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Gespaltenes Denken – Beobachtungen zu einer Anfrage an das Studienzentrum der EKD fĂŒr Genderfragen

Donnerstag 25. Oktober 2018 von Johann Hesse


Johann Hesse

Im Herbst 2016 erschien ein hochinteressanter Forschungsbericht aus den Vereinigten Staaten aus der wissenschaftlichen Reihe „The New Atlantis“. Er trĂ€gt den Titel: „Sexuality and Gender – Findings from the Biological, Psychological and Social Sciences“, The New Atlantis, Special Report, Fall 2016. Die beiden Psychologen und UniversitĂ€tsprofessoren Lawrence S. Mayer und Paul R. McHugh kommen darin zu dem Ergebnis, dass auf Basis biologischer, psychologischer und sozialwissenschaftlicher Studien derzeit nicht von einer genetisch oder hormonell bestimmten bisexuellen oder homosexuellen Orientierung gesprochen werden kann. Weiterhin kommen sie zu dem Schluss, dass Menschen nicht zwingend auf eine bi- oder homosexuelle Orientierung hin festgelegt sind. Eine VerĂ€nderung der sexuellen Orientierung sei möglich und werde auch so von Menschen erlebt.

Angeregt durch den Forschungsbericht von Mayer & McHugh setzte ich mich im Herbst 2016 mit dem Studienzentrum der EKD fĂŒr Genderfragen in Verbindung. Gender-Vertreter möchten bekanntlich die GeschlechterdualitĂ€t von Mann und Frau aufbrechen und durch Geschlechtervielfalt ersetzen. Der neue Mensch soll das bipolare Geschlechtermodell, das insbesondere durch die Ehe von Mann und Frau reprĂ€sentiert wird, ĂŒberwinden und sexuelle IdentitĂ€t und sexuelle Orientierung als verĂ€nderbare und fließende GrĂ¶ĂŸen verstehen. Bei der Eröffnung des Studienzentrums der EKD fĂŒr Genderfragen war nicht nur von den bekannten zwei Geschlechtern, sondern von „mindestens 4.000 Varianzen der geschlechtlichen Differenzierung“ die Rede.

Ich hoffte, dass wir als Gemeindehilfsbund bei soviel Geschlechtervielfalt und Offenheit fĂŒr fließende sexuelle IdentitĂ€ten und Orientierungen in der Gender-Studienleitung vielleicht VerbĂŒndete auch im Sinne der oben erwĂ€hnten Studienergebnisse finden wĂŒrden. Folgende Fragen legten wir den Leiterinnen des Studienzentrums im Herbst 2016 mit der Bitte um Beantwortung vor:

  • Gehen auch Sie davon aus, dass eine bi- oder homosexuelle Orientierung nicht biologisch/genetisch bestimmt und fixiert ist?
  • RĂ€umen Sie die Möglichkeit ein, dass Menschen, die eine VerĂ€nderung ihrer bi- oder homosexuellen Orientierung wĂŒnschen und anstreben, eine solche VerĂ€nderung ggf. auch auf therapeutischem Wege erlangen und erleben können?

Ich erhielt, auch wegen einer Vakanz, sehr lange keine Antwort. Im MĂ€rz 2018 stellte ich die Anfrage erneut. Auch jetzt blieb die Antwort aus. Erst nach einem weiteren Schreiben, erhielten wir am 3.7.2018 eine E-Mail mit folgender Auskunft: „Am 17. Mai 1990 beschloss die Weltgesundheitsorganisation, HomosexualitĂ€t von der Liste psychischer Krankheiten zu streichen. Diese Entscheidung ist fĂŒr uns maßgeblich.“

Eine in doppelter Hinsicht erstaunliche Antwort: 1.) sollte doch fĂŒr ein kirchliches Studienzentrum nicht ein Beschluss der Weltgesundheitsorganisation maßgeblich sein, sondern einzig und allein das Wort Gottes. 2.) beantwortete diese Aussage die beiden Fragen keineswegs, da es nicht um die Frage der Einordnung von HomosexualitĂ€t als psychische Störung ging.

Vielleicht waren ja die Fragen falsch verstanden worden. Und so prĂ€zisierte ich den Kontext: „Ist es nicht so, dass aus gendertheoretischer Sicht die sexuelle Orientierung fluid, verĂ€nderbar und damit auch wĂ€hlbar ist? Es soll ja ein starres Genderkorsett mit ĂŒberholten Fixierungen aufgebrochen werden. Ein heterosexueller Mann könnte also aus gendertheoretischer Sicht sehr wohl im Laufe seines Lebens eine homosexuelle Orientierung entwickeln und in eine gleichgeschlechtliche Beziehung wechseln. Gendertheoretisch weitergedacht, mĂŒsste dann dies auch auf dem umgekehrten Wege denkbar und möglich sein. Eine homosexuell empfindende Frau könnte – wenn sie es denn wollte – eine heterosexuelle Orientierung entwickeln und in eine heterosexuelle Beziehung wechseln.“

Daraufhin schrieb die Studienleiterin OberkirchenrĂ€tin Dr. Jantine Nierop: „Dies ist die letzte Nachricht, die ich Ihnen schreiben werde. Alle weiteren Kontaktaufnahmen sind daher vollstĂ€ndig sinnlos. Wir haben Ihre Fragen bereits beantwortet und werden keine weiteren Antworten geben. Ich wĂŒnsche Ihnen Frieden und die Weisheit Jesu Christi.“

Ein ernsthafter Dialog ist offenbar nicht gewĂŒnscht. Unbequeme Wahrheiten einer wissenschaftlichen Studie, die das eigene Weltbild in Frage stellen, sind nicht gewollt. Auf zwei eindeutig gestellte Fragen zwei eindeutige Antworten zu geben, ist anscheinend nicht möglich. Diese Haltung spricht BĂ€nde: Gendertheorie ist solange gut, wie sie die Demontage des zweigeschlechtlichen Geschlechtermodells und der biblischen Sexualethik unterstĂŒtzt. Wo Gendertheorie aber die Erkenntnis stĂŒtzt, dass eine VerĂ€nderbarkeit homosexueller hin zu heterosexuellen Empfindungen durch die Kraft Jesu möglich ist, da kann plötzlich nicht mehr sein, was nicht sein darf. Das Denken der kirchlichen Gendertheoretiker ist tief gespalten.

Schlimm genug, dass das Gender-Mainstreaming bundesweit in Behörden und öffentlichen Einrichtungen zum Querschnittsanliegen gemacht wurde und rund 200 Genderprofessoren unzÀhlige Studenten mit dem Gender-Unsinn beschÀftigen. Viel Schlimmer noch ist aber, dass die EKD wertvolle Kirchensteuermittel verschwendet, um ein Institut zu finanzieren, dass es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Zerstörung der neutestamentlichen Ehe- und Sexualethik im Raum der Kirche voranzutreiben und mit pseudowissenschaftlichen Erkenntnissen zu untermauern.

Johann Hesse

Quelle: Aufbruch – Informationen des Gemeindehilfsbundes 2/2018 (Oktober). Der Aufbruch kann kostenlos ĂŒber die GeschĂ€ftsstelle des Gemeindehilfsbundes bezogen werden (info@gemeindehilfsbund.de).

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 25. Oktober 2018 um 11:02 und abgelegt unter Kirche, Seelsorge / Lebenshilfe, Sexualethik.