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Der gewollte Kulturbruch – Ideologie und Strategie der Schwulenbewegung

Mittwoch 8. Dezember 2004 von Pfr. Rolf-Alexander Thieke


Pfr. Rolf-Alexander Thieke

Der gewollte Kulturbruch – Ideologie und Strategie
der Schwulenbewegung

Die überrumpelte Gesellschaft

Im Februar 2001 bekannte sich der Badische Landesbischof Dr. Ulrich Fischer zu einer Kritik an der aufgezwungenen Debatte über Homosexualität.[1] Er mahnte: „Wir dürfen uns als Kirche nicht von der Schwulenbewegung instrumentalisieren lassen.“ Schon Monate vor dem Beschluß des Bundestags zum „Lebenspartnerschaftsgesetz“ zog er Bilanz: Die Aufmerksamkeit für die Frage, wie die Kirche zu homosexuellen Partnerschaften stehe, sei „unverhältnismäßig“. Faktisch werde die Kirche von den Schwulen- und Lesbengruppen für die Propagierung ihrer Lebensweisen („Lebensformen“) instrumentalisiert. Die Mißachtung von Ehe und Familie in unserer Gesellschaft fänden demgegenüber weit weniger Beachtung. Tatsächlich gleicht die machtvolle politische und publizistische Einflußnahme der internationalen Schwulenbewegung einer „Erfolgsstory“. Noel Mosen aus Neuseeland, ein langjähriger Insider und internationaler Aktivist der Schwulenbewegung, der sich inzwischen aus dieser gelöst hat, weiß, wovon er spricht. Er stellte bei seinem Deutschland-Besuch im Oktober 1994 fest. „Die politisch-emanzipatorische Schwulen-Bewegung (Gay Liberation Movement) ist ihren Kinderschuhen seit den Stonewall-Unruhen vom Juni 1969 längst entwachsen. Aus einer Gruppe von zornigen Männern … ist in den letzten 25 Jahren eine gut organisierte, leidenschaftliche und sich in der Öffentlichkeit hervorragend darstellende politische Bewegung unserer Zeit geworden. Es gibt nur wenige politische Bewegungen, die sich ähnlich schnell entwickelt haben. Die politisch-emanzipatorische Schwulen-Bewegung wird heute unterstützt von einflußreichen Rechtsanwälten, Psychologen und Geschäftsleuten. Nur wenige Politiker wagen es, sich ihr öffentlich entgegenzustellen. Es ist ihr gelungen, die schwulen Rechte als Menschenrechtsprobleme darzustellen und in der ganzen Welt Gesetze, politische Grundsätze und sogar Politiker zu beeinflussen.[2]

Die Altlast und Eigendynamik verweigerter Hilfeleistung

Teile der evangelischen Kirche scheinen besonders anfällig zu sein. Hierbei wirkt ein Gewissensurteil nach, das zunächst gute Gründe für sich hat: in der Vergangenheit ist die Kirche oft genug durch Unkenntnis und Unverständnis, durch Gleichgültigkeit oder Überheblichkeit an der Ablehnung von Menschen schuldig geworden, die zutiefst persönliche Zuwendung brauchten. Eine ehrliche und selbstkritische Haltung ist unter Christen durchaus angebracht. Allerdings sind heute viele dabei, genau „auf der anderen Seite vom Pferd zu fallen“: sie liefern sich, gleichsam stellvertretend für frühere Generationen, blind einem kollektiven schlechten Gewissen aus. Damit machen sie sich erpreßbar für ganz neue Irrwege des Denkens und Handelns. Die eigentliche Aufgabe hingegen, die sich für die Kirche und insbesondere für die in der Seelsorge tätigen Mitarbeiter stellt, wird kaum erkannt. Sie besteht darin, theologische und humanwissenschaftliche Einsichten miteinander ins Gespräch zu bringen und alle soliden Bemühungen zu unterstützen und zu stärken, mit denen seelsorgerlich qualifizierte Hilfe angeboten wird. Heute aber ist die historische Paradoxie komplett: immer noch scheinen wir als Kirche aus den pastoralen Versäumnissen der Vergangenheit nicht ernsthaft gelernt zu haben. Stattdessen werden wir auf neue Weise schuldig, weil wir den historisch-kulturellen Kontext unserer heutigen, nunmehr neuen Situation nicht klar genug sehen.[3]

Von wissenschaftlichen Bemühungen und humanitären Interessen zu einer ideologischen Bewegung

 Viele Menschen, soweit sie sich überhaupt für die Nöte Betroffener interessieren, leben in der Vorstellung, die heutige Lesben- und Schwulenbewegung vertrete noch immer legitime wissenschaftliche und humanitäre Anliegen vom Ende des 19. Jahrhunderts. Diese Annahme ist eine Täuschung. Sie übersieht Entwicklungen, die sich, ausgehend von den USA, im 20. Jahrhundert vollzogen haben. Es sind Vorgänge, die auch Deutschland vor neue, bislang unbekannte sozial­ethische, politische und therapeutisch-pastorale Herausforderungen stellen. Dies gilt auch für die Kirchen. Im Zeichen des Aufbruchs medizinischer Forschung im 19. Jahrhundert waren die Begründer der modernen wissenschaftlichen Forschung zur Homosexualität daran interessiert, zu einem vertieften, meist medizinischen Verständnis homosexueller Gefühlswelten und Verhaltensweisen zu kommen. Von daher ging es ihnen auch darum, gesellschaftliche Vorurteile und persönliche Diskriminierungen abzubauen. Zusammen mit anderen Betroffenen und wissenschaftlich interessierten Gesprächspartnern gründete der Berliner Arzt Dr. Magnus Hirschfeld im Mai 1897 das „Wissenschaftlich humanitäre Komitee“ (WhK) mit dem Ziel, politisch aktiv zu werden. Man wollte die Streichung von entsprechenden Strafbestimmungen im Strafgesetzbuch erreichen und gegen „die gesetzliche und gesellschaftliche Ächtung Homosexueller“ angehen.[4] Durch die NS-Herrschaft wurden in Deutschland die verschiedenen wissenschaftlichen Diskussionsansätze und die publizistischen Versuche der Homosexuellenbewegung, sich in der breiten Öffentlichkeit Aufmerksamkeit und Ansehen zu erwerben, schlagartig und brutal unterbunden. Im internationalen Bereich hingegen vernetzten sich die Beziehungen Betroffener durch wachsende Initiativen in der Schweiz, in den Niederlanden, in Skandinavien, in England und in den USA. Allen diesen Entwicklungen und Gruppierungen haftete dabei noch der Charakter von exotischen, ggf. künstlerischen Sondergruppen an, die eher speziellen, sehr persönlichen Interessen verpflichtet waren. Dies sollte sich erst Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre in den USA ändern. In diesen Jahren entwickelten sich in den USA die bekannten politischen Bewegungen. Im Kampf um die Bürgerrechte der Schwarzen, gegen den Vietnamkrieg und für Rechte der amerikanischen Frauenbewegung wurden neue Methoden des Protests und der politischen Einflußnahme eingeübt. Unter diesem Eindruck mutierte die Homosexuellenbewegung zur „Gay Liberation Movement“, zur „Schwulen Befreiungsbewegung“. Fortan ging es nicht mehr um ein vertieftes wissenschaftliches Bemühen zum Verstehen von Homosexualität und nicht mehr nur um Überwindung von persönlicher Diskriminierung oder Verständnislosigkeit in der Gesellschaft. Nunmehr sollte es vielmehr darum gehen, mit Mitteln der Macht für die eigene erotisch-sexuelle Interessenlage und für eine radikale Veränderung der Gesellschaft zu kämpfen.[5] In dieser veränderten Gesellschaft sollten homosexuelle Lebensstile gleichwertig neben allen anderen Möglichkeiten des Lebens stehen. Geplant ist seither die konsequente Beseitigung der gesellschaftlichen Normvorstellung, daß Mann und Frau in ihrer Geschlechtlichkeit einander zugeordnet sind. An die Stelle des Grundmusters von den zwei Geschlechtern soll jetzt im gesellschaftlichen Zusammenleben ein individualistisches Lebenskonzept treten. Hier kann und soll schließlich jeder selber darüber entscheiden, welche sexuelle Identität er sich „wählt.[6] Wie weit die Einflußnahme der Schwulenbewegung im Bereich der Pädagogik bereits reicht, läßt sich u.a. anhand eines GEW-Dokuments erkennen, das im September 2001 vom Vorstand der GEW verabschiedet wurde. Unter dem Titel „Lesben und Schwule in der Schule – respektiert!? Ignoriert?!“ hat die GEW eine Broschüre publiziert, in der sie eine „Synopse der GEW-Befragung der Kultusministerien“ vorstellt. Dieser Bericht zeigt, daß der Vorstand der GEW sich vollständig auf den ethischen und pädagogischen Paradigmenwechsel der Schwulen und Lesben-Bewegung hat eichen lassen. Die Antworten auf die Fragen an die Kultusministerien werden daran gemessen und einseitig danach beurteilt, in wieweit sie den Paradigmenwechsel, der bei der GEW als fortschrittlich und zukunftsweisend gilt, bejahen und de facto mitvollziehen oder „noch“ nicht…!

Auf dem Weg zum sozialethischen und anthropologischen Paradigmenwechsel

Mit dem Pathos einer politischen Befreiungsbewegung wird somit heute weltweit und besonders im Bereich der westlichen Zivilisation strategisch daran gearbeitet, alle sexuellen Lebensweisen als ethisch gleichwertig zu betrachten. Dies sei auch in der Pädagogik als gleichrangige Zielvorstellung und Lebensoption anzusehen. Praktizierte Homosexualität soll also neben hetero-erotischen Beziehungen a priori als einzuforderndes „Menschenrecht“ geltend gemacht werden. Dies sei politisch und juristisch mit allen verfügbaren Mitteln durchzusetzen. In der bisherigen gesellschaftlichen Grundorientierung waren Individualität und Sozialität, Menschsein und Mitmenschlichkeit unlösbar miteinander verbunden. Jetzt aber geht es um die konsequente Propagierung eines uneingeschränkten Individualismus. Nicht mehr die Zuordnung von Frau und Mann soll gesellschaftlich die normative Orientierung bestimmen, sondern die jeweilige sexuelle Interessenlage einzelner Personen. Nicht mehr das Miteinander von „Ehe und Familie“ als ganzheitliche Orientierungsgröße im natürlichen soziologischen Lebenszusammenhang soll die ethische Zielvorstellung für die Gesellschaft sein, sondern eine Vielzahl von sogenannten „Lebensformen“, die sich im freien Spiel der Kräfte und der Individualismen (man könnte auch sagen: Egoismen) entwickeln können und sich gleichsam mit Geschick und Geld durchsetzen sollen. Diese Zielsetzung wird von den Vertretern des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland (LSVD) mit politischer Macht und Strategie in den Massenmedien, im Bundestag und auf allen Ebenen des Lebens – selbst mit der Unterstützung des Bundesverfassungsgerichts – durchgesetzt. Nicht wenige Zeitgenossen sind gutwillige Idealisten und finden das alles schön und tolerant und bunt und offen; sie wollen eine Welt, in der man „den Menschen nicht vorschreiben“ darf, „wie sie leben sollen“. Vertreter der Schwulenbewegung hingegen werden sehr intolerant, wenn sie auf Menschen mit gegenteiliger Programmatik treffen. Sie sehen sich selbst als Träger des „großen Fortschritts. Frühere Generationen hätten dieses Konzept vermutlich auf Anhieb als ein Programm für den langfristig angelegten Selbstmord unserer Gesellschaft erkannt. Heute aber im Zeichen eines verbreiteten Individualismus, einer zukunftsvergessenen Gegenwartsgier und von (noch) verfügbaren materiellen Ressourcen sowie eines augenfälligen Verlusts des Gotteshorizonts – erscheint dieses Programm als Ausdruck von „Freiheit“, von „Toleranz“ und von „Lebensfreude“. In Wahrheit ist es – demographisch bereits klar erkennbar – nur Teil einer sich abzeichnenden „Zivilisation des Todes“. Hier wird ein radikaler Paradigmenwechsel im Menschenbild propagiert und durchgesetzt. Die Folgen für Freiheit und Demokratie sind noch kaum absehbar. Wie aber, so fragt man sich, konnte es dazu kommen, daß dies alles im politischen und kirchlichen Bewußtsein bisher kaum angemessen registriert wurde? Wie ist es möglich, daß auch die öffentlichen Medien in dieser Hinsicht – entgegen ihrem oft demonstrativen Selbstverständnis – weithin keine wache, kritische Funktion übernommen haben?

Demagogische Sprachfälschung

Es ist schon ein ganz besonderes Phänomen: in nur 15 Jahren hat sich – zumindest in der veröffentlichten Meinung – ein vager Stimmungsumschwung und emotionaler Wertewandel zugunsten der Schwulen- und Lesben-Option vollzogen, der nachdenklich macht. Verständlich wird dieser emotionale Umbruch erst, wenn wir das Augenmerk auf ein spezielles kulturelles Phänomen richten, das im Prinzip nicht neu ist: das Mittel demagogischer Sprachfälschung. Mit Könnerschaft hat die Schwulen- und Lesbenbewegung in diesem Zeitraum bei fast allen Medien und dadurch im Denken von Millionen von Menschen Begriffe und Schlagworte implementiert, die das kritische ethische Urteilsvermögen desorientiert, verunsichert, verwirrt, benebelt und manipuliert haben, ohne daß sie selbst sich dessen bewusst geworden sind. An einer wirklich kritischen Wahrnehmung dieses Sachverhalts hat es nahezu überall, bei Journalisten, Germanisten, Kirchenführern und erst recht bei vielen Bürgern gefehlt. Dagegen wendet der frühere Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof ein: „Wem die Mehrheit zur Verfassungsänderung fehlt, darf nicht die Herrschaft über die Verfassungssprache gewinnen, um durch Sprachfälschung den Gegenstand seiner Rechtsinterpretation zu verändern.“[7]

Kulturbruch durch sprachliche Irreführung

In allen Kulturen ist menschliche Sprache Trägerin von Wert- und Norm­vorstellungen. Sie sind für das Gelingen oder Misslingen des Zusammenlebens grundlegend. Zum wirksamsten Mittel von Kultur-Zerstörung hingegen gehört eine willkürliche Umprägung der gewachsenen Sprache und vertrauter Sprachbilder. Dies geschieht dort, wo sie verzerrt oder abrupt mit anderen Inhalten gefüllt werden. Die Folge sind nicht nur spontane, zeitlich begrenzte Mißverständnisse. Ein neuer, willkürlicher Sprachgebrauch und erst recht eine mehrdeutige Sprache führen vielmehr auf breiter Ebene zur Verwirrung bis hin zu tiefem – auch emotional geladenem – Un-Verständnis. Ohne eine Offenlegung und Entlarvung von eventuell unlauteren, doppelbödigen Sprachbildern kommt es unweigerlich zu gesellschaftlichen, kulturellen und kulturkampfähnlichen Spannungen. Positiv gesagt: nur mit Klarstellungen in der Sprache sind Krisen zu meistern. Dies wird sich heute auch die Evangelische Kirche klarmachen müssen, wenn sie aus den erkennbaren innerkirchlichen Polarisierungen herausfinden will.

Ein Glossar sprachlicher Irreführung

Zu den dominierenden Schlagworten der letzten zehn Jahre, mit denen die Schwulen­bewegung die Diskussion bestreitet und bestimmt, gehört rund ein Dutzend Begriffe, die im folgenden näher betrachtet werden:

Diskriminierung“ meint die persönliche Herabsetzung, Herabwürdigung und unterschiedliche Behandlung im Vergleich zu anderen Individuen. Verwehrt werden soll ursprünglich also die Mißachtung einzelner Personen oder Personengruppen. Heute hingegen wird der Begriff von der Schwulenbewegung als politischer Kampfbegriff benutzt, um ethisch berechtigte Sachkritik abzuwehren, um die angeblich moralische Gleichwertigkeit und eine kritiklose Bejahung aller Lebensweisen einfordern zu können und schließlich: um sich selbst das Image der „Nicht-Diskriminierer“ zu sichern. Die Wahrheit sieht anders aus: Diskriminiert sind inzwischen diejenigen Menschen, die sich kritisch zu diesen Vorgängen äußern und sich ihnen entgegenstellen.

Toleranz“: ein kostbarer Begriff, der mißverstanden, ausgehöhlt und mißbraucht wird, wenn er zum Inbegriff der Gleichgültigkeit oder des ethischen und pädagogischen Laissez-faire wird. Die Technik macht es klar: Toleranz ist ein „Spielraum“ innerhalb von klaren Grenzen, d.h. ein zulässiges Abweichmaß von der vorgeschriebenen Maßgröße. Grundlage ist daher immer noch die Norm, die keine grenzenlose Abnormität zuläßt.

„Ein Paar“ zu sein (oder zu werden), macht zwei Menschen glücklich. Allerdings geht es hier nicht um Sachwerte wie etwa um ein „Paar Schnürsenkel“ oder ein „Paar Socken“, sondern – sozial und kulturgeschichtlich eindeutig – um das Miteinander von Mann und Frau. Das Stichwort vom eingeschlechtlichen „Paar“ unterstellt schon im Ansatz eine angebliche Analogie zum Begriff „Ehepaar“ – was der Verkehrung der realen Sachverhalte gleichkommt. Homophile Freunde sind Freunde, aber noch längst kein „Ehe-Paar“ – sowenig wie zwei rechte Schuhe noch kein rechtes Paar Schuhe ergeben. Die Verdrehung liegt in der Halbwahrheit einer „Zweiheit“ und in der gleichzeitigen Ausblendung der Tatsache, daß Mann und Frau verschieden sind. Nur durch die „Paarung“ von Mann und Frau kommt es zu jener biologisch-kulturellen Zukunftssicherung, die alle Generationen übergreift und in der die Geschichte Gottes mit den Menschen weitergehen kann.

„Gleichgeschlechtliche Orientierung“ wäre im gedanklichen Ansatz ein guter und einigermaßen neutraler Begriff für eine ausgeprägte, stark emotionale Neigung zum eigenen, gleichen Geschlecht, wenn er nicht von Vertretern der Schwulenbewegung heute so verwendet würde, als seien dies ein unabänderliches Schicksal und eine dauerhaft fixierte „Anlage“. Davon kann überhaupt keine Rede sein. Die sexuelle Bestimmtheit der Kinder und Heranwachsenden ist plastisch und wird in einem komplexen Reifungsprozeß geformt. Die gegenteilige Behauptung fixiert geradezu Menschen, die sich noch in einem lebendigen Entwicklungsprozeß befinden. Sie enthebt die Menschen ihrer eigenen Freiheit und der Verantwortung für die eigene Reifung bzw. die erzieherische Begleitung der Reifungsprozesse bei Kindern und Heranwachsenden. Gerade derart apodiktische Urteile sind heute wissenschaftlich als eindeutig falsch erwiesen.[8] Ganz generell sind Vertreter der emanzipatorischen Schwulenbewegung im wissenschaftlichen Diskurs längst hinter dem Stand der heutigen Einsichten zurück, aber die öffentliche Irreführung wird von ihnen uneingeschränkt weiter vorangetrieben.

Lebensform“ – ursprünglich ein Begriff aus der Biologie, der heute einen quasi-soziologischen Anstrich bekommen hat, aber auch dort nicht profiliert ist. Er eignet sich für unterschiedliche ethische Füllungen. Mit ihm sollen allerlei Lebensweisen „gleichgeschaltet“ und einer ethisch kritischen Befragung mehr und mehr entzogen werden, frei nach dem Motto: jeder muß seine beliebige „Lebensform“ wählen. Eine konsenshafte, verbindliche Normvision für die Gesellschaft im Sinne von Ehe und Familie gilt als verpönt. Auch hinter diesem Wort steht die Philosophie postmoderner Beliebigkeit und ein ethischer Relativismus, der sich dem Anspruch des biblischen Ethos entziehen will.

Lebenspartnerschaft“: dieses Wort erweckt zwar den Eindruck, als ginge es hier um lebenslange Gemeinschaft von zwei Partnern wie in der Ehe. Es bietet aber auch als „gleichwertige“ Möglichkeit eine nur zeitweise Lebensgemeinschaft an, aus der man sich ggf. zugunsten einer anderen „Lebenspartnerschaft“ wieder lösen kann. Es ist nicht einmal gesagt, daß es sich dabei nur um zwei Partner handeln soll. Zum Hintergrund dieses Begriffs gehört auch eine statistische Erfahrung, an die viele Menschen gar nicht denken: Homosexuelle Gefühlsstrukturen und Beziehungen sträuben sich ganz vital gegen eine exklusive und dauerhafte monogame Lebensbindung. Immer muß die Tür auch noch für neue Bindungen offengehalten werden, und seien sie nur kurzfristig. Es ist das genaue Gegenteil von umfassender ehelicher Treue.

Schöpfungsvariante“ ist eine Kategorie, die eigens für religiöse Menschen erfunden wurde. Es handelt sich hier um einen Versuch, homosexuelle Orientierung spezifisch biblisch-theologisch zu deuten. Dahinter können liebevoll gemeinte und tröstende Absichten stehen oder nur vordergründige Motive zur Selbst-Rechtfertigung in religiöser Sprache. In jedem Fall handelt es sich bei dieser Art Bewertung von Homosexualität um eine ganz eigene Form religiöser Überhöhung der Realität. Gemessen an den biblischen Inhalten handelt es sich um eine modische, schein-theologische Kategorie.

Bei den Kategorien „homosexuell“, homophil“ oder „homotrop“ handelt es sich um Begriffe der Empirie, der emotionalen Neigung und der praktischen Erfahrung. Ein vergleichsweise großer Teil von Menschen mit homosexuellen Erfahrungen bezeichnet sich auch als bisexuell empfindend. Die geschlechtliche Identitätsfindung ist bei ihnen noch ungesichert und so unabgeschlossen, daß sie ihr schwankendes Empfinden merken und oft darunter leiden. In jedem Fall geht es hier zunächst um emotionale und inner-psychische Vorgänge, die wir wahrnehmen, über die wir sprechen und die wir ggf. psychologisch bzw. entwicklungspsychologisch verstehen bzw. deuten lernen können.

Der Begriff „schwul“ hat zwar eine gemeinsame Schnittmenge mit der Kategorie „homosexuell“, bringt aber wesentlich mehr zur Sprache: immer und notwendig gehört die politisch-ideologische Note und Option mit dazu. Er beinhaltet ein demonstratives, z.T. zwanghaftes und kurzfristig auch erleichterndes „Bekenntnis“, nämlich die Parteinahme für ein gesellschaftspolitisches Programm. Dieser Inhalt steht dabei nicht immer ausdrücklich im Vordergrund, aber er gehört immer zur Sache hinzu. Wer sich mit dieser bekenntnishaften Formel zu seinem „Schwulsein“ äußert, löst sich – wissentlich oder unbewußt – von Konventionen christlicher Tradition und von christlich-biblischer Lebensorientierung. Die Kategorie „schwul“ thematisiert und rechtfertigt die gefühlsmäßige gleichgeschlechtliche Neigung, überdeckt aber gleichzeitig die notvolle persönliche Identitätssuche. Diese Doppelschichtigkeit des Begriffes „schwul“ ist zu bedenken. In ihr liegt die Gefahr, daß sich Betroffene unmerklich auf eine politische Ideologie festlegen (lassen), obwohl sie doch eigentlich für sich eine persönliche Hilfe suchen, die tiefer geht als ein gesellschaftspolitisches Programm.

Das wachsende Schuldkonto der Schwulen- und Lesbenbewegung

Die Theorie und die praktische Politik der Schwulen- und Lesbenbewegung überspielen ständig die persönliche Not vieler Betroffener. Zwar waren auch die wissenschaftlichen Bemühungen in den Anfängen der Homosexuellenbewegung von tendenziösen und sehr persönlichen Interessen mitbestimmt, aber sie waren nicht vergleichbar ideologisch fixiert, wie wir es heute bei Repräsentanten der Schwulenbewegung finden. Wer heute ernsthaft den humanwissenschaftlichen Forschungen zu einem vertieften Verständnis der Ursachen homosexueller Neigungen nachgeht, gilt, wenn er die Szene verläßt, als Verräter. Und wer heute durch seine wissenschaftliche Forschung entwicklungspsychologische, biographische Ursachen für homophile Orientierung als eine spezielle Art von geschlechtlicher Identitätsstörung plausibel macht, wird von Vertretern der heutigen Schwulenbewegung größtenteils verunglimpft und angegriffen. Statt sich dem freien, offenen Dialog zum heutigen Stand der Forschung zu stellen, werden mitbetroffene Menschen mit unterschiedlichen Biographien in pauschale Schubladen gesteckt. Das Motto lautet: „Entweder bist du homo oder hetero!“ So einfach aber liegen die Sachverhalte nicht.[9] Zunehmend geschieht durch die Schwulenbewegung und ihre Sympathisanten Unrecht. Sie lehnen eine konkrete Hilfe für einzelne Menschen ab, wenn diese aus ihrer Homosexualität oder aber aus bisexuellen Verhältnissen aussteigen wollen. Mehr noch: zahlreich sind schon die Versuche, entsprechende Hilfen zu verhindern. Sie überspielen oft mit einem Frontalangriff von angeblicher Diskriminierung die tieferen Nöte derer, die unter ihren Neigungen leiden. Und dort, wo es Hinweise auf unangenehme Wahrheiten gibt, kann dies für manche Vertreter der Schwulen-Option schon Anlaß genug sein, empört aufzuschreien oder diesen voller Selbstmitleid auszuweichen.

Der Marsch durch die Instanzen mit internationaler Strategie

Schon in ihren Anfängen – es war das Jahr 1973 – hat die amerikanische Schwulenbewegung mit einem „Sieg“ von sich reden gemacht, der aufhorchen ließ. Es war das Jahr, in dem die Amerikanische Psychiatrische Gesellschaft (American Psychiatric Association / APA) beschloß, Homosexualität aus der Liste psychischer Störungen zu streichen. Diese Entscheidung, die damals zu Recht als sensationell empfunden wurde, ging als Pressenachricht um die Welt. Weniger bekannt dagegen ist, wie und mit welchen „Begründungen“ die Entscheidung zustande kam und wie sie zu bewerten ist. Die großen Demonstrationen verschiedener Bürgerrechtsbewegungen in den USA hatten auch vor der Homosexuellenbewegung nicht haltgemacht. Sie gaben Anschauungsmaterial, wie Menschen in der Öffentlichkeit auf sich aufmerksam machen konnten, wie man Rechte formulieren und wie man diese Rechte ggf. einfordern kann. So nutzte man die sich bietende Gelegenheit der Jahrestagung der APA. Aktivisten der Gay Liberation Movement wollten ein Exempel statuieren und ihre Ansprüche durchsetzen. Mit großen Demonstrationen, Krawallen und dem Sturm auf eine Veranstaltung der amerikanischen Psychiater-Vereinigung wurden die Teilnehmer eingeschüchtert. Es kam zur handfesten Drohung, ein Ausstellungsstand zur Therapie von Homosexualität werde zerstört, wenn dieser nicht augenblicklich geschlossen würde. Die öffentliche Einschüchterung anders denkender Psychiater führte zum Ziel. Diese und andere Methoden des politischen, psychischen und physischen Drucks machten es im Jahr 1973 möglich, daß Homosexualität in den USA als Störung aus der Diagnose-Liste der psychischen Erkrankungen gestrichen wurde. Eine Befragung der amerikanischen Psychiater fand damals nicht statt. Als man dies schließlich 1978 (fünf Jahre später!) nachholte, waren immer noch 68% der Überzeugung, daß Homosexualität eine psychosexuelle Störung ist. Die Folgen der Entscheidung von 1973 waren gravierend. Therapeuten, die auch weiterhin Homosexualität als Identitätskonflikt ansahen, wurden öffentlich geschmäht. Unter dem Vorwand, Diskriminierung zu beenden, wurde nun eine neue Gruppe diskriminiert: Homosexuell Orientierte, die Hilfe zur Veränderung ihrer sexuellen Orientierung suchten, bekamen diese immer schwerer. Und schließlich sorgte die Lobby der Gay Liberation Movement dafür, daß auch die Weltgesundheitsorganisation WHO, aus jener problematischen APA-„Entscheidung“ von 1973 die gleiche Konsequenz für ihre eigene Arbeit zog. Damit also war die Sache für Millionen von Menschen „geklärt“. Statt die psychologische Ursachen-Forschung mit offenen Optionen zu fördern, wurde sie nun behindert und tabuisiert, wo auch immer sie nicht in das Raster ideologischer Vorgaben und Vorurteile paßte. Es dürfte nicht einfach sein, vergleichbare Fälle der neuzeitlichen Forschungs­geschichte zu finden, bei denen in freiheitlichen Ländern die Behinderung wissenschaftlicher Arbeit aus politisch-ideologischen Gründen so lange und weltweit so wirksam betrieben wurde wie im hier geschilderten Beispiel. In Europa und in Deutschland jedenfalls sorgten und sorgen die Vertreter der Schwulenbewegung noch immer dafür, daß mit der erpreßten Entscheidung von 1973 für die Schwulen-Option weiterhin kräftig geworben wird. Für das schon bestehende weltweite Netzwerk der Schwulengruppen war mit den Beschlüssen der APA und WHO klar: damit muß jetzt auf der internationalen Bühne verstärkt strategisch gearbeitet werden. Da spielt es auch keine Rolle mehr, auf welche Weise es zu der Streichung in den Diagnose-Listen gekommen war. Mit dem Leidensdruck der persönlichen Biographien im Rücken und der faszinierenden Aussicht vor Augen, fortan ohne das vermeintliche Stigma eines psycho-sexuellen Schadens ungehindert und frei die emotionalen und sexuellen Sehnsüchte ausleben zu können, kommt es zu einer Kampagne der demonstrativen Selbstbestätigung und selbstbewußter Ansprüche: weltweit wird kundgetan, daß nicht mehr von „Krankheit“ gesprochen werden darf! Unterstellt wird dabei freilich, daß Krankheit und auch eine – unverschuldete – Schädigung eine Art moralischer Makel sei. Anders ausgedrückt bedeutet das: Was die Seele sich ersehnt und was die Betroffenen tun wollen, soll und braucht fortan nicht mehr unter dem Vorzeichen einer therapeutischen oder einer ethischen Beurteilung zu stehen! Auch Theologen lassen sich diese neue Diagnose vorschreiben und sind zum Teil sehr beeindruckt. Für sie scheint klar, daß künftig – trotz der Aussagen im AT und NT – bei homosexuellem Lebensstil nicht mehr von Sünde gesprochen werden darf. Damit flammt in den Kirchen der USA ein heißer Konflikt auf. Es beginnt eine kirchliche Auseinandersetzung, die in den 70er / 80er Jahren viele Gemeinden in allen Kirchen und Konfessionen erfaßt, sie paralysiert und z.T. spaltet, wie selten zuvor.[10] Ende der siebziger Jahre wird die Aktivistenbewegung von den USA nach Europa getragen. Geschult durch amerikanische Vorbilder und Erfahrungen geht es jetzt darum, mit dem „Kapital“ des amerikanischen Doppelschlags so schnell, so breit und so strategisch wie nur irgend möglich zu arbeiten. Die finanziellen Mittel sind da, in den USA geradezu üppig. Es braucht eine Strategie, einige wenige Strategen und in möglichst allen Ländern Europas eigenständige Institutionen und Organisationen, die zusammenarbeiten. Das Entscheidende aber ist und bleibt die Motivation: die Sehnsucht nach einer neuen Dimension von Akzeptanz und die Hoffnung auf Erfüllung der erotischen Interessenlagen. In Brüssel, am Sitz der Europäischen Union, wird die Institution ILGA („International Lesbian and Gay Association“) etabliert. Diese Lobby soll für hochkarätige Rechtsvertretung der Lesben- und Schwulen-Optionen bei den Europäischen Organisationen sorgen und Finanzmittel aus den Töpfen der EU mobilisieren, um europaweit Werbeseminare zu veranstalten und Publikationen herauszugeben, die für die Gesellschaftspolitik der Schwulen- und Lesbenbewegung eintreten. In Deutschland wird 1978 der eingetragene Verein „Homosexuelle und Kirche“ (HuK) gegründet. Beim Nürnberger Kirchentag 1979 tritt er erstmals vor großem Publikum auf. Von Anfang an bezeichnet sich der Verein als „ökumenische Arbeitsgruppe“, um bei allen Konfessionen tätig werden zu können, insbesondere in den Studentengemeinden und bei den Kirchenleitungen. Die AG HuK wird zur Speerspitze der Schwulenbewegung im Bereich der Kirchen. Heute ist die AG HuK gemeinsam mit dem weiblichen Pendant, der AG LuK/„Lesben und Kirche“, im LSVD organisiert. Als Lobby-Gruppen und „Trojanische Pferde“ wirken sie im Sinne der Schwulenbewegung in die Kirchen hinein. Sie nehmen für sich in Anspruch, in Fragen von Homosexualität/des Schwulseins bzw. von lesbischer Lebensform in besonderer Weise die „zuständigen“ und „fachkompetenten“ Ansprechpartner für die Kirchen zu sein. Ein Blick in die Internet-Anschriften zeigt ein breit angelegtes Partnerschaftsnetzwerk und eine rege publizistische Tätigkeit. Kürzlich hat die HuK ihr„Silber-Jubiläum“ gefeiert. Für den Binnenbereich der Kirche stellt sie sich als Beratungs- und Gesprächs- bzw. Selbsthilfe-Gruppe dar, in ihrem politischen Selbstverständnis aber, gegenüber der gesellschaftlichen und kirchlichen Öffentlichkeit, ist sie ganz auf die Vertretung der ideologischen Optionen der Schwulen- und Lesbenbewegung ausgerichtet. Die Arbeit von LuK und HuK hatte und hat bis heute für manche Betroffenen und für viele Ahnungslose die Bedeutung eines ersehnten und verständnisvollen Ansprechpartners. Im Rahmen der publizistischen und politischen Langzeit-Strategie haben diese Gruppen aber eine ganz andere Rolle zu übernehmen. Ihre Aufgabe ist es, das kirchliche und gesellschaftliche Feld so zu bestellen, daß das ideologische Konzept der Schwulenbewegung langsam in den gesellschaftlichen Grundwasserspiegel eindringt. Der eigentliche Zielhorizont des Handelns lag für die Inspiratoren dieser Arbeit von Anfang an im politischen und juristischen Raum. Nicht umsonst ist z.B. der Jurist Volker Beck als Vorsitzender des Lesben- und Schwulenverbandes in die Politik und gerade in die parlamentarische Arbeit auf Bundesebene eingestiegen. Mit dem demokratischen Wechsel im Jahr 1998 bot sich für den damaligen rechtspolitischen Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Grüne die einzigartige Chance, seine Funktion als erstrangiger Lobbyist der deutschen Schwulenbewegung in die Koalitionsverhandlungen mit der SPD bzw. Bundeskanzler Schröder wirksam einzubringen. Damit war der Weg frei zur Planung und Durchsetzung des sog. Lebenspartnerschaftsgesetzes. Die Auseinandersetzung um die gesellschaftspolitische Zukunftsvision in unserem Land hat damit an Bedeutung, an Intensität und an Herausforderung gewonnen.

5 Thesen – eine kleine Bilanz

1. Das politische Engagement von offiziellen Vertretern der Schwulenbewegung mag als beachtlich gelten, aber es stellt im Kern nur einen außergewöhnlichen, großen Kompensationsversuch dar. Durch die angestrebte überdimensionale Veränderung der Gesellschaft sollen Lösungen und „Hilfen“ für die Betroffenen geschaffen werden, die in Wirklichkeit nur auf einer sehr persönlichen und existentiellen Ebene wirksam werden können. Insofern gibt die politische Schwulenbewegung einerseits einer tiefen menschlichen Sehnsucht nach wirklicher Hilfe Ausdruck, anderseits aber illustriert sie auch schmerzlich die hohe Bereitschaft, mit tiefen Illusionen und dauerhaften Selbsttäuschungen zu leben.

2. Die Angriffe aus der Schwulenbewegung gegen gleichfalls von homophilen Empfindungen Betroffene, die sich aber aus ihrer homosexuellen Lebenswelt lösen wollen, sind erschreckend: sie zeigen ein hohes Maß an Verdrängung eigener Probleme und damit den Ansatz zu verweigerter Hilfeleistung gegenüber Mitbetroffenen.

3.  Die Vorstellung und Selbsteinschätzung der Träger dieser Bewegung, daß sie etwas moralisch sehr Wichtiges und Gutes tun, verleiht dieser Bewegung – wie so oft, auch bei anderen Ideologien des 20. Jahrhunderts – einen besonders „idealistischen“ und zugleich totalitären Charakter. Wer ihr widerspricht und ihr die Selbsttäuschungen oder Irreführungen vor Augen führt, wird schnell verteufelt und in die Schublade der bösen Diskriminierer gesteckt.

4. Die starke Fokussierung des Lebens auf sexuelle Interessen, auf vermeintliche sexuelle Identitäten und damit auf die moralische Umwertung aller Sozialbeziehungen stellt für die Gesellschaft einen ethischen Paradigmenwechsel und eine Herausforderung von beachtlichem politischen Ausmaß dar. Die Ideologie der Schwulenbewegung führt mit logischer Konsequenz – zumal in der Praxis – zur Herabsetzung von Ehe und Familie als Norm und zur Verhinderung der Generativität. Diese programmatische Verschiebung des sozial­ethischen Koordinatensystems hat auf längere Sicht die Selbstauflösung der Gesellschaft zur Folge.

5. Wenn diese Sachverhalte erst einmal für viele Menschen manifest erkennbar sind, kann es unter Umständen „mit nachvollziehbaren Gründen“, aber gegen jede mitmenschliche Verantwortung zu einer hochgefährlichen Reaktion gegen „die Schwulen“ kommen. Auch einem solchen gravierenden Rückschlag in der Sozialgeschichte muß frühzeitig begegnet werden. Dies aber kann nur gelingen, wenn es in der Homosexuellen-Bewegung zu einer Wende weg vom Betrug und Selbstbetrug hin zur Wahrhaftigkeit kommt.

Anmerkungen

[1] dea-Basisausgabe Nr. 20/2001; vgl. Kurzfassung ideaSpektrum 8/2001

[2] In: Homosexualität und christliche Seelsorge – Dokumentation eines ökumenischen Symposiums, Aussaat Verlag 1995, S. 160 – 194.

[3] Als positives Gegenbeispiel sei auf den hier unter Anm. 2 genannten Symposions-Bericht verwiesen.

[4] Zur Geschichte der Homosexuellenbewegung s. Ausstellungskatalog „100 Jahre Schwulenbewegung“; Hg. Schwules Museum und Akademie der Künste; Verlag Rosa Winkel, Berlin 1997. Der Bildband ist hoch informativ und ein Zeugnis authentischer Selbstdarstellung. Eine kritische oder selbstkritische Darstellung der Schwulenbewegung gibt es in Deutschland bisher nur in Ansätzen.Vgl. hierzu: Werner Hinzpeter, Schöne schwule Welt – Der Schlußverkauf einer Bewegung, Querverlag GmbH, Berlin 1997.

[5] Wir kennen in Deutschland gewisse Analogien aus der Zeit der sog. 68er-Studentenrevolte und deren gesellschaftliche Nachwirkungen.

[6] Eine anschauliche Illustration bietet für den Bereich der Pädagogik ein Faltblatt der „Aktion Jugendschutz“ (!) Baden-Württemberg: unter dem bezeichnenden Titel „Selbstverständlich andersrum“ wird homosexuelle Lebensweise als eine der Heteroerotik gleichwertige Lebensoption dargestellt. – Noch programmatischer kommt der Einfluß der Schwulenbewegung in Richtlinien zur Sexualerziehung in Nordrhein-Westfalen zum Ausdruck: „Hetero-, Bi-, Homo- und Transsexualität (sind) Ausdrucksformen von Sexualität, die – ohne Unterschied im Wert – zur Persönlichkeit des betreffenden Menschen gehören.“ (Richtlinien vom 1. August 2000)

[7] „zur debatte“, Zeitschrift der Kath. Akademie in Bayern, Nr. 2/2001, S. 23 im Vortrag „Der Schutz von Ehe und Familie, die Pflege mitmenschlicher Beistandsgemeinschaft und die Gewähr sonstiger Freiheit“.

[8] Hohes Aufsehen hat darum gerade die entsprechende Studie von Prof. Robert L.Spitzer ausgelöst, die er im Mai 2001 unter dem Titel „New Study on Sexual Reorientation Therapies“ auf der Jahrestagung der Amerikanischen Psychiatrischen Gesellschaft in New Orleans, L.A. vorgestellt hat.

[9] Die bedeutendste demoskopische EMNID-Untersuchung zur Zahl der Menschen, die in der BRD von Homo- oder Bi-Sexualität betroffen sind, wurde im März 2001 veröffentlicht. Sie ergab: Bei den genauen statistischen Nachfragen nach der persönlichen Selbsteinschätzung nannten 1,3% der männlichen Bevölkerung sich als eindeutig „homosexuell“ empfindend, 2,8% der Männer als „bisexuell“, 2,5 % der Frauen als „bisexuell“ und 0,6% der Frauen als eindeutig „lesbisch“ empfindend. Die bis dahin (d.h. bis März 2001) verbreiteten vagen und z.T. hohen Zahlenangaben sind durch diese EMNID-Studie eindeutig als irreführend nachgewiesen.

[10] „Zur Diskussion über Homosexualität in Theologie und Kirchen der USA“: s. U. Eibach, Liebe, Glück und Partnerschaft – Sexualität und Familie im Wertwandel, R. Brockhaus Vlg. Wuppertal 1996, S. 174ff.

(Quelle: idea-Dokumentation Nr.2/2003 „Kirche – Kultur – Homosexualität“, S.53ff.)

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 8. Dezember 2004 um 10:33 und abgelegt unter Gesellschaft / Politik, Sexualethik.