Gemeindenetzwerk

Ein Arbeitsbereich des Gemeindehilfsbundes

Predigt über Johannes 1,1-14: Daheim ist nicht daheim.

Freitag 14. Juli 2023 von Prädikant Thomas Karker


Prädikant Thomas Karker

Biographien prominenter Persönlichkeiten verkaufen sich heute gut. Wir wollen ja gern mehr erfahren, was die Promis in ihrer Jugend gemacht haben, was die Hintergründe so mancher Grillen sind, die wir in der Öffentlichkeit beobachten können. Heute werden wir eine Biografie hören, die einzigartig ist. Nicht nur, weil sie kurz ist, es sind nur 14 Verse, sondern auch einzigartig in ihrer Präzision und Aussage.

In regelmäßigen Abständen erscheinen da Geschichten mit farbig aufgemachten Titeln über Jesus Christus. 12/2002 hat der Stern den Vogel abgeschossen: Jesus, was Forscher heute wissen! Der Stern schreibt unter der Überschrift: die Wahrheit hinter der Legende. 7/2008 wieder im Stern: Jesus und seine verschwiegene Ehe. Im Mai 2023 schreibt die NOZ (Nachrichten aus Osnabrück): Wäre Jesus heute ein Klimakleber! Überall haben wir Verdrehungen, Halbwahrheiten, Lügen, eine schlimme Verzeichnung der Quellenlage, bis man schließlich durch allerlei schiefe Interpretationen zu dem gewünschten Ergebnis kommt: Jesus von Nazareth ist eine der verschwommensten Gestalten der Geschichte. Dann stellt man die Frage: Hat er geglaubt, der Sohn Gottes zu sein? Keiner weiß wirklich, was ihn angetrieben hat, was er wirklich sagte, was er tat, alles bleibt im Nebel der Geschichte. So geht das schon seit ca. 250 Jahren. Angetrieben durch die Jesu Leben Forschung der kritischen Theologie. Man wollte den wirklichen Jesus, der sich hinter den Jesus-Geschichten des NT verbirgt finden.

Wären Markus, Matthias und Lukas genauso dreist mit den Tatsachen umgesprungen, wie die modernen Theologen und Reporter, dann hätte die Botschaft von Jesus Christus sich in Jerusalem keine acht Wochen halten können. Obwohl diese Pamphlete so lächerlich und unseriös sind, haben sie doch eine schlimme Wirkung. Sie sähen Zweifel. Sie nähren falsche Vorstellungen. Sie versperren für viele Menschen den Weg zu Jesus, und sie erwecken den Eindruck: Nix genaues weiß man nicht über Jesus!

Wie gut, dass es auch andere Dokumente über Jesus gibt. Die ganze Fülle des NT, ja und auch des AT, bezeugt Jesus als den Sohn Gottes und wie gut auch, dass es diese 14 Verse gibt, über die wir heute Morgen nachdenken wollen.

Diese Kurzbiografie über Jesus, gibt uns präzise Auskunft darüber, wer kam da eigentlich in die Welt und warum. Warum wird die ganze Geschichte eingeteilt in die Zeit vor dem Kommen Jesu und nach seinem Kommen. Auf den ersten Blick sind diese 14 Verse vielleicht etwas verwirrend, aber auf den zweiten Blick finden wir hier überraschende Einsichten zu den Berichten der anderen Evangelisten Lesen Joh. 1,1-14

Biografien sind normalerweise so aufgebaut, dass eine Lebensstation nach der anderen erzählt wird, Kapitel für Kapitel. Das erste Kapitel widmet sich gewöhnlich der Herkunft des Beschriebenen. Es greift also ganz zurück an den Anfang, das ist normal. Aber keine andere menschliche Biografie geht so weit zurück hinter den Geburtstag, das ist ungewöhnlich.

1. Jesus, der ein Daheim hat.

Das ist das Erste. Jesus, der ein Daheim hat. Der Vogel, der in den Bäumen zwitschert, der hat ein Nest und die Katze, die durch den Garten schleicht, hat einen Korb, und der Hund, der die Leute verbellt, hat eine Hütte. Ein Heim hat nur der Mensch, ein Haus hat nur der Mensch, eine Heimat, in dem es ihm heimelig wird, hat nur der Mensch.

Meine Mutter erzählte immer wieder über ihre Kindheitserlebnisse in Schlesien, dann mussten sie 1945 alles stehen und liegen lassen, möglichst weit in den Westen, und dann 1957 nochmals alles stehen und liegen lassen, bevor sie den Vati abgeholt hätten. In einer Nacht- und Nebelaktion von Sachsen dann in den Westen. Als die Grenzen dann fielen, wollte sie nochmals nach Schlesien zu dem Bauernhof, wo sie gelebt hatten. Ich fragte sie: Mutti, warum willst du in deinem Alter nochmal so eine weite Reise machen? Sie antwortete: Thomasl, dort bin ich mit 5 Geschwistern aufgewachsen, dort war die ganze Familie und Verwandtschaft zu Hause. Dort haben doch meine Väter gewohnt. Dort sind doch meine Wurzeln. Dort war ich daheim! Jeder kommt von seinem Daheim nicht los.

Der eine ist auf dem Land geboren. Seine besten Kinderjahre verbrachte er auf dem heimatlichen Hof. Der andere ist in der Kleinstadt geboren. Und der dritte ist in der Metropole geboren. Meine besten Lebensjahre verbrachte er zwischen Killesberg und Fernsehturm in Stuttgart, großes Haus und kleines Haus und Affenhaus in der Wilhelma haben mich geprägt.

Aber Jesus ist im Kuhstall geboren und in der Schreinerwerkstatt groß geworden. Seine besten Jahre verbrachte er in der Provinz, aber das hat ihn nicht geprägt. Um Jesu Daheim zu verstehen, müssen mir weiter zurück in die Geschichte, nicht nur bis zum Tempel, wo ein Zacharias zu Hause war. Viel weiter zurück. Nicht nur bis zum Königshaus, wo ein David zu Hause war, wir müssen viel weiter zurück in die Geschichte. Nicht nur bis zur Stiftshütte, wo ein Mose zu Hause war, wir müssen viel viel weiter zurück. Wir müssen bis zum Anfang aller Dinge. Am Anfang war Gott am Anfang war das Wort. Am Anfang war das Wort bei Gott, war Jesus bei Gott. Wir können uns den Zusammenhang zwischen Vater und Sohn nicht eng genug vorstellen. Johannes denkt hier über die sogenannte Präexistenz Jesu nach, so wie es Jochen Klepper auch gemacht hat.

Wir denken ja in diesem Jahr an den 120. Geburtstag dieses großartigen Dichters und Denkers, der sich leider das Leben genommen hat und in der Heiligen Nacht 1940, hat er geschrieben: Wo warst du, Herr vor dieser Nacht, der Engel Lob war dir gebracht, bei Gott, warst du vor aller Zeit. Du bist der Glanz der Herrlichkeit.

Und im Nizänum, dem Glaubensbekenntnis der Ostkirche heißt es:

. . . Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen. . .

Johannes sagt: Das Wort war im Anfang bei Gott: Ἐν ἀρχῇ  steht hier im griechischen. Und dieses Ἐν ἀρχῇ  entspricht im hebräischen einem anderen Wort, das genau das gleiche bedeutet בְּרֵאשִׁ֖ית   im Anfang bereschit. 1. Mose 1,1. Und Johannes macht das absichtlich, dass er den Beginn seines Evangeliums, mit dem gleichen Wort anfangen lässt, mit dem die Bibel überhaupt beginnt. Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde, im Anfang war das Wort. Damit will er deutlich machen, Jesus, Gottes einziger Sohn, war schon da, schon längst da. Dieses Wort existierte schon längst, bevor es in Bethlehem geboren wurde. Er existierte schon längst, bevor irgend ein anderer Mensch geboren wurde, er existierte schon längst, bevor diese materielle geschaffene Welt überhaupt gab. Im Anfangs בְּרֵאשִׁ֖ית   bereschit, Ἐν ἀρχῇ da war dieses Wort schon da. Da war dieser eingeborene Sohn Gottes schon da.

Also wer etwas über die Herkunft Jesu wissen will, der darf nicht bei seiner Geburt anfangen, sondern die Herkunft liegt lange lange davor. Er war schon da, als die Schöpfung noch gar nicht bestand. Das ist eine Biografie. Wir können das nicht verstehen, das spreng unser Denkvermögen, weil wir in Raum und Zeit hineingequetscht sind.

Und jetzt stellt sich sofort die Frage, woher weiß Johannes das? Er hatte mehrere Quellen. Er hatte einmal das Alte Testament, bei Micha dem alten Propheten kann man lesen, mehr als 700 Jahre vor Christus (Micha 5,1): Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei. Und dann kommts: dessen Ausgang, oder, dessen Herkunft von Anfang und von Ewigkeit her gewesen. Also der da in Bethlehem in die Krippe gelegt wird, der kommt aus der Ewigkeit. Daher konnte Johannes es wissen.

Und dann wusste er es natürlich von Jesus selbst. Jesus hat das auch von sich selbst gewusst. Es ist Unfug, wenn wir dann sagen, er wusste letztlich gar nicht wer er selber wahr, ob er nun der Messias gewesen ist oder nicht. In Joh. 8,58 sagte Jesus: Bevor Abraham war, bin ich. Stellen sie sich mal vor, wenn irgend ein anderer als Jesus das gesagt hätte, hätten sie ihn sofort für absolut durchgeknallt erklärt. Bevor Abraham war, war ich. Abraham ist immerhin ein Mensch, der sehr sehr früh gelebt hat. Am Beginn der Menschheitsgeschichte und Jesus sagt, bevor der da war, war ich da. Es ist ja sehr üblich geworden, Jesus in einer Reihe mit den Religionsstifter zu stellen. Aber schon hier, schon an diesem ersten Punkt seiner Biografie steht er auf einer total anderen Ebene als sie alle.

Buddha und Mohammed sie haben eine ganz normale Biografie. Buddha ist aufgewachsen als die Siddhartha Gautama. Daher auch das Buch von Hermann Hesse: Siddhartha. In einem Fürstenhaus wuchs er auf, unter ganz normalen menschlichen Bedingungen. Mohammed hat auch eine ganz normale Biografie und hat ursprünglich sein Geld als Kaufmann verdient. Keinem von denen wäre eingefallen, zu behaupten, ich bin schon vor der Erschaffung der Welt dagewesen, keinem. Jesus dagegen hat diese einzigartige Biografie und er hat in einem Zwiegespräch mit seinem himmlischen Vater einmal gesagt in Joh. 17,24: Du hast mich geliebt, ehe der Welt Grund gelegt war. Ehe der Grund der Welt gelegt war. Also schon bevor die Schöpfung existierte, gab es die Liebe zwischen dem lebendigen Gott und seinen Sohn.

Freunde, darum geht es, wieder zu erkennen, dass Jesus nicht irgendeine große Person, nicht irgend ein erdichteter Held, war! Du bist der Glanz der Herrlichkeit, der schon vor der Erschaffung der Erde bei Gott als der eingeborene Sohn da war.

Was haben wir aus diesem Gottes Sohn gemacht. Wir legen ihn als süßes kitschiges liebes Jesuskindlein ins Kripplein über dem dem die Rokoko-Engelchen schwben und pausbackige Hirtenbuben ihre Schalmeien blasen. Warum, nehmen wir diesen Jesus auf den Arm, aufs Ärmchen und machen ihn zu einem Bild der Kindlichkeit, aber Jesus ist doch der Glanz der Herrlichkeit. Warum taufen wir ihn um, mit einem sympathischen aufgeweckten Mädchennamen Jesa Christa und setzten ihn an die Spitze der Frauenbewegung. Er wird immer wieder neu verwendet für unsere verschiedenen Ziele und wir machen ihn nur zu einem Bild der Weiblichkeit. Aber er ist doch der Glanz der Herrlichkeit. Warum spannen wir ihn vor unseren Karren, den wir gerne auf dem hohen Bock der Einbildung laden, und den wir gerne durch die Höhe der Zeit ziehen. Warum degradieren wir ihn zum Karrengaul und machen ihn zu einem Bild der Jämmerlichkeit, aber Jesus ist doch der Glanz der Herrlichkeit. In Ewigkeit sind seine Wurzeln im Himmel ist er daheim.

Sören Kierkegaard hat doch recht gehabt, wenn er gesagt hat. Die einzige Neuigkeit in Erdentagen ist der Ewigkeit Anfang in Jesus Christus. Das ist die einzige Neuigkeit, die sie begreifen müssen. Jesus, der Ewigkeit Anfang. Das ist Jesus.

Sehen sie, so ist das bei Jesus. Gott ist sein Vater, im Himmel liegen seine Wurzeln, in der Ewigkeit ist er daheim. Keiner weiß mehr über Gott, niemand kann besser über ihn Auskunft geben. In Jesus begegnet uns Gott tatsächlich. Jesus, der ein Daheim hat. Das ist die erste Punkt.

2. Jesus, der ein Daheim sucht.

Sie haben richtig gehört: Jesus, der ein Daheim sucht. Der, der ein Daheim hat, sucht ein Daheim. Hat er sein Daheim satt? Will er Abstand gewinnen von seinem Vater? Will er sich endlich selbst verwirklichen? O, wir Eltern kennen das ja schmerzlich. Da haben wir Kinder und wir geben alles für sie. Sie haben ein Hausschlüssel. Sie haben einen mietfreies Zimmer, sie haben kostenlosen Putz- und Waschdienst und dazu noch freier Zugriff zur Kühltruhe und trotzdem eines Tages packen die Kids die Koffer, ziehen aus und richten sich woanders ein. Warum nur? Warum sucht der, der ein Daheim hat ein neues Daheim? Sein Grund ist nicht Emanzipation, sondern Partizipation. Er will Anteil nehmen an unserem Elend. Er weiß doch, wie’s bei Ihnen zu Hause aussieht, weiß doch, was bei Ihnen zu Hause losgeht. Er weiß, was bei Ihnen zu Hause abgeht. Heimweh im eigenen Heim, heimatlos in der eigenen Heimat, wie Heimatvertriebene im fremden Land, die den Vers auf den Lippen haben: dass nicht vergessen werde, / was man so gern vergisst, / dass diese unsere Erde / nicht unsere Heimat ist.

Gott weiß doch, dass wir seinen Sohn brauchen, er weiß, dass sie und ich ihn brauchen. Und deshalb geht der Vater zu seinem Sohn und sagt: Willst du die Lichtglanzherrlichkeit verlassen? Willst du in der Finsternis ein Licht anzünden? Willst du ihnen das Wort bringen? Himmel und Erde halten den Atem an. Atemlose Stille im Kosmos. Alles wartet auf diese entscheidende Antwort. Und in diese nicht mehr erträgliche Stille hinein sagt Jesus: Ja Vater, ja von Herzensgrund. Und dann legt er die Königskrone ab und dann legt er das Königszepter beiseite, und dann zieht er den Königsmantel aus. Dann versteckt er die ganze Lichtherrlichkeit, um in unserer Finsternis ein Licht anzuzünden. Wenn es nach seinem Kopf gegangen wäre, dann wäre er dort geblieben, aber es ging nach seinem Herzen und dieses Herz ist prall voller Liebe. Liebe Freunde, deshalb kam Jesus zu uns auf die Erde. Und deshalb wurde das Wort Fleisch und deshalb sucht der, der ein Daheim hat, ein neues Daheim.

Und jetzt fragen wir, warum in aller Welt hat er das gemacht. Die Antwort steht hier in Vers 5. Und das Licht scheint, in der Finsternis, weil er sein Licht in unsere Finsternis bringen wollte. Darum hat er das gemacht. Die Finsternis dieser Welt hat eine derart grausame Macht, dass der Erschaffer der Welt höchst persönlich erscheinen muss, um dieser Macht entgegenzutreten. Sehen Sie, wie mächtig die Finsternis ist? Die Finsternis, das ist ein anderes Wort für für unsere Sünden, d. h. für für alles in unserem Leben, was nicht so ist, wie es in Gottes Augen sein sollte, das ist Finsternis. Durch den Sündenfall sind wir im Reich der Finsternis. Alles in unserem Leben ist Finsternis. Und Gott hätte das Problem anders lösen können, er hätte uns nur richten müssen und mitsamt unserer Schuld verdammen und damit wäre das Problem der Finsternis auch gelöst gewesen.

Dann hätten wir keine Chance, dann gäb’s für uns nur noch die Hölle. Aber Gott wollte diesen Weg nicht. Gott hat ein liebendes Herz, er hat eine Leiter heruntergelassen. Die Verbindung wieder hergestellt. Vom Himmel zur Erde und er hat uns genau da aufgesucht, wo wir waren. Und wie viel hat es ihn gekostet. Wie viel hat er aufgegeben, der Schöpfer aller Dinge. Er hat die Gemeinschaft mit dem Vater aufgegeben. Er hat unfassbare Macht aufgegeben. Der Herr der Schöpfung hat seine ganze gewaltige Herkunft hinter sich gelassen und wurde ein verletzbarer Mensch. Sehet dies Wunder / wie tief sich der Höchste hier beuget, / sehet die Liebe die endlich als Liebe sich zeiget. / Gott wird ein Kind / hebet und träget die Sünd / alles anbetet und schweiget. So heißt es im Lied.

3. Jesus, der kein Daheim findet.

Aber dann, dann passiert das Unfassliche und Unbegreifliche: da stand kein Empfangskomitee bereit, da war kein roter Teppich ausgerollt. Da gab es kein Händeschütteln und Schulterklopfen, da gab es gar nichts.

Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf! Von den Eigenen vor die Tür gesetzt zu werden, das ist Trauer und tiefster Schmerz. Diese bodenlose Gemeinheit, diese bodenlose Gemeinheit erlitt der Sohn Gottes im Jahre null. Er kam in sein Eigentum, und sie hatten keinen Raum in der Herberge. No room, kein Zimmer frei! stand am Stall. Kein Zimmer frei! Und kaum war er geboren, da wurde er steckbrieflich gesucht, Jesus wanted! stand da geschrieben. Jesus gesucht! Nur mit einer Nacht- und Nebel-Aktion konnte er nach Ägypten fliehen. Und weil es keine Abschiebepraxis gab, überlebte er. Er kam in sein Eigentum, und sie warfen ihn hochkant aus der Stadt! Wenn er Brot auf den Ladentisch legte, dann war es ok, aber vom Brot des Lebens wollten sie nichts wissen. Und als er sagte: Kehrt um, tut Buße, da ging er ihnen auf den Geist. Schließlich wurde er festgenommen, vor den Kadi geschleppt und der machte kurzen Prozess: Verurteilung zum Tode. Er kam in sein Eigentum, und sie gerbten ihm die Haut. Sie drückten ihm eine Dornenkrone auf den Kopf und gaben ihm ein Blechrohr in die Hand. Siehe, das ist der Juden König! Mit ein paar Zimmermannsnägeln nieteten sie ihn an den einzigen freien Platz, der für ihn übrig war, nämlich den am Kreuz. Mit einem Längsbalken und einem Querbalken verrammelten sie den Zugang zu uns. So verschied er. Es ist vollbracht! So war er ein toter Mann. Er kam in sein Eigentum und die Seinen nahmen ihn nicht auf.

Liebe Freunde, Gott sei Dank ist das nicht das Ende der Geschichte. Ostern hat alles auf den Kopf gestellt. Aus Karfreitag wurde Ostern, aus dem Gekreuzigten der Auferstandene. Aus dem Toten, der Lebendige. Als Sieger ist er unter uns, als der, der den Tod und die Schuld besiegt hat. So ist er unter uns. Achten wir nicht, auf einen Polternden, der sein Eigentumsrecht verlangt. Schauen wir nicht auf einen Eigensüchtigen, der uns aus der Wohnung nimmt. Achten wir jetzt auf einen Klopfenden, einer der durch unsere Stadt geht, einer der jetzt in diesen Saal kommt, einer, der jetzt durch diese Reihen geht und vor jedem stehen bleibt und sagt: Siehe, ich stehe vor deiner Tür und klopfe an, und so jemand meine Stimme hören wird und auftun, zu dem werde ich eingehen.

Das ist das, was Johannes hier sagt, er wird abgelehnt. Unvorstellbar.

Weder sein Volk Israel, zu dem er kam, noch zu seinen Menschen, die er geschaffen hatte und zu denen er kam, um sie zu retten haben ihn aufgenommen. Er wird abgelehnt. Und wenn Sie diese Verse 5, 10 und 11 lesen bei Johannes, dann hören Sie dieses abgrundtiefe Staunen heraus. Er kam in sein Eigentum, und sie nahm ihn nicht auf und man kann immer ‚unfassbar‘ dahinter schreiben: Er war in der Welt, aber die Welt erkannte ihn nicht. Das Licht scheint in der Finsternis, aber die Finsternis hat sie nicht ergriffen, sie wollten es nicht. Sie hat sich geweigert, ihn anzunehmen. Wie genau hat Johannes hier die Reaktion der Menschen auf Jesus wiedergegeben. Sie erkannten nicht! Und sie nahmen ihn nicht auf. Und solange Jesus in Israel lebte, war er ein Heimatloser. Einzelne wandten sich ihm zu, einzelne bekehrten sich, einzelne beteten ihn an, als den Sohn Gottes, aber die Masse begriff nicht, wer er war, obwohl sie ihn täglich vor Augen hatten.

70 n. Chr. Zerstörung Jerusalems durch Titus. Es gab die Antwort auf den Ruf: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!“ über 1 Million Tote gab es da.

Ich denke an den Schüler im Religionsunterricht Kl. 9, den Kopf in die Hände gestürzt, auf einmal meldet er sich, ich nehme ihn dran: „Herr Karker, jetzt habe ich das so verstanden mit Himmel und Hölle. Wenn ich Jesus annehmen würde, dann müsste ich mein Leben verändern und das will ich nicht.“ Ich erwiderte ihm: Gut, das ist deine Entscheidung, aber ich bete für dich, dass du vielleicht deine Entscheidung nochmals veränderst.

Und am Ende verschlossen sich die Menschen vor ihm. Das selbstverständlichste wäre gewesen, das sie sich bekehren, aber sie verschlossen sich, obwohl jemand da war, der sie unmissverständlich auf den Sohn Gottes hingewiesen hatte von Anfang an und das war Johannes der Täufer. Darauf lenkt der Evangelist unseren Blick hier in Vers 6-8: Johannes der Evangelist redet von Johannes dem Täufer. Ein Mensch von Gott gesandt, sagt Johannes, der kam zum Zeugnis. Damit sie alle an Jesus glaubten, er war nicht das Licht, sondern er sollte zeugen von dem Licht.

Vielleicht haben sie sich auch schon gefragt: warum ist hier plötzlich von Johannes dem Täufer die Rede. Warum dieser Einschub? Wofür steht Johannes der Täufer? Ich denke Johannes der Evangelist schreibt es deswegen, weil er uns Johannes den Täufer als Beispiel für all die Zeugen, die auf Jesus hingewiesen haben, zeigen wollte. Für all die Zeugen, die erklärt haben, warum Jesus aus der Ewigkeit kam, und Johannes ist einer der Zeugen, der das erläutert hat, wer Jesus war. Und damit zeigt uns hier Johannes der Evangelist, die Finsternis hat keine Entschuldigung dafür, dass sie Jesus ablehnt habt. Es wurde ihnen erklärt. Es wurde ihnen bezeugt. Man kann sich nicht mehr herausreden.

Es ist ja auch alles sehr schwierig mit Jesus. Nein, sagt Johannes. Sie haben keine Entschuldigung dafür, dass sie Jesus ablehnen. Sie haben keine Entschuldigung. Eigentlich hätten alle, die damals in Israel lebten, wissen können, wer Jesus war. Johannes der Täufer hat es ihnen immer wieder gesagt, aber sie waren gefangen in der Finsternis und deshalb wollten sie ihn nicht erkennen.

4. Jesus, der ein Daheim schafft,

weil wir geschafft sind und nicht mehr es selber schaffen können. Sie müssen nur eins, sie müssen die Tür weit aufmachen, die Klinke des Vertrauens in die Hand nehmen. Sie müssen den Riegel des Zweifels zurückschieben. Sie müssen ganz weit aufmachen und sagen: Sei mir willkommen, lieber Gast! Sein mir willkommen hoher Gast, / den Sünder nicht verschmähet hast. Das können sie nachsprechen! Er kommt, er bleibt, er ist bei Ihnen da, er schafft sein Daheim bei Ihnen!

Denen, die ihn aufnahmen, gab er Macht Kinder Gottes zu heißen. Wer an Jesus glaubt, wird Gottes Kind. Der Erste im Himmel, der hat die mächtigste Macht, die es überhaupt gibt, der kommt schon hier zum Vater und er lebt unter der größten Schutzmacht, die man sich nur denken kann, und der geht in die liebevollsten Arme, die es überhaupt nur geben kann, Gottes Kinder, er machte dies aus uns, durch seine Vergebung.

Jetzt frage ich dich ganz persönlich, bist du Gottes Kind?

Prädikant und Religionspädagoge Thomas Karker, Juli 2023

Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 14. Juli 2023 um 23:38 und abgelegt unter Predigten / Andachten.