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Pfingsten

Samstag 22. Mai 2021 von Dr. Joachim Cochlovius


Dr. Joachim Cochlovius

Das Pfingstfest wird von manchen als der Geburtstag der Kirche angesehen. Manche Christen feiern Pfingsten als Fest der Geisterf├╝llung. Wieder andere feiern es als ein liebliches Fr├╝hlingsfest, wie es Goethe tat. Die Frage ist, was ist Pfingsten nach dem biblischen Zeugnis wirklich. Was bedeutet dieses Fest? Inwiefern gibt es uns Anlass zur Freude? Das Ziel dieser Betrachtung ist, dass wir neu verstehen, wie unverzichtbar das Pfingstgeschehen f├╝r den christlichen Glauben ist.

Eine These zum Einstieg: Ohne Pfingsten bleibt das Christentum Religion. Religion definiert sich bekanntlich als Suche des Menschen nach Gott. Mit Pfingsten wird das Christentum zu einer gelebten, lebensver├Ąndernden Wirklichkeit. Pfingsten ist unverzichtbar, wenn wir nach dem Kern des Glaubens und seiner lebensver├Ąndernden Kraft fragen. Manche haben noch die Auffassung, Christentum sei eine Religion, eine unter vielen anderen Religionen. Seit Pfingsten ist diese Auffassung ├╝berholt. Pfingsten bezeugt die lebensver├Ąndernde Kraft des christlichen Glaubens. Dar├╝ber wollen wir jetzt nachdenken.

Ank├╝ndigungen des Pfingstgeschehens

Rufen wir uns zun├Ąchst einmal die vielf├Ąltigen Ank├╝ndigungen des Pfingstgeschehens in Erinnerung. Pfingsten bricht nicht nur einfach ein in die Lebenswelt und den Glauben der J├╝nger und der ersten Schar als ein unerwartetes Himmelswunder, sondern Pfingsten war angek├╝ndigt. Die Apostel wussten ganz genau, dass Pfingsten auf sie zukommt. Die wichtigsten Ank├╝ndigungen sind:

Johannes der T├Ąufer k├╝ndigt Pfingsten an, indem er sagt: ÔÇ×Ich taufe euch mit Wasser, aber es kommt jemand nach mir, der wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufenÔÇť (Mt 3,11). Jesus hat in den bekannten und ber├╝hmten Abschiedsreden des Johannes-Evangeliums (Joh 13-17) oft und intensiv vom Pfingstgeschehen gesprochen, nat├╝rlich in andeutender Weise, denn die J├╝nger hatten den Heiligen Geist vor Pfingsten noch nicht. Sie waren unf├Ąhig, die Geheimnisse des Glaubens und des Pfingstfestes zu verstehen. Jesus musste in Andeutungen mit ihnen reden. In den Abschiedsreden k├╝ndigt er den Heiligen Geist an unter dem Bild des Tr├Âsters, des Parakleten, der ihn, Jesus, vertritt. Der Heilige Geist wird hier als eine Person in den Blick genommen und geschildert, eine Person, die in der Vollmacht Gottes und des Sohnes Gottes auftreten und handeln wird. Der Heilige Geist ist also nicht nur eine Kraft. Er ist eine Person.

Im Missionsbefehl (Mt 28,20) sind wir schon bei der Kraft des Heiligen Geistes und bei der Ank├╝ndigung, dass Jesus alle Tage bis zur Vollendung dieses ├äons bei den Seinen sein wird. ÔÇ×Ich bin bei euch alle Tage.ÔÇť Ja, wie ist er denn bei uns, in welcher Weise? In Form unserer Erinnerung, die immer mehr verblasst? In Form eines Beispiels, eines Vorbildes, wie wir es leider heute oft h├Âren? Wie ist Jesus bei uns? Er ist im Heiligen Geist als der Sohn Gottes gegenw├Ąrtig bei denen, die ihm glauben. Der Vater, der Sohn, der Geist nehmen Wohnung bei all denen, die im Geheimnis des Glaubens leben (Joh 14,23). Die Bibel unterscheidet zwischen einem Zelt, das ist eine ├ťbergangswohnung, und einer festen Wohnung. Der dreieinige Gott lebt fest, unk├╝ndbar, in uns und wir in ihm. Das ist Pfingstglaube. Also ist der Missionsbefehl eine Ank├╝ndigung des Pfingstgeschehens.

Nach der Auferstehung Jesu finden wir einige sehr interessante Schilderungen, wie sich Jesus den J├╝ngern gen├Ąhert hat und wie er mit ihnen gesprochen hat und wie sie mit ihm gesprochen haben. Auch in Joh 20,21-23 finden wir eine deutliche Ank├╝ndigung des Pfingstgeschehens, denn dort spricht Jesus den J├╝ngern Frieden zu. Er spricht ihnen ebenso die Vollmacht zu, gesendet zu sein und als Gesendete das Werk Gottes auszurichten, und er nimmt Pfingsten vorweg, indem er sie anhaucht und ihnen sagt: ÔÇ×Nehmt hin den Heiligen Geist.ÔÇť Das ist eine ganz massive k├Ârperliche Ank├╝ndigung des Pfingstgeschehens, verbunden mit der Bevollm├Ąchtigung zur S├╝ndenvergebung: ÔÇ×Welchen ihr die S├╝nden erlasst, denen sind sie erlassen, und welchen ihr die S├╝nden behaltet, denen sind sie behalten.ÔÇť Kurz vor der Himmelfahrt (Apg 1,8) spricht Jesus noch einmal von Pfingsten, und zwar konkret von der Kraft, die sie empfangen w├╝rden, und von der inneren Bevollm├Ąchtigung, Zeugen dieses Christus zu sein, der den Tod ├╝berwunden hat, der sich vor der unsichtbaren Welt bezeugt hat und der nun zur Rechten Gottes sitzt. Das waren viele Ank├╝ndigungen, so dass die J├╝nger auf alles vorbereitet waren.

Nun k├Ânnte man sagen, damals als Initialz├╝ndung f├╝r die J├╝nger war das Pfingstfest wichtig. Sie mussten ja neu aufgerichtet und aufgebaut werden. Ihnen musste der Glaube noch ins Herz geschrieben werden. Man k├Ânnte auch sagen, f├╝r Prediger, f├╝r Missionare, f├╝r Seelsorger ist der Heilige Geist wichtig. Von denen muss ja etwas ausgehen. Die m├╝ssen ├ťberzeugungskraft haben. Die m├╝ssen schlie├člich das erkl├Ąren k├Ânnen, woran sie glauben und warum der Glaube wichtig ist f├╝r andere. Aber warum f├╝r uns? Warum ist der Heilige Geist f├╝r jeden Christen absolut wichtig?

Warum braucht jeder Christ den Heiligen Geist? Vier Antworten

Die Antwort ist vierf├Ąltig und damit vielleicht noch nicht vollst├Ąndig, aber diese vier Gr├╝nde sprechen f├╝r sich. Warum hat Paulus, als er seine Missionsreisen durchf├╝hrte und Menschen begegnete, die schon etwas von Jesus geh├Ârt hatten, bei denen er sich aber unsicher war, ob sie gl├Ąubige Christen waren ÔÇô warum hat er die nicht nach ihrer Bekehrung gefragt, sondern nach dem Heiligen Geist? ÔÇ×Habt ihr den Heiligen Geist empfangen?ÔÇť Weil der Heilige Geist Signum, unverkennbares Zeichen und Kennzeichen gelebten Christseins ist. Darf ich ganz pers├Ânlich fragen: ÔÇ×Habt ihr den Heiligen Geist empfangen? Hast du den Heiligen Geist empfangen?ÔÇť Das sollte jeder Christ wissen. ÔÇ×Gab es eine solche Ver├Ąnderung in deinem Leben?ÔÇť

Pastor Heinrich Kemner, dessen Mitarbeiter im Geistlichen R├╝stzentrum Krelingen ich ja lange war, fragte immer: ÔÇ×Was hat sich in deinem Leben ver├Ąndert, als du Christ geworden bist? Irgendetwas hat doch ganz bestimmt der Heilige Geist in deinem Leben bewirkt.ÔÇť So darf man doch fragen. Und was ├Ąndert sich, wenn wir den Heiligen Geist bekommen? Um noch einmal Heinrich Kemner zu zitieren: ÔÇ×Wenn du ein Spatz gewesen bist, wirst du nat├╝rlich keine Nachtigall, aber du wirst ein echter Spatz.ÔÇť Also: Du wirst ein authentischer Mensch, der wei├č, woher er kommt und wohin er geht.

Warum brauchen wir den Heiligen Geist, wenn wir als Christen leben wollen?

1.) Nur durch den Heiligen Geist kann ich Jesus wirklich als Herrn erkennen, als Herrn dieser Welt, der sichtbaren und unsichtbaren Welt, und als meinen pers├Ânlichen Gott und Heiland. Und ebenso als Sch├Âpfer der Welt, durch dessen Hand alles gegangen ist. Dem ich mich und mein Leben verdanke. Der den Makrokosmos und den Mikrokosmos in seiner Hand h├Ąlt. Dessen Wort Inbegriff aller Information, alles Lebens ist. Nur durch den Heiligen Geist kann ich das erkennen und bekennen. ÔÇ×Nur durch den Geist k├Ânnen wir Jesus den Herrn nennen.ÔÇť (1 Kor 12,3) Dabei geht es nicht um Lippenbekenntnisse, sondern um die Erkenntnis, dass ER wirklich der Herr ist und wir seine Diener, seine Nachfolger, denn Jesus den Herrn nennen hei├čt immer, sich selbst als Diener zu bekennen.

2.) Nur durch den Heiligen Geist gibt es die Gewissheit, ein Kind Gottes zu sein, die Gewissheit, nach der ja viele Religionen Ausschau halten, und die es woanders nicht gibt und nicht geben kann, denn nur der Heilige Geist gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind (R├Âm 8,16). Nur wenn ich den Heiligen Geist habe, wei├č ich, dass ich ein erl├Âstes und errettetes Kind Gottes bin. Mit allen Gebrechen, das ist klar. Wir sind noch nicht im Himmel angekommen. Aber das sagt mir der Geist Gottes: Christus ist f├╝r dich da. Er ist f├╝r dich gestorben. Er ist f├╝r dich auferstanden, und er lebt in dir. Du darfst unbesorgt in die Zukunft gehen. Er umschlie├čt dein ganzes Leben, die Zeit deines Lebens, die Umst├Ąnde ÔÇô Er ist der Hirte, der dich auf rechter Stra├če f├╝hrt. Das ist das Werk des Geistes.

3.) Nur wer den Heiligen Geist hat, empf├Ąngt den Leib der Herrlichkeit. Das ist die Aussage von R├Âmer 8. Ein ganzes Kapitel widmet Paulus diesem Herrlichkeitsleib. Das ist ihm so wichtig, dass wir einen Leib empfangen sollen ohne Krankheit, ohne Tod, ohne Tr├Ąnen, ohne Gebrechlichkeit und vor allem ohne S├╝nde. Einen Leib, in dem wir die Sch├Ânheit Gottes schauen werden und ihm in freier Dankbarkeit und Hingabe dienen werden von Ewigkeit zu Ewigkeit. Paulus sagt (R├Âm 8,23): ÔÇ×Wer das Angeld des Heiligen Geistes hat, der darf auch auf diesen Leib, auf die gro├če Restzahlung warten und sich freuen.

4.) Nur im Heiligen Geist gibt es wahre und wirkliche Freude und wahren und wirklichen Frieden (R├Âm 14,17). Paulus sch├Ątzt die Freuden des Lebens keineswegs gering ein. Er ist kein Kostver├Ąchter. Aber an dieser Stelle unterscheidet er. Die Herrschaft Gottes besteht nicht darin, dass wir viel und gut essen und trinken k├Ânnen. Das d├╝rfen wir selbstverst├Ąndlich. Aber die Herrschaft Gottes gibt dir noch unendlich mehr: Frieden und Freude. Freude und Frieden im Heiligen Geist.

Diese vier Gr├╝nde sollten eigentlich gen├╝gen, um jeden Christen davon zu ├╝berzeugen, dass er den Heiligen Geist dringend ben├Âtigt.

Das Pfingstgeschehen

Nun steuern wir auf das Pfingstgeschehen zu (Apg 2). Wir k├Ânnen dieses gro├čartige Kapitel hier nicht ausf├╝hrlich betrachten und auslegen, aber die wichtigsten Elemente wollen wir doch in den Blick nehmen. F├╝nfzig Tage nach dem j├╝dischen Passahfest, also nach Tod und Auferstehung Jesu, kommt der Heilige Geist vom Himmel herab ├╝ber die ersten Christen.

Das ist eine unerh├Ârte Botschaft. Dazu muss man das Alte Testament etwas kennen. Dann wissen wir, dass es an dem f├╝nfzigsten Tag nach dem Passahfest ein weiteres Fest gab, ein Hingabe-, Dank- und Opferfest. Da wurden die Erstlingsbrote der neuen Ernte Gott geweiht. Das erste Brot durfte Gott betrachten und als sein Eigentum bewerten. Zu Pfingsten geht es auch um die Erstlinge. Die, die hier mit dem Heiligen Geist erf├╝llt werden, sind die Erstlingsschar der Gemeinde Jesu. Eine wunderbare Botschaft. Denn wo es Erstlinge gibt, da gibt es auch noch andere, weitere, viele, sehr viele, die ganze Gemeinde aller R├Ąume und aller Zeiten folgt diesen Erstlingen.

Was machen denn die Erstlinge? Sie r├╝hmen Gott und geben damit ein Zeichen, ein Vorbild f├╝r jede christliche Predigt. Jede Predigt hat zun├Ąchst einmal und zuallererst Gott zu r├╝hmen und seine Wohltaten in den Mittelpunkt zu stellen. Wenn man sich die Predigtfragmente aus der Apostelgeschichte ansieht, da wird immer und ├╝berall Gott ger├╝hmt und gepriesen. Wenn Sie ein Kriterium brauchen f├╝r die Predigt Ihres Verk├╝ndigers in Ihrer Gemeinde ÔÇô hier ist das Kriterium. Wird Gott ger├╝hmt? Werden Gottes Wohltaten in den Mittelpunkt gestellt? Das ist das untr├╝gliche Kennzeichen einer neutestamentlich orientierten Predigt. Auch in 1 Petr 2,9, dieser Stelle, die die Vorrechte der christlichen Gemeinde zusammenfasst, ist von den Wohltaten die Rede, die zu verk├╝ndigen wir berufen sind.

Wie machen die Erstlinge das denn? Wie predigen die denn? Wie dr├╝cken sie sich aus? Das griechische Wort glossa kann man mit ÔÇ×SpracheÔÇť und mit ÔÇ×ZungeÔÇť ├╝bersetzen. Ich empfehle hier die ├ťbersetzung ÔÇ×ZungeÔÇť. ÔÇ×ÔÇŽund als der Pfingsttag gekommen war, waren sie allen an einem Ort beieinander. Und es geschah pl├Âtzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erf├╝llte das ganze Haus, in dem sie sa├čen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer, und er setzte sich auf einen jeden von ihnen. Und sie wurden alle erf├╝llt von dem Heiligen Geist und fingen an zu reden in anderen Zungen, wie der Geist ihnen gab, auszusprechenÔÇť (Apg 2,1-4).

Sie sprachen also mit anderen Zungen. Was soll denn das bedeuten? Unsere Zunge ist das Organ, mit dem wir reden, artikulieren, mit dem wir eine Sprache sprechen. Wenn ich eine andere Zunge habe, kann ich also eine andere Sprache sprechen. Das ist wohl hier gemeint. Aber was war das f├╝r eine Sprache, die hier pl├Âtzlich gesprochen wurde?

Denken wir einmal an das Alte Testament, an den Turmbau zu Babel. Was hat Gott damals verh├Ąngt, nachdem die Menschheit sich erk├╝hnt hat, sich einen solchen Namen zu machen, der bis in den Himmel reichen sollte? Das war ja im Grunde ein Ausdruck daf├╝r, selber wie Gott sein zu wollen. Da hat Gott die Sprachen verwirrt. Da hat Gott die damals noch einheitliche menschliche Sprache verwirrt, und es entstanden viele Sprachen, so dass die Menschen sich untereinander nicht mehr verst├Ąndlich machen konnten. Und hier geschieht nun dieses Wunder, dass eine neue Sprache gesprochen wird, eine Sprache, die bleibt. Eine Sprache, in der die Menschen sich verstehen und verst├Ąndigen k├Ânnen. Eine Sprache, die im Himmel gesprochen wird. Eine Sprache, die dort vor dem Thron Gottes gesprochen werden wird.

Wer die Johannes-Offenbarung kennt, der wei├č, dass sich dort Menschen aus vielen V├Âlkern und Sprachen vor Gott vereinigen und eine einzige Sprache sprechen und in dieser Sprache Gott r├╝hmen. Und hier zu Pfingsten geschieht dieses Wunder, dass diese Sprache schon aufblitzt in Zeit und Raum. Und andere Menschen aus allen m├Âglichen L├Ąndern und Sprachen und Dialekten verstehen diese Sprache, Menschen aus allen m├Âglichen V├Âlkerschaften. Gemeint sind hier Diaspora-Juden, die sich zu diesem Erntefest zu Pfingsten in Jerusalem versammelt haben. Die verstehen jetzt, dass und wie hier Gott ger├╝hmt wird. Die werden hineingenommen in diese himmlische Anbetung.

Wie ist das zu verstehen, dass Menschen eine neue Sprache verstehen k├Ânnen, die sie noch nie geh├Ârt hatten? Die konnten sie doch unm├Âglich verstehen. Das l├Ąsst sich nur deuten als ein H├Ârwunder, das neben das Sprachwunder tritt. Der Heilige Geist bef├Ąhigt die ersten Christen, sich hineinnehmen zu lassen in die himmlischen Lobges├Ąnge, und er bef├Ąhigt gleichzeitig H├Ârer, die sich dem nicht verschlie├čen, sich ebenfalls hineinnehmen zu lassen in diese himmlischen Lobpreisges├Ąnge. Das ist das doppelte Wunder des ersten Pfingstfestes der Gemeinde Jesu.

Wir merken, Pfingsten zieht uns hinein in den Thronsaal Gottes, wo wir in ewiger Anbetung Gott r├╝hmen und preisen. Pfingsten weist ├╝ber sich hinaus. Wir merken, wenn wir diese Verse lesen und auch das, was Petrus in seiner Pfingstpredigt sagt, dass all die Ank├╝ndigungen Jesu in seinen Abschiedsreden sich hier schlagartig erf├╝llen. Die J├╝nger und die anderen Mitglieder der ersten Gemeinde werden mit dem Heiligen Geist getauft. Der Tr├Âster ist da, der sie in alle Wahrheit leitet, der ihnen Verstehen und Verst├Ąndnis schenkt. Jesus Christus selbst ist gegenw├Ąrtig im Heiligen Geist. Es ist Kraft da, und es ist Vollmacht da. Alles, was vor Pfingsten mit Pfingsten verbunden war, das l├Âst sich ein und erf├╝llt sich.

Die Pfingstpredigt des Petrus

Sehen wir uns die Pfingstpredigt des Petrus an (Apg 2,17-36). Petrus gibt zuerst eine Deutung dieses Pfingstereignisses und hat dann eine besondere Botschaft. Die Deutung bezieht sich auf ein Zitat aus dem Prophetenbuch des Joel im 3. Kapitel, der das schon Jahrhunderte vor Christus angek├╝ndigt hat, dass Gott seinen Geist allem Fleisch zuteilwerden lassen wird. Das ist die Ursprungsverhei├čung, der wir es heute verdanken, dass auch wir den Heiligen Geist empfangen k├Ânnen. Joel spricht zu Israel, zu j├╝dischen Menschen: Ihr sollt das vermitteln. Ihr werdet ausgestattet werden mit Vollmacht zur Predigt und Verk├╝ndigung. Das ist also das Zweite, dass wir empfangen k├Ânnen. Erstens den Heiligen Geist, und zweitens die Botschaft, die Israel weitergeben soll, n├Ąmlich der V├Âlkerwelt das Wort Gottes weiterzusagen.

Ich w├╝rde hier nicht sein und ich k├Ânnte nicht in mein Bibelbuch hineinblicken, wenn nicht j├╝dische Menschen bevollm├Ąchtigt gewesen w├Ąren, diese Botschaft aufzuschreiben und weiterzusagen. Und in Zukunft, in der neuen Welt Gottes, wird Israel in einem jetzt noch ungeahnten Ausma├č diese Ursprungsverhei├čung aus Joel in die Tat umsetzen, wenn es erneuert wird und Christus gekommen sein wird, und wenn es eingesetzt wird in diese Uralt-Verhei├čung, ein Priester- und K├Ânigsvolk f├╝r die Menschen zu sein. Auch das ist schon hier in der Vision des Joel zu finden.

Jeder soll errettet werden, der Christus anruft. Auch das ist schon von Joel angek├╝ndigt. Was ist das f├╝r ein Prophet! Was ist das f├╝r eine prophetische Botschaft! Und wenn wir dann noch die Botschaft des Petrus h├Âren, dann bekommen wir einen noch gewaltigeren Eindruck. Hier erf├╝llt sich das, was das Kernzentrum christlicher Botschaft, der Ruhm Gottes und die Darstellung christlicher Wohltat ist. Denn was macht Petrus in dieser Pfingstpredigt anderes, als dass er die gr├Â├čte Wohltat Gottes, die es ├╝berhaupt gibt, n├Ąmlich die Bezwingung des Todes f├╝r die todesverfallene Menschheit in den Mittelpunkt stellt, und die Auferweckung Christi predigt. Diese Predigt geht vielen durchs Herz. Das ist immer Kennzeichen echter Erweckung, f├╝r die wir heute auch t├Ąglich beten sollten. Dass da Menschen kommen und sagen: ÔÇ×Was sollen wir tun? Wie geht es jetzt weiter in unserem Leben, wenn Gott das gemacht hat?ÔÇť

Und dann kommt der leider sehr kurzgehaltene Bericht ├╝ber die erste Gemeinde (Verse 42-47). Wir kennen die vier ma├čgeblichen Kennzeichen dieser ersten Gemeinde, die damit auch Urbild der christlichen Gemeinde geworden ist. Wir k├Ânnen und sollten unsere eigene Gemeinde an diesem Urbild immer wieder messen.

1.) Sie hielten unbeirrt an der Lehre der Apostel fest. Wie viele Gemeinden haben hier heute Nachholbedarf. Wie weit hat sich gerade die evangelische Kirche von der lehre der Apostel entfernt!

2.) Sie nehmen Anteil aneinander. Sie pflegten praktische Gemeinschaft. Sie nahmen Anteil an den N├Âten, an den Leiden und Freuden der anderen.

3.) Sie feierten das Mahl des Herrn und vergegenw├Ąrtigten sich damit die Auferstehung Jesu immer wieder und lebten in der praktischen Vergebung der Schuld.

4.) Sie beteten gemeinsam.

Das ist Gemeinde. Das ist Pfingstgemeinde im besten Sinn des Wortes.

Zusammenfassung: Das Werk des Heiligen Geistes

Ich fasse das Werk des Heiligen Geistes zusammen. 1.) Er lehrt uns, die Worte Jesu zu verstehen. Er ├╝bt sie uns ein. Der Heilige Geist ist unser Trainer. Er ist unser Seelsorger. Er hilft uns. Er nimmt uns an die Hand. 2.) Er f├╝hrt uns in die Wahrheit, in alle Wahrheit (Joh 16,13). Wahrheit ist immer die Wirklichkeit, wie Gott sie sieht und wie Gott sie erschafft. Wir bekommen durch den Heiligen Geist einen Blick, die Welt, uns selbst, andere Menschen so zu sehen, wie Gott sie sieht. Das ist Ein├╝bung in eine neue Sicht der Dinge, die der Heilige Geist uns schenkt. Die ist voller Hoffnung, blickt hinter die Kulissen, versteht den Menschen besser als er sich selber. Das ist dieses Lehren und Erinnern. Das ist dieses Hineingenommen sein in die Wahrheit. 3.) Er verherrlicht Christus. Er macht Christus gro├č, und das kann er nur so machen, indem er uns auf den Boden der Tatsachen, auf den Teppich zur├╝ckholt. Er macht uns realistisch. Wenn der Heilige Geist an uns wirkt, beginnen wir an unseren M├Âglichkeiten zu verzagen und an Gottes M├Âglichkeiten zu glauben, seine Allmacht und unsere Ohnmacht einzukalkulieren in unser Leben. Das ist Werk des Heiligen Geistes.

Wie bekommt man den Heiligen Geist?

Wenn nun jemand fragen will, wie bekomme ich den Heiligen Geist, dann gibt es nur eine Antwort: Indem du Jesus Christus einl├Ądst, dein Herr und dein Erl├Âser zu sein. Denn er bringt den Heiligen Geist mit, so wie er es angek├╝ndigt hat (Joh 7,37): ÔÇ×Wen da d├╝rstet, der komme zu mir und der an mich glaubt, trinke. Wie geschrieben steht: Str├Âme lebendigen Wassers werden von ihm flie├čen.ÔÇť Das ÔÇ×ihmÔÇť meint Jesus. Jesus ist die Quelle des Heiligen Geistes. Von ihm gehen diese Lebensstr├Âme aus. Das hat schon Jesaja angek├╝ndigt. ÔÇ×Ich will Wasser gie├čen auf das Durstige und Str├Âme auf das D├╝rreÔÇť (Jes 44,3).

Ich w├╝nsche allen Lesern ein Pfingstfest, das uns aus der Zeit in die Ewigkeit hineinnimmt, das uns aus der Verg├Ąnglichkeit in die Unverg├Ąnglichkeit f├╝hrt, und das unser Glaubensfundament wird, ist und bleibt.

Pastor Dr. Joachim Cochlovius

Dieser Text ist eine etwas ├╝berarbeitete Fassung meines Vortrags ├╝ber das Pfingstfest, den ich f├╝r die Bibel TV-Reihe ÔÇ×Festzeiten des GlaubensÔÇť aufgezeichnet habe. Diese 7-teilige Vortragsreihe ├╝ber das Kirchenjahr mit TV-Seminaren zu den Themen Advent, ,,Wie soll ich dich empfangen?ÔÇť, Weihnachten, ÔÇ×Gnadenbringende WeihnachtszeitÔÇť, Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten ist als DVD-Set in der Gesch├Ąftsstelle des Gemeindehilfsbundes f├╝r 20,00 Euro zzgl. Versandkosten erh├Ąltlich. Bestellungen bitte an info@gemeindehilfsbund.de schicken oder ├╝ber den Link Bestellungen auf www.gemeindehilfsbund.de.

 

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Samstag 22. Mai 2021 um 22:00 und abgelegt unter Gemeinde, Kirche, Theologie.