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Auf den Glauben kommt es an

Montag 22. August 2011 von Johann Albrecht Bengel (1687-1752)


Johann Albrecht Bengel (1687-1752)

Auf den Glauben kommt es an

Gott hat seinen eingebornen Sohn gesandt in die Welt, da├č er die S├╝nde und alles Unheil, in das der Mensch sich selber gest├╝rzt hat und aus dem er sich nicht wieder heraushelfen kann, wegnehmen, Gerechtigkeit, Leben und Seligkeit wiederbringen und den Menschen zu dem verlorengegangenen Bild Gottes und zur Gemeinschaft mit dem ewigen Licht wieder herstellen sollte. Dieses Gebot des himmlischen Vaters hat der Sohn willig vollbracht, indem er sich f├╝r unsre S├╝nden selbst geopfert, das Gesetz vollkommen erf├╝llt, die Strafe getragen, uns von dem Fluch befreit, mit Gott vers├Âhnt, von der Gewalt der S├╝nden, des Todes und des Teufels erl├Âst und die Gabe des Heiligen Geistes und des ewigen Lebens erworben hat. Durch das Verdienst, die Macht und die F├╝rbitte dieses einigen Mittlers kommen wir zu Gott; wir k├Ânnen solchen Verdienstes nicht anders teilhaftig werden als durch eine herzhafte Ergreifung und Aneignung desselben. Durch den Glauben an den Namen Jesu Christi, des Sohnes Gottes, werden wir gerecht und selig und frei von unsern S├╝nden und deren Schuld, vom Fluch, von der Herrschaft (Eph. 2, 2), vom b├Âsen Gewissen und allem Unheil. Es kommt auf keine Kreatur und deren fremdes oder eigenes vorangehendes, mitwirkendes oder nachfolgendes Werk an, sondern allein auf den Glauben. Solchen Glauben haben nicht alle, die ihn im Munde f├╝hren. Er ist eine Gabe, ein Werk, eine Kraft und ein Licht Gottes, durch das der Mensch erleuchtet, belebt und bewogen wird, bei tiefster Erkenntnis und Empfindung seines eignen Verderbens, seiner Armut und Ohnmacht, bei dem├╝tiger Verleugnung eigner T├╝chtigkeit und W├╝rdigkeit und bei sehnendem Verlangen nach lauterer Gnade in dem einigen, vom Vater dargestellten und durchs Wort dem zagenden Herzen angepriesenen Mittler alle Gerechtigkeit, Kraft und Seligkeit zu suchen. Man wird sich damit sch├╝tzen und bewahren vor dem Zorn Gottes, vor der Anklage des Gesetzes und des Gewissens, vor dem Fluch und der Herrschaft der S├╝nde und vor dem Anspruch des Todes und der H├Âlle.

Wo solcher Glaube ist, da ist unfehlbar und unausbleiblich eine gr├╝ndliche ├änderung des Sinnes, ein Mi├čfallen an allem Ung├Âttlichen und ein Ekel vor allem eitlen Wesen, eine Untert├Ąnigkeit des Herzens gegen Gott und seine heiligen Gebote, ein kindlicher, freiwilliger, ehrerbietiger, gelassener und dankbarer Geist gegen├╝ber Gott, dem himmlischen Vater, ein vorsichtiger Wandel vor seinem Angesicht, ein vertraulicher Umgang mit ihm im Gebet, eine sorgf├Ąltige Abschirmung seiner selbst gegen alle Lockungen des Fleisches, der Welt und ihres F├╝rsten, ein milder, sanfter, liebreicher und wohlt├Ątiger Sinn gegen den N├Ąchsten und eine stete Begierde, im Guten immer fester und v├Âlliger zu werden. Obwohl nun der Glaube ohne dies alles nicht sein kann, so ist’s doch der Glaube allein, der Christus ergreift und uns gerecht und selig macht. Im Gegensatz dazu ist allein der Unglaube die Formal- und Hauptursache der Verdammnis der Menschen (Mark. 16; Joh. 3); denn ein Ungl├Ąubiger will wider die Krankheit seiner verdammlichen S├╝nden die in Christus bereitete Arznei nicht bei sich wirken lassen.

Johann Albrecht Bengel (Quelle: www.glaubensstimme.de)   

Johann Albrecht Bengel (geb. 24. Juni 1687 in Winnenden; gest. 2. November 1752 in Stuttgart) war ein schw├Ąbischer lutherischer Theologe und ein Hauptvertreter des deutschen Pietismus.

 
 
 

 

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 22. August 2011 um 11:17 und abgelegt unter Allgemein, Predigten / Andachten.