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Die Kirche spielt mit ihrer Zukunft

Samstag 14. Juli 2018 von Prof. Dr. Udo Schnelle


Prof. Dr. Udo Schnelle

(Idea-Beitrag) Die evangelische Kirche in Deutschland sieht ihre Zukunft offenbar in der politischen Ethik. Hier hofft sie, dem Mitglieder- und Bedeutungsschwund etwas entgegensetzen zu können. Nur so lassen sich zahlreiche Äußerungen des EKD-Ratsvorsitzenden, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, und anderer leitender Bischöfe verstehen. Man orientiert sich dabei vorwiegend an Leitideen, die aus dem rot-grünen Politik-Spektrum vorgegeben werden. Eine dieser Leitideen ist der globale Universalismus, wonach jeder für jeden und für alles in der Welt Verantwortung habe. Das führt zu einer Art Intensiv-Ethik, die permanent fordert und sich moralisch unendlich überlegen fühlt. Wer sich dazu kritisch verhält, verfällt sofort einem moralischen Bann. So wird ein Klima der Einschüchterung und Selbstzensur geschaffen.

Ohne Begrenzung gibt es keine Integration

Ein eklatantes Beispiel dafür ist die Flüchtlingsfrage, in der von der EKD nach wie vor suggeriert wird, es gäbe keine Grenzen der Aufnahmepflicht und keine Begrenzungen ethischen Handelns. Das ist schon logisch falsch, denn jedes ethische Handeln ist im privaten wie im öffentlichen Bereich notwendigerweise begrenzt. Es gibt kein unbegrenztes Helfen! Sowohl in individual- als auch in universalethischer Hinsicht sind Grenzen unerlässlich und Voraussetzung für Frieden und Recht. Ohne Grenzen zu setzen, wahrzunehmen und zu befolgen, kann es kein Miteinander von Menschen geben, wie nicht zuletzt die „me-too“-Debatte gezeigt hat. Grenzenlosigkeit hingegen bedeutet in jedem Fall eine Überschreitung und die Außerkraftsetzung von Regeln; sie bewirkt Gegenreaktionen und die politischen sowie kulturellen Folgen werden oft erst sehr viel später sichtbar. Ohne Begrenzung ist keine Integration möglich. Auch theologisch ist die Forderung der Grenzenlosigkeit falsch. Jesu radikale Aussagen zur Nächsten- und Feindesliebe beziehen sich auf die individuelle Alltagsethik und nicht auf globale Prozesse des 21. Jahrhunderts! Helfen ist die Pflicht von Christen; aber wie und in welchem Umfang man hilft, ist eine Frage der Vernunft. Die gute Schöpfergabe der Vernunft ist das entscheidende Kriterium in ethischen und politischen Fragen, nicht eine angeblich höhere religiöse Einsicht.

Veröffentlicht mit Genehmigung der idea-Redaktion.
Zum Weiterlesen verwenden Sie bitte den nachfolgenden link: https://www.idea.de/spektrum/detail/die-kirche-spielt-mit-ihrer-zukunft-105928.html

Prof. Dr. Udo Schnelle (65) lehrte Neues Testament in Erlangen und Halle (Saale).

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Samstag 14. Juli 2018 um 12:05 und abgelegt unter Kirche, Theologie.