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Ein pers├Ânliches Zeugnis von Dr. Arnold G. Fruchtenbaum

Dienstag 19. Juli 2011 von Dr. Arnold G. Fruchtenbaum


Dr. Arnold G. Fruchtenbaum

Ein pers├Ânliches Zeugnis von Dr. Arnold G. Fruchtenbaum

Viele Leser dieser Worte werden schon fr├╝her Zeugnisse von Christen geh├Ârt haben dar├╝ber, wie Menschen dazu kamen, sich mit der Frage nach Jesus Christus auseinanderzusetzen. Es gibt aber einen wichtigen Unterschied zwischen dem Zeugnis eines nicht j├╝dischen und dem eines j├╝dischen Christen. Nicht j├╝dische Christen fangen dabei oft mit ihrer eigenen Kindheit oder noch fr├╝her mit dem Glauben ihrer Vorfahren an. Doch das Zeugnis eines j├╝dischen Christen beginnt in einer viel weiter entfernten Vergangenheit.

Wenn ein Jude dem messianischen Anspruch Jesu begegnet, dann ruft das Probleme und Fragen hervor, deren Ursprunge viele Jahrhunderte weit zur├╝ckreichen. Jedes judenchristliche Zeugnis mu├č eigentlich damit anfangen, da├č man die Worte Jesu liest, die im Lukasevangelium Kapitel 19, Vers 41-44, berichtet werden:

ÔÇ×Und als er nahe hinzukam, sah er die Stadt und weinte ├╝ber sie und sprach: Wenn doch auch du erkenntest zu dieser Zeit, was zu deinem Frieden dient! Aber nun ist’s vor deinen Augen verborgen. Denn es wird eine Zeit ├╝ber dich kommen, da werden deine Feinde um dich einen Wall aufwerfen, dich belagern und von allen Seiten bedr├Ąngen, und werden dich dem Erdboden gleichmachen samt deinen Kindern in dir und keinen Stein auf dem andern lassen in dir, weil du die Zeit nicht erkannt hast, in der du heimgesucht worden bist.ÔÇť

Und in Lukas 21,24 lesen wir:

ÔÇ×Und sie werden fallen durch die Sch├Ąrfe des Schwertes und gegangen weggef├╝hrt werden unter alle V├Âlker, und Jerusalem wird zertreten werden von den Heiden, bis die Zeiten der Heiden erf├╝llt sind.ÔÇť

Vierzig Jahre, nachdem Jesus dies angek├╝ndigt hatte, marschierten die r├Âmischen Legionen ins Land ein, und nach zweij├Ąhriger Belagerung Jerusalems eroberten sie die Stadt und zerst├Ârten den Tempel. Das Volk der Juden wurde ├╝ber die ganze Welt zerstreut. Von da an beginnt in der j├╝dischen Geschichte die Zeit der Diaspora oder Zerstreuung. Die Juden wurden tats├Ąchlich in alle Welt vertrieben, und es folgten die Jahrhunderte ihrer Verfolgung. Sie mu├čten nicht nur ihr eigenes Land verlassen, sondern man zwang sie auch immer wieder, von einem Ort zum anderen und aus einem Land ins andere zu fliehen. Die j├╝dische Geschichte wurde seit dieser Zeit eine Geschichte der st├Ąndigen Flucht vor antisemitischen Verfolgern. Sobald sie in einer Ecke Europas eine Bleibe gefunden hatten, stand dort ein antisemitischer Herrscher auf und brauchte seine Macht dazu, die Juden gewaltsam aus dieser Gegend zu vertreiben, so da├č sie sich irgendwoanders wieder eine neue Heimat suchen mu├čten. Damit wurden die Worte Moses buchst├Ąblich erf├╝llt, wonach die Juden unter alle V├Âlker der Erde zerstreut werden sollten.

Eine der gro├čen Trag├Âdien der Judenverfolgung in der Diaspora ist es, da├č praktisch das meiste davon seit etwa dem vierten Jahrhundert im Namen Jesu Christi geschah. Weil so vielen Juden ihr Leid im Namen Jesu und im Namen des Kreuzes zugef├╝gt wurde, hat sich im Empfinden des j├╝dischen Volkes eine so gro├če Barriere zwischen ÔÇ×unsÔÇť und ÔÇ×ihnen“ aufgebaut. Letztere sind die Heiden oder Christen (f├╝r einen Juden sind diese beiden Begriffe synonym), die einen Gott verehren, der Jesus hei├čt, und in dessen Namen verfolgen und t├Âten sie die Juden. Das wurde zum entscheidenden Hindernis f├╝r die Verbreitung des Evangeliums unter den Juden.

Die Frommen von Polen

Vor dem ersten Weltkrieg ├Âffnete Polen seine Grenzen f├╝r j├╝dische Fluchtlinge aus allen Teilen Europas, die der Verfolgung entkommen wollten. Gegen Ende der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts kamen zuerst Tausende und schlie├člich Millionen von Juden nach Polen. Als der erste Weltkrieg begann, bestand die j├╝dische Gemeinde in Polen aus etwa drei Millionen Menschen und war damit die gr├Â├čte in der Welt. Unter den polnischen Juden gab es schon l├Ąnger eine religi├Âse Sekte, die sich nun mehr und mehr ausbreitete, bis sie am Ende das ganze Judentum durchdrang. Diese Leute wurden bekannt als die Chassidim (w├Ârtlich „die FrommenÔÇť), die Ultra-Orthodoxen. Man konnte sie stets in ihren schwarzen Gew├Ąndern mit gro├čen Pelzm├╝tzen sehen, sie trugen lange B├Ąrte und Schl├Ąfenlocken – ihre traditionelle Tracht. Sie hielten sich f├╝r die theologischen Nachkommen der Pharis├Ąer aus der Zeit des Neuen Testaments und setzten sich f├╝r eine strenge Einhaltung des mosaischen Gesetzes wie auch der rabbinischen ├ťberlieferungen aus den fr├╝heren Jahrhunderten ein. Nachdem ihr Gr├╝nder gestorben war, spaltete sich die chassidische Bewegung in mehrere Gruppen auf, entsprechend ihrer geographischen Zugeh├Ârigkeit. Eine solche Gruppe wurde von einem Mann geleitet, den man Rebbe nannte und der etwas ├ähnliches wie ein Rabbiner war. Die Macht eines Rebbe war aber viel gr├Â├čer als die eines Rabbiners und ging mit der Geburt vom Vater auf den Sohn ├╝ber.

Die Leitung einer dieser Gruppen, bekannt als die Satmarer Chassidim, ging in die H├Ąnde der Fruchtenbaum-Familie ├╝ber. Mein Gro├čvater, vor ihm sein Vater und dessen Vater waren Leiter dieser orthodoxen Gruppe. Ich m├Âchte ihnen ein Beispiel daf├╝r geben, wieviel Zeit mein Gro├čvater mit dem Schriftenstudium zubringen mu├čte, ehe er Leiter werden konnte. Im Alter von 13 Jahren hatte er die 5 B├╝cher Mose auf Hebr├Ąisch auswendig gelernt, mit 18 Jahren konnte er das ganze hebr├Ąische Alte Testament auswendig. Als er 21 Jahre alt war, machte er eine abschlie├čende Pr├╝fung. Sie bestand darin, da├č er eine hebr├Ąische Bibel erhielt, ein sehr dickes Buch. Jemand anders zeigte dann mit dem Finger auf eine Stelle auf dem Deckel der geschlossenen Bibel und an dieser Stelle wurde ein Nagel in das Buch eingeschlagen. Mein Gro├čvater mu├čte dann aus dem Ged├Ąchtnis angeben, durch welches Wort auf jeder einzelnen Seite in der richtigen Reihenfolge der Seitenzahlen der Nagel hindurchgedrungen war. Das ist eine gute Methode, um die Bibel zu lernen! Der Grund f├╝r ein so rigoroses Auswendiglernen bestand darin, da├č die Bibel in dieser Gruppe die Grundlage f├╝r alles Lernen und Studieren darstellte. Den Rest seines Lebens verbrachte mein Gro├čvater mit dem Studium der prophetischen Kommentare und ├ťberlieferungen der j├╝dischen V├Ąter. Aber was er las, konnte er nie selbst├Ąndig beurteilen. Sein Verst├Ąndnis daf├╝r war lange vor ihm durch die rabbinischen Lehren festgelegt worden. So wich er nicht ab von allem, was die fr├╝heren Rabbinen ├╝ber die Bedeutung dieses und jenes Wortes gesagt hatten. Obwohl er die Bibel so gut kannte, war er doch nicht imstande zu erkennen, da├č Jesus der Messias ist.

Von Zeit zu Zeit tauchen neue Fragen auf, die von Mose oder den Rabbinen noch nicht behandelt worden sind Hier mu├č der Schriftkundige neue Gesetze und Vorschriften f├╝r die j├╝dische Gemeinschaft aufstellen. In der neuen Welt Amerikas entdeckte man Dinge, die dann nach und nach auch in Europa weiter verbreitet wurden. So kamen nach dem ersten Weltkrieg in manchen Gegenden Polens zum erstenmal Tomaten auf den Markt. Aber Mose hatte den Juden nicht gesagt, ob Tomaten koscher sind. Konnte ein Jude Tomaten essen und dabei die j├╝dischen Speisevorschriften richtig einhalten? In der j├╝dischen Gruppe erhob sich also eine gro├če Debatte ├╝ber Tomaten. Es gab eine Pro-Tomaten-Partei und eine Anti-Tomaten-Partei, und schlie├člich sandten beide Seiten eine Delegation zu meinem Gro├čvater. Er empfing die Delegierten, h├Ârte sich die Argumente beider Seiten an und bat sie, in einer Woche wiederzukommen. Dann kaufte er sich einige Tomaten, schnitt sie in verschiedenen Gr├Â├čen auseinander, sah sich ihre Farbe, Schale, Samenk├Ârner und den Inhalt an. Er studierte seine rabbinischen Schriften und ├ťberlieferungen. Als die Delegation nach einer Woche wieder bei ihm vorsprach, hatte er entschieden, da├č Tomaten koscher seien und da├č man sie mit Genu├č essen darf. Seitdem essen die europ├Ąischen Juden ohne Bedenken Tomaten.

Seine strenge Orthodoxie trug schlie├člich zu seinem Tode bei. Es war am heiligsten Tag des j├╝dischen religi├Âsen Kalenders, an Jom Kippur, dem Gro├čen Vers├Âhnungstag. als man bei ihm eine Blinddarmentz├╝ndung feststellte. Wegen der Heiligkeit dieses Tages lehnte er jede medizinische Behandlung ab, ehe nicht die vollen 24 Stunden des Jom-Kippur-Tages vor├╝ber waren. Bis dahin war aber der Blinddarm durchgebrochen, und an demselben Abend starb er.

Mein Vater

Mein Vater Henry (Chaim) Fruchtenbaum war der erstgeborene Sohn in einer langen Reihe von erstgeborenen S├Âhnen. und er wuchs auf in der polnischen Stadt Pultusk. Beim Tode meines Gro├čvaters war mein Vater 3 Jahre alt. Er wurde von seinem Gro├čvater erzogen, der praktisch zu seinem neuen Vater wurde. In dieser Familie waren 12 andere Kinder, teils ├Ąlter, teils j├╝nger. Obwohl sie alle seine Onkel und Tanten waren, verstanden sie sich untereinander als Geschwister. Auch der Gro├čvater meines Vaters, Baruch Simcha Fruchtenbaum, starb an Jom Kippur im Jahre 1937, als mein Vater 18 Jahre alt war.

Ebenso wie sein Vater wurde auch mein Vater darauf vorbereitet, die Leitung der chassidischen Gruppe zu ├╝bernehmen. Er mu├čte sich demselben Schulungsprogramm wie mein Gro├čvater unterziehen. Au├čerdem kam er in eine Ausbildung als Photograph. Sein Schriftstudium mu├čte jedoch am 1.9.1939 abgebrochen werden, als die Deutschen in Polen einmarschierten und damit der Zweite Weltkrieg ausbrach.

Mein Vater hatte so etwas wie einen 6. Sinn f├╝r t├Âdliche Gefahren. Als die Deutschen Polen besetzten, ahnte er, da├č die Juden in Gefahr waren. Er beschlo├č, nach Ru├čland zu gehen, und bat die anderen Familienmitglieder, mit ihm zu kommen. Aber niemand h├Ârte auf ihn, und so floh mein Vater ganz allein. Als die anderen merkten, wie recht er gehabt hatte, war es zu sp├Ąt. Nachdem der Holocaust vor├╝ber war, waren 7 der 13 Verwandten mit ihren Ehegatten und Kindern umgekommen: einige im Warschauer Ghetto, einige in Auschwitz, einige im Ponary-Wald bei Wilna, die meisten in Treblinka. 6 Verwandte ├╝berlebten, und davon zogen 5 mit ihren Familien nach Israel, w├Ąhrend mein Vater sp├Ąter in die USA ├╝bersiedelte.

Die Flucht nach Ru├čland rettete zwar sein Leben, aber sie brachte ihn in gro├če Not. Die Russen hatten mit den Juden nicht mehr Mitleid als die Deutschen. Obwohl mein Vater ein Jude war, wurde er von den Russen kurz nach dem Grenz├╝bertritt beschuldigt, ein Nazispion zu sein. Man nahm ihn fest und brachte ihn in ein Konzentrationslager in Sibirien, wo er die folgenden zwei Jahre seines Lebens zubringen mu├čte.

1941 brachen die Deutschen ihren Pakt mit Stalin und griffen die Sowjetunion an. Damit begann eine neue Phase des Krieges. Jetzt brauchten die Russen die Unterst├╝tzung der polnischen Exilregierung, die sich in England aufhielt. Die Polen sagten ihre Unterst├╝tzung zu unter der Bedingung, da├č alle polnischen Staatsangeh├Ârigen aus den russischen Konzentrationslagern entlassen w├╝rden. Da mein Vater Pole war, kam er also frei. Aus dem gleichen Grunde wurde damals auch Menachem Begin aus dem russischen Gef├Ąngnis entlassen. Aber weil die Deutschen damals weite Gebiete im europ├Ąischen Ru├čland besetzt hatten, beschlo├č mein Vater, bis zum Ende des Krieges in Sibirien zu bleiben. Doch er mu├čte von etwas leben, und Arbeitspl├Ątze gab es nicht. Da war es gut, da├č er zuvor den Beruf eines Photographen gelernt hatte. Der Krieg und Stalins Massendeportationen seiner eigenen Bev├Âlkerung f├╝hrten zu einem gro├čen Bedarf an Fotos f├╝r P├Ąsse und andere offizielle Dokumente. Jedermann brauchte Bilder, und mein Vater hatte damit ein stetiges Einkommen. Bei seiner Arbeit lernte er dann auch meine Mutter kennen. Auch sie war gezwungen worden, nach Sibirien umzusiedeln, und brauchte Bilder f├╝r amtliche Papiere. Einige Monate sp├Ąter heirateten sie, und am 26. September 1943 wurde ich in Tobolsk geboren. Ich erhielt den russischen Namen Aritschek Genekowitsch Fruchtenbaum.

Im Laufe der Zeit ging die Nachfrage nach Bildern zur├╝ck, und das Einkommen reichte nicht mehr aus zum Leben. Wenn man Geld hatte, so war das auch noch keine Garantie, da├č man daf├╝r etwas. kaufen konnte. So mu├čte man auf andere Weise nach Nahrungsmitteln suchen, und mein Vater verfiel auf eine Methode, die sonst bei Juden nicht ├╝blich ist: die Jagd. Das bedeutete in mindestens einem Fall, da├č wir Igelfleisch essen mu├čten – ein nicht gerade koscheres, ├╝bliches Mahl in einem j├╝dischen Hause!

Polnische Pogrome

Der Zweite Weltkrieg ging zu Ende, und den polnischen Staatsangeh├Ârigen in der Sowjetunion wurde erlaubt, nach Polen zur├╝ckzukehren. Weil dort inzwischen eine kommunistische Regierung herrschte, war nicht zu bef├╝rchten, da├č es dadurch ideologische Probleme geben w├╝rde. So begaben sich meine Eltern auf den weiten Weg zur├╝ck in die polnische Heimat meines Vaters, und mich nahmen sie mit, obwohl ich eigentlich infolge meiner Geburt in Ru├čland ein Russe war. Zu dieser Zeit war ich drei Jahre alt. Unsere Reise f├╝hrte uns auch durch die Ukraine, und hier erkrankte meine Mutter an Typhus und kam ins Krankenhaus. Wieder hatte mein Vater nach einem Lebensunterhalt f├╝r seine Familie zu suchen. Das zwang meine Eltern, mich in ein Waisenhaus zu geben. Obwohl die Ukraine eigentlich eine Kornkammer in der Sowjetunion war, gab es dort in den Nachkriegsjahren eine Hungersnot. ├ťberall gab es nur wenig zu essen, so da├č f├╝r ein Waisenhaus nichts mehr ├╝brig blieb. T├Ąglich starben Kinder vor Hunger, und Tag f├╝r Tag mu├čten ihre toten K├Ârper beseitigt werden. Aber am Abend eines jeden Tages kam mein Vater mit zwei Scheiben Brot f├╝r seinen Sohn. Obwohl ich dabei bis zu Haut und Knochen abmagerte, konnte ich doch durch den Einfallsreichtum und die F├╝rsorge meines Vaters ├╝berleben.

Schlie├člich wurde meine Mutter wieder gesund, und wir kamen endlich in Polen an. Mein Vater traf mit einem seiner Br├╝der und drei Schwestern zusammen, die den Holocaust ├╝berlebt hatten. Eine Schwester hatte ihren Mann verloren, und der Bruder hatte seine Frau und sein einziges Kind eingeb├╝├čt. Ein weiterer Bruder hatte es geschafft, w├Ąhrend der Kriegsjahre nach Israel auszuwandern. Wir wollten in Polen bleiben und zogen in ein j├╝disches Ghetto, das ├╝berwiegend von r├Âmisch-katholischen Christen umgeben war. Dort blieben wir ein Jahr.

Einige Monate nach unserer Ankunft war es Zeit, unser erstes Passahfest seit dem Kriegsausbruch zu feiern, Passah 1947. Es war au├čergew├Âhnlich wichtig und bedeutungsvoll, denn wir hatten sowohl die Erl├Âsung aus ├ägypten als auch unsere Errettung von den Deutschen zu feiern. Und so freuten wir uns ganz besonders auf das Fest. W├Ąhrend der acht Feiertage d├╝rfen wir nur unges├Ąuertes Brot essen, und nichts ist zu essen erlaubt, was Sauerteig enth├Ąlt. So waren unsere M├╝tter damit besch├Ąftigt, das Brot f├╝r die Zeit des Passahfestes zu backen. Zur selben Zeit wurde ein kleines, 3 Jahre altes r├Âmisch-katholisches Kind vermi├čt. Da verbreiteten die Katholiken das Ger├╝cht, da├č die Juden das Blut eines Christen brauchten, um ihr unges├Ąuertes Brot zu backen. Sie beschuldigten uns, den Jungen entf├╝hrt und in einem Ritualmord get├Âtet zu haben, um sein Blut f├╝r das Brot zu verwenden. Dieses Ger├╝cht verbreitete sich ├╝ber ganz Polen. Als wir in der Passahnacht beieinander sa├čen, um zu essen, formierte sich drau├čen auf der Stra├če der Mob, angef├╝hrt von der Polizei und dem Klerus der katholischen Kirche. In ganz Polen griff der P├Âbel die j├╝dischen Ghettos an einschlie├člich desjenigen, in dem wir wohnten. ├ťberall im Land wurden in dieser Passahnacht 1947 Tausende von Juden im Namen Jesu Christi von den Polen ermordet. Unter diesen Verh├Ąltnissen h├Ârte ich zum erstenmal den Namen Jesus Christus – nicht als Namen eines Menschen, der kam, um f├╝r mich zu sterben, sondern als einer, f├╝r den beinahe ich h├Ątte sterben m├╝ssen. Als der Mob in die T├╝ren der j├╝dischen H├Ąuser einbrach, standen Priester dabei und schwenkten ihre Kreuze. Bevor ein Jude get├Âtet wurde, riefen sie (auf Polnisch) den ├╝blichen Spruch: ÔÇ×Ihr habt Christus get├Âtet, und darum werden wir euch t├Âten!ÔÇť In diesen Worten h├Ârte ich zum erstenmal etwas von Christus.

Aufgrund dieses Erlebens wuchs sp├Ąter eine Barriere in meinem Denken, wie bei so vielen anderen Juden, zwischen ÔÇ×unsÔÇť und ÔÇ×ihnenÔÇť, den Christen oder Heiden. Der einzige Jesus, von dem ich wu├čte, war ein ha├čerf├╝llter, m├Ârderischer Jesus so, wie er von der christlichen Kirche repr├Ąsentiert wurde, aber nicht der wirkliche Jesus des Neuen Testaments.

Die Flucht aus Polen

Ein Gutes hatte der Aufruhr in Polen, und das war die Arbeit der israelischen Untergrundbewegung. Als die Israelis erfuhren, was in Polen geschehen war, entwickelten sie einen Plan, um so viele Juden wie m├Âglich von hinter dem Eisernen Vorhang herauszuholen Sie machten sich an die polnische Grenzpolizei heran und bestachen sie. So kam es zu einem ÔÇ×├ťbereinkommenÔÇť, da├č in einem Zeitraum von 30 Tagen alle Juden die polnische Grenze ungehindert passieren durften.

Meine Eltern h├Ârten durch die Untergrundbewegung davon und entschlossen sich, diese Gelegenheit zu nutzen. Um kein Aufsehen zu erregen, ben├╝tzten wir keine ├Âffentlichen Verkehrsmittel. Wir trugen auf dem R├╝cken, so viel wir konnten, schlossen uns einer Gruppe anderer Juden an und machten uns auf den viele Meilen weiten Fu├čmarsch zur Grenze. Als wir schlie├člich dort ankamen, wurden wir von der Grenzpolizei angehalten. Wir wiesen uns als Juden aus, und die Polizisten nahmen ihre Waffen auf den R├╝cken, drehten sich um und begannen, die V├Âgel am weit entfernten Horizont zu beobachten. Sie ignorierten uns vollst├Ąndig. und so konnten wir ohne weiteres in die Tschechoslowakei ├╝berwechseln.

Sp├Ąter bekam ich heraus, was unser Grenz├╝bertritt gekostet hatte. Es war nicht mehr als ein paar Stangen amerikanische Zigaretten. Diese waren in Osteuropa damals au├čerordentlich beliebt und kostbar. Eine Stange Camel-Zigaretten reichte aus, um die Freiheit einer j├╝dischen Familie zu sichern. W├Ąhrend Zigaretten das Leben vieler Menschen gef├Ąhrden, retteten sie mir ohne Zweifel das Leben, und das war ein Tag, an dem auch ich ÔÇ×meilenweit f├╝r eine CamelÔÇť gelaufen bin.

F├╝r die n├Ąchsten paar Stunden befanden wir uns im Niemandsland zwischen Polen und der Tschechoslowakei, bis der israelische Untergrund Kontakt mit uns aufnahm, uns zusammentrommelte, als Fu├čg├Ąngertrupp organisierte und uns dann in Richtung auf die ├Âsterreichische Grenze in Bewegung setzte. Auch hier war die Benutzung ├Âffentlicher Verkehrsmittel f├╝r uns gef├Ąhrlich, und so wanderten wir mehrere Wochen lang durch die tschechoslowakischen W├Ąlder. Einen Tag, bevor wir an der Grenze nach ├ľsterreich ankamen, war die Regierung der Tschechoslowakei gest├╝rzt worden, und die Kommunisten hatten die Macht ├╝bernommen. Sie l├Âsten sofort die tschechischen Grenzposten ab, die bereits vom israelischen Untergrund bestochen worden waren, und ersetzten sie durch russische Posten, mit denen es nat├╝rlich kein Abkommen gab. Die Israelis befahlen uns, still zu bleiben, w├Ąhrend sie zur Grenze gingen, um die Lage zu pr├╝fen. Sie erfuhren, da├č die Russen strengen Befehl hatten, niemanden durchzulassen mit Ausnahme von griechischen Staatsangeh├Ârigen, die aus deutschen Konzentrationslagern in ihre Heimat zur├╝ckkehrten. Als unsere Sp├Ąher in unser Versteck zur├╝ckkamen, ordneten sie an, da├č wir alles verbrennen sollten, was unseren Namen an sich trug. In dieser Nacht gingen unsere P├Ąsse, Geburtsurkunden und alles weitere mit unserem Namen in Flammen auf. Am n├Ąchsten Morgen wurden wir unterwiesen, als Griechen aufzutreten und zur Grenze mit ihren russischen Kontrollposten zu gehen. Niemand unter uns war Grieche, keiner sprach ein einziges Wort Griechisch … aber das konnten auch die Russen nicht! So konnten sie uns keine Fragen auf Griechisch stellen, und wir konnten ihnen auch nichts auf Griechisch antworten. Sie mu├čten einfach annehmen, da├č wir Griechen waren. Mit dieser L├╝ge ├╝berschritten wir alle die ├Âsterreichische Grenze, alle bis auf einen Mann vom israelischen Untergrund, der im allerletzten Moment noch erschossen wurde. Alle anderen aus der Gruppe kamen sicher ├╝ber die Grenze. Seitdem habe ich das Wort aus R├Âmer 1,16 in besonderer Weise auf mich anwenden k├Ânnen: Ich war zuerst ein Jude, aber dann auch ein Grieche – einen Tag lang!

Als wir in ├ľsterreich waren, ├╝bernahm uns die amerikanische Milit├Ąrpolizei vom israelischen Untergrund und geleitete uns durch ├ľsterreich nach Westdeutschland. Dort taten sie etwas, was sie damals lieber nicht h├Ątten tun sollen: Sie ├╝berstellten uns der britischen Milit├Ąrpolizei. Die Folge davon war, da├č wir die n├Ąchsten f├╝nf Jahre in Lagern f├╝r zwangsumgesiedelte Personen (Displaced Persons) in verschiedenen Gegenden Deutschlands zubringen mu├čten. Wir sollten nicht nach Pal├Ąstina auswandern, weil damals die Juden in Pal├Ąstina gegen die Engl├Ąnder um ihre Unabh├Ąngigkeit k├Ąmpften. Darum sorgten die Engl├Ąnder daf├╝r, da├č alle Juden, die ihnen in die H├Ąnde kamen, in solchen Lagern festgehalten wurden. So mu├čten wir von einem Ort zum anderen durch ganz Westdeutschland ziehen.

Ungef├Ąhr im Jahre 1948 trat etwas ein, was f├╝r mein Leben sehr gro├če Bedeutung erlangte. Wir verbrachten ein Jahr in einem D.P.-Lager in Ulm an der Donau, und hier geschah zweierlei, das einen Grundstein f├╝r mein sp├Ąteres Lebenswerk legte. Zum einen fing mein Vater an, mich das Alte Testament zu lehren. Er las mir aus seiner hebr├Ąischen Bibel vor und ├╝bersetzte dann den Inhalt, teils in Jiddisch, teils in Polnisch. Damit erweckte er in mir eine Liebe zur Bibel, die mich niemals mehr verlassen hat. Auch als wir von einem Lager ins andere kamen, fuhr er damit fort. Mein ganzes fr├╝hes Bibelwissen kam allein von ihm. Als ich f├╝nf oder sechs Jahre alt war, gab ich selbst meinen ersten Bibelunterricht und lehrte eine Gruppe j├╝discher Kinder, die mich unter einem Baum umringten. Alles, was ich dabei vortrug, war eine Wiederholung dessen, was ich von meinem Vater gelernt hatte. Aber das war immer noch mehr, als sie wu├čten. W├Ąhrend meines letzten Jahres in Deutschland besuchte ich dann eine j├╝dische Schule in einem der Lager und stellte fest, da├č ich den anderen weit voraus war.

Noch ein zweites geschah im Ulmer Lager. Damals wurde ich mit der Tatsache konfrontiert, da├č Jesus der Messias ist. In dem Lager arbeitete ein evangelischer Pfarrer, Theophil Burgstahler, mit seiner Tochter Hanna. Er war als Judenmissionar f├╝r die Schweizerische Evangelische Judenmission Basel t├Ątig. Seine haupts├Ąchliche Arbeit zu dieser Zeit bestand darin, die neu eintreffenden Fl├╝chtlinge aus den L├Ąndern hinter dem Eisernen Vorhang mit Kleidung und humanit├Ąrer Hilfe zu versorgen. Von ihm erhielten wir unsere ersten Kleidungsst├╝cke, seit wir in Westdeutschland waren. Ich wei├č nicht, in welcher Sprache die Gespr├Ąche mit ihm stattfanden, denn ich war daran nicht beteiligt. Aber als er h├Ârte, da├č wir beantragt hatten, nach Amerika auszuwandern, zog er eine Zeitschrift von einer amerikanischen Judenmissions-Gesellschaft hervor, Ausgabe vom Oktober 1949. Unten auf dem Titelblatt befand sich die New Yorker Adresse dieser Mission. Er ri├č das Titelblatt ab und gab es meiner Mutter mit der Bitte, sich in New York an diese Adresse zu wenden, wo man uns weiterhelfen k├Ânnte. Meine Mutter verstand nicht ganz, um was f├╝r eine Organisation es sich handelte, und nahm an, es sei eine Einrichtung, die j├╝dischen Einwanderern in Amerika helfen w├╝rde. Das war es in der Tat, aber es war noch etwas mehr als das, und als meine Mutter das merkte, war es bereits zu sp├Ąt, was mich betraf.

Nach f├╝nfj├Ąhriger Irrfahrt durch deutsche Lager erhielten wir 1951 endlich unsere Visa f├╝r die Auswanderung nach Amerika Da verlie├č die Familie Fruchtenbaum, die inzwischen um einen zweiten Sohn und eine Tochter angewachsen war, Westdeutschland und traf in New York ein. Sie siedelte sich in Brooklyn an und begann in den USA ein neues Leben.

New York

Sobald meine Mutter mit Brooklyn etwas vertraut war, nahm sie das Titelblatt der Zeitschrift, das sie jahrelang aufgehoben hatte, und fuhr mit der U-Bahn nach Manhattan. Sie fand die Adresse, die sie suchte, und begegnete im Hause jemandem von der Missionsverwaltung. Aber sie sprach kein Englisch, die Anwesenden konnten weder Polnisch, Russisch, Deutsch noch Jiddisch, und so gab es nur eine sehr schlechte Verst├Ąndigungsm├Âglichkeit. Man notierte sich ihre Anschrift und versprach, in K├╝rze mit ihr Verbindung aufzunehmen – was dann freilich erst sechs Jahre sp├Ąter tats├Ąchlich geschah.

W├Ąhrend dieser sechs Jahre lebte ich in einer rein j├╝dischen Welt. Der Teil von Brooklyn, in dem wir wohnten, war so j├╝disch, da├č, er von den benachbarten Nichtjuden ÔÇ×Klein-IsraelÔÇť genannt wurde. In den Bezirken ringsherum wohnten Schwarze, Italiener, Portoricaner und andere Nichtjuden, von denen sich die j├╝dische Gemeinde stark unterschied. Da die Schulen, die ich besuchte, zu 99 % j├╝disch waren, war mein Kontakt mit Nichtjuden oder Christen praktisch gleich Null. Mein Vater setzte seinen biblischen Unterricht f├╝r mich fort, aber das geschah immer seltener und h├Ârte schlie├člich ganz auf. Nat├╝rlich lastete auf ihm viel Druck als Vater einer Immigrantenfamilie, der f├╝r seine Frau und drei Kinder zu sorgen hatte und noch nicht Englisch sprechen konnte. Trotzdem lie├č meine Liebe zur Bibel nicht nach. Ich lernte weiter und hatte dazu viele Gelegenheiten in unserer sehr stabilen, j├╝dischen Umgebung in Brooklyn.

Nach sechs Jahren er├Âffnete die Judenmission, von der ich schon sprach, eine neue Missionsstation ungef├Ąhr eine Meile von unserer Wohnung entfernt. Irgendjemand im dortigen B├╝ro sah all die Unterlagen durch, die sich ├╝ber Jahre angesammelt hatten, und sortierte alle die Adressen aus, die sich in einem gewissen Umkreis um die Missionsstation befanden. Dann wurden Mitarbeiter ausgesandt, die uns besuchten und uns in die neue Station einluden. Nach kurzer Zeit kam jemand zu uns, und wir erhielten eine Einladung zu einer j├╝disch-christlichen Zusammenkunft. Als ich diese Bezeichnung zum erstenmal h├Ârte ÔÇô ÔÇ×j├╝disch-christlich“ -, dachte ich, das sei ein totaler Widerspruch der Begriffe. Man ist entweder ein Jude oder ein Christ, aber niemals beides. Jeder, der sich einen Juden und zugleich einen Christen nennt, hat etwas Schizophrenes an sich, tr├Ągt zwei Pers├Ânlichkeiten in einer.

Aber trotzdem war in mir die Neugier erwacht, und ich beschlo├č, am Abend des ersten Treffens hinzugehen. Ich ging hinein in den kleinen Versammlungsraum und setzte mich hin. Je mehr ich zuh├Ârte, umso ├Ąrgerlicher wurde ich. Es ber├╝hrte mich nicht, da├č hier Juden von Jesus sprachen; so viel hatte ich schon erwartet. Mich ├Ąrgerte vielmehr, da├č sie dazu unsere Bibel, den Tenach (das Alte Testament), benutzten. Ich war in dem Glauben erzogen worden, da├č wir Juden unsere Bibel und die Christen ihre eigene Bibel haben. Ihre Bibel sei das Neue Testament und handelt von ihrem Gott, der Jesus hei├čt, aber das setzt nicht voraus, da├č Jesus auch in unserer Bibel vorkommt. Hier aber waren Christen, die unsere Bibel benutzten. um von ihrem Jesus zu sprechen, und das ging mir geh├Ârig auf die Nerven. Fr├Ąulein Ruth Wardell, die mich zu dem Treffen eingeladen hatte, konnte sehen, wie ├Ąrgerlich ich war, und sie war so weise, nicht mit mir dar├╝ber zu streiten, sondern stattdessen forderte sie mich heraus.

Sie gab mir ein Neues Testament mit nach Hause und bat mich nachzusehen, ob nicht Jesus alles das getan hatte, was wir vom Messias erwarteten. Ich nahm das Neue Testament an, aber nicht weil ich daf├╝r offen war, sondern weil ich entschlossen war, diese Schizophrenie ein f├╝r allemal als falsch zu entlarven.

So nahm ich es mit nach Hause und fing zum erstenmal an, in einem Neuen Testament zu lesen. Je mehr ich darin las, umso mehr beeindruckte mich sein j├╝disches Wesen. Es war v├Âllig anders als das, was ich erwartet hatte. Von meinem Rabbiner war ich gelehrt worden, das Neue Testament sei ganz offensichtlich ein heidnisches Buch, das sich mit G├Âtzendienst befa├čt. Ich dachte, ich w├╝rde darin lesen von gro├čen Kirchen mit bunten Fenstern und feierlich gekleideten Priestern, die Weihrauchkessel schwenken, sich vor Heiligenbildern verneigen und dann den Leuten sagen: ÔÇ×Geht hin, und bringt in Jesu Namen die Juden um.ÔÇť Wir waren der Meinung, da├č das Verhalten der Christen in Europa und anderswo nur aus ihrer Bibel, aus dem Neuen Testament, stammen konnte.

Doch die ersten Worte in dem Buch lauten: ÔÇ×Dies ist das Buch von der Geschichte Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes AbrahamsÔÇť: Wie j├╝disch kann man denn noch sein? Je mehr ich darin las, desto j├╝discher wurde das Buch f├╝r mich. Da gab es Rabbinen, Pharis├Ąer, Leviten und j├╝dische, theologische Debatten, mit denen ich ganz vertraut war. Zu diesem Zeitpunkt war das Buch f├╝r mich nicht anders als andere j├╝dische B├╝cher, die ich kannte. Alles in dem Buch unterschied sich ganz und gar von dem, was ich mir vorgestellt hatte, und das reizte mich, darin immer weiter zu lesen. Bis ich dann das Neue Testament zu Ende gelesen hatte, war ich davon ├╝berzeugt. Wenn dieser Jesus nicht der Messias Israels war, dann gab es ├╝berhaupt keinen Messias; dann h├Ątten die Reformjuden die ganze Zeit ├╝ber recht gehabt, und wir orthodoxen Juden lebten in einer Traumwelt.

An diesem Punkt hatte ich die „erste Stufe“ erreicht. Es gibt viele Juden, die auf dieser Stufe ankommen; sie sind ├╝berzeugt, da├č Jesus der Messias ist, aber sie kommen nicht weiter als bis dahin. Sie wagen nicht den zweiten Schritt und nehmen Jesus nicht pers├Ânlich f├╝r sich an. Sie erlauben Ihm nicht, ihr Leben zu ├Ąndern, weil sie Angst haben, ihre Freunde, ihre Familie oder ihre berufliche Stellung zu verlieren, aus der Synagoge ausgeschlossen zu werden, und sie f├╝rchten sich, in eine fremde und unbekannte, heidnische Welt hinausgesto├čen zu werden. Auf j├╝dischen Friedh├Âfen gibt es Gr├Ąber, auf deren Grabstein Name und Geburtsdatum eines Juden stehen, und als Todestag ist das Datum angegeben, an dem dieser Jude Christ wurde.

All diese Gedanken und ├ängste gingen mir durch den Kopf, als ich zum zweitenmal zur Missionsstation ging. Diesmal war ich nicht mehr ├Ąrgerlich. Ich sa├č mit Fr├Ąulein Wardell zusammen, die mich zum erstenmal eingeladen hatte, und wir gingen miteinander das Alte und Neue Testament durch, von Anfang bis Ende und wieder zur├╝ck. Wir studierten die Bibel und besprachen alles, was sie ├╝ber den Messias lehrt. Ich wurde voll ├╝berzeugt, beugte mein Haupt, akzeptierte Jesus als meinen Messias und trat damit selbst in die Reihen der „SchizophrenenÔÇť ein. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wann ich meinem Vater zuerst von meinem neuen Glauben erz├Ąhlte, aber seine Reaktion war weder positiv noch negativ. Er dachte wohl, da├č er meine Entscheidung im zarten Alter von 13 Jahren noch nicht so ganz ernst nehmen konnte. Darum hatte er auch noch nichts dagegen, da├č ich in die messianischen Versammlungen ging.

Kalifornien

Ein Jahr sp├Ąter emigrierte unsere Familie von Brooklyn aus in das „richtige Amerika“ und zog um nach S├╝dkalifornien. Ich blieb die n├Ąchsten vier Jahre in Los Angeles, wo ich eine zu 80 % j├╝dische Oberschule besuchte. In dieser Zeit erlebte ich die Wahrheit der Worte Jesu, wie sie im Matth├Ąus-Evangelium (teilweise nach dem Propheten Micha zitiert) berichtet werden (Matth. 10,34-39):

ÔÇ×Ihr sollt nicht meinen, da├č ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist meiner nicht wert. Wer sein Leben findet, der wird’s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden.ÔÇť

W├Ąhrend der ganzen Zeit, die ich in Kalifornien war, stand mein Vater meinem christlichen Glauben mehr und mehr ablehnend gegen├╝ber, und seine Einstellung schien sich ebenso radikal zu ver├Ąndern, wie sich unsere geographische Lage ver├Ąndert hatte. Er verbot mir, zu j├╝dischen oder christlichen Versammlungen zu gehen. In den ersten beiden Jahren verbot er mir auch irgendetwas in der Bibel zu lesen, weder Altes noch Neues Testament, und so mu├čte ich es heimlich tun W├Ąhrend meine Eltern t├Ąglich von 9 bis 17 Uhr in seinem neu er├Âffneten Fotogesch├Ąft arbeiteten, ging ich zur Schule und hatte dort um 14 oder 15 Uhr Schlu├č. Dann ging ich schnell nach Hause und las die Bibel bis ich meine Eltern gegen 17.30 Uhr heimfahren h├Ârte und rasch meine biblischen Unterlagen beiseite r├Ąumte. Mein Vater lehnte mein Interesse an der Bibel und am Messias ab, obwohl er es ja gewesen war, der diesen Eifer einst geweckt hatte.

Schlie├člich h├Ârte er ganz auf, noch mit mir zu reden Das ganze letzte Jahr ├╝ber, als ich auf der Schule war, sprachen wir kein einziges Wort miteinander, und ich mu├čte mich dieser totalen Schweige-ÔÇťTherapie“ widerstandslos unterwerfen. So etwas war in der j├╝dischen Kultur, in der mein Vater aufgewachsen war, nicht unbekannt. Wir wohnten im selben Haus, a├čen am selben Tisch miteinander, aber zwischen uns wurde kein einziges Wort gewechselt. Etwa zwei Monate, bevor ich die Schule beendete, teilte er mir durch meine Mutter mit, da├č ich sein Haus nach meiner Abschlu├čpr├╝fung zu verlassen h├Ątte. Das gab eine neue Krise in meinem geistlichen Leben. Zu dieser Zeit war ich ungef├Ąhr vier Jahre lang gl├Ąubig. Ich hatte bereits viele Probleme um Jesu Christi willen in meinem Elternhaus gehabt, und jetzt wurde ich schlie├člich ganz hinausgeworfen. Damals las ich gerade den Philipperbrief, und ich fand Trost in dem Vers 4,19: „Mein Gott aber wird all eurem Mangel abhelfen nach seinem Reichtum in Herrlichkeit in Christus Jesus.“ Als ich von der Schule abging, hatte ich diesen Vers und 120 Dollar in meiner Tasche, die ich mir bei einem kleinen Job in einer lutherischen Kirche verdient hatte.

Zur├╝ck nach New York

Mein Vater hatte verlangt, da├č ich nicht nur sein Haus, sondern auch den Staat Kalifornien verlasse. Wenn es bekannt wurde, da├č ich ein Christ geworden war, dann konnte das sein Gesch├Ąft ruinieren. So machte ich meinen Oberschulabschlu├č im Jahre 1962 und ging zur├╝ck nach New York. Zwei Wochen brauchte ich, um quer durch Amerika von Los Angeles nach New York zu gelangen. Als ich ankam, hatte ich nur 17 Dollar aus meiner eigenen Tasche bezahlen m├╝ssen. Zum erstenmal hatte ich erlebt, wie Gott in einmaliger Weise mit mir auf jedem Schritt der Reise war und mir Mahlzeiten, Bett, Fahrgelegenheit oder was ich sonst noch n├Âtig hatte besorgte. Den Sommer ├╝ber arbeitete ich ohne Bezahlung in einem judenchristlichen Camp. Als der September herankam, war praktisch mein ganzes Geld ausgegeben, und ich hatte nur noch 20 Dollar bei mir.

Man hatte mich zur Ausbildung an einem christlichen College f├╝r Geisteswissenschaften in New Jersey aufgenommen. Das war eine private Schule, und die Geb├╝hren daf├╝r betrugen 2.000 Dollar im Jahr. Da konnte ich mit 20 Dollar nicht weit kommen (so viel sei f├╝r diejenigen gesagt, die behaupten, alle Juden sind reich). Ich hielt es daher f├╝r die beste Entscheidung. ein Jahr zu warten und so viel wie m├Âglich Geld zu verdienen. Dazu wollte ich nach New York City gehen, dort eine ganzt├Ągige Arbeit annehmen und m├Âglichst noch eine halbt├Ągige zus├Ątzlich, um dann jeden Pfennig auf die Seite legen und mein Studium ein Jahr sp├Ąter beginnen zu k├Ânnen. Das schien mir eine gl├Ąnzende Idee zu sein, aber Gott war davon nicht sehr beeindruckt. Er lie├č mir deswegen keine Ruhe, und schlie├člich zeigte Er mir, da├č ich das College sofort beginnen und Ihm die Sorge um die Geb├╝hren ├╝berlassen sollte.

Im September 1962 ging ich ins B├╝ro der Schule, lie├č mich f├╝r den Kursus eintragen und kam mit einer Rechnung ├╝ber 750 Dollar heraus, die nach vier Monaten zum Ende des ersten Semesters zu bezahlen war. Andernfalls h├Ątte ich mein Studium nicht fortsetzen d├╝rfen. Ich erinnere mich. wie ich den Korridor mit der Rechnung in der Hand entlang ging und betete: ÔÇ×Herr, Du hast mich veranla├čt, diesen Kursus anzufangen, und nun hast Du auch daf├╝r zu sorgen, da├č dieses Geld bis zum Tag der F├Ąlligkeit da ist.ÔÇť Als dann das erste Semester zu Ende ging, hatte Gott nicht nur f├╝r die 750 Dollar gesorgt, sondern das College schuldete mir noch Geld! Mein nichtj├╝discher Zimmergef├Ąhrte erfuhr davon, denn er befand sich an dem Tag im Schulb├╝ro. Er kam zu mir in die Cafeteria und sagte: ÔÇ×Junge, du bist wirklich ein richtiger Jude, nicht wahr?“

Bei sieben von den acht Semestern spielte sich dieselbe Geschichte ab. Immer am Semesteranfang schuldete ich die Bezahlung, und am Schlu├č schuldete das College mir Geld. Am Ende des achten und letzten Semesters ging alles gerade bis zum letzten Pfennig auf, und ich machte meine Abschlu├čpr├╝fung in 1966. Die Kursusgeb├╝hren waren nat├╝rlich nicht meine einzigen Kosten, ich mu├čte ja auch Kleidung, Lebensmittel, B├╝cher und anderes kaufen.

Damals habe ich es zu meiner Gewohnheit gemacht und bin bis heute dabei geblieben, niemals meinen Bedarf ├Âffentlich bekannt zu machen, auch nicht bei engen, pers├Ânlichen Freunden. Ich wollte sicherstellen, da├č mir niemand aus irgendeiner Art von Sympathie Geld gibt, sondern nur, weil ihn der Herr dazu bewegt hat. F├╝r die Dinge, die ich brauchte, habe ich immer privat gebetet, und der Herr hat sie mir immer verschafft. Stets ging das n├Âtige Geld ein, manchmal von Menschen, die ich bis heute nicht kennengelernt habe, die Tausende von Kilometern entfernt wohnten. Bis heute habe ich keine Ahnung, wie diese Leute von einem 1.62 m gro├čen, j├╝dischen Jungen geh├Ârt hatten, der da auf einem Campus in New Jersey herumlief – aber Gott sorgte stets f├╝r mich.

Einmal als ich schon zwei Jahre auf dem College war, reiste mein Vater zum Besuch nach Israel und auf der R├╝ckfahrt machte er Halt in New York, um mich zu besuchen. Als wir uns begegneten, bot er mir ein Auto an, die Bezahlung meiner College-Kosten und anderes, wenn ich meinen christlichen Glauben aufgeben wollte. Das konnte ich aber nicht tun. Trotzdem lud er mich f├╝r den Sommer nach Los Angeles ein. Ich fuhr hin und zun├Ąchst schien alles normal zu verlaufen. Aber bald danach machte er wieder seine negative Wendung zum totalen Schweigen. So ging es mit unseren Beziehungen st├Ąndig auf und ab. W├Ąhrend meiner College-Jahre in New York wurden in Kalifornien drei weitere Schwestern geboren, aber auch sie durfte ich monate- oder sogar jahrelang nicht sehen. Erst viele Jahre sp├Ąter normalisierte sich unser Verh├Ąltnis allm├Ąhlich.

Nachdem ich das Zeugnis von der Wahrheit in Matth. 10,35 abgelegt habe, wonach es eine Trennung geben wird zwischen einem Menschen und seinem Vater, m├Âchte ich auch die Wahrheit der Verhei├čung Jesu ├╝ber die Erstattung bezeugen (Markus 10,29-30):

ÔÇ×Jesus sprach: Wahrlich, ich sage euch: Es ist niemand, der Haus oder Br├╝der oder Schwestern oder Mutter oder Vater oder Kinder oder ├äcker verl├Ą├čt um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der nicht hundertfach empfange: jetzt in dieser Zeit H├Ąuser und Br├╝der und Schwestern und M├╝tter und Kinder und ├äcker mitten unter Verfolgungen – und in der zuk├╝nftigen Welt das ewige Leben.ÔÇť

Gem├Ą├č der Verhei├čung von Markus 10,30 gibt es in diesem Leben eine Erstattung f├╝r das, was wir durch den Glauben verloren haben. Nachdem ich von zuhause fortgegangen und ans College gegangen war, wurde ich von drei fremden Familien ÔÇ×adoptiertÔÇť. Das war keine rechtliche Adoption. aber sie geschah in jeder praktischen Hinsicht. Bis zum heutigen Tag nennen sie mich Sohn und ich nenne sie Mutter und Vater. Beim Abschlu├č des zweiten Semesters befanden sich drei Schl├╝ssel an meinem Schl├╝sselbund. Einer pa├čte zu einem Haus in Levittown, Long-Island, einer zu einem Haus in Washington D.C., und der dritte geh├Ârte zu einem Haus in Wildwood, New Jersey. Von jeder dieser Familien war ich als Familienangeh├Âriger akzeptiert, und wenn ich in ihre Umgebung kam, dann hatte ich die Erlaubnis, in ihre Wohnung zu kommen und mich dort zu Hause zu f├╝hlen, ob gerade jemand von ihnen anwesend war oder nicht. Bis heute nennen mich ihre S├Âhne und T├Âchter Bruder, und ich sage zu ihnen Bruder oder Schwester. Als ich das College abgeschlossen hatte, brachte die Familie in Wildwood, New Jersey, eine Annonce in die lokale Zeitung. Neben meinem Foto stand:

„Herr und Frau Charles Cattell geben den erfolgreichen Schulabschlu├č ihres Sohnes Arnold G. Fruchtenbaum bekannt.“ Ich kann der Wahrheit gem├Ą├č sage, da├č ich in diesem Leben mit V├Ątern, M├╝ttern, Br├╝dern, Schwestern und H├Ąusern versorgt wurde, genauso wie Jesus es verhei├čen hat.

Israel

Als ich das Studium am College beendet hatte, lie├č ich mich f├╝r ein spezielles Programm der Hebr├Ąischen Universit├Ąt in Jerusalem immatrikulieren, denn ich hatte schon lange den Wunsch gehabt, zum Studium nach Israel zu gehen. Der Kursus, an dem ich teilnehmen wollte, war ein Magisterstudium der Arch├Ąologie und der historischen Geographie, und er kostete 2.400 Dollar, zahlbar im voraus. Ich arbeitete den ganzen Sommer und sparte 800 Dollar, aber immer noch fehlten mir 1.600 Dollar. Zehn Tage, bevor ich den Flug nach Jerusalem buchen mu├čte, erhielt ich einen Brief von der Regierung der Vereinigten Staaten. Darin wurde mir mitgeteilt, da├č man entschieden hatte, mir einen verlorenen Zuschu├č (also den ich nicht zur├╝ckzahlen mu├čte) zu gew├Ąhren in H├Âhe von 1.624 Dollar – 24 Dollar mehr als ich brauchte, aber das war eben Regierungsb├╝rokratie. An diesen Zuschu├č war nur eine Bedingung gekn├╝pft: er war nur g├╝ltig f├╝r ein Studium an der Hebr├Ąischen Universit├Ąt in Jerusalem. Nat├╝rlich war ich ├╝bergl├╝cklich und mit dieser Bedingung einverstanden; den Brief habe ich bis heute aufgehoben Auf diese Weise war ich in der Lage, mein Studienjahr in Jerusalem zu absolvieren, und so wurde ich Augenzeuge des Sechstagekrieges im Jahre 1967. Als der Krieg ausbrach, wohnte ich nur vier H├Ąuserblocks von der jordanischen Grenze entfernt. Zwei Monate nach diesem Krieg kehrte ich in die USA zur├╝ck und ging auf das theologische Seminar in Dallas, wo ich f├╝r vier Jahre blieb. Nach dem ersten Jahr heiratete ich.

Mary Ann

Ich begegnete meiner Frau zum erstenmal sieben Jahre bevor wir heirateten. Bald darauf fing ich an, ihr den Hof zu machen. Sie war eine halsstarrige Person, und ich brauchte sieben Jahre, bis sie einwilligte, mich zu heiraten. Sieben Jahre – das bedeutet, ich arbeitete genauso hart f├╝r meine Frau, wie mein Vorfahr Jakob f├╝r seine Frau arbeiten mu├čte. Allein diese Tatsache beunruhigte mich sehr. Besonders besorgt war ich aber, weil meine Frau zwei Schwestern hat! In einer j├╝dischen Hochzeitsfeier ist die Ehe in dem Moment geschlossen, wenn der Br├Ąutigam ein Glas unter seinem linken Fu├č zertritt. Davor kann er noch seine Meinung ├Ąndern, aber wenn das Glas einmal zerbrochen ist, gibt es kein Zur├╝ck mehr. Als mein Freund das Glas unter meinen Fu├č schob, wagte ich einen raschen Blick hinter den Schleier, um auch wirklich sicher zu sein, da├č ich das richtige M├Ądchen heiratete, und erst dann trat ich auf das Glas. Wer die Geschichte von Jakob kennt (1. Mose 29,16-30), der wird verstehen, warum ich das tat!!

Ein Jahr nach unserer Heirat erkannten meine Frau und ich, da├č Gott uns wieder nach Israel f├╝hrte, und wir wollten sehen, welchen Dienst wir dort tun k├Ânnten Im Jahr nach dem Hochschulabschlu├č arbeiteten wir beide, um unseren Lebensunterhalt zu verdienen. Die wunderbare Versorgung, die wir bisher erlebt hatten, h├Ârte f├╝r diese Zeit auf. Als die Zeit f├╝r die Reise nach Israel herankam, in der wir gem├Ą├č den Visabeschr├Ąnkungen nicht arbeiten konnten, vertrauten wir erneut auf Gottes Versorgung. Auch diesmal machten wir dieselbe Erfahrung wie fr├╝her: Gott sandte uns alles, was wir brauchten, oft von v├Âllig unbekannten Leuten. Wir arbeiteten zwei Jahre lang in Israel, zuerst mit einer sehr kleinen Anzahl von Personen, und sp├Ąter er├Âffneten wir ein kleines Bibelinstitut f├╝r die Ausbildung von israelischen gl├Ąubigen Christen. Hier waren es etwa 25 Studenten, Israelis und Amerikaner, die sich dreimal w├Âchentlich bei uns trafen. Das ├Ąrgerte die ├Ârtlichen ÔÇ×Pharis├ĄerÔÇť. Sie beschwerten sich ├╝ber uns bei der Regierung, und eines Tages mu├čte ich im Innenministerium erscheinen. Man teilte mir mit, da├č ich keine Verl├Ąngerung meines Visums mehr beantragen k├Ânne, und ich wurde aufgefordert, das Land zu verlassen.

1973 kehrten wir wieder einmal in die USA zur├╝ck und gingen nach New York. Gott f├╝gte es so. da├č ich jetzt zwei Jahre lang der Herausgeber derselben Zeitschrift wurde, deren Titelblatt meine Mutter 1949 von dem Pfarrer in Deutschland erhalten hatte und das dann einen Ansto├č dazu gab, da├č ich zum Glauben kam. W├Ąhrend dieser zwei Jahre legte mir der Herr die Notwendigkeit einer neuen Art von j├╝discher Missionsarbeit aufs Herz, in der die Betonung sowohl auf Evangelisation als auch auf J├╝ngerschaft liegt. Aber ich begann damals noch nicht mit einer ganz neuen Arbeit, sondern gab einfach die bisherige auf, nachdem ich einen Ruf erhalten hatte, in einem Radio-Programm mit Namen ÔÇ×Die christlich-j├╝dische StundeÔÇť zu lehren. Wir zogen um nach San Antonio in Texas, und ich wurde f├╝r zwei Jahre ein Mitarbeiter im Rundfunk. Dieser Dienst fand auf 35 Radiostationen statt, die ├╝ber das ganze Land reichten. Viele H├Ârer nahmen mit mir Kontakt auf und ├Ąu├čerten ihren Wunsch nach einem Dienst, der gleicherweise Evangelisation und J├╝ngerschaft umschlie├čt. Und so kam es, da├č ich nach zwei Jahren diese Arbeit auch wieder verlie├č und 1977 ARIEL Ministries gr├╝ndete. Sieben Jahre lang blieben wir in San Antonio, dann zogen wir um nach Tustin in Orange County, S├╝dkalifornien, wo wir bis heute unseren Sitz haben.

Nachwort

W├Ąhrend meiner Reisen hatte ich jede Gelegenheit ergriffen, um mit dem evangelischen Pfarrer wieder Kontakt aufzunehmen, der meiner Mutter in Ulm die judenchristliche Zeitschrift gegeben hatte, durch die ich dann schlie├člich zum Messias gef├╝hrt wurde. Mehrere Male hatte ich deutsche Zuh├Ârer in meinen Klassen. Sie kamen nach Deutschland zur├╝ck und stellten Nachforschungen an f├╝r mich, aber alle schrieben dann, da├č sie erfolglos geblieben waren. So gab ich am Ende auf und dachte, da├č dieser Pfarrer nichts mehr erfahren w├╝rde von der Frucht seiner Arbeit, ehe wir alle einmal beim Herrn sein werden.

Au├čer meiner Lehrt├Ątigkeit habe ich auch mehrere B├╝cher geschrieben, darunter eines mit dem Titel „The Footsteps of the Messiah“ (Die Fu├čspuren des Messias). Zwei Jahre nach seiner Ver├Âffentlichung wurde es von einem deutschen Verleger gelesen. Es gefiel ihm, er lie├č es ins Deutsche ├╝bertragen und ver├Âffentlichte es unter dem Titel ÔÇ×Handbuch der biblischen Prophetie“ (bei Schulte & Gerth). Kurz darauf kaufte es in Deutschland ein Mann, der von mir nichts wu├čte, aber sich daf├╝r interessierte, was ein Judenchrist ├╝ber das Buch der Offenbarung zu sagen hat. Er zeigte seinen neuen Erwerb auch seiner Frau, und die las darauf den Namen des Verfassers, .Arnold Fruchtenbaum“. Sie schrieb mir einen Brief und erkl├Ąrte mir, da├č sie und ihr inzwischen verstorbener Vater nach dem Ende des letzten Weltkriegs in einem D.P.-Lager in Ulm mit einer Familie namens Fruchtenbaum zu tun hatten. Dann nannte sie alle Namen meiner Familienangeh├Ârigen, die sie damals kennengelernt hatte. Es stellte sich heraus, da├č ihr Vater wirklich der evangelische Pfarrer gewesen war, nach dem ich so lange gesucht hatte, und sie ist seine Tochter Hanna. Weil er nicht mehr lebte und sie durch ihre Heirat einen anderen Namen trug, war mein Suchen erfolglos geblieben. Im folgenden Jahr, 1985, unterbrachen wir in Deutschland unsere R├╝ckreise von Israel nach Amerika, um sie zu besuchen. Dabei erz├Ąhlte sie mir, da├č sie regelm├Ą├čig f├╝r meine Errettung gebetet hatte, seit sie uns im Jahre 1949 in Deutschland begegnet war. Ich kam 1957 zum Glauben und wurde errettet, aber das wu├čte sie ja nicht. So setzte sie ihre best├Ąndige F├╝rbitte fort bis in die achtziger Jahre, als sie endlich erfuhr, da├č ich gl├Ąubig geworden war. Das ist wahrlich ein Zeugnis von der Macht des treuen, anhaltenden Gebets.

Arnold G. Fruchtenbaum, San Antonio, Texas (www.ariel.org)

Anmerkung des ├ťbersetzers. Der wissensdurstige Mann mit dem Buch von Arnold Fruchtenbaum bin ich. Damals sprach ich in einer evangelischen, landeskirchlichen Gemeinschaft fortlaufend ├╝ber die Offenbarung. Da hat es mich nat├╝rlich interessiert, was ein Jude dazu meint. H├Ątte ich diesen Dienst nicht getan, so w├Ąre ich wahrscheinlich nicht an dieses Buch geraten, und die Verbindung mit Arnold w├Ąre nicht zustande gekommen. Und weil unser Herr das alles so gef├╝gt hat, habe ich es auch als eine selbstverst├Ąndliche Aufgabe angesehen, f├╝r die Verbreitung der ARIEL-Freundesbriefe usw. im deutschsprachigen Raum zu sorgen, so lange uns dazu die M├Âglichkeit geschenkt wird.

Manfred G. K├╝nstler

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Dienstag 19. Juli 2011 um 10:37 und abgelegt unter Christentum weltweit.