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Glaubensbekenntnisse – Können die weg oder brauchen wir die noch? Warum Christen Bekenner sind und Bekenntnisse brauchen

Montag 30. Oktober 2023 von Johann Hesse


Johann Hesse

Vertreten wir als evangelische Christen nicht das reformatorische Prinzip der Genügsamkeit der Heiligen Schrift, das „Sola Scriptura“? Wer die Bibel hat, der braucht doch keine Glaubensbekenntnisse! Auf den ersten Blick mag das eine nachvollziehbare Sichtweise sein. Sieht man allerdings genauer hin, stellt man fest, dass Glaubensbekenntnisse notwendig sind und tief im Wurzelboden der Bibel gründen. Glaubensbekenntnisse wachsen gewissermaßen aus der Bibel heraus, ohne dass sie selbst für sich beanspruchen könnten mit dieser gleichgestellt zu werden.

1. Unsere Glaubensbekenntnisse wurzeln im Alten Testament

1.1    Das Glaubensbekenntnis Israels

Die Grundlage für das Bekennen des Glaubens und die Bildung eines Glaubensbekenntnisses aus dem Wort Gottes heraus finden wir bereits im Alten Testament. Mit dem Schma Jisrael bekennt sich das Volk Gottes zu dem einen Gott Israels:

„Höre Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein. Und du sollst den Herrn, deinen Gott lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.“ (5 Mose 6,4-5)

Wichtig ist auch der größere Zusammenhang dieses Urbekenntnis des Volkes Israels. Israel sollte sich Gottes Wort und seine Gebote „zu Herzen nehmen“ und den Kindern einschärfen und davon reden, „wenn du in deinem Hause sitzt oder unterwegs bist, wenn du dich niederlegst oder aufstehst.“ (5 Mose 6,7). Gottes Worte und Gebote sollte ausgesprochen und auf diese Weise gelehrt und an die nächste Generation weitergegeben werden. Das Schma Jisrael fasst diese Lehre in einer Kurzformel zusammen und wird zum Glaubensbekenntnis des ganzen Volkes.[1]

Mit diesem Glaubensbekenntnis bekennt Israel sich zu dem einen Gott, denn Gott ist „echad“, Gott ist Einer. Damit grenzt Israel sich vom Polytheismus ab. Darum heißt es: „Und du sollst nicht andern Göttern nachfolgen, den Göttern der Völker, die um euch her sind.“ Das Glaubensbekenntnis Israels hat also eine lehrende Funktion und eine abgrenzende Funktion.

Und das Schma Jisrael ist eng verbunden mit dem Heilshandeln Gottes. Der Gott Israels handelt in der Geschichte und erlöst sein Volk aus der Knechtschaft:

„Wenn dich nun dein Sohn morgen fragen wird: Was sind das für Vermahnungen, Gebote und Rechte, die euch der Herr, unser Gott geboten hat, so sollst du sagen: Wir waren Knechte des Pharao in Ägypten, und der Herr führte uns aus Ägypten mit mächtiger Hand; und der Herr tat große und furchtbare Zeichen und Wunder an Ägypten und am Pharao und an seinem ganzen Hause vor unsern Augen und führte uns von dort weg, um uns hineinzubringen und uns das Land zu geben, wie er unsern Vätern geschworen hat“. (5Mose 6,20-23).

1.2    Das „kleine geschichtliche Credo“

Die Israeliten sollten bei der Darbringung der Erstlingsfrüchte anheben und also bekennen:

„Dann sollst du anheben und sagen vor dem HERRN, deinem Gott: Mein Vater war ein Aramäer, dem Umkommen nahe, und zog hinab nach Ägypten und war dort ein Fremdling mit wenig Leuten und wurde dort ein großes, starkes und zahlreiches Volk. 6 Aber die Ägypter behandelten uns schlecht und bedrückten uns und legten uns einen harten Dienst auf. 7 Da schrien wir zu dem HERRN, dem Gott unserer Väter. Und der HERR erhörte unser Schreien und sah unser Elend, unsere Angst und Not 8 und führte uns aus Ägypten mit mächtiger Hand und ausgerecktem Arm und mit großem Schrecken, durch Zeichen und Wunder, 9 und brachte uns an diese Stätte und gab uns dies Land, darin Milch und Honig fließt“ (5 Mose 26,5-9).

Diese Bekenntnis Israels zum Stammvater Abraham und zur Befreiung Israels durch den Herrn aus der Knechtschaft Ägyptens nannte der Alttestamentler Gerhard von Rad das „kleine geschichtliche Credo“ Israels.

Weitere Bekenntnisworte Israels finden sich z.B. in Josua 24,16-18:

„Das sei ferne von uns, dass wir den Herrn verlassen und andern Göttern dienen! Denn der Herr, unser Gott, hat uns und unsere Väter aus Ägyptenland geführt, aus der Knechtschaft … Darum wollen wir auch dem Herrn dienen; denn er ist unser Gott.“  (vgl. 1 Kön 18,21; vgl. Ps 105 und Ps 136; Dtn 11,13-21 und Num 15,37-41).

2. Unsere Glaubensbekenntnisse wurzeln im Neuen Testament

2.1    Das gute Bekenntnis unseres Herrn

Von Jesus heißt es, dass er im Gerichtsprozess vor Pilatus „das gute Bekenntnis“ ablegte: „Christus Jesus, der unter Pontius Pilatus bezeugt hat das gute Bekenntnis“ (1 Tim 6,13). Jesus bezeugte vor Pilatus, dass er der König der Juden sei, der die Wahrheit Gottes bezeugt und dessen Reich nicht von dieser Welt ist.

Christen sind also zuallererst Bekenner, weil sie ihrem Herrn und Heiland nachfolgen, der sein gutes Bekenntnis vor der sichtbaren und unsichtbaren Welt bezeugte und auf dieses Bekenntnis hin den Kreuzestod auf sich nahm. So wie Christus sein Bekenntnis bekannt hat, sollen auch wir das gute Bekenntnis zu ihm und seinem Erlösungswerk vor der sichtbaren und unsichtbaren Welt bekennen und daran festhalten:

„Darum, ihr heiligen Brüder und Schwestern, die ihr teilhabt an der himmlischen Berufung, schaut auf den Apostel und Hohenpriester, den wir bekennen (wörtl: unseres Bekenntnisses), Jesus, der da treu ist dem, der ihn gemacht hat, wie auch Mose in Gottes ganzem Hause.“ (Hebr 3,1-2)

„Weil wir denn einen großen Hohenpriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis.“ (Hebr 4,14)

Lasst uns das Bekenntnis der Hoffnung unbeweglich festhalten, denn treu ist er, der die Verheißung gegeben hat. (Hebr 10,23)

Wir bekennen uns zu Jesus und sollen an dem Bekenntnis zu ihm festhalten.

2.2    Das Bekenntnis als Zustimmung zu Gottes Wort und Zuspruch

Das hier verwendete griechische Wort ist „homologia“ (6 x im NT). Das dazugehörige Verb ist „homologeo“. Wenn man das Wort ganz wörtlich übersetzt, dann bedeutet dieses Wort „zusammen“, „beisammen“, „zugleich“ sagen“. Homologia ist die Übereinstimmung mit einer Aussage. Homologeo wird laut Wörterbuch übersetzt mit:

1.) zusagen, zusichern, versprechen 2.) zugestehen, zugeben 3.) eingestehen, gestehen 4.) frei heraussagen, erklären, bekennen.[2]

Am Anfang des Bekenntnisses steht Gottes Wort und Zuspruch. Das was Gottes Wort uns zuspricht, das sprechen wir mit und nach und stimmen dem zu. Wir bekennen uns zu den Aussagen des Wortes Gottes. Im rechten Bekenntnis stehen unsere Worte im Einklang mit dem Wort Gottes.

„Bekenntnis ist die lebendige Antwort auf Gottes wirkendes Wort, die Gottes universales Bekenntnis zur gottfeindlichen Welt verantwortlich bezeugt. Damit ist nicht nur das „gute Bekenntnis“ Jesu (1 Tim 3,16) während seines Prozesses gemeint, sondern des gesamte Verheißungsgeschehen, dessen Sinn sein Auftreten verwirklicht … In diesem Gotteshandeln hat das Bekenntnis der Kirche als Zustimmung zu ihm seinen Gegenstand. Das B. ist nicht durch Überlegung zustande gekommener Entschluss, sondern vom heiligen Geist gewirktes Einverständnis, das Gottes Zuspruch in der Welt wirksam erweist.“[3]

Das Bekenntnis ist demnach die Zustimmung des Christen bzw. der Gemeinde zu Gottes Zuspruch in Christus und im Wort der Heiligen Schrift.

3. Das Bekenntnis zu Jesus Christus als Grundlage unserer Errettung

Wir wollen nun in einem nächsten Schritt vor allem dem Verb homologeo nachgehen. Christen bekennen sich zu Jesus Christus und zu dem, was er getan hat, denn dieses Bekenntnis ist die Grundlage unserer Errettung.

Das Bekenntnis zu Jesus Christus entscheidet darüber, ob Jesus Christus uns vor seinem Vater bekennen wird:

Wer nun mich bekennt vor den Menschen, zu dem will ich mich auch bekennen vor meinem Vater im Himmel. 33 Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem Vater im Himmel.“ (Mt 10,32-33; Vgl. Lk 12,8-9)

3.1    Das Bekenntnis zu Jesus Christus

Mit dem Bekenntnis bekennen wir uns zu Jesus Christus, so wie es Petrus in seinem Bekenntnis tat. Als Jesus die Jünger fragte, wer er sei, antwortete Petrus: „Du bist der Christus!“ (Mk 8,29). Und im Matthäusevangelium: „Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn“ (Mt 16,16). Auf dieser von Gott offenbarten und von Petrus mit dem Munde bekannten Wahrheit (Mt 16,17) baut Gott seine Gemeinde (Mt 16,18), die von der Pforte der Hölle nicht überwunden werden kann (Vgl. Joh 1,49; 4,42). Die Gemeinde Jesus bekennt sich zu Jesus als dem von Gott verheißenen Messias und Gottessohn.

3.2    Das Bekenntnis zur Menschwerdung Christi

Christen bekennen mit Petrus, dass Jesus der Christus und Sohn Gottes ist. Andere Stellen präzisieren das und zeigen uns, dass wir als Christen bekennen, dass Jesus der fleischgewordene oder menschgewordene Sohn Gottes ist. So heißt es im ersten Johannesbrief:

„Daran sollt ihr den Geist Gottes erkennen: Ein jeder Geist, der bekennt, dass Jesus Christus in das Fleisch gekommen ist, der ist von Gott und ein jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, der ist nicht von Gott.“ (1 Joh 4,2-3)

Denn viele Verführer sind in die Welt hinausgegangen, die nicht bekennen, dass Jesus Christus im Fleisch gekommen ist. Das ist der Verführer und der Antichrist. (2 Joh 7).

„Und wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Heiland der Welt. 15 Wer nun bekennt, dass Jesus Gottes Sohn ist, in dem bleibt Gott und er in Gott.“ (1 Joh 4,14-15)

Wenn wir bekennen, dass Jesus der Sohn Gottes ist, der aus dem Himmel auf die Erde gekommen ist, um als wahrer Mensch auf der Erde zu leben und uns zu erlösen, dann erweist sich an diesem Bekenntnis, dass Gottes Geist in uns wohnt und Gott selbst in uns ist. Es ist also von entscheidender Wichtigkeit, dass wir uns dazu bekennen, dass Jesus Christus sowohl wahrer Gott als auch wahrer Mensch ist.

3.3    Das Bekenntnis zu Kreuz und Auferstehung

Wie wir bereits im Schma Jisrael gesehen haben, ist das Bekenntnis zu dem Gott Israels zugleich verbunden mit dem Erlösungshandeln Gottes, das im Neuen Bund das Erlösungshandeln in Jesus Christus beinhaltet. Das Bekenntnis des Glaubens bezieht sich also nicht nur darauf, wer Jesus ist, sondern auch auf sein Leiden und Sterben am Kreuz und seine Auferstehung von den Toten. Paulus schreibt an die Korinther:

„Denn als Erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift; 4 und dass er begraben worden ist; und dass er auferweckt worden ist am dritten Tage nach der Schrift; 5 und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zwölfen.“ (1 Kor 15,3-5)

Das ist das paulinische Apostolikum, das Urbekenntnis der Christen, das den Sühnetod Jesu, seine Grablegung, seine Auferweckung von den Toten und die Begegnungen des Auferstandenen mit seinen Jüngern beinhaltet. Auch der Christushymnus im Philipperbrief gilt als einer der ganz frühen Bekenntnistexte, in denen der rettende Glaube ausformuliert ist (Phil 2,6-11).

Paulus erinnert die Korinther daran, dass sie durch dieses Bekenntnis gerettet werden, wenn sie daran in der Wortgestalt festhalten, in der es ihnen von Paulus überliefert wurde. Es ist also wichtig, dass die rettende Wahrheit bis in die Wortgestalt hinein angenommen, geglaubt und bekannt wird. Nur dann ist sie rettende Wahrheit.

3.4    Das Bekenntnis und unsere ewige Errettung

Die Heilige Schrift zeigt uns sehr deutlich, dass unser Bekenntnis entscheidend ist. Dein Bekenntnis entscheidet darüber, ob du gerettet bist oder verloren gehst, ob du in die Hölle kommst oder in den Himmel, ob du ein Kind des Teufels oder ein Kind Gottes bist. Es hängt alles an dem, was du glaubst und bekennst:

Denn wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und glaubst in deinem Herzen, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet. Denn wer mit dem Herzen glaubt, wird gerecht; und wer mit dem Munde bekennt, wird selig.“ (Römer 10,9-10)

Wenn wir von Herzen glauben und mit dem Munde bekennen, dass Jesus der Herr ist und glauben und bekennen, dass Gott ihn nach der Kreuzigung von den Toten auferweckt hat, dann sind wir in Ewigkeit gerettet. Das richtige Glaubensbekenntnis ist Grundlage der ewigen Errettung. Das ist der Grund, warum Christen Bekenner sind und ein Bekenntnis formulieren: Weil ihre Errettung an ihrem Bekenntnis zu Jesus Christus hängt.

4. Das Bekenntnis zur rettenden und die Ablehnung der falschen Lehre

4.1    Unser Bekenntnis markiert die Linie zwischen Himmel und Hölle

Unser Bekenntnis markiert die Linie zwischen richtiger und falscher Lehre, zwischen Glauben und Unglauben, Wahrheit und Lüge, zwischen Himmel und Hölle, zwischen Gott und Teufel. Bereits das Schma Jisrael ist ein Bekenntnis zu dem einen Gott Israels und eine Ablehnung der Götzen. Das Schma Jisrael markiert eine Scheidelinie, zwischen Gott und den Abgöttern und zwischen Leben und Tod. So markiert auch das Bekenntnis zu Jesus Christus die Linie zwischen Gott und den Abgöttern, dem ewigen Leben und dem ewigen Tod. Der Bekenner bekennt sich zu Jesus Christus und lehnt damit alles andere ab.

„Wer den Sohn leugnet, der hat auch den Vater nicht; wer den Sohn bekennt, der hat auch den Vater.“ (1 Joh 2,23)

„Denn viele Verführer sind in die Welt hinausgegangen, die nicht bekennen, dass Jesus Christus im Fleisch gekommen ist. Das ist der Verführer und der Antichrist.“ (1 Joh 2,7)

4.2    Die Warnung vor den Irrlehrern und dem todbringenden Evangelium

Paulus und alle Apostel mit ihm warnten vor den Irrlehrern, die die Lehre mit falscher Lehre zerstören.

„Denn das weiß ich, dass nach meinem Abschied reißende Wölfe zu euch kommen, die die Herde nicht verschonen werden. Auch aus eurer Mitte werden Männer aufstehen, die Verkehrtes reden, um die Jünger an sich zu ziehen.“ (Apg 20,29-30).

Paulus spricht hier deutlich an, was durch die Kirchengeschichte hindurch passieren wird. Falschlehrer werden aus der Mitte der Gemeinde Jesu, aus der Mitte der Kirche, aufstehen und eine falsche Lehre verkündigen und die Jünger verführen und damit vom rettenden Evangelium und vom rettenden Bekenntnis wegziehen.

Wir kommen hier zu dem grundlegenden Problem, dass der Satan die Bibel kennt, aber ihre Botschaft verfälscht. In der Versuchungsgeschichte sehen wir, dass der Teufel die Heilige Schrift verwendet, um den Sohn Gottes vom rechten Glauben abzubringen und zur Anbetung des Teufels zu bringen. Satan zitiert die Bibel aus Psalm 91,11-12, um Jesus dazu zubewegen von der Zinne des Tempels zu springen (Mt 4,6). Wenn der Teufel den Sohn Gottes mit Hilfe der Bibel versucht, so tut er es umso mehr auch bei uns. Die Gemeinde Jesu muss das wahre Evangelium vom falschen Evangelium, muss das rettende Bekenntnis vom Falschbekenntnis unterscheiden können. Paulus warnt die Galater:

„Mich wundert, dass ihr euch so bald abwenden lasst von dem, der euch berufen hat in die Gnade Christi, zu einem andern Evangelium, 7 obwohl es doch kein andres gibt. Es gibt nur einige, die euch verwirren und wollen das Evangelium Christi verkehren. Aber selbst wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein Evangelium predigen würden, das anders ist, als wir es euch gepredigt haben, der sei verflucht.“ (Gal 1,6-8)

Die falschen Lehrer lehren Verkehrtes, sie predigen ein anderes Evangelium und damit einen falschen Christus. Aus der Irrlehre und dem andern Evangelium entsteht auch ein falsches Bekenntnis, das zwar dem Schein nach christlich ist, dem Inhalt nach antichristlich, satanisch und damit todbringend ist.

4.3    Die Wahrung des apostolischen Glaubens und die Zurückweisung der falschen Lehre

Im Judasbrief fordert Judas seine Leser ebenfalls auf, am überlieferten Glauben festzuhalten und den falschen Glauben abzulehnen:

„Ihr Lieben, da es mich drängt, euch zu schreiben von unser aller Heil, halte ich’s für nötig, euch in meinem Brief zu ermahnen, dass ihr für den Glauben kämpft, der ein für alle Mal den Heiligen anvertraut ist. Denn es haben sich einige Menschen eingeschlichen, über die schon längst das Urteil geschrieben ist: Gottlose sind sie, verkehren die Gnade unseres Gottes ins Gegenteil, in Ausschweifung, und verleugnen unsern alleinigen Herrscher und Herrn Jesus Christus.“ (Judas 3-4)

Judas geht davon aus, dass es einen Grundstock an rettenden Glaubenswahrheiten gibt, die von der Gemeinde bekannt und festgehalten werden sollen.[4] Einen Grundstock an Wahrheiten biblischer Lehre, der unbedingt gegen die falschen Lehrer, die sich in die Gemeinden einschleichen und in den Gemeinden ihr Unwesen treiben, verteidigt werden muss. Fesko schreibt: „Paulus und Judas glauben, dass es eine objektive Botschaft gibt, welche die Kirche glauben muss, ein Glaube, der sich von den Meinungen der falschen Lehrer unterscheidet.“[5]

5. Glaubensbekenntnisse – Hilfsmittel zur Unterscheidung der Geister

5.1    Die Vorherrschaft der Heiligen Schrift

Es ist richtig, dass Glaubensbekenntnisse niemals den Rang einnehmen können, den die Heilige Schrift einnimmt. Nach 2 Tim 3,16 ist die ganze Heilige Schrift von Gottes Geist eingegeben, sie ist die Königin, der sich alles unterordnen muss. Sie vor allem müssen wir kennen, um Christus zu erkennen und den rettenden Glauben zu bekennen. Doch wir sollten daraus nicht den falschen Schluss ziehen, den viele ziehen: „Ich brauche kein Glaubensbekenntnis, die Bibel genügt“.[6]

Mit der der Konkordienformel (1577) bekennen sich evangelische Christen zur Heiligen Schrift als „der einzigen Regel und Richtschnur, nach der in gleicher Weise alle Lehren und Lehrer gerichtet und beurteilt werden sollen.“ Andere Schriften können der Heiligen Schrift nicht gleichgestellt werden, sondern sind „ihr alle miteinander unterworfen“.[7]

Und dennoch brauchte es, so die Konkordienformel weiter, die Glaubensbekenntnisse der Kirche:

„Und nachdem gleich nach der Zeit der Apostel, ja noch zu ihren Lebzeiten, falsche Lehrer und Irrlehrer auftraten und gegen sie in der ersten Kirche Symbole, d. h. kurze, bündige Bekenntnisse aufgestellt wurden, die als der einhellige, allgemeine christliche Glaube und das Bekenntnis der rechtgläubigen und wahren Kirche angesehen wurden, nämlich das Apostolische, das Nizänische und das Athanasianische Symbol, bekennen wir uns zu ihnen und verwerfen hiermit alle Irrlehren und Lehren, die im Widerspruch zu ihnen in die Kirche Gottes eingeführt wurden.“

5.2    Glaubensbekenntnisse und der Lehrauftrag der Gemeinde

Denn es ist die Heilige Schrift selbst, die uns immer wieder auffordert, den rettenden Glauben zu kennen, zu lehren und ihn vom falschen Glauben zu unterscheiden, den wir zurückweisen müssen. So schreibt Paulus an Timotheus:

„Wenn jemand anders lehrt und bleibt nicht bei den heilsamen Worten unseres Herrn Jesus Christus und bei der Lehre, die dem Glauben gemäß ist, 4 der ist aufgeblasen und weiß nichts, sondern ist süchtig nach Fragen und Wortgefechten.“ (2 Tim 6,3-4)

„Denn ein Bischof soll untadelig sein als ein Haushalter Gottes, … er halte sich an das Wort, das verlässlich ist und der Lehre entspricht, auf dass er die Kraft habe, zu ermahnen mit der heilsamen Lehre und zurechtzuweisen, die widersprechen.“ (Titus 1,7-9)

Die von den Aposteln eingesetzten Lehrer haben den Auftrag, den apostolisch-biblischen Glauben zu lehren, der dem Glauben (Frömmigkeit) gemäß ist und die Lehrer und Lehren zurückzuweisen, die die Jünger verführen und die Gemeinde zerstören. Aus diesem Lehrauftrag heraus entstanden im Laufe der Kirchengeschichte die Bekenntnisse des Glaubens, die den rettenden Glauben einerseits systematisierten und als heilsame und rettende Glaubensnorm für die Kirche festhielten und andererseits gegenüber Irrlehren und Irrlehrern abgrenzten und verteidigten.[8]

Glaubensbekenntnisse haben demnach eine doppelte Funktion für die Gemeinde Jesus: Sie formulieren, was unbedingt zu glauben und zu bekennen ist und was unbedingt zu verwerfen und abzulehnen ist.

5.3    Glaubensbekenntnisse formulieren, was unbedingt zu glauben und zu bekennen ist

Die Bibel sagt uns an verschiedenen Stellen des Neuen Testaments, was zum rettenden Glauben dazugehört. Wir haben bereits unter Punkt 3 einige dieser Aussagen genauer betrachtet. Sie sind Kernbestand unseres christlichen Glaubens, sind unbedingt zu glauben und zu bekennen.[9] Glaubensbekenntnisse wurden formuliert, um diese heilsentscheidenden Aussagen der Heiligen Schrift systematisch zu erfassen und prägnant zusammenzufassen. Ein solches Glaubensbekenntnis soll die heilsame Lehre der Bibel so zusammenfassen und formulieren, dass es gemeinsam von allen wahren Christen als biblisch und damit als göttlich erkannt, geglaubt und gemeinsam vor der sichtbaren und unsichtbaren Welt bekannt werden kann.

Augustinus sprach vom verbum abbreviatum, also einem zusammenfassenden Wort, das die ganze Lehre der Bibel systematisch zu einem Glaubensbekenntnis zusammenfasst. Dieses Wort muss geglaubt und bekannt werden, um in Zeit und Ewigkeit gerettet zu werden.

Ein solches Glaubensbekenntnis kann dann Grundlage einer christlichen Gemeinde oder Kirche werden. Es dient dazu, den wahren und rettenden Glauben zu verinnerlichen, in der Gemeinde zu lehren, an die nächste Generation weiterzugeben, den Glauben gegen Irrlehrer zu verteidigen und missionarisch nach außen zu tragen.

Das Apostolikum ist ein sehr gutes Beispiel dafür und wird entsprechend auch von den meisten Kirchen und Gemeinschaften weltweit als Glaubensbekenntnis anerkannt.

5.4    Glaubensbekenntnisse formulieren, was unbedingt abzulehnen und zu verwerfen ist

Die zweite wesentliche Funktion von Glaubensbekenntnissen ist die Abgrenzung der heilsamen Lehre des apostolischen Glaubens von den falschen Lehren. Darum sind viele Glaubensbekenntnisse auch so formuliert, dass sie die biblische Lehre bekennen, aber die falsche Lehre verwerfen. Kirchengeschichtlich entstanden viele Glaubensbekenntnisse auf dem Hintergrund von zerstörerischen Irrlehren. Das Nicänische Glaubensbekenntnis wandte sich u.a. gegen die Irrlehre des Arius[10],  die Bekenntnisse der Reformation verwarfen die Irrlehren der Römisch-Katholischen Kirche insbesondere in der Rechtfertigungslehre. Die Barmer Erklärung von 1934, die von einigen wenigen Gliedkirchen der EKD als Bekenntnis aufgefasst wird, verwarf die Theologie und Irrlehre der „Deutschen Christen“ während der NS-Zeit:

Hier als Beispiel die These 1 der Barmer Erklärung:

Jesus Christus spricht: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich. (Joh. 14, 6)

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht zur Tür hineingeht in den Schafstall, sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und Räuber. Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden. (Joh 10,1.9)

Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.

Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.

5.5    Wenn neue Bekenntnisse nötig sind

Christen sollten Bekenner sein und die Hirten der Kirchen und Gemeinden sind aufgerufen, neue Bekenntnisse zu formulieren, wenn die kirchlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen es verlangen. In Zeiten, in denen sich viele Gemeinden und Kirchen von den eindeutigen und klaren Aussagen der Heiligen Schrift lösen, kann es hilfreich sein, dass Gemeinden, Kirchen und Verbände Glaubensbekenntnisse formulieren, um das Bekenntnis der Gemeinde nach außen hin sichtbar zu machen und falsche Lehren eindeutig abzuwehren.

Das folgende Beispiel ist zwar plakativ, zeigt aber, mit welchen Zeitgeistströmungen die Christenheit sich heute auseinandersetzen muss:

Im Jahr 2021 formulierte Rev. Rachel Small Stokes der Immanuel United Church of Christ in Louisville, Kentucky (USA) das sog. Sparkle Creed (= das funkelnde Glaubensbekenntnis)[11]

„Ich glaube an den nicht-binären Gott, dessen Pronomen im Plural stehen. Ich glaube an Jesus Christus, ihr Kind, das eine fabelhafte Tunika trug und zwei Väter hatte und jeden als Geschwisterkind Gottes betrachtete. Ich glaube an den Regenbogengeist, der unser Bild von einem weißen Licht zerstört und es in einen Regenbogen von herrlicher Vielfalt bricht“, bekräftigte die Gemeinde, die – im Video – hauptsächlich aus alternden Babyboomern zu bestehen scheint. Ich glaube an die Kirche der alltäglichen Heiligen, die so zahlreich, kreativ und widerstandsfähig sind wie Flecken auf der AIDS-Decke, deren Füße im Schlamm stecken und deren Augen staunend zu den Sternen blicken. Ich glaube an den Aufruf an jeden von uns, dass Liebe Liebe ist, also Liebe, lasst uns lieben. Ich glaube, herrlicher Gott. Hilf meinem Unglauben.“

Rachel Stokes hat dieses häretische und gotteslästerliche Bekenntnis im Jahr 2021 zum sog. Pride-Month formuliert und es gibt tatsächlich Kirchengemeinden, die dieses Glaubensbekenntnis aus Solidarität zur LGBTQ-Bewegung im Pride-Month nachsprechen. Was bei diesem „Bekenntnis“ auffällt: Es orientiert sich nicht mehr an der Bibel, sondern ist voll und ganz dem im Diesseits gefangenen Denken der Postmoderne verpflichtet. Selten kommt dieses neue Denken so plakativ und bekenntnishaft daher. Auf subtile Weise verändert und deformiert es schleichend Theologie, Lehre und Verkündigung sowie Gemeinde- und Kirchenordnungen im Sinne der häretischen Gender-Ideologie.

Ein Mittel unsere Gemeinden gegen die feindliche Übernahme durch alte und neue Häresien zu schützen, ist die Kenntnis der alten und die Formulierung und Verabschiedung neuer und bibeltreuer Bekenntnisse, welche die häretischen Bekenntnisse der Postmoderne mit großer Klarheit und Eindeutigkeit zurückweisen.

Als positives Beispiel und Vorbild möchte ich hier das „Persönliche Bekenntnis zur vollen Geltung der biblischen Glaubensaussagen“ nennen und von Herzen empfehlen, das Pastor Dr. Joachim Cochlovius und der vor kurzem heimgegangene Pastor Uwe Holmer im Jahr 2015 gemeinsam entworfen haben. Dieses persönliche Bekenntnis fordert uns neu heraus, gemäß der Heiligen Schrift als Nachfolger des Herrn Jesus in unseren Kirchen und Gemeinden und in unserem Volk zu leben und unseren Glauben zu bekennen.

Johann Hesse, Geschäftsführer des Gemeindehilfsbundes

Vortrag bei der GHB-Tagung des Gemeindehilfsbundes „Glaubensbekenntnisse – Können die weg oder brauchen wir die noch?“, Verden/Aller, 28. Oktober 2023.

Der oben abgedruckte Vortrag kann hier nachgehört werden.

Der ebenfalls auf der Tagung von Pfr. Matthias Köhler, Nümbrecht, gehaltene Vortrag „Glaubensbekenntnisse – Warum wir sie brauchten und heute noch brauchen“ kann hier nachgehört werden.

Das „Persönliche Bekenntnis zur vollen Geltung der biblischen Glaubensaussagen“ kann hier heruntergeladen werden.

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[1] Vgl. auch J. V. Fesko, The need for Creeds today – Confessional faith in a faithless age, Baker Academic, 2020, S. 4-6.

[2] Bauer-Aland, Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament, homologeo

[3] Die Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG), 3. Auflage, I. Band A-C, Sp. RGG, Sp. 994.

[4] J. V. Fesko, The need for Creeds today – Confessional faith in a faithless age, Baker Academic, 2020, S. 11.

[5] Ebenda.

[6] Owen Strachan, „Wir brauchen kein Glaubensbekenntnis, die Bibel genügt“ – Wie diese Aussage die Bibel untergräbt, Evangelium21, 2019 (abgerufen am 13.10.2023).

[7] Unser Glaube, Die Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche, GTB Siebenstern, 3. erw. Auflage, 1991.

[8] Vgl. Die Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG), 3. Auflage, I. Band A-C, Sp. RGG, Sp. 987: Im Glaubensbekenntnis muss sich die Religion „sowohl über ihr eigenes Selbstverständnis als auch über ihre Unterschiede gegenüber anderen Religionen klarwerden und ihr Spezifikum im Bekenntnis statuieren.“

[9] J. V. Fesko nennt hier auch die „Trustworthy Sayings“: 1 Tim 1,15; 3,1; 4,7-9; 2 Tim 2,11-13; Titus 3,4.8.

[10] Arius leugnete die Gottheit Christi und seine Wesenseinheit mit Gott, dem Vater.

[11] https://religionunplugged.com/news/2023/7/20/a-new-interpretation-of-faith-the-story-behind-the-lgbtq-inclusive-sparkle-creed (abegrufen am 16.10.2023)

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 30. Oktober 2023 um 15:14 und abgelegt unter Gemeinde, Kirche, Kirchengeschichte, Theologie.