Gemeindenetzwerk

Ein Arbeitsbereich des Gemeindehilfsbundes

Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag Artikel empfehlen Artikel empfehlen

Politisch korrekt sprechen mit der Schere im Kopf

Freitag 14. Juni 2019 von agens e.V Mann und Frau miteinander.


agens e.V Mann und Frau miteinander.

Die Anrede in der Doppelnennung „Liebe Kollegen und 

.-innen“ ist inzwischen zur Anrede von Otto Normalverbraucher geworden. Nach der klassischen Anrede „Liebe Kollegen“(einschließlich der Frauen!)  folgt fast wie selbstverstĂ€ndlich das  erlösende „Kolleg‘nen“. Wurden aus den so mit genannten Frauen durch die doppelte Anrede auch mehr gleichberechtigte Frauen? Nein, die ĂŒber 2000 GleichstellungsbĂŒros gibt es immer noch und die meisten BundesbĂŒrger ĂŒben sich weiterhin fleißig in dem Gebrauch der sogenannten „Gendergerechten Sprache“. Und alle machen mit, auch die MĂ€nner. Was ist da passiert?

Das Mitnennen der Frau sollte die „Dominanz“ des MĂ€nnlichen mit Hilfe der Gendersprache vermeiden, so das Ziel einer kleinen Gruppe der Genderideologinnen. Diese Kunstsprache hat eine erstaunliche Entwicklung hinter sich. Es fragt sich nur, ob sich die Nutzer dieser Sprache im Klaren sind, dass sie mit dem „Gendersprech“ willige „Marionetten“ (Jordan Peterson) der Gender Ideologie werden. Sie sind Marionetten, die es zulassen, dass solch verquaste WortungetĂŒme, wie Leser*innen, Leser/innen, oder LeserInnen unser Bewusstsein zumĂŒllen. Überdies fĂŒhren stĂ€ndige Wiederholungen solcher gekĂŒnstelten Artefakte allmĂ€hlich zu einem gewohnten Sprachbild und finden so ungehindert Eingang in unser Bewusstsein. Mit solchen unterschwelligen Manipulationen arbeiten mit Erfolg die Diktaturen: In George Orwell’s „1984“ beispielsweise prĂ€gt das „Neusprech“ in einer virtuellen Welt das Handeln der BĂŒrger, heutzutage dringt das politisch korrekte Gendersprech unerkannt in unser Bewusstsein ein: GehirnwĂ€sche wider Willen.

Die Salamitaktik

Sprache verĂ€ndert. Sie ist deswegen auch ein Mittel der Agitation. Die EinfĂŒhrung der geschlechtergerechten Sprache ist ein Paradebeispiel fĂŒr die Umsetzung eines ideologischen Programms, des Gender Mainstreamings, in zeitlich versetzte Einzelaktionen. Diese Schrittfolge wurden zu Zeiten der 68er Salamitaktik, oder auch Marsch durch die Institutionen, genannt.

Der Marsch begann:

Agitatoren des 1. Schrittes vor Ort waren die „Gleichstellungsbeauftragtinnen“, vor allem in den öffentlichen und kirchlichen(!) Verwaltungen. Sie ermĂ€chtigten sich quasi selber, meistens finanziert ĂŒber Steuergelder, sogenannte SprachleitfĂ€den zur Gendersprache herauszugeben. In den Folgejahren wurden an fast jeder Uni und in den Amtsstuben SprachleitfĂ€den verteilt und deren Beachtung „empfohlen“.

Der Ritterschlag

Mit dem 2. Schritt geschah das Unglaubliche: aus den vielen SprachleitfĂ€den entstand ein Duden. Der altehrwĂŒrdige Duden-Verlag gab mit dem gelb eingebundenen BuchrĂŒcken im Oktober 2017 Der Duden – „Richtig gendern“ heraus. Damit gewann die Gendersprache gleichsam den Charakter des „Amtlichen“.

Das Gendern wird salonfÀhig:
Es war abzusehen, der 3. Schritt werden „verordnete“ Empfehlungen fĂŒr die Kommunen sein, erwartungsgemĂ€ĂŸ wiederum in sukzessiven Schritten. Den Anfang machte das Rathaus in DER Stadt der deutschen Hochsprache: Hannover. Die stolzen Gleichstellungsbeauftragtinnen prĂ€sentierten im Januar 2019 im Hannoveraner Rathaus ihre Empfehlung fĂŒr eine geschlechtergerechte Verwaltungssprache. Mit dieser “Empfehlung“ wurden beispielsweise Herr, Frau, Lehrer, WĂ€hler mit einem Federstrich abgeschafft – und das mit öffentlichen Mitteln. Die RathĂ€user in Gießen und Augsburg folgten, andere sind in Diskussion. Es bleibt abzuwarten, ob das Integrieren einer ideologisierten Sprache in die Amtssprache reibungslos abgewickelt werden kann


So haben die GleichstellungsbĂŒros, im Schulterschluss mit den Queergruppen, im Laufe der letzten Jahre in staatstragenden Institutionen die Gendersprache verbreitet. Sie wurde zu einer Art PflichtĂŒbung zum sinnfreien Nachplappern. In praxi kam es denn durch so manchem Redner hĂ€ufig zum Verschwurbeln der ideologisch bedeutsamen „– innen“ Endsilbe, beispielsweise von BĂŒrgerinnen zu „BĂŒrger‘nnen“

Ein Mehltau liegt ĂŒber dem Land

Beginnen wir mit der politischen Szene.
Bis zur EinfĂŒhrung der Gendersprache in den RathĂ€usern waren kaum relevante Reaktionen aus dem politischen Umfeld zu erkennen, politisches Handeln war nicht gefragt.

Und die Medien?
ZunĂ€chst war die Gendersprache willkommener Stoff fĂŒr die Feuilletonisten. Sie amĂŒsierten sich genĂŒsslich ĂŒber die grammatikalischen Verrenkungen dieser Kunstsprache und ihrer Protagonisten. Sogar die taz, die ihren ablehnenden (!) Kommentar mit: „Echt, der letzte MĂŒll“ titelte. Mit Beginn der kommunalen Kampagne in den RathĂ€usern gewann das Thema Gender allmĂ€hlich an Aufmerksamkeit. Die strategische Einordnung beispielsweise der Gendersprache in den grĂ¶ĂŸeren Zusammenhang des Gender Mainstreamings, wurde allerdings kaum thematisiert

Und die Wissenschaft?
Wo waren die Linguisten, die Germanisten oder die PÀdagogen? Es gab nur wenige linguistische BeitrÀge in den Printmedien. Ihre engagierte sprachanalytische Kritik an der Gendersprache traf allerdings auf eine ideologisch geprÀgte Wand der Gender-Aktivisten, deren Lust am Diskurs kaum erkennbar war.

Und die Kirchen?
Die EKD hat bereits 2016 „Tipps zur geschlechtergerechten Sprache“ heraus gegeben. Die Kirche? Man fĂŒhlt sich an die babylonische Sprachverwirrung erinnert: Gott verhinderte durch die Sprachverwirrung eine Fortsetzung des Turmbaus. Die obigen „Tipps“ schaffen durch ihre Neutralisierung von mĂ€nnlichen bzw. weiblichen Zuordnungen eine Verunsicherung unserer Werte – ganz im Sinne der Genderideologie.

Und die Sprachpfleger?
Die Deutsche Sprachwelt heftete im Lutherjahr “Thesen“ gegen die Gendersprache an die KirchentĂŒr der Schlosskirche zu Wittenberg, ein öffentlichkeitswirksames Event par exellence. Ansonsten legten die meisten relevanten Vereine in ihrer Kritik grĂ¶ĂŸeren Wert auf grammatikalische Korrektheit, als auf die Kritik der politischen Korrektheit der Genderisten. Ist es vielleicht eine innewohnende Abneigung der SprachverbĂ€nde gegen Sprachpolitik?

Insgesamt gesehen, haben es die öffentlichen Institutionen der Genderlobby bisher relativ leicht gemacht, ihre Art von Sprache von oben zu „verordnen“. Gendersprech wurde zu einer PflichtĂŒbung fĂŒr alle Beteiligten. Man hĂ€tte aber auch mit einer genussvollen KĂŒr dagegen halten können, beispielsweise: Das geforderte „Mitbenennen“ der Frau mutierte schließlich zu einer Ode an die Vielfalt der Geschlechter.

Und die BĂŒrger?
„Der“ BĂŒrger nimmt die Gendersprache zunĂ€chst nur passiv in öffentlichen SprachrĂ€umen wahr, sei es beim Hören von politischen Reden, von TV-Sendungen oder Lesen der Printmedien. Seine Reaktion reicht von Überhören, Überlesen bis hin zum brĂ€sigem “Was soll das denn?“

Öffentliche und private SprachrĂ€ume

Die Gesellschaft nimmt den schrittweisen Einzuges der Gendersprache in die RathĂ€user kaum zur Kenntnis, auch aus Unkenntnis. Man sieht oder hört nur das Gendersprech, kann es aber nicht in seiner Tragweite einordnen. Das ist gewollt. Die HintergrĂŒnde, wie beispielsweise das Gender Mainstreaming oder die Politische Korrektheit wĂŒrden den BĂŒrger nur verwirren, ja, sogar betroffen machen.

Anders sieht es aus, wenn man sich gezwungen sieht, in der Öffentlichkeit sich aktiv sprachlich korrekt und achtsam zu Ă€ußern. Es erfordert einen etwas ungewohnten Prozess, auch die „Gendersekunde“ genannt: Nachdenken (wo bin ich?), Entscheiden (muss ich Gendern?) und dann endlich (kontrolliert) Sprechen. Gewohntes, freies Sprechen kann sich zu einem Desaster entwickeln:

Trotz achtsamen Sprechens, trotz der Gendersekunde, kann man sich nicht sicher sein, dass selbsternannte SprachwĂ€chter verborgen den diskriminierungsfreien Sprachgebrauch ĂŒberwachen. So galt In Diktaturen der Spruch: „Achtung, Feind hört mit“. Übersieht man als Sprecher diskriminierende Äußerungen, kann sich das auf die kollegiale Akzeptanz durch die jeweiligen Gruppe auswirken. Auf diese Weise werden die Sprechmöglichkeiten des BĂŒrgers eingeschrĂ€nkt und damit auch seine Freiheit des Denkens. So berichten denn die Printmedien brav ĂŒber das Ergebnis einer jĂŒngsten Allensbacher Umfrage, dass zwei Drittel der BĂŒrger ĂŒberzeugt sind, man mĂŒsse heute aufpassen, zu welchen Themen man sich wie Ă€ußert. Und das am Jahrestag des Grundgesetzes. Bedenklich stimmt nicht nur die große Zahl, sondern die schlichte Kenntnisnahme durch die Politszene.

So berichten denn die Printmedien brav ĂŒber das Ergebnis einer jĂŒngsten Allensbacher Umfrage, dass zwei Drittel der BĂŒrger ĂŒberzeugt sind, man mĂŒsse heute aufpassen, zu welchen Themen man sich wie Ă€ußert. Und das am Jahrestag des Grundgesetzes. Bedenklich stimmt nicht nur die große Zahl, sondern die schlichte Kenntnisnahme durch die Politszene.

Besonders In der Schriftsprache feiert die Gendersprache inzwischen fröhliche UrstĂ€nd, was fĂŒr eine Fundgrube fĂŒr die Satire! Birgit Kelle schoss den Vogel ab: Ihr Buchtitel  “Gender Gaga” fand sogar den Weg in die Umgangssprache.

Einen genderfreien Raum gibt es noch: die Belletristik. GlĂŒcklicherweise sind noch keine Bestseller in Gendersprache bekannt geworden, und auch noch keine nachtrĂ€glich gegenderten Klassiker. Das gilt aber seltsamerweise nicht fĂŒr KinderbĂŒcher, dort erfahren die Kinder immer mehr so manch semantische Konnotationen ĂŒber starke und freche MĂ€dchen, sowie schwache, weinend sensible Jungen. Diese sprachlichen Zuordnungen sollen helfen, die sogenannte „HeteronormalitĂ€t“ Papa und Mutti zu hinterfragen – und das schon in den KiTas.

Ein wenig entspannter geht das Hören und Sprechen im privaten Bereich zu. In manchen Vereinen mag es die „Mitgliederinnen“ geben, oder ein NaserĂŒmpfen beim NichterwĂ€hnen der Frauen, aber damit ist dann auch genĂŒge getan.

Dem BĂŒrger eine Stimme geben

Umfragen der letzten Zeit bestĂ€tigen, eine von YouGo (2017) und eine andere von INSA (2019): etwa 60 bis 70% der Befragten lehnen die Gendersprache ab. Da genau setzt eine Initiative an, die versucht, empörte BĂŒrger abzuholen: Die Initiative Verweigerung der Gendersprache (IVG), richtete sich mit einem Aufruf an die deutschsprechende Bevölkerung und fordert darin ausdrĂŒcklich zur Verweigerung der Gendersprache auf. Der Aufruf,(1) eine Eigeninitiative einiger unabhĂ€ngiger Akteure, gab den BĂŒrgern eine Stimme, und sie antworteten: nach kurzer Zeit hatten ĂŒber 20.000 BĂŒrger (ohne klassische Pressearbeit) bereits den Aufruf unterschrieben. Eine unerwartet hohe Zahl fĂŒr den kurzen Zeitraum. Der Aufruf hatte auch Folgen:

ZunĂ€chst trat ein weiterer Aufruf vom Verein Deutscher Sprache auf den Plan. Er wendete sich mit einer Art Appell „Gegen den Gender Unfug“ insbesondere an politische EntscheidungstrĂ€ger. Eine weitere Folge war: das Thema „Gendern“ wurde auf breiter Basis in den Print Medien, in Radio-Sendungen und TV Features behandelt, das Thema ist medial angekommen. Die Abneigung der BĂŒrger gegenĂŒber der Gendersprache kann jetzt auch mit Zahlen, von der Basis her kommend, belegt werden: die beiden Aufrufe haben inzwischen die 100 000 Marke der Unterschriften ĂŒberschritten. Ein wahrhaft beeindruckendes Zeugnis empörter BĂŒrger. Nicht nur das: die ĂŒber 100 000 Unterschriften ĂŒberraschten selbst Experten. Es lĂ€sst nach Meinung Vieler auf ein hohes, kollektives Empörungspotential schließen.

Aus Unwissenden werden Betroffene

Die hohe Zahl der Unterschriften bestĂ€tigt eine unterschwellige Betroffenheit, die in dieser StĂ€rke schon mal zu Tage trat: vor einigen Jahren erreichten fast 200 000 Unterschriften gegen eine Regierungsmaßnahme (Bildungsplan) in Baden-WĂŒrttemberg eine PolitikĂ€nderung. Damals gelangte man zu einer bedeutsamen Erkenntnis: durch die Kampagne wurden aus ehemals unwissenden Eltern betroffene Eltern.

„Betroffenheit“ ist das Agens, die Triebkraft, die Taten folgen lĂ€sst. Die Empörung der BĂŒrger ĂŒber die Gendersprache zeigt deutlich: lasst uns zufrieden mit den Problemen einer Minderheit! Diese Kunstsprache ist das Produkt in der Tat einer Minderheit, die mit Steuergeldern des BĂŒrgers finanziert, dabei ist, den BĂŒrger top down mit einer ideologisierten Sprach- und Denkwelt umzuerziehen.

Kann es sein, dass wir es mit dem Potential einer kollektiven Verweigerung zu tun haben? Diese gĂ€lte es zu nutzen. Der BĂŒrger mit der Faust in der Tasche braucht FreirĂ€ume fĂŒr eine Bewegung, wie beispielsweise mit einer Aktion „FreiSprech“. Sie könnte unser Sprechen und Denken gegen politisch korrekte ZwĂ€nge immun machen. Die Poetry Slam-Gruppen haben damit schon mal angefangen. Mit ihrer urwĂŒchsigen Freude am Reimen und Fabulieren preisen die Jugendlichen auf ihren vielen, bundesweiten Veranstaltungen die Schönheit der Sprache, und das mit großer Lust so, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist.

Eckart Kuhla, 7. Juni 2019 (www.agensev.de)

Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag Artikel empfehlen Artikel empfehlen

Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 14. Juni 2019 um 15:21 und abgelegt unter Gesellschaft / Politik.