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Festpredigt anlÀsslich der Bischofsweihe und Ordination

Samstag 5. MĂ€rz 2005 von Bischof Walter Obare Omwanza


Bischof Walter Obare Omwanza

Evangelisch-Lutherische Kirche in Kenia (ELCK)
Festpredigt anlÀsslich der Bischofsweihe und Ordination
am 5. Februar 2005 in Göteborg

„Warum sind wir heute hier?“

Das Datum „5. Februar 2005“ wird in Zukunft einen dauerhaften Platz in der lutherischen Geschichte haben. An diesem besonderen Tag bekommt die Missionsprovinz innerhalb der lutherischen Kirche in Schweden mit Arne Olsson ihren ersten Bischof. Am gleichen Tag bekommen die lutherischen Christen in den lutherischen Kirchen Schwedens und Finnlands neu ordinierte Pastoren, die ihnen mit Gottes Wort und den heiligen Sakramenten dienen sollen. In all diesem, was wir hier in Göteborg ausgerichtet haben, wird aufs Neue der Satz verwirklichte, den der Apostel Paulus bei den Ephesern verwirklichte: „Er [der Herr] ist aufgefahren zur Höhe und hat Gefangene mit sich gefĂŒhrt und hat den Menschen Gaben gegeben“ (Eph. 4,8).

Dieses Datum, der 5. Februar 2005, stellt natĂŒrlich die Frage: Warum sind wir hier, wir, die aus verschiedenen Teilen der ganzen Welt hierher gekommen sind? Warum wir aus Afrika, aus Osteuropa, Deutschland, Skandinavien und Nordamerika? Diese Frage kann uns auch bis zu einem gewissen Grad aus EntrĂŒstung gestellt werden, aber auch aus Verwirrung oder, weil man peinlich berĂŒhrt ist. Aber wir dĂŒrfen aber auch nicht vergessen, dass es lutherische Christen in Schweden und Finnland gibt, die auf diese Frage mit tiefster Dankbarkeit antworten. Deren Gebete wurden auf die gleiche Weise erhört wie damals, als der Apostel Paulus den Bitten aus Mazedonien dem Ruf Folge leistete „Komm herĂŒber nach Mazedonien und hilf uns!“ (Apg. 16,9) Wir sind nicht nach Göteborg aus leichtsinniger Vorliebe zu Abenteuern gekommen. Die Ursache, warum wir hierher gekommen sind, will ich allen, die aus dem einen oder andern Grunde diese Frage stellen, unzweideutig erklĂ€ren.

1. Wir sind hier, weil die christliche Liebe und SolidaritÀt dies erfordert.

Immer wieder wurde die Motivation fĂŒr meinen Entschluß, hierher zu kommen, um lutherischen Christen aus Schweden und Finnland zu helfen, mit den Worten des Apostels in seinem ersten Brief an die Korinther im Hinblick auf das Befinden des mystischen Leibes Christi, der Kirche, zum Ausdruck gebracht: „Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit“. (1.Kor 12,26) Diese war auch meine biblische Antwort an den Erzbischof der lutherischen Kirche in Schweden vor einem Jahr: „Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit“.

Mein Entschluss, diesen Schritt zu tun, war nicht leicht. Ich habe mit diesem Ruf gekĂ€mpft, aber es ist eine Berufung, eine Berufung von Gott. Ich habe diesen Entschluss nicht leichtfertig gefasst. So manches Mal hat mich das GefĂŒhl gelockt, dem wohlgemeinten Rat derer zu folgen, die mir rieten: Komme nicht hierher! Ich habe zahlreiche RatschlĂ€ge dieser Art bekommen. Gleichwohl: Mein Gewissen ist an die Wahrheit gebunden. Ich habe mein bischöfliches Amt in einer lutherischen Kirche empfangen, um der göttlichen Wahrheit und der christlichen Liebe zu dienen. Die christliche biblische Wahrheit und Liebe kann in der Begegnung mit dem Leiden nicht gefĂŒhllos sein. Dieses Leiden hat man zugleich auch auf anderen Kontinenten empfunden und dies ist die Ursache, weshalb wir hier sind. Ich will es offen aussprechen: In Afrika und in anderen Teilen der Welt verstehen wir in einer Zeit, da die globalen Menschenrechte Geltung erlangt haben, die auch die Freiheit der Religion und des Gottesdienstes umfassen, diese Art rigider kirchlicher Tyrannei absolut nicht.

Die Notlage, in der sich unsere BrĂŒder und Schwestern in Europa, insbesondere in Skandinavien, befinden, hat man gehört und erkannt. Diese Notlage ist nicht ein Resultat von gestern. Sie ist in den letzten Jahrzehnten wirklich zu einer offenen Wunde am lutherischen Körper geworden, zumindest seit 1983, als man in Schweden nach den heftigen, politisch organisierten Medienkampagnen die Gewissensklausel von 1958 abschaffte. Umso schlimmer fĂŒr Finnland, wo es eine solche Klausel niemals gab. Was dies praktisch bedeutete, war, dass lutherische Christen ihrer grundsĂ€tzlichen Freiheit, apostolische Gottesdienste in ihren Kirchen zu besuchen, beraubt wurden.

Stattdessen wurden verschiedentlich Versuche unternommen, sie zu Gottesdiensten zu zwingen, die nicht in Übereinstimmung stehen mit der Bibel und mit den Ordnungen, die uns von den Aposteln unseres Herrn Jesu Christi ĂŒberliefert sind. Zivile und kirchliche Regime, die auf Zwang und sogar Tyrannei zurĂŒckgreifen, befördern niemals eine gute Sache, sondern das Gegenteil. Schon im 18. Jahrhundert gab man in England die tyrannische Gewalt auf, die Erzbischof William Laud anwandte, der eine wasserdichte kirchliche Einheitlichkeit mit Hilfe gewissenloser, unbarmherziger und weltlicher Mittel anstrebte.

Deutschland hat die preußischen Könige hinter sich gelassen, die sogar MilitĂ€r einsetzten, um den friedlichen Widerstand seiner lutherischen Untertanen zu unterdrĂŒcken, die eine Kirchenunion mit den Reformierten, die die lutherische Lehre untergruben, nicht akzeptieren konnten. Skandinavien sollte die Art von Zwangsgewalt gegen christliche Gewissen des 19. Jahrhunderts hinter sich gelassen haben, in dem durch Regierungen, Gesetze, Staatskirchenbischöfe und Domkapitel vielfach lutherische Volkserweckungen verfolgt wurden. Lutherischer Gottesdienst und das Amt gehören zusammen.

Es ist merkwĂŒrdig, dass die lutherischen Kirchen in Skandinavien, die frĂŒher in mancher Hinsicht fĂŒr die allgemeine Wohlfahrt in der ganzen Welt ein Vorbild waren, die Liebe aufgegeben haben, um stattdessen Gewissen zu unterdrĂŒcken. Wieweit es das langsam absterbende Erbe, eine Staatskirche zu sein, ist, dass man weiterhin Jagd auf lutherische Christen macht, weiß ich nicht. Aber wenn die Kirchen auf diese Weise handeln, werden sie zu einem Spiegelbild der Gesellschaft, die sie umgibt, und werden immer intoleranter gegenĂŒber dem christlichen Glauben.

Einer von uns, Bischof Börre Knudsen, hat in Norwegen im GefĂ€ngnis gesessen, weil er bei seinem Protest gegen die Abtreibung unĂŒberhörbar fĂŒr die ungeborenen Kinder eintrat. Neulich wurde ein Pfingstkirchenpastor zu einer GefĂ€ngnisstrafe verurteilt, weil er seine Gemeinde ĂŒber die Wahrheit unterwies, die wir alle im ersten Kapitel des Paulusbriefes an die Römer lesen können. Wir dĂŒrfen keine Versuche zulassen, die biblischen Stimmen des wahren Glaubens zum Verstummen gebracht wird.

In Wahrheit ist es falsch, den Menschen die Ordination zu verweigern, die von Gott und von christlichen Gemeinden eine Berufung empfingen und deren einziger Fehler ihre wahre StĂ€rke und die wahre StĂ€rke der Kirche ist, nĂ€mlich die Treue zu Gottes Wort und den lutherischen Bekenntnissen. Diejenigen, die aufrichtig zum pastoralen Amt berufen sind und die die wirklichen Erfordernisse dieses Amtes erfĂŒllen, mĂŒssen zu diesem Amt ordiniert werden.

Dies ist nicht das erste Mal, dass Lutheraner einem Dilemma dieser Art begegnen. Wir brauchen nur an Dietrich Bonhoeffers Leben und Beispiel zu denken, der einer Kirchenleitung nicht dienen konnte, die sich selbst kompromittierte. Als er als Lehrer in Zingst und Finkenwalde arbeitete, vertrat er eine Ă€hnliche Richtung wie wir heute. Wo Gottes Königsweg durch politische und kulturelle Vorurteile blockiert wird, von menschlichen AutoritĂ€ten und Traditionen, gegen Gottes Wort und das lutherische Bekenntnis, mĂŒssen wir, die wir frei sind, kommen und unseren unterdrĂŒckten Mitchristen helfen. Christliche Liebe erfordert das. Darum sind wir hier.

2. Wir sind hier wegen des Wortes Gottes.

Ich habe kurz ĂŒber die christliche Liebe geredet. Weil wir uns alle an den rechten Weg halten mĂŒssen, wenn wir das Wort „Liebe“ in den Mund nehmen, zitiere ich, was unser Herr und Heiland Jesus Christus selbst im Johannesevangelium gesagt hat: „Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten. Und ich will den Vater bitten, und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit, den Geist der Wahrheit … Wer meine Gebote hat und hĂ€lt sie, der ist’s, der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.“ (Joh. 14,15-16+ 21).

Es gibt keine christliche Liebe, die von der Wahrheit Gottes geschieden ist. Was erhebt in dieser Welt nicht alles Anspruch auf den edlen Namen „Liebe“ und nimmt doch zugleich Abstand von Gottes wahrem Wort, erhebt nur einen menschlichen Anspruch oder kleidet sich in Wolfskleidern. Es ist kein Zufall, dass kirchlicher Druck auf christliche Gewissen mit verschiedenen Arten der Leugnung der Wahrheit des Wortes Gottes Hand in Hand geht. Was als eine VerwĂ€sserung der Bibel im Namen des Liberalismus beginnt, wird bald zu einer unerschĂŒtterlichen Intoleranz gegenĂŒber dem christlichen Glauben. Dies ist die Entwicklung, die wir in der westlichen Welt erkannt haben.

FrĂŒher kamen aus den nordischen LĂ€ndern viele gute Theologen in die ganze Welt. Heute stehen wir vor der traurigen Tatsache, dass der grĂ¶ĂŸere Teil der Kirchen in der westlichen Welt das Licht des Wortes Gottes total verloren hat. Das Königszepter Christi, das nach seiner ausdrĂŒcklichen Verheißung (Matth. 28,20) gegenwĂ€rtig ist in seiner Kirche, ist durch menschlichen, intellektuellen Hochmut fortgestoßen worden. Diese Krise im Hinblick auf das Wort Gottes ist in der Kirche weiterhin aktuell. Die Krise dauert in einigen traditionellen Kirchen seit Jahrzehnten an. In der anglikanischen Kirchengemeinschaft haben die Fragen, die die biblischen Wahrheiten und die christliche Moral betreffen, besonders die Frage der HomosexualitĂ€t in der Kirche, dazu gefĂŒhrt, dass deren Kirchen in Amerika und Asien die Geduld verlieren. Ihre starken Proteste gegen deren verheerenden Abfall von Gottes Wort hat die KirchenfĂŒhrer in der westlichen Welt gezwungen, ihre Standpunkte ernsthaft zu ĂŒberprĂŒfen. Dieselbe Frage spaltete fast die Generalversammlung des Lutherischen Weltbundes. Der grĂ¶ĂŸere Teil des Christentums lebt außerhalb des Westens. Die Zeit ist schon gekommen, in der Afrika und Asien gelernt haben, deutlich ‚Ja‘ und ‚Nein‘ zu sagen, wenn Gottes Wort dies fordert. Die berĂŒhmten Worte des englischen Premierministers Harold Macmillan lauten: „Der Wind der VerĂ€nderung blĂ€st ĂŒber den Kontinent (Afrika.). Ob wir das mögen oder nicht, diese Entwicklung nationalen Bewusstseins ist ein politisches Faktum.“ Wir sind nicht mehr die kindlichen Geschöpfe eines exotischen Missionsfeldes. Wir sind vielmehr Christen, die erwachsen geworden sind. Wenn ich diese kritischen Worte sage, vergesse ich nicht all das geistliche und materielle Gute, das wir von der westlichen Welt empfangen haben. Der Apostel sagt: „Denn Gott ist nicht ungerecht, dass er vergĂ€ĂŸe euer Werk und die Liebe, die ihr seinem Namen erwiesen habt, indem ihr den Heiligen dientet und noch dient.“ (Hebr. 6,10)

Unsere lutherische Kirche in Kenia steht in großer Dankesschuld bei den schwedischen lutherischen Missionaren, die in der Vergangenheit zu uns kamen und uns halfen. Wir möchten ihre biblische lutherische Lehre, unseren Glauben nicht auf dem Markt der Eitelkeiten verkaufen. Die Unterweisung, die wir vor langer Zeit von Schweden empfangen haben, kommt nun zurĂŒck aus Afrika. Wir empfingen sie von euch, und wir geben sie euch zurĂŒck mit dankbarem und festem Herzen. Wenn wir daran denken, was jene Menschen lehren, die versuchen, den apostolischen Gottesdienst und die Ordination zu behindern, und was diejenigen lehren, die deren Druck ausgesetzt sind, ist die Entscheidung selbstverstĂ€ndlich.

Die eine wahre Kirche ist die Kirche, in der Gottes Wort die unbestrittene und souverĂ€ne AutoritĂ€t ist, genau so, wie Dr. Martin Luther in den Schmalkaldischen Artikeln schrieb: „Wir wollen’s auch nicht hören, was sie unter dem Namen der Kirche gebieten oder verbieten. Denn es weiß, Gott Lob, ein Kind von sieben Jahren, was die Kirche ist: nĂ€mlich die heiligen GlĂ€ubigen und die SchĂ€flein, die ihres Hirten Stimme hören. … Denn die Heiligkeit besteht … im Wort Gottes und rechtem Glauben“ (Schmalkaldische Artikel, 12). Wo auch immer Gottes Wort bei Christen, die an seinem Wort festhalten, unterdrĂŒckt wird, ist es Christenpflicht, ihnen so gut man kann zu helfen. Wir sind wirklich wegen des Wortes Gottes hier.

3. Wir sind wegen des lutherischen Bekenntnisses hier.

Wir glauben, lehren und bekennen, dass Gottes Wort eindeutig und klar ist, weil unser Herr und Heiland Jesus Christus selbst dieses Wort ist, wie der Apostel Johannes uns am Anfang seines Evangeliums (Joh. 1, 1) wunderbar unterweist. Weiter: Es gibt keine VerĂ€nderung, keine Verminderung des Wortes Gottes, da ja „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit“ ist. (Hebr. 13,8) Das lutherische Bekenntnis ist eine richtige Zusammenfassung dieser Lehre, dieses Wortes.

Es war das Werk Dr. Martin Luthers als Reformator, die einzige, legitime AutoritĂ€t der Kirche wieder aufzurichten, nĂ€mlich die AutoritĂ€t des Wortes Gottes. Alle Konflikte in der Kirche mĂŒssen mit Gottes Wort und in Übereinstimmung mit Gottes Wort gelöst werden. Das lutherische Bekenntnis ist im Hinblick auf alle Fragen der AutoritĂ€t in der Kirche, des Gottesdienstes, des Amtes und der Ordination kristallklar. Als ich den Notruf erhielt, zu kommen und zu helfen, war meine Frage, ob man diesen Konflikt in diesen nordischen Kirchen mit Hilfe der legitimen AutoritĂ€t lösen wĂŒrde, nĂ€mlich mit Gottes Wort und dem lutherischen Bekenntnis oder ob man anderen AutoritĂ€ten folge und gehorche. Wir kennen alle die Antwort.

Diejenigen, die in der Kirche unterdrĂŒckt werden, leiden wegen der Bibel und des Bekenntnisses. Diejenigen, die unterdrĂŒcken, folgen anderen AutoritĂ€ten. Also war die Wahl völlig eindeutig. Ich möchte uns nur an die prophetischen Worte erinnern, die der berĂŒhmte Theologe, Bischof Anders Nygren, 1958 sprach: „Durch die VerĂ€nderung der Amtsordnung, die schon seit Beginn der christlichen Kirche galt, indem man sich gegen das Gebot des Herrn (1. Kor. 14,37) erhebt, hat die Kirche nichts anderes vor sich als gnostische Irrlehren.“

Heute mĂŒssen alle geistlich Einsichtigen zugeben, dass der heimgegangene Anders Nygren ein wahrer Prophet war. Aber – Gott sei Dank! – gibt es glĂ€ubige bibelfeste Lutheraner, die alles, was in ihrer Macht liegt, tun, dass Gottes Lampe in seinem Haus nicht verlöscht. (1. Sam. 3,3). Das sind die wahren Erben des lutherischen Bekenntnisses.

4. Wir sind hier wegen des Kirchenrechts und der Rechtspraxis.

Man wird es glauben, dass dies der empfindlichste Punkt ist: Die rechtliche Grundlage dafĂŒr, dass wir heute hier sind. Christliche Liebe, die Bibel und das lutherische Bekenntnis – die sind vielleicht auf unserer Seite, aber das Kirchenrecht? Parlament und Kirchensynoden bestimmen in den nordischen LĂ€ndern die Mehrheitsentscheidungen und die verabschiedeten Gesetze. Legale kirchliche Organe bringen diese Gesetze im Alltagsleben der Kirche zur Anwendung. In dieser Hinsicht kann unsere Angelegenheit schwach aussehen und können unsere Aussichten schwinden.

Wie auch immer, diese Art zu denken, dass man das Kirchenrecht vom Wort Gottes und dem lutherischen Bekenntnis trennt, ist ĂŒberhaupt nicht lutherisch, erst recht nicht biblisch. Diese Trennung, bei der die Bibel und das lutherische Bekenntnis auf der einen Seite stehen und das Kirchenrecht auf der anderen, ist ein unrechtmĂ€ĂŸiges, betrĂŒgerisches Luthertum. Sie ist ein Kind des deutschen philosophischen Idealismus des 18. und 19. Jahrhunderts verbunden mit dem alten Staatskirchendenken. Sie kommt eher von Friedrich Schleiermacher als von dem Reformator der Kirche, Dr. Martin Luther.

Das idealistische Erbe in der Form, wie es Schleiermacher und seine Nachfolger verstanden, schuf eine scharfe Unterscheidung zwischen Religion und Recht. Dieser Vorstellung nach ist das Recht nur als ein weltliches Thema verstanden, abseits der Religion. Neue weltliche Ideen haben diesen juristischen Wirrwarr noch mehr durcheinander gebracht. Die Idee, dass der selbstherrliche Volkswille die oberste AutoritĂ€t auch in der Kirche ist, stammt von den Schriften des Schweizer Philosophen J. J. Rousseau, nicht von der Bibel und dem lutherischen Bekenntnis. Gegen was sonst als gegen die „allgemeine Meinung“ sollen wir denn beten: „Vater unser im Himmel … Dein Wille geschehe!“ Der göttliche, vĂ€terliche Wille ist nicht eine Art Entwicklung, ein positivistisches Bewusstsein oder ein sich selbst entwickelnder Zeitgeist, sondern ist niedergelegt in Gottes Wort. Die einzige und höchste AutoritĂ€t ist Gottes Wort.

Dieses ewige Wort ist nicht eine Sache innerhalb der Religion. Es ist ebenso Kirchenrecht, weil es nichts rechtlich Bindendes in der Kirche geben kann, was dem Worte Gottes widerspricht. Alles in der Kirche muss in Übereinstimmung mit Gottes Wort ausgeĂŒbt werden. Das ist es, was das lutherische Bekenntnis lehrt. Dieses juristische Prinzip steht auch klar in den lutherischen Kirchenordnungen, sowohl in Schweden wie auch in Finnland. Es ist ein UnglĂŒck, dass diese Jurisdiktion in der Kirchenverwaltung nicht praktiziert wird. Wir haben bezeugt, wie die nichtlutherische Trennung zwischen Glaube und Recht sich fortsetzt unter denen, die zwischen der christlichen Liebe, der Bibel und dem lutherischen Bekenntnis unterscheiden. Darum mĂŒssen wir uns erneut an Dietrich Bonhoeffer erinnern, dass er und sein Wirken es war, das am 2. Dezember 1935 offiziell von seinen KirchenfĂŒhrern fĂŒr „illegal“ erklĂ€rt wurde. Nur drei Monate spĂ€ter wurde der zweite „illegale“ Kurs des „illegalen“ Seminars in Finkenwalde in Schweden herzlich willkommen geheißen. Auch empfing der berĂŒhmte Erzbischof von Uppsala, Dr. Erling Eidem am 4. MĂ€rz 1936 offiziell Bonhoeffer mit seinen Studenten.

Dadurch dass er dies tat, erkannte Erzbischof Eidem die Wahrheit an, an die wir uns erinnern und sie in unserer Zeit respektieren mĂŒssen, nĂ€mlich dass Notrecht auch Recht ist. Zuhause in Deutschland erklĂ€rte man Bonhoeffer zum Staatsfeind, und lauthals verlangte man, es dĂŒrfe nicht mehr zugelassen werden, dass er deutsche Theologen unterrichte. So gesehen war unser Handeln in Göteborg nach den Begriffen des Kirchenrechts legitim, da es vom Worte Gottes her autorisiert ist. Darum ziehe ich die Konsequenz dadurch, dass ich im Hinblick auf Ordination und Berufung das lutherische Bekenntnis zitiere, wie dies in den Schmalkaldischen Artikeln zusammengefasst ist. Dieses Zitat ist nicht nur eine theologische Meinung, sondern es ist Kirchenrecht in Übereinstimmung mit dem göttlichen Recht, da es biblisch ist:

„Wenn die Bischöfe rechte Bischöfe sein und sich der Kirche und des Evangeliums annehmen wĂŒrden, so könnte man um der Liebe und Einigkeit willen, jedoch nicht aus einer Notwendigkeit heraus, das zugegeben sein lassen, dass sie uns und unsere Prediger ordinierten und bestĂ€tigten, jedoch unter Beseitigung alles Schein- und Blendwerks unchristlichen Wesens und GeprĂ€nges. Nun aber sind sie keine rechten Bischöfe … sondern verfolgen und verdammen diejenigen, die ein solches Amt als dazu Berufene treiben. Trotzdem darf um ihretwillen die Kirche nicht ohne Diener am Wort bleiben. Darum wollen und sollen wir, wie die alten Vorbilder der Kirche und der VĂ€ter es uns lehren, selber tĂŒchtige Personen zu diesem Amt ordinieren.“

Schließlich

Wir danken Gott fĂŒr seine Treue. Er hat uns, seine Diener, in dem jetzigen Zustand der HilfsbedĂŒrftigkeit kompetent gemacht, seine göttliche Berufung zu erkennen und den Auftrag, den er uns gab, zu erfĂŒllen. „Er ist aufgefahren zur Höhe und hat Gefangene mit sich gefĂŒhrt und hat den Menschen Gaben gegeben.“ (Eph. 4,8) Wir danken ihm demĂŒtig dafĂŒr. Es ist unser innerster Wunsch, dass durch das, was wir heute in Göteborg getan haben, den nordischen lutherischen Kirchen geholfen wird. Da der Königsweg des Gottesdienstes und der Ordination aus menschlicher Gewinnsucht und politischem KalkĂŒl nicht fĂŒr ewig blockiert werden darf, ist dies nicht die Stunde, da wir uns beiseite setzen dĂŒrfen, sondern legen alle Arroganz und alle Bitterkeit beiseite und sprechen miteinander als christliche BrĂŒder und Schwestern, in dem einen Glauben, in dem einen Herrn, an der einen Taufe teilhaftig und gehorchen der einen AutoritĂ€t, nĂ€mlich dem Wort Gottes, das eins ist, „EIN Gott und Vater aller, der da ist ĂŒber allen und durch alle und in allen.“ (Eph. 4,6)

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Samstag 5. MĂ€rz 2005 um 16:30 und abgelegt unter Predigten / Andachten.