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Die Frau als „Pastorin“ – Ja oder Nein?

Montag 12. März 2007 von Prof. Dr. Helge Stadelmann


Prof. Dr. Helge Stadelmann

Die Frau als Pastorin – Ja oder Nein?
Was sagt das Neue Testament dazu?

Verehrte, liebe Schwestern und Brüder! [ 1 ]

Versetzen wir uns in unseren Gedanken einmal in die Stadt Ephesus. Man schreibt das Jahr 53, Frühjahr 53. Seit dem vergangenen Herbst wohnen Christen in dieser Stadt ein Handwerkerehepaar mit Namen Aquila und Prisca. Vor einigen Monaten sind sie von Korinth hierher umgezogen. Der bekannte christliche Missionsstratege Paulus hatte sie darum gebeten. Ihr Haus soll in dieser heidnischen Hauptstadt ein Missionsstützpunkt werden für seine nächste Missionsreise. Inzwischen ist evangelistisch einiges geschehen: Paulus hatte, als er die beiden nach Ephesus brachte, noch kurz in der Synagoge evangelisiert und war auf ein ganz positives Echo gestoßen. Es gibt mittlerweile einige gläubige Geschwister dort. Manche von ihnen hatten schon vor Jahren zu glauben begonnen, als sie in Palästina den Propheten Johannes den Täufer von Jesus reden hörten.

Heute morgen haben Prisca und Aquila zusammen mit den „Brüdern“ am Hafen einen gesegneten Gottesmann verabschiedet: Apollos von Alexandria. Sein Kommen war ein Gottesgeschenk. Seine Predigten in der Synagoge waren eine Evangelisation. Er hat die Messiasverheißungen aus dem Alten Testament ausgelegt und gezeigt, daß sie sich alle in Jesus erfüllen.

Wenn jetzt in einigen Wochen noch Paulus eintrifft, wird bestimmt eine kleine christliche Gemeinde entstehen. Priska und Aquila sind bereit, ihr Haus für die neue Gemeinde zur Verfügung zu stellen. (Vgl. Apg 18,18-19,1; 1Kor 16,19). Und dann werden sich neue Fragen ergeben: unter anderem auch Fragen nach den Diensten und geistlichen Ämtern in der wachsenden Hausgemeinde. Wie wird sich Aquila einbringen können, wie Prisca? Daß sie beide mit ihrem ganzen Einsatz Jesus dienen werden, ist eine Entscheidung, die in ihrem Leben schon lange gefallen ist. Im Missionsdienst mit Paulus haben sie im Einsatz für das Evangelium schon ihr Leben riskiert (Röm 16,3f). Zweifellos haben sie beide die Gnadengabe der Erkenntnis und der Lehre. Gerade in diesen Tagen haben sie diese Gabe einsetzen können. Nein, nicht in der Predigt in der Synagoge. Das war nicht ihr Amt. Ganz anders: Sie hatten Apollos bei sich zu Gast. Und da hat sich gezeigt, daß dieser begnadete Prediger und Kenner des Alten Testaments in der Tauffrage noch sehr unklar sah. Ihm war nur die Johannestaufe bekannt. Und dann haben sie beide, Priscilla und Aquila, im Gespräch dem Apollos näher erklärt, was seit Jesus für die christliche Gemeinde gilt. Sie haben ihm die neutestamentlichen Ordnungen erklärt (Apg 18,25f). So setzen sie als Mann und Frau ihr Charisma ein. Sie wissen: Was sie an jenem Abend diesem Verkündiger im kleinen Kreis weitergeben konnten, wird er einmal von vielen Kanzeln weitersagen.

Was sollen sie angesichts ihres Charismas aber selbst tun, wenn die Gemeinde in Ephesus wächst? Wäre es dann gut und richtig, daß sie beide, zunächst natürlich zusammen mit Paulus, den Hirten- und Lehrdienst in dieser Hausgemeinde übernehmen? Sie sind doch schon länger mit ‚Gemeinde‘ vertraut, als die andern. Sie sind Gastgeber der entstehenden Hauskirche. Sie haben als Juden einen guten Durchblick im Blick auf das Alte Testament und sie kennen die Ordnungen Gottes für die neutestamentliche Gemeinde (oder, wie sie als Juden sagen würden, sie kennen den „Weg“, die „Halakhah“ Gottes). Sie haben diesen „Weg“ , diese Ordnungen Gottes zumindest, was die Tauffrage betrifft – ja gerade erst dem Apollos näher erklärt (Apg 18,26b).

Aber genau da liegt der springende Punkt: Was ist der „Weg Gottes“, was ist seine „Halakhah“ für die neutestamentliche Gemeinde, wenn es um Dienste, Ämter und Struktur der Gemeinde geht? Darauf kommt es an – auf Gottes Ordnung. Denn es ist ja Seine Gemeinde! Also: Würde eine begabte Frau wie Prisca, die nach den Ordnungen Gottes für die Gemeinde fragt und die in der „Halakhah“, also im „Weg“ Gottes unterwiesen ist, der von Jesus und den Aposteln für die Gemeinde vorgezeichnet wurde – würde solch eine Frau in der einen, heiligen und apostolischen Gemeinde des Neuen Bundes das Lehr- und Leitungsamt bzw. den Hirten- und Lehrdienst anstreben können? Das ist die Frage, um die es geht.

Das ist auch die Frage, um die es für uns heute geht. Denn gerade unsere Evangelisch Freikirchlichen Gemeinden hatten von ihren Anfängen her das eine große Anliegen, Gemeinde nach dem Neuen Testament zu bauen. Dafür haben sie notfalls Verfolgung auf sich genommen. Und dafür kannten sie keinen anderen Maßstab, als die Bibel, Gottes Wort.

Vielleicht denkt jetzt einer: „Damals in der Zeit der Apostel würde eine Frau den Hirten- und Lehrdienst bestimmt nur deswegen nicht für sich beansprucht haben, weil die Umwelt damals noch so frauenfeindlich war, daß eine Frau einfach aus Rücksicht auf die Umgebung nicht Pastorin oder Ältestin werden konnte.“ Vielleicht fällt ihm dann aber gleich schon selber ein, daß die ersten Christen damals ja durchaus gewohnt waren, gegen den Strom zu schwimmen. Vieles, was sie taten und glaubten, wurde von ihrer Umgebung anders gemacht, anders gesehen, ja bekämpft. Aber für Gottes Wahrheit waren diese Christen bereit, Unverständnis (und Schlimmeres) zu ernten. Bevor wir also allzu schnell behaupten, die Urgemeinde hätte nur aus Rücksicht auf ihre Umwelt keine Pastorinnen gehabt, schauen wir uns lieber erst einmal genauer an, was in der damaligen Umwelt galt – und was demgegenüber nach Gottes Ordnung in der christlichen Gemeinde gelten sollte.

Werfen wir zunächst einen Blick auf das Judentum.

Was galt für den Tempel? Im Jerusalemer Tempel gab es einen abgestuften Zugang zum Heiligtum; die Frauen hatten ihren eigenen Vorhof (Josephus, Contra Ap. 2,8; Bell. V.5,2). Priesterinnen hat es im Tempel Jahwes nie gegeben.

Und wie war es in der Synagoge? Zur Synagoge hatten Frauen selbstverständlich Zutritt (Philo, Spec. leg. III. 171, ja, sie stellten dort oft einen großen Teil der Zuhörer (j.Ber. 9d). Allerdings konnte ein Synagogengottesdienst erst stattfinden, wenn zehn Männer anwesend waren. Wie aus der Bauweise der antiken Synagogen geschlossen werden kann, saßen die Frauen von den Männern getrennt, oft auf einer eigenen Frauengalerie. Frauen, die sich dem Studium der Torah widmeten, dürften die Ausnahme gewesen sein. Eine solche Ausnahme war Berurja, die Gattin des Rabbi Meir, die durch ihre Gelehrsamkeit bekannt war (b.Ber. 10a). Daß Mädchen sich mit der Torah beschäftigten, war zwar nicht verboten (b.Ned. 4,3). Es gab aber Stimmen, wie die von Rabbi Elieser, der vertrat:

„Wer seine Tochter die Torah lehrt, ist wie einer, der sie Ausschweifung lehrt!“ (b.Sot. 3,4).

Und in der Mischna wird zu den vier Dingen, die die Welt ruinieren, gezählt, wenn eine Frau Pharisäerin wird (m.Sotah 3,4). In der Synagoge konnte man Lesen und Schreiben lernen anhand der Torah, Allerdings wurde in der Mischna ausdrücklich verboten, daß eine Frau als Lehrerin für diesen Elementarunterricht angestellt wird (m.Kid. 4,13). Frauen waren zwar zum persönlichen Gebet verpflichtet (dem Achtzehngebet, m.Ber. 3,3), zum Mitsingen des Lobpreises (m.Suk. 3,10) und zum Entzünden der Chanukkalichter (b.Schab. 23a), Aber Leitungsfunktionen im Gottesdienst, etwa als Synagogenvorsteher, hatten sie nicht . Und auch das Predigen in der Synagoge stand ihnen nicht zu. Ob eine Frau in der Synagoge zur Schriftlesung aufgerufen worden konnte, ist in der Überlieferung umstritten: einerseits gibt es eine Tradition, nach der unter den Sieben, die zur Schriftlesung ausgewählt wurden, auch eine Frau sein konnte; andererseits wird dies später ausdrücklich verboten (t.Meg. 4,11; b.Melz. 23a Bar.). Leider muß man sagen, daß hinter der Art und Weise, wie man in der Synagoge Frauen einschätzte, nicht immer die Frage nach den Ordnungen Gottes stand, wie sie im Alten Testament niedergelegt waren, sondern oft doch eine persönliche Abwertung der Frau. Josephus hat das in die Worte gefaßt:

„Die Frau ist in jeder Hinsicht geringer als der Mann“(c. Ap. 224)

Oder auch:

„Die Zeugenaussage einer Frau soll wegen der Leichtfertigkeit und Unbesonnenheit ihres Geschlechts nicht anerkannt werden!“ (Antiq. IV.8,15).

Rabbi Jehuda, schließlich, lehrte:

„Drei Lobsprüche muß man an jedem Tag sprechen: Gepriesen sei Gott, daß er mich nicht als Heiden geschaffen hat! Gepriesen, daß er mich nicht als Frau geschaffen hat! Gepriesen, daß er mich nicht als Unwissenden geschaffen hat“‚ (t.Berakh. 7,18).

Wie stand es nun im Blick auf die religiösen Pflichten und Dienste der Frau im römisch-hellenistischen Heidentum?

Es mag genügen, daß wir auf folgendes hinweisen. Frauen in Griechenland hatten zwar in der öffentlichen Volksversammlung, der Ekklesia, nicht das Rederecht [ 3 ]. Aber in vielen Kulten der Griechen und Römer hatten Frauen die führende Rolle. Im Demeter-Kult standen dem Oberpriester, dem angesehensten der athenischen Priester, verschiedene Gruppen von Priesterinnen zur Seite: eine ihm im Ansehen gleichgestellte leitende Priesterin (die „dadouchousa“), zwei Priesterinnen aus priesterlichem Adelsgeschlecht („hierophantides“ genannt), und eine Schar von jungfräulichen Priesterinnen. Beim Orakel von Delphi amtierte an oberster Stelle die Pythia, eine seherisch begabte Kultprophetin. Göttinnen wie Aphrodite, Artemis, Athena, Isis oder Vesta hatten ihre Kulte mit Priesterinnen bzw. mit aktiver weiblicher Beteiligung. Auch in den ekstatischen Kulten, wie dem Bacchuskult, und gewissen Mysterienreligionen spielten Frauen eine wesentliche Rolle.

Ein Beispiel für die Bedeutung der Frau im griechischen Kult mag genügen. Auf einer Inschrift aus dem 1. Jahrhundert lesen wir folgende Widmung [ 4 ]:

„Der Stamm der Tethaden an Flavia Ammon, Tochter des Moschus, genannt Aristion, der Hohepriesterin desTempels von Asia in Ephesus, Vorsteherin, zweifache Kranzträgerin, Priesterin von Massilia, Vorsteherin der Spiele, Ehefrau des Flaviits Herniokrates, für ihre Exzellenz und anständiges Leben sowie ihre Heiligkeit.“.

Nicht nur eine hohe Achtung spricht aus diesen Worten. Es wird vielmehr auch klar, daß diese Hohepriesterin des Tempels von Ephesus höchste religiöse Ämter und Ehrenfunktionen innehatte.

Hätte in solch einer Umgebung die kleine Christengemeinde in Ephesus Anstoß erregt, wenn sie eine Frau wie Prisca schlicht zur ‚Pastorin‘ gemacht hätte? Sicher nicht höchstens bei den Juden in der Stadt. Aber die Synagoge in Ephesus wollte mit den Christen ohnehin bald nichts mehr zu tun haben – und zwar aus ganz anderen Gründen (Apg 19,8f).

Wenn wir im Vergleich zu den Juden einerseits und den Griechen und Römern andererseits nach den Ordnungen Gottes im Neuen Testament schauen, fällt auf, daß die Bibel nicht den Weg der Synagoge geht mit ihrer Frauenverachtung und ihrem weitgehenden Ausschluß der Frau aus dem aktiven Leben und Dienst der Synagogengemeinschaft. Und es fällt auf, daß sie genausowenig den Weg des hellenistischen und römischen Heidentums geht, in dessen Kulten Frauen vielfach die Leitung ausübten und Priesterinnen waren.

Schon Jesus hat die Frau in ganz anderer Weise geehrt und geachtet, als die Synagoge seiner Zeit. Und auch Paulus spricht von Frauen, die seine Mitarbeiterinnen im Einsatz für das Evangelium waren, die sich in der Gemeinde einsetzten, ja, für Jesus plagten (Röm 16,6+12). Er spricht von Frauen, die beten, und von Frauen, durch die Gottes Geist etwas Auferbauendes oder Seelsorgerliches sagt; und der Apostel gibt der Gemeinde Ordnungen für dieses Beten und prophetische Reden auch der Frauen (1Kor 11,5ff; 14,3f+26ff). Ja, auch Diakoninnen finden sich in den paulinischen Gemeinden ganz selbstverständlich (Röm 16,1).

Angesichts dessen stellt sich uns die Frage, die sich auch einer begabten Frau wie Prisca hätte stellen können: Liegt es nicht nahe, daß der Geist Gottes, der für die christliche Frau die Fesseln der Synagoge sprengte, für Frauen grundsätzlich die gleichen Aufgaben in der Gemeinde eröffnet wie für Männer? Will er auch Frauen, die er mit seelsorgerlichen und lehrmäßigen Begabungen ausrüstet, in den gemeindeleitenden Lehrdienst berufen?

Für das gemeindeleitende Amt kennt das Neue Testament viele Namen. Solche, die diesen Dienst tun, heißen „Leiter“ (Hebr 13,17), „Aufseher“ (Phil 1,1; 1Tim 3,1), „Vorsteher“ (1Thess 5,12), „Hirten“ (Eph 4,11) oder „Älteste“ (Tit 1,5). Und doch wird mit diesen verschiedenen Namen immer der gleiche Leitungsdienst bezeichnet. So heißen die gleichen Leute in Tit 1,5 „Älteste“ und 2 Verse später „Aufseher“ (1,7). Nach 1Pet 5,1+2 ist der „Älteste“ zugleich „Hirte“ und „Aufseher“ in der Herde Christi. Auch nach Apg 20,28 werden die „Ältesten“ zugleich „Aufseher“ genannt und wenn man Tit 1 mit 1Tim 3 vergleicht, merkt man, daß hier ebenfalls „Aufseher“ und „Älteste“ in gleicher Weise beschrieben werden.

Schaut man sich die zentralen Stellen des Neuen Testaments an, die von ihrem Dienst sprechen, so erkennt man folgende Aufgaben:

* Sie leiten die Gemeinde in vorbildlicher Fürsorge und tragen vor Gott Verantwortung für sie (1Thess 5,12; Hebr 13,17; 1Pet 5,2-3);

* Sie schützen die Gemeinde und treten falscher Lehre entgegen (Tit 1,9; Apg 20,28-31);

* Sie kümmern sich seelsorglich um die Gemeinde und nehmen sich der Schwachen an (1Thess 5,12; Hebr 13,17; Apg 20,35);

* Im Bild gesprochen: Wie ein Hirte die Herde weidet – und d.h. sie leitet. schützt und nährt -, so geben sie der Gemeinde Führung, Schutz und geistliche Nahrung (Apg 20,28; 1Pet 5,2f).

Nicht jeder im gemeindeleitenden Dienst des Ältesten/ Hirten/ Vorstehers/ Aufsehers/ Leiters muß auch die Gabe des Predigens haben (vgl. 1Tim 5,17), und doch ist umgekehrt mit dem Amt des Lehrers das des Hirten verbunden (Eph 4,11: ‚Hirten und Lehrer‘ sind hier mit einem Artikel zusammengefaßt). Wer in diesem kombinierten Dienst des ‚Hirten und Lehrers‘ steht, soll von der Gemeinde angemessen versorgt werden, wie 1Tim 5,17+18 deutlich machen. Damit ist angedeutet, daß dieser Dienst für den Berufenen unter Umständen zum Beruf werden kann. Von hierher dürfte sich dann das Berufsbild des ‚Pastors‘ herleiten, das sich in den Kirchen der Reformation entwickelt hat.

Unsere Frage bleibt: Hat Gott in seiner neutestamentlichen Gemeindeordnung dieses gemeindeleitende Amt (also den Ältestendienst) oder das Hirten- und Lehramt (was das heutige Berufsbild des „Pastors“ einschließt) für entsprechend begabte gläubige Frauen vorgesehen?

Manche möchten dies gerne bejahen.

Sie verweisen darauf, daß im Kontext des Evangeliums „weder Mann noch Frau ist, sondern allzumal einer in Christus“ (Gal 3,28). Richtig – aber diese Aussage hat nichts mit der Frage zu tun, ob Männer und Frauen die gleichen Aufgaben haben, sondern mit der Rechtfertigung des Sünders, die für Frauen und Männer gleichermaßen allein Rechtfertigung aufgrund der Gnade durch den Glauben sein kann.

Sie verweisen darauf, daß Männer vor Gott doch nicht mehr wert sind, als Frauen, und zwar sowohl von der Schöpfung her gesehen, als auch von der Erlösung. Richtig – aber die Gleichwertigkeit von Mann und Frau bedingt ja noch lange nicht die gleiche Aufgabenstellung für beide.

Sie verweisen darauf, daß doch auch Frauen Gaben der Lehre oder Leitung haben können. Richtig – aber sie vergessen zugleich danach zu fragen, ob Gottes Geist in der Bibel auch Ordnungen offenbart hat, die zeigen, in welchem Rahmen eine Gabe ausgeübt werden kann und in weichem nicht.

Sie verweisen darauf, daß das Neue Testament davon berichtet, daß Frauen prophetisch reden können (1Kor 11,5; Apg 21,9) und daß Prophetie doch ein die Gemeinde auferbauendes und seelsorgliches Reden sei (1Kor 14,3). Richtig – aber sie sehen nicht, daß solches Reden unter dem Eindruck, der Geist habe einem die entsprechenden Gedanken auf’s Herz gelegt, nicht dasselbe ist wie biblische Predigt und daß die jeweilige ‚Prophetie‘ durch die Lehrer geprüft werden muß.

Sie verweisen weiter darauf, daß doch schon Phöbe im Neuen Testament als ‚Prostatis‘ bezeichnet werde (Röm 16,3), und daß dieses Wort mit ‚Vorstand‘ übersetzt werden könne. Richtig – aber wenn sie daraus folgern, daß Phöbe ‚Vorsteherin‘ der Gemeinde in Kenchreä gewesen sei, vergessen sie, daß das Wort genauso gut ‚Beistand‘ heißen kann, ja, daß es an der entsprechenden Stelle in Röm 16 sogar so heißen muß, weil dort Phöbe ja ausdrücklich als Diakonin (und eben nicht als Vorsteherin) von Kenchreä bezeichnet wird, und zwar eine Diakonin, die zugleich ein erprobter Beistand für Paulus war.

Aber gleich verweisen sie darauf, daß nach der Meinung mancher Ausleger in Röm 16,7 von einer Apostolin Junia die Rede sei. Richtig – aber sie vergessen, daß diese Übersetzung auf sehr wackeligen Füßen steht: denn zum einen ist sehr unsicher, ob da von einem Junias oder einer Junia die Rede ist, und zum andern ist ganz unklar, ob hier gesagt sein will, daß dieser Junias oder diese Junia unter die Apostel zu zählen ist, oder nur, daß er oder sie bei den Aposteln Ansehen genießt. Die klare neutestamentliche Aussage, daß Jesus – bei aller Würdigung der Frauen – keine Frau in den Kreis seiner Apostel wählte, wird dann übersehen.

Sie verweisen schließlich darauf, daß Jesus aber doch Frauen zu Zeugen seiner Auferstehung berufen hat (Mk 16,7; Joh 20,17) – und dies entgegen den jüdischen Vorurteilen, die das Zeugnis der Frau nicht gelten ließen. Richtig, Frauen und Männer empfangen im Neuen Testament den Geist und bezeugen Jesus als den gekreuzigten Retter und auferstandenen Herrn. Hoffentlich sogar! Denn wer Jesus nicht bekennt vor den Menschen, den wird auch er nicht bekennen vor seinem Vater im Himmel. Aber das macht Männer und Frauen doch noch nicht zu Pastoren und Pastorinnen! Das macht sie nicht zu Hirten und Lehrern in der Gemeinde des Neuen Testaments.

Jeder Christ ist Zeuge Jesu – aber damit doch noch nicht in ein bestimmtes Amt eingesetzt.

Ich frage daher: Wo findet sich ein biblischer Hinweis dafür, daß Gott für seine neutestamentliche Gemeinde angeordnet hat, Frauen in den Lehr- und Leitungsdienst der Gemeinde zu berufen? Ich habe das Neue Testament studiert – aber ich habe diesen Hinweis nicht gefunden. Ich habe die Abhandlungen derer gelesen, die als evangelikale oder liberale Feministen die Einführung des Pastorinnenamtes mit Überzeugung vorantrieben, aber die biblische Basis blieb immer mager. Man argumentiert allgemein mit dem Geist Jesu und dem Geist des Evangeliums; man bemüht Verse und theologische Gedankengänge, die viel Positives über Frauen aussagen, nur leider nicht zum Thema ‚Pastorin‘ sprechen; und man baut gewichtige Folgerungen auf die Interpretation von ein / zwei dunklen Stellen, die – um das Mindeste zu sagen – einer ganz anderen Auslegung zugänglich sind, anstatt von hellen und klaren Stellen des Neuen Testaments auszugehen!

Aber das ist nur die eine Seite. Wäre nämlich das Problem nur dies, daß ein klares Ja des Neuen Testaments zum Pastorinnenamt fehlt, so wäre alles noch gar nicht so ernst. Es gibt ja Themen, zu denen die Bibel nicht Ja sagt, aber auch nicht Nein. Sie läßt uns dann Freiheit, in Weisheit und im Sinne dessen, was wir sonst aus der Bibel erkennen, zu entscheiden, was wir tun sollen.

Nicht so aber, wenn es um das Leitungs- und Lehramt der Frau geht.

Zu diesem Thema spricht die Heilige Schrift. Und sie spricht, wenn ich richtig sehe, da, wo sie das Thema berührt, nicht im Sinne der Befürwortung des gemeindlichen Lehr- und Leitungsamtes von Schwestern. Wo aber die Schrift spricht, da gilt es zunächst genau zu verstehen, was sie sagt. Dann, allerdings, ist unser Glaubensgehorsam gefordert, denn unser Widerspruch gegen das Sprechen der Schrift wäre Sünde.

Hören wir also auf das, was Gott in seinem Wort sagt:

„Wie in allen Gemeinden der Heiligen“, so lesen wir in 1Kor 14, „sollen die Frauen schweigen in den Gemeindeversammlungen; denn es ist ihnen nicht gestattet 711 reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt. Wollen sie aber etwas lernen, so sollen sie daheim ihre Männer fragen. Es stellt der Frau schlecht an, in der Gemeinde zu reden. Oder ist das Wort Gottes von euch ausgegangen? Oder ist’s allein zu euch gekommen? Wenn einer meint, er sei ein Prophet oder Pneumatiker, der erkenne, daß es des Herrn Gebot ist, was ich euch schreibe. Wer aber das nicht anerkennt, der wird auch (von Gott) nicht anerkannt“ (Vv. 33b-38).

Und in 1Tim 2,11-5 lesen wir:

„Eine Frau lerne in der Stille mit aller Unterordnung. Einer Frau gestatte ich nicht, daß sie lehre, auch nicht, daß sie Über den Mann Autorität ausübt, sondern still sei. Denn Adam wurde zuerst gemacht, danach Eva. Und Adam wurde nicht verführt, die Frau aber hat sich zur Übertretung verführen lassen. Sie wird aber bewahrt werden durch die Kindsgeburt hindurch, wenn sie (die Frauen) im Glauben und in der Liebe und in der Heiligung bleiben mit Besonnenheit.“

Bis in unsere Kreise hinein hat man diese Verse zum Teil ganz schnell vom Tisch gefegt. Ilse Wieser und Günter Wagner meinen dazu: [ 5 ]

„Verglichen mit der Haltung Jesu gegenüber Frauen und der urchristlichen Überzeugung, daß es ‚in Christus‘ den männlichen Vorrang nicht mehr gibt, erscheinen 1.Tim 2,11ff. und 1.Kor 14,33b-35 als höchst bedauerliche Konzessionen an den alten Adam. Wie war dieser Rückfall möglich?“.

Für sie stammen beide Texte nicht von Paulus, weil – wie sie meinen – beide Abschnitte mit anderen Paulusaussagen über die Frau oder auch über Adam und Eva nicht übereinstimmen. Letztlich bestimmt dabei der Ausleger von seinem Verständnis her, was er in der Bibel als apostolisch und verbindlich gelten lassen will, und was nicht. Ich wundere mich manchmal, welcher Scharfsinn immer wieder darauf verwendet wird, Paulus vor seinen eigenen Aussagen zu schützen – und ihn dann den eigenen mitgebrachten Vorstellungen anzupassen…

Wenden wir uns zunächst einmal 1Kor 14 zu.

Viele, inzwischen auch evangelikale, Ausleger vertreten, die Verse 34 u.35 seien ein späterer Einschub, der nicht von Paulus stamme. Man verweist darauf, daß der sogenannte Westliche Text diese Verse erst nach V.40 bringt und nicht schon nach V.33. Natürlich muß dies erklärt werden. Festzuhalten ist aber zunächst einmal, daß es keine einzige Handschrift gibt, die Vv. 34-35 nicht hat, und daß die überwältigende Mehrheit der Textzeugen diesen Verse an ihrem bekannten Ort, d.h. im Anschluß an V.33, bringen. Trotzdem nehmen manche Kritiker an, diese Verse hätten ursprünglich nicht in 1Kor 14 gestanden. Irgendein Konservativer hätte sie in der nachpaulinischen Zeit als persönliche Glosse an den Rand geschrieben, und spätere Abschreiber hätten sie dann teils nach V.33, teils nach V.40 in den Text eingefügt. Nur, warum gibt es dann nicht eine Bibelhandschrift ohne diese Verse? Und warum hat dieser vermeintliche Glossator nicht gleich noch versucht, seine Glosse mit 1Kor 11 zu harmonisieren, wo doch von prophezeienden Frauen die Rede ist? Es scheint viel wahrscheinlicher, daß diese Verse ursprünglich dort hingehörten, wo sie heute in unseren Bibeln stehen – und daß ein vereinzelter früher Abschreiber in der westlichen Tradition die Verse an das Ende des Kapitels stellte, weil er nicht sah, wie sie zum Thema ‚Prophetie‘ passen, das Paulus zunächst behandelt. [ 6 ]

Wir fragen: Was will Paulus in 1Kor 14,33b-38 lehren? Es hat viele Erklärungsversuche gegeben. Ich meine, folgende Auslegung wird dem Text und dein Kontext am besten gerecht. Von V. 29 an erklärt der Apostel, wie es beim prophetischen Reden zugehen soll: nämlich in guter Ordnung und mit anschließender Prüfung der prophetischen Worte Nach 1Kor 11 können durchaus auch Frauen prophetisch reden. Nun aber macht der Apostel deutlich, daß diese Frauen sich nicht am Prüfen der Prophetien in der Gemeinde beteiligen sollen. Die christliche Frau beteiligt sich zwar am geistlichen Lernen, bespricht Lehrfragen durchaus auch mit ihrem Mann, übt aber keine öffentliche Lehrfunktion aus, wie dies beim Annehmen oder Verwerfen prophetischer Worte für die Gemeinde der Fall wäre. [ 7 ]

Diese Auslegung paßt sehr gut zu der Lehraussage von 1Tim 2,11ff. Je nachdem, wie man dort den Zusammenhang von V.8 und V.9 versteht, sagt Paulus [ 8 ] dort, daß Männer und Frauen gleichermaßen beten sollen – vorausgesetzt, es geschieht jeweils in der richtigen geistlichen Haltung. Ausdrücklich spricht der Apostel in V.10 davon, daß Frauen sich zu Gott bekennen (was gewiß nicht nur allein im stillen Kämmerlein geschieht). Aber zugleich setzt Gott eine bestimmte Grenze: Zu lehren und Autorität über den Mann auszuüben ist der Frau nicht gestattet (V.12). Daß hier ausgerechnet das Lehren und Leiten in einem Atemzug genannt wird, erinnert an den Dienst des Hirten und Lehrers, der das Lehr- und Leitungsamt in der Gemeinde wahrnimmt. Genau diese Funktion, so macht Paulus klar, soll eine Frau nicht ausüben. Das heißt nicht, daß Frauen sich nicht mit biblischer Lehre beschäftigen sollen! Doch, sie sollen lernen (V.11) – aber sie sollen nicht lehren. Wenn es um das Lehren geht, sollen sie vielmehr still bleiben (V.lla+12b).

Warum?

Manche Christen meinen, wenn dieses Wort überhaupt apostolisch und gültig sei, dann sei es aber nur in der besonderen Situation damals gültig gewesen. Die einen begründen das dann so, daß sie sagen: ‚In der damaligen frauenfeindlichen Umwelt konnte die Gemeinde es sich schon aus Rücksicht auf ihr Zeugnis nach draußen nicht leisten, Frauen zum Leitungs- und Lehrdienst zuzulassen‘. Aber wir haben schon gesehen, daß gerade für eine Gemeinde wie die in Ephesus (1Tim 1,3), einer Stadt, in der Priesterinnen ganz selbstverständlich waren, dieses Argument nicht sticht. Andere verweisen auf die Irrlehre, die die Gemeinde in Ephesus bedrohte und die der 1. Timotheusbrief bekämpft: Dort war eine gesetzliche, asketische, ja, gnostische Richtung eingebrochen (1,4ff; 4,1ff; 6,4ff.20), von der auch Frauen nicht unbeeinflußt blieben (5,15; vgl. 2Tim 3,6f). ‚Und eben wegen dieses Einflusses der Irrlehrer auf die Frauen‘, so sagt man, wird in dieser speziellen Situation den Frauen das Lehren untersagt!‘ Aber, Augenblick einmal: Von dieser Irrlehre waren doch nicht nur Frauen beeindruckt, sondern auch Männer! Da gab es doch jetzt eine ganze Reihe von kleinen „Gesetzeslehrern“, wie Paulus sie nennt, in der Gemeinde (1,7); und Alexander und Hymenäus werden ausdrücklich als verführte Verführer genannt (1,19f; 2Tim 2,17f). Also, wenn schon, dann müßte Paulus hier Frauen und Männern das Lehren verbieten! Wir sehen, es wird dem Text nicht gerecht, wenn wir sagen, dieses Lehr- und Leitungsverbot für Frauen habe nur in der damaligen besonderen Situation seine Geltung gehabt.

Also noch einmal: Welche Begründung gibt die Bibel für dieses ausdrückliche Verbot?

Der Zusammenhang macht das ganz klar, wenn wir nur die Vv. 13+14 ansehen. Nicht aufgrund der damaligen Umwelt, nicht aufgrund der speziellen Gefährdung der Gemeinde, sondern aufgrund der Schöpfungsordnung und des Entschlusses Gottes, den er im Zusammenhang mit dem Sündenfall und dem Hören Evas auf den Verführer gefaßt hat, soll die Frau in der Gemeinde das Lehr- und Leitungsamt nicht ausüben. Adam wurde zuerst geschaffen und Eva ihm als Gehilfin zugeordnet (1Mo 2,7-8). Darin liegt das Haupt-Sein des Mannes und damit seine Führungsrolle in Familie und Gemeinde begründet. Auf diese Schöpfungsordnung mußte Eva, nachdem sie auf den Versucher gehört und in der Folge ihren Mann zur Sünde verführt hatte, wieder hingewiesen – „Er soll Dein Herr sein!“ (1Mose 3,16b). Auf jene Grundtatsachen des Menschseins weist Paulus hin, wenn er das Lehr- und Leitungsverbot für die Frau begründet. Nicht etwa die besseren Fähigkeiten des Mannes sind der Grund; auch nicht eine vermeintlich größere Anfälligkeit der Frau für Verführung. Sondern der souveräne Wille Gottes, wie er sich in der schöpfungsmäßigen Zuordnung von Mann und Frau äußert; und Gottes freier Willensentschluß, den er hier nun als neutestamentliche Konsequenz aus der Tatsache Hörens der ersten Frau auf den Versucher kundtut – das sind die Gründe für dieses göttliche Nein.

Und genauso wird auch in 1Kor 14 das dort ausgesprochene Lehrverbot der Frau letztlich im Willen Gottes begründet. Drei Begründungen werden dort im einzelnen genannt. Der erste Grund ist die übereinstimmende Praxis der Gemeinden: auch in den übrigen Gemeinden nehmen die Frauen nicht an der lehrmäßigen Entscheidung über eine Prophetie teil. „Wie in allen Gemeinden der Heiligen sollen die Frauen schweigen“, heißt es in V. 33b+34. Der zweite Grund ist, daß diese Verfügung dem entspricht, was schon in der alttestamentlichen Torah steht. Die Frauen sollen, wenn es um Lehre geht, in der Gemeinde nicht das Wort ergreifen, „sondern sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt“ (V. 34b) – ein Hinweis, der sich wohl auf die im Gesetz genannte Schöpfungsordnung bezieht. (Vgl. 1Mo 2,20-24; 1Kor 11,8f). Der dritte Grund ist – so Paulus – ganz einfach, „daß es des Herrn Gebot ist, was ich euch schreibe. Wer aber das nicht anerkennt, wird von Gott nicht anerkannt“ (Vv. 37b-38).

Hier wird der ganze Ernst der Sache sichtbar. Professor Slenczka hat es kürzlich sehr treffend auf den Punkt gebracht:

„Wer für die Frauenordination entscheidet, entscheidet also gegen den Konsens der Kirchen, gegen das Gesetz Gottes und gegen das Wort des Herrn. Er entscheidet zugleich gegen solche Glieder der Gemeinde, die sich an dieses Wort gebunden wissen.“ [ 9 ].

Wenn wir als Freikirche uns für die Berufung von Frauen als Pastorinnen entscheiden, entscheiden wir damit gegen Gottes Wort. Und wenn wir als ein Bund von Gemeinden, die von ihren Ursprüngen her das eine verbindet, daß sie alle gemeinsam ‚Gemeinde nach dem Neuen Testament‘ sein wollen, die Entscheidung treffen, daß es jeder Gemeinde freigestellt ist, ob sie im Gehorsam auf das hören will, was in 1Kor 14 als Wort des Herrn gesagt ist, oder nicht, dann setzen wir das, was uns verbindet, und damit unsere Bundesgemeinschaft, auf’s Spiel.

Mehr noch, wir setzen Gottes Segen auf’s Spiel. Denn wer dieses Wort Gottes zum öffentlichen Lehren der Frau nicht anerkennt, wird von Gott nicht anerkannt. Und ohne diese Anerkennung Gottes können wir nicht leben! Wir können notfalls ohne die staatliche Anerkennung als eine Körperschaft des öffentlichen Rechts leben. Wir können leben, ohne daß man uns als angesehene evangelische Freikirche mit respektabler Pastorenschaft und wissenschaftlich ausgewiesener Theologie anerkennt. Aber wir können ohne die Anerkennung Gottes nicht leben. Ohne sie haben wir den Namen, daß wir leben – und sind tot!

Ich komme zum Schluß.

Prisca, diese treue und begabte Mitarbeiterin des Paulus, ist nicht Hirtin und Lehrerin in ihrer Hausgemeinde geworden. Die Priesterinnen in den Tempeln von Ephesus waren ihre Schwestern nicht. Aber auch die Brüder Rabbiner aus der Synagoge konnten für ihr Leben und ihren Dienst nicht mehr den Maßstab setzen. Den setzte jetzt ein anderer – auf einem dritten Weg: dem Weg des praktizierten Talents in den Ordnungen des Neuen Testaments. Auf diesem Weg sind seither viele Priscillas – und viele Aquilas – im Segen unterwegs, bis heute. Ich meine, auf diesem Pflaster sollten wir bleiben.

Fußnoten:

[ 1 ] Referat von Dr. Helge Stadelmann, Gießen, anläßlich des Studientages am 20.11.1991 in Gießen zum Thema „Frauenpastorat“.

[ 2 ] Auf einigen Inschriften aus Synagogen der Diaspora werden Titel wie „Synagogenoberhaupt“ (archisynagogos) „Älteste“ (presbytera), „Mutter der Synagoge“ (meter synagoges) und „Patriarchin“ (archegissa) für einzelne Frauen aus der wohlhabenden Schicht gebraucht. J.B.Brotten (Women Leaders in the Ancient Synagoges, Chico 1982, S. 149-151) hat daraus geschlossen, daß diese Frauen auf die entsprechenden Funktionen ausgeübt haben. G. Mayer (Die jüdische Frau in der hellenistisch-römischen Antike, Stuttgart, 1987. S. 90ff) widerlegt dies aber überzeugend mit dem Hinweis, daß auch Kinder, die solche Funktionen noch gar nicht ausüben konnten, derartige Titel trugen. Es geht offenbar in beiden Fällen um Angehörige einer Familie, in der sich das entsprechende Amt vererbt.

[ 3 ] Oxford Classical Dictionary, Oxford 1970, S. 376

[ 4 ] H.W. Pleket, Epigraphica III, Leiden 1969, S. 11

[ 5 ] G. Wagner / I. Wieser, „Das Bild der Frau in der biblischen Tradition“, Theologisches Gespräch, 3-4/5-6 (1980:31)

[ 6 ] Ausführlicher zum textkritischen Problem siehe Don Carson, „Silent in the Churches …“, in „Recovering Biblical Manhood & Womanhood“, Hrsg. J.Piper / W. Grudem, Wheaton 1991, S. 141-145; siehe Council of Biblical Mannhood and Womanhood

[ 7 ] So schon M.E.Thrall, I and II Corinthians, Cambridge 1965, z.St.; J.B.Hurley, Man and Woman in Biblical Perspective, Grand Rapids 1981, S. 185-194; W.Grudem, The Gift of Prophecy in I Corinthians, Washington 1982, S. 245-255, D. Carson, aaO. S. 151ff)

[ 8 ] Daß der 1. Timotheusbrief (wie die übrigen Pastoralbrief) ausdrücklich beansprucht, von Paulus zu stammen, ist klar. Kritische Theologen dagegen halten diese Brief heute oft für eine Fälschung. Wie problematisch dies unter historischen und theologischen Gesichtspunkten ist, hat kürzlich E. Schnabel gezeigt (der. [PDF] „Der biblische Kanon und das Phänomen des Pseudonymität“, JET 3/1989, S. 59-96)

[ 9 ] „Pro und kontra Frauenordination“, IDEA-Dokumentation Nr. 28/1991, S.11

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Der Autor, Professor Dr. Helge Stadelmann (Giessen), hat in Basel, Dallas und Cambridge Theologie studiert. Er war 1979-89 Dozent der Bibelschulen Brake und Wiedenest. Von 1986-1995 war er Dekan der „Freien Theologischen Akademie“ (FTA, Giessen). Seit 1995 ist er deren Rektor. Dr. Stadelmann hat seit 1997 eine Gastprofessur an der „Evangelischen Theologischen Fakulteit“ in Leuven. Dr. Stadelmann ist Pastor im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland.

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 12. März 2007 um 15:28 und abgelegt unter Theologie.