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Verk├╝ndigung ohne Vollmacht

Freitag 1. November 2013 von Pfr. Hans-Otto Graser


Pfr. Hans-Otto Graser

Kann man dem modernen Menschen noch eine ungek├╝rzte biblische Verk├╝ndigung zumuten? Ist es nicht kl├╝ger, gewisse Dinge wegzulassen oder wenigstens zu entsch├Ąrfen? Schlie├člich sollen die Leute ja f├╝r Jesus Christus und den Glauben gewonnen werden. Da darf man sie doch nicht mit irgendwelchen harten Aussagen vor den Kopf sto├čen. Aber Moment mal! Wer sagt denn, dass man das nicht darf? Hat nicht Jesus selbst so hart geredet, dass die meisten seiner J├╝nger ihn verlie├čen? (Joh. 6,60). Hart meint ja nicht unbedingt verletzend. Vielmehr ist es die Wahrheit der Bibel, die der s├╝ndige und unbu├čfertige Mensch als hart empfindet. Wahrheit kann eben auch weh tun. Und das wollen viele nicht.

Deshalb suchen sie sich Verk├╝ndiger, die ihnen das predigen, wonach „ihnen die Ohren jucken“ (2. Tim. 4,3f). Und solche Verk├╝ndiger gibt es heutzutage zuhauf. Dabei verk├╝ndigen diese Prediger nicht unbedingt grobe Irrlehren. Vielem, was sie sagen, kann man durchaus zustimmen. Aber bei genauerem Hinh├Âren entdeckt man doch gewaltige Defizite. So macht man z. B. aus dem Hammer des Wortes Gottes, der Felsen zerschmei├čt (Jer. 23,29) ein Plastikh├Ąmmerlein, von dem sich das S├╝nderherz ├╝berhaupt nicht beeindrucken l├Ąsst. Und dem zweischneidigen Schwert (Hbr. 4,12) wird sowohl die Spitze als auch die Sch├Ąrfe genommen, so dass es keinem mehr weh tut. Was aber kommt bei einer derart aufgeweichten Verk├╝ndigung am Ende heraus? Wohl kaum konsequente Christusnachfolger. Vielmehr werden die H├Ârer zu einem wohltemperierten, weltangepassten Christentum verf├╝hrt. Wenn klare Aussagen der Bibel verschwiegen werden, ist das im Grunde ein Verbrechen an den Seelen.

1┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á┬á Defizit├Ąre Verk├╝ndigung entehrt Gott und betr├╝gt die Menschen.

Nehmen wir nur einmal eine moderne Evangelisationsveranstaltung. Schon das Vorprogramm kann da Fragen aufwerfen. Die Besucher, so hei├čt es, sollen sich wohlf├╝hlen und ihren Spa├č haben. Folglich muss man sie unterhalten. Und am besten gelingt das mit einer peppigen Show. Entsprechend angepasst ist dann nat├╝rlich auch die Verk├╝ndigung. Darum wird die Botschaft m├Âglichst schmackhaft zubereitet und in kleinen, leicht verdaulichen Appetith├Ąppchen serviert. Nur ja keine harten Brocken. Die k├Ânnten den Zuh├Ârern n├Ąmlich unangenehm im Halse stecken bleiben und sie ver├Ąrgern. Und das gilt es unter allen Umst├Ąnden zu vermeiden.

Wie aber gehen diese Prediger dann mit den tats├Ąchlich harten Brocken in Gottes Wort um? Nun, mit ein bisschen Geschick lassen sich solche Klippen leicht umschiffen. So macht man z. B. aus dem heiligen, souver├Ąnen Gott kurzerhand einen Kuschelgott, einen lieben Papi, der es mit den Fehlern seiner Kinderlein nicht so genau nimmt. Und Jesus wird zum Wohlt├Ąter degradiert, der daf├╝r zust├Ąndig ist, dass es uns auf m├Âglichst allen Lebensebenen gut geht. Er wird sozusagen als Erf├╝llungshilfe unserer Bed├╝rfnisse und W├╝nsche angepriesen. Wo aber bleibt da noch Raum f├╝r die Botschaft von Gottes Zorn und Gericht? Ohne Gerichtsbotschaft aber verkommt die teuer erworbene Gnade zwangsl├Ąufig zu einer billigen Gnade ohne Ruf zur Bu├če und Umkehr. Doch wo steht in der Bibel geschrieben, dass Gott auch den unbu├čfertigen S├╝nder begnadigt? Dem Unbu├čfertigen werden vielmehr ewige H├Âllenstrafen angedroht.

Nun wird es f├╝r solche Verk├╝ndiger allerdings schwierig. Wer auf der einen Seite einen nur liebenden und barmherzigen Gott verk├╝ndigt, der weder z├╝rnt noch straft, kann auf der anderen Seite unm├Âglich von einer ewigen Verdammnis sprechen. Damit aber fehlt der Verk├╝ndigung ein ganz entscheidendes St├╝ck. Und es stellt sich die Frage, was hinter einem solchen Predigtverhalten steckt. Ist es der Mangel an Erkenntnis der biblischen Wahrheiten? Dem k├Ânnte durch ein gr├╝ndliches Schriftstudium abgeholfen werden. Oder ist es vielleicht sogar Kritik an der Bibel? Dann sollte man sich nicht Verk├╝ndiger des Wortes Gottes nennen. Aber es k├Ânnte auch etwas ganz anderes dahinter stecken. Z.B. das Bed├╝rfnis des Predigers, bei den Leuten gut anzukommen. Das Haschen nach Zustimmung und Applaus? Wer macht sich schon gerne unbeliebt beim Publikum? Und gleich gar nicht will man als engstirnig oder gesetzlich gelten, als ob die Verk├╝ndigung der ganzen biblischen Wahrheit etwas mit Gesetzlichkeit zu tun h├Ątte.

Doch wie dem auch sei, was immer sich hinter der defizit├Ąren Verk├╝ndigung verbergen mag, sie t├Ąuscht und betr├╝gt die Zuh├Ârer. Wer die unbequemen Aussagen der Bibel verschweigt, um sich ├ärger zu ersparen, oder weil er gut dastehen will, hinterl├Ąsst ein Heer betrogener und verf├╝hrter Seelen.

2.            Nur die ganze biblische Wahrheit ehrt Gott und dient den Menschen

Wer die Wahrheit der Bibel oder Teile davon unterschl├Ągt, darf sich nicht Botschafter an Christi statt bzw. Prediger des Wortes Gottes nennen. Ein Botschafter hat das zu verk├╝ndigen, was sein Herr ihm auftr├Ągt. Und was der Herr seinen Boten aufgetragen hat, das steht in der Bibel, dem unfehlbaren Gotteswort. Dieses Wort m├╝ssen die Botschafter Christi ohne Abstriche verk├╝ndigen, wenn sie nicht schuldig werden wollen. Der Apostel Paulus hat sich strikt an die Anweisungen seines Herrn gehalten (Apg. 20, 20.27). Ihm ging es nicht um den Beifall der Massen, sondern um die Ehre Gottes und um das Heil der Menschen. Deshalb scheute er um Jesu und des Wortes Gottes willen auch kein Leiden (vgl. 2. Kor. 6,3-10; 2. Kor 11, 23-28). Aber davon wollen die Wohlstandsprediger nichts wissen. Und ihre verf├╝hrten Anh├Ąnger auch nicht. Vielmehr behaupten manche sogar, Gott wolle nicht, dass seine Kinder leiden, und wer doch leide als Christ, der glaube nicht richtig.

Die Bibel sagt etwas anderes. Das krasse Gegenteil. Christusnachfolge ist immer Kreuzes- und Leidensnachfolge. Wer sich Jesus unterwirft und den Weg des Glaubensgehorsams einschl├Ągt, dem bleiben Kreuz und Leiden nicht erspart. Da beginnt zum einen ein innerer Kampf, weil das Fleisch best├Ąndig gegen den Geist streitet und umgekehrt (Gal. 5,17). Und der Welt sind die echten Jesusleute ein Dorn im Auge, den man mit allen Mitteln zu beseitigen sucht. Die Welt hasst Jesus, und sie hasst seine Leute (Matth. 10,22). Das muss jedem klar sein, der sich ganz auf die Seite Christi und des Wortes Gottes stellt und nicht nur halbe Sache macht.

Doch an der Stelle brechen die kritischen Fragen auf. Werden die Leute mit einer solchen Botschaft nicht abgeschreckt? Ist es klug, heilsuchende Menschen mit Kreuz und Leiden zu konfrontieren? Gewinnt man sie wirklich f├╝r Jesus, wenn man sie zu einer radikalen Umkehr, Selbst- und Weltverleugnung auffordert? Ist es hilfreich, die S├╝nde schonungslos beim Namen zu nennen und auf ein ewiges Gericht hinzuweisen? Ja, so oder ├Ąhnlich wird gefragt. Doch was verbirgt sich hinter diesen Fragen? Ist es nicht eine ziemlich scharfe Gottes- und Bibelkritik? Wei├č Gott denn nicht besser, was die Menschen zu ihrem Heil brauchen als diese kritischen Frager in ihrer Kurzsichtigkeit?

Darum predige, wer sich bibeltreu nennt, den ganzen Heilsratschluss Gottes und nicht nur das Liebliche und Angenehme. Denn nicht das, was die Leute gerne h├Âren wollen, rettet sie, sondern das, was sie h├Âren m├╝ssen. Und das sagt ihnen die Bibel. So muss ihnen z. B. der Spiegel des Gesetzes vorgehalten werden, damit sie sich in ihrer S├╝nde und Verlorenheit erkennen (R├Âm. 3,20). Und das Evangelium darf nicht verniedlicht werden. Was auf dem H├╝gel Golgatha geschah, darf nicht zu einem Wohlf├╝hlevangelium verkommen. Dort ging es nicht um die L├Âsung unserer Problemchen, sondern um die Erl├Âsung aus dem Rachen der S├╝nde, des Todes und der H├Âlle. Am Kreuz sehen wir wie nirgends sonst Gottes heiligen Zorn ├╝ber die S├╝nde. Das Kreuz zeigt uns mit letzter Klarheit, dass mit der S├╝nde nicht zu spa├čen ist. Die S├╝nde ist und bleibt unser Verderben (Spr. 14,34). Deshalb findet unter dem Kreuz auch nur Frieden, wer mit aller S├╝nde entschieden bricht und sich dem gekreuzigten und auferstandenen Christus v├Âllig unterwirft.

Kreuz und Auferstehung weisen weit ├╝ber ein paar Jahre Wohlergehen auf dieser Erde hinaus. Kreuz und Auferstehung sagen uns, dass Gott vor allem unser ewiges Heil im Blick hat. Diesem Ziel muss letztendlich alles dienen, was der himmlische Vater in seiner Liebe und Weisheit in unser Leben hinein verordnet. Eben auch die eine und andere nicht so leicht zu verdauende Aussage in seinem Wort. Doch wohl uns, wenn wir uns vor diesem Wort beugen und uns auf alles einlassen, was darin geschrieben steht. Und wohl uns, wenn wir uns nicht von Verk├╝ndigen verf├╝hren lassen, die glauben, besser als Gott zu wissen, was man dem modernen Menschen noch zumuten kann und was nicht mehr. Darum darf ernsthaft bezweifelt werden, ob auf einer bewusst defizit├Ąren Verk├╝ndigung sein Segen ruht. Vollm├Ąchtig jedenfalls kann sie nicht sein.

Pfarrer i. R. Hans-Otto Graser

 

 

 

 

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 1. November 2013 um 13:57 und abgelegt unter Gemeinde, Kirche, Theologie.