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Thomas Karker: Wie Jesus mich gefunden hat

Montag 28. August 2023 von Thomas Karker


Thomas Karker

Wie Jesus mich gefunden hat.

Momentaufnahmen meines Lebens, die zu einem Ganzen zusammengefĂŒgt werden.

Vorher:

Ich bin im Mai 1955 in Freiberg / Sachsen geboren und in einem katholischen Elternhaus aufgewachsen. Meine Eltern sind 2 x nach dem Krieg geflohen. Von Schlesien zuerst nach Sachsen und dann vor dem Mauerbau in den Westen. Dann waren wir ab 1960 in Stuttgart. Dort war das geistliche Familienleben geprĂ€gt von katholischer Gesetzlichkeit, man geht zur Messe am Sonntag, man ist sozial engagiert, aber der Glaube hat keinen erkennbaren Sitz im Alltagsleben. PflichterfĂŒllung war oberstes Gebot. Man ist anstĂ€ndig, man lĂŒgt und stiehlt nicht. Wir haben Selbstdisziplin gelernt. So können wir doch vor Gott gerade stehen. Wer immer stetig sich bemĂŒht, den können wir erlösen (Goethe) und die kleinen Unebenheiten, CharakterschwĂ€chen, da wird Gott es am Ende doch bei uns nicht so genau nehmen! Das war die Maxime.

Ab 1970 waren wir als Familie vom Norden (Killesberg) in den SĂŒnden Stuttgarts gezogen, dort auf dem Frauenkopf versahen meine Eltern an einer kleinen Kirche den Mesnersdienst an einer katholischen Kirche. Auf diese Weise wurde ich sehr schnell in den Ministrantendienst beordert, der Helfer des Priesters. Durch den Umzug habe ich alle sozialen Kontakte zu Freunden und frĂŒheren Bekannten verloren. Der Weg Freundschaften aufrechtzuerhalten war fĂŒr damalige VerhĂ€ltnisse fast unmöglich. Zudem ging ich im Stadtzentrum zur Schule, die meisten der SchĂŒler in der Klasse kamen aus dem Stuttgarter Westen, so war ich als einer, der von außerhalb kam, ebenfalls wenig integriert. In dieser Zeit der Einsamkeit habe ich mich sehr intensiv mit der Frage beschĂ€ftigt: Wer bin ich eigentlich? Wieso bin ich so? Wie ich bin? Diese existentiellen Fragen habe ich versucht mittels Psychologie und Philosophie zu lösen. Der Gottesglaube, der ja nur fĂŒr den Sonntag etwas war, schien mir hier keine adĂ€quaten LösungsansĂ€tze zu geben.

Nach dem Abitur war ich in Ellwangen bei der Bundeswehr, und es begann ein stiller, aber unaufhaltsamer Ablösungsprozess vom Elternhaus und den dort erfahrenen religiösen Traditionen.

Wenn der Glaube an Jesus nicht mehr bewirkt als ein bisschen soziales Engagement (Aufnahme von einem Westafrikaner – Adejemie zwecks Studium – oder einem Syrer – Walid el Mecharafie, sowie UnterstĂŒtzung von A. Schweizers Lambarenehospital), dann brauche ich den Glauben auch nicht. Das war die innere Stimme, die mir den Abschied vom Gottesglauben anwies. Gleichzeitig habe ich mich verstĂ€rkt in die Rockmusik vertieft, viel Platten gekauft, Konzerte besucht, dabei entstandene Freundschaften reichlich genutzt, um Sinnfragen bei Festen heftig zu diskutieren. Irgendwo muss der Mensch ja einen Halt haben.

Seit 1970 war mein erstes Motorrad meine heiße Liebe. Mit der Zeit wurden die MotorrĂ€der immer grĂ¶ĂŸer, von der einfachen Kreidler TM bis zur R90S BMW, die musste es sein.

Es war das GefĂŒhl der Freiheit und UnabhĂ€ngigkeit. Mit einem Freund in die Alpen zu dĂŒsen und auf dem RĂŒckweg die Schwarzwaldhochstraße unsicher zu machen, ja das bringts. Dort war Freiheit, dort war Freundschaft, dort war Anerkennung und Sicherheit. Diese 3 M waren mein Leben: Musik, Motorrad, MĂ€dchen. Oder anders ausgedrĂŒckt: Wein, Weib und Gesang. Das waren meine Götter!

Nach der Bundeswehr, die ich als Zeitsoldat auf 2 Jahre, mit der Kriegsdienstverweigerung nach 15 Monaten abschloss, ging es stracks ins Studium. TH Karlsruhe war die erste Station.

2 Dinge waren hier hervorzuheben: Einmal mein Freund Siggi, er studierte mit mir Sp-Mathe. Er saß 2 Jahre lang in seiner Dachkammer in Durlach, las den Philosophen Nietzsche, und verschlang die Peyote Erfahrungen eines Castaneda. Je mehr ich mich damit befasste, desto undurchsichtiger wurde es mir. Siggi setzte seine gewonnenen TrĂ€ume in grauenhafte Bilder um, voller Verzweiflung, voller Sinnlosigkeit. Er lebte Nietzsches Gedanken: Umwertung aller Werte, die Gedanken vom Übermenschen, es gibt eigentlich nichts, alles ist Einbildung.

So wollte ich nicht enden, nur wirre Bilder malen, und es ist alles nichts, ich wollte leben, leben. Sonst kann ich ja gleich Schluss machen, was soll dann der ganze Dreck hier.

In diese Zeit kamen zwei Ereignisse, die mir widerfahren sind, die ich aber damals noch nicht richtig verstanden und einordnen konnte.

1.       Zum einen wurde mir meine große Maschine in einer Nacht vom Mittelstreifen der Durlacher Allee gestohlen. Weg, futsch, aus, vorbei. Aber wer den Tomy kennt, weiß, der ist ein StehaufmĂ€nnle. Die noch nicht bezahlte Maschine wurde mittels eines Kraftaktes in der Semesterferien wieder zur RealitĂ€t. Was macht man nicht alles aus Liebe zum Motorrad: Morgens bei der Post Briefe ausgetragen, mittags bei Uli im FahrradgeschĂ€ft gearbeitet und Abends bis in die Nacht hinein Malerarbeiten fĂŒr einen bekannten Immobilienmakler. Dann war alles erledigt. Nach starken 3 Monaten Powerjobben stand die nĂ€chste 90s mit GussrĂ€dern vor der TĂŒr.

2.       Das zweite Ereignis war ein Autounfall. Vati und ich waren im Welzheimer Wald vom Sport zurĂŒckgefahren. Es hatte geschneit, die Straße war ĂŒber eine Waldschneise gefĂŒhrt, man sah in der Mitte bei Schneetreiben eine Fahrspur, mehr nicht. Das letzte Auto war gerade auf der Gegenseite an uns vorbeigefahren, da drehte sich das Auto mehrfach um die eigene Achse und dann ging es den Abhang hinunter, volle Breitseite in die ca. 3 Meter tiefer gelegenen Hecken. Das Auto war mit der vollen Breitseite in die Hecken gerauscht. Mein Vater und ich saßen zĂ€hneklappernd im Auto und wussten nicht, wie uns geschah. Vorsichtig krochen wir ĂŒber die Fahrerseite aus dem Auto. Auf Hilfe brauchten wir auch nicht lange zu warten, es war gleich ein Daimlerfahrer so freundlich und half uns mittels Abschleppseil wieder hoch auf die Straße. Sachschaden = 0. Alles unbeschĂ€digt. Welch ein GlĂŒck, die Sterne standen gĂŒnstig.

Im Nachhinein kann ich nur sagen, dass ich diese Heimsuchungen Gottes noch nicht verstanden habe. Das Leben ging ja weiter, als wÀre nichts passiert.

Durch den Motorraddiebstahl war ich leider im Fach Biologie (wechsel von Mathe auf Bio) nicht in der Lage meine Klausuren in den Semesterferien zu schreiben. Um einer damaligen Zwangsexmatriklation zu entgegen, beschloss ich den Studienort nach SaarbrĂŒcken zu wechseln. Ein Freund, mit dem ich zusammen gewohnt habe, dachte genauso, und so wollten wir wenigstens das Diplom in Sportwissenschaft abschließen. Gemeinsam gehts eben doch besser.

SaarbrĂŒcken eine neue Station. Um möglichst gleich Anschluss an andere Kommilitonen zu bekommen, bin ich in ein nahe am Campus gelegenes Studentenwohnheim eingezogen.

Eines Tages fragte mich dort ein Kommilitone, ob ich denn am Mittwochabend nicht Lust hĂ€tte, ihn zu den Campus Christen zu begleiten. Campus Christen, klang recht fromm und als Agnostiker dachte ich: Nun denn, schaden kann es ja nicht, ein bisschen ReligiositĂ€t, da kann man sicher gut ĂŒber Gott und die Welt diskutieren, und lernt dabei auch neue Leute kennen. Dann vergaß ich die Einladung wieder und einige Wochen spĂ€ter erst fiel mit ein: Mensch, du wolltest doch mal bei den Schampus Christen, wie ich sie spöttisch nannte, vorbeischauen. Gesagt, getan. Wen traf ich da? Meine Renate, aber das war noch nicht gleich die große Liebe, sie war eben da. Je lĂ€nger ich dort als Gast teilnahm, desto unheimlicher wurde es mir: einerseits hatten die etwas, was ich nicht hatte, diese Gewissheit, diese Freude, diese Hoffnung. Andererseits dachte ich, das kann es doch nicht geben, so etwas wie ich es hier erlebe. Hier war ich angenommen, konnte ich der Tomy sein, mit allen Ecken und Kanten. Keine Erwartungen, wie ich mich zu verhalten hĂ€tte oder so. SpĂ€ter erfuhr ich von einem Teilnehmer der Gruppe, dass immer, wenn ich anwesend war, der Abend in der Diskussionsrunde gelaufen war. O, was mĂŒssen die ausgehalten haben. Solch ein ambivalentes GefĂŒhl hatte ich: angezogen und abgestoßen zugleich.

Inzwischen waren Renate und ich liiert. Es war uns klar, dass unser Weg zusammen weitergehen wĂŒrde.

Dann kam der entscheidende 6.6.1980. Es war Freitagnachmittag, wir fuhren von SaarbrĂŒcken nach Stuttgart mit der Maschine R90S BMW, die zweite. Herrliches Wetter, die Lederkombi war fast zum Schwitzkasten geworden, Renate hatte eine leichte Kombi aus Stoff an. Dann ab nach Stuttgart. Oh war das eine Freude, Autobahn Karlsruhe nach Stuttgart, voll befahren, Kolonne fahren ist nicht. Doch was so ein Motorrad eben ist, nur 2 RĂ€der, damit konnte man schon in der Kolonne mittig mit 100 fahren. Dann Pforzheim West, Pforzheim Ost, endlich war mal nach langem Kolonnenfahren und AutohĂŒpfen ein StĂŒckchen frei, aufgedreht, das letzte Auto hinter sich gelassen, so mit 110/120 km/h aufs Viadukt drauf. Dann weiß ich nur noch wie es geknallt hat, die Maschine bricht mehrfach hinten rechts und links weg, legt sich quer zur Fahrbahn und dann weiß ich nichts mehr. Wache auf, merke, wie man am Helm zerrt. Dann sehe ich noch benommen und verschwommen, wie auf der Fahrbahn jemand zugedeckt herumliegen, dann wieder Nacht. Wache im Sanka auf, es dreht sich alles, dann wieder alles dunkel.

Zuletzt werde ich im Bett im Pforzheimer Krankenhaus wieder wach, wer liegt neben mir? Meine Renate. Alles steht um uns herum, wir waren auf dem Flur zusammen hinausgefahren worden, alle gratulieren uns: Schwein gehabt, die Sterne standen gĂŒnstig, was fĂŒr GlĂŒckspilze und dergleichen SprĂŒche mehr. Wir wurden informiert, was alles fehlte oder besser gesagt, was noch dran war. Alles war noch dran, ich hatte eine GehirnerschĂŒtterung, Renate ebenfalls und dazu noch das SchlĂŒsselbein gebrochen. Sonst nichts. Unmöglich! Sonst kratzt man die Reste bei solch einem Motorradunfall noch von der Fahrbahn, damit man noch etwas fĂŒr den Sarg hat. Ich wette 10 Millionen zu 1, dass das so, wie es bei uns ausgeht, nicht nochmals passiert.

Die Kripo teilte mir spĂ€ter mit, dass die Unfallursache die defekte Aluminium-Gussfelge gewesen war. Aus ihr ist ein StĂŒck herausgebrochen (Materialfehler) und dies hĂ€tte den Sturz verursacht. Pause.

Im Krankenheus hatten wir ja auch reichlich Ruhe um ĂŒber all das, was da so ungeheuerlich abgelaufen ist zu rĂ€sonieren. Sollte es alles Zufall, GlĂŒck, Sternstunden gewesen sein?

Nachher:

Nein, das konnte es nicht sein! Alles nur GlĂŒck, Zufall. Wir erkannten sofort in unserem Herzen: eigentlich mĂŒssten wir tot sein. So etwas ĂŒberlebt keiner, das ist nicht normal, normalerweise steigen die Schutzengel bei 120 km/h ab. Wenn es denn kein GlĂŒck etc. war, was dann? Es war mir klar, Gott hat mir jetzt meinen Götzen ‚Motorrad‘ genommen. Es war uns klar, im Gericht Gottes, das uns eigentlich geblĂŒht hĂ€tte, wĂ€ren wir vor seinem Zorn verbrannt, das war uns klar, da hĂ€tten wir auf 100 Fragen keine Antwort geben können. Da wĂ€re die logische Konsequenz: Thomas, du bist ein Höllenkandidat! Kein anderer Weg wĂ€re fĂŒr dich offen und gangbar gewesen. Du hast dir mit lĂ€ppischen Fragen als Agnostiker Gott vom Hals halten wollen, mehr nicht. Du wolltest dein eigenes Ding machen. Gott evt. noch als LĂŒckenbĂŒĂŸer zulassen, aber sonst nichts. Gott mĂŒsste mich mit jeden Tag mit Eisenbahnschwellen durchwalken, das habe ich verdient! Aber doch nicht den Himmel!

Völlig klar war uns das auf einmal. Von der Schippe gesprungen. Dann kam auf einmal die innere Not: Was jetzt tun? Es war uns beiden völlig klar: Jetzt mĂŒssen wir Gott suchen, er hat ĂŒberdeutlich zu uns gesprochen. Lasst uns keine Zeit verlieren, sonst greift er noch hĂ€rter in unser Leben ein.

Gesagt, getan. Renate wollte ab diesem Zeitpunkt wieder verbindlich in eine Kirchengemeinde gehen. Da habe ich mich gerne wiedergefunden und diesen Vorschlag aufgegriffen. In der Baptistengemeinde in Völklingen fanden wir nicht nur die freundlichen Campuschristen wieder, sondern ebenso eine herzliche Aufnahme. Uns wurde auch schnell bewusst, das neue Leben hat neue Leitlinien, die es fĂŒr uns in der Bibel zu entdecken galt.

Ich habe angefangen eifrig die Bibel zu lesen. Der Bibellesezettel der Aidlinger Schwestern war ab diesem Zeitpunkt mein stĂ€ndiger morgendlicher Begleiter. Gelesen, gelesen, nichts verstanden, und wieder nichts verstanden. Dann riet mir jemand. Thomas, ich habe hier eine Bruns – Bibel mit Kommentaren, ist das was fĂŒr dich. NatĂŒrlich war das was fĂŒr mich, denn ich entwickelte plötzlich einen Hunger nach dem Wort Gottes, das sich nicht mal ansatzweise mit dem Bibellesen befriedigen ließ. Ich wollte verstehen, ich wollte begreifen, ich wollte ZusammenhĂ€nge erkennen. O, es gab so viel zu entdecken.

Doch es kam ganz anders, nicht ich entdeckte die großen Spuren Gottes, sondern Jesus sprach ganz still und leise immer wieder von meiner Schuld. Da waren offensichtlich noch einige Leichen im Keller, die jetzt erst zu modern und zu sticken anfingen, als Jesus seinen Finger darauf legte. Nun, die kleinen Dinge lassen sich so vom Tisch wischen, doch was war mit vielen Dingen in meinem Zimmer, die mir gar nicht gehörten, die waren auch nicht ausgeliehen, die waren schlicht und einfach gestohlen! Ich las dort: Du sollst nicht stehlen! Da wurde es mir mulmig. Ich schaute im Zimmer herum: o, das hast du dort her, jenes hast du bei einem Freund mitgehen lassen, der hat davon ja genug gehabt. Und ĂŒberhaupt die Dinge aus dem Kaufhaus, wo ich einmal gearbeitet hatte, da war sowieso genug da. Und wenn ich an die Abteilungsleiter dachte, wie die mit vollen Packtaschen aus dem Notausgang herauskamen und das Zeug gleich ins Auto warfen, dann waren wir, mein Kumpel in der Abteilung Fahrrad und ich, ja noch SaubermĂ€nner. Das machen doch sowieso alle! Ausreden ĂŒber Ausreden. Lieber Herr Jesus, lass doch die Vergangenheit ruhen, ich will doch von vorne anfangen.

Aber die NĂ€chte wurden seit dem Zeitpunkt immer kĂŒrzer, die Ausreden immer lĂ€nger, doch den lĂ€ngsten Atem hat unser Herr Jesus gehabt. Was machen? Ich schrie zu ihm: Herr vergib! Herr vergib! Doch die Gebete blieben an der Zimmerdecke hĂ€ngen. Immer wieder, immer wieder! Kein Frieden!

Da wir damals schon in der Navigatorenarbeit in Stuttgart waren, habe ich den Leiter der dortigen Arbeit um ein GesprĂ€ch gebeten, um ihm die ganze Sache vorzulegen. Peinlich, peinlich. Aber der Leiter konnte mir helfen. Er sagte mir, dass er so etwas von sich auch kenne. Autounfall, vorne rechts war die Seite kaputt, da hat er den alten Schaden hinten links auch gleich auf Versicherungskosten mitmachen lassen. Als er Christ wurde, hat im Jesus auch diese Schuld gezeigt und er war dann zur Versicherung gegangen, hatte sich selbst angezeigt und den Schaden nachtrĂ€glich zurĂŒckgezahlt. Er sagt zu mir: Thomas, wenn Jesus dir das jetzt so zeigt, dann gehe ins Kaufhaus und lege alles auf den Tisch! Ich sagte: Lieber Bruder, wenn ich das mache, dann komme ich in den Knast! Darauf erwiderte er: Wenn Jesus dir das jetzt so zeigt, dann gehe hin, er wird auch fĂŒr alles andere sorgen.

Gesagt, getan, es war an einem November-Montag, ich hatte alle gestohlenen Sachen in mehreren PlastiktĂŒten verstaut, und pĂŒnktlich um 9 Uhr zur Öffnung des Kaufhauses war ich zugegen. 6. Stock Filialleitung. Man empfing mich freundlich, bis der Chef eintreffen wĂŒrde, sollte ich noch warten. Es war gefĂŒhlt eine Ewigkeit, dann durfte ich zum Chef eintreten, meine Plastiktaschen und daran hing ein HĂ€ufchen Elend. Ich stellte die PlastiktĂŒten auf den SchreibsekretĂ€r und erlĂ€uterte, warum ich ihn jetzt mit den ganzen Sachen aufsuchen wollte. NatĂŒrlich erwĂ€hnte ich, dass ich vor 8 Jahren in seinem Haus in der Fahrradabteilung der Monteur war, und in dieser Zeit all die Sachen entwendet hatte. Der gute Chef schnappte nach Luft, ließ sich auf seinen BĂŒrosessel nieder und sagte kein Wort. Dann telefonierte er. Kurze Zeit spĂ€ter erschienen 2 brummige KleiderschrĂ€nke, es waren die Kaufhausdetektive. Alles ging recht wortkarg zu, ich verabschiedete mich und die beiden Herren eskortierten mich jetzt ins 2. UG wo sie ihr BĂŒro hatten. Es war ein richtiges Loch dort unten. Wieder erzĂ€hlte ich meine Geschichte vom Diebstahl als ich vor 8 Jahren als Angestellter bei der Fa. Hertie tĂ€tig war. Der eine fluchte: Du Idiot, was sollen wir mit dir machen? Dann rief er die Kripo an. Dort erzĂ€hlte ich nochmals meine Geschichte. Als ich auf mein Christsein zu sprechen kam, fragte er, was ich denn vorher gewesen sei. Ich sagte Heide,
. Die letzten Worte haben sich bei mir dann eingeprĂ€gt: Wir von der Kripo können nichts mehr machen, der Fall ist nach 7 Jahren verjĂ€hrt. Damit was das Telefonat beendet und ich hatte eine Not weniger.

Wieder fingen die Kaufhausdetektive an zu fluchen, sie dachten sich des Falles durch die Polizei entledigen zu können, doch es ging jetzt fĂŒr sie weiter.

Allgemeines RĂ€tselraten, was machen wir jetzt mit dem ‚Idioten‘! Ich schlug vor, bei den Abteilungen anzurufen, um nachzufragen, ob sie die vielfach nicht benutzten Waren noch verkaufen könnten. Sofort wurden alle Abteilungen angerufen, Computerabteilung, ein nagelneuer Casio Taschenrechner vom Feinsten, 1 x nagelneue Skibindung, 
 die Liste war lang, die Waren in der Regel unbenutzt. Doch immer wieder kam die erstaunte Antwort, wie ich es so mitbekam: Was 8 Jahre alt, nagelneu, können wir nicht mehr gebrauchen, können wir nicht mehr gebrauchen, . . . Als alle infrage kommenden Abteilungen angerufen waren, standen wir wieder am Anfang. Alles unbrauchbar. Wieder Fluchen und Stöhnen der Detektive, es waren mittlerweile schon fast 2 Stunden vergangen. Was nun? Wieder großes RĂ€tselraten.

Dann hatte ich einen Vorschlag: Da ich ja der Fa. Hertie einen Schaden zugefĂŒgt habe, wollte ich diesen Schaden pekuniĂ€r wieder ausgleichen. So schlug ich denn vor, ob ich nicht nachtrĂ€glich die Waren, die ich gestohlen hatte, kaufen könnte. Die Detektive fielen mir fast um den Hals, das schien des RĂ€tsels Lösung. Wieder wurde in allen Abteilungen angerufen und nach dem damaligen Preis gefragt. Ja, da kam ein hĂŒbsches SĂŒmmchen zusammen. Ich hatte vorsichtshalber einen grĂ¶ĂŸeren Betrag mitgenommen, fĂŒr den Fall der FĂ€lle, dass ich dies so ausgleichen könnte.

Wir gingen dann gemeinsam zur Hauptkasse, viele Mitarbeiter kannte ich ja noch von frĂŒher und immer wieder wurde ich dann gefragt: Hei Thomas, na kommst du wieder zu uns?

Als ich alles bezahlt hatte, begleiteten mich die beiden KleiderschrÀnke, jetzt sichtlich froh gestimmt, diesen prekÀren Fall auf so elegante Weise gelöst zu haben, hinunter zum Personaleingang, dort wurde ich mit der Bemerkung und dem Dank entlassen: Wenn es nur mehr von der Sorte wie dich gÀbe. Ironie des Schicksals.

Als ich draußen vor dem Personaleingang stand, hatte ich immer noch die PlastiktĂŒten voll mit den gestohlenen Sachen in der Hand, doch jetzt wusste ich zum ersten Mal: Diese Schuld ist weg, dafĂŒr hat mein Herr Jesus am Kreuz bezahlt. Das kommt im Gericht Gottes nie wieder auf den Tisch.

Dies war dann der Anfang einer langen AufrĂ€umaktion, die ich durchfĂŒhren sollte. Beziehungen wurden bereinigt, sexuelles Fehlverhalten korrigiert, das ganze Leben in einer Generalbeichte auf einer Freizeit einem Bruder ausgeschĂŒttet. Dem Herrn sei dank, er hat alles immer in homöopathischen Dosen offenbart, der Anfang war der schwierigste Teil, aber auch der lohnendste. Die Scheu war ĂŒberwunden, Schuld beim Namen zu nennen und aufzurĂ€umen. Alle unsere SchuldbewĂ€ltigungsmechanismen gehen fehl. Wir denken immer: Pst, nichts sagen, das wird schon wieder! Gottes SchuldbewĂ€ltigungsprogramm hört sich in 1. Joh, 1,9 nicht ganz so scharmant an:

Wenn wir aber unsre SĂŒnden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die SĂŒnden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.

Das Blut Jesu reinigt von aller Schuld, von aller.

Wir wollen immer zudecken, dass es keiner merkt. Die Kellerleichen dĂŒrfen nicht zum Vorschein kommen. Gottes Programm ist anders: zuerst deckt er auf und dann deckt er es mit dem Blute Jesu zu. Dann ist die Schuld wirklich weg.

So habe ich es erfahren und wĂŒnsche dir, der du das liest, dieselbe Erfahrung.

Soli deo gloria

Bremen, 1.8.2023

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 28. August 2023 um 5:00 und abgelegt unter Allgemein.