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Lilli Heinze – Herzensschatz: Stellungnahme zu ihren Mediationsanleitungen 

Montag 22. Januar 2024 von Alexander Seibel


Alexander Seibel

Lilli Heinze ist als Lebensberaterin, Coach und Seelsorgerin für Frauen tätig. Sie ist Mentorin und Sprecherin von „Herzensschatz“ und seit 2021 Teil eines ‚Bibelfinanz‘ – Teams. Sie setzt sich in Gebets-Teams ein und ist gefragte Kleingruppen-Leiterin mit Themen wie vertiefte Gemeinschaft und Persönlichkeitsentwicklung. Mit Erwähnung der Bibelstelle von Mark 4,35-41 lädt Lilli Heinze mit beschwörender Stimme unter der Überschrift Gebet & Meditation zu einer angeblichen Jesus-Begegnung “im Sturm“ ein.

Hier die streckenweise wörtliche Wiedergabe ihrer Anleitungen: Lege dir etwas zur Seite zum Schreiben. Du kannst eine Kerze anzünden, oder auch einfach die Augen schließen, um vor deinem inneren Auge Jesus zu sehen. Atme ruhig ein und aus, spüre dich, spüre deinen Körper. Du bist hier und jetzt da… Atme nochmal tief ein, atme den Frieden Gottes ein und aus, atme die Unruhen des Tages aus.  Da sitzt du nun mit diesen 12 Jüngern im Boot… Tief atmest du ein und wieder aus. Jesus schaut euch alle der Reihe nach an. … Er geht durch euch hindurch und setzt sich an den Bootsrand. Langsam folgst du ihm und setzt dich neben ihn. Jesus schaut aufs Wasser hinaus, dann  dreht er sich zu dir, und seine Augen schauen dich an direkt in dein Herz hinein. Was spürst du?…

Öffne deine Augen und komme im Hier und Jetzt an. Schreib auf, was Jesus dir gesagt hat.

Man kennt diese Techniken auch als Lectio Divina seit Jahrhunderten bei mystischen Mönchen der katholischen Kirche. Die ganze Atmosphäre erinnert eher an eine hypnotische „Guided Meditation“ bzw. Fantasiereise, welche die in der Bibel so oft ermahnte Wachsamkeit (z. B. Mark 13,33-37 oder Apg. 20,31) leider vermissen lässt. Man beachte wie der Apostel Paulus besonders auch beim Gebet zur Wachsamkeit ermahnt, z.B. Eph. 6,18 oder Kol. 4, 2: „Haltet an im Gebet und wachet darin mit Danksagung“.

Ähnlich funktionieren die Exerzitien eines Ignatius von Loyola, dem Gründer des Jesuitenordens,  und es erinnert an eine Neuauflage uralter schamanischer Techniken, wie man einen Geistführer kontaktiert. Teilnehmer an solchen Sitzungen und Meditationsübungen öffnen sich ahnungslos für die Kommunikation mit Geistwesen, die sich gerne als Jesus oder Engel tarnen. Die Auffassung, die Wirklichkeit durch Vorstellung und gedankliche Kraft manipulieren zu können, ist das Wesen der Magie. Es passt auch nahtlos in das magische Zeitalter, in dem wir leben. Dave Hunt hat schon vor Jahren in dem Klassiker Die Verführung der Christenheit seitenlang vor diesen Methoden gewarnt.

Wie sehr man tatsächlich in eine andere Dimension eindringt, wird durch Frau Heinzes Anleitung gegen Ende dieser tranceähnlichen Sitzung ersichtlich: Öffne deine Augen und komme im Hier und Jetzt an. Man ist offensichtlich, anstatt wachsam zu sein, dank ihrer suggestiven Techniken in eine andere „Scheinwelt“ hineingeraten. Dann soll man aufschreiben, was Jesus einem gesagt hat. Gott redet folglich bei solchen Sitzungen zu uns nicht durch sein Wort, sondern „direkt“ durch einen nach bestimmten Techniken visualisierten Jesus. Ähnliche Eingebungen findet man auch bei Sarah Youngs Bestseller Ich bin bei dir. Es ist buchstäblich der andere Jesus, vor dessen freudiger Annahme der Apostel Paulus in 2. Kor. 11,4 warnt.

Zunächst ein warnendes Lutherzitat: „Denn wo man das Wort fallen läßt und außer dem Wort nach Christus tappet, so ergreift man den Teufel“, (Luther zur Marienverehrung, aus Signal Nr. 139, S. 10).

Watchman Nee in seinem Klassiker zum Thema Passivität und Verführung ernster Gläubiger warnt gerade in diesem Zusammenhang: »Satan kann an dieser Stelle einsetzen und ihnen mancherlei angenehme Empfindungen, Visionen, Träume und übernatürliche Erfahrungen geben. Aber diese Gläubigen nehmen an, daß es vom Heiligen Geist kommt, und begreifen nicht, daß ihr passiver Geist diese falschen Erfahrungen wie ein Magnet (!) anzieht. Hätten sie gelernt, das Übernatürliche und Sensationelle vom Geistlichen zu unterscheiden, hätten diese Gläubigen die Erfahrung sorgfältig geprüft. Aber der Mangel an geistlichem Unterscheidungsvermögen, verbunden mit einem passiven Geist, führt sie immer tiefer in den Betrug Satans. Wenn der Geist des Gläubigen immer passiver wird, paßt sich sein Gewissen dem an. Wenn auch das Gewissen passiv geworden ist, erwartet der Christ, direkt vom Heiligen Geist geleitet zu werden, entweder durch Stimmen oder Bibelverse … Aber Satan wird die Gelegenheit ergreifen und durch Stimmen, Visionen und andere Phänomene sein Werk tun.« (Watchman Nee, Der geistliche Christ, TELOS, Band 3, p. 52).

Typisch für solche Anleitungen, um die Gemüter in falscher Sicherheit zu wiegen, ist auch die Erwähnung von Luk. 11,13: wie viel mehr wird der Vater im Himmel den heiligen Geist geben denen, die ihn bitten. Nur ein Aspekt steht dort gerade nicht, nämlich das Wörtchen „darum“. Menschen also, die Gott bitten, Zeit im Gebet verbringen und ihn anrufen, aber nicht um den heiligen Geist bitten. Weil jedes Kind Gottes den heiligen Geist längst empfangen hat (Röm. 8,9) verunehrt man Gott mit so einem Gebet, der uns ja bereits bei der Wiedergeburt den Geist geschenkt hat (Eph. 1,13; 1. Kor. 3,16-17).

Wiederum Luther mit der bei ihm manchmal drastischen Deutlichkeit: „Deshalb mahne ich euch vor solchen verderblichen Geistern, die sagen, ein Mensch empfängt den Heiligen Geist durch stilles Sitzen in der Ecke, auf der Hut zu sein. Hunderttausend Teufel wird er empfangen und nicht zu Gott kommen“ (What Luther says, Ed. E. Plass Vol. 3, p.1462).

Spätestens wo Frau Heinze wörtlich empfiehlt: Atme den Frieden Gottes ein, sollte auch der wohlmeinendste Fromme aufwachen. Dies sind typisch esoterische Techniken, die besonders im Hinduismus und bei Yogaübungen empfohlen werden. Gott ist nicht mehr das persönliche heilige Gegenüber, sondern wird zu einer unpersönlichen, im Prinzip kosmischen Energie bzw. Kraft, die man ein- und ausatmen kann. Atemübungen, um Gott zu begegnen. Das ist ungeschminktes New Age.

In ihrem Klassiker „Kampf nicht wider Fleisch und Blut“ warnten am Beginn des vorigen Jahrhunderts Jessie Penn-Lewis und Evan Roberts mit Berufung auf 1. Tim. 4,1, dass vor der Wiederkunft Jesu der Feind Gottes Legionen verführerischer Geister losschicken würde, um all die zu verführen, die für übernatürliche Eingebungen empfänglich sind. Wie viele lassen sich z.B. beim Beten in passives, apathisches ‚Warten auf Gott’ hineinsinken oder bringen ihren Geist absichtlich zum Schweigen, um ‚Eindrücke von oben’ zu empfangen, die sie für göttliche Offenbarungen halten (Jessie Penn-Lewis „Der bedrohte Christ“, Exodus, S. 141-142).

Es geht nicht darum zu richten. Ich bin überzeugt, dass Frau Heinze und ihre Anhänger bzw. Teilnehmer an solchen Treffen es von Herzen gut meinen. Nur Gott kennt die wahren Motive. Doch immer wieder ermahnt, ja befiehlt uns die Bibel, die Geister zu prüfen, ja sogar alles zu prüfen (1. Thess. 5,21). Die Tatsache aber, dass solche Anleitungen, Veranstaltungen und Sitzungen auch in angeblich bibeltreuen Gemeinden und Kreisen um sich greifen können, zeigt, warum unser Herr Jesus in seinen Wiederkunftsreden so eindringlich vor Verführung gewarnt und zur Wachsamkeit ermahnt hat. Bekanntlich beginnt das Gericht am Hause Gottes (1. Petr. 4,17), und die Schrift sagt uns kräftige Irrtümer voraus, die besonders am Ende der Tage um sich greifen werden (2. Thess. 3. und 9-11). Statt Wachsamkeit wird eine meditativ angeordnete Passivität (1. Petr. 5,8) wärmstens empfohlen, um angeblich Christus zu schauen. Möge der treue Herr Gnade und Buße schenken, um diesen Dämonenlehren zu entkommen (2. Tim. 2,26).

Alexander Seibel im März 2023

 

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 22. Januar 2024 um 10:18 und abgelegt unter Seelsorge / Lebenshilfe.