Gemeindenetzwerk

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Die Zeit vor der Ewigkeit

Montag 6. Januar 2014 von Erzbischof Janis Vanags


Erzbischof Janis Vanags

ÔÇ×Eins aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, dass ein Tag vor dem Herrn wie tausend Jahre ist und tausend Jahre wie ein Tag. Der Herr verz├Âgert nicht die Verhei├čung, wie es einige f├╝r eine Verz├Âgerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Bu├če finde. Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb; dann werden die Himmel vergehen mit gro├čem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden ihr Urteil finden. Wenn nun das alles so zergehen wird, wie m├╝sst ihr dann dastehen im heiligen Wandel und frommen Wesen, die ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und erstrebt, an dem die Himmel vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden? Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verhei├čung, in denen Gerechtigkeit wohnt. Darum, meine Lieben, w├Ąhrend ihr darauf wartet, seid bem├╝ht, dass ihr vor ihm unbefleckt und untadelig im Frieden befunden werdet, und die Geduld unseres Herrn erachtet f├╝r eure Rettung, wie auch unser lieber Bruder Paulus nach der Weisheit, die ihm gegeben ist, euch geschrieben hat. (2. Petrus 3,8-15)

Sankt Petrus, der Prinz unter den Aposteln, mag uns ein wenig fern von unserem Alltag entr├╝ckt erscheinen. Vielleicht wird er dem einen oder anderen eher wie eine Witzfigur vorkommen, die man in Anekdoten gerne benutzt, in denen es um die Pforten zum Paradies geht, wenn jemand dort angekommen ist. Dennoch hat er die Absicht, uns direkt in unserem Alltagsleben anzusprechen.

„Der Herr verz├Âgert nicht die Verhei├čung, sondern er hat Geduld mit uns,“ schreibt Petrus. Was will er uns damit sagen? Wir leben auf Kredit. Die letzten Dinge, von denen Petrus schreibt, h├Ątten l├Ąngst passiert sein m├╝ssen, doch Gott ist offensichtlich mit dem Ergebnis dessen, was die Menschheit zuwege gebracht hat, nicht zufrieden und hat der Welt eine zus├Ątzliche Zeit geschenkt. Wir gehen am Abend schlafen und stehen am Morgen auf, gehen zur Arbeit oder zur Schule, zur Poliklinik oder einkaufen, aber die Zeit ist bereits verflossen. Der gro├če Schiedsrichter verz├Âgert den Schlusspfiff nur, oder wie der Apostel selbst sagt, die letzte Posaune. Die kann jedoch in jedem Augenblick erschallen. Dabei wird dann das Wichtigste sein, wo ich bin, und wo ich mich in dem Augenblick befinde.

Bei den Worten des Apostels Petrus ├╝ber die letzten Dinge k├Ânnen wir zwei sehr wichtige Dinge bemerken. Erstens wird es dabei um alles umfassende und alles verschlingende Ver├Ąnderungen gehen, und zweitens werden sie pl├Âtzlich und unerwartet geschehen. Nichts wird so bleiben, wie es davor war – der Himmel wird vergehen, die Erde wird bis auf ihre Grundfesten zerschmelzen. Nichts, woran wir uns gew├Âhnt haben und worauf wir uns verlassen konnten, wird seine alte Funktion wahrnehmen k├Ânnen.

In unserem Alltag verlassen wir uns auf viele Dinge. Wir gehen ├╝ber eine Br├╝cke und haben bei jedem Schritt einen Abgrund unter uns und verlassen uns darauf, dass die Br├╝cke uns am Absturz hindern wird. Aber da gibt es noch mehr. Ohne dar├╝ber weiter nachzudenken, nehmen wir an, dass die Erde uns immer tragen und unter uns nicht einst├╝rzen wird und der Himmel┬á ├╝berhaupt nicht verschwinden wird. Und deshalb sind wir umso mehr der Ansicht, dass wir alles verschieben d├╝rften, was wir bereits gestern h├Ątten tun m├╝ssen, Und gerade deshalb, weil wir empfunden haben, dass sich nichts ver├Ąndern, nichts zusammenbrechen w├╝rde, leisten wir es uns, dass Wichtigste beiseite zu schieben, damit wir uns mit dem Unwichtigeren, dem Leichteren befassen k├Ânnten. Wir meinen, dass wir alles Wichtige in die L├Ąnge ziehen d├╝rften, da wir keine Notwendigkeit erkennen, es jetzt zu tun. Doch die Frist ist

bereits herum. Der Schlusspfiff kann in jedem Augenblick kommen. Und wenn er pl├Âtzlich kommt, wird nichts mehr so sein wie vorher.

Was ist im Leben das Allerwichtigste? Wie k├Ânnen wir das ├╝berhaupt wissen? Wenn wir uns um eine Arbeitsstelle bewerben, dann legen wir unseren Lebenslauf vor. Was ist in einem Lebenslauf das Wichtigste? Wir schreiben, welche Schulbildung wir mitbringen, beschreiben unsere Kenntnisse und Fertigkeiten, unsere bisherigen Berufserfahrungen und Verdienste. Manches Mal m├╝ssen wir darauf hinweisen, wer uns empfehlen k├Ânnte, was bedeutende Menschen von uns halten. Vor dem Stellenantritt erkundigen wir uns nach den Verdienstm├Âglichkeiten, welche Aufstiegsm├Âglichkeiten es gibt – mit einem Wort danach, was f├╝r Vorteile ich von der Stelle habe. Diese und ├Ąhnliche Dinge besch├Ąftigen uns in unserem Alltag. Deshalb ist es auch verst├Ąndlich, dass sie uns f├╝r unser Leben sehr wichtig erscheinen und dass man andere Dinge beiseite┬á schieben kann. Das ist nur ein Aspekt aus unserem vielf├Ąltigen Alltag.

Ich m├Âchte nicht versuchen, jetzt alles zu beschreiben. Dieser M├╝he kann sich jeder einzelne selbst unterziehen. Dabei sollte jeder beachten, dass es dabei nicht auf meine Ansicht ankommt, sondern darauf, was ich tue und was davon f├╝r mich lebenswichtig ist und was davon bleibt, wenn die letzte Sirene ert├Ânt und Himmel und Erde mit einem gro├čen Krachen vergehen. Was von allem wird noch bestehen bleiben und seine Priorit├Ąt bewahren k├Ânnen und was wird in die Bedeutungslosigkeit versinken?

In seiner Ansprache geht der Apostel Petrus auf unseren Alltag ein. Betrachte dich selbst mit deinem geistigen Blick, was nach dem Schlusspfiff, nach dem letzten Signal von dir ├╝brig bleibt! Was tritt dabei in den Vordergrund als das Wichtigste? In Augenblicken gro├čer Aufregungen f├Ąllt es uns wie Schuppen von den Augen, wenn wir deutlich erkennen, dass wir uns in unserem Alltag v├Âllig nebens├Ąchliche Dinge zur Hauptsache gemacht haben. Wie steht es um unsere Beziehung zu unseren Allern├Ąchsten?┬á Wieviel Zeit habe ich meinen Kindern gewidmet, und wie haben das meine Kinder empfunden? Wann habe ich mich zuletzt f├╝r eine gute Idee oder f├╝r einen wohlt├Ątigen Zweck oder eine Angelegenheit von nationalem Interesse eingesetzt? Was habe ich getan, um ein besserer Mensch zu werden? Habe ich das alles vor mir hergeschoben und auf eine sp├Ątere Zeit verlegt, die ich nicht mehr haben werde?

Wir erleben Krisenzeiten, wenn wir etwas ├╝ber Naturkatastrophen vernehmen, von denen andere Menschen betroffen wurden, in denen unser Gewissen erwacht und unser wacher Verstand uns ernste Fragen stellt. Das sind Augenblicke der bohrenden Erkenntnis. Aber ist diese auch kr├Ąftig genug und h├Ąlt sie weiter an, damit wir nicht nur bei ├ťberlegungen stehen bleiben, sondern auch einen Entschluss fassen und den in die Tat umsetzen? Sollte das der Fall sein, dann haben wir im Ungl├╝ck┬á Gl├╝ck gehabt, und die gemachte Erfahrung war nicht vergeblich. Sollten wir dagegen f├╝r einen Augenblick nur bei dem ├ťberlegen und Nachdenken stecken geblieben sein, dann verhalten wir uns wie ein Mieter einer Wohnung, dessen Alarmanlage eine Notsituation signalisiert, aber wir statt uns zu retten und die Wohnung zu r├Ąumen, uns mit ├ťberlegungen befassen, ob wir diese Warnungen wirklich ernst nehmen m├╝ssten. Ist das nicht ein Mangel an Erkenntnissen? W├Ąre es nicht richtig, alles stehen und liegen zu lassen und das eigene Leben zu retten? Es fehlt ja auch nicht an beruhigenden Stimmen: regt euch doch nicht auf, das betrifft euch nicht, alles wird gut ausgehen.

Vielleicht ist es eine beruhigende Erkenntnis oder eine richtige Beurteilung der Realit├Ąt, bereit zu sein f├╝r den Schlusspfiff, f├╝r die letzte Posaune f├╝r den j├╝ngsten Tag des Herren, der beginnen wird wie ein gew├Âhnlicher Tag Da wird es nichts von dem geben, was jene seltsamen sogenannte Wikinger Kalender prophezeien: An einem solchen Morgen werden wir aufstehen, Kaffee trinken, unserer Wege gehen – der eine zur Schule oder zur Arbeit, der andere zum Einkaufen oder zum Spaziergang mit dem Hund. Und dann – ohne eine Warnung oder eine M├Âglichkeit, sich darauf einzustellen – st├╝rzt der Himmel mit einem Krach ein, die Erde vergeht, die Elemente zerschmelzen. Aber das Wichtigste dabei wird sein – wir werden keine Zeit mehr haben. Wir werden dastehen nicht mit dem, was wir haben, sondern nur mit dem, wer wir sind.

Wie viel von dem, womit wir unsere Zeit und unsere M├Âglichkeiten verbracht hatten, wird es nicht mehr geben! Wichtig wird nur das sein, was wir in kein Arbeitsbuch, in keine Bewerbung eingetragen haben. Als wichtig wird sich nur das erweisen, was in der Pr├Ąambel unserer Verfassung als Grundsatz verk├╝ndigt wird.

Ich liebe Gott von ganzem Herzen und meinen N├Ąchsten wie mich selbst. Ich bin getauft, ich bin ein lebendiges Glied am Leibe Christi, an seiner Kirche. Ich habe meine S├╝nden bekannt und daf├╝r die Absolution empfangen. Ich habe mich dem Wirken des Heiligen Geistes ge├Âffnet und mir M├╝he gegeben, mein Leben zu ├Ąndern. Ich pflege die Gemeinschaft des Sakramentes. Ich habe mich bem├╝ht, den Weg zu gehen, den mir Christus gewiesen hat. Dann werden wir auch in aller Deutlichkeit erkennen, dass Gott nicht von uns verlangt hat, in seinem Auftrag auf Bildung, berufliches Weiterkommen, Familie, Freunde, einen vern├╝nftig verwalteten Besitz und Dinge, die Freude am Leben erwecken, zu verzichten. Er hat uns f├╝r alles die Zeit geschenkt. Aber, wie es der weise K├Ânig Salomo einst gesagt hatte, ein jedes zu seiner Zeit, die uns Gott daf├╝r geschenkt hat

Auch der Apostel Paulus schreibt: „Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Wenn aber jemand den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird’s klar machen: denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen.“

Gold, Silber, Edelsteine. Glaube, Hoffnung Liebe. Erbaut auf dem Grund Christus. Ja, wie sehr m├╝sste sich die Welt ver├Ąndern, wenn diese Dinge wichtiger und erstrebenswerter werden sollten. Und so wird sie sich auch ver├Ąndern, wenn der Grund und die Elemente der Erde┬á zerschmelzen werden. Es wird einen neuen Himmel und eine neue Erde geben. Doch wir sind aufgerufen, bereits davor nach den Werten der neuen Welt zu leben. Dann wird uns auch das schlimme Wort deutlich werden „Am j├╝ngsten Tage wird der Herr kommen wie ein Dieb.“

Dieb ist kein gutes Wort. Wenn wir es h├Âren, dann kann es uns schlecht werden. Und deshalb tun wir uns schwer, es mit Gott zu verbinden. Ein Dieb hat doch die Absicht, uns etwas weg zu nehmen oder uns vielleicht sogar zu t├Âten. Wie k├Ânnen wir ├╝berhaupt mit einer solchen Vorstellung von Gott leben, der wie ein Dieb herumschleicht? Aber Gott hat uns die Zeit geschenkt und sogar seinen eigenen Sohn, „auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ Dann wird uns auch das Wort vom Dieb verst├Ąndlich.

Am Anfang der Geschichte der Menschheit betrog der Teufel Eva und stahl Gott die Welt┬á und ├╝berantwortete sie der S├╝nde und dem Tod. Der gro├če Tag des Herrn wird kommen wie ein Dieb, um das zur├╝ck zu stehlen, was uns der Dieb gestohlen hat. Damit der Mensch, nach Gottes Bild geschaffen, wieder der Macht des Todes und der Macht der dem Teufel unterworfenen Wellt entrissen und dem Himmel und der ewigen Seligkeit in der Gemeinschaft mit Gott zur├╝ckgegeben wird. Daher versucht Jesus auch nicht, uns mit dem Ende der Welt und mit dem j├╝ngsten Tage┬á Angst zu machen, Ganz im Gegenteil. Er sagt: „Wenn diese Dinge zu geschehen beginnen, dann freuet euch und erhebet eure H├Ąupter, weil sich eure Erl├Âsung nahet. Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich. In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen. Wenn’s nicht so w├Ąre. h├Ątte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die St├Ątte zu bereiten? Und wenn ich hingehe, euch die St├Ątte zu bereiten, will ich wieder kommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin. Und ich werde euch sagen: Kommet her, ihr Gesegneten des Herren, und ererbet das Reich, das euch von Anbeginn der Welt bereitet ist.“

Es ist m├Âglich, dass wir nicht alle diesen j├╝ngsten Tag Gottes erleben werden, ├╝ber den der Apostel Petrus spricht, an dem dieser Himmel und diese Erde vergehen werden und wir vor Gott treten werden, so wie wir sind. Mit dem, was wir durch Christus geworden sind.

Am Ewigkeitssonntag lehrt uns der Apostel Petrus, dass angesichts der Ewigkeit das Wichtigste die Zeit ist. Die Zeit, die uns Gott geschenkt hat,. um das Unverg├Ąngliche in unserem Leben zu offenbaren und zu best├Ątigen. Wie stark m├╝sst ihr in eurer Gottesfurcht in eurem Leben sein! Unsere Beziehungen mit Gott durch Jesus Christus und durch Ihn auch mit unseren Mitmenschen. Das ist es, was wir in unserem Leben festigen m├╝ssen.

Der Ewigkeitssonntag kommt zu uns zu einer ganz besonderen Zeit. Wir sind ersch├╝ttert und schockiert ├╝ber alles, was wir erleben und was uns apokalyptisch erscheint. Dinge, auf die wir uns, ohne dar├╝ber nachzudenken und sie in Frage zu stellen, verlassen haben, sind ├╝ber uns pl├Âtzlich hergefallen wie ein Dieb. Ein Augenblick machte uns in aller Sch├Ąrfe deutlich. in welcher unsicheren Welt wir leben und wir zerbrechlich das Leben des Menschen ist.

Wie ererben wir diese Zeit mit Jesus Christus? Zuerst dadurch, dass wir unseren Mitmenschen erkennen – vielleicht einen Unbekannten, vielleicht einen Angeh├Ârigen eines anderen Volkes oder anderen Staates – und dabei entdecken, dass er unser N├Ąchster ist. Dass wir f├╝r ihn beten, oder wenn es geht, auch mit ihm. Dass wir mit ihm weinen. Dass wir, wenn es geht, ihn anh├Âren und ihm zur Seite stehen. Wenn es notwendig ist, mit ihm gemeinsam zu┬á schweigen, dann schweigen wir mit ihm. Wenn wir ihm praktische Hilfe zukommen lassen k├Ânnen, dann lasst uns auch nicht z├Âgern, ihm zu helfen. Braucht er ein aufmunterndes Wort, dann sagen wir es ihm.

Das ist die Zuwendung, die Gott von uns erwartet, denn das alles hat er auch uns getan, als er in unserer Mitte lebte. Und so sieht auch die Solidarit├Ąt aus, die Lettland braucht. Das ist besonders heute der Fall, da wir so stark an die Zeit des nationalen Erwachens erinnert werden, an die Einm├╝tigkeit, bei der die Menschen die gemeinsame Bereitschaft hatten, f├╝r den anderen auch, wenn es notwendig sein sollte, mit dem eigenen Blut beizustehen. F├╝r unsere gespaltene Gesellschaft ist das ein gutes Vorbild, das diese Zeit damals in den Herzen der Menschen lebendig werden lie├č. In uns ist der g├Âttliche Funke noch lebendig. Diese Zeit hat uns ermuntert, uns zusammenzuschwei├čen in einer Gesellschaft nicht im Hass gegen├╝ber┬á gemeinsamen Feinden, den man sehr leicht entfachen kann, der aber eine zerst├Ârerische Wirkung hat, sondern uns zusammenzuschlie├čen in dem, was uns zu dem erhebt, der uns das Leben schenkt. Und das ist ein Schatz, den wir bewahren und nicht verspielen sollten.

Es ist gut, wenn der Tag der Zerst├Ârung uns zu guten Tagen und guten gemeinsamen Zielen┬á aufzurufen vermag. Wir k├Ânnten dabei ganz bescheiden beginnen. So k├Ânnten wir uns zum Beispiel vornehmen, nichts zu tun, was meinem N├Ąchsten gef├Ąhrlich werden k├Ânnte, im tollk├╝hnen Vertrauen darauf, dass alles gut gehen und nichts passieren k├Ânnte. Dass wir zum Beispiel bei dem Autofahren die vorgeschriebene Geschwindigkeit nicht ├╝berschreiten oder am Steuer nicht telefonieren, wodurch wir einen Unfall und das dadurch verursachte Leid nicht verhindern k├Ânnen. Nehmen wir uns da vor, solange wir noch die Zeit daf├╝r haben, denn danach haben wir die Zeit nicht mehr. Wir k├Ânnen uns vornehmen, keins der Zehn Gebote zu ├╝bertreten, auch wenn wir der Meinung sind, dass das eine oder andere Gebot nicht besonders wichtig sei, es dennoch auf uns selbst beziehen┬á Wir wissen nicht, welche Folgen die Missachtung der Gebote haben kann. Wenn wir in geringen Dingen treu sind, dann wird Gott uns auch bei gro├čen Dingen segnen.

In diesen Tagen haben viele der von der Katastrophe Betroffenen gesagt, dass ihnen der geistliche und moralische Zuspruch am meisten geholfen h├Ątte. Auch ich bin des ├Âfteren um ein Wort des Trostes und der St├Ąrkung gebeten worden. Wir sollten uns fragen, ob wir ein solches Wort auch sagen k├Ânnen. Fr├╝her gab es Kurse in Erster Hilfe, die man bei Unf├Ąllen dem Mitmenschen leisten konnte, um das Schlimmste zu verh├╝ten. Als Christen haben wir den Auftrag, auch geistlich und seelisch Erste Hilfe zu leisten. Sind wir auf den Gedanken gekommen, die N├Ąhe zu Gott zu erlernen, mit Gott Erfahrungen zu machen? Die F├Ąhigkeit zu erlernen, den Mitmenschen mit den Augen Jesu zu betrachten, um zu wissen, wie wir im Augenblick seiner Not mit ihm reden oder schweigen sollten. Haben wir auch unsere Zeit damit verbracht, um neben den weltlichen Erfordernissen auch den geistlichen Erfordernissen gerecht zu werden? Ihr solltet wissen, wie wichtig das in Notf├Ąllen ist.

Am Ewigkeitssonntag gedenken wir unserer Entschlafenen. Wir Leute Christi k├Ânnen ihrer so gedenken, wie er es uns aufgetragen hat, als er sagte: Erhebet eure H├Ąupter und nehmt das Heil wahr, das er denen verhei├čen hat, die an ihn glauben. Er sprach: ICH BIN die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt. Und wer da lebt und an mich, der wird nimmermehr sterben. Deshalb f├╝hren wir kein Leben, das mit dem Tode endet, sondern k├Ânnen den Tod willkommen hei├čen, mit dem ein neues Leben beginnt. Tr├Âstet einander mit diesen Worten.

Doch am Ewigkeitssonntag denken wir auch an unsere Lebenden. Die Zeit vor der Ewigkeit ist das Wertvollste, was uns geschenkt worden ist. Lasst uns, solange wir diese Zeit noch haben, diese Worte an unsere Lebenden weitersagen, die brennen, wenn sie nicht gesagt werden, und verrichten wir das Werk, das das Gewissen belastet, wenn es nicht getan wird, und wenn es dann zu sp├Ąt sein wird. Jesus spricht: „Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebet. Daran wird man euch erkennen, dass ihr meine J├╝nger seid, dass ihr einander liebet.“ Dann brauchen wir uns vor dem j├╝ngsten Tage unseres Herrn nicht zu f├╝rchten. Die Furcht ist eine Qual, aber die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht. und unsere Erleichterung kommt uns in der Ewigkeit zu Gute. Dazu helfe und segne uns Gott. Amen

Quelle: Sv─ôtdienas R─źts, Zeitschrift der Evangelisch-lutherischen Kirche Lettlands, herausgegeben von ICHTYS GmbH, erscheint seit Januar 1920; Ausgabe Nr.┬á 12┬á (2877) f├╝r den Monat Dezember┬á 2013.
├ťbersetzung: Johannes Baumann

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 6. Januar 2014 um 7:51 und abgelegt unter Predigten / Andachten.