Gemeindenetzwerk

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Die Erklärung von Abu Dhabi und das „Abrahamic Family House“

Donnerstag 16. September 2021 von Johann Hesse


Johann Hesse

Am 4. Februar 2019 unterzeichneten Papst Franziskus und Imam Ahmed el-Tayeb, das geistliche Oberhaupt der Al-Azhar-Universität in Kairo, das „Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“. Das Dokument wird auch „Erklärung von Abu Dhabi“ genannt, wo die Unterzeichnung während einer Reise des Papstes in die Vereinigten Arabischen Emirate stattfand. Es ist vom Geist des interreligiösen Dialogs durchdrungen und ruft Christen und Muslime als Brüder und Freunde im Glauben sowie alle Menschen guten Willens zu einer Kultur des Dialogs auf, um „als Brüder und Schwestern miteinander zu leben, die Erde zu bevölkern und auf ihr die Werte des Guten, der Liebe und des Friedens zu verbreiten“.(1)

Im September 2019 wurde dann das „Hohe Kommissariat für die Brüderlichkeit aller Menschen“ (Higher Committee of Human Fraternity) mit dem Ziel gegründet, alle Menschen zu motivieren, die „Werte der menschlichen Brüderlichkeit“ im Sinne der Erklärung von Abu Dhabi zu leben. Dem Hohen Kommissariat gehören Vertreter des Christentums, des Judentums und des Islams an. Einen Monat zuvor stellte Scheich Muhammad bin Zayid Al Nahyan, der Kronprinz von Abu Dhabi, ein Stück Land auf der Insel Saadivat zur Verfügung, auf dem der interreligiöse Geist des Dokuments über die „Brüderlichkeit aller Menschen“ architektonisch umgesetzt werden soll.

Geplant ist ein großzügig angelegter und modern gestalteter Komplex, in dem die drei sogenannten abrahamitischen Religionen durch jeweils ein „Gotteshaus“ vertreten sind. Dieses sogenannte „Abrahamic Family House“ (Haus der abrahamitischen Familie) vereint eine Kirche, eine Synagoge und eine Moschee, die in einem Dreieck um einen „gemeinsamen Boden“, einem Garten, angeordnet sind. Ein viertes, flacheres Gebäude ist für alle anderen Menschen „guten Willens“ gedacht. Die Fertigstellung ist für 2022 geplant.

Star-Architekt Sir David Adjaye beschreibt das Projekt auf der Internetseite seines Architekturbüros: „Ich habe diese drei Religionen stets als sehr unterschiedlich betrachtet. Das ist es, was zu glauben wir gelernt haben. Doch dann entdeckt man diese unglaublichen Verbindungen und Überschneidungen.“ Diesen „Lernprozess“ habe er dann architektonisch umzusetzen versucht. Die „Entdeckungsreise“ setze sich mit dem öffentlichen Raum fort, wo sich die Unterschiede aufhöben: „Ich habe den Garten als kraftvolle Metapher gesehen. Diesen sicheren Bereich, in dem sich Gemeinschaft, Verbundenheit und Höflichkeit verbinden“, erklärt Adjaye.(2) Weiter meint er: „Als Architekt möchte ich ein Gebäude schaffen, das den Begriff der hierarchischen Differenz auflöst. Es sollte Universalität und Totalität repräsentieren – etwas Höheres, das das menschliche Leben bereichert.“

Der Papst, Imam Ahmed el-Tayeb, Rabbi Bruce Lustig, der Star-Architekt aus Ghana und viele andere mit ihnen arbeiten an einem gemeinsamen Weltethos, das die Unterschiede zwischen den Religionen einebnet und die Wahrheit relativiert. Das wird schon daran deutlich, dass das besagte Grundlagendokument über die Brüderlichkeit aller Menschen den Namen Jesus Christus nicht einmal erwähnt. Der biblische Patriarch Abraham muss bei dem Projekt als gemeinsamer kleinster Nenner dienen, um Christentum, Judentum und Islam trotz aller Unterschiede zu einen. Hier wird eine religiöse Vorstellung umgesetzt, wie sie Friedrich Schiller in seiner „Ode an die Freude“ (1785) zum Ausdruck gebracht hat: „Seid umschlungen Millionen! Diesen Kuss der ganzen Welt! Brüder – überm Sternenzelt muss ein lieber Vater wohnen.“ Ja, es gibt einen Vater im Himmel, doch es gibt nur einen Weg zu ihm: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich“ (Joh 14,6). Dieser Anspruch Jesu sprengt den Rahmen einer weltweiten Brüderlichkeit über alle Religionsgrenzen hinweg. Jesus ebnet die Wahrheiten nicht ein, sondern er ist die Wahrheit. Jesus ist nicht eines unter vielen religiösen Angeboten, sondern er ist das Ende der Religion. Auf einem anderen Weg will der Vater nicht geehrt und erkannt werden: „Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat“ (Joh 5,23).

Die Vorstellung einer abrahamitischen Ökumene, wie sie im „Abrahamic Family House“ zum Ausdruck kommen soll, ist aus biblischer Sicht unhaltbar. Durch Abraham sollten alle Völker der Erde Segen und Heil empfangen (1 Mose 12,1-3). Doch diese Heilszusage sollte ausdrücklich über den Sohn der Verheißung laufen: nicht über Ismael, sondern über Isaak (1 Mose 17,19; 18,18; 26,4), dann Jakob (1 Mose 28,14) und dann Juda (1 Mose 49,10). Auf Grund dieser Zusagen sagte Jesus zur Frau am Jakobsbrunnen: „Denn das Heil kommt von den Juden“ (Joh 4,20). Als „Jesus, der Juden König“ (Mt 27,37) von Juden und Römern ans Kreuz geschlagen wurde, bezahlte er für die Sünden der Welt (Joh 1,29). Durch seinen Opfertod und die Auferstehung von den Toten wurde Jesus zum Heiland der Welt (Joh 4,42). Durch ihn allein kommt der Segen Abrahams zu den Völkern der Erde (Gal 3,16). Das traditionelle Judentum und der Islam lehnen Jesus Christus als Sohn Gottes und Heiland der Welt ab. Damit gibt es in diesen Religionen keinen Zugang zu Gott. Projekte wie das „Abrahamic Family House“ in Abu Dhabi oder das „House of One“ in Berlin sind eine satanisch-antichristliche Lüge, die Menschen in die Irre führt (1 Joh 2,22-23). Nicht der interreligiöse Dialog bringt den Menschen Frieden mit Gott, sondern allein der Jesusname, „denn in keinem andern ist das Heil, ist auch kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden“ (Apg 4,12).

Johann Hesse

Quelle: Aufbruch – Informationen des Gemeindehilfsbundes (Juli 2021)

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(1) https://www.vatican.va/content/francesco/de/travels/2019/outside/documents/papa-francesco_20190204_documento-fratellanza-umana.pdf

(2) https://www.ubm-development.com/magazin/friedensprojekt-abrahamicfamily-house/

Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 16. September 2021 um 16:15 und abgelegt unter Christentum weltweit, Theologie, Weltreligionen.