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Der Segen Gottes

Sonntag 2. Oktober 2011 von Dr. Joachim Cochlovius


Dr. Joachim Cochlovius

Der Segen Gottes. Eine kleine Erinnerung an ein großes Geschenk.

 „An Gottes Segen ist alles gelegen.“ Es gibt ein Elementarwissen bei den Menschen, daß sie fĂŒr ihr Leben Gottes Beistand brauchen. Nur wenige verzichten bewußt auf Gottes Hilfe oder meinen, Gott habe ihnen noch nie geholfen. In den Weltreligionen wird der göttliche Segen ganz verschieden gesucht. Im japanischen Shintoismus kann man in den Tempelparks fĂŒr wenig Geld Amulette erwerben, die einen göttlichen Segen fĂŒr allerlei LebensumstĂ€nde vermitteln sollen. Im Islam meint man, durch treues Verrichten der fĂŒnf religiösen Hauptpflichten den Segen Allahs zu gewinnen. Als Christen wissen wir, daß der Segen Gottes weder gekauft noch verdient werden kann. Er ist und bleibt freie Gnade Gottes. Aber auch im Christentum schwindet das Unterscheidungsvermögen zwischen einem von Gott gesegneten Leben und einem Leben ohne Segen. Wohl dem, der in Krisensituationen des Lebens merkt, daß er nichts so dringend wie Gottes Segen braucht, ob es Kinderlosigkeit ist, der verloren gegangene Familienfrieden, der Verlust der Freude an der eigenen Arbeit oder andere LebensumstĂ€nde. Dann drĂ€ngt sich die Frage auf, was der Segen ist und wie man ihn erhalten kann.

Was ist der Segen Gottes? Wenn wir ganz grundsĂ€tzlich fragen, kann die Antwort nur lauten: Gottes Segen besteht in der Mitteilung seines Heils an seine Schöpfung. Was unser Gott geschaffen hat, das will er auch erhalten. Wir glauben an einen heilmachenden und heilstiftenden Gott, dem das Schicksal seiner Geschöpfe nicht egal ist und der seinen Segen in seine Schöpfung hinein stiftet. Wie heilsam ist es, bevor man neuen Segen erbittet, erst einmal den Segen zur Kenntnis zu nehmen, in dem man schon lĂ€ngst lebt. Vom amerikanischen Psychologen David Myers stammt das Wort „Zufriedenheit liegt nicht darin, zu bekommen, was man will, sondern zu wollen, was man hat“. Zweifellos liegt hier ein SchlĂŒssel fĂŒr den Zugang zu neuem Segen. Paulus sagte den Leuten in Lystra: „Gott hat sich nicht unbezeugt gelassen, er hat viel Gutes getan und euch vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben, euch ernĂ€hrt und eure Herzen mit Freude erfĂŒllt“ (Ag 14,17).

Zweierlei Segen Gottes. Um die Vielfalt der Segnungen Gottes verstehen zu können, sollten wir unterscheiden zwischen seinem irdischen und geistlichen Segen. Der irdische Segen ist von Beginn der Schöpfung vorhanden und kann als Erhaltungssegen angesehen werden. Was den Menschen betrifft, sind die Fruchtbarkeit und das Vermögen, ĂŒber die Kreatur zu herrschen, als die beiden hauptsĂ€chlichen Segnungen hervorzuheben (1 Mose 1,28). Der geistliche Segen ist an den Segen Abrahams gebunden (1 Mose 12,3). Er ist nur den Glaubenden verheißen. Betrachten wir kurz den irdischen und den geistlichen Segen Gottes.

Der Fruchtbarkeits- und der Herrschaftssegen. Die Fruchtbarkeit ist ein großartiges Geschenk Gottes an den Menschen. Welch ein Vorrecht ist es doch, menschliches Leben weitergeben zu dĂŒrfen! Gott hat ein immenses Interesse an der Zeugung von Kindern. Warum? Weil er eine unendlich große Liebe hat und diese seine erlösende Liebe vielen Menschen zuteil werden lassen will. Der gefallene Mensch benutzt den Fruchtbarkeitssegen zur Befriedigung seiner LĂŒste. Er pervertiert ihn und lĂ€ĂŸt seinen Egoismus regieren. Hier ist an alle Fehlformen menschlicher sexueller Praxis zu erinnern. Die Fruchtbarkeit ist in die von Gott geschenkte lebenslange Verbindung eines Mannes mit seiner Frau eingestiftet. Wird dieser Segen aus der Stiftung der Ehe herausgenommen, verwandelt er sich in Fluch. Der Herrschaftssegen setzt den Menschen ein zum König ĂŒber die Kreatur. Der Mensch wird gewĂŒrdigt, ĂŒber Gottes Kreatur gebieten zu dĂŒrfen. Davis wird nicht mĂŒde, Gott fĂŒr diesen Segen zu danken. „Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt. Du hast ihn zum Herrn gemacht ĂŒber deiner HĂ€nde Werk, alles hast du unter seine FĂŒĂŸe getan: Schafe und Rinder allzumal, dazu auch die wilden Tiere, die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer und alles, was die Meere durchzieht. Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen!“ (Ps 8,6-10). Aber auch dieser Segen wird vom gefallenen Menschen pervertiert. Aus dem Herrschen wird immer wieder ein Ausbeuten. Anstatt die Erde zu pflegen und zu bebauen, presst der gefallene Mensch sie erbarmungslos aus und schĂ€digt sich damit selbst.

Der Abrahamssegen. Der geistliche Segen Gottes fĂŒr die Menschheit ist an die großartige Abrahamsverheißung gekoppelt, die Gott dem Stammvater aller Glaubenden gegeben hat. „In die sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden“ (1 Mose 12,3). Wie wichtig dieser Segen den ErzvĂ€tern war, bezeugen die ErzvĂ€tergeschichten. Wie der Mensch Anteil an diesem geistlichen Segen erhalten kann, sagt uns Paulus. „Die Schrift sagt, daß Gott die Völker durch den Glauben rechtfertigt. Darum verkĂŒndigte sie dem Abraham: In dir sollen alle Geschlechter gesegnet werden. So werden, die des Glaubens sind, gesegnet mit dem glĂ€ubigen Abraham“ (Gal 3,8f). Gottes geistlicher Segen wird also nicht der gesamten Menschheit eingestiftet, sondern den Glaubenden verheißen. Wer ist „des Glaubens?“ Wie hat Abraham geglaubt? Röm 4 beschreibt den Abrahamsglauben: Er hielt erstens an Gottes Verheißung eines Nachkommen gegen alle menschliche Hoffnung fest, und er glaubte zweitens im Blick auf Gottes Befehl, Isaak Gott darzubringen, daß Gott das, was nicht ist, ruft, daß es sei. Worin besteht der Abrahamssegen? Glaube, der den geistlichen Segen Gottes empfĂ€ngt, hat also diese zwei Kennzeichen: er klammert sich an Gottes Verheißungen, und er traut Gott die schöpferische Kraft zur VerĂ€nderung jeder Situation zu. Und worin besteht der geistliche Segen? Das lernen wir am göttlichen Handeln an Abraham. Gott rechnet Abrahams Glauben „zur Gerechtigkeit“ (1 Mose 15,6). Damit ist die Zueignung des vollen Heils Gottes gemeint: Vergebung, Zuversicht, Frieden und Freude in Zeit und Ewigkeit. Genauso wirkt der geistliche Segen auch bei uns, die an Jesus Christus glauben. Gott schenkt dem Glaubenden Gerechtigkeit, also Vergebung und Heil in Zeit und Ewigkeit

Der Zuspruch des Segens. Gott bevollmĂ€chtigt schon im A.T Menschen, seinen Segen an andere weiterzugeben. Mose segnet Josua, David und Salomo segnen das Volk Israel. Die Priester erhalten u.a. die Aufgabe, die gottesdienstliche Gemeinde zu segnen. Aufgrund des allgemeinen Priestertums (1 Petr 2,9) ist heute jeder an Christus Glaubende bevollmĂ€chtigt, andere zu segnen. Eltern ihre Kinder, Sterbende ihre Nachkommen, Gesunde die Kranken. Der aaronitische Segen (4 Mose 6,24-26) ist und bleibt die Richtschnur fĂŒr das segnende Handeln priesterlicher Menschen an anderen. Dieser dreigeteilte Segen spricht Schutz fĂŒr Leib, Seele und Geist („Der Herr behĂŒte dich“), die Gnade der Vergebung („Der Herr sei dir gnĂ€dig“) und das komplette Heil Gottes fĂŒr Zeit und Ewigkeit zu („Der Herr gebe dir Frieden“).

Der Verlust des Segens. Nach Luk 10,5f legt sich der von den JĂŒngern zugesprochene Friede nur auf die „Menschen des Friedens“. Wenn in einem Haus keine solchen Menschen sind, kehrt der Friede zurĂŒck zu den JĂŒngern. Dem entsprechend gibt es Menschen, von denen Gottes Segen weicht. Beten wir, daß wir nicht dazu gehören, ebenso fĂŒr andere, daß sie nicht dazu gehören.

Wie werde ich ein Mensch des Segens? Um Anteil am geistlichen Segen Gottes zu empfangen, muß man nichts leisten, man muß nicht ein besonderer, ein besserer Mensch sein als andere. Viele gesegnete Menschen tragen, biographisch gesehen, durchaus keinen Heiligenschein. Nehmen wir Noah zum Beispiel. Sein Leben zeigt drei Kennzeichen des Segens Gottes. Er war Gottes Wort gehorsam und ließ sich durch den Spott der Gottlosen nicht beirren. Das strikte Festhalten an der Lehre der Apostel öffnet uns die TĂŒr zu neuen Segnungen. Noah war geduldig beim Bauen der Arche und in der Arche. Christen, die gesegnet werden möchten, mĂŒssen Geduld lernen. Gott hat andere ZeitmaßstĂ€be als wir, aber er kommt nie zu spĂ€t. Noah opferte Gott, als er aus der Arche stieg. So sollen auch wir immer wieder unser ganzes Leben einschließlich unseres Willens Gott ĂŒbergeben (Röm 12,1). So werden wir Menschen des Segens.

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Sonntag 2. Oktober 2011 um 9:47 und abgelegt unter Predigten / Andachten.