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Luftnummern

Donnerstag 18. August 2011 von Jörgen Bauer


Jörgen Bauer

Luftnummern

Was ist eigentlich „sicher“? Nicht erst in unseren Tagen wird danach gefragt, wobei uns Deutschen noch eine besonders ausgeprĂ€gte „VollkaskomentalitĂ€t“ nachgesagt wird, die aus einem ausgeprĂ€gten „BedenkentrĂ€gertum“ gespeist wird. Um die Sache in Grenzen zu halten, werde ich mich bei meinen Betrachtungen allerdings nur auf die materiellen Dinge beschrĂ€nken. Wer Sachwerte besitzt, meint, damit etwas “Sicheres” zu haben. Haus- und Grundbesitz, Edelmetalle, WertgegenstĂ€nde, Produktionsanlagen und was da so mehr ist, scheinen vielen bedeutend sicherer zu sein als “bunt bedrucktes Papier”, zu dem Geldscheine und auch Wertpapiere, manchmal schneller als gedacht, werden können.

Aber was macht denn eine Sache wertvoll und damit sicher?

Eine Sache ist immer dann wertvoll, wenn sie knapp ist, weil sie von vielen benötigt wird. Daraus ergibt sich, dass Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen. So haben wir es gelernt, und das ist richtig. Deshalb ist zum Beispiel ein bebaubares GrundstĂŒck in der Stadt mehr wert als ein gleich großes StĂŒck Ackerland in einer abgelegenen Gegend, und der Preis fĂŒr Benzin steigt, wenn die Erdöl-Fördermenge nicht ausreicht um den Bedarf zu decken.

Hieran wird erkennbar, dass die Parameter, die den Wert einer Sache bestimmen, relativ sind. Eine Sache kann an Wert verlieren, wenn sie plötzlich im Überfluss vorhanden ist, nicht mehr benötigt wird oder, aus welchen GrĂŒnden auch immer, uninteressant geworden ist. So können neue Erfindungen und Entdeckungen, neue Produktionsmethoden oder VerĂ€nderungen in den Wertvorstellungen, bisher wertvolle Dinge wertlos werden lassen. Und so kann eine Sache, auf die man gesetzt hat, um etwas „Sicheres“ zu haben, plötzlich nichts mehr wert sein.

Bedenkt man die RelativitĂ€t von Werten, wobei auch der Glaube an den Wert einer Sache eine Rolle spielt, kann man erahnen, warum GerĂŒchte ausreichen, um an der Börse eine Panik auszulösen, aufgrund derer Werte plötzlich „in den Keller gehen”. Man wundert sich ohnehin, wenn man von „LeergeschĂ€ften” hört, bei denen zuvor geborgte Wertpapiere verkauft und anschließend wieder zurĂŒckgekauft werden, wobei sich ein erheblicher Gewinn ergeben kann, wenn die Wertpapiere zwischen Verkauf und RĂŒckkauf an Wert verloren haben.

Ganz Ă€hnlich ist es mit SpekulationsgeschĂ€ften, bei denen beispielsweise ganze Ernten aufgekauft werden, um anschließend, durch eine kĂŒnstliche Verknappung, erhöhte Weiterverkaufspreise zu erzielen oder wenn Wetten auf Staatsbankrotte abgeschlossen werden, bei denen es ebenfalls viel zu gewinnen gibt, wobei das gewĂŒnschte Ergebnis durch entsprechende Manipulationen herbeigefĂŒhrt werden kann. Eigentlich mĂŒsste solcherart GeschĂ€ften seitens der Politik ein dauerhafter Riegel vorgeschoben werden, denn anders als in einer Spielbank, wo sich allenfalls ein einzelner Spieler ruinieren kann, können bei den Zockereien an der Börse ganze Volkswirtschaften in den Abgrund gerissen werden.

Dass hier nicht eingegriffen wird, zeigt, dass in Wirklichkeit andere MĂ€chte das Sagen haben, denen eine unschlĂŒssige und in sich zerstrittene Politik, die es allen recht machen will, nichts entgegenzusetzen hat. Und wer weiß, ob vielleicht der eine oder andere Politiker selbst nicht auch zu den Gewinnern undurchsichtiger FinanzgeschĂ€fte gehört.

Deutlich wurde die HandlungsunfĂ€higkeit jetzt auch wieder bei den Randalen von Kindern und Jugendlichen in England. Das wĂ€re aber ein Thema fĂŒr sich. Deshalb wird es vielleicht, neben den bekannten Naturkatastrophen wie Erdbeben, VulkanausbrĂŒchen, Tsunamis, Hurrikanen usw. kĂŒnftig noch eine völlig neue Art von Katastrophen, in Form eines plötzlichen, unvorhersehbaren totalen Durchknallens enthemmter Massen geben. BegĂŒnstigt dadurch, dass nicht mehr entschieden gehandelt, sondern stattdessen sozialphilosophische Diskussionen gefĂŒhrt werden. Es geht mir heute aber um etwas anderes, wozu die bisherigen Worte nur etwas einstimmen sollen.

Unter der Überschrift, „Die Revolution frisst ihre Kinder“, erschien in FOCUS Nr. 28/2011, ein interessanter Beitrag des FOCUS-Redakteurs Michael Miersch, den er wie folgt einleitet: „Die Energiewende soll uns als grĂŒne Großtat verkauft werden. Sie ist das Gegenteil davon: Massive Umweltzerstörung mit Biosiegel“ und „Was gestern noch schĂŒtzenswerte Natur war, steht heute dem öko-industriellen Komplex im Wege.“ Der Autor beginnt mit dem Weißkopfseeadler, der vor dem Aussterben gerettet werden konnte, weil die amerikanische Biologin Rachel Carson, mit ihrem 1962 erschienenen weltberĂŒhmten Buch „Der stumme FrĂŒhling“, vor dem ĂŒbermĂ€ĂŸigen und sorglosen Gebrauch von Pestiziden gewarnt hatte. Das wurde zum ZĂŒndfunken fĂŒr die globale Umweltbewegung. Dazu schreibt der FOCUS-Redakteur: Heute machen sich kalifornische NaturschĂŒtzer neuerlich Sorgen um den Weißkopfseeadler und andere Greifvögel, die zunehmend zerhackt unter Windkraftanlagen gefunden werden. Auch Hunderttausende anderer Vögel und FledermĂ€use werden durch Windparks getötet. „The Green Killer“ betitelte die britische „Daily Mail“ einen Bericht ĂŒber den Vogeltod fĂŒr Ökostrom.

Kernkraftgegner machen sich große Sorgen darĂŒber, dass durch den GAU Fukushima ein Radius von 30km nuklear belastet und wahrscheinlich fĂŒr lange Zeit unbewohnbar ist. Allerdings sind hierzulande weitaus grĂ¶ĂŸere FlĂ€chen unbewohnbar durch Windfarmen, Solarfelder, Pumpspeicherkraftwerke und die endlosen Maismonokulturen zur Gewinnung von Biogas und E10. Riesige Urwaldgebiete werden in SĂŒdostasien abgebrannt, um dort Ölpalmen zur Biodieselproduktion anzupflanzen. Ein Aufschrei wĂ€re durch die Republik gegangen, hĂ€tte jemand ein Naturschutzgebiet in Frage gestellt, um Platz fĂŒr Industriebauten, Wohnungen oder Straßen zu schaffen. Es genĂŒgte ein Feldhamster, um Infrastrukturprojekte lahmzulegen. Jetzt soll das Naturschutzrecht im Schnellverfahren aufgeweicht werden, um noch im letzten Winkel Wind- und Solarkraftwerke aufstellen zu können. Ein CSU-Abgeordneter forderte bereits Windmasten im Nationalpark Bayerischer Wald. Was gestern noch schĂŒtzenswerte Natur war, steht heute dem öko-industriellen Komplex im Wege. Immer hĂ€ufiger wird die grĂŒne Ideologie zum Zerstörer der Umwelt. Energiesparlampen, die unter fragwĂŒrdigen Bedingungen in China produziert werden, enthalten giftiges Blei. LungenĂ€rzte warnen: Durch ĂŒbertriebene WĂ€rmedĂ€mmung in Kombination mit BiomĂŒlleimern werden Wohnungen zu Schimmelbiotopen. Egal: Hauptsache wir leben atomfrei und klimafreundlich.

Umweltschutz war einmal ein umfassendes Thema. Es ging dabei um die Gesundheit der Menschen, um saubere Luft, WĂ€lder und vitale GewĂ€sser, um den Erhalt natĂŒrlicher Landschaften und der Wildtiere, die darin leben. All das zĂ€hlt nicht mehr. Bis heute schaffen es die Profiteure der Energiewende, sich als tapfere Idealisten hinzustellen, die die Welt vor Klimakollaps und Atomverseuchung retten wollen. Doch das sind lĂ€ngst die Großinvestoren, die sich um die Investitionstöpfe scharen. Natur ist fĂŒr sie nichts weiter als der Dreck am KotflĂŒgel ihrer E10-betankten GelĂ€ndewagen.

Bemerkenswert ist das Fazit, das der Autor daraus zieht: Das grĂŒne Trauerspiel erinnert an die Geschichte einer anderen Weltanschauung. Kaum war der Sozialismus an der Macht, passierte genau das Gegenteil dessen, was seine Propheten einst gepredigt hatten: Die Arbeiter wurden immer Ă€rmer, und sie hatten weniger demokratische Rechte. Was den Sozialisten die Arbeiterklasse, ist den GrĂŒnen die Umwelt. Und genau das ist es! Alle Weltverbesserungsideologien scheitern daran, dass immer dann, wenn die jeweiligen Weltverbesserer das Sagen haben, exakt das Gegenteil von dem eintritt, was eigentlich beabsichtigt war. Es ist ĂŒberhaupt nichts gegen die Bewahrung der Schöpfung und gegen die Erschließung alternativer Energiequellen zu sagen. Beides hat ganz eindeutige und vielfĂ€ltige Vorteile. Bedenklich wird es aber immer dann, wenn eine, im Grunde gute Idee, zu einer Ideologie mutiert, um dann, mit einem weltanschaulichen Sendungsbewusstsein, rĂŒcksichtslos vorangetrieben zu werden. Merkmal einer Ideologie ist eine Terminologie, die aus speziellen Begriffen und Wortschöpfungen besteht, mit denen etwas ganz Bestimmtes gemeint ist. Was zu DDR-Zeiten die Worte „Sozialismus“ und „sozialistisch“ waren, sind jetzt die Begriffe „Ökologie“ und „ökologisch“. Daraus lassen sich weitere Begriffe wie „qualitatives Wachstum“, „ökologisch-soziale Modernisierung“, „MobilitĂ€tskonzept“, „Ressourcenschonung“, „ökologisch vertrĂ€glich“, „Ökonomie und Ökologie“ usw. ableiten.

Mit dem, was sich da so harmlos anhört, ist tatsĂ€chlich gemeint, dass sich das gesamte Leben an ökologischen Vorgaben auszurichten hat, wobei das, was ökologisch und damit „gut“ ist, von einer Partei bestimmt wird. Das war im „real existierenden Sozialismus“ nicht anders. So soll Baden-WĂŒrttemberg zu einem „ökologischen MusterlĂ€ndle“ werden. Die GrĂŒnen wurden von 25% der WĂ€hler gewĂ€hlt. Bezogen auf die gesamte Einwohnerzahl von Baden-WĂŒrttemberg, die NichtwĂ€hler eingeschlossen, stehen hinter den GrĂŒnen tatsĂ€chlich nur 16% der BĂŒrger.

Und etwas kommt noch hinzu: Sobald es etwas zu verdienen gibt, werden Ideale schnell ĂŒber den Haufen geworfen. Da wird dann öffentlich Wasser gepredigt und heimlich Wein getrunken. Auch das war im „real existierenden Sozialismus“ nicht anders. Siehe „ARD-exklusiv“ vom 17.8.2011, 21:45, „Rot-grĂŒn macht Kasse“, wo sich sogar ein ObergrĂŒner wie Joschka Fischer als Berater fĂŒr den KernkraftbefĂŒrworter RWE engagiert hat. In der Tat wĂ€re die Kernkraft, sieht man die völlig neuen Techniken, die es mittlerweile gibt, weiterhin eine vernĂŒnftige Alternative.

Daran zeigt sich, dass Passivverhalten und LeichtglĂ€ubigkeit ausreichen, um Minderheiten an die Macht zu bringen, fragwĂŒrdige Techniken zu bejubeln und wie wichtig es ist, wĂ€hlen zu gehen und sich selbst ausreichend zu informieren. Wenn ich die Parolen in Sachen „Atomausstieg“ und „Energiewende“ höre und sie den realen Fakten gegenĂŒberstelle, wird fĂŒr mich erkennbar, dass ziemlich unĂŒberlegt und blindwĂŒtig vorgegangen wurde, was nur den Schluss zulĂ€sst, dass wir uns entweder in Richtung einer Ökodiktatur oder des grĂ¶ĂŸten Flops aller Zeiten bewegen. Und das nicht nur wegen des beabsichtigten totalen Umbaus der Landschaft eines ganzen Landes, sondern auch wegen des mittlerweile verfestigten Aberglaubens an einen, durch menschlichen Einfluss bewirkten Klimawandel, einer unbewiesenen Vermutung, gestĂŒtzt auf fragwĂŒrdige und passend gemachte Daten und lĂŒckenhafte PrĂ€missen, die einer objektiven PrĂŒfung nicht standhalten.

Auf die KĂ€mpfe zwischen den Förderern erneuerbarer Energien und den NaturschĂŒtzern darf man schon jetzt gespannt sein und hoffen, dass sich die Vernunft insoweit durchsetzt, dass es zu keinen StromausfĂ€llen und nachhaltigen volkswirtschaftlichen SchĂ€den kommt. Und hier schließt sich der Kreis: Die einen glauben an die Sicherheit materieller GĂŒter und die anderen setzen auf Weltverbesserungsideologien, investieren vielleicht in alternative Energieprojekte, und in beiden FĂ€llen bauen sie auf unsicherem Grund.

Was sagt das Wort Gottes dazu?

„Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegrĂŒndet. Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein, und sein Fall war groß.

Und es begab sich, als Jesus diese Rede vollendet hatte, dass sich das Volk entsetzte ĂŒber seine Lehre; denn er lehrte sie mit Vollmacht und nicht wie ihre Schriftgelehrten.“ (MatthĂ€us 7, Verse 24 bis 29)

Der obige Text ist zwar ein ganzer Abschnitt. Trotzdem habe ich zwischendrin einen Absatz gemacht. Im ersten Absatz geht es darum, dass man gut daran tut, sich an Gott und sein Wort zu halten und danach zu tun. Wer das tut, hat einen sicheren Grund, der auch in Katastrophen hĂ€lt. Wer hingegen auf sein Vermögen oder auf menschliche Weltverbesserungstheorien setzt, baut auf Sand. Vermögen kann schnell verrinnen oder sich als nutz- und wertlos erweisen und menschliche Lehren zerbrechen ĂŒber kurz oder lang an ihren inneren WidersprĂŒchen und den RealitĂ€ten, wobei die Folgen jeweils katastrophal sein können. Im zweiten Absatz geht es um die Reaktionen der Hörer. Wie wĂŒrden diese wohl heute reagieren, wenn ihnen vollmĂ€chtig klargemacht wĂŒrde, wie dĂŒnn der Boden ist, auf dem sie stehen oder wenn ihnen der Flop „Energiewende“ bewusst wĂŒrde? Zum GlĂŒck mĂŒssen wir aber nicht ĂŒberall mitmachen, alles glauben und auf Sand bauen. Dem Herrn sei Dank, dass er uns hier noch andere Alternativen eröffnet.

Jörgen Bauer, Heidenheim
                                        

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 18. August 2011 um 15:59 und abgelegt unter Gesellschaft / Politik.