Gemeindenetzwerk

Ein Arbeitsbereich des Gemeindehilfsbundes

Grillen essen, statt Essen grillen?

Donnerstag 4. Mai 2023 von Johann Hesse


Johann Hesse

Im Mai 2021 verk√ľndete die EU-Kommission, dass die Larve des gelben Mehlwurms aus der Familie der Schwarzk√§fer als neuartiges Lebensmittel (sog. ‚Äěnovel-food‚Äú) zugelassen werden soll. Es folgte im selben Jahr die Zulassung der Wanderheuschrecke¬†und der Hausgrille.¬†Im Januar 2023 traten weitere Durchf√ľhrungsverordnungen in Kraft, die das Beimischen von Hausgrillen und Larven des Getreideschimmelk√§fers in getrockneter, gefrorener, pulverisierter und pastenartiger Form u.a. in bestimmten Back- und Teigwaren, Cerealien, Fleischersatzprodukten und Snacks zulassen.

Vor 2021 war das offensichtlich anders. In der Folge der BSE-Krise war selbst das Verf√ľttern von Insektenmehl an Tiere, die Milch geben oder sp√§ter auf dem Teller landen, verboten. Auch als Lebensmittel waren sie nicht zugelassen. Ein Radiobeitrag des Deutschlandfunks aus dem Jahre 2016[1] berichtet auch warum:

  • Insektenlarven sind sehr fettreich, in den Fettk√∂rpern k√∂nnen sich Schadstoffe wie z.B. Cadmium anreichern, das zu Nieren- oder Knochensch√§den f√ľhren kann.
  • Insekten enthalten allergene Strukturen, die Allergien bis zum anaphylaktischen Schock ausl√∂sen k√∂nnen.
  • Bei der Zucht von Insekten k√∂nnen sich Pilze und andere Erreger verbreiten. Bakterien, Viren, Parasiten, Maden und Insekten ern√§hren sich oft von M√ľll und Essensresten. Erreger, die da drinstecken, k√∂nnten dann in die Nahrungskette geraten.

Der Verzehr von Insekten wird nicht etwa ermöglicht und auch propagiert, weil diese als Delikatesse oder als besonders gesundes Nahrungsmittel bekannt wären, sondern um den Fleischkonsum zu drosseln. Das Halten von Nutztieren gilt als klimaschädlich, das Schlachten von Tieren widerspricht dem Tierwohl. Wir sollen weniger Fleisch und mehr Insekten essen. Oder anders gesagt: Grillen essen, statt Essen grillen.

Aus der Bibel wissen wir, dass sich Johannes der T√§ufer von Heuschrecken und wildem Honig ern√§hrte (Mt 3,4). Das war thoragem√§√ü, denn vier Heuschreckenarten galten dem Volk Israel als reine Tiere, die zum Verzehr zugelassen waren (3 Mose 11,21-22). Keil schreibt, dass die Heuschrecke auch unter arabischen St√§mmen, allerdings vor allem von der √§rmeren Bev√∂lkerung, verzehrt wurde: ‚ÄěGew√∂hnlich werden sie √ľber Kohlen oder auf einem Bleche oder im Backofen ger√∂stet oder in Butter geschmort und mit Salz, auch wohl Gew√ľrz und Essig verzehrt, wobei Kopf, Fl√ľgel und F√ľ√üe weggeworfen werden, oder auch in Wasser mit Salz gekocht und dann mit Salz oder Butter gegessen. Endlich mahlt man sie ged√∂rrt auch zu Mehl, aus dem man Kuchen b√§kt.‚Äú[2]

Au√üer den vier genannten Heuschreckenarten galt den Israeliten alles Kleingetier, ob nun Insekten oder Gew√ľrm, als unrein und durfte nicht gegessen werden: ‚ÄěWas auf der Erde kriecht, soll euch ein Gr√§uel sein, und man soll es nicht essen. Alles, was auf dem Bauch kriecht, und alles, was auf vier oder mehr F√ľ√üen geht, unter allem, was auf der Erde kriecht, d√ľrft ihr nicht essen; denn es soll euch ein Gr√§uel sein. Macht euch selbst nicht zum Gr√§uel an allem kleinen Getier, das da wimmelt, und macht euch nicht unrein an ihm, so dass ihr dadurch unrein werdet‚Äú (3 Mose 11,41-43; vgl. 11,20-23). F√ľr Gottes Volk sollten Insekten, W√ľrmer und Larven unrein sein, sie durften auf keinen Fall gegessen werden. Wie wir heute wissen, hatte das nicht nur kultische, sondern auch hygienische Gr√ľnde. Unter Juden gilt √ľbrigens bis heute: Insekten sind keine koscheren Lebensmittel.[3]

Als Christen sind wir nicht mehr an die j√ľdischen Speisegebote gebunden (Mk 7,19; Hebr 13,9). Will man uns allerdings aus ideologischen Gr√ľnden umerziehen und den Fleischverzehr madig und Maden schmackhaft machen, dann sind Gottes Weisungen der bessere Ratgeber. Bereits seit den Tagen der Sintflut d√ľrfen Menschen Fleisch verzehren (1 Mose 9,3). Ausdr√ľcklich hei√üt es: ‚ÄěSo lasst euch nun von niemandem ein schlechtes Gewissen machen wegen Speise und Trank‚Ķ Wenn ihr nun mit Christus den M√§chten der Welt gestorben seid, was lasst ihr euch dann Satzungen auferlegen, als lebtet ihr noch in der Welt: Du sollst das nicht anfassen, du sollst das nicht kosten, du sollst das nicht anr√ľhren? Das alles soll doch verbraucht und verzehrt werden. Es sind Gebote und Lehren von Menschen, die zwar einen Schein von Weisheit haben durch selbsterw√§hlte Fr√∂mmigkeit und Demut und dadurch, dass sie den Leib nicht schonen; sie sind aber nichts wert und befriedigen nur das Fleisch‚Äú (Kol 2,16.20-23).

Mit gutem Gewissen d√ľrfen wir auch in Zukunft Essen grillen, statt Grillen zu essen.

Johann Hesse

Quelle: Aufbruch ‚Äď Informationen des Gemeindehilfsbundes 1/2023 (M√§rz)

Sie können die aktuelle Ausgabe des Aufbruchs hier herunterladen.

[1] https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/ernaehrung-endlich-insekten-essen (abgerufen am 6.2.2023)

[2] Carl Friedrich Keil, Biblischer Kommentar √ľber die B√ľcher Mose, Bd. 2, Biblischer Kommentar √ľber das Alte Testament (Leipzig: D√∂rffling und Franke, 1870), S. 90.

[3] https://www.chabad.org/library/article_cdo/aid/4658850/jewish/Are-Bugs-Kosher.htm

Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 4. Mai 2023 um 12:15 und abgelegt unter Gesellschaft / Politik, Seelsorge / Lebenshilfe.