Gemeindenetzwerk

Ein Arbeitsbereich des Gemeindehilfsbundes

Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag Artikel empfehlen Artikel empfehlen

Das Kreuz von Jerusalem

Samstag 9. Mai 2009 von Andreas Rau


Andreas Rau

Das Kreuz in Jerusalem

Gleich zu Beginn eine Frage: Sind sie bereit und in der Lage(!), mir einhundert-und-zwei-tausend Euro zu schenken? Ich rĂ€ume ein, einhundert-und-zwei-tausend Euro wĂŒrden den Rahmen sprengen, in dem meine Finanzen sich normalerweise bewegen; und zwar erheblich sprengen.

Vater Staat hat in diesem Jahr Geld verschenkt; z. B. an Banken. Einer von ihnen, der „HYPO REAL ESTATE“ hat er nun nicht etwa einhundert-und-zwei-tausend Euro geschenkt; auch nicht eine Million, was mĂ€chtig gewaltig viel wĂ€re – sondern der Staat hat dieser Bank einhundert-und-zwei-tausend mal eine Million Euro geschenkt; einhundert-und-zwei-tausend Millionen Euro – von unseren Steuern fĂŒr eine einzige Bank. Ich muß zugeben, solch eine Summe ĂŒbersteigt meine Vorstellungskraft: Einhundert-und-zwei Milliarden passen nicht in meinen Kopf; der ist dafĂŒr zu klein.

Der Grund dafĂŒr sei: in dieser Bank befĂ€nde sich ein Loch, ein Finanzloch. Das mĂŒĂŸte mit Geld zugeschĂŒttet werden. Wenn das nicht geschehe, wĂŒrde die ganz Bank darin verschwinden; und mit ihr noch vieles andere mehr. Ich habe von solchen Dingen keine Ahnung. Aber die Ereignisse der letzten Monate zeigen: Es ist denkbar, daß wir eines Tages vor dem Geldautomaten stehen und der ist abgeschaltet; „außer Betrieb!“ Und zwar nicht nur dieser eine, sondern alle Geldautomaten! Wenn wir dann zum Bankschalter gehen, hĂ€ngt dort ein Schild „Geschlossen!“; und zwar nicht nur an diesem einen Schalter, sondern an allen! Und wenn wir dann zu Aldi rennen, dort mit EC -Karte bezahlen wollen, sagt die VerkĂ€uferin freundlich aber bestimmt: „Wir nehmen nur Bargeld!“ Und das sagt nicht nur diese eine, sondern das sagen alle VerkĂ€uferinnen in allen GeschĂ€ften. Und dann hĂ€tten wir ein Problem.

Oder: Im letzten Winter hatten Rußland oder die Ukraine einige Zeit den Gashahn zugedreht. In Deutschland haben wir davon wenig bemerkt. Doch was passiert, wenn die das mal ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum machen, oder gar das Gas ganz abstellen? Millionen Menschen sĂ€ĂŸen im Kalten. Und wenn die alle dann plötzlich anfingen, elektrisch zu heizen, wĂŒrde möglicherweise das Stromnetz auch noch zusammenbrechen. Und dann begĂ€nne der Kampf ums nackte Überleben – denn ohne Strom lĂ€uft heute ĂŒberhaupt nichts mehr.

Wohlgemerkt: Ich sage nicht, daß das passieren wird; im Gegenteil, ich hoffe sehr, daß es nicht passiert. Aber ich sage: Es ist denkbar; es ist nicht mit letzter, absoluter Sicherheit auszuschließen. Unsere Gesellschaft, unser Wohlstand ruhen auf einem Fundament, das nicht 100%ig sicher ist.

Ganz abgesehen von den großen, globalen Problemen – auch unser eigenes, kleines Leben steht auf unsicherem Boden: eine Krankheit, Arbeitslosigkeit, der Tod eines nahestehenden Menschen … Es kann von einem Augenblick auf den anderen vieles aus den Fugen geraten.

Die Frage ist, gibt es inmitten all der großen und kleinen Unsicherheiten etwas, das anders ist; etwas auf das man sich wirklich mit letzter, absoluter Sicherheit verlassen kann? Der alte Grieche, der die Hebelgesetze entdeckt hat, soll gesagt haben: „Gebt mir einen festen Punkt und ich hebe die ganze Welt aus den Angeln.“ Er hat das gesagt, weil er ĂŒberzeugt war, solch einen Punkt gibt es nicht.

Nun kommt aber der christliche Glaube daher und sagt: „Doch, solch einen Punkt gibt es! In der Geschichte der Menschheit gibt es ein Ereignis, das tatsĂ€chlich anders ist; und zwar völlig anders. Ein Ereignis, das wie ein Felsen herausragt aus dem Meer der Geschichte. Und dieser Felsen bietet unkaputtbaren, ewigen Halt in all den Unsicherheiten. Und wir Christen sind Zeugen; wir bezeugen dieses Ereignis, auf das wir uns tatsĂ€chlich mit letzter, absoluter Sicherheit verlassen können.“

Bevor ich auf den Punkt komme noch ein kleiner Anlauf. Unter Religion versteht man im Allgemeinen: Hinter der Wirklichkeit, die wir wahrnehmen können; hinter dem, was wir tĂ€glich erleben, verbirgt sich noch eine andere Wirklichkeit; verbirgt sich etwas, das grĂ¶ĂŸer ist als wir. Das gilt fĂŒr Hindus, fĂŒr Muslime, fĂŒr Juden, das gilt sinngemĂ€ĂŸ fĂŒr alle Religionen. Das gilt auch fĂŒr uns Christen. Wir glauben an Gott den Vater, den AllmĂ€chtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Wir glauben, daß da jemand ist, der grĂ¶ĂŸer ist als wir.

Und Religion ist nun der Versuch, zu dieser grĂ¶ĂŸeren Wirklichkeit eine gute Beziehung aufzubauen, um von dort Hilfe zu erhalten – fĂŒr das Leben hier und fĂŒr das, was nach dem Tode kommt. Da bieten die verschiedensten Religionen nun die verschiedensten Methoden oder Rituale, wie man das bewerkstelligen kann.

Der christliche Glaube sagt: mit Gott ist es wie mit einer Haftpflichtversicherung. Wenn jemand mit seinem Auto einen Unfall verschuldet, dann muß er fĂŒr den Schaden aufkommen. Dann spielt es keine Rolle, ob der- oder diejenige sonst immer ein guter Fahrer war und alle Verkehrsregeln beachtet hat. Es spielt auch keine Rolle, ob der oder die Schuldige ein netter, hilfsbereiter Mensch ist. Entscheidend ist einzig und allein: Hat die schuldige Person einen gĂŒltigen Vertrag mit einer Versicherung. Hat sie den, kommt die Versicherung fĂŒr den Schaden auf. Hat sie den nicht, dann muß der oder die Schuldige selber fĂŒr alles gerade stehen.

Genau so sagt der christliche Glaube – im Unterschied zu allen anderen Religionen: Es kommt nicht auf mich an; es kommt nicht darauf an, was ich tue; oder was ich denke oder rede. Es interessiert nicht, ob ich ein netter, hilfsbereiter, frommer Mensch bin. Es kommt auch nicht darauf an, ob ich intelligent bin, Geld habe, ob ich stark bin oder erfolgreich oder schön oder beliebt oder was auch immer. Das alles spielt keine Rolle. Entscheidend ist einzig und allein: Habe ich einen gĂŒltigen Vertrag mit Gott? Habe ich den nicht, dann stehe ich mit den Risiken und Unsicherheiten meines Lebens alleine da. Habe ich aber solch einen Vertrag, dann tritt Gott fĂŒr mich ein. Dann wird der allmĂ€chtige Gott mir beistehen – in guten und in schlechten Tagen, im Leben, im Sterben und in der Ewigkeit.

Alles hĂ€ngt an diesem Vertrag! Und da steht natĂŒrlich die Frage: Wie und wo kann man den denn abschließen?

In den allermeisten Kirchen hĂ€ngt oder steht ein Kreuz aus Holzbalken. Daran ist dann hĂ€ufig noch ein Mensch buchstĂ€blich angenagelt. In dieser Kirche hĂ€ngt es ganz groß vorn neben dem Altar. Falls es jemand wegen der Leinwand nicht richtig sehen kann, hier noch ein anderes solches Kreuz, ein Ausschnitt aus einem berĂŒhmten GemĂ€lde. All diese Kruzifixe sollen erinnern bzw. sie sollen hinweisen auf dieses eine entscheidende Ereignis, das so völlig anders ist als die gesamte sonstige Weltgeschichte.

Vor knapp 2000 Jahren ist in Jerusalem ein Mensch auf diese Weise hingerichtet worden. Er wurde getötet, indem man ihn an ein solches Holzkreuz genagelt hat und dort verrecken ließ. Das ist bei den alten Römern tausend- oder gar hunderttausendfach geschehen; das war fĂŒr die praktisch ganz „normal“. Aber fĂŒr Christen ist diese eine Hinrichtung etwas Einmaliges gewesen. Denn dort wurden die BeitrĂ€ge eingezahlt, die Gott bzw. dessen Versicherungsvertrag von uns fordert.

Der Haken an den Versicherungen ist bekanntlich, sie gibt es nicht umsonst. Wir mĂŒssen dafĂŒr zahlen. Je höher die Versicherungssumme und je höher das Risiko, umso höher die BeitrĂ€ge. Doch welchen Wert hat ein Menschenleben; welchen Wert hat mein oder Dein Leben? Und was könnten wir denn zahlen, um gegen die Risiken des Lebens gesichert zu sein? Was können wir bieten, damit diese grĂ¶ĂŸere Wirklichkeit, damit Gott uns beisteht?

An dieser Stelle kommen nun die verschiedensten Religionen und sagen: „Ja, du mußt etwas zahlen, damit Gott mit dir zufrieden ist und dir dann hilft. Sei es ein sĂŒndloses Leben, seien es Geld, gute Taten, Frömmigkeit, religiöse Übungen oder was auch immer.“

Der christliche Glaube dagegen sagt: „Nein, du mußt nichts bezahlen! Denn alles, was du geben könntest, wĂ€re nicht genug. Ein Menschenleben ist viel zu wertvoll und außerdem das Risiko der SĂŒnde und des Todes ist viel zu groß, als daß wir das in irgendeiner Form aufwiegen könnten. Wir Menschen können die erforderlichen BeitrĂ€ge unmöglich aufbringen. Deshalb hat Gott gesagt: ‚Okay, ihr könnt es niemals schaffen, deswegen zahle ich die BeitrĂ€ge fĂŒr euch – und zwar mit dem Blut und dem Leben meines eingeborenen Sohnes.'“

Ich gebe zu, hier klingt die ganze Geschichte ziemlich verrĂŒckt und ist schwer zu verstehen. Der Punkt aber ist, dort am Kreuz hat Jesus Christus eine Leistung erbracht, die unendlich wertvoller ist als alles Geld der Welt. Dort hat Gott etwas getan, das menschliches Vorstellungsvermögen ĂŒbersteigt; etwas, das nicht in unsere Gehirne paßt.

Aber wegen diesem Ereignis gilt: „Es ist vollbracht“! Die BeitrĂ€ge sind bezahlt; und zwar vollstĂ€ndig, alle. Wenn – zum Beispiel – hier jemand wĂ€re, der oder die große Schuld auf sich geladen hat und nun nicht weiß, wie damit fertig werden: Es gibt eine Versicherung, die bereit ist, fĂŒr diese Schuld aufzukommen. Gott ist bereit, alle deine Schuld wegzunehmen; sie zu vergeben. In der Bibel steht; Jes 1,18: „Wenn eure SĂŒnde auch blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden; und wenn sie rot ist wie Scharlach, soll sie doch weiß wie Wolle werden.“

Und dies ist möglich, weil Jesus Christus am Kreuz dafĂŒr bezahlt hat. Jes 53,5: „Er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer SĂŒnde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hĂ€tten, und durch seine Wunden sind wir geheilt“. So steht es in der Bibel. Ganz egal worum es sich handelt – Vergebung ist möglich! Weil Jesus Christus sein Blut und sein Leben dafĂŒr gegeben hat.

Oder – bloß am Rande – im Blick auf die Banken; Jesus hat gesagt, sinngemĂ€ĂŸ: Wenn ihr euer Geld mir gebt; d. h. wenn ihr es in meinem Sinne spendet; es weggebt, um anderen Menschen zu helfen; dann wird dieses Geld fĂŒr euch zu einem „Schatz im Himmel“. Es wird euch in dieser anderen, grĂ¶ĂŸeren Wirklichkeit auf einem himmlischen Konto gutgeschrieben. Dort wird es weder von BetrĂŒgern noch von der Inflation noch von sonst was bedroht. Dort ist es wirklich absolut sicher.

Oder um den dicksten Brocken anzusprechen: Wir alle werden irgendwann sterben; es ist nur eine Frage der Zeit. Dagegen ist kein Kraut gewachsen. Allerdings, als Jesus damals gekreuzigt wurde, war seine Geschichte noch nicht zu Ende. Zwei Tage spĂ€ter ist etwas Unvorstellbares geschehen: Jesus Christus ist auferstanden; er wurde zu neuem Leben auferweckt. Wohlgemerkt: Er wurde nicht wiederbelebt; d. h. in dieses Leben zurĂŒckgeholt. Sondern er ist durch den Tod hindurch in die Wirklichkeit Gottes gegangen. Er ist hinter dem Tod zu neuem, ewigen Leben auferstanden. Er hat gewissermaßen einen Durchbruch, einen Hinterausgang in den Tod gebrochen.

Das ist wieder so eine Sache, die von unseren Gehirnen nicht zu fassen ist. Auferstehung ĂŒbersteigt menschliches Vorstellungsvermögen. Der Maler hat’s redlich versucht; das GemĂ€lde ist auch weltbekannt – aber es ist nur ein schwacher Abklatsch der Wirklichkeit jenseits des Todes. Paulus schreibt (2Ko 12,1ff), er habe einmal einen Blick in diese Wirklichkeit werfen dĂŒrfen – aber er könne sie nicht beschreiben. Er habe keine Worte dafĂŒr.

Fakt aber ist: dieser Hinterausgang ist offen – bis heute. Auch wir haben die Möglichkeit, durch den Tod hindurch in diese andere, grĂ¶ĂŸere Wirklichkeit Gottes zu gelangen – weil Jesus Christus am Kreuz – fĂŒr uns! – den Weg frei gemacht hat; weil er – fĂŒr uns! – die HintertĂŒr im Tod aufgebrochen hat.

Und dies gilt nicht nur fĂŒr den Tod sondern fĂŒr alle Risiken des Lebens. Wenn wir an unsere Grenzen stoßen, wenn unsere Möglichkeiten und KrĂ€fte erschöpft sind; wenn wir nicht mehr weiter wissen – es gibt eine Versicherung, die bereit ist fĂŒr uns einzutreten. Leider nicht so, daß mit einem Klick alle Probleme beseitigt sind; wohl aber in der Form, daß jemand fĂŒr uns eintritt; jemand der grĂ¶ĂŸer ist als wir; jemand der uns festhĂ€lt, der uns trĂ€gt und hinter allen Dunkelheiten eine Wirklichkeit bereit hĂ€lt, die besser ist, als alles was wir uns vorstellen können. Vorausgesetzt, wir haben diesen Vertrag mit Gott. Es hĂ€ngt alles an diesem Vertrag.

Ein Vertrag ist eine Vereinbarung zwischen zwei Partnern. Entscheidend dabei ist, daß beide Seiten damit einverstanden sind; daß beide Vertragspartner zustimmen – sei es durch ihre Unterschrift oder mĂŒndlich, per Handschlag oder wie auch immer. Auf dem Standesamt z. B. wird die Ehe erst geschlossen, wenn beide „Ja“ gesagt haben. Wenn nur einer „Ja“ sagt und der andere „Nein“ oder „Mal sehen“, oder wenn einer von beiden gar nicht erst erscheint, dann tritt die Ehe nicht in Kraft.

Genau so ist es beim christlichen Glauben: Der Vertrag mit Gott tritt erst in Kraft, wenn beide Seiten ihr EinverstĂ€ndnis erklĂ€rt haben; wenn sowohl Gott als auch ich selbst „Ja“ gesagt haben. Fakt ist nun: Gott hat seine FormalitĂ€ten alle erledigt; er hat die GebĂŒhren bezahlt und hat zugestimmt. Er hat sein „Ja“ zu uns bereits gesagt. Und zwar damals vor 2000 Jahren dort am Kreuz in Jerusalem; Joh 3,16: „Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle – alle! – die an ihn glauben nicht verloren werden, sondern ewiges Leben haben.“ Der Tod Jesu ist Gottes „Ja“ zu allen Menschen, zu jedem Einzelnen ohne Ausnahme.

Das einzige, was noch fehlt, ist unsere Antwort. Wir mĂŒssen uns entscheiden, wie wir auf dieses Angebot reagieren. Ob wir sagen: „Nein danke; Gott, mit dir will ich nichts zu tun haben!“ Oder ob wir sagen: „Vielleicht; mal sehen, eventuell?“ Oder ob wir antworten: „Ja“. Ein einfaches, schlichtes, „Ja“; das ist alles. Es braucht kein Geld, keine Klugheit, keine Frömmigkeit, kein sĂŒndloses oder heiliges Leben, nichts – nur ein ehrliches, aufrichtiges „Ja“.

Jesus hat mal eine Geschichte erzĂ€hlt, das Gleichnis vom PharisĂ€er und Zöllner. Da war ein Mann, der konnte keinerlei fromme Verdienste vorweisen. Obendrein hatte er noch allerhand Dreck am Stecken. Der kam in die Kirche und betete still in einer Ecke: „Gott sei mir SĂŒnder gnĂ€dig.“ Das hat schon gereicht. Er ging „gerechtfertigt“ nach Haus; der Vertrag trat auf der Stelle in Kraft. „Gott sei mir SĂŒnder gnĂ€dig.“

Dieses „Ja“ kann man selbstverstĂ€ndlich auch anders ausdrĂŒcken; es sind die unterschiedlichsten Formen und Formulierungen möglich. Z. B. hat es sich als hilfreich erwiesen, das gemeinsam mit einem anderen Christen zu tun. Das „Ja“ vor einem Zeugen auszusprechen und es dadurch gewissermaßen amtlich fest zu machen. Auch Taufe und Konfirmation können – mĂŒssen nicht, aber können – ein wichtiger Schritt sein. Doch ganz egal, wie man das macht, entscheidend ist ein ehrliches “Ja“: “Ja, ich möchte teilhaben an dem, was Jesus damals am Kreuz in Jerusalem bezahlt hat“. Christlicher Glaube heißt, daß wir uns – gewissermaßen – im Glauben festklammern an diesem Ereignis. (Wohlgemerkt: nicht an dem Kreuz als solchem, sondern an dem, der dort gestorben und dann auferstanden ist – an Jesus Christus.)

Allerdings – und jetzt kommt der Haken – dieses „Ja“ ist kein Spaß. Der Tod Jesu ist tatsĂ€chlich ein einmaliges Ereignis. Es ist anders, und zwar absolut anders, als alles, was unsere normale weltliche Wirklichkeit ausmacht; anders als alles, was sich in der Geschichte der Menschheit sonst noch ereignet hat. Es ist auch anders als alles, was die anderen Religionen glauben. (Es ist auch anders, als manche Theologen uns weismachen wollen.)

Wenn mitten aus dem Meer ein Felsen aufragt, dann schlagen unweigerlich die Wellen dagegen. Genau so schlagen die Wellen der Geschichte gegen dieses Ereignis. Sie tun dies mal stĂ€rker und mal schwĂ€cher; aber sie tun es im Grunde pausenlos. Ohne Unterbrechung rennen die Fluten der Unsicherheit dagegen an. Das „Wort vom Kreuz“ wird verlacht und abgelehnt, wird verhöhnt und gehaßt.

WĂ€hrend wir hier relativ gemĂŒtlich Gottesdienst halten, sitzen weltweit tausende, wenn nicht zigtausende Menschen im GefĂ€ngnis, einzig und allein aus dem Grund, weil sie Christen sind. Zahllose Menschen sind auf der Flucht, vertrieben, obdachlos – einzig wegen ihres Glaubens an Jesus Christus. Vielleicht wird gerade jetzt, in diesem Moment, irgendwo jemand gefoltert oder gar getötet, einzig weil er an seinem „Ja“ zu Jesus Christus festhĂ€lt.

In Deutschland haben wir – Gott sei Dank – Meinungs- und Glaubensfreiheit. Bei uns werden Christen meist nur ironisch belĂ€chelt. Aber der Wind beginnt zu drehen. Wer eine feine Nase hat, der spĂŒrt, durch Deutschland zieht wieder einmal der Geruch von Diktatur. Ich fĂŒr meinen Teil rechne damit, daß in absehbarer Zeit sich manches Ă€ndern wird. Die jungen Leute unter uns, werden – wahrscheinlich – noch Zeiten erleben, wo das „Ja“ zu Jesus Christus auch in Deutschland einiges kosten wird und – unter UmstĂ€nden – sehr teuer werden kann.

Doch davon ganz abgesehen. Der Weg in die Wirklichkeit Gottes fĂŒhrt nur durch diese TĂŒr; fĂŒhrt gewissermaßen durch das Kreuz hindurch. Dieser Weg fĂŒhrt auch fĂŒr uns durch Schmerz und Leid und Sterben. Das gehört auch mit dazu! Jesus hat ausdrĂŒcklich betont: Wer „Ja“ zu mir sagt, „der nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ (Mt 16,24). Jeder Christ muß ein klein wenig Anteil haben an dem, was unser Herr und König durchgemacht hat.

Wer diesen Vertrag abschließt, dem legt Gott eine Last auf – in welcher Form auch immer. Mitunter hat man sogar den Eindruck, je mehr Gott einen Menschen segnen und gebrauchen will, umso grĂ¶ĂŸer wird diese Last. Das ist vermutlich die Sicherung, die Gott eingebaut hat, damit seine Gnade nicht ausgenutzt und mißbraucht wird.

Womit wir wieder bei den Banken und den einhundert-und-zwei-tausend Millionen Euro wĂ€ren. Es kann sein, daß auch in unserem Leben manches zu wackeln beginnt; daß vielleicht der Boden unter unseren FĂŒĂŸen wankt und manches einstĂŒrzt. Doch wer auf diesem Felsen steht, der ist versichert. Der ist wegen dem, was Jesus Christus bezahlt hat, ein Kind Gottes. Und Gott lĂ€ĂŸt seine Kinder nicht hĂ€ngen.

„Gott legt uns eine Last auf“, wohl wahr, – „aber er hilft uns auch“ (Ps 68,20)! Die Bibel stellt klar; Rö 8,38f: „Nichts, aber auch gar nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes – weder Tod noch Leben, weder Menschen noch andere KrĂ€fte, nichts und niemand kann uns von Gott trennen“. Unser Vater im Himmel wird uns helfen und durchtragen, ganz egal was passiert.

Und wenn jemand kein Christ ist? Dem gilt das Angebot Gottes – uneingeschrĂ€nkt, ohne Wenn und Aber! Gottes Hand ist ausgestreckt. Wohlgemerkt: Wir Christen drĂ€ngeln niemanden etwas auf. Jeder kann gerne denken und glauben, was er fĂŒr richtig hĂ€lt. Aber wir sind halt Zeugen; wir bezeugen den Opfertod Jesu als den festen Punkt in der Geschichte; als das Ereignis, durch das jeder Mensch Zugang und unzerstörbaren Halt in der Wirklichkeit Gottes finden kann.

Wer Genaueres darĂŒber wissen möchte, der lese bitte das Kleingedruckte zum Versicherungsvertrag. Das steht in diesem uralten Buch, dem Wort Gottes, und da besonders im Neuen Testament.

Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag Artikel empfehlen Artikel empfehlen

Dieser Beitrag wurde erstellt am Samstag 9. Mai 2009 um 15:52 und abgelegt unter Allgemein, Theologie.