Gemeindenetzwerk

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Der Himmel öffnet sich – eine Osterbetrachtung

Samstag 16. April 2022 von Egmond Prill


Egmond Prill

Die Uhr zeigt kurz vor 4 Uhr. Mit meiner Reisegruppe bin ich frĂŒh aufgestanden. Nun hocken und stehen wir auf einem Berg weit oberhalb des Toten Meeres in Israel und schauen gespannt nach Osten auf die Berge von Moab, heute Jordanien. Noch fröstelt uns die KĂŒhle der Nacht hier in der WĂŒste. Doch wir erwarten den Sonnenaufgang. Doch diesmal sieht es nicht so gut aus. Eine dunkle Wolkendecke liegt gegenĂŒber auf dem Gebirge. Die Uhr zeigt an: noch wenige Augenblicke. Fotoapparate werden zur Hand genommen. Und plötzlich geschieht ein Wunder. Die dunkle Wolkendecke reißt einem TĂŒrspalt gleich auf. Die aufgehende Sonne bricht mit Licht und WĂ€rme durch. Jetzt heißt es fotografieren. Nach etwa 15 Minuten schließt sich der Spalt, die Sonne ist verschwunden. Stunden spĂ€ter beim Baden im Toten Meer wird sie hell und heiß vom Himmel strahlen.

Öffnet sich nicht auch Ostern der Himmel und gibt fĂŒr Momente der Weltgeschichte einen einzigartigen Blick in Gottes neue Welt frei? Wie gleißendes Licht bricht Gottes Helligkeit in diese oft so dunkle Welt. Das ganze Ostergeschehen zeigt dieses Wunder. Da ist der dunkle Karfreitag. In den Kirchen verlöschen die Kerzen, oft wird aller Schmuck am Altar verhĂŒllt oder gar alles abgerĂ€umt. Die Glocken schweigen. Totenstille. Jesus leidet am Kreuz: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Jesus leidet an Gottesferne und Gottesfinsternis. Der Samstag vergeht, bis heute der arbeitsfreie Shabbat fĂŒr das jĂŒdische Volk. Es folgt der Sonntag.

Am Ostermorgen, der Shabbat ist vorbei, eilen Frauen zum Grab. Mit Salben und Duftölen wollen sie dem toten Jesus eine letzte Ehre erweisen. Doch das Grab ist leer, lesen wir in der Bibel. Ein Engel tritt auf. Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier. Jesus wurde von den Toten auferweckt. Er ist auferstanden. Der Himmel hat sich fĂŒr einen Spalt geöffnet.

Ostern: Ein Lichtblick fĂŒr die Welt. Gottes Wirklichkeit ist in unsere dunkle, von Terror und Krieg geplagte Geschichte und Gegenwart eingebrochen. Entsetzliche KĂ€mpfe in der Ukraine, Millionen auf der Flucht. Europa im FrĂŒhling 2022: unfassbar! Und dennoch: Es ist Ostern. Jesus, der Auferstandene ist nicht fern, er ist da. Hilfstransporte im Zeichen der NĂ€chstenliebe und SolidaritĂ€t. Aufnahme von Menschen in Polen, RumĂ€nien, Deutschland und anderen LĂ€ndern.

Das Osterlicht dringt durch die dunkle Wolkendecke auch unserer persönlichen Leiden. Kummer, Krisen und Krankheit plagen viele. Corona und die ganze Coronapolitik nerven viele und machen Menschen kaputt. Ich kĂ€mpfe seit einem Jahr mit einer schweren Krebserkrankung. Trotz vieler Behandlungen keine Verbesserungen. Im nĂ€chsten Jahr werde ich die Ostergedanken vermutlich nicht mehr schreiben. Wie lange ich Autor der „Worte zum Sonntag“ sein werde, ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt. Diese wunderbare biblische Botschaft aus Hiob 19,25 – grandios vertont in HĂ€ndels Messias. Und Jesus Christus spricht: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben!“ (Johannes 14,19)

Herzliche Einladung ins Osterlicht und zum Glauben an den Auferstandenen, der von sich sagt: Ich bin das Licht der Welt. Das gilt fĂŒr Zeit und Ewigkeit. Gesegnete Ostern!

Quelle: Allgemeiner Anzeiger (Erfurt) 16.4.2022

Egmond Prill (1956-2022). Diese Osterbetrachtung ist die letzte, die E. Prill vor seinem Tod am 27.3.22 verfasst hat. Im ‚Aufbruch‘ (MĂ€rz 2022) steht sein Text „Evangelische Kirche – es reicht. Austritt!“

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Samstag 16. April 2022 um 13:10 und abgelegt unter Predigten / Andachten.