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50 Jahre Anti-Baby-Pille

Montag 27. Dezember 2010 von Aerztevereinigung St. Lukas e.V.


Aerztevereinigung St. Lukas e.V.

50 Jahre Anti-Baby-Pille ‚Äď einige √úberlegungen

Einleitung

Am 18. August 1960 kam die erste Anti-Baby-Pille in den USA und ein Jahr sp√§ter in Deutschland mit dem Namen ‚ÄěAnovlar‚Äú auf den Markt. Anfangs durfte sie nur verheirateten Frauen mit mehreren Kindern verordnet werden, denn vor- und au√üerehelicher Verkehr war damals noch keine Selbstverst√§ndlichkeit. 1967 nahmen bereits 13 Millionen Frauen weltweit die Pille ein. Heute nutzen 55% der 20- bis 44-j√§hrigen Frauen in Deutschland hormonale Verh√ľtungsmittel in Form der Pille zur Empf√§ngnisverh√ľtung.

Verschiedene Formen hormoneller Verh√ľtungsmittel

Besser w√§re es, von hormonellen Verh√ľtungsmitteln, oder auf lateinisch: Kontrazeptiva, als von der ‚ÄěPille‚Äú zu sprechen. Die Hormone, die zur Schwangerschaft verh√ľtenden Wirkung f√ľhren, k√∂nnen nicht nur in Tabletten-, sondern auch in anderen Anwendungsformen eingesetzt werden. Sie enthalten entweder die beiden Hormone √Ėstrogen und Gestagen oder ausschlie√ülich das Gelbk√∂rperhormon. Hinsichtlich beider Hormone stehen chemisch verschiedene Untergruppen mit unterschiedlichen Partialwirkungen zur Verf√ľgung, die schlussendlich auch unterschiedliche Nebenwirkungen haben k√∂nnen. Neben der Tablette gibt es Pflaster und Vaginalringe, Depotpr√§parate zur Injektion, Implantate sowie Intrauterinpessare (‚ÄěSpiralen‚Äú), die Gestagene lokal abgeben. In der sachlichen Diskussion √ľber Verh√ľtungsmittel sollte man immer im Hinterkopf haben, dass diese verschiedenen Formen existieren, die durchaus sehr unterschiedliche Nebenwirkungen haben. Pille ist also nicht gleich Pille!

Wie wirken hormonelle Verh√ľtungsmittel?

Das Wirkprinzip der ovariellen Suppression durch kontinuierliche Gabe von Sexualsteroiden lag der Idee hormoneller Verh√ľtungsmittel (in Analogie zur Schwangerschaft) urspr√ľnglich zugrunde. Starke Nebenwirkungen f√ľhrten im Laufe der Jahre zu Ver√§nderungen der Zusammensetzung in den hormonellen Kontrazeptiva. W√§hrend der √Ėstrogenanteil immer geringer wurde, gewann die Gestagenkomponente an zunehmender Bedeutung. Dadurch kamen, neben der Ovulationshemmung, weitere Wirkmechanismen zum Tragen. Vier Wirkungen sind den heutigen hormonellen Verh√ľtungsmittel eigen: 1. Sie hemmen die Ovulation und verhindern die Verf√ľgbarkeit einer befruchtungsf√§higen Eizelle; 2. Sie erh√∂hen die Viskosit√§t des Zervixschleims und hemmen damit die Aszension der Spermien; 3. Sie ver√§ndern die Zusammensetzung des Tubensekrets und hemmen die Tubenmotilit√§t, welche dem Embryotransport in die Geb√§rmutterh√∂hle dient; 4. Sie f√ľhren zur unvollkommenen Entwicklung von endometrialem Stroma und Dr√ľsen und zur unvollkommen sekretorischen Umwandlung des Endometriums mit der Folge der gest√∂rten Synchronisation der Implantation (sog. Nidationshemmung). Je nach Zusammensetzung der Pr√§parate tritt die eine oder andere Wirkung vorzugsweise ein; beispielsweise hemmen die reinen Gestagenpr√§parate und die √∂strogenarmen Pillen die Ovulation nicht immer, so dass die anderen genannten Wirkungen die hohe ‚ÄěZuverl√§ssigkeit‚Äú der Pr√§parate erm√∂glichen. Daraus ableitbar ist, dass fr√ľhstabortive Wirkungen durch den gest√∂rten tubaren Transport und die Nidationshemmung nicht auszuschlie√üen sind.

Warum ausgerechnet die Pille?

Kein anderes Verh√ľtungsmittel st√∂√üt auf soviel Wohlwollen bei den Verh√ľtungsbef√ľrwortern und soviel Ablehnung bei den Verh√ľtungsgegnern wie die ‚ÄěPille‚Äú. Man k√∂nnte zum Beispiel eine Kupferspirale viel vehementer kritisieren, denn sie wirkt wahrscheinlich sehr viel h√§ufiger fr√ľhabortiv. Auch eine Sterilisation als eine Organverletzung und irreversible Verh√ľtungsmethode w√§re an sich gleicherma√üen kritikw√ľrdig.

Was hat die ‚ÄěPille‚Äú denn so popul√§r gemacht?

Die Pille ist ein einfach anzuwendendes, gut vertr√§gliches und hochgradig sicheres Verh√ľtungsmittel. Sie macht die Frau reversibel unfruchtbar, ohne dass der Geschlechtsakt davon ber√ľhrt oder beeintr√§chtigt wird. Geschlechtsverkehr ist jederzeit ‚Äěbedenkenlos‚Äú m√∂glich (zumindest was die Weitergabe des Lebens betrifft). Die Kohabitation wurde ‚Äěbefreit‚Äú von ihrem eigentlichen Ziel. Mann und Frau sind befreit worden von ungewollter Elternschaft: eine neue, habituelle Freiheit, ganz gleich, ob Verkehr tats√§chlich stattfindet oder nicht. Bei der Verteidigung einer konservativen Moral ist die Tendenz gro√ü, sich bei einigen schwerwiegenden, aber insgesamt seltenen Nebenwirkungen der hormonellen Kontrazeptiva aufzuhalten und als Argumente dagegen zu verwenden: z.B. Thrombosegefahr mit m√∂glichem letalem Ausgang oder Lebersch√§den. F√ľr viele √Ąrzte und Frauen √ľberwiegt aber der Wunsch nach Verhinderung einer Schwangerschaft die Angst vor m√∂glichen Nebenwirkungen. Befindlichkeitsst√∂rungen, Gewichtszunahme, Kopfschmerzen etc. lassen sich oft durch einen Pr√§paratewechsel beheben, so dass aus diesem Grund auf hormonelle Verh√ľtungsmittel meist nicht verzichtet werden muss. Zudem stehen heute mit der Vielzahl der hormonellen Verh√ľtungsmittel auch risikobehafteten oder kranken Frauen medizinisch tolerable Formen zur Verf√ľgung.

Was ist also das aus moralischer Sicht -neben der Verh√ľtung als solcher- Problematische an der Pille?

Die seltenen, wenn auch schweren Nebenwirkungen? Sicher nicht! Das Problematische an den hormonellen Kontrazeptiva ist deren gute Vertr√§glichkeit und einfache, meist v√∂llig unproblematische Anwendung! Nur so konnten sie einen derartigen Siegeszug vornehmen. Nur durch ihre vielen guten Seiten ist ‚Äědie Pille‚Äú so popul√§r geworden, dass junge M√§dchen ein Leben ohne sie gar nicht mehr kennen. Fr√ľher, vor- und au√üerehelicher Geschlechtsverkehr ist nach 50 Jahren Pille Normalit√§t geworden. Aufgrund dieser Selbstverst√§ndlichkeit und Normalit√§t kommt niemand mehr auf den Gedanken, dass eine solche Sexualmoral den Menschen zutiefst von seinem Sch√∂pfergott, dem allein Guten, trennt.

Verändertes Sexualverhalten

Die Kohabitarche, also das Alter beim ersten Geschlechtsverkehr, lag 2001 bei 15,1 Jahren. 2002 gaben 35% der 14- bis 17-j√§hrigen M√§dchen und 31% der gleichaltrigen Jungen an, Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Minderj√§hrige brechen eine ungewollte Schwangerschaft h√§ufiger ab als alle anderen Altersgruppen: Im Jahr 2000 kamen sechs Abbr√ľche auf f√ľnf Geburten bei den unter 18-J√§hrigen. Jeder wird zustimmen, dass Minderj√§hrige m√∂glichst nicht schwanger werden sollen. Und hier ergibt sich schlie√ülich der Circulus vitiosus: Geschlechtsverkehr bei Jugendlichen erfordert eine sichere Verh√ľtung- und eine sichere Verh√ľtung f√∂rdert den Geschlechtsverkehr bei Jugendlichen! Einen wirklichen Ausweg schafft hier nur eine ver√§nderte Sexualerziehung mit Hinf√ľhrung zum Verzicht auf vorehelichen Verkehr. Doch wie soll das geschehen ohne Glauben, ohne gute Vorbilder und ohne Gottes Gnade? Der fr√ľhe Geschlechtsverkehr und die fr√ľh begonnene hormonelle Verh√ľtung hinterlassen, wenn in einer ganzen Population √ľblich, neben moralischen auch ganz nat√ľrliche, √§u√üerst bedenkenswerte Folgen. Die folgenden Ausf√ľhrungen sollen einige Beispiele nennen, die von gesundheitspolitischer Bedeutung in einer Population sind, jedoch nicht auf jeden Einzelfall zutreffen m√ľssen.

Demographische Folgen

Jeder kennt die Alterspyramide, die hin zu h√∂heren Altersklassen immer breiter wird. Alle fragen sich, aus welcher Quelle die heutige Jugend die Renten der immer √Ąlteren bezahlen soll. 1964 wird als das Jahr des Baby-Booms mit 1,36 Millionen Geburten in Deutschland bezeichnet. Die Bundeszentrale f√ľr politische Bildung schreibt im Jahr 2008: ‚ÄěDurch die Verbreitung der Anti-Baby-Pille und der ver√§nderten Einstellung zur Familie nahm die Zahl der Geburten seit Mitte der 60-er Jahre ab. 2006 wurden in Deutschland 672 724 Kinder geboren, was die niedrigste Geburtenzahl seit dem 2. Weltkrieg bedeutet. ¬†Durch die steigende Lebenserwartung gibt es zus√§tzlich immer mehr √§ltere Menschen. Seit den 1980er-Jahren besteht in Deutschland ein √úberschuss der Gestorbenen: w√§hrend fr√ľher mehr Menschen geboren wurden als starben, sterben nun mehr als geboren werden. Dieser √úberschuss der Gestorbenen steigt seit 1996 j√§hrlich an. Zus√§tzlich verringert sich der prozentuale Anteil der J√ľngeren: Hochrechnungen ermittelten, dass im Jahr 2050 der Anteil der unter 20-J√§hrigen nur noch bei 15,4% liegt, w√§hrend 1970 noch 30% der Menschen in der BRD unter 20 Jahre alt waren. 2005 waren es 20%. Frauen geb√§ren heute nicht nur weniger Kinder pro Frau, sondern es steigt auch der Anteil der kinderlosen Frauen stark an. 2003 waren 10,1% der 1940 Geborenen, also der 63-j√§hrigen Frauen kinderlos, w√§hrend in der Altersklasse der 1960 Geborenen, also der 43-j√§hrigen Frauen, 23,3% kinderlos waren. Die 1940 Geborenen hatten 2003 noch zu 27% drei oder mehr Kinder, w√§hrend die 1960 Geborenen nur noch zu 17,8% drei oder mehr Kinder hatten. Im Jahr 1970 waren 25,1 % aller Haushalte Einzelhaushalte, 2006 waren 38,8% der Haushalte Einzelhaushalte. 1970 lag der Anteil von Haushalten mit vier oder mehr Personen bei 28,1%, 2006 nur noch bei 14%. 2006 waren (gerundet) 22 Millionen Personen in Deutschland Eltern, w√§hrend 23 Millionen in kinderloser Partnerschaft lebten. 17 Millionen Deutsche waren 2006 alleinstehend. Die M√∂glichkeit der Empf√§ngnisverh√ľtung allein begr√ľndet aber nicht ausreichend die demographischen Ver√§nderungen und kann nicht als unabh√§ngiger Faktor betrachtet werden: ‚ÄěDas generative Verhalten ist [‚Ķ] von verschiedenen Faktoren abh√§ngig. Zum Beispiel vom Wandel der Lebensformen, von ver√§nderten Einstellungen zur Sexualit√§t, den M√∂glichkeiten der Empf√§ngnisverh√ľtung, der Erwerbst√§tigkeit von Frauen und/oder von den finanziellen Voraussetzungen f√ľr ein Leben mit Kindern. Welchen Faktoren hierbei eine besondere Bedeutung zukommt, ist politisch, aber auch wissenschaftlich umstritten‚Äú (Bundeszentrale f√ľr politische Bildung 2008).

Pille und Unfruchtbarkeit sowie weitere Folgen

Ein ganz anderes Problem belastet heute viele, genauer 15-20% aller Paare in Deutschland: die ungewollte Kinderlosigkeit. 300 000 Paare nehmen¬† j√§hrlich in Deutschland reproduktionsmedizinische Behandlungen in Anspruch. Die Gr√ľnde f√ľr die Sterilit√§t sind nur teilweise erforscht, und insbesondere der steigende Anteil m√§nnlicher Fertilit√§tsst√∂rungen ist weitgehend wissenschaftlich ungekl√§rt. Infektionen und Umweltfaktoren werden vermutet. M√∂glicherweise beeinflusst das Vorhandensein von Sexualsteroiden im Trinkwasser, z.B. durch die Ausscheidung des ‚ÄěPillen√∂strogens‚Äú Ethinylestradiol, die m√§nnliche Fruchtbarkeit. Diese Vermutung beruht auf Ver√§nderungen der Fortpflanzungsorgane von Fischen, welche an Zufl√ľssen von Kl√§ranlagen angesiedelt sind. Der Beweis einer Beeintr√§chtigung der menschlichen m√§nnlichen Fruchtbarkeit bleibt aber noch Gegenstand weiterer Forschungen. Im Volksmund kursiert auch die Vermutung, die Pille mache die Frauen unfruchtbar. Wissenschaftliche Erhebungen zeigen jedoch, dass nach Absetzen der Pille (kombinierte Pille) die Schwangerschaftsraten nach sechs und 12 Monaten nicht niedriger sind als bei Frauen, die die nat√ľrliche Empf√§ngnisregelung angewendet haben. Die Pille als solche macht also nicht unfruchtbar. Langj√§hrige Verh√ľtung f√ľhrt aber zu einem anderen Ph√§nomen: die Familienplanung wird in ein h√∂heres Lebensalter verschoben. Dieser Faktor als solcher f√ľhrt zu einer Verringerung der Fruchtbarkeit: W√§hrend 19- bis 25-j√§hrige Frauen pro Monat eine 30%-ige Wahrscheinlichkeit f√ľr eine Empf√§ngnis haben, betr√§gt diese bei den 36- bis 39-j√§hrigen Frauen nur noch 21%, bei den 40-J√§hrigen 18%, bei den 43-J√§hrigen 6% und bei den 44-J√§hrigen 3%. Nach Daten des deutschen IVF (In-vitro-Fertilisation)-Registers betragen die Schwangerschaftsraten pro Embryotransfer (√úbertragung von Embryonen, welche durch k√ľnstliche Befruchtung gezeigt wurden) 30% bei den unter 30-J√§hrigen, 21% bei den 36- bis 40-J√§hrigen¬† und nur 9% bei den √ľber 40-J√§hrigen. Das Alter der Frau ist ein entscheidender Faktor f√ľr die Fruchtbarkeit. Es wird bei einer Verlagerung der Familienplanung in h√∂here Altersklassen automatisch mehr unfruchtbare Paare geben. Dazu kommen noch viele weitere Faktoren, wie z.B. Infektionen, die sich im Laufe des Sexuallebens manifestieren und die Fruchtbarkeit reduzieren. Beispielhaft seien die Chlamydieninfektionen genannt, die durch sexuellen Kontakt √ľbertragen werden. Bei einem Drittel der unfruchtbaren Frauen gelten sie als hierf√ľr mitverursachend. Oftmals laufen Chlamydieninfektionen ohne relevante Beschwerden ab, f√ľhren aber zum Tubenverschluss und zerst√∂ren damit die Fertilit√§t. Chlamydien erh√∂hen auch das Risiko einer Fehl- und Fr√ľhgeburten und verursachen konnatale Infektionen. Aus diesem Grund ist die Untersuchung auf Chlamydieninfektion in der Schwangerschaft seit 1995 Bestandteil der Mutterschaftsrichtlinien. Der Altersgipfel von Chlamydieninfektionen liegt bei 26 Jahren und die Pr√§valenz korreliert mit der Anzahl der Sexualpartner innerhalb von f√ľnf Jahren. Realistischerweise muss man anerkennen, dass der h√§ufige Partnerwechsel, welcher fast eine logische Konsequenz der fr√ľhen Kohabitationen ist, die hohe Chlamydienpr√§valenz in der genannten Altersklasse bedingt.

Eine weitere, sexuell √ľbertragbare Erkrankung ist die Infektion mit HPV (humanes Papilloma-Virus). Die Infektionsrate sexuell aktiver Menschen liegt bei bis zu 90%, wobei die Viren √ľber viele Jahre im K√∂rper persistieren k√∂nnen. In den meisten F√§llen √ľberwindet das Immunsystem das Virus und die Infektion bleibt unbemerkt. In einigen F√§llen treten jedoch Feigwarzen oder ‚Äď weitaus schlimmer ‚Äď Pr√§kanzerosen und Krebserkrankungen auf. Das Virus wird √ľber Schleimhautkontakte √ľbertragen und kann sowohl bei der Frau als auch beim Mann den Genitaltrakt an verschiedenen Stellen befallen, so dass auch Pr√§servative keinen zuverl√§ssigen Schutz bedeuten. Auch wenn die heutige Krebsvorsorge und neuerdings, nach aktueller Datenlage, die HPV-Impfung, effektive Ma√ünahmen gegen HPV-Infektionen und ihre Folgen darstellen, w√§re der Verzicht auf mehrere Sexualpartner und fr√ľhe sexuelle Kontakte eine simple Bek√§mpfungsmethode gegen die Volkskrankheit HPV. Wenn man eine ge√§nderte Sexualmoral angesichts der heutigen Situation im gro√üen Stil nicht einfach erm√∂glichen kann, so gilt im Individualfall umso mehr, dass ein effektiver Schutz vor sexuell √ľbertragbaren Erkrankungen m√∂glich ist, z.B. bei gelebter katholischer Sexualmoral beider Partner.

Ein weiterer, auch wissenschaftlich umstrittener Punkt, ist der Zusammenhang von hormonellen Verh√ľtungsmitteln und dem Brustkrebsrisiko. Hier muss zuerst festgehalten werden, dass es viele bekannte Risikofaktoren f√ľr eine Brustkrebserkrankung gibt, die nicht alle gleichzeitig im Einzelfall zutreffen werden: z.B. hohes Alter, √úbergewicht, genetisches Risiko oder Kinderlosigkeit. Hinsichtlich der Kontrazeption werden nie die wissenschaftlich h√∂chstwertigen Studien, die placebokontrollierten Studien, durchgef√ľhrt werden k√∂nnen. Die bisherigen Beobachtungsstudien zeigten jedoch, dass insbesondere die mehrj√§hrige Einnahme der Pille vor der ersten ausgetragenen Schwangerschaft mit einem erh√∂hten Brustkrebsrisiko einhergeht. Erkl√§rbar ist dies z.B. dadurch, dass durch eine Schwangerschaft und durch das Stillen das Mammaepithel weiter ausdifferenziert und damit gegen√ľber Kanzerogenen weniger vulnerabel reagiet. Sexualsteroide f√∂rdern als Proliferationsfaktoren das Wachstum von Mammaepithelzellen und k√∂nnen Mitosen und Mutationen fixieren. Auch k√∂nnen √Ėstrogene und ihre Metabolite selbst mutagen wirken.

Zusammenfassung

Die neue, heutige Sexualmoral ben√∂tigt eine sichere Verh√ľtung, welche die hormonellen Verh√ľtungsmittel erm√∂glichen. Diese Kontrazeptiva haben die √Ąnderung der Sexualmoral erst erlaubt. Professor Th√ľrkauf, Philosoph und Naturwissenschaftler, hinterlie√ü uns zu diesem Punkt folgende Gedanken: Werden die Naturgesetze verletzt und es geschieht folglich ein Ungl√ľck, so wundert man sich nicht und zieht den Schuldigen zur Verantwortung: baut ein Statiker eine Br√ľcke und h√§lt sich nicht an die statischen Gesetze, wird man ihm die Schuld zuschieben, wenn die Br√ľcke einst√ľrzt. Neben den Naturgesetzen hat Gott uns aber auch moralische Gesetze, Gesetze der Liebe, gegeben: es sind dies seine Gebote. Werden diese Gesetze missachtet, d√ľrfen wir uns nicht wundern, wenn moralische Katastrophen resultieren. Und wer ist dann daf√ľr verantwortlich ‚Ķ?! Auch wenn man den Satz ‚ÄěDie Gnade baut auf der Natur‚Äú nicht einfach umdrehen kann, so k√∂nnte dennoch der Umkehrschluss gezogen werden, dass eine Missachtung der gottgewollten Ordnung auch im Bereich des rein K√∂rperlichen zu ‚Äěunnat√ľrlichen‚Äú und damit ‚Äěverkehrten, √ľbersetzt: perversen‚Äú Zust√§nden f√ľhrt. Im Kontext der hormonellen Verh√ľtungsmittel werden gerade diese wertvollen weiblichen Hormone, √Ėstrogen und Gestagen, welche eine wesentliche Bedeutung f√ľr die weibliche Fertilit√§t haben, der Frau in unnat√ľrlicher Zusammensetzung zugef√ľhrt. Es entsteht eine Verkehrung der hormonellen Funktion: Dasselbe, was Fruchtbarkeit ausmacht, l√∂scht sie nun aus. Dies f√ľhrt auf allen Ebenen zu unphysiologischen Zust√§nden: Konfrontation im fr√ľhen Adoleszentenalter mit hochpotenten Hormonpr√§paraten und vielerlei ableitbaren k√∂rperlichen und psychischen Folgen, fr√ľher und h√§ufiger Geschlechtsverkehr, mehrere Geschlechtspartner, eintretende Infektionen mit nachfolgender Fertilit√§tsst√∂rungen, Verschieben der ersten Schwangerschaft in ein h√∂heres Lebensalter mit geburts- und reproduktionsmedizinischen Nachteilen. Nicht ohne Folgen bleibt auch, wenn im ‚Äěbesten Alter‚Äú eine Schwangerschaft ausbleibt. So hat eine z.B. ausgetragene Schwangerschaft vor dem 35. Lebensjahr einen vor Brustkrebs sch√ľtzenden Effekt. Ohne eine Erkl√§rung der gottgewollten Ordnung durch die Kirche und ihre Vertreter, werden aber weder die Mediziner noch die Bev√∂lkerungsforscher noch die √Ėkotoxikologen ein breitfl√§chiges Umdenken erzielen k√∂nnen. W√ľnschenswert und ein L√∂sungsansatz k√∂nnte eine enge Kooperation von Theologen, Medizinern und Naturwissenschaftlern sein, um heute und auf allen Ebenen den Menschen wieder zu helfen, Gottes Sch√∂pfungsidee zu erkennen und Gott als die Quelle alles Guten zu lieben.

Literatur bei der √Ąrztevereinigung St. Lukas e.V., Postfach 10 01 29, 45001 Essen, E-Mail: info@kathmed.de

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 27. Dezember 2010 um 17:14 und abgelegt unter Demographie, Medizinische Ethik, Sexualethik.