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Die K├Ąmpfe im Kaukasus: Erdogans osmanische Ambitionen

Dienstag 13. Oktober 2020 von Gatestone Institute


Gatestone Institute

Die Herauskristallisierung der T├╝rkei als Schl├╝sselakteur des j├╝ngsten Gewaltausbruchs in der umstrittenen Kaukasusregion Berg-Karabach muss im Zusammenhang mit dem Bestreben des t├╝rkischen Pr├Ąsidenten Recep Tayyip Erdogan gesehen werden, das Osmanische Reich neu zu errichten. W├Ąhrend sich die erbitterten K├Ąmpfe zwischen dem christlichen Armenien und dem muslimischen Aserbaidschan um das umstrittene Gebiet im Kaukasus-Gebirge versch├Ąrfen, hat sich gezeigt, dass Herr Erdogan die Aserbaidschaner in ihrem Feldzug zur R├╝ckeroberung der Enklave mit Waffen und S├Âldnern versorgt.

Abgesehen von der Lieferung konventioneller Waffen gab es auch Hinweise darauf, dass t├╝rkische Streubomben ÔÇô die v├Âlkerrechtlich verboten sind ÔÇô bei Angriffen auf armenische Stellungen eingesetzt wurden. Dar├╝ber hinaus wurde Ankara beschuldigt, syrische Rebellen nach Aserbaidschan geschickt zu haben, um bei der Kampagne zur R├╝ckeroberung der Enklave zu helfen. Die Unterst├╝tzung der T├╝rkei f├╝r Aserbaidschan, die sich als entscheidend f├╝r den Konflikt erweisen k├Ânnte, r├╝hrt von Erdogans Entschlossenheit her, den Ruhm des Osmanischen Reiches, als die T├╝rkei das Epizentrum der muslimischen Welt bildete, wiederherzustellen.

Obwohl das Gebiet, das heute das moderne Aserbaidschan ausmacht, nie unter direkter osmanischer Kontrolle stand, gerieten die lokalen St├Ąmme unter den Einfluss muslimischer T├╝rken, so dass viele Aserbaidschaner heute eine Art t├╝rkischen Dialekt sprechen. In j├╝ngerer Zeit hat die Verbindung zwischen der T├╝rkei und Aserbaidschan dazu gef├╝hrt, dass die beiden L├Ąnder regelm├Ą├čig gemeinsame Milit├Ąr├╝bungen durchf├╝hren. Da er nie eine Gelegenheit verpasst hat, den Einfluss der T├╝rkei in der muslimischen Welt auszuweiten, hat Herr Erdogan Aserbaidschan bei seinem Bestreben, die Kontrolle ├╝ber Berg-Karabach zur├╝ckzuerobern, rasch seine Unterst├╝tzung zugesagt.

Schon wenige Stunden nach Ausbruch des Konflikts twitterte der t├╝rkische Pr├Ąsident: „Das t├╝rkische Volk wird unsere aserbaidschanischen Br├╝der wie immer mit allen Mitteln unterst├╝tzen“ und f├╝gte hinzu, dass Armenien „die gr├Â├čte Bedrohung f├╝r den regionalen Frieden“ sei. Der Streit um Berg-Karabach geht auf den Zusammenbruch der Sowjetunion Anfang der 1990er Jahre zur├╝ck, als sich das Gebiet, dessen Bev├Âlkerung ├╝berwiegend armenisch ist, daf├╝r entschied, sich von der Kontrolle des benachbarten Aserbaidschans, eines Landes, das haupts├Ąchlich aus schiitischen Muslimen besteht, zu l├Âsen. Diese Entscheidung l├Âste 1992, nachdem beide L├Ąnder ihre Unabh├Ąngigkeit von der Sowjetunion erlangt hatten, einen erbitterten Krieg zwischen Aserbaidschan und Armenien aus, der sch├Ątzungsweise 30.000 Menschenleben forderte. Seitdem hat sich infolge eines von Russland vermittelten Waffenstillstands im Jahr 1994 ein unsicherer Waffenstillstand in der Region etabliert.

Der j├╝ngste Gewaltausbruch ÔÇô der schwerste, der die Region seit Anfang der 1990er Jahre heimgesucht hat ÔÇô begann Ende des letzten Monats, nachdem Aserbaidschan beschuldigt wurde, einen umfassenden Angriff auf armenische Stellungen in der Gebirgsenklave gestartet zu haben, was zu einer Generalmobilmachung armenischer Streitkr├Ąfte f├╝hrte. W├Ąhrend der j├╝ngsten K├Ąmpfe wurden sch├Ątzungsweise mehr als 300 Menschen get├Âtet und Tausende aus ihren H├Ąusern vertrieben, als sich die K├Ąmpfe versch├Ąrften. Auf der einen Seite ist die Unterst├╝tzung der T├╝rkei f├╝r Aserbaidschan nicht ├╝berraschend angesichts der langen und unruhigen Beziehungen zum armenischen Volk, da die T├╝rken beschuldigt werden, f├╝r den systematischen Massenmord und die Vertreibung von rund 1,5 Millionen Armeniern in den letzten Tagen des Osmanischen Reiches am Ende des Ersten Weltkriegs verantwortlich zu sein.

Dennoch steht Erdogan mit seinem Eingreifen in den Berg-Karabach-Konflikt im Widerspruch zu einer anderen Gro├čmacht, die ihren Einfluss in der Region ausbauen will, n├Ąmlich Russland. Russland betrachtet Armenien als einen wichtigen regionalen Verb├╝ndeten und unterh├Ąlt einen wichtigen Milit├Ąrst├╝tzpunkt in der zweitgr├Â├čten Stadt des Landes, Gjumri. Daher muss Herr Erdogan, was seine Unterst├╝tzung f├╝r Aserbaidschan betrifft, umsichtig vorgehen. Andernfalls k├Ânnte er feststellen, dass das russische Interesse am Kaukasus ein gewaltiges Hindernis f├╝r seine Pl├Ąne darstellt, den osmanischen Ruhm der T├╝rkei wiederherzustellen.

Con Coughlin ist Redakteur f├╝r Verteidigung und Ausw├Ąrtige Angelegenheiten des Telegraphs und ein Distinguished Senior Fellow am Gatestone Institute.

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Dienstag 13. Oktober 2020 um 11:09 und abgelegt unter Christentum weltweit, Gesellschaft / Politik.