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Die missbrauchte Republik

Mittwoch 1. Dezember 2010 von Administrator


Rezension: Andreas SpĂ€th, Menno Aden (Hrsg.), Die missbrauchte Republik – AufklĂ€rung ĂŒber die AufklĂ€rer

Zum Missbrauchs-Thema, das anno 2010 publizistisch und politisch breit thematisiert wurde, haben Andreas SpĂ€th und Menno Aden eine kleine, kompakte Sammlung von AufsĂ€tzen samt einer soliden Dokumentation herausgegeben. Zehn renommierte Autoren verschiedener, ineinander- und ĂŒbergreifender Lebensfelder (Journalismus/ Publizistik, Psychotherapie, den Kirchen, Soziologie, Erziehungswissenschaften/ PĂ€dagogik, Philosophie) nehmen das Thema sexueller Missbrauch“ als gesamtgesellschaftliches PhĂ€nomen in den Blick. In der Aufsatz-Palette kommen – ungeschminkt und ohne falsche politische RĂŒcksichtnahmen – ĂŒble Sachverhalte und politisch-zeitgeschichtliche ZusammenhĂ€nge zur Sprache, die seit Jahrzehnten hĂ€ufig verdrĂ€ngt wurden. Auch letzteres PhĂ€nomen ist mit dokumentiert.

Abgesehen von den nĂŒchternen, sachkundig aufklĂ€renden AufsatzbeitrĂ€gen (55 S.) ist der umfangreichere Dokumentationsteil (85 S.) zu wĂŒrdigen. Selbst lebenserfahrenen Lesern stockt neu der Atem, wenn sie anhand dieser Zusammenschau sehen, welche kulturell-ideologischen und politischen KrĂ€fte seit Jahrzehnten am Missbrauch von Kindern und Jugendlichen – sei es einfĂŒhlsam“ oder rĂŒcksichtslos – mitgewirkt und ihn interessengeleitet und zielstrebig auf den Weg gebracht haben.

Das Geleitwort des Mitherausgebers Prof. Menno Aden bringt die konstruktiven Zielanliegen des Bandes klar zur Sprache. Die ĂŒbersichtliche Gliederung des Buches (leider ohne Seitenangaben im Inhaltsverzeichnis), die Kurzvitae der Autoren, das hilfreiche Personen- und Sachregister und nicht zuletzt die Schlussbetrachtung des Philosophen Prof. Dr. Harald Seubert zeigen: hier wurde nicht ein journalistischer Schnellschuss publiziert, sondern ein wertvolles Sachbuch von bleibendem Wert und mit politisch relevanten Grundaussagen.

Der Band ist eine PflichtlektĂŒre und ein herausfordernd-erschĂŒtterndes Vademecum“ fĂŒr VerantwortungstrĂ€ger aller Art, die mit Jugendlichen und Erwachsenen im Erziehungsbereich zu tun haben. Nicht nur Eltern und Lehrer, sondern auch reife Jugendliche (Oberstufen-Alter) dĂŒrften von dieser Publikation profitieren. Der Band könnte ein Dauerbrenner werden, wenn sich viele Menschen aufraffen und bereit werden, sich unangenehmen RealitĂ€ten zu stellen.

Betroffene, die auf Missbrauchserfahrungen zurĂŒckblicken, werden – wenn sie ĂŒberhaupt die Kraft haben, sich diese LektĂŒre zuzumuten – beschĂ€mt und dankbar reagieren: sie werden mit vertiefender Information bedacht und erkennen in diesem versierten kleinen Handbuch den entschiedenen Willen, dem Treiben auf den Grund zu gehen und ihm – weitmöglichst – ein Ende zu bereiten. Die Szene der TĂ€ter und ihrer Sympathisanten wird auf diese sorgfĂ€ltig recherchierte, kompakte Darstellung wĂŒtend reagieren oder aus taktischen GrĂŒnden wohl eher schweigen wollen. Ein bloßes Wegsehen und vorsĂ€tzliches Verschweigen aber wird fortan dank dieser vielfach erschĂŒtternden Publikation nicht mehr so einfach möglich sein.

Es geht nicht nur um Aufarbeitung von gegenwartswirksamer Vergangenheit, sondern auch um Überwindung der kontinuierlichen Zersetzung unserer gesellschaftlichen Basisstrukturen. Die junge und die kommende Generation darf als Ganze nicht lĂ€nger zum Missbrauchsopfer von narzisstischen, dekadenten Lebensinteressen werden, sondern soll in einer rundum und dauerhaft wĂŒrdigen und lebensfreundlichen Alltagswelt aufwachsen können. In der Quintessenz ist dieses Buch eine eindringliche Mahnung und Herausforderung an die Politik, sich nicht mit einer strafrechtlichen BewĂ€ltigung des Missbrauchs zufrieden zu geben, sondern die Weichen in unserer Gesellschaft fĂŒr eine kĂŒnftig gesunde Entwicklung der jungen Generation zu stellen.

Rolf-Alexander Thieke, Pfarrer und Religionslehrer i.R., Berlin, 27.11.2010

Andreas SpĂ€th, Menno Aden (Hrsg.), Die missbrauchte Republik – AufklĂ€rung ĂŒber die AufklĂ€rer, Verlag Inspiration Un Limited, Hamburg/London, Okt. 2010, 165 Seiten, 11,80 € , ISBN 978-3-9812110-2-3.

Das Buch kann hier bestellt werden.

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 1. Dezember 2010 um 10:23 und abgelegt unter Buchempfehlungen, Rezensionen, Sexualethik.