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Islamismus entsteht aus Europas Säkularismus

Donnerstag 4. August 2016 von Gatestone Institute


Gatestone Institute

Im Oktober 2000 formulierte der 105 Mitglieder starke Europäische Konvent in der sonnigen französischen Stadt Nizza die Charta der Grundrechte in der Europäischen Union. Erstellt durch das Komitee des ehemaligen französischen Präsidenten Valéry Giscard d’Estaing verwies das Dokument lediglich auf das „kulturelle, religiöse und humanistische Erbe Europas“. Das Europaparlament hatte einen Vorschlag der christdemokratischen Abgeordneten und Papst Johannes Pauls II. abgelehnt, Europas „jüdisch-christliche Wurzeln“ in den Text aufzunehmen.

In der 75.000 Worte langen Charta wird das Christentum nicht ein einziges Mal erwähnt. Seit damals hat ein Wind aggressiven Säkularismus alle EU-Politik durchdrungen. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte forderte die Entfernung von Kreuzen aus Klassenräumen – es wurde behauptet, dass sie die Demokratie bedrohen.

Die Stadt Nizza – genau dort, wo vor 17 Jahren Europas Herrscher entschieden, die jüdisch-christlichen Wurzeln aus der (nie bestätigten) EU-Verfassung zu entfernen – hat gerade die blutige Manifestation einer anderen Religion erlebt: des radikalen Islam. „Die Natur verabscheut ein Vakuum“: Das ist die Wahrheit, die unsere Eliten nicht hören wollen; Islamismus entsteht aus dem, was George W. Bushs Redenschreiber William McGurn „Europas nutzlosen Säkularismus“ nannte.

Man kann ihn nicht nur an den zu zwei Dritteln leeren europäischen Kirchen und dem Boom der Übertritte von Europäern zum Islam sehen, sondern auch an dem, was in Europas Schulen geschieht. Die Trends unterstützen Viktor Orbáns Vision eines christlichen Europa nicht.

Vor ein paar Tagen entschied Belgien, das vor kurzem Ziel von Terroranschlägen war, dass Religionsunterricht in französischsprachigen Grund- und Mittelschulen ab Oktober 2016 halbiert und durch eine Stunde „Staatbürgerschaftskunde“ ersetzt wird – Unterricht in Säkularismus. In Brüssel wählt bereits die Hälfte der Kinder in öffentlichen Schulen Islamunterricht.

In Frankreich ordnete die sozialistische Regierung für jede Schule eine „Säkularismus-Satzung“ an, womit das Christentum aus dem Bildungssystem verbannt wurde. Diese Satzung ist das Manifest der „révolution douce“ (sanften Revolution), des extremen Säkularismus Frankreichs. Sie ist ein Versuch jeden Anspruch auf Identität zu eliminieren. Eine jüdische Jarmulke, ein christliches Kreuz und ein islamischer Schleier werden alle gleich behandelt. Dieser Säkularismus ist das, was zu Recht als „blinder Fleck der Linken in Sachen Islam“ definiert worden ist.

Es handelt sich um einen übergeschnappten Säkularismus. Die Grundschule Yves Codou im Dorf La Môle zum Beispiel feierte „Elterntag“ statt Muttertag, um keine schwulen Paare vor den Kopf zu stoßen. Gemeindeverwaltungen haben bereits begonnen die Anmeldeformulare für Schulkinder zu verändern, indem die Worte „Vater“ und „Mutter“ entfernt und durch „Erziehungsberechtigte(r) 1“ und „Erziehungsberechtigte(r) 2“ ersetzt werden. Es ist George Orwells „Neusprech“.

Nach zwei großen Terroranschlägen im Jahr 2015 reagierte Frankreich, statt einen Kultur-„Jihad“ auf Grundlage westlicher Werte zu propagieren, auf islamischen Fundamentalismus mit einem lächerlichen „Tag des Säkularismus“, der immer am 9. Dezember begangen werden soll.

Es ist nicht so, dass dieser Säkularismus kulturelle Spannungen verschärfte, wie viele Liberale sagen. Dieser Säkularismus trennte die französische Kultur von den Idealen ab, die den Westen erschaffen hat. Sich von diesen getrennt zu haben machte die Kultur blind für die Unvereinbarkeit des Islamismus mit säkular gesinnten Werten. Die französische Lehrerin Isabelle Rey schrieb nach dem Massaker beim Satiremagazin Charlie Hebdo: „Viele unserer Schüler teilen unser Entsetzen über die Ereignisse nicht. Wir können vorgeben einen Konsens zu haben, aber es ist eine Tatsache, dass ein beträchtlicher Anteil unserer Bevölkerung glaubt, die Journalisten verdienten ihr Schicksal oder dass die Brüder Kouachi [die Mörder] als Helden starben.“

Dieser eng gefasste Säkularismus hat Frankreich zudem daran gehindert, offen islamisch unterdrückte ostchristliche Christen zu unterstützen. Die Musikgruppe „Die Priester“ hatte geplant, für ein anstehendes Konzert in Paris mit einem Banner auf einem Plakat zu werben, das besagte, die Einnahmen würden für verfolgte Christen im Irak und Syrien verwendet werden – aber die Firma, die das Pariser U-Bahn-System betreibt, verbot die Werbung erst einmal; sie sagte, sie betrachte das Banner als Verletzung des Säkularismus.

Schweden, eines der europäischen Länder, die vom radikalen Islam stärker unterwandert sind, wird als „der unreligiöseste Staat“ des Westens geführt. Nach Angaben von Statistik-Schweden gehen nur 5% der Schweden regelmäßig in die Kirche und eines von drei Paaren, die heiraten, entscheidet sich für eine standesamtliche Trauung. Wie kam Schweden dahin? Vor vielen Jahren verbot die schwedische Regierung alle religiösen Aktivitäten in Schulen außer denen, die direkt mit Religionsunterricht zusammenhängen.

Der Säkularismus hat nicht nur keine Antworten auf den Terrorismus; er lässt die Europäer auch unsicher darüber zurück, für was es wert ist zu kämpfen, zu töten oder zu sterben. Wenn man, wie es die Säkularisten tun, glaubt, dass unsere Werte lediglich Zufälle der Geschichte sind und dass das höchste Gut Komfort ist, dann wird man sich nicht um die Zukunft der Zivilisation kümmern.

Das Symbol des Euro-Säkularismus ist die Oude Kerk aus dem 13. Jahrhundert und eine der berühmtesten Kirchen Amsterdams. Die leere Kirche wird heute für Ausstellungen genutzt und kann für Galadiners gemietet werden. Direkt davor befinden „Sexyland“, das „Live F*ck Shows“ anbietet, ein Coffieshop für Drogen und ein „Erotik-Supermarkt“ für Dildos. Für 7 Euro kann man auch die Kirche besuchen.

Giulio Meotti
4. August 2016
Englischer Originaltext: Islamism Rises from Europe’s Secularism
Übersetzung: H. Eiteneier

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 4. August 2016 um 12:04 und abgelegt unter Allgemein.