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Transition und Luthertum

Mittwoch 24. Januar 2024 von Johann Hesse


Johann Hesse

Beim Abschlussgottesdienst des Kirchentages am 11. Juni 2023 hatte der evangelische Pfarrer Quinton Ceasar aus Wiesmoor behauptet, Gott sei queer, denn Gott sprenge ja selber die Zweigeschlechtlichkeit an vielen Stellen der Bibel. Was das konkret bedeutet, kann man in einer Handreichung der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau zum Thema TranssexualitÀt[1] nachlesen. Insbesondere die kurzen Lebensbilder verdeutlichen anschaulich, wie tiefgreifend die Genderideologie das kirchliche Leben bereits verÀndert hat.

Es kommt z.B. der nordhessische Theologiestudent Mattheus zu Wort, der durch die Begegnung mit einem „Trans*Mann“ zu der Erkenntnis kam: „Ich muss keine Frau sein, nur weil ich einen als ,weiblich‘ kategorisierten Körper habe. Und mit dieser Freiheit im Denken wurde mir fast im selben Moment klar, dass ich keine Frau bin.“ Mattheus, offenbar als Frau geboren, identifiziert sich heute als Mann. Der Beitrag schließt mit folgendem Wunsch: „Ich wĂŒnsche mir, dass LSBTTIQ sich nicht vor Taufe, Konfirmation oder Trauung fĂŒrchten mĂŒssen, sondern dass z.B. die Taufe eines intersexuellen Kindes, die Trauung eines gleichgeschlechtlichen Paares und vielleicht sogar die Transition eines Trans*menschen in der Kirche gefeiert werden können.“

Auch der norddeutsche Pfarrer Simon berichtet von seiner Transition von Frau zu Mann. Seine Kirchenleitung haben seinen Weg „sehr unterstĂŒtzt“. Auf die Frage, was die Kirche zum Thema geschlechtliche Vielfalt tun solle, meint er: „Toll wĂ€re es, wenn die Landeskirchen bereit wĂ€ren, dafĂŒr zu werben, dass Menschen jenseits des Geschlechterdualismus und der HeteronormativitĂ€t einfach als selbstverstĂ€ndlicher Teil der bunten christlichen Gemeinschaft gesehen werden, wobei das ja oft schon geschieht. Und ich wĂŒrde mir ein kleines bisschen mehr ,Luthertum‘, also Mut bei manch einem nicht-kirchenleitenden, aber theologisch gebildeten Menschen wĂŒnschen: Go for it, wenn Du geistlich ahnst und theologisch begrĂŒnden kannst, dass es eine gute Sache ist.“

Mehr Luthertum?! Diesem Wunsch wollen wir gerne entsprechen. Angeregt durch den empfehlenswerten Beitrag von Pfr. Matthias Köhler bei der GHB-Tagung „Glaubensbekenntnisse – können die weg oder brauchen wir die noch?“ am 28. Oktober in Verden/Aller, weisen wir auf einige interessente Passagen in der Apologie des Augsburger Bekenntnisses hin.[2] Es lohnt sich, die Transgender-Frage einmal im Spiegel der Bekenntnisschriften zu betrachten!

Im 23. Artikel der Apologie des Augsburger Bekenntnisses[3] wendet sich Philipp Melanchthon gegen das Festhalten der Römisch-Katholischen Kirche am Priesterzölibat:

Erstlich ist geschrieben Gen. 1, daß Mann und Weib also geschaffen von Gott sind, daß sie sollen fruchtbar sein, Kinder zeugen usw., das Weibe geneigt sein zum Mann, der Mann wieder zum Weibe [et sexus recta ratione sexum appetat]. Und wir reden hier nicht von der unordentlichen Brunst, die nach Adams Fall gefolgt ist, sondern von natĂŒrlicher Neigung zwischen Mann und Weib, welche auch gewesen wĂ€re in der Natur, wenn sie rein geblieben wĂ€re. Und das ist Gottes Geschöpf und Ordnung, daß der Mann zum Weibe geneigt sei, das Weib zum Mann [Et haec ÏƒÏ„ÎżÏÎłÎź est vere ordinatio divina sexus ad sexum]. So nun die göttliche Ordnung und die angeschaffene Art niemand Ă€ndern mag noch soll denn Gott selbst, so folgt, daß der Ehestand durch kein menschlich Statut oder GelĂŒbde mag abgetan werden.

Zum andern, dieweil das göttliche Geschöpf und Gottes Ordnung natĂŒrlich Recht und Gesetz ist, so haben die Juriskonsulti recht gesagt, daß den Mannes und Weibes Beieinandersein und Zusammengehören ist natĂŒrlich Recht. So aber das natĂŒrliche Recht niemand verĂ€ndern kann, so muß je einem jeden die Ehe frei sein. Denn wo Gott die Natur nicht verĂ€ndert, da muß auch die Art bleiben, die Gott der Natur eingepflanzt hat, und sie kann mit Menschengesetz nicht verĂ€ndert werden. Derhalben ist es ganz kindisch, daß die Widersacher sagen, im Anfang, da der Mensch geschaffen, sei die Ehe geboten, nun aber nicht. Denn es ist gleich, als wenn sie sprĂ€chen: FrĂŒher zu Adams und der Patriarchen Zeiten, wenn ein Mann geboren ward, hatte er Mannesart an sich, wenn ein Weib geboren ward, hatte sie Weibesart an sich, jetzund aber ist’s anders [Hoc per inde est, ac si dicerent: Olim nascentes homines secum attulerunt sexum, nunc non afferunt]; vorzeiten brachte ein Kind aus Mutterleib natĂŒrliche Art mit sich, nun aber nicht.

So bleiben wir nun billig bei dem Spruch, wie die Juriskonsulti weislich und recht gesagt haben, daß Mann und Weibe beieinander sind, ist natĂŒrlich Recht. Ist’s nun natĂŒrlich Recht, so ist es Gottes Ordnung, also in die Natur gepflanzt, und ist also auch göttlich Recht. Dieweil aber das göttliche und natĂŒrliche Recht niemand zu Ă€ndern hat denn Gott allein, so muß der Ehestand jedermann frei sein. Denn die natĂŒrliche angeborne Neigung des Weibes gegen den Mann, des Mannes gegen das Weib ist Gottes Geschöpf und Ordnung . Darum ist’s recht, und hat’s kein Engel noch Mensch zu Ă€ndern.

„Mehr Luthertum“ kann doch in diesem Zusammenhang nur bedeuten, im Sinne der Bekenntnisschriften zu erkennen und zu bekennen, dass es eine von Gott der Natur eingestiftete „rechte Ordnung“ und „natĂŒrliche Neigung“ gibt, nach welcher Gott selbst das eine Geschlecht auf das andere zuordnet, den Mann zur Frau, die Frau zum Mann. Diese natĂŒrliche Ordnung kann kein Mensch aufheben oder verĂ€ndern, weder durch Gesetze noch durch eigenmĂ€chtige Entscheidung oder medizinische Eingriffe.

FĂŒr die Reformatoren war die Vorstellung, der Mensch könne sein Geschlecht wechseln, absurd, weil es von Gott in die Natur des Menschen unabĂ€nderlich „eingestiftet“ ist. Genau das bestĂ€tigt jede Gen-Analyse bei einem Transsexuellen: Auch wenn nach einer Transition alle Ă€ußeren Merkmale auf eine Frau hindeuten, so offenbart die Gen-Analyse doch den Mann. Die lutherischen Bekenntnisschriften sind an dieser Stelle nicht nur biblisch, sondern auch im naturwissenschaftlichen Sinn korrekt.

Heute wird diese göttliche Ordnung verdreht, wenn Menschen meinen, ein Mann könne in eine Frau und eine Frau in einen Mann verwandelt werden. Grausam und böse ist es, wenn evangelische Kirchen diese Perversion der göttlichen Ordnung nicht als LĂŒge enttarnen und die betroffenen Menschen nicht vor den schrecklichen Folgen einer Transition warnen: die VerstĂŒmmelung des Körpers, die Zerstörung gesunder Geschlechtsorgane, lebenslange Unfruchtbarkeit, MedikamentenabhĂ€ngigkeit, eine reduzierte Lebenserwartung, eine erhöhte Suizidrate und weiteres mehr.

Die Kirche darf an der Zerstörung der göttlichen Geschlechterordnung nicht mitwirken. Es ist ihre Pflicht, diese, wo möglich, im Sinne Gottes und mit geistlichen Mitteln wiederherzustellen. Wenn ein Mensch meint, im falschen Körper gefangen zu sein (Geschlechtsdysphorie), darf die Kirche nicht dazu beitragen, diesen von Gott geschenkten und anvertrauten Körper zu zerstören. Stattdessen muss sie den Betroffenen helfen, Wege zu finden, das „gefĂŒhlte Geschlecht“ durch Seelsorge und Therapie an das von Gott erschaffene, biologische Geschlecht anzugleichen. Das Denken, Wollen und FĂŒhlen des transsexuell empfindenden Menschen sollen mit der von Gott weise erschaffenen Geschlechterordnung in Einklang gebracht werden. In anderen Worten: Ein warnendes „Nein!“ zu geschlechtsangleichenden Operationen und ein seelsorgerlich-einladendes „Ja!“ zur inneren Versöhnung mit dem gottgegebenen Geschlecht. Die Kirche hat den Auftrag, den betroffenen Menschen diese Möglichkeit aufzuzeigen, ihnen Mut zu machen, einen seelsorgerlich-therapeutischen Weg einzuschlagen und sie auf diesem Weg intensiv zu begleiten. Das mag ein schwerer Weg sein, aber bei Gott ist kein Ding unmöglich (Lk 1,37). Das hieße heute „Mehr Luthertum“!

Johann Hesse

Zuerst erschienen in: Aufbruch – Informationen des Gemeindehilfsbundes 3/2023 (Dezember)

Sie können die aktuelle Ausgabe des Aufbruchs hier herunterladen.

Wenn Sie den Aufbruch (kostenlos) abonnieren möchten, schreiben Sie bitte an die GeschÀftsstelle des Gemeindehilfsbundes: info@gemeindehilfsbund.de

[1] „Zum Bilde Gottes geschaffen – TranssexualitĂ€t in der Kirche“, 2018

[2] Der Vortrag „Glaubensbekenntnisse – warum wir sie brauchten und brauchen“ von Pfr. Matthias Köhler (NĂŒmbrecht) kann auf dem Youtube-Kanal Gemeindehilfsbund TV unter „Predigten und VortrĂ€ge“ nachgehört werden.

[3]  Die deutschen und lateinischen Zitate stammen aus: Die Bekenntnisschriften der Evangelisch-Lutherischen Kirche, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1986, S. 334ff.

 

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 24. Januar 2024 um 9:33 und abgelegt unter Kirche, Sexualethik.