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„Hat nichts mit dem Islam zu tun“?

Dienstag 6. Dezember 2016 von Gatestone Institute


Gatestone Institute

Zum ersten Mal hat sich eine Persönlichkeit des europĂ€ischen Kirchen-Establishments gegen ein Argument geĂ€ußert, das ISIS entlastet und von Mitgliedern der westlichen politischen und kulturellen Elite regelmĂ€ĂŸig verbreitet wird. Justin Welby, Erzbischof von Canterbury, sprach am 17. November in Frankreich; dort sagte er, mit religiös motivierter Gewalt in Europa fertig zu werden, „erfordert eine Bewegung weg von dem Argument, das zunehmend beliebt geworden ist: zu sagen, dass ISIS ’nichts mit dem Islam zu tun hat’… Bis religiöse Leiter aufstehen und die Verantwortung fĂŒr das Tun derer ĂŒbernehmen, die etwas im Namen ihrer Religion tun, werden wir keine Lösung erleben.“

Erzbischof Welby sagte auch: „Es ist schwierig die Dinge zu verstehen, die Leute dazu antreiben einige der entsetzlichen Taten zu verĂŒben, die wir im Verlauf der letzten Jahre erlebt haben, wenn man nicht ein GefĂŒhl fĂŒr religiöse Schriftkenntnis hat.“

„Religiöse Schriftkenntnis“ ist in der Tat Mangelware gewesen, besonders auf dem europĂ€ischen Kontinent. Dennoch sind ĂŒberall im Westen Menschen, die wenig bis nichts vom Islam wissen, darunter FĂŒhrungspolitiker, Journalisten und Meinungsmacher, plötzlich allesamt „Experten“ fĂŒr den Islam und den Koran geworden, die allem und jedem versichern, dass ISIS und andere Ă€hnlich völkermörderische Terrorgruppen nichts mit der angeblichen „Religion des Friedens“, dem Islam, zu tun haben.

Daher ist es bemerkenswert endlich eine Stimme aus dem Establishment zu hören, besonders einen Mann der Kirche, der sich, wenn auch sehr vorsichtig, dieser kurios uniformen (und betĂ€ubend einförmigen) Sicht auf den Islam entgegenstellt. Bis heute sind Establishment-Kirchen, trotz der von Muslimen an Christen verĂŒbten GrĂ€ueltaten außerordentlich stark nur mit sogenanntem „interreligiösem Dialog“ beschĂ€ftigt gewesen. Papst Franziskus hat die EuropĂ€er sogar heftig getadelt, weil sie den Migranten gegenĂŒber nicht entgegenkommender sind, die den Kontinent bestĂŒrmt haben; er fragte die EuropĂ€er:

Was ist mit euch geschehen, dem Europa des Humanismus, dem Helden der Menschenrechte, der Demokratie und Freiheit? … Die Mutter großer MĂ€nner und Frauen, die die WĂŒrde ihrer BrĂŒder und Schwestern hochhielten, sogar ihr Leben dafĂŒr opferten?“

(Vielleicht sollte der Papst, bevor er rhetorisch EuropĂ€er auffordert ihr Leben fĂŒr ihre Migranten-„Geschwister“ zu opfern, sich selbst fragen, ob viele der muslimischen Migranten in Europa die EuropĂ€er als ihre „Geschwister“ betrachten.)

Eine Äußerung zum Islam ist besonders aussagekrĂ€ftig, wenn sie vom Erzbischof von Canterbury kommt, dem obersten Bischof und wichtigsten Leiter der anglikanischen Kirche und symbolische Kopf der Anglikanischen Gemeinschaft, die weltweit etwa 85 Millionen Mitglieder hat; sie ist die drittgrĂ¶ĂŸte christliche Gemeinschaft der Welt.

Noch vor einem Jahr folgte der Erzbischof, als er die Massaker in Paris kommentierte, der konventionellen, politisch korrekten Orthodoxie und dozierte: „Die Perversion des Glaubens ist einer der verzweifeltsten Aspekte unserer heutigen Welt.“ Er erklĂ€rte Terroristen des Islamischen Staats hĂ€tten ihren Glauben so weit entstellt, dass sie glauben, sie wĂŒrden ihren Gott verherrlichen. Seit damals hat er seine Meinung klar geĂ€ndert.

Kann man erwarten, dass andere Kirchenleiter und politische Persönlichkeiten die Worte von Welby beherzigen oder ĂŒbersieht man sie bequemerweise? Westliche FĂŒhrungskrĂ€fte haben viele Jahre lang auffallend selektives Hören praktiziert, besonders wenn tatsĂ€chliche Islam-Experten sprechen. Als Scheik Muhammad Abduallah Nasr, ein Gelehrter fĂŒr islamisches Recht und Absolvent der Ă€gyptischen Al-Azhar-UniversitĂ€t, erklĂ€rte, warum die prestigetrĂ€chtige Institution, die islamische Mainstream-Gelehrte ausbildet, es ablehnte ISIS als unislamisch zu verurteilen, hörte keiner von ihnen zu:

„Der Islamische Staat ist ein Nebenprodukt des Programms der Al-Azhar. Kann also Al-Azhar sich selbst als unislamisch bezeichnen? Al-Azhar sagt, es mĂŒsse ein Kalifat geben und dass dieses fĂŒr die Muslime der Welt eine Verpflichtung ist. Al-Azhar lehrt das Gesetz des Glaubensabfalls und dass der Abgefallene zu töten ist. Al-Azhar ist religiösen Minderheiten gegenĂŒber feindselig und lehrt Dinge, wie die, dass keine Kirchen gebaut werden dĂŒrfen usw. Al-Azhar unterstĂŒtzt die Einsetzung der Jizya [Nichtmuslimen Tribut abzunehmen]. Al-Azhar lehrt die Steinigung von Menschen. Kann also Al-Azhar sich selbst als unislamisch verurteilen?“

Hörten westliche FĂŒhrungspersönlichkeiten zu, als The Atlantic – der kaum als Anti-Establishment-Zeitschrift bezeichnet werden kann – eine Studie von Graeme Wood veröffentlichte, der den Islamischen Staat und seine Ideologie eingehend erforschte. Er sprach mit Mitgliedern und Rekruteuren des islamischen Staates und kam zu dem Schluss:

„Die Wirklichkeit sieht so aus, dass der Islamische Staat islamisch ist. Sehr islamisch. Ja, er hat Psychopathen und Abenteurer angezogen, die sich weitgehend aus unzufriedenen Bevölkerungen des Nahen Ostens und Europas kommen. Doch die von ihren leidenschaftlichsten AnhĂ€ngern gepredigte Religion ist aus stimmigen und auch fachkundigen Interpretationen des Islam abgeleitet.“

In den Vereinigten Staaten Ă€ußerte sich eine weitere Persönlichkeit des Establishments, Reince Preibus, der Vorsitzende des Republican National Committee und Stabschef des Weißen Hauses in Donald Trumps ins Amt kommender Regierung, vor kurzem im selben Sinn wie der Erzbischof von Canterbury. „Es gibt hier eindeutig einige Aspekte dieses Glaubens, die problematisch sind und wir kennen sie; wir haben sie gesehen“, sagte Priebus, als er gebeten wurde die Ansicht des kommenden Nationalen Sicherheitsberater Generalleutnant Michaels Flynns zu kommentieren, der der Islam sei eine politische Ideologie, die sich dahinter versteckt eine Religion zu sein.

In einem Großteil der amerikanischen Gesellschaft wird Flynns Ansicht, dass der Islam eine politische Ideologie ist, als umstritten betrachtet, trotz der Tatsache, dass die politische und militĂ€rische Doktrin, prĂ€gnant zusammengefasst im Konzept des Jihad, im islamischen Recht, der Scharia, wie es im Koran und den Hadithen zu finden ist, kodifiziert wurde. Zum Beispiel folgen die Jihadisten, die TerroranschlĂ€ge im Dienst von ISIS ausfĂŒhren, lediglich den Geboten des Koran, sowohl in Sure 9,5 („tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet, ergreift sie, belagert sie und lauert ihnen aus jedem Hinterhalt auf!…“) als auch in Sure 8,39 („Und kĂ€mpft gegen sie, bis es keine Verfolgung mehr gibt und (bis) die Religion gĂ€nzlich Allahs ist.“)

Zur Frage wird nun, ob andere Persönlichkeiten aus dem Establishment ebenfalls eingestehen werden, was in der Öffentlichkeit zu sagen Erzbischof Welby – wie auch der außergewöhnliche Ă€gyptische PrĂ€sident Abdel Fatah el-Sisi – endlich den Mut hatte: Wenn man darauf besteht „religiös analphabetisch“ zu bleiben, dann ist es unmöglich das Problem religiös motivierter Gewalt zu lösen.

Judith Bergman ist Schriftstellerin, Kolumnistin, AnwÀltin und politische Aktivistin.

 

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Dienstag 6. Dezember 2016 um 12:56 und abgelegt unter Gesellschaft / Politik, Weltreligionen.