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Keine Posaunen vor Jericho?

Montag 21. Februar 2022 von Johann Hesse


Johann Hesse

Eine Reihe von ArchĂ€ologen und Theologen hĂ€lt den Bericht von der Eroberung Jerichos fĂŒr einen erfundenen Geschichtsmythos. Ein bekannterer Vertreter ist der ArchĂ€ologe und Buchautor Israel Finkelstein („Keine Posaunen vor Jericho“). Das Problem dabei liegt in der chronologischen Einordnung der Geschehnisse. Finkelstein und andere gehen davon aus, dass die Landnahme im 13. Jahrhundert vor Christus stattfand. In dieser Zeit finden sich in Jericho tatsĂ€chlich nicht einmal Besiedelungsspuren. Folgt man dagegen der biblischen Chronologie (1 Kön 6,1), fand der Auszug aus Ägypten im Jahr 1445 v. Chr. und die Eroberung Jerichos im Jahr 1405 v. Chr. statt, demnach also im 15. Jahrhundert.

Die archĂ€ologischen Befunde aus dieser Zeit passen exakt zum biblischen Bericht. Die Ausgrabungsberichte beschreiben detailliert die beiden gewaltigen Stadtmauern, die durch Ă€ußere Einwirkung eingefallen sind. Der Zwischenraum zwischen den beiden Mauern ist mit TrĂŒmmern und Schutt angefĂŒllt. Die ArchĂ€ologen fanden im ganzen Stadtgebiet „deutliche Spuren eines gewaltigen Brandes“. Sie entdeckten KrĂŒge, die mit verkohlten Weizen angefĂŒllt waren. Die Bibel berichtet, dass Jericho in der Erntezeit angegriffen, dass die Stadt schnell erobert (bei lĂ€ngeren Belagerungszeiten werden VorrĂ€te aufgebraucht) und dass die Stadt verbrannt wurde (Jos 6,24). Die AusgrĂ€ber haben in der Unterstadt Jerichos die Reste von HĂ€usern entdeckt, die unmittelbar an die Ă€ußere Stadtmauer angrenzten. Hier im Schatten der Ă€ußeren Festungsmauer lebte die Ă€rmere Bevölkerung. Das passt zum Haus der Hure Rahab, das unmittelbar an die Stadtmauer angebaut war, so dass die Kundschafter durch ein Fenster an der Stadtmauer heruntergelassen werden konnten (Jos 2,15). Weitere Beispiele ließen sich anfĂŒgen. In der Fachwelt wird die Revision der Standardchronologie um 200 Jahre vorgeschlagen und diskutiert. Folgt man dieser revidierten Chronologie passen die archĂ€ologischen Funde in Jericho sehr gut zum biblischen Bericht. Der Bericht von der Eroberung Jerichos ist kein Mythos, sondern ein archĂ€ologisch gut belegter Tatsachenbericht!

Johann Hesse, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Gemeindehilfsbundes, 29664 Walsrode

Zuerst veröffentlicht als Leserbrief in ideaSpektrum Nr. 6 vom 9.2.2022

 

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 21. Februar 2022 um 10:39 und abgelegt unter Theologie.