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Stellungnahme gegen die Frauenordination – Die Ordination von Frauen zum Amt der Kirche

Freitag 18. November 2022 von Prof. Dr. Reinhard Slenczka (1931-2022)


Prof. Dr. Reinhard Slenczka (1931-2022)

Der Theologieprofessor Prof. Dr. Reinhard Slenczka ist am 4. November in die Ewigkeit eingegangen. Wir dokumentieren hier seine Stellungnahme gegen die Frauenordination, die er im Jahr 1991 vor der Synode der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe gehalten hat:

Verehrte, liebe Schwestern und Br├╝der, Sie stehen heute vor der Entscheidung, ob der sogenannte „Pastorinnenvorbehalt“ im Pfarrergesetz der VELKD von 1976 aufgehoben werden soll, nach dem gilt: „Die Bestimmungen des Artikels I, soweit sie die Rechtsstellung der Pfarrerin betreffen, sind in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe erst von dem Zeitpunkt an anzuwenden, der von dieser Gliedkirche bestimmt wird.“

Nach Lage der Dinge entscheiden Sie nicht ├╝ber die Frauenordination, die in allen anderen Gliedkirchen und gliedkirchlichen Vereinigungen der EKD eingef├╝hrt ist. Sie entscheiden vielmehr dar├╝ber, ob eine der beiden letzten Ausnahmeregelungen au├čer Kraft gesetzt werden soll, mit denen die Gewissens├╝berzeugung von solchen Gliedern und Amtstr├Ągern – Theologen und Theologinnen – evangelischer Gemeinden gesch├╝tzt werden, die zu der Einsicht kommen, dass eine Ordination von Frauen zum gemeindeleitenden Amt der Kirche mit der Heiligen Schrift und dem Bekenntnis der Kirche nicht vereinbar ist. Dies ist auch meine ├ťberzeugung, und aus diesem Grund haben Sie mich eingeladen, diesen Standpunkt hier zu vertreten.

Die Situation f├╝r die Beratungen und Entscheidungen ist nicht leicht. Wir wissen und erfahren alle, gleich, wo wir stehen, was der Beifall oder der Druck der ├ľffentlichkeit dabei bewirken kann. Wir wissen auch, in welchem Ma├če dabei pers├Ânliche Interessen in Sympathie und Antipathie ins Spiel zu kommen pflegen und dazu Emotionen mancher Art.

Die Standpunkte werden allen bekannt sein; die Argumente sind so oft wiederholt, m├╝ndlich und schriftlich, dass sie abgen├╝tzt sind und vielleicht schon ├╝berhaupt nicht mehr wahrgenommen werden; und alles l├Ąuft dann lediglich auf das Zahlenverh├Ąltnis von Ja und Nein in der Abstimmung hinaus, Sieg oder Niederlage.

Angesichts dieser Situation m├Âchte ich meinen Beitrag ganz auf einen Punkt konzentrieren, der mir der wichtigste scheint, obwohl er in den jahrelangen Auseinandersetzungen viel zu wenig, wenn ├╝berhaupt, beachtet worden ist. Ich meine das an Gottes Wort gebundene und vor ihm verantwortliche Gewissen, mit dem und f├╝r das wir zu entscheiden haben. Meine Ausf├╝hrungen gliedere ich unter drei Punkte:

  1. Gewissensentscheidung und Gewissensschutz,
  2. Das Wort des Herrn,
  3. Die Gleichheit der Rechte und die Vielfalt der Gaben, dann noch
  4. eine abschlie├čende zusammenfassende Bemerkung.

1. Gewissensentscheidung und Gewissensschutz

1. Timotheus 1,5 lesen wir: „Die Hauptsumme aller Unterweisung aber ist Liebe aus reinem Herzen, aus gutem Gewissen und aus ungef├Ąrbtem Glauben.“ Herz, Gewissen und Glaube stehen hier gleichbedeutend nebeneinander und dr├╝cken das aus, was das F├╝hlen, Denken und Handeln eines Christen bestimmt. Das ist umfasst von der Lehre, Unterweisung oder Verk├╝ndigung (parangelia), die aus der Liebe Gottes in Jesus Christus kommt, durch die wir erneuert und vollendet werden. Nach dem Textzusammenhang richtet sich dieser den Timotheusbrief einleitende Hinweis auf Konflikte und Streitigkeiten, die in der Gemeinde um Lehre und Lebensf├╝hrung aufgebrochen sind. Im Weiteren und neben vielem anderen geh├Ârt dazu auch ein Streit um das ├Âffentliche Lehren von Frauen. Die rechte Schriftauslegung wird ausdr├╝cklich als Streitpunkt erw├Ąhnt. (Verse 6 und 7: „ÔÇŽ wollen der Schrift Meister sein und verstehen selber nicht, was sie sagen oder so k├╝hnlich behaupten“).

Gewissen ist f├╝r uns als Christen die Bindung an das Wort Gottes. Dazu geh├Ârt jener Vorgang von Anklage und Verteidigung der Gedanken, wie er sich nach R├Âmer 2,14 ff im Herzen eines jeden Menschen vollzieht und, worauf dort ausdr├╝cklich hingewiesen wird, auf den Tag des g├Âttlichen Endgerichts verweist, „an dem Gott das Verborgene der Menschen durch Christus Jesus richten wird, wie es mein Evangelium bezeugt.“ (R├Âmer 2,16).

Ein Beispiel f├╝r die Bedeutung des Gewissens bei Richtungsstreitigkeiten in der Gemeinde haben wir in R├Âmer 14 und 1. Korinther 8 bei dem Streit zwischen Starken und Schwachen um den Genuss von Fleisch aus dem heidnischen Kultbereich. Wir wissen alle, dass dieses Beispiel von den Starken und Schwachen sehr unterschiedlich geltend gemacht oder sogar ausgenutzt werden kann, indem dann die Starken die Schwachen ebenso majorisieren k├Ânnen wie umgekehrt die Schwachen die Starken. Doch was im menschlichen Meinungsstreit Sieg und Niederlage sein mag, wird vom Apostel hingelenkt auf die Frage, wie kann ich mit dem, was ich tue, vor dem Herrn Jesus Christus bestehen, der f├╝r mich gestorben ist und durch den ich ewiges Leben empfangen soll. Die Gewissensentscheidung betrifft, wie der Apostel schreibt, die Tatsache, dass „jeder von uns f├╝r sich selbst Gott Rechenschaft geben“ muss (Vers 12).

Der Gewissensschutz f├╝r den anderen aber zielt darauf, dass er nicht gezwungen wird, etwas zu tun, was er vor Gott und seinem Wort nicht verantworten kann: „Wenn aber dein Bruder wegen deiner Speise betr├╝bt wird, so handelst du nicht mehr nach der Liebe. Bringe nicht durch deine Speise den ins Verderben, f├╝r den Christus gestorben ist.“

Hier liegt der Kernpunkt der anstehenden Entscheidung mit der m├Âglichen Konsequenz, dass Glieder der Gemeinde, nicht nur Amtstr├Ąger, etwas zu tun veranlasst oder gar gezwungen werden, was sie vor Gottes Wort, der Heiligen Schrift, nicht verantworten k├Ânnen und was deshalb S├╝nde ist, weil es mit schlechtem Gewissen geschieht in der Unsicherheit, ob es nach Gottes Wort und vor seinem Gericht verantwortbar ist.

Ich will das nun im Blick auf die Entscheidungssituation verdeutlichen: Ich hatte eingangs gesagt, dass eine der beiden letzten Ausnahmeregelungen au├čer Kraft gesetzt werden soll. Die andere neben dem „Pastorinnenvorbehalt f├╝r Schaumburg-Lippe“ ist der sogenannte „Gewissensparagraph“ in der „Pfarrstellenbesetzungsordnung“ der bayerischen Landeskirche vom 20.04.1980, der, wenn ich recht sehe, also erst f├╝nf Jahre nach der Einf├╝hrung der Frauenordination mit dem Bischofswechsel im November 1975 in Geltung getreten ist. Dort hei├čt es: „Der Landeskirchenrat muss die Ausschreibung auf Pfarrer, Pfarrverwalter oder Pfarramtskandidaten beschr├Ąnken, wenn bei der Stellenbesetzungsbesprechung ein zum Dienst in der betreffenden Kirchengemeinde berufener Pfarrer oder Pfarrverwalter, der vor dem 1. Juli 1989 zum Dienst in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern ordiniert wurde, es verlangt.“ (┬ž 4,4)

Die Forderung, diesen sogenannten „Vetoparagraphen“ abzuschaffen, der lediglich als Kompromiss akzeptiert worden war, ist seit langem auf dem Tisch, doch noch nicht entschieden. Das Zitat aus einer neuen Ver├Âffentlichung mag die Situation illustrieren: „Aus der damaligen Sicht war f├╝r mich dieser Vetoparagraph als Kompromiss notwendig, um das friedliche Miteinander von Bef├╝rwortern und Gegnern der Frauenordination zu gew├Ąhrleisten. Manche Kollegen waren im Amt, die unter anderen Bedingungen angetreten waren und sich mit der Neuerung nicht abfinden konnten. F├╝r sie war es eine belastende Gewissensfrage.

Ob das heute noch so gesehen werden kann, ist mir die Frage. Seit November 1975 wei├č jeder m├Ąnnliche Kollege, der sich in der bayerischen Landeskirche ordinieren l├Ąsst, dass in dieser Kirche Berufskolleginnen arbeiten. Der Konvent der Evangelischen Theologinnen in Bayern hat meines Erachtens recht mit der Forderung, dass dieser Vetoparagraph abgeschafft werden muss.“

(Marianne Pfl├╝ger, Die Theologinnenfrage in Bayern. In: 100 Jahre Pfarrer┬ş und Pfarrerinnenverein in Bayern. N├╝rnberg 1991. 95.)

Es ist also absehbar, dass es innerhalb der EKD keinen Gewissensschutz mehr f├╝r solche gibt, die eine Ordination von Frauen zum gemeindeleitenden Amt nach Schrift und Bekenntnis nicht verantworten k├Ânnen.

Wer die Situation in den lutherischen Kirchen Skandinaviens kennt, hat vor Augen, was das bedeutet und welche Folgen das hat. In Schweden wurde die Frauenordination 1958 eingef├╝hrt, und zwar auf Forderung, ja sogar auf Druck der Regierung in zweimaligem Anlauf. Die Konsequenz war, dass f├╝r die Zulassung zur Ordination eine Erkl├Ąrung der Bereitschaft verlangt wurde, mit ordinierten Frauen zusammenzuarbeiten. Angesichts der fortdauernden Konflikte, durch die die Einheit der Kirche gef├Ąhrdet wurde, wurden am 1.12.1978 „Regeln f├╝r die Zusammenarbeit innerhalb der Kirche von Schweden zwischen Vertretern verschiedener Auffassungen in der Frage nach der Zulassung der Frau zum geistlichen Amt“ ausgearbeitet, und bis heute l├Ąuft die Diskussion, „wie man in ein und derselben Kirche unter ein und demselben Bekenntnis mit unterschiedlichen Urteilen des Gewissens in der Ordinationsfrage geistlich und praktisch weiter Zusammenleben kann“. (Das geistliche Amt in der Kirche, Paderborn/Frankfurt 1982, S. 103). Diese Frage ist bis heute nicht beantwortet, und dies hat dazu gef├╝hrt, dass man bei gegenteiliger Einstellung nicht f├╝r das Bischofsamt, unter Umst├Ąnden auch nicht f├╝r eine Ordination in Frage kommt. Die Anerkennung der Frauenordination ist also zu einer Bedingung f├╝r die Amts├╝bertragung geworden. Eine Folge ist die Gr├╝ndung einer freien Synode 1983.

In Norwegen gibt es einen Gewissensschutz f├╝r Bisch├Âfe, die Frauen nicht ordinieren wollen (was auf zwei der elf Bisch├Âfe zutrifft), sowie f├╝r Pfarrer, die eine Konzelebration „in sacris“ ablehnen. In Finnland, wo vor drei Jahren die Entscheidung gef├Ąllt wurde, gibt es meines Wissens keine schriftliche Fixierung des Gewissensschutzes, wohl aber eine praktische Respektierung. Doch es ist absehbar, dass sich ├Ąhnliche Zwangs Situationen ergeben werden.

Bei uns zulande geht es in den laufenden Erw├Ągungen ├╝berhaupt nicht mehr darum, wie man einen solchen Gewissensschutz erh├Ąlt, sondern dass man ihn bis ins letzte beseitigt.

Doch gerade deshalb werden wir sehen und bedenken m├╝ssen, dass es dabei keineswegs nur um das Verh├Ąltnis von Mann und Frau in der Kirche geht, sondern dass alle Glieder der Gemeinde davon betroffen sein k├Ânnen:

Dies betrifft die Gemeinden, in denen Frauen amtieren sollen und Bedenken dagegen auftreten.

Es betrifft Amtstr├Ąger der Gemeinde, die Frauen ordinieren und mit ordinierten Frauen zusammenarbeiten sollen.

Bei Kandidaten f├╝r das Bischofsamt taucht unvermeidlich die Frage nach der Frauenordination als Ausscheidungskriterium auf.

Es betrifft Bewerber f├╝r die Vikarsausbildung. denen vom Ausbildungsreferenten erkl├Ąrt wird, dass schriftbegr├╝ndete Gewissensbedenken gegen eine Zusammenarbeit mit ordinierten Frauen ihre Ausbildung und Anstellung in der betreffenden Landeskirche unm├Âglich machen. Es betrifft aber, was leicht v├Âl┬şlig ├╝bersehen wird, auch Frauen mit theologischer Ausbildung, die, wenn sie nach ihrer Einsicht nicht ordiniert werden wollen, nur auf dem Weg der Ordination eine kirchliche Anstellung finden.

D.h. wir stehen in der EKD heute unter einem Zwang zur Anerkennung der Frauenordination. Wer das aber mit seinem Gewissen nicht vereinbaren kann, hat nicht einmal mehr die M├Âglichkeit, die Landeskirche zu wechseln, er kommt f├╝r kirchliche ├ämter – sei er nun Mann oder Frau – nicht mehr in Frage, und das ganze Thema ist ├╝berhaupt nicht mehr verhandlungsf├Ąhig.

Dennoch gilt, „wider das Gewissen zu handeln ist beschwerlich, unheilsam und gef├Ąhrlich“ (Luther auf dem Reichstag zu Worms 1521. WA 7,87 4f), und andere dazu zu zwingen, ihnen Ansto├č oder ├ärgernis zu geben (R├Âmer 14,13), ber├╝hrt zutiefst die Gemeinschaft im Glauben in der Verantwortung vor dem Herrn, seinem Wort und seinem Gericht.

F├╝r die Gewissensentscheidung wie f├╝r den Gewissensschutz wird dies in R├Âmer 14,23 mit aller Klarheit so zusammengefasst: „Wer aber dabei zweifelt und isset doch, der ist gerichtet, denn es geht nicht aus dem Glauben. Was aber nicht aus dem Glauben geht, das ist S├╝nde.“

2. Das Wort des Herrn nach der Heiligen Schrift

Die in R├Âmer 14 und 1. Korinther 8 verhandelte Frage, ob man als Christ Fleisch oder Gem├╝se isst, mag geringf├╝gig erscheinen. Es geht nicht einmal um eine Weisung, die auf den Herrn zur├╝ckzuf├╝hren w├Ąre. Dennoch wird sie vom Apostel Paulus mit erstaunlichem Nachdruck mit dem verbunden, was heilsentscheidend ist, weil es den Glauben betrifft, mit dem ein Christ im endg├╝ltigen Sinne steht und f├Ąllt. Um diesen letzten Ernst geht bei der Gewissensentscheidung und beim Gewissensschutz.

Wir werden daher nun in dem zweiten Schritt – von vielen weiteren Begr├╝ndungen absehend – uns ganz auf das Wort der Schrift konzentrieren, an das der Glaube gebunden, von dem er auch getragen ist, nach dem er gerichtet wird.

Dazu ist in unserer Situation folgendes zu ber├╝cksichtigen: Man kann nat├╝rlich und wird vermutlich mit Mehrheitsentscheidungen die Frauenordination durchsetzen und ihre Anerkennung auf dem Wege kirchlicher Gesetzgebung erzwingen. Man kann aber weder den Wortlaut noch die Wirkung des Wortes Gottes, der Heiligen Schrift, ├Ąndern oder au├čer Kraft setzen. Und das ist die eigenartige Beobachtung in den skandinavischen Kirchen, aber auch bei uns, dass beruhigte Gewissen unerwartet wieder unruhig werden durch das Wort der Schrift. Ich zitiere aus einem schwedischen Bericht: „Die Beh├Ârden, kirchliche wie weltliche, sind davon beunruhigt, dass die ├ťberzeugung, dass Pastorinnen mit dem Neuen Testament unvereinbar sind, nicht von selbst ausstirbt, sondern in jeder neuen Generation immer wieder Anh├Ąnger findet. Man spricht von der ‚Pastorinnenfrage‘ und meint darunter zwei ganz verschiedene Probleme. Erstens: ‚Wie lebt man mit solchen Auseinandersetzungen doch in einer Kirche zusammen weiter?‘ Zweitens: ‚Wie kann der Widerstand zum Aufh├Âren gebracht werden?‘ (Svenska kyrkans fria Synod. Die Freie Synode der schwedischen Kirche, 1986. 13).“

Dass die Gewissen durch das Wort Gottes unruhig werden, erleben wir auch unter den Theologiestudenten, und zwar, das m├Âchte ich nachdr├╝cklich betonen, bei m├Ąnnlichen ebenso wie bei weiblichen. Wir erleben das auch in der Gemeinde; wir erleben es auch bei solchen, die bereits ordiniert sind und die dann unter Umst├Ąnden gerade durch das Wort Gottes in Anfechtung geraten, von dem sie in ihrem Dienst doch getragen werden sollten.

Warum das so ist und immer bleiben wird, will ich an der Hauptstelle 1. Korinther 14, 33 bis 40 in Verbindung mit 1. Timotheus 2, 9 bis 15 zeigen. Hier haben wir das unbedingte Nein zum Reden bzw. zum Lehren durch Frauen in der Gemeindeversammlung. Dieses Nein wird in eine Situation hinein gesprochen, in der das geschieht. Dreifach wird dieses Nein mit dem schwersten Gewicht geistlicher Autorit├Ąt begr├╝ndet:

  • Der erste Grund lautet: „Wie in allen Gemeinden der Heiligen …“. (Vers 34) Das ist der Hinweis auf einen ├Âkumenischen Konsens, den die Gemeinde von Korinth mit ihrer Anpassung an die Umwelt durchbricht. Jeder von uns wei├č, dass die Einf├╝hrung der Frauenordination, beginnend in den f├╝nfziger Jahren, zu einem neuen kirchentrennenden Faktor geworden ist und s├Ąmtliche vorhandenen Ann├Ąherungen zu einer Verst├Ąndigung ├╝ber das kirchliche Amt gest├Ârt bzw. aufgehoben hat. Das betrifft zuerst das Verh├Ąltnis zu den orthodoxen Kirchen des Ostens und zur r├Âmisch-katholischen Kirche. Es betrifft aber auch die Kirchengemeinschaft innerhalb von einzelnen Kirchen. Wir beobachten das zur Zeit in der Anglikanischen Gemeinschaft.

Beil├Ąufig, doch nicht ohne Absicht sei auf einen anderen die ├Âkumenische Verst├Ąndigung st├Ârenden Sachverhalt hingewiesen: Die Sakramentsverwaltung durch Nichtordinierte w├Ąhrend der 2. Ausbildungsphase.

  • Der zweite Grund lautet: „Wie auch das Gesetz sagt“. Dies ist die Berufung auf das Wort Gottes des alten Bundes, insbesondere auch auf die Zuordnung von Mann und Frau nach Genesis 1 bis 3 (vgl. 1. Timotheus 2, 13 bis 15, 1. Korinther 11, 1 bis 16 und Epheser 5,21 ff).

J├╝rgen Roloff hat in seinem neuen Kommentar zum 1. Timotheusbrief sicher recht, wenn er dazu feststellt: „Die meisten vorliegenden Deutungsversuche verfolgen das Ziel, das ├ärgernis dieser Aussage aus der Welt zu schaffen.“ (140)

Wer geistlich im Vertrauen auf das Heilsame des Wortes Gottes liest, h├Ârt und urteilt, der wird jedoch folgendes nicht ├╝bersehen k├Ânnen: Die Unterordnung, von der an diesen Stellen die Rede ist, wird umschlossen und bestimmt durch Person und Werk Jesu Christi. Deshalb gilt prinzipiell f├╝r die Gemeinschaft in Christus unter den Christen: „Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi“ (Epheser 5,21). Das in Christus begr├╝ndete und anschauliche Wesen dieser Unterordnung aber besteht eindeutig in der Hingabe Christi f├╝r die Gemeinde (Epheser 5,25) und in dem Gehorsam des Sohnes Gottes gegen├╝ber dem Vater (1. Korinther 11,3). Dieses Verh├Ąltnis anders in Verteidigung oder Protest zu sehen, w├Ąre unchristlich, sofern dann das Verh├Ąltnis von Mann und Frau ohne Christus gesehen w├╝rde. Es ist die Entscheidung, ob wir von Christus her denken oder nach der unaufhebbaren Polarisierung von Mann und Frau.

├ähnlich verh├Ąlt es sich mit dem Hinweis f├╝r die Frau auf ihren spezifischen Beruf: „Sie wird aber selig werden dadurch, dass sie Kinder zur Welt bringt, wenn sie bleiben mit Besonnenheit im Glauben und in der Liebe und in der Heiligung.“ (1. Timotheus 2,15). H├Âren wir eigentlich bei allem verst├Ąndlichen und spontanen Widerspruch aus unserer Erfahrung, wie hier gegen├╝ber der Straflast f├╝r die Frau nach dem Fall (Genesis 3,16) ihre Mitwirkung an der Zueignung des Heils zur Sprache gebracht wird? Und in den Pastoralbriefen, die uns die Gemeinde mit ihrer Verwurzelung in Haus und Familie vorf├╝hrt, finden sich direkte Hinweise auf das, was man als Apostolat und als eine apostolische Sukzession der Frauen in der Glaubens├╝berlieferung und -Unterweisung bezeichnen kann. So erinnert Paulus den Timotheus an den „ungef├Ąrbten Glauben in dir, der zuvor schon gewohnt hat in deiner Gro├čmutter Lois und in deiner Mutter Eunike; ich bin aber gewiss, auch in dir.“ (2. Timotheus 1,5). Die meisten von uns werden ihre erste Glaubensunterweisung diesem m├╝tterlichen Apostolat verdanken, und wer w├╝sste nicht, was geschieht, wenn dies vers├Ąumt wird7

Die Ausleger erinnern daran, dass diese und ├Ąhnliche Hinweise sich gegen eine Ablehnung und Vernachl├Ąssigung von Ehe und Familie richten, wie sie z.B. von der Gnosis in jener Zeit vertreten worden ist.

Die Gemeinde in Korinth, die den Konsens mit den anderen Kirchen durchbricht und dem Wort Gottes widerspricht, wird gefragt: „Oder ist das Wort Gottes von euch ausgegangen? Oder ist’s allein zu euch gekommen?“ Die Gemeinde muss sich also fragen, ob sie hier nicht eigenes Wort an die Stelle von Gottes Wort setzt.

– 3. Damit kommen wir zu dem dritten Grund, mit dem jedem geistlichen Anspruch, der nicht mit dem Konsens der Gemeinden/Kirchen und dem Wort Gottes Ubereinstimmt, entgegengehalten wird, „dass es des Herrn Gebot ist, was ich euch schreibe. Wer aber das nicht anerkennt, der wird nicht anerkannt.“ (Vers 37 bis 38). Diese Berufung auf das Gebot des Herrn schlie├čt alles ein, was vorher zur Ordnung in der Gemeinde gesagt worden ist, also auch das Schweigegebot.

Eine solche Berufung auf Wort und Weisung des Herrn findet sich bei Paulus mehrfach und dann jedes Mal an ganz entscheidenden Stellen: 1. Korinther 7, 10/12 beim Verbot der Ehescheidung und der Wiederheirat Geschiedener. Wir wissen, wie leicht das bei uns ├╝bergangen wird: 1. Korinther 9,14 bei dem Hinweis, dass die Verk├╝ndiger des Evangeliums auch aus dem Evangelium, d.h. von dem Unterhalt der Gemeinde leben sollen und d├╝rfen. 1. Korinther 11,23 im Blick auf die Einsetzung des Herrnmahls, wo es zur Privatveranstaltung von Gruppen gemacht wird. 1. Korinther 15,3, vgl. Galater 1,12 f├╝r Inhalt und Auftrag der Evangeliumsverk├╝ndigung sowie 1. Thessalonicher 4,15 f├╝r die Wiederkunft Christi und die Auferstehung der Toten.

Bei allen Argumenten, die es sonst noch gibt, ist mit Wort und Weisung des Herrn die h├Âchste Stufe der Verbindlichkeit erreicht, und f├╝r den Apostel ergibt sich daraus: „Wer aber das nicht anerkennt, der wird nicht anerkannt“, wobei sowohl die kirchliche Gemeinschaft gemeint sein kann wie auch die Anerkennung oder Verwerfung im Endgericht durch Jesus Christus selbst.

Ob wir das wollen oder nicht, nach dem Wortlaut des Textes geht es hier um das, was im letzten Sinne heilsentscheidend ist. Demnach ist die Frauenordination nicht eine blo├če Frage kirchlicher Ordnung oder geschichtlicher Sitte, sondern f├╝r den Apostel geht es hier um die Gemeinschaft der Kirchen und ihren Gehorsam gegen├╝ber dem Wort des Herrn.

Damit stehen wir an dem Punkt, der inhaltlich vom Wort Gottes her die Gewissensentscheidung in der Frage der Frauenordination ausmacht. Und die christliche Gemeinde hat dies weltweit und bis auf unsere Zeit in allen Kirchen stets so verstanden und sich entsprechend verhalten.

Wer anders entscheidet, muss nicht nur f├╝r sich, sondern auch f├╝r die Glieder der Gemeinde dieser dreifachen Begr├╝ndung durch den ├Âkumenischen Konsens, durch das Gesetz Gottes und mit dem Wort und der Weisung des Herrn ausweichen und sich entziehen. Dies geschieht, was ich nicht weiter auszuf├╝hren brauche, mit der Behauptung, es handele sich um einen sp├Ąteren Einschub von 1. Timotheus 2 oder um eine Weisung, die an die geschichtlichen und gesell┬şschaftlichen Zust├Ąnde jener Zeit gebunden und darauf begrenzt ist.

Auch und vermutlich gerade ein Nichttheologe wird merken, wie auf diese Weise alles ins Gleiten kommt, wenn wir uns dann zunehmend und schlie├člich ganz den Forderungen der Zeit und der jeweils herrschenden Meinung f├╝r Lehre und Ordnung der Kirche anschlie├čen, so wie das tats├Ąchlich in manchen anderen F├Ąllen, die ich lieber nicht erw├Ąhnen m├Âchte, bereits auch durch Synodalbeschl├╝sse geschieht. Die Gemeinde macht sich zum Herrn ├╝ber das Wort des Herrn. Ich verbinde damit noch einen bedenkenswerten Hinweis: In der Geschichte der Kirche hat es immer wieder Situationen gegeben, in denen Frauen den Dienst von M├Ąnnern ├╝bernehmen mussten, weil M├Ąnner fehlten. So hat auch der Bruderrat der Bekennenden Kirche der Altpreu├čischen Union im Kriegsjahr 1942 zwei entsprechende Beschl├╝sse gefasst ├╝ber „Den Dienst der Vikarin“ und „Die Verk├╝ndigung des Evangeliums durch Frauen“ (In: W. Niesei (Hg), Um Verk├╝ndigung und Ordnung der Kirche. Die Bekenntnissynoden der Evangelischen Kirche der Altpreu├čischen Union 193*4-1943. Bielefeld 1949. S. 91 f). Beide Beschl├╝sse dienten zur ├ťberwindung der Vakanznot und zur pastoralen Versorgung verwaister Gemeinden. Dabei wurde eine klare Abgrenzung der Aufgaben auf diesen Notfall vorgenommen; es wurde aber nicht die Konsequenz einer generellen Frauenordination daraus gezogen.

Bei der Durchsetzung der Frauenordination seit den sechziger Jahren hingegen ging es niemals um das Bed├╝rfnis und die Versorgung der Gemeinden, zumal sich die sog. „Theologenschwemme“ bereits abzeichnete. Ma├čgeblich wurden vielmehr Forderungen und Zielvorstellungen, die au├čerhalb der Kirche ihren Ursprung haben.

F├╝r diejenigen aber, die eine Ordination von Frauen zum gemeindeleitenden Amt ablehnen, die dann auch nicht bereit sein werden, diesen Dienst anzuerkennen und anzunehmen, die auch nicht bereit sind, Frauen zu ordinieren oder mit ordinierten Frauen zusammenzuarbeiten, ja auch die theologisch gebildeten Frauen, die sich nicht ordinieren lassen wollen, geht es hier um eine echte Glaubens- und Gewissensentscheidung, die so oder so kirchentrennend sein muss und bleiben wird.

Wer f├╝r die Frauenordination entscheidet, entscheidet also gegen den Konsens der Kirchen, gegen das Gesetz Gottes und gegen das Wort des Herrn. Er entscheidet zugleich gegen solche Glieder der Gemeinde, die sich an dieses Wort gebunden wissen. Sie werden entweder zum Verzicht auf die Ordination gezwungen, m├Âglicherweise, wie es auch schon geschehen ist, zur Konversion, m├Âglicherweise aber auch zu einem Kompromiss mit schlechtem Gewissen. Es ist schlimm, wenn man dann von kirchlichen Amtstr├Ągern, die mit der Ordination beauftragt sind, h├Ârt, dass man unsicher ist im Blick auf die Schriftgrundlage f├╝r eine Frauenordination, w├Ąhrend doch in der Erfahrung gute Arbeit ordinierter Frauen zu beobachten sei. Denn damit wird die Schriftgrundlage durch das Erfolgsprinzip ersetzt, wodurch die ├ťbertretung s├Ąmtlicher Gebote legitimiert werden kann. Ebenso ist es eine schlimme Erscheinung, wenn zwar die f├Ârmliche Zustimmung zur Ordination von Frauen gegeben, aber diese dann nicht selbst vollzogen wird. Denn so geschieht genau das, wovon der Apostel sagt: „Was nicht aus Glauben geschieht, ist S├╝nde.“ (R├Âmer 14,23)

3. Die Gleichheit der Rechte und die Vielfalt der Gaben

Das Amt, von dem wir sprechen, hei├čt im Lateinischen „ministerium“, im Griechischen „diakonia“, und das bedeutet Dienst. Der es ausf├╝hrt, bezeichnet sich wie der Apostel Paulus als „doulos“, d.i. Knecht, ja Sklave (z.B. R├Âmer 1,1) oder auch als Gefangener, der von Christus im Triumphzug herumgef├╝hrt wird, ja auch als Opfer. (Philipper 2,17, vgl. 2. Korinther 2,14 ff). Das sollten wir uns alle in Erinnerung rufen, wo die Rede umgeht von den „Rechten des geistlichen Standes“, die entweder zu verteidigen oder zu erk├Ąmpfen sind. Es k├Ânnte sein, dass sich bei M├Ąnnern und Frauen ein Amtsverst├Ąndnis eingeschlichen hat, in dem dieser biblische Sachverhalt v├Âllig vergessen ist und durch Rangordnung, Gehaltsstufen u. ├Ą. ersetzt wurde. Denn geistlichen oder auch priesterlichen Standes sind wir durch die Taufe alle (vgl. l. Petrus 2,9), und so sind wir, wie es in Galater 3,28 hei├čt, ohne Unterschied von Rasse, sozialer Stellung und Geschlecht „Einer in Christus Jesus“, und zwar gerade in aller Verschiedenheit. Das Amt der ├Âffentlichen Verk├╝ndigung und Verwaltung der Sakramente aber ist, wie es Luther mehrfach gesagt hat, ein „Dienst an Priestern“. Dies ist die unbestreitbare Gleichheit der Rechte im priesterlichen Stand, der durch die Taufe begr├╝ndet ist.

Wenn wir nun einen Blick auf die Vielfalt der Gaben werfen, dann kommt zu dem eindeutigen Nein ein, wie ich hoffe, verhei├čungsvolles Ja. Ich zitiere dazu den d├Ąnischen Theologen Regin Prenter, der sich vor Jahren ├Ąhnlich wie Peter Brunner und Hermann Dietzfelbinger ge├Ąu├čert und entsprechende Vorschl├Ąge gemacht hat: „Deshalb muss auch hervorgehoben werden, dass ein Nein zur Frauenordination heute eigentlich nur dann Kraft hat, wenn es mit einem Ja zur Erneuerung des verlorenen Dienstes der Frauen in der Gemeinde verbunden ist.“ (Die Ordination der Frauen zu dem ├╝berlieferten Pfarramt der lutherischen Kirche (=Luthertum H.28) Berlin-Hamburg 1967, S. 17).

Ich beschr├Ąnke mich auf ein paar Hinweise, da dieses Thema sicher nicht Gegenstand der Verhandlungen bei dieser Synodaltagung sein kann. Ich meine aber, es geht hier um eine wichtige Angelegenheit, die keineswegs nur weibliche, sondern auch m├Ąnnliche Dienste in der Gemeinde betrifft in ihrer Vielfalt und Notwendigkeit, wo sich bei uns weithin ein Monopol des gemeindeleitenden Amtes auf Kosten anderer Dienste herausgebildet hat. Das ist zweifellos auch bedingt durch mangelnde Anerkennung und geringere Bezahlung. Darunter leiden auch die Ehren├Ąmter.

Indem ich davon ausgehe, dass die kirchliche Rang- und Gehaltsordnung in keiner Weise an Schrift und Bekenntnis gebunden oder davon gedeckt ist, stelle ich nur ein paar Fragen f├╝r weitere ├ťberlegungen und – hoffentlich – sp├Ątere j Entscheidungen: Was ist eigentlich in unserer Zeit aus dem m├Ąnnlichen und weiblichen Diakonat geworden? Gibt es nicht auch eine ganze Anzahl von m├Ąnnlichen Theologiestudenten, die nach ihren Gaben, F├Ąhigkeiten und Interessen f├╝r ganz andere Aufgaben auch im kirchlichen Bereich besser geeignet sind als f├╝r das Pfarramt? Wo gibt es in der Kirche Aufgaben, f├╝r die in besonderer Weise, vielleicht sogar ausschlie├člich und unersetzlich, theologisch gebildete Frauen geeignet sind, auch ohne, dass sie zum gemeindeleitenden Amt ordiniert werden m├╝ssen? Bis jetzt gibt es, soweit ich sehe, daf├╝r zwar durchaus M├Âglichkeiten, aber keine entsprechenden Wege f├╝r Ausbildung und Einstellung. Gibt es nicht unter Umst├Ąnden auch Anstellungsm├Âglichkeiten, die besser f├╝r eine Teilzeitbesch├Ąftigung geeignet sind, die doch dem Pfarramt v├Âllig widerspricht, wenn es den Totaleinsatz eines Menschen fordert?

Praktische Vorschl├Ąge als Anregung f├╝r weitere ├ťberlegungen sind von Peter Brunner (Das Hirtenamt und die Frau (1959) In: Ders., Pro Ecclesia. Gesammelte Aufs├Ątze zur dogmatischen Theologie. Bd. 1. F├╝rth 1990. 310-338) und Hermann Dietzfelbinger (M├╝ndige Welt. M├╝ndige Gemeinde. M├╝ndiger Christ. Wachstumsprobleme in der evangelisch-lutherischen Kirche. M├╝nchen 1966. 58 ff) gemacht worden. Neuerdings wurde 1989 vom ├ľkumenischen Patriarchat der Orthodoxen Kirche ein Dokument ver├Âffentlicht: „Die Stellung der Frau in der Orthodoxen Kirche und die Frage der Ordination der Frauen“, in dem ebenfalls zu dem eindeutigen schriftbegr├╝ndeten Nein konkrete Vorschl├Ąge f├╝r eine „vollere Beteiligung der Frauen am Leben der Kirche“ und f├╝r Aufgaben theologisch gebildeter Frauen gemacht worden sind (deutsche ├ťbersetzung in: Homiletisch-Liturgisches Korrespondenzblatt – Neue Folge. 8. Jg. 1990/91, Nr. 32, 496-507)

Es ist sehr bedauerlich, dass solche Vorschl├Ąge nicht einmal Geh├Âr finden. Stattdessen wird die Monopolstellung des gemeindeleitenden Pfarramtes auf Kosten anderer Dienste und unter Vernachl├Ąssigung vieler Gaben und Aufgaben zunehmend verst├Ąrkt, mindestens was den Gang theologischer Ausbildung betrifft. Hier m├╝sste nachgedacht und gestaltet, nicht nur gefordert und zugestimmt werden.

4. Abschlie├čende zusammenfassende Bemerkung

Sie stehen heute vor der f├╝r die gesamte VELKD und EKD und dar├╝ber hinaus f├╝r die ├ľkumene folgenreichen Entscheidung, dass die letzte M├Âglichkeit f├╝r einen Gewissensschutz in der Frage der Frauenordination beseitigt wird, und das betrifft in gleicher Weise M├Ąnner und Frauen, Amtstr├Ąger wie Gemeindeglieder.

Dies ist verbunden mit der vermutlich auch absehbar letzten M├Âglichkeit zur Erneuerung nicht nur eines spezifisch weiblichen Dienstes in der Kirche, sondern auch der Vielfalt der Dienste und Gaben von M├Ąnnern und Frauen.

Schlie├člich, und dies alles zusammenfassend, geht es bei dieser Entscheidung darum, dass sich eine Kirche nicht unter Bruch der Gemeinschaft mit anderen Kirchen an anderen Orten und zu anderen Zeiten ├╝ber das Wort Gottes und das ausdr├╝ckliche Gebot des Herrn stellen darf. Eine solche Entscheidung aber wendet sich gegen die Kirche selbst. Die Kirche zerf├Ąllt, wo sie sich nicht mehr an das Wort ihres Herrn h├Ąlt, und sie geht unter in dem W├╝rfelspiel (Epheser 4,14) menschlicher Meinungen und gesellschaftlicher Str├Âmungen. Eine solche Entscheidung ist unwirksam, selbst wenn sie mit hundertprozentiger Zustimmung angenommen w├╝rde, denn das Wort Gottes k├Ânnen Sie im Wortlaut der Heiligen Schrift nicht ├Ąndern und in seiner Wirkung auf die Gewissen nicht aufheben.

Gott gebe Ihnen f├╝r Ihre Beratungen und Entscheidungen den Geist der Weisheit und des Verstandes, den er seiner Gemeinde in Jesus Christus verhei├čen hat. Er bewahre unsere Kirche davor, ihr eigenes Wort an die Stelle des Wortes Gottes zu setzen.

Prof. Dr. Reinhard Slenczka , Erlangen (1931-2022)

Quelle: idea-Dokumentation Nr. 28/91

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 18. November 2022 um 22:43 und abgelegt unter Kirche, Theologie.