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Der Pfingst-Wind und das Pfingst-Feuer

Freitag 17. Mai 2013 von Charles Haddon Spurgeon (1834-1892)


Charles Haddon Spurgeon (1834-1892)

„Und es geschah┬ábald ein Brausen am Himmel wie eines gewaltigen Windes und erf├╝llte das ganze Haus,┬áwo sie sa├čen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt, wie vom Feuer; und es setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen; und sie wurden alle voll des Heiligen Geistes und fingen an zu reden mit andern Zungen, nach dem der Geist es ihnen gab auszusprechen.“ (Apg.2,2-4)

Von der Herabkunft des Heiligen Geistes im Anfang haben wir etwas zu lernen, in bezug auf sein Wirken in der Gegenwart. Bedenkt zum Eingang: was der Heilige Geist am Anfang war, das ist Er noch jetzt, denn als Gott bleibt Er immer derselbe; was Er damals tat, das ist Er noch jetzt zu tun imstande, denn seine Kraft ist keineswegs vermindert. Wir w├╝rden den Heiligen Geist sehr betr├╝ben, wollten wir annehmen, da├č seine Macht heutigentags geringer sei als zu Anfang.

Pfingsten war nach dem Glauben der Juden die Zeit der Gesetzgebung. Wenn nun, als das Gesetz gegeben wurde, eine solche wunderbare Machtentfaltung auf dem Sinai geschah, stand dann nicht zu erwarten, da├č auch, wenn das Evangelium gegeben wurde – des Dienst doch ein so viel herrlicher ist – eine besondere Enth├╝llung der g├Âttlichen Gegenwart erfolgen w├╝rde? Wenn wir nun am Anfang des Evangeliums den Heiligen Geist gro├če Zeichen und Wunder wirken sehen, d├╝rfen wir, dann nicht nur eine Fortdauer – ja, wenn irgendetwas dann sogar eine vermehrte Entfaltung seiner Macht,–im Verlauf der Jahrhunderte erwarten? Das Gesetz hat aufgeh├Ârt, aber das Evangelium wird nie aufh├Âren! Es scheint heller und heller bis auf den vollen Tag des Tausendj├Ąhrigen Reichs. Ich achte daher, da├č wir (mit alleiniger Ausnahme der physischen Wunder) alles dessen, was der Heilige Geist am Anfang gewirkt hat, noch fortw├Ąhrend, solange diese Haushaltung besteht, gew├Ąrtig sein d├╝rfen. Es sollte nicht vergessen werden, da├č Pfingsten das Fest der Erstlinge war, die Zeit, wo die ersten reifen Korn├Ąhren Gott dargebracht wurden; wenn wir nun am Anfang der Evangeliumsernte die Macht des Heiligen Geistes so deutlich sehen, d├╝rfen wir nicht noch viel mehr erwarten, solange die Ernte ihren Fortgang nimmt, und am allermeisten, wenn die zahlreichsten Gaben eingebracht werden? D├╝rfen wir nicht den Schlu├č ziehen, da├č, wenn Pfingsten schon so wunderbar war, die wirkliche Ernte noch viel wundervoller sein wird?

Der Vater hat uns den Tr├Âster gesandt, damit Er in uns Wohnung mache, bis der Herr kommt. Der Heilige Geist ist nie zur├╝ckgekehrt, denn zufolge des Gebetes des Heilandes kam Er, um bei uns zu bleiben ewiglich. Die Gabe des Tr├Âsters ist keine vor├╝bergehende, und die erste Entfaltung seiner Macht bleibt nicht nur eine einmalige. Der Heilige Geist ist hier, und wir sollten sein g├Âttliches Wirken unter uns erwarten; und wenn Er nicht so wirkt, sollten wir uns untersuchen, um zu erfahren, woran es liegt;– ob nicht etwas in uns ist, das Ihn hindert, seine Energie zu beweisen, das Ihn aufh├Ąlt, nicht so wirksam unter uns zu sein, wie Er es ehedem war. Gott gebe, da├č unser Glaube an den Heiligen Geist so gest├Ąrkt und unser Verlangen nach Ihm so entz├╝ndet werde, da├č wir die Erf├╝llung seiner Mission unter den Menschen wie am Anfang auch unter uns erleben m├Âgen.

La├čt mich also zuerst eure Aufmerksamkeit auf die lehrreichen Symbole des Heiligen Geistes richten, welche zu Pfingsten hervortreten. Es waren ihrer zwei. Es geschah ein Brausen wie eines gewaltigen Windes, und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt, wie von Feuer.

Betrachtet die Symbole voneinander getrennt. Das erste ist Wind – ein Sinnbild der Gottheit und darum ein passendes Symbol des Heiligen Geistes. Oft hat sich Gott im Alten Bund unter dem Sinnbild von Odem oder Wind geoffenbart; bekanntlich ist das hebr├Ąische Wort f├╝r „Wind“ und „Geist“ dasselbe. Ebenso das griechische Wort. Die ├ťbersetzter finden es nicht ganz leicht, bei Jesu Gespr├Ąch mit Nikodemus uns zu sagen, wann Er „Geist“ und wann „Wind“ gebraucht hat. Einige geben ganz richtig den Grundtext in der ganzen Stelle mit dem Wort „Wind“ wieder, w├Ąhrend andere mit ebenso gutem Recht „Geist“ ├╝bersetzten. Das Wort im Grundtext bedeutet entweder das eine oder das andre oder beides. Der Wind ist der Erscheinung von allen materiellen Dingen eines der geistigsten, er ist unsichtbar, ├Ątherisch, geheimnisvoll, darum sind die Menschen auf denselben verfallen, als dem Geist am n├Ąchsten verwandt. Bei der ber├╝hmten Vision Hesekiels, als er das Feld voll verdorrter Gebeine sah, wissen wir alle, da├č der Geist Gottes unter dem belebenden Wind verstanden war, welcher auf die Weissagungen des Propheten hin herzukam und auf die Get├Âteten blies, bis sie wieder lebendig wurden. „Des Herrn Weg ist im Wetter“, so entfaltet Er seine Macht; „der Herr antwortete Hiob aus dem Wetter“, so offenbart Er sich, wenn Er seine Knechte belehrt.

Beachtet auch, da├č dieser Wind am Pfingsttag von einem Brausen begleitet war,–dem Brausen wie eines gewaltigen Windes; denn obgleich der Geist Gottes in der Stille wirken kann, so geht es doch bei einer seligmachenden Wirksamkeit nicht immer ger├Ąuschlos zu. Ich bin der letzte, welcher von Versammlungen geringsch├Ątzig redet, bei welchen nur heiliges Schweigen herrscht, denn ich w├╝nschte, da├č wir mehr Ehrerbietung f├╝rs Schweigen h├Ątten; denn das innere Leben wird in der Stille gen├Ąhrt. Aber der Heilige Geist breitet das Reich Gottes nicht durch Schweigen aus, denn der Glaube kommt durch die Predigt. Es gibt ein Ger├Ąusch wie das Brausen eines gewaltigen Windes, wenn das Wort in der Verk├╝ndigung des Evangeliums durch ganze L├Ąnder und V├Âlker ert├Ânt. Wenn der Herr den Menschen keine Ohren oder Zungen gegeben h├Ątte, so w├Ąre schweigende Anbetung nicht nur am Platze, sondern notwendig gewesen, da Er uns aber Ohren gegeben hat, so mu├č es in Seiner Absicht liegen, da├č wir etwas h├Âren sollen, und da Er uns Zungen gegeben hat, so mu├č es seine Meinung sein, da├č wir reden sollen. Einige von uns w├╝rden gern stille sein; wo aber das Evangelium einmal ungehemmten Lauf hat, gibt es notwendigerweise ein gewisses Ger├Ąusch. Das Brausen sollte ohne Zweifel bei dieser Gelegenheit die Aufmerksamkeit der Versammelten auf das richten, was geschehen sollte, sie aufr├╝tteln und mit Ehrfurcht erf├╝llen! Es ist etwas unbeschreibliches Feierliches in dem Rauschen eines sich aufmachenden Sturmes, es beugt die Seele nieder vor dem erhabenen Geheimnis der g├Âttlichen Macht. Welche passenderen Begleiter des g├Âttlichen Wirkens konnte es geben als das tief feierliche Rauschen eines gewaltigen Windes.

Dieses Ehrfurcht einfl├Â├čende Brausen wie eines gewaltigen Windes war ein deutliches Anzeichen davon, da├č dieser Wind vom Himmel kam. Gew├Âhnliche Winde wehen aus dieser oder jener Himmelsgegend, aber dieser Wind kam aus dem Himmel selbst, er war ganz deutlich ein Luftzug von oben. Dies veranschaulicht uns die Tatsache, da├č der wahre Geist, der Geist Gottes, nicht von diesem oder jenem Ort ausgeht, auch nicht von menschlicher Autorit├Ąt beaufsichtigt oder bestimmt werden kann, sondern sein Wirken immer von oben her ist, von Gott selbst. Das Werk des Heiligen Geistes ist sozusagen der Hauch Gottes, und seine Macht ist immer in besonderer Hinsicht die unmittelbare Macht Gottes.

Dieser geheimnisvolle Wind kam also herab, drang in das Zimmer ein, wo die J├╝nger sa├čen, und erf├╝llte den Raum. Ein gew├Âhnlicher Wind w├╝rde sich drau├čen f├╝hlbar gemacht und wahrscheinlich das Haus zerst├Ârt oder die Insassen besch├Ądigt haben, wenn er seine Gewalt auf ein besonderes Geb├Ąude gerichtet h├Ątte; aber dieser himmlische Sturm erf├╝llte den Raum ohne ihn zu zerst├Âren, segnete die harrende Schar, ohne sie niederzuwerfen.

Dies will so viel sagen: gleichwie Atem, Luft, Wind das Leben des Menschen ausmacht, so ist der Geist Gottes das Leben des geistlichen Menschen. Durch Ihn werden wir zuerst lebendig gemacht, durch Ihn werden wir sp├Ąter am Leben erhalten; durch Ihn wird das innere Leben gen├Ąhrt, gekr├Ąftigt, vollendet.

Dieser heilige Odem sollte sie nicht nur lebendig machen, sondern kr├Ąftigen. Welch ein Segen w├╝rde jetzt gerade f├╝r uns, die wir in dieser dicken Atmosph├Ąre sitzen, ein Luftzug sein! Wie w├╝rden wir einen frischen Wind von der H├Âhe oder von der offenen See her willkommen hei├čen! Wenn die Winde der Erde schon so erfrischend sind, was mu├č erst ein Wind vom Himmel sein! Dieses Brausen eines gewaltigen Windes fegte bald alle von der Erde erzeugten ├ťbel und S├╝nde hinweg, r├╝ttelte die J├╝nger auf und st├Ąrkte sie f├╝r das Wort des Herrn. Sie nahmen in gro├čen Z├╝gen himmlisches Leben in sich auf; sie f├╝hlten sich belebt, erneuert und mit Kraft angetan. Eine heilige Begeisterung kam ├╝ber sie, denn sie waren erf├╝llt mit dem Heiligen Geist; und mit seiner Kraft geg├╝rtet, erhoben sie sich auf eine h├Âhere Stufe des geistlichen Lebens, als sie bisher eingenommen hatten.

Ohne Zweifel sollte dieser Wind die unwiderstehliche Macht des Heiligen Geistes dartun, denn so still, nachgebend und scheinbar schwach die Luft sein kann – setzt ihr sie in Bewegung, so wi├čt ihr, was f├╝r ein lebendiges Wesen unter euch ist, und la├čt ihr diese Bewegung noch schneller werden, wer begreift dann die Macht des ruhelosen Riesen, welcher entfesselt ist. Siehe, sie wird zu einem Sturm, einem Orkan, einem Tornado. Nichts kann der Macht des Windes gleichkommen, wenn er entfesselt ist; ebenso la├čt nur den Heiligen Geist, so verachtet Er unter den Menschen ist – so sehr, da├č viele nicht einmal an seine Existenz glauben – mit der F├╝ller Seiner Macht wirken, so werdet ihr sehen, was Er tun kann. Er kommt wie ein sanfter Zephyr, welcher die Blumen f├Ąchelt, ohne das am zartesten befl├╝gelten Insekt von seiner Stelle zu bewegen,–und unsre Herzen werden getr├Âstet. Er kommt wie ein belebender Luftzug; wir werden angeregt, mehr Flei├č zu tun; unsre Segel werden gelichtet, und wir fliegen vor dem Wind.

Er kommt mit noch gr├Â├čerer St├Ąrke, und wir werfen uns vor Ihm in den Staub nieder, den Donner seiner Macht h├Ârend, der mit einem Krach falsche Hoffnungen und St├╝tzen zu Boden schl├Ągt. Wie bricht dann alles zusammen, worauf fleischlich gesinnte Menschen ihr Vertrauen setzten und was ihnen felsenfest zu stehen schien! Wie werden dann der Menschen Hoffnungen, welche Eichb├Ąumen gleich gewurzelt schienen, vor dem Odem des ├╝berf├╝hrenden Geistes mit den Wurzeln ausgehoben! Wer kann vor Ihm stehen? O da├č wir doch in diesen letzten Tagen etwas von diesem m├Ąchtig brausenden Wind erfahren m├Âchten, der die Zedern Libanons zerbricht und alles, was sich seiner Macht widersetzt, vor sich her treibt!

Das zweite Pfingstsymbol war Feuer. Feuer ist ebenfalls ein h├Ąufiges Symbol der Gottheit. Abraham sah eine Feuerflamme, und Moses gewahrte einen brennenden Busch. Als Salomo sein heiliges und sch├Ânes Haus baute, bestand die Weihe desselben in dem auf das Opfer herniederfahrenden Feuer, welches bezeichnen sollte, da├č der Herr daselbst war; denn als der Herr fr├╝her in der Stiftsh├╝tte wohnte, welche durch den Tempel aufgehoben war, offenbarte Er sich daselbst in einer Wolkens├Ąule bei Tag und in einer Feuers├Ąule bei Nacht. „Unser Gott ist ein verzehrendes Feuer“. Daher ist Feuer ein passendes Sinnbild f├╝r den Heiligen Geist. La├čt uns Ihm Ehrfurcht und Anbetung bringen. Die feurigen Zungen, welche sich auf einen jeden setzten, bekunden einen pers├Ânliche Besuch des Gem├╝tes und Herzens eines jeden der erw├Ąhlten Schar.

Nicht um sie zu verzehren, kam das Feuer, denn niemand wurde von der feurigen Zunge verletzt. Menschen, welche der Herr an seine Ann├Ąherung vorbereitet hat, laufen keine Gefahr bei seinem Besuche. Sie schauen Gott, und ihr Leben wird bewahrt; sie f├╝hlen sein Feuer und werden doch nicht verzehrt. Dies ist das alleinige Vorrecht derjenigen, welche f├╝r solche Gemeinschaft mit Gott zubereitet und gereinigt sind.

Das Symbol sollte ihnen dartun, da├č der Heilige Geist sie erleuchten wolle, wie Feuer leuchtet. „Er wird euch in alle Wahrheit leiten“. Von jetzt ab sollten sie nicht mehr unerzogene Kindlein, sondern Lehrer in Israel sein! Sie sollten die V├Âlker, welche sie zu J├╝ngern machen sollten, lehren, darum war der Geist der Erleuchtung auf sie gekommen. Aber Feuer leuchtet nicht nur: es entz├╝ndet auch; und die Flammen, welche sich auf ihnen niederlie├čen, zeigten ihnen, da├č sie ganz von Liebe und Eifer gl├╝hen, von Selbstverleugnung brennen m├╝├čten, da├č sie unter die Menschen gehen und zu ihnen nicht mit der kalten Zunge wohl├╝berlegter Logik reden sollten, sondern mit der brennenden Zunge leidenschaftlichen Flehens, da├č sie die Menschen bitten und ├╝berreden sollten, zu Christus zu kommen, damit sie leben m├Âchten. Das Feuer bedeutete Inspiration. Gott war im Begriff, sie unter Seinem g├Âttlichen Einflu├č reden zu lassen, reden, je nach dem der Geist ihnen gab auszusprechen. O seliges Symbol! Wollte Gott, da├č wir alle seine Bedeutung in ganzer F├╝lle erf├╝hren und die feurige Zunge auf allen Knechten des Herrn s├Ą├če! M├Âge ein Feuer in uns best├Ąndig brennen und unsre S├╝nde zu zerst├Âren, eine heilige Flamme, um uns zu ganzen Brandopfern f├╝r Gott zu machen, eine nie erl├Âschende Flamme des Eifers f├╝r Gott, der Hingabe an das Kreuz!

Beachtet aber, da├č das Sinnbild nicht blo├č in Feuer, sondern in einer feurigen Zunge bestand, denn Gott will eine redende Gemeinde haben: nicht eine mit dem Schwert k├Ąmpfende Gemeinde – mit der Waffe haben wir nichts zu tun–,sondern eine Gemeinde, aus deren Munde ein Schwert geht, deren einzige Waffe die Verk├╝ndigung des Evangeliums von Jesus Christus ist. Ich m├Âchte nach dem, was ich von einigen Predigern wei├č, glauben, da├č, als sie ihr Pfingsten feierten, der Einflu├č in Form von Blumenzungen sich auf sie setzte; aber das apostolische Pfingsten kennt keine Blumen, sondern nur Flammen. Was f├╝r sch├Âne Predigten h├Âren wir heutzutage, was f├╝r neue Gedanken, was f├╝r poetische Redewendungen! Dies ist nicht der Stil des Heiligen Geistes. Sanft und wild ist der Flu├č der glatten Rede, welche von der W├╝rde des Menschen handelt, von der Gr├Â├če des Jahrhunderts, von der Abschw├Ąchung aller Strafe der S├╝nde und von der wahrscheinlichen Wiederherstellung aller verlorenen Geister, den Erzfeind mit eingeschlossen. Dies ist ein satanisches Predigtamt, listig wie die Schlange, schmeichelnd wie ihre verf├╝hrerischen Worte an die Eva. Der Heilige Geist beruft uns nicht zu solcher Redeweise. Feuer, Inbrunst, Eifer, Leidenschaft, so viel ihr wollt, aber Effekthascherei durch glatte Phrasen und gl├Ąnzende Perioden eignet sich besser f├╝r diejenigen, welche die Menschen t├Ąuschen wollen, anstatt ihnen die Botschaft des Allerh├Âchsten zu verk├╝ndigen. Der Stil des Heiligen Geistes ist derart, da├č die Wahrheit dem Gem├╝t auf die eindringliche Weise nahe gebracht wird: er ist einfach, aber flammend, schlicht, aber verzehrend! Der Heilige Geist hat in der ganzen Bibel keinen einzigen kalten Satz geschrieben und niemals durch einen Menschen ein lebloses Wort gesprochen, sondern immerdar schenkt und segnete Er eine feurige Zunge.

Dies sind also die beiden Symbole; und ich m├Âchte, da├č ihr sorgf├Ąltig beachtet, was der Heilige Geist uns durch sie lehren will. Als Er vom Vater ausging und auf den Sohn kam, geschah es wie eine Taube: Friede ruhte auf der Seele dieses teuren Dulders w├Ąhrend aller Tage seiner Arbeit und w├Ąhrend seins ganzen Leidens, welches sie beschlie├čen sollte. Seine Salbung ist die des Friedens; Er brauchte keine Flammenzunge, denn Er war bereits ganz feurig von Liebe. Als der Heilige Geist vom Sohn Gottes seinen J├╝ngern mitgeteilt wurde, geschah es zun├Ąchst als Odem: Er blies sie an und sagte: „Empfanget den Heiligen Geist“! „Leben und volles gen├╝ge“ ist das Hauptbed├╝rfnis der Knechte des Herrn Jesus; darum besucht uns der Heilige Geist. Haben wir erst einmal den Heiligen Geist von Christus als unser inneres Leben empfangen, sind wir lebendig gemacht, dann kommt er auch mit er Absicht zu uns, uns zum Segen f├╝r andere zu benutzen, und dann besucht Er uns als Wind, welcher unsre Worte davontr├Ągt, und als Feuer, welches der Wahrheit, die wir aussprechen, einen Weg brennt. Nun erst werden unsre Worte lebensvoll und z├╝ndend, der Odem des Geistes tr├Ągt sie davon, und sie werden zu Funken, welche in der Menschen Seelen fallen und in ihnen ein Verlangen nach Gott entz├╝nden. Wenn der Heilige Geist auf mit oder auf euch oder auf irgendjemand von uns ruht, um uns zum Dienst t├╝chtig zu machen, so wird es auf diese Weise sein: Er4 wird uns nicht nur Leben f├╝r uns selbst, sondern eine feurige Energie zum Verkehr mit anderen schenken. O so komme denn auf uns herab, m├Ąchtiger gewaltiger Wind und Feuerzunge, denn es tut der Welt sehr not! Sie liegt bewegungslos in der verpesteten Sumpfluft der S├╝nde und braucht einen heilenden Wind. Sie ist in dichte Nacht geh├╝llt und braucht eine hell leuchtende Fackel der Wahrheit. Es gibt keine Gesundheit und kein Licht f├╝r sie au├čer von Dir, hochgelobter Geist! Komme denn ├╝ber sie durch Dein Volk!

Nun fa├čt diesen beiden Symbole zusammen, und was habt ihr dann? Wind und Feuer zusammen! Ich habe sie bisher getrennt gehalten, und ihr habt ich jedem eine Kraft wahrgenommen. Was sind sie aber zusammengefa├čt? Ein gewaltig brausender Wind ist schon an sich furchtbar. Wer kann ihm widerstehen? Seht, wie die stolzen Schiffe zusammenbrechen und die K├Ânige des Waldes ihre H├Ąupter neigen! Und Feuer allein? Wer kann ihm widerstehen, wenn es seine Beute verzehrt? Nun aber gar Wind und Feuer vereint wirkend! Denkt an die alte Stadt London! Als die Flammen anfingen sich zu entz├╝nden, war es ganz unm├Âglich, ihrer Herr zu werden, weil der Wind die Flamme anfachte und die Geb├Ąude zusammenbrachen vor dem Feuerstrom. Z├╝ndet die Pr├Ąrie an! Wenn es regnet und die Luft stille ist, so mag das Gras aufh├Âren zu brennen, aber sowie der Wind der Flamme zusetzt, wird man den Zerst├Ârer dahinfahren sehen, das hohe Gras mit seinen Flammenzungen aufleckend. Wir haben k├╝rzlich von brennenden W├Ąldern gelesen. Welch ein Rauch schw├Ąrzt den Himmel! Es wird dunkel am Mittag! Indem H├╝gel um H├╝gel ihre Opfer darbringen, meinen die ├ängstlichen,, der Tag des Herrn sei gekommen. Eine geistliche Feuersbrunst von gleicher Gr├Â├če zu erleben, das w├Ąre eine sehr begehrenswerte Sache. O Gott, sende uns den Heiligen Geist auf diese Weise: gib uns den Odem geistlichen Lebens und gib uns das Feuer unausl├Âschlichen Eifers f├╝r die Sache Deines Reiches! O Du, der du unser Gott bist, antworte uns mit Feuer, wir bitten Dich! Antworte uns mit beidem, mit Wind und mit Feuer! Dann werden wir erkennen, da├č du in der Tat Gott bist. Dein Reich verzieht, Dein Werk ermattet, o sende den Wind und das Feuer! Du wirst es tun, wenn wir alle eines Sinnes, alle gl├Ąubig, alle erwartungsvoll, alle durch Gebet zubereitet sind. Herr, versetze uns in diesen Zustand der Erwartung

Achtet nun weiter auf die unmittelbaren Wirkungen dieser Herabkunft des Heiligen Geistes! Diese Symbole sind nicht vergeblich gesandt. Wir haben es mit zwei unmittelbaren Wirkungen zu tun; erstens mit dem Erf├╝lltwerden, zweitens mit der Gabe der ├äu├čerung. Ich bitte um eure besondere Aufmerksamkeit f├╝r den ersten Punkt: das Erf├╝lltwerden: „und es erf├╝llte das ganze Haus, da sie sa├čen“, aber nicht nur das Haus, sondern auch die Menschen: „Und wurden alle voll des Heiligen Geistes“. Als sie auftraten, um zu reden, bemerkten dies sogar die w├╝sten Sp├Âtter der Menge, denn sie sagten: „Diese Menschen sind voll“, und wenn sie auch hinzuf├╝gten: „s├╝├čen Weins“, so nahmen sie doch augenscheinlich eine besondere F├╝lle an ihnen war. Wir sind von Natur, arme, leere und – solange wir so bleiben – unn├╝tze Wesen und m├╝ssen erf├╝llt werden von dem Heiligen Geist. Manche Leute scheinen zu meinen, da├č der Heilige Geist blo├č ├äu├čerung verleihe, denn sie betrachten die g├Âttliche Unterweisung in g├Âttlichen Dingen als eine Sache von untergeordneter Wichtigkeit. Aber ach, wie viel Unheil entspringt aus dieser Annahme! Wie viel Ger├Ąusch und Geklapper entsteht durch leere Gef├Ą├če! Was reden diese Leute f├╝r eine Menge Nichts, und selbst, wenn dieses Nichts in Brand ger├Ąt, entsteht nicht viel daraus. Ich f├╝rchte eine Erweckung dieser Art, wo das Erste und Letzte ewiges Geschw├Ątz ist. Diejenigen, welche als Lehrer auftreten, bed├╝rfen erst selbst, vom Herrn gelehrt zu werden! Wie k├Ânnen sie mitteilen, was sie nicht empfangen haben? Wo der Geist Gottes in Wahrheit wirksam ist, da f├╝llt Er zuerst und gibt dann das Ausbrechen. O, da├č ihr und ich in diesem Augenblick des Heiligen Geistes voll w├╝rden! „Voll“! Dann waren sei also nicht mehr kalt und tot und lebensleer, wie wir es so oft sind. „Voll“! dann war also kein Raum mehr f├╝r irgendetwas anderes in irgend einem von ihnen! Sie waren so v├Âllig von der himmlischen Macht in Besitz genommen, da├č f├╝r irdisches Verlangen kein Raum mehr blieb. Die Furcht war verbannt, jedes untergeordnete Motiv ausgesto├čen; der Geist Gottes, der in ihr Inneres einstr├Âmte, trieb alles Ungeh├Ârige aus ihnen hinaus. Sie hatten vorher manche Fehler, manche Gebrechen. Aber an jenem Tage, da der Geist Gottes sie erf├╝llte, waren Fehler und Gebrechen nicht mehr bemerkbar. Sie wurden verschieden von dem, was sie je zuvor gewesen waren: Menschen, von Gott erf├╝llt, sind das Gegenteil von solchen, die von sich selbst erf├╝llt sind. Der Unterschied zwischen einem vollen und einem leeren Menschen ist in die Augen fallend. Reicht einem Durstigen ein leeres Gef├Ą├č dar: es mag viel Ger├Ąusch damit verbunden sein; doch wie spottet es seines Durstes, wenn er es zum Munde f├╝hrt! Aber nun f├╝llt es mit erquickendem Wasser: wenn es dabei auch schweigsamer zugeht – denn ein voller Becher erfordert behutsame Behandlung–,welch ein Segen, wenn er des Menschen Lippen ber├╝hrt! Aus einem vollen Gef├Ą├č kann er sich satt trinken. Aus einer vollen Gemeinde kann die Welt Heil empfangen, aber niemals aus einer leeren. Das Erste, was uns als Gemeinde not tut, ist, erf├╝llt zu werden mit dem Heiligen Geist. Die Gabe der ├äu├čerung wird dann von selbst nachkommen. Man fragt mich: „D├╝rfen die Schwestern reden, wenn auch nicht in der Gemeinde, so doch in kleineren Versammlungen“? ich antworte: „Ja, wenn sie voll sind des Heiligen Geistes“. Soll es diesem oder jenem Bruder gestattet sein, zu reden? Sicherlich, wenn er gef├╝llt ist, so m├Âge er flie├čen. Darf ein Laie predigen? Ich wei├č nichts von Laien, au├čer da├č ich selbst kein Priester bin; aber es sollen alle reden, welche voll sind des Heiligen Geistes! Wo eine Quelle lebendigen Wassers ist, wer m├Âchte sie hemmen, wer k├Ânnte sie hemmen? La├čt den ├╝berflie├čen, welcher voll ist, aber gebt wohl acht, da├č er sich nicht anma├če, auszugie├čen, wenn er nichts in sich hat; denn wenn er es f├╝r seine offizielle Pflicht h├Ąlt, in die L├Ąnge und Breite auszugie├čen, auszugie├čen, auszugie├čen, und doch nichts kommt, so bin ich gewi├č, da├č er nicht handelt getrieben von dem Heiligen Geist, sondern getrieben von seiner eigenen Eitelkeit.

Das n├Ąchste Pfingstsymbol war die Gabe der ├äu├čerung. Sobald der Geist Gottes sie erf├╝llte, fingen sie an auszusprechen. Es scheint mir, sie fingen an zu reden, ehe das Volk zusammengekommen war. Sie konnten es nicht lassen, die innere Gewalt verlangte einen Ausdruck, sie mu├čten reden. Wenn der Heilige Geist ├╝ber einen Menschen kommt, so wartet er nicht, bis er eine Zuh├Ârerschaft von gew├╝nschter Gr├Â├če beisammen hat, sondern er ergreift die n├Ąchste Gelegenheit. Er redet zu einer Person, zu zweien, zu dreien, zu wem es sei, er mu├č reden, denn er ist voll und mu├č sich Luft machen.

Wenn der Geist Gottes einen Menschen erf├╝llt, so redet er auf verst├Ąndliche Weise. Die Menge sprach verschiedene Sprachen, aber diese geistgelehrten Leute redeten zu ihnen in der Sprache des Landes, in welchem sie geboren waren. Dies ist eins von den Zeichen der ├äu├čerung des Geistes. Wenn mein Freund zu einfachen Leuten in lateinischen Stil redet, so b├╝rge ich euch daf├╝r, der Heilige Geist hat nichts mit ihm zu tun. Wenn ein gelehrte Bruder mit seiner gro├čen Rede ├╝ber die K├Âpfe seiner Gemeinde hinwegzielt, so mag er, wenn es ihm beliebt, seine Beredsamkeit auf Cicero oder Demosthenes zur├╝ckf├╝hren, aber er schreibe sie nicht dem Heiligen Geist zu, denn das ist nicht nach seiner Weise. Der Geist Gottes redet so, da├č seine Worte verstanden werden, und wenn doch noch eine Dunkelheit ├╝brig bleibt, so liegt sie in der Sprache, welche unser Herr selbst gesprochen hat.

Die Menge verstand aber nicht nur, sie f├╝hlte auch. Die Worte dieser Pfingstpredigt waren Pfeile, die den Zuh├Ârern durchs Herz gingen. Die Wahrheit verwundete die Menschen; der „Get├Âteten“ des Herrn waren viele, denn die Wunden wurden dem lebenswichtigsten Organ beigebracht, dem Herzen. Sie konnten es sich nicht erkl├Ąren. Sie hatten schon andere Redner geh├Ârt, aber dies war etwas ganz anderes. Diese Menschen redeten Funken, und ein Zuh├Ârer rief dem andern zu: „Was will das werden“? Die Prediger sprachen Flammen, und das Feuer fiel in die Herzen der Menschen, bis sie erstaunt und best├╝rzt waren.

Dies sind die beiden Wirkungen des Heiligen Geistes: eine F├╝lle des Geistes f├╝rs Predigtamt und in der Gemeinde und dann ein Feueramt und eine feurige Gemeinde, welche so reden, da├č sie von den Umstehenden verstanden und gef├╝hlt werden. Ursachen bringen Wirkungen hervor, die ihnen gleichen: dieses Wind- und Feuer-Predigtamt konnte nicht verborgen bleiben. Wir lesen: „Als diese Stimme geschah, kam die Menge zusammen und wurden best├╝rzt“. Es gab nat├╝rlich eine Bewegung, denn es brauste ein gewaltiger Wind vom Himmel. Alle waren entsetzt und verwundet. Und w├Ąhrend einige gl├Ąubiges erstaunen ├Ąu├čerten, hatten’s andere ihren Spott. Das war ganz nat├╝rlich: es brannte da ein Feuer , und Feuer scheidet; so fing denn dies Feuer an zu scheiden zwischen dem Edlen und dem Unedlen, wie es immer der Fall sein wird, wo man es zur Anwendung bringt. Wir d├╝rfen zu Anfang einer jeden wahren Erweckung eine Bewegung im Volk erwarten, einen gewissen L├Ąrm und Aufregung, denn diese Dinge geschehen nicht im Winkel. Die St├Ądte, in welchen sie geschehen, werden die Gegenwart Gottes merken, und die Menge wird von dem Ereignis angezogen werden. Dies war auch die unmittelbare Wirkung des Pfingstwunders.

Welches war nun der hervorragendste Gegenstand, ├╝ber welchen diese geisterf├╝llten Menschen mit solch feurigen Worten predigten? Gesetzt dem Fall, der Heilige Geist wirkte ebenso m├Ąchtig in unseren Gemeinden wie damals. Wor├╝ber w├╝rden unsere Prediger predigen? Wir w├╝rden eine Wiederauflebung der alten Streitigkeiten ├╝ber Pr├Ądestination und die freie Willensbestimmung des Menschen erleben, nicht wahr? Ich glaube nicht: diese sind gl├╝cklicherweise beigelegt, denn sie riefen nur Bitterkeit hervor, und meistens waren die Streitenden ihrer Aufgabe nicht gewachsen. Oder wir w├╝rden viel dar├╝ber streiten h├Âren, ob der Herr vor oder nach dem Tausendj├Ąhrigen Reiche wiederkommt? Ich glaube nicht. Ich habe nie viel g├Âttlichen Geist in Streitigkeiten ├╝ber Zeiten und Stunden wahrgenommen, welche nicht klar geoffenbart sind! Oder w├╝rden wir gelehrte Abhandlungen ├╝ber die Fortschritte der Theologie h├Âren? Nein, gewi├č nicht. Wenn der Teufel die Kirche beeinflu├čt, dann haben wir moderne Theologie; wenn aber der Geist Gottes unter uns ist, dann wird dieser Schutt hinweggetan. Wor├╝ber predigten diese Menschen? Ihre Zuh├Ârer sagten: „Wir h├Âren sie mit unseren Zungen die gro├čen Taten Gottes reden“. Ihr Thema war: „Die gro├čen Taten Gottes“. O dies sei bis zu meinem Sterbetag mein einziges und alleiniges Thema: „Die gro├čen Taten Gottes“. Zuerst sprachen sie von der Erl├Âsung, dieser gro├čen Tat Gottes. Des Petrus Predigt war ein Beispiel, wie sie davon redeten. Er sagte dem Volke, da├č Jesus der Sohn Gottes sei, da├č sie Ihn gekreuzigt und erw├╝rgt h├Ątten, da├č Er aber gekommen sei, die Menschen zu erl├Âsen, und da├č in seinem teuren Blut das Heil sei. Er predigte die Erl├Âsung. O wie wird dies Land widerhallen von „Erl├Âsung, Erl├Âsung, Erl├Âsung durch das teure Blut“, wenn der Geist Gottes mit uns ist. Dies ist geeigneter Stoff f├╝r die Flammenzunge; dies ist etwas, das wert ist, vom g├Âttlichen Wind dahin getragen zu werden. „Gott war in Christo und vers├Âhnte die Welt mit Ihm selber und rechnete ihnen ihre S├╝nden nicht zu“. „Das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, macht uns rein von aller S├╝nde“. Dies ist eine von den gro├čen Taten Gottes, von denen wir viel reden k├Ânnen.

Dann redeten sie sicherlich von der anderen gro├čen Tat Gottes, der Wiedergeburt. In dieser ersten Gemeinde gab es kein Verschweigen des Amtes des Heiligen Geistes. Es wurde in den Vordergrund gestellt. Petrus sagte: „Ihr werdet den Heiligen Geist empfangen“. Die Pfingstprediger redeten von dem Werk des Geistes in des Geistes Kraft: Bekehrung, Bu├če, Erneuerung, Glaube, Heiligkeit, und dgl. wurden frei besprochen und ihrem wahren Urheber, dem Heiligen Geist, zugeschrieben. Wenn der Heilige Geist uns wieder ein volles und feuriges Predigtamt schenkt, dann wird es wieder klar unter uns verk├╝ndigt werden: „Ihr m├╝sset von neuem geboren werden“, und dann werden wir ein Volk erstehen sehen, welches geboren ist nicht von dem Gebl├╝t, noch von dem Willen des Fleisches, sondern von Gott und von der Kraft, welche vom Himmel kommt. Ein Predigtamt des Heiligen Geistes kann ├╝ber den Heiligen Geist und seine heiligen Wirkungen im Menschenherzen nicht schweigen.

Und sehr klar redeten sie von der dritten gro├čen Tat Gottes, der Vergebung der S├╝nden. Das war der Punkt, den ihnen Petrus so eindringlich machte: wenn sie Bu├če t├Ąten, so w├╝rden sie Vergebung der S├╝nden empfangen. O selige Botschaft: Vergebung, auch f├╝r das schw├Ąrzeste Verbrechen, eine Vergebung, welche das Blut Jesu erkauft hat, eine freie, volle, unverbr├╝chliche Vergebung, welche auch den ├ärgsten der Argen zuteil werden soll, wenn sie ihre Waffen strecken und sich zu den F├╝├čen Dessen neigen wollen, der einst an den Stamm genagelt war. Wenn wir uns als solche beweisen wollen, die unter g├Âttlichem Einflu├č stehen, dann m├╝ssen wir uns an die Botschaft v├Ąterlicher Vergebung f├╝r die wiederkehrenden S├Âhne halten. K├Ânnen wir ein seligeres Wort verk├╝ndigen?

Dies sind die Lehren, welche er Heilige Geist, wenn Er m├Ąchtig wirkt, inmitten unseres Landes wiederbeleben wird: Erl├Âsung, Wiedergeburt, Vergebung. Wollte ihr den Heiligen Geist auf eurer Arbeit ruhen haben, so stellt diese drei Dinge immer in den Vordergrund und lasset alle Menschen in ihren Zungen die gro├čen und wunderbaren Taten Gottes h├Âren!

Welches waren nun die herrlichen Folgen dieser geistesm├Ąchtigen Predigt? Zuerst war es ein tiefes Gef├╝hl, welches in den Herzen der Zuh├Ârer durch das Kommen des Heiligen Geistes entz├╝ndet wurde. Es ist vielleicht nie in der ganzen Welt durch die Sprache von Sterblichen Menschen ein solches Gef├╝hl hervorgerufen worden wie in der Menge zu Jerusalem an diesem Tage. Da sah man hier eine Gruppe und dort eine Gruppe, alle derselben Botschaft von den gro├čen Taten Gottes lauschend; alle erregt und ergriffen; denn der himmlische Wind und das himmlische Feuer begleiteten die Predigt, und sie konnten nicht umhin, ihre Macht zu empfinden. Wir lesen: „Es ging ihnen durchs Herz“. Sie hatten schmerzliche Empfindungen, sie f├╝hlten Wunden, durch welche ihre Feindschaft get├Âtet wurde. Das Wort traf in das Innerste ihres Wesens hinein, es durchbohrte den Lebensnerv. Ach, die Leute heutzutage kommen in unsere Gottesh├Ąuser, um den Prediger zu h├Âren, und ihre Freunde fragen sei beim Nachhausekommen: „Wie hat er euch gefallen“? War das euer Auftrag, zu sehen, wie es euch gefiele? Kann euch das Nutzen bringen, wenn ihr euch so der Knechte Gottes bedient? Die Masse der Menschen scheint wirklich zu denken, da├č wir nichts Besseres sind als Geigen- oder Schauspieler, welche die B├╝hne betreten, um euch eine Stunde lang die Zeit zu vertreiben. Oh, wenn wir gegen Gott und gegen euch treu sind, dann haben wir eine ernstere Obliegenheit, als die meisten Menschen w├Ąhnen. Das Ziel einer jeden wahren Predigt ist das Herz: wir arbeiten darauf hin, eine Scheidung zwischen eurem Herzen und der S├╝nde zu bewirken und euch Christo zu vertrauen. Unser Amt ist nichts n├╝tze und entbehrt des g├Âttlichen Siegels, wenn es die Menschen nicht zittern macht, sie nicht betr├╝bt und sie dann zu Christus bringt, damit sie wieder fr├Âhlich werden. Predigten werden zu Tausenden geh├Ârt, und doch wie wenig wirken sie, weil nicht auf das Herz gezielt wird oder doch die Sch├╝tzen ihres Zieles verfehlen. Und unsere Zuh├Ârer bieten uns oft ihre Herzen nicht als eine Zielscheibe dar, sondern lassen sie zu Hause und bringen uns nur ihre Ohren oder ihre K├Âpfe. Hier brauchen wir den g├Âttlichen Beistand. Betet anhaltend, da├č der Geist Gottes auf allen ruhen m├Âge, welche im Namen Gottes reden, denn nur so werden sie ein tiefes Gef├╝hl in ihren Zuh├Ârern erwecken.

Darauf folgte dann ein ernstes Fragen. Es ging ihnen durchs Herz und sprachen zu Petrus und den andern Aposteln: „Ihr M├Ąnner, liebe Br├╝der, was sollen wir tun“? Eine jede R├╝hrung ist an sich wenig n├╝tze, wenn sie nicht zur Tat wird. Die Menschen zur Empfindung zu bringen, ist recht gut, aber es mu├č eine Empfindung sein, welche sie zwingt, sich sogleich aufzumachen oder doch wenigstens ernstlich zu fragen: Was sollen wir tun? O Geist Gottes, wenn Du auf mir, ja, auch auf mir ruhen willst, so sollen die Menschen nicht dahingehen und vergessen, was sie geh├Ârt haben, sondern sie sollen sich aufmachen, um den Vater zu suchen und seine Liebe zu kosten. Wenn Du auf allen den Br├╝dern ruhen wirst, welche Dein Wort verk├╝ndigen, so werden die Menschen nicht nur weinen, w├Ąhrend sie zuh├Âren, und eine R├╝hrung empfinden, solange die Predigt w├Ąhrt, sondern sie werden nach Hause gehen und fragen: „Was soll ich tun, da├č ich selig werde“? Dies ist’s was uns nottut. Wir brauchen keine neuen Prediger, sondern eine neue Salbung des Geistes. Wir brauchen keinen neuen Formen des Gottesdienstes, aber wir brauchen den Feuergeist, den Windgeist, damit Er durch uns wirke, bis ├╝berall die Menschen ausrufen: „Was mu├č ich tun, da├č ich selig werde“?

Darauf folgte dann eine gro├čartige Annahme des Wortes. Wir erfahren, da├č sie das Wort gern annahmen, und zwar in doppelter Hinsicht: Petrus sagte ihnen, sie sollten Bu├če tun, und sie taten Bu├če. Es ging ihnen durchs Herz, sie empfanden eine tiefe Zerknirschung ├╝ber das, was sie Jesus getan hatten, und zwar trauerten sie auf g├Âttliche Weise: denn sie verlie├čen ihre S├╝nde. – Sie glaubten aber auch an Den, den sie get├Âtet hatten, und nahmen Ihn als ihren Heiland an, und zwar auf der Stelle, ohne l├Ąnger zu z├Âgern. Sie vertrauten Dem, welchen Gott vorgestellt hat zu einem Gnadenstuhl, und nahmen also das Wort v├Âllig auf. Bu├če und Glauben machen die v├Âllige Annahme Christi aus, und sie hatten beides. Warum sollten wir nicht diese beiden Wirkungen noch heute erleben? Wir werden sie erleben im Verh├Ąltnis unsers Glaubens.

Und was nun? Sie lie├čen sich taufen. Nachdem sie Bu├če getan und gl├Ąubig geworden waren, war der n├Ąchste Schritt, da├č sie ihren Glauben bekannten, und das verschoben sie keinen Tag l├Ąnger. Warum sollten sie auch? An bereitwilligen H├Ąnden fehlte es ja nicht, denn die ganze Schar der Gl├Ąubigen war froh, an der heiligen Handlung teilzunehmen, und so wurden sie am selben Tage getauft in den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. W├Ąre der Heilige Geist in ganzer F├╝lle unter uns gegenw├Ąrtig, dann w├╝rden wir niemals dar├╝ber zu klagen haben, da├č so viele Gl├Ąubige nie ihren Glauben bekennen, denn sie w├╝rden ein heiliges Verlangen darnach tragen, ihren Heiland in der von Ihm verordneten Weise zu bekennen. Das Unterlassen h├Ąngt sehr h├Ąufig mit der Verfolgungsscheu zusammen, mit Unentschiedenheit, Liebe zur Bequemlichkeit, Stolz oder Ungehorsam; aber alles das verschwindet, wenn der himmlische Wind, das himmlische Feuer ihr heiliges Werk tun.

Aber noch mehr, es war nicht nur dies unfehlbare Bekenntnismittel vorhanden, sondern auch die andere Wirkung des Geistes Gottes: gro├če Best├Ąndigkeit, “ Sie blieben in der Apostel Lehre“.

Wir haben sehr viele Erweckungen menschlicher Art erlebt, und ihre Ergebnisse sind sehr unbefriedigend. Unter viel Aufregung hat es viele dem Namen nach Bekehrte gegeben, aber wo sind sie nach einiger Pr├╝fung geblieben? Ich sehe mich in die traurige Notwendigkeit versetzt, zu erkl├Ąren, da├č soweit ich es beobachten kann, bei vielem, was eine Erweckung genannt wurde, viel ges├Ąt, aber wenig geerntet worden ist, was des Erntens wert war. Unsre Hoffnung war schmeichelhaft wie ein Traum, aber wie eine Vision der Nacht schwand sie dahin. Wo aber der Geist Gottes wirklich arbeitet, da bestehen die Bekehrten, da sind sie wohl gewurzelt und gegr├╝ndet und bleiben best├Ąndig in der apostolischen Wahrheit.

Wir sehen alsdann, da├č es nicht an reichlichem Gottesdienst fehlte, denn sie waren best├Ąndig, nicht nur in der Lehre, sondern auch im Brotbrechen und im Gebet und in der Gemeinschaft. Es war damals nicht schwer, eine Gebetsversammlung zustande zu bringen, nicht schwer, t├Ągliche Kommunion aufrechtzuerhalten, es war kein Mangel an heiliger Gemeinschaft, denn der Geist Gottes war unter ihnen und die heiligen Ordnungen waren k├Âstlich in ihren Augen.

Und dann fehlte es nicht an einer auffallenden Freigebigkeit. Es war nicht schwer, Mittel zusammenzubringen: die Freigebigkeit flo├č ├╝ber, denn die Gl├Ąubigen sch├╝tteten alles in einen allgemeinen Fonds. Damals konnte man es in der Tat mit Augen sehen, da├č Silber und Gold des Herrn sind. Wenn der Geist Gottes wirkt, dann ist es nicht n├Âtig, dringende Aufrufe f├╝r Witwen und Waisen zu erlassen oder knief├Ąllig f├╝r Missionsgebiete zu bitten, welche nicht besetzt werden k├Ânnen, weil es Geld fehlt. Es wird nicht an Geld mangeln, wo es nicht an Geist mangelt. Wenn der Geist des Herrn kommt, werden die Besitzenden ihre G├╝ter an den Herrn abtreten: die, welche nur wenig haben, werden reich, indem sie von dem Wenigen dem Herrn geben, und diejenigen, welche schon reich sind, werden gl├╝cklich, indem sie das, was sie haben, dem Herrn weihen. Es ist nicht n├Âtig, mit der B├╝chse zu kommen, wenn das Brausen wie eines gewaltigen Windes sich h├Âren l├Ą├čt und das Feuer alle Herzen in Liebe aufl├Âst.

Und dann gab es eine best├Ąndige Freude. „Sie nahmen die Speie mit Freuden“. Sie waren nicht nur bei Gebetsversammlungen und Predigten fr├Âhlich, sondern auch beim Fr├╝hst├╝ck und Abendessen. Was sie auch zu essen hatten, sie sangen dabei. Jerusalem war die gl├╝ckseligste Stadt, welche es je gegeben hat, als der Geist Gottes dort war. Die J├╝nger sangen vom Morgen bis an den Abend, und ich zweifle nicht, die Drau├čenstehenden fragten: „Was bedeutet das alles“? Der Tempel war nie so besucht, es war nie zuvor so viel Singens, sogar die Stra├čen von Jerusalem und der Berg Zion hallten wider von den Ges├Ąngen der einst verachteten Galil├Ąer.

Sie waren voll Freude, und diese Freude bewies sich im Lob Gottes. Ich zweifle nicht, da├č sie dann und wann in „Halleluja“! oder „Ehre sei Gott“! ausbrachen. Es w├╝rde mich nicht wundernehmen, wenn aller formelle Anstand in alle Winde zerstreut war. Sie waren so freudig, so fr├Âhlich, da├č sie vor Freuden h├Ątten springen m├Âgen. Nat├╝rlich sagen wir niemals „Amen“ oder „Halleluja“. Wir sind so eiskalt und formell geworden, da├č wir nie einen Gottesdienst auf irgend eine Weise unterbrechen, aber die Wahrheit ist, wir sind nicht so besonders froh, wir sind nicht so voll des Lobes Gottes, da├č es uns Bed├╝rfnis w├Ąre, so etwas zu tun. Ach, wir haben leider sehr viel vom Geist Gottes verloren und sind in eine anst├Ąndige Gleichg├╝ltigkeit und steife Ordnung hineingeraten! Gott sende uns eine herrliche „Unordnung“! O da├č ein Windsto├č k├Ąme, welcher die Gew├Ąsser in Bewegung br├Ąchte, in welchen unsre gepanzerten Br├╝der jetzt so stille vor Anker liegen, damit sie ganz umgedreht w├╝rden! Was uns, die kleinen Schiffe, betrifft, so wollen wir vor dem Sturm herfliegen, wenn er uns nur in den gew├╝nschten Hafen bringt. O da├č wieder Feuer vom Himmel fiele – Feuer, welches auch die Unempfindlichsten zerschm├Âlze! Dies ist ein sicheres Heilmittel wider die Gleichg├╝ltigkeit. Wenn ein brennender Funke in eines Menschen Busen f├Ąllt, so wei├č er es, und wenn das Wort Gottes in eines Menschen Seele f├Ąllt, so wei├č er es auch. O da├č solch Feuer sich zuerst auf die J├╝nger niederlassen und dann auf alle umher fallen m├Âchte!

Denn es fehlte damals auch nicht an einem t├Ąglichen Zuwachs der Gemeinde. “ Der Herr tat hinzu t├Ąglich, die da selig wurden, zu der Gemeinde“. Es gab t├Ąglich Bekehrungen; Aufnahmen in die Gemeinde geschahen nicht etwa einmal im Jahr, sondern waren t├Ągliche Vorkommnisse, „So m├Ąchtig wuchs das Wort Gottes und nahm ├╝berhand“.

O Geist Gottes, Du bist ja ebenso bereit, jetzt unter uns zu wirken, wie Du es damals warst. Verziehe nicht, wir bitten Dich, sondern wirke sogleich. Brich jede Schranke ab, welche das Hereinstr├Âmen Deiner Macht aufh├Ąlt. Wirf sie um, wirf sie um, o heiliger Wind! Verzehre alle Hindernisse, o heiliges Feuer, und gib uns jetzt beides, flammende Herzen und feurige Zungen, um Dein Wort von der Vers├Âhnung zu verk├╝nden, um Jesu willen! Amen

Quelle: Neue Schriften der Volksmission / Nr 36. Der Pfingst-Wind und das Pfingst-Feuer, Predigt von C.H. Spurgeon, neu durchgesehen von Otto Witt.

 

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 17. Mai 2013 um 17:58 und abgelegt unter Gemeinde, Predigten / Andachten.