŒberhaupt Zufall sein?

Und natĂŒrlich sind die vielen alttestamentlichen Opferrituale (beginnend bereits bei Kain und Abel) klare Motive fĂŒr das im Neuen Testament aufgenommene Bild des stellvertretenden Blutvergießens.28 Genau wie im alten Bund, in dem das Volk mit dem Blut der Opfertiere gereinigt wurde, so stehen in der Offenbarung Menschen vor dem Thron Gottes, die „ihre Kleider im Blut des Lammes gewaschen und weiß gemacht haben“ (Offb.7,14). Besonders eindrĂŒcklich ist der Bezug zum großen jĂ€hrlichen jĂŒdischen Versöhnungsfest (Jom Kippur)29, an dem der Hohepriester den Deckel der Bundeslade („SĂŒhnedeckel“) mit Opferblut bespritzte, um stellvertretend SĂŒhne fĂŒr die SĂŒnden des Volkes zu erwirken.30 Das Neue Testament bezeichnet Jesus als Hohepriester, der die SĂŒhnung der SĂŒnden durch das Vergießen seines eigenen Bluts bewirkt.31 Das Kreuz ist fĂŒr Paulus der „SĂŒhnedeckel“ (Röm.3,25), also der neue Ort, an dem unsere SĂŒnden gesĂŒhnt werden. Dass Jesus dort fĂŒr uns auch den Fluch des Gesetzes auf sich genommen hat (Gal 3,13) basiert auf der alttestamentlichen Lehre, dass ein „am Holz“ aufgehĂ€ngter Verbrecher ein Fluch Gottes ist (5.Mo.21,22-23).

Das Lamm, das Blut, die Opfer, der Fluch, der SĂŒhnedeckel, der Hohepriester, das Fluchholz: So unglaublich viele Bilder ziehen sich wie rote FĂ€den quer durch die ganze Bibel! Allesamt unterstreichen und illustrieren sie die Lehre vom stellvertretenden SĂŒhneopfer.


Von Mose bis zur Offenbarung: Das stellvertretend geschlachtete Lamm

Aber das ist immer noch nicht alles. Das vielleicht stĂ€rkste Argument fĂŒr die Lehre vom stellvertretenden Opfertod stammt vom Propheten Jesaja:

Lange schon vorhergesagt

Eine „Deutung“ ist immer etwas NachtrĂ€gliches. Die SĂŒhneopferlehre kann aber schon deshalb keine „Deutung“ sein, weil sie schon hunderte Jahre vor Jesus aufgeschrieben wurde! In dem unglaublichen Kapitel Jesaja 53 werden nicht nur viele Details der Kreuzigung vorhergesagt, auch der stellvertretende Opfercharakter dieses Todes wird vielfach und eindeutig beschrieben:

„FĂŒrwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen.“

„Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer SĂŒnde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hĂ€tten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.“

Auch hier taucht das Bild des geschlachteten Lammes auf, das stellvertretend unsere SĂŒnden trĂ€gt:

„Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank gefĂŒhrt wird
“

„Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat
“

„
denn er trĂ€gt ihre SĂŒnden.“ 

„
 dass er sein Leben in den Tod gegeben hat und den ÜbeltĂ€tern gleichgerechnet ist und er die SĂŒnde der Vielen getragen hat
“

Deutlicher kann man die Lehre vom stellvertretenden Opfertod nicht vortragen – und das lange vor Jesus!

Zu allen Zeiten von der Kirche gelehrt und bekannt

Angesichts dieser FĂŒlle an biblischen Belegen ist es kein Wunder, dass die Lehre vom stellvertretenden SĂŒhneopfer natĂŒrlich auch bereits in den altkirchlichen Bekenntnissen32 und bei den ersten KirchenvĂ€tern33 erscheint. Der Theologe Ron Kubsch stellt fest: „Das VerstĂ€ndnis von Jesu Tod als stellvertretende SĂŒhne war seit jeher in der Kirchengeschichte das allgemeine VerstĂ€ndnis der biblischen Texte.“ 34

Ein (theologisches) UnglĂŒck kommt selten allein

Die Lehre vom stellvertretenden Opfertod Jesu am Kreuz ist somit ein gutes Beispiel fĂŒr die „Klarheit der Schrift“, also die reformatorische Erkenntnis, dass die wesentlichen biblischen Lehren so eindeutig sind, dass jeder sie verstehen kann.35 Aber warum ist sie dann so umkĂ€mpft? Wenn man sich die Argumente anschaut merkt man: Die SĂŒhneopferlehre liegt auch deshalb in TrĂŒmmern, weil weitere wichtige theologischen Fundamente vernachlĂ€ssigt oder vernebelt worden sind:

VerdrÀngt: Der Zorn und das Gerichtshandeln Gottes

Immer wieder wird behauptet: Nicht Gott, sondern allein der Mensch brauche Versöhnung.36 Die SĂŒhne sei dazu da, dass WIR unsere Schuld nicht mehr auf andere Menschen verschieben mĂŒssen und damit WIR UNSER schlechtes Gewissen mit Gottes Hilfe verarbeiten könnten. Aber fĂŒr Gott wĂ€re dieses Opfer nicht nötig gewesen.

Da frage ich mich: Vergessen diese Theologen denn ganz, dass Gott quer durch die Bibel als Richter auftritt, der die SĂŒnde und Rebellion des Menschen mit hartem Gerichtshandeln bestraft? Denken wir nur an die Sintflut, an Sodom und Gomorra, an die weltweite Zerstreuung Israels bis hin zu den schrecklichen Weltgerichtsbeschreibungen in der Offenbarung! Nein, Gott ist wahrlich kein netter Opa im Himmel, dem es nur darum geht, dass die Kinder sich gut fĂŒhlen und nicht miteinander streiten. Er ist ein heiliger Gott, ein verzehrendes Feuer. Er hasst die SĂŒnde. Sein Zorn ist eine RealitĂ€t, die sich quer durch die ganze Bibel zieht.

Und das sollte eigentlich auch niemand ĂŒberraschen. Denn Liebe und Zorn gehören nun einmal untrennbar zusammen. Welcher liebende Vater wĂŒrde denn nicht zornig werden, wenn er sich ungefiltert anschauen muss, wie seine geliebten Geschöpfe vernachlĂ€ssigt, betrogen, gemobbt, beraubt, vergewaltigt, getötet, vertrieben, beschimpft und gedemĂŒtigt werden. Ein Vater, der da nicht zornig werden wĂŒrde, wĂ€re dumpf, gleichgĂŒltig und zynisch. Fehlender Zorn wĂŒrde fehlende Liebe beweisen.

Und natĂŒrlich gehört auch Gerechtigkeit zur Liebe. Kein Vater, der seine Kinder liebt, wĂŒrde ihr GrundbedĂŒrfnis  nach Gerechtigkeit missachten. Im Kreuz kommt deshalb zusammen, was sich gar nicht voneinander trennen lĂ€sst: Gottes Zorn, Gerechtigkeit und Liebe.37

Verharmlost: Das Ausmaß unserer SĂŒnde

Aber warum „braucht“ Gott ein SĂŒhneopfer? Warum kann er nicht einfach so vergeben, so wie auch wir unseren Kindern einfach so vergeben und „Schwamm drĂŒber“ sagen können? Wer so fragt, scheint ein unterentwickeltes VerstĂ€ndnis vom Ausmaß unserer SĂŒnde zu haben. Wir dĂŒrfen ja z.B. nicht vergessen, dass SĂŒnde ja auch GeschĂ€digte erzeugt!38 Wenn mein Sohn die Tochter des Nachbarn vergewaltigt hĂ€tte: Was wĂŒrde mein Nachbar sagen, wenn ich ihm berichte, dass ich meinem Sohn vergeben habe und die Sache deshalb ruhen lasse? Er wĂ€re zu Recht unfassbar wĂŒtend. Und ein Richter wĂŒrde sich sogar vor dem Gesetz schuldig machen, wenn er meinem Sohn einfach so die Schuld erlĂ€sst.

Die Bibel sagt zwar: Gott IST Liebe. Aber auch seine Ehre, sein vollkommenes Gesetz und seine absolute Gerechtigkeit sind Teil seines Wesens. Weil Gott sich nicht selbst verleugnen kann (2.Tim.2,13) wird sein Handeln immer auch diesen Aspekten seines Wesens GenĂŒge tun.39 Deshalb musste Gott einen Weg zum Umgang mit unserer SĂŒnde finden, der sowohl seiner Liebe und Gnade wie auch seiner Gerechtigkeit und Heiligkeit entspricht. Er musste einen Weg finden, durch den wir leben können, ohne dass die tödliche Konsequenzen unserer SĂŒnde ignoriert werden.

Vernebelt: Die Göttlichkeit Jesu

Aber musste es denn gleich ein Menschenopfer sein? Dazu noch der eigene Sohn? Wird nicht im ganzen Alten Testament jegliches Menschenopfer als Greuel strikt verurteilt? John Stott schreibt dazu: „An der Wurzel jeder Karikatur des Kreuzes steckt eine verzerrte Christologie“ (S. 205), also ein falsches Bild davon, wer Jesus eigentlich war. Gott opferte ja gerade nicht irgendeinen Menschen. Jesus war zwar ganz Mensch, aber zugleich auch voll und ganz Gott! Im Kreuzesgeschehen handelt Gott als Richter, der die gerechte Strafe fĂŒr unsere SĂŒnde vollstreckt, aber gleichzeitig auch als gnĂ€diger Erlöser, der selbst diese gerechte Strafe auf sich nimmt! „Es ist ein und derselbe Gott, der uns durch Christus vor sich selbst rettet“.40 Nur wenn die Göttlichkeit Jesu vernebelt wird41, wird aus diesem unglaublichen Liebesakt der Selbstaufopferung ein grausamer Racheakt eines blutrĂŒnstigen Gottes.

Die Probleme mit dem stellvertretenden Opfertod resultieren also oft aus einem falschen VerstĂ€ndnis von Christus, von der Heiligkeit und MajestĂ€t Gottes und vom Ausmaß unserer SĂŒnde. Ein UnglĂŒck kommt selten allein – das gilt gerade auch in der Theologie.

Fehlende Demut und die Suche nach Anerkennung

NatĂŒrlich ist und bleibt beim Kreuzesgeschehen Einiges schwer zu verstehen. Schließlich wimmelt es nur so von scheinbar paradoxen GegensĂ€tzen: Gott ist Vater und Sohn zugleich. Jesus ist zugleich ganz Gott und ganz Mensch. Gott ist allmĂ€chtig und zugleich am Kreuz scheinbar ohnmĂ€chtig. Der Gott des Lebens stirbt einen furchtbaren Tod. Da kann man schon einen Knoten im Hirn bekommen. Kein Wunder, dass Paulus sagt: Das Wort vom Kreuz ist und bleibt eine Torheit und ein Ärgernis (1.Kor. 1,23).  Es lag mit dem intellektuellen Mainstream schon immer ĂŒber Kreuz. Aber ist es deshalb falsch?

Es zeugt von Anmaßung und menschlicher SelbstĂŒberschĂ€tzung, wenn wir schwierige biblische Lehren nur deshalb ablehnen, weil unser menschlicher Verstand sie nicht begreifen kann. Wenn unser Kopf mit der Bibel kollidiert und es hohl klingt, dann muss das ja nicht an der Bibel liegen! Gute Theologie akzeptiert, dass Gott grĂ¶ĂŸer ist als unser Verstand. Der massive intellektuelle Zweifel am stellvertretenden SĂŒhneopfer ist eben auch ein Beleg dafĂŒr, dass die Sehnsucht nach Anerkennung durch die sĂ€kularen intellektuellen Eliten eine reale Triebkraft der modernen Theologie darstellt (wie Prof. Werner Thiede mit drastischen Worten beklagt42), die fĂŒr die  Preisgabe so mancher biblischer Sichtweisen verantwortlich ist.

Das SĂŒhneopfer: Heute noch vermittelbar?

Die auch damals schon schwer verstĂ€ndlichen Paradoxe und das Ärgernis des verfluchten Kreuzestodes haben die ersten Christen nicht davon abgehalten, das Wort vom Kreuz mit gewaltigem Erfolg weiterzugeben. Warum also sollte das heute nicht mehr gelingen? Ulrich Parzany schildert eine eindrĂŒckliche Geschichte, mit der er die Lehre vom stellvertretenden Opfertod gerne veranschaulicht43:

Ein Ehepaar muss miterleben, wie ihre Tochter an LeukĂ€mie sterben muss. Welch unendlicher Schmerz! Wie groß wĂ€re der Wunsch der Eltern, dem Kind den Schmerz und den Tod abnehmen zu können. Sie wĂŒrden lieber selber sterben, wenn dadurch das Kind weiterleben könnte. So etwas möchte menschliche Liebe. Aber wir sind einfach nicht in der Lage dazu. Wir sterben alle unseren eigenen Tod. Gott allein ist dieser Begrenzung nicht ausgesetzt. Als er unsere tödliche Krankheit sah, unsere SĂŒnde, die zum Tod fĂŒhrt (Röm.6,23), zog er sich unser Leben an und starb stellvertretend fĂŒr uns, damit wir das Leben haben. Ist das nicht wundervoll?

Das ist nur ein Beispiel, das zeigt: Wir brauchen uns dieser Botschaft auch heute nicht zu schÀmen. Sie ist Gottes Kraft, die alle selig macht, die daran glauben (Röm. 1, 16). Es ist die Aufgabe der Theologie, die Kirche gerade auch bei solchen anspruchsvollen Themen sprachfÀhig zu machen. Umso schlimmer ist es, wenn sie genau das Gegenteil tut.

Es geht um weit mehr als um einen Theologenstreit!

In einer christlichen Buchhandlung fiel mir neulich etwas auf: Da gab es Regale zu „Lebensberatung“, „gelebtes Christsein“, „Autobio­gra­fien“, „ErzĂ€hlungen“ und einiges mehr. Nur ein Regal fehlte: „Theologie“! Ist das fĂŒr uns Christen denn nicht mehr interessant? Denken wir, dass theologische Auseinandersetzungen nichts mit unserem christlichen Alltag und der Entwicklung der Kirche zu tun hĂ€tten?

Nichts könnte verkehrter sein als das. In Wahrheit werden genau hier die Schlachten geschlagen, die am langen Ende ĂŒber das Wohl und Wehe der Kirche und somit auch ĂŒber das Schicksal unzĂ€hliger Menschen entscheiden. Nicht umsonst konnte Paulus unglaublich scharf werden, wenn es um den Inhalt des Evangeliums geht. Gerade beim Streit um die Kreuzestheologie steht unglaublich viel auf dem Spiel:

Sinnentleertes Abendmahl: Ohne die SĂŒhneopferlehre wird diese zentrale Handlung, die eigentlich alle Christen verbinden sollte, weitgehend sinnentleert.44

Verlorene AutoritĂ€t und Klarheit der Bibel: Wenn selbst derart eindeutige und klare biblische Lehren nicht stimmen, dann ist nichts mehr klar in der Bibel. TatsĂ€chlich gibt es an den UniversitĂ€ten praktisch keine Lehre mehr, die nicht irgendjemand bestreiten wĂŒrde.

Verlorene Einheit: Wenn Alles in Frage gestellt ist, dann gibt es auch keine gemeinsamen Glaubensgrundlagen und -gewissheiten mehr. Dann wird die Einheit der Kirche von innen ausgehöhlt. Dann bleibt  nur noch die Ă€ußere Organisation als notdĂŒrftiges Bindemittel, das immer schlechter funktioniert und bald zerbricht.

Bibelentfremdung: Wenn selbst Bibelwissenschaftler sich ĂŒber nichts mehr in der Bibel einig sind, dann ist es kein Wunder, dass Laien das Interesse an der Bibel verlieren, weil sie aus ihr ohnehin keine verlĂ€sslichen Botschaften entnehmen können.

Austrocknung von Mission und Evangelisation: Wenn selbst ĂŒber so zentrale Lehren keine Einigkeit besteht ist es kein Wunder, wenn Kirchenleiter bei der Frage nach der zentralen Botschaft der Kirche oft nur noch mit verschwurbelten GutmenschensĂ€tzen antworten45. Dann ist es auch kein Wunder, dass die Kirche sich auf Dialog beschrĂ€nkt statt zu evangelisieren. Kein Wunder ist es dann auch, dass die nĂ€chste Generation keinerlei Bindung mehr an die Kirche hat.

Eine oberflĂ€chliche Kirche: John Stott stellt fest, dass die weit verbreitete Seichtigkeit und fehlende Gottesfurcht in der westlichen Kirche die direkte Folge einer Theologie ist, die Gottes Zorn und seinen Hass auf das Böse ignoriert.46 Das GlattbĂŒgeln der Kreuzestheologie und unseres Gottesbilds raubt dem Evangelium zwar den Anstoß, aber auch seine erneuernde Kraft.

Zeit fĂŒr eine theologische Erneuerung

Gesunde Theologie muss deshalb in aller Deutlichkeit auf der biblischen Lehre bestehen, dass das Kreuz nicht nur fĂŒr uns Menschen notwendig war, sondern auch, um dem heiligen Charakter Gottes GenĂŒge zu tun. James Denney schreibt dazu: „Es ist die Erkenntnis dieser göttlichen Notwendigkeit, oder das VersĂ€umnis, sie zu erkennen, welche die Ausleger des Christentums letzten Endes in Evangelikale und Nichtevangelikale scheidet, solche die dem Neuen Testament treu sind, und solche die es nicht verdauen können.“ 47

Die Wirren um die Kreuzestheologie und die verheerenden Folgen fĂŒr die Kirche belegen, wie berechtigt die Diagnose von Ulrich Parzany ist: Die Bibelkritik ist der Krebsschaden der Kirche!48 Solange unsere theologischen AusbildungsstĂ€tten selbst bei Kernaussagen des Evangeliums mehr Verwirrung statt Klarheit stiften, kann es fĂŒr die Kirche nur weiter bergab gehen. Ohne eine grundlegende theologische Erneuerung bleiben alle sonstigen ReformbemĂŒhungen der Kirche zwangslĂ€ufig zum Scheitern verurteilt.

Dr. Markus Till, Weil im Schönbuch, veröffentlicht im Januar 2018 auf www.blog.aigg.de.

Danke an Ron Kubsch, Dr. Gerrit Hohage und Martin Till  fĂŒr wichtige Anregungen zu diesem Artikel. Um die LĂ€nge zu begrenzen wurden viele wichtige ErlĂ€uterungen in die nachfolgenden AnhĂ€nge und Quellenhinweise ausgelagert. Ich möchte sie allen Lesern deshalb ausdrĂŒcklich ans Herz legen. Am wichtigsten ist mir jedoch eine Buchempfehlung: In „Das Kreuz: Zentrum des christlichen Glaubens“ erlĂ€utert John Stott das Kreuzesgeschehen in einer Tiefe, die ich sonst nirgends gefunden habe. Trotz der theologischen PrĂ€zision ist der Text auch fĂŒr Laien gut und verstĂ€ndlich zu lesen.

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Anmerkungen und Quellenangaben:

1:   Dr. Thomas Breuer: Die Bedeutung des Kreuzestodes Jesu aus heutiger Perspektive

2:   Im Vortrag „Was bedeutet der Kreuzestod Jesu“ vom damaligen PrĂ€ses Nikolaus Schneider, gehalten am 10.6.2009 (Seite 1)

3:   In Werner Thiedes Artikel „WiderwĂ€rtiger DĂŒnkel“ in Zeitzeichen 2010 Seite 1

4:   In Prof. S. Zimmer: Warum das fundamentalistische BibelverstĂ€ndnis nicht ĂŒberzeugen kann

5:   Der Theologe Tobias Faix prĂ€sentiert in seinem Blog ein „Kleines Karfreitagsmedley: Von Banks bis Schrupp und immer dieselbe Frage: Warum ist Jesus gestorben?“ mit zahlreichen unterschiedlichen Deutungen des Kreuzestodes. Zwar gibt es dort mit Holger Lahayne auch einen BefĂŒrworter des SĂŒhneopfers, die SĂŒhneopferkritik ist jedoch klar in der Mehrheit.

6:  So meint Dr. Breuer in seinem Vortrag: Angesichts der unterschiedlichen Deutungen des Kreuzestodes im NT gĂ€be es auch heute noch eine legitime Bandbreite. Zwei Aussagen seien jedoch „dem Glauben nicht förderlich“ „nicht angemessen“, ja sogar „völlig absurd“ und „tun dem Menschen nicht gut“, weil sie der Lehre Jesu völlig widersprechen wĂŒrden: 1. Die Lehre, dass das Kreuz das Ende der Tieropfer bedeute, weil Jesus das perfekte Opfer war („Welchen religiösen Sinn sollte das haben? War Jesus denn der erste MĂ€rtyrer der Tierrechtsbewegung? Diese Vorstellung können wir beruhigt ad acta legen.“). 2. „GefĂ€hrlicher“ noch sei der „relativ weit verbreitete“ „Gedanke, dass Gott der Vater erst durch den blutigen Opfertod seines Sohnes mit der schuldbeladenen Menschheit versöhnt werden könnte.“ Breuer antwortet darauf mit Anselm GrĂŒn: „Was ist das fĂŒr ein Gott, der den Tod des Sohnes nötig hat, um uns vergeben zu können?“

7:   Prof. Wilfried HĂ€rle in „
gestorben fĂŒr unsere SĂŒnden – Die Heilsbedeutung des Todes Jesu Christi“ S. 11 unten

8:   Nikolaus Schneider fasst in seinem Vortrag die Kreuzestheologie von Fridrich Schleiermacher wie folgt zusammen: „FĂŒr Schleiermacher liegt SĂŒnde darin, dass die Reifung der Persönlichkeit zur sittlichen und religiösen Vollkommenheit gehemmt wird. Erlösung ist dementsprechend fĂŒr ihn der Prozess wachsender Befreiung von dieser Hemmung. Jesus ist in seiner Lehre und seinem Leben das Vorbild derartiger Reifung zur Vollkommenheit. In seinem Leiden und Sterben wĂ€chst und reift er zur Vollkommenheit. In beidem bewĂ€hrt er sein Gottesbewusstsein und damit das, was er gelehrt hat. Und dafĂŒr stirbt er. Das ist „Vorbild‐Christologie“.“ (Seite 5)

9:   Rudolf Bultmann: „Wie kann meine Schuld durch den Tod eines Schuldlosen (wenn man von einem solchen ĂŒberhaupt reden darf) gesĂŒhnt werden? Welche primitiven Begriffe von Schuld und Gerechtigkeit liegen solcher Vorstellung zugrunde? Welch primitiver Gottesbegriff? Soll die Anschauung vom sĂŒndentilgenden Tode Christi aus der Opfervorstellung verstanden werden: Welch primitive Mythologie, dass ein Mensch gewordenes Gotteswesen durch sein Blut die SĂŒnden der Menschen sĂŒhnt! Oder aus der Rechtsanschauung, so dass also in dem Rechtshandel zwischen Gott und Mensch durch den Tod Christi den Forderungen Gottes Genugtuung geleistet wĂ€re: dann könnte die SĂŒnde ja nur juristisch als Ă€ußerliche GebotsĂŒbertretung verstanden sein, und die ethischen MaßstĂ€be wĂ€ren ausgeschaltet!“  (RUDOLF BULTMANN, Neues Testament und Mythologie: das Problem der Entmythologisierung der neutestamentlichen VerkĂŒndigung, 3. Aufl., MĂŒnchen 1988, BeitrĂ€ge zur ev. Theologie 96, 19)

10: Die Reformatoren bekannten sich eindeutig zur SĂŒhneopfertheologie. So schreibt Martin Luther in seinem „Kleinen Katechismus“: „Ich glaube, dass Jesus Christus, wahrhaftiger Gott 
 und auch wahrhaftiger Mensch 
 , sei mein Herr, der mich verlorenen und verdammten Menschen erlöset hat, erworben, gewonnen von allen SĂŒnden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels; nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem heiligen, teuren Blut und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben; damit ich sein eigen sei
“
Der reformatorische „Heidelberger Katechismus“ bekennt: „Er hat mit seinem teuren Blut fĂŒr alle meine SĂŒnden vollkommen bezahlt und mich aus aller Gewalt des Teufels erlöst. 
 Er hat uns mit Leib und Seele von der SĂŒnde und aus aller Gewalt des Teufels sich zum Eigentum erlöst und erkauft, nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem teuren Blut, indem er sein Leben fĂŒr uns gab.“

11: „Wahrscheinlich begegnet heute keine Lehre des Christentums grĂ¶ĂŸeren Schwierigkeiten als die traditionelle Lehre, dass uns Jesus Christus durch seinen stellvertretenden SĂŒhnetod am Kreuz von unseren SĂŒnden erlöst hat.“, in Josef Blank „Weißt Du, was Versöhnung heißt? Der Kreuzestod Jesu als SĂŒhne“, in: Josef Blank u. JĂŒrgen Werbick (Hg.), SĂŒhne und Versöhnung, DĂŒsseldorf 1986, 21‐91: 21.

12: Christoph Wiesing in Hossa Talk #34 Das Kreuz: WofĂŒr starb Jesus? (Teil 1) ab 36:12: „Ich hab einen Vortrag bei Pfarrern gehalten, sehr engagierten Pfarrern (also das wo andere sagen wĂŒrden: Das sind die glĂ€ubigen Pfarrer) ĂŒber die Frage Satisfaktion und Anselm von Canterbury, und als ich das so vorgestellt habe haben die alle gesagt: Nee, also das glaubt ja bei uns keiner mehr. Deswegen, ich glaube: In der protestantischen Welt ist dieses Modell schon aus guten GrĂŒnden weitgehend abgelöst.“

13: Das unterstreicht der Theologe Ron Kubsch: „Es ist eben nicht ein tieferes TextverstĂ€ndnis, das den modernen Theologen dazu bringt, die bisherige Vorstellung der SĂŒhnetheologie abzulehnen; es sind vielmehr Vorurteile, die die klaren Texte nicht stehenlassen können und sie zum Schweigen bringen wollen.“ (aus dem Artikel „Jesu Tod als stellvertretendes SĂŒhneopfer“)

14: So wird Jesu Leiden als „Vorbild“ (z.B. 1.Petr.2,21), als „Prophetengeschick“ (z.B. Apg.7,52) oder als das „Leiden eines Gerechten“ dargestellt (ein Motiv, das oft in Psalmen erscheint, z.B. Ps.34,20)

15: In Walter Klaiber „Jesu Tod und unser Leben“; Evangelische Verlagsanstalt Leipzig, 2. korr. Auflage 2014, S. 188

16: Der Kreuzestod als SĂŒhne und Erlass fĂŒr unsere Schuld: Röm.3,25; Kol.2,14; Hebr.2,17; 1.Joh.2,2; 1.Joh.4,10

17: Der Kreuzestod dient zur Versöhnung: Röm.5,10+11; 2.Kor.5,18-20; Eph.2,16; Kol.1,20+22;

18: Der Kreuzestod als Opfer: Eph 5,2; Hebr.9,12+14; Hebr 9,26+28; Hebr 10,10+12+14

19: Er ist das (geschlachtete) Opfer- bzw. Passalamm: Joh.1,29; Joh.1,36; Apg.8,32; 1.Kor.5,7, 1.Petr. 1,19; Offb.5,6; Offb.5,12+13; Offb.6,1+16; Offb.7,9+10+14+17; Offb.12,11; Offb.13,8; Offb.14,4+10; Offb 15,3; Offb 17,14; Offb 19,7+9; Offb.21,9+14+22+23+27; Offb 22,1

20: Sein Blut wurde fĂŒr uns vergossen: Mt.26,28; Mk.14,24; Lk.22,20; Joh.6,53-56; Röm.3,25; Röm.5,9; 1.Kor.11,25; Eph.1,7; Eph.2,13; Kol 1,20; Hebr.9,12+14+20; Hebr.10,19+29; Hebr.12,24; Hebr.13,12+20; 1.Petr.1,2+19; 1.Joh 1,7; Offb.1,5; Offb.5,9; Offb.7,14; Offb.12,11

21: Wir sind mit Jesu Leben als „Lösegeld“ und mit seinem Blut „erkauft“, „losgekauft“ bzw. „teuer erkauft“: Mt.20,28; Mk.10,45; 1.Kor 6,20; 1.Kor.7,23; Gal.3,13; Gal.4,5; 1.Tim 2,6; 1.Petr 1,18-19; Offb.5,9; Offb.14,3+4

22: Jesus wurde (stellvertretend) „fĂŒr uns“ (bzw. fĂŒr die Menschen) und unsere SĂŒnde hingegeben, ja zur SĂŒnde und zum Fluch gemacht: Joh.3,16; Joh.11,50-52; Joh.18,14; Röm.5,6+8; Röm 8,32; Röm.14,15; 1.Kor.1,13; 1.Kor.8,11; 1.Kor.11,24; 1.Kor.15,3; 2.Kor.5,14+15+21; Gal.1,4; Gal.2,20; Gal.3,13; Eph.5,2; 1.Thess.5,10; Tit.2,14; 1.Petr.2,21; 1.Joh.3,16

23: Der Tod Jesu war von Jesus und dem AT vorausgesagt, von Gott geplant, Jesus „musste“ sterben, sein Tod war ein aktiver Hingabeakt: Mt.26,24; Mt.26,54; Mk 8,31; Lk 17,25; Lk 24,7+26; Joh 3,13-15; Joh.10,15+17; Joh.12,32-33; Röm.8,32; Apg.2,23; Apg.17,3; Apg.4,28; 1.Kor 15,3; Gal.1,4

24: In seinem Vortrag Ă€ußert Dr. Breuer (ab 1:09:15), dass er sich mit Prof. Zimmer darin einig sei, dass Jesus frĂŒhestens in Jerusalem zu der Überzeugung gelangte, dass sein Tod offenbar unausweichlich sei.

25: In John Stott „Das Kreuz“, SMD Edition, S. 259

26: Walter Klaiber schreibt zu den vielfĂ€ltigen VerknĂŒpfungen und Verbindungen zwischen den verschiedenen neutestamentlichen Metaphern zur Deutung des Kreuzes: „Paulus kann also verschiedene Vorstellungsebenen kombinieren, um die Bedeutung des Todes Jesu zu erklĂ€ren, auch wenn diese aus unterschiedlichen ZusammenhĂ€ngen stammen“ (in „Jesu Tod und unser Leben“ S. 65). Prof. Dormeyer schreibt in seiner Abhandlung ĂŒber den Tod Jesu, dass in Römer 3, 24-25 sowohl der rechtlich/juristische „Loskauf“ als auch der kultische SĂŒhnebegriff auf Jesu Blut angewendet wird: „Die Erlösung umschreiben zwei Begriffe: rechtlich Loskauf (gr. apolĂœtrosis) (Röm 3,24) und kultisch SĂŒhnopfer (gr. hilastĂ©rion) (Röm.3,25)“ Auch im AT sei die rechtliche und kultische Dimension der SĂŒhne eng verknĂŒpft, wenn ein Schuldiger von der Todesstrafe durch ein „SĂŒhnegeld“ losgekauft werden kann (2.Mos.21,30). Nikolaus Schneider berichtet in seinem Vortrag von einer „FĂŒlle von Begriffen, Bildern und ZugĂ€ngen zum Versöhnungswerk von Jesus Christus“, rĂ€umt dazu jedoch ein, dass diese „ZugĂ€nge“ und „ErklĂ€rungen“ alle „in einem inneren Zusammenhang zueinander stehen.“ (Seite 11)

27: Weiter schreibt Pfr. PD Dr. Thomas Knöppler in seiner Abhandlung „SĂŒhne (NT)“: „Trotz der seltenen Verwendung des fĂŒr explizite SĂŒhneaussagen charakteristischen Wortes „sĂŒhnen etc.“ (ጱλᜱσÎșΔσΞαÎč Îșτλ) ist unter Heranziehung weiterer, Begriff und Sache der SĂŒhne in den Blick nehmender Wörter und Wendungen eine gewichtige Rolle der SĂŒhnethematik im Rahmen der neutestamentlichen Soteriologie festzustellen. Insofern das Geschehen des Kreuzestodes Jesu in der Regel als Ausgangspunkt der neutestamentlichen Soteriologie und durchweg als Bezugspunkt der neutestamentlichen Rede von der SĂŒhne fungiert, ist die SĂŒhnethematik im Zentrum der Christologie und Soteriologie verankert.“

28: Gut erlĂ€utert im Artikel von Ron Kubsch: „Das Opfer Jesu als ErfĂŒllung der alttestamentlichen Opfer“

29:  Der Theologe Stefan Meißner spricht deshalb in seinem Beitrag „Warum musste Jesus sterben“ vom Karfreitag als dem „eschatologischen Jom Kippur“.

30: T.J. Crawford bekrĂ€ftigt den stellvertretenden Charakter des Opferrituals: „Der Text lehrt also seinem klaren und offensichtlichen Sinn nach den stellvertretenden Charakter des Opferrituals. Leben wurde fĂŒr Leben gegeben“, „das Leben des unschuldigen Opfers fĂŒr das Leben des sĂŒndigen Opfernden.“ In: „Doctrine of Holy Scripture“, S. 237, 241; zitiert in John Stott „Das Kreuz“ S. 175/176. John Stott ergĂ€nzt: „Wenn wir all dieses alttestamentliche Material (das Vergießen und Versprengen des Blutes, das SĂŒndenopfer, das Passa, die Bedeutung des „SĂŒndentragens“, den SĂŒndenbock und Jesaja 53) betrachten und bedenken, dass all dies im Neuen Testament auf den Tod Christi bezogen wird, können wir uns dem Schluss nicht entziehen, dass das Kreuz ein stellvertretendes Opfer war.“ (S. 190)

31: Siehe HebrĂ€er Kapitel 5 bis 7. Bezeichnend ist, dass der Priester Melchisedek, der im HebĂ€erbrief als Urbild fĂŒr die Priesterschaft Jesu dargestellt wird, Abraham direkt am Ort des spĂ€teren Tempelbergs in Jerusalems entgegentritt (1.Mos.14,17-18). Also kommt auch hier genau wie beim Opfer Isaaks zu den vielen inhaltlichen Parallelen auch noch die geographische hinzu!

32: WĂ€hrend das Apostolische Glaubensbekenntnis auf jegliche Deutung des Kreuzestodes verzichtet heißt es im Glaubensbekenntnis von NizĂ€a-Konstantinopel (325 n.Chr.): „Er wurde fĂŒr uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus.“ Im Athanasianischen Glaubensbekenntnis (7. Jahrhundert) lesen wir: „Der gelitten hat fĂŒr unser Heil
“

33: So schrieb beispielsweise Athanasius (298–373 n. Chr.): „Er wurde um unsertwillen Fleisch, damit er sich an unserer statt opfern und uns durch seine Hingabe und Opferung erlösen konnte“ (Athanasius „Festbrief X“).  Der Kirchenvater Augustinus (354–430 n. Chr.) schreibt: „Indem er durch seinen Tod ein einmaliges, ganz wahrhaftiges Opfer fĂŒr uns darbrachte, hat er alles, was Schuld hieß 
 getilgt, fortgewischt, ausgelöscht.“ (A. Augustinus, „Über den Dreieinigen Gott, MĂŒnchen, 1951, S. 61), zitiert bei Ron Kubsch „Die Strafe liegt auf ihm
“ Das stellvertretende SĂŒhneopfer, Martin Bucer Seminar 2017)

34: in Ron Kubsch: „Jesu Tod als stellvertretendes SĂŒhneopfer“

35: Zum wichtigen Thema der „Klarheit der Schrift“ ist der Vortrag von Kevin deYoung vom MĂ€rz 2016 sehr zu empfehlen.

36: Ein typisches und sehr lesenswertes Beispiel dazu ist Holger Lahaynes Analyse des Vortrags von Prof. Georg Plasger „FĂŒr uns gestorben?“: „Plasger schwenkt um auf ein subjektives VerstĂ€ndnis des SĂŒhnehandelns: „Gott muss nicht versöhnt werden. Gott braucht das Kreuz nicht, er braucht kein Menschenopfer, um besĂ€nftigt, um versöhnt zu werden.“ [
] Dies sei „die zentrale Aussage des Neuen Testaments, wenn es den Kreuzestod Jesu Christi als ‘fĂŒr uns geschehen’ interpretiert. 
 Jesus starb nicht, um Gottes Haltung zu mir, sondern um unsere Haltung zu Gott zu Ă€ndern. Dem ist zu entgegnen, dass sich der SĂŒnder natĂŒrlich Ă€ndern muss und auch von Gott verĂ€ndert wird. Doch die objektive Versöhnung Gottes ist Grundlage dieses subjektiven Geschehens!“

37: John Stott erlĂ€utert dazu: „Die Bibel enthĂ€lt eine Reihe weiterer Formulierungen, die auf unterschiedliche Weise diese „DualitĂ€t“ im Innern Gottes ausdrĂŒcken. Er ist „Gott, barmherzig und gnĂ€dig“, der aber „Schuld, Vergehen und SĂŒnde 
 keineswegs ungestraft lĂ€sst“; in ihm sind sich „Gnade und Wahrheit 
 begegnet“, haben sich „Gerechtigkeit und Frieden 
 gekĂŒsst“; er nennt sich selbst „einen gerechten und rettenden Gott“; 
 und im Zorn erinnert er sich seiner Barmherzigkeit. Johannes beschreibt 
 den Sohn des Vaters als „voller Gnade und Wahrheit“; und Paulus lĂ€dt uns 
 dazu ein, „die GĂŒte und Strenge“ Gottes zu bedenken.“ In John Stott „Das Kreuz“, S. 165

38: Auf dieses Problem weist auch der ehem. Bischof Dr. Walter Klaiber hin: „Es gibt einen Zusammenhang zwischen böser Tat und unheilvoller Folge, der verhindert, dass geschehenes Unrecht einfach ungeschehen gemacht werden kann.“ In: Walter Klaiber „Jesu Tod und unser Leben“; Ev. Verlagsanstalt Leipzig, 2. korr. Auflage 2014, S. 42

39: Kaum ein Begriff ist in der Kreuzestheologie so angegriffen worden wie der Begriff „genĂŒge tun“ oder „Genugtuung“. John Stott geht in seinem Buch „Das Kreuz“ ausfĂŒhrlich darauf ein. Er distanziert sich dabei von einem Genugtuungs-VerstĂ€ndnis, wie Anselm von Canterbury es verbreitet hat und „an einen Feudalherrn erinnert, der Ehre fordert und Unehrerbietigkeit bestraft“. (S. 152) Trotzdem verteidigt er den Begriff „Genugtuung“ intensiv. Ich zitiere dies hier ausfĂŒhrlich, weil John Stott hier eine Reihe von MissverstĂ€ndnissen und Karikaturen des stellvertretenden SĂŒhneopfers abrĂ€umt: „Darum weisen wir jede ErklĂ€rung fĂŒr den Tod Christi entschieden zurĂŒck, in deren Mittelpunkt nicht das Prinzip der „Genugtuung durch Stellvertretung“ steht, ja der göttlichen Genugtuung seiner selbst durch die göttliche Stellvertretung durch ihn selbst. Das Kreuz war kein Tauschhandel mit dem Teufel 
 ebenso wenig ein exaktes Äquivalent, 
 um einen Ehrenkodes oder einer juristischen Spitzfindigkeit GenĂŒge zu tun; ebenso wenig eine notgedrungene Unterordnung Gottes unter eine moralische AutoritĂ€t ĂŒber ihm, den er auf andere Weise nicht hĂ€tte entkommen können; ebenso wenig die Bestrafung eines sanftmĂŒtigen Christus durch einen strengen und rachsĂŒchtigen Vater; ebenso  wenig ein Abringen des Heils von einem gemeinen und widerwilligen Vater durch einen liebenden Christus; ebenso wenig ein Handeln des Vaters, das Christus als den Mittler aussparte. Stattdessen erniedrigte sich der gerechte, liebende Vater selbst, indem er in 
 und durch seinen einzigen Sohn Fleisch, SĂŒnde und Fluch fĂŒr uns wurde, um uns zu erlösen, ohne seinen eigenen Charakter zu kompromittieren. Die theologischen Begriffe „Genugtuung“ und „Stellvertretung“ mĂŒssen sorgfĂ€ltig definiert und gehĂŒtet werden, denn sie können unter keinen UmstĂ€nden aufgegeben werden. Das biblische Evangelium der SĂŒhne ist, dass Gott sich selbst GenĂŒge tat, indem er selbst an unsere Stelle trat.“ (S. 204)

40: In John Stott „Das Kreuz“, SMD Edition, S. 205

41: So vertreten es die verschiedenen Strömungen des „Adoptianismus“: Jesus sei nicht wesenhaft Gott, sondern nur ein zum Gottessohn adoptierter Mensch gewesen. Nicht zuletzt die weit verbreitete Ablehnung der Jungfrauengeburt deutet darauf hin, dass diese theologische Fehlentwicklung auch heute verbreitet ist.

42: „Offen gestanden: Er widert mich inzwischen nur noch an – dieser zeitgeistbeflissene DĂŒnkel all jener Theologinnen und Theologen, die dem Kreuzestod Jesu den ĂŒberlieferten Tiefensinn rationalistisch absprechen. Dieses arrogante Kaputtreden der ĂŒberkommenen Heilsbotschaft, das sich ĂŒber den Glauben der VĂ€ter und MĂŒtter der letzten beiden Jahrtausende so erhaben dĂŒnkt, dass es ihn nur noch verabschieden möchte. Dieses Kokettieren mit der intellektuellen Redlichkeit, die Andersdenkenden in Theologie und Kirche zumindest indirekt abgesprochen wird, aber mit merkwĂŒrdigen Alternativen zum Ganz- und Heilwerden des Menschen oft kompatibel genug zu sein scheint.“ Prof. Werner Thiede in seinem Artikel „WiderwĂ€rtiger DĂŒnkel“ veröffentlicht in „Zeitzeichen“ 2010

43: Nachzuhören in Ulrich Parzanys Vortrag: „Den SĂ€kularen ein SĂ€kularer“, gehalten am 24.11.2017 in der STH Basel (ab 53:30)

44: So erwĂ€hnt Prof. Zimmer in seinem Vortrag „Vom Sinn des Abendmahls“ die sĂŒhnende Wirkung des stellvertretenden Opfertods mit keinem Wort. Stattdessen lehrt er, dass wir im Abendmahl die „Kontaktfreudigkeit“ und „Zuwendungslust“ Jesu feiern wĂŒrden.

45: Ein trauriges Beispiel ist das ZDF-heute-Journal-Interview mit Bischof Markus Dröge anlĂ€sslich des 500-jĂ€hrigen ReformationsjubilĂ€ums. Auf die Kritik, im Reformationsjahr habe es viel Event und wenig Botschaft gegeben, antwortet er: Die zentrale Botschaft der Reformation sei deutlich geworden, nĂ€mlich die „Doppelheit von Vertrauen zu finden und sich zu engagieren fĂŒr das Allgemeinwohl“.

46: In John Stott „Das Kreuz“, SMD Edition, S. 137-139, siehe Artikel im AiGG-Blog http://blog.aigg.de/?p=3836

47: James Denney, Atonement, S. 82, zitiert von John Stott in „Das Kreuz“, S. 169

48: In Ulrich Parzany „Was nun, Kirche?“, SCM-HĂ€nssler, S. 49

 

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 8. Februar 2018 um 9:58 und abgelegt unter Allgemein, Kirche, Theologie.