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M. Luther, Aufruhr um des Wortes Gottes willen

Montag 30. April 2012 von Martin Luther (1483-1546)


Martin Luther (1483-1546)

„Du zeigst also deutlich, daß du den Ă€ußeren Frieden, die Ruhe des Fleisches, fĂŒr weit wertvoller hĂ€ltst als den Glauben, das Gewissen, die Seligkeit, das Wort Gottes und die Ehre Christi, ja, als Gott selbst. … Meinst du, der einzige zu sein, dem der Aufruhr ans Herz greift? Auch wir sind nicht von Stein oder von marpesischem Marmor. Doch es kann nun einmal nicht anders sein. Darum wollen wir lieber jetzt, der Gnade Gottes froh, um der Wahrheit willen, die mit unbeugsamen Mut unbestechlich und fest behauptet werden muß, schwere zeitliche Unruhe als dereinst, dem Zorn Gottes ausgeliefert, unertrĂ€gliche Pein und ewigen Unfrieden leiden.

Es ist bei Gott zu hoffen, daß du anders gesonnen bist, als aus deinen Worten hervorgeht. Denn diese klingen gerade, als hieltest du mit Epikur das Wort Gottes und das ewige Leben fĂŒr Fabeln. Du willst durch deinen Rat uns veranlassen, den PĂ€psten und den FĂŒrsten zuliebe oder des irdischen Friedens wegen gelegentlich auf die VerkĂŒndigung der Wahrheit eine zeitlang zu verzichten. Wer diesem Rate folgt, verzichtet auf Gott, auf den Glauben, auf die ewige Seligkeit und auf alles, was einem Christen teuer ist. Achten wir darum lieber auf das Wort Christi: „Was hĂŒlfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne …“ (Matth. 16,26)

Doch warum redest du so lĂ€ppisches Zeug? Hast du noch nicht gelesen und bemerkt, wie es von jeher und stets das Los der Wahrheit gewesen ist, daß um ihretwillen die Welt in Aufruhr versetzt wird?

Das behauptet auch Christus, indem er offen sagt: „Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert“ (Matth. 10,34). Ferner: „Ich bin gekommen, daß ich ein Feuer anzĂŒnde auf Erden“ (Lk. 12,49). Auch Paulus spricht von Aufruhr (2. Kor 6,5). Das gleiche wird im 2. Psalm bezeugt (Ps. 2,1f.): „Die Heiden toben und die Völker murren; die Könige auf Erden lehnen sich auf und die Herren ratschlagen miteinander wider den Herrn und seinen Gesalbten.“ Das ist ein prophetisches Wort. Anschaulich zeigt es, daß die breite Masse und ebenso alles, was in der Welt hoch, reich und mĂ€chtig, weise und gerecht oder sonst erhaben ist, sich dem Worte Gottes widersetzt. Lies in der Apostelgeschichte nach! Was alles geschieht in der Welt, allein weil Paulus predigt! (Um von den ĂŒbrigen Aposteln zu schweigen.) Wie bringt der eine Mann Heiden und Juden in Bewegung! Wie erregt er den ganzen Weltkreis! Denn so sagen sogar seine Feinde (Apg. 17,6). Elia bringt durch seinen Entschluß das Reich Israel in Aufruhr, wie König Ahab klagt (1. Kön. 18,17). Groß war der Aufruhr auch um die ĂŒbrigen Propheten. Sie selber erwĂŒrgt und gesteinigt! Das Volk in die Gefangenschaft verschleppt! Israel in Assyrien, Juda nach Babylon! Ist das etwa Frieden gewesen?

Die Welt und ihr Gott kann das Wort des wahren Gottes nicht ertragen, will es auch nicht. Der wahre Gott aber will und kann nicht schweigen. Muß nicht, wenn Gott und Widergott miteinander ringen, durch die ganze Welt ein Aufruhr gehen? Diesen Aufruhr beschwichtigen wollen, heißt Gottes Wort abschaffen und verbieten wollen.  …

Jetzt aber will man auf einmal dem Evangelium schuld geben, daß die Welt böse ist. Dabei bringt es, selber gut, doch nur ans Licht, wie böse die Welt ist, wenn sie ohne das Evangelium im Dunkeln ihr Wesen treibt.   …

Wer hat dich ermĂ€chtigt oder dir das Recht gegeben, die christliche Lehre an bestimmte Orte, Personen, Zeiten und AnlĂ€sse zu binden, da doch Christus will, dass sie frei in aller Welt verbreitet werde und herrsche?“

(Martin Luther: De servo arbitrio 1525, WA 18,625f.628,
verdeutscht von Otto Schumacher, Göttingen 1937, S.42f.45f)

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 30. April 2012 um 10:35 und abgelegt unter Gemeinde, Kirche, Theologie.