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Predigt: „Die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt“

Freitag 21. Februar 2020 von PrÀdikant Wolfgang Wilke


PrÀdikant Wolfgang Wilke

Liebe Gemeinde, wir haben uns beim MĂ€nner-Stammtisch mit dem Thema ‚Gerechtigkeit‘ beschĂ€ftigt, das von der EKD fĂŒr die MĂ€nnerarbeit 2019 vorgeschlagen wurde. Was fĂ€llt uns zum Thema Gerechtigkeit ein? Da ist z. B. die Soziale Gerechtigkeit in einer Gesellschaft, die Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern, die Gerechtigkeit unter den Generationen, die Verteilungsgerechtigkeit, die Gerechtigkeit im Bereich der Löhne, die Bildungsgerechtigkeit, Ausgleichende Gerechtigkeit, Klimagerechtigkeit, die Gesetzesgerechtigkeit, die Globale Gerechtigkeit u.v.a.

Diese Begriffe sind uns allen gelĂ€ufig und begegnen uns fast tĂ€glich in privaten GesprĂ€chen und politischen Diskussionen. Es wird oft gekĂ€mpft und hart gerungen, um einen gerechten Interessensausgleich zu erreichen. Meist geht es dabei um Gleichmacherei, allen das Gleiche zu ermöglichen oder zukommen zu lassen. Das ist alles wichtig, richtig und gut. Doch kĂŒmmern wir uns zuviel um diese vordergrĂŒndigen Dinge und vernachlĂ€ssigen leider strĂ€flich, uns um das Wichtigste zu kĂŒmmern, das unser Leben fĂŒr Zeit und Ewigkeit bestimmt:

‚Die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt‘.

Deshalb ermahnt uns Jesus: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit
“ (Mt 6,33) Die Gerechtigkeit der Welt verĂ€ndert (vielleicht) die jeweilige Situation, die Gerechtigkeit Gottes aber verĂ€ndert und rettet den Menschen fĂŒr die Ewigkeit! Dass dies kein Randthema ist, wird uns deutlich, wenn wir nachforschen, wie oft der Begriff ‚Gerechtigkeit‘ in der Bibel vorkommt,

  • nĂ€mlich insgesamt 332 Treffer.
  • Im Alten Testament kommt es 212 mal vor,
  • im Neuen Testament 89 mal

Allein im Römerbrief ist es mit 33 Treffern der Zentralbegriff des ganzen Briefes und die Grundlage fĂŒr das VerstĂ€ndnis der rettenden Botschaft des Evangeliums. Es geht dabei nicht um die Gerechtigkeit der Welt, sondern um die Gerechtigkeit, die vor Gott GĂŒltigkeit hat, mit Jesus im Mittelpunkt.

Was haben wir uns darunter vorzustellen? Was meint das NT mit dieser Gerechtigkeit? Gerechtigkeit ist in der Bibel ein VerhĂ€ltnisbegriff keine abstrakte Norm einer Sittlichkeit. Gerechtigkeit ist das VerhĂ€ltnis des Menschen zu Gott, seine Gottesfurcht, seine Hoffnung und sein Vertrauen auf Gott. Ja es ist das mit Gottes Willen ĂŒbereinstimmende, heilige, Gott wohlgefĂ€llige Verhalten, das im Urteil Gottes rechte Leben in der Liebe.[1] „Nur wer das Rechte tut, ist gerecht – gerecht wie Jesus, der in allem Gottes Willen erfĂŒllt hat.“ (1. Joh 3,7 NGÜ)

Wer kann diesem göttlichen Anspruch voll und ganz genĂŒgen?

Das ist das Problem: Vor Gott ist (im NT) kein Mensch gerecht.[2] Denn das VerhĂ€ltnis zwischen Mensch und Gott ist seit dem SĂŒndenfall im Paradies zerstört. Das ist den meisten Menschen in allen Völkern auch durchaus bewusst, oder sie ahnen es, denn Gott hat das allen Menschen unauslöschlich ins Herz geschrieben. (Röm 2,15 NGÜ)

Und nun versuchen sie, in ihren unterschiedlichen Religionen durch Opfer und Rituale eine Wiedergutmachung mit Gott zu erreichen und mit IHM ins Reine zu kommen.

Das ist aber nicht nur bei den Heiden so. Auch viele Christen meinen, sie mĂŒssten selbst etwas tun und wollen immer wieder durch eine eigene Gerechtigkeit vor Gott bestehen. Paulus schreibt dazu im Römerbrief: „Sie haben nicht erkannt, worum es bei der Gerechtigkeit Gottes geht, und versuchen, durch eigene Gerechtigkeit vor Gott bestehen zu können.“[3]

Aber wer sich die Gerechtigkeit durch Anstrengung, Leistung und noch so gute Werke erwerben will, um vor Gott zu bestehen, muss scheitern. Denn er will nicht wahrhaben, dass er SĂŒnder ist, d.h. vor dem heiligen Gott schuldig geworden ist und will aus eigener Kraft vor Gott gerecht werden. Doch wir können uns mit absolut nichts vor Gott rechtfertigen!

Das ist ja zum Verzweifeln!

Ja, das ist wahr, und der Mönch Martin Luther ist daran ja fast verzweifelt. Als er z.B. in Psalm 31 las:

„Laß mich nimmermehr zuschanden werden, errette mich durch deine Gerechtigkeit“ (Ps 31,2), da erschrak er sehr. FĂŒr ihn war die ‚Gerechtigkeit Gottes‘ sein strenges Gericht und er meinte, „da wĂ€re ich ja ewig verloren.“ Doch dann erkannte er, da steht ja, errette mich durch deine Gerechtigkeit, nicht durch meine.

Jetzt verstand er, dass die ‚Gerechtigkeit Gottes‘ diejenige Gerechtigkeit ist, durch die ER uns rechtfertigt, also die in Christus Jesus geschenkte Gerechtigkeit.

„Deine Gerechtigkeit das ist nicht die, mit der Gott wahr und gerecht ist, wie viele meinen, sondern es ist die Gnade, mit der Gott uns wahrhaftig und gerecht macht.“[4]

Das war fĂŒr Martin Luther das Aha-Erlebnis! Gott schenkt Seine Gerechtigkeit, die nicht verdient oder erworben werden kann, aus freier Gnade dem sĂŒndigen Menschen, der seine Schuld einsieht und sie vor Gott bekennt. Den will Gott aus lauter Erbarmen retten. – Ja, das ist die unbeschreiblich frohmachende Botschaft:

Gott will uns SĂŒnder retten!

Aber wie, auf welche Weise, schafft es Gott, uns sĂŒndige Menschen gerecht zu sprechen und dadurch zu retten? ER kann doch nicht einfach sagen: Vergeben, vergessen, erledigt. Damit wĂŒrde ER sich ja selbst untreu werden.

  • Denn auf der einen Seite steht Gott in Seiner Heiligkeit und absoluten Gerechtigkeit, danach muss ER uns Menschen wegen unserer SĂŒnde, wie bereits im Paradies angedroht[5], zum ewigen Tode verurteilen.
  • Auf der anderen Seite steht Gott in Seiner unfassbar großen Liebe zu uns Menschen, die uns auf jeden Fall retten will, koste es was es wolle – und ER lĂ€sst es sich unendlich viel kosten.

Wie löst Gott dieses Problem?

ER muss also einen Weg finden, uns die Gerechtigkeit zu verschaffen, die vor IHM gilt, ohne sich zu widersprechen. Die Lösung und damit unsere Rettung, hat einen Namen: Jesus Christus.

Paulus formuliert es in seinem zweiten Brief an die Gemeinde in Korinth so: „Denn Gott hat den, der ohne jede SĂŒnde war, Jesus Christus, fĂŒr uns zur SĂŒnde gemacht, damit wir durch die Ver­bindung mit ihm die Gerechtigkeit bekommen, mit der wir vor Gott bestehen können.“[6]

Das ist das unbegreiflich Wunderbare:

  • Gott rechnet also unsere SĂŒnden Christus an;
  • den Gehorsam Christi dagegen rechnet ER uns an.

D.h. Jesus wurde, was wir sind – SĂŒnder, damit wir werden können, was ER ist – sĂŒndlos und gerecht. Was fĂŒr ein Tausch! Unsere Rettung besteht also darin, dass Gott durch diesen Tausch Seinen Sohn, Jesus Christus, fĂŒr uns zur Gerechtigkeit gemacht hat. Diese Gerechtigkeit, mit der wir vor Gott bestehen können, ist also ein reines Ge­schenk Gottes in Christus[7] und kein Verdienst aufgrund eigener Anstrengung und GesetzeserfĂŒllung.

Nur weil Jesus Christus in unĂŒberbietbarer Liebe und Hingabe unsere SĂŒnde auf sich nahm, ja unsere SĂŒnde wurde, und am Kreuz von Golgatha stellvertretend fĂŒr uns die Strafe dafĂŒr auf sich nahm, nur deshalb können wir vor Gott gerecht werden – obwohl wir noch hier in diesem Leib und damit im Bereich der SĂŒndhaftigkeit sind.“[8]

Das ist die wahrhaft göttliche Lösung, womit Gott sowohl Seiner Heiligkeit und Gerechtigkeit als auch Seiner Liebe zu uns Menschen gerecht wird. Das ĂŒbersteigt alles menschliche Denken, ja es sprengt unseren Denkhorizont! Die einzig wichtige Frage ist jetzt: Wie bekomme ich Anteil an dieser Gerechtigkeit?

Antwort: Ausschließlich durch den Glauben an Jesus Christus. Nur dem Glaubenden ist das Heil, die Rettung, das ewige Leben zugĂ€nglich, denn Glaube ist das Mittel, mit dem ich diese Rettungstat auch fĂŒr mich persönlich in Anspruch nehmen kann. Dann muss ich also doch etwas tun, um vor Gott zu bestehen, nĂ€mlich glauben. Nein!

Glaube ist keine Voraussetzung des Heils im Sinne einer menschlichen Leistung, sondern es ist die Antwort des Menschen auf den Ruf Gottes, der vom Heiligen Geist vermittelt wird.[9]

„Unsere Errettung ist gĂ€nzlich ohne uns – durch Gott selbst – und durch Gott allein vollbracht. Wir können unsererseits nicht das Geringste zu ihr beitragen, auch nicht durch unseren Glauben. Denn „Glaube“ ist ein Tun, das keinerlei Leistung bedeutet. „Glauben“ in diesem Sinn hat keinerlei Voraussetzungen in uns selbst, auch keine moralischen oder religiösen.

Aber, und das muss auch beachtet werden: Unsere Rettung vollzieht sich nicht automatisch an uns ohne unsere ausdrĂŒckliche Einwilligung. Es gibt keine Zwangsrettung. Gott zwingt uns Menschen nicht, ER will uns beschenken, ER will, dass wir aus freien StĂŒcken auf Sein Rettungsangebot antworten und es voller Vertrauen auf Seine Zusage annehmen.

Aber – und das ist auch ein Geschenk: das Evangelium ermöglicht solchen Glau­ben, denn es ist schöpferisch wirkendes Wort des lebendigen Gottes.

Ja, mehr noch, das Evangelium schafft in uns den Glauben, der uns die Gerech­tigkeit Gottes zukommen lÀsst, die uns dann im Gericht vor IHM gerecht macht und ewige Rettung schenkt. Glaube ist nicht meine Leistung! Wer diese Gerechtigkeit von Gott empfangen hat, der ist Gott recht. Und hat das ewige Leben. Welch ein Geschenk!

Einigen von uns ist sicher noch in Erinnerung, dass wir bis vor wenigen Jahren in jedem Gottesdienst, nach dem Zuspruch der SĂŒndenvergebung, Gott fĂŒr dieses Geschenk dankten und Ihm dadurch Ehre erwiesen.

Wir sangen damals:

Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr und Dank fĂŒr seine Gnade.
Darum, dass nun und nimmermehr uns rĂŒhren kann kein Schade.
Ein Wohlgefall’n Gott an uns hat. Nun ist groß Fried ohn Unterlaß.
All Fehd hat nun ein Ende!

Damit haben wir Gott dafĂŒr gedankt, dass ER uns durch Seine Gerechtigkeit von aller Schuld freigesprochen hat und es zwischen uns und Gott jetzt nichts Trennendes, keine Blockade mehr gibt.

Gott bietet Sein Heil, Seine Gerechtigkeit und damit das ewige Leben allen Menschen unterschiedslos an. Deshalb lĂ€sst ER Sein Evangelium, diese Frohe Botschaft, auf der ganzen Erde verkĂŒndigen. Aber Gott schenkt Sein Heil, d.h. unsere Rettung, nicht automatisch jedem Menschen, sondern wartet auf unsere Antwort, ob wir dieses Geschenk der Rettung zum ewigen Leben ĂŒberhaupt haben wollen. Taufe, Kirchenzugehörigkeit, Konfirmation, Gottesdienstbesuch, das alles ist richtig, wichtig und gut. Aber es rettet nicht!

Deshalb ist die wichtigste Frage, ja die Überlebensfrage: Was muss ich tun, um Gottes Gerechtigkeit zu erlangen und dadurch fĂŒr die Ewigkeit gerettet zu werden?

Antwort: Ich muss einsehen, dass ich ein SĂŒnder bin und in Auflehnung gegen Gott lebe, und dass ich von mir aus nichts tun kann, um vor Gott bestehen zu können.

Wenn ich damit zu Jesus gehe,

  • IHN bitte, mir meine SĂŒnde zu vergeben
  • und in mein Leben einzutreten
  • und IHM sage, dass ich voller Freude und Dankbarkeit Sein stellvertretendes SĂŒhneopfer am Kreuz von Golgatha annehme und vor Gott damit bestehen will,

dann nimmt ER mich an, ĂŒbernimmt alle meine SĂŒnde und gibt mir dafĂŒr Seine Gerechtigkeit, mit der ich dann vor Gott bestehen kann. Dann schenkt ER mir Seinen Heiligen Geist und macht mich dadurch zu einem Kind Gottes. ER verspricht mir, von nun an bei mir zu sein und mich durch den Tod hindurch in Gottes ewiges Reich, in Seine himmlische Herrlichkeit, zu fĂŒhren. Wir sehen, wie wichtig es ist, sich mit der Gerechtigkeit Gottes zu beschĂ€ftigen und sie als die Rettungsbotschaft anzunehmen. Eine bessere kann es nicht geben. Nimm dieses Rettungsangebot unbedingt an! Mach diese Entscheidung noch heute mit Jesus fest, oder erneuere sie mit IHM! Denn das ist der einzige Weg zum ewigen Leben in Gottes Herrlichkeit!

Amen.

„Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem HERRN!“ Amen.

PrĂ€dikant Wolfgang Wilke, Predigt fĂŒr den MĂ€nnersonntag, 3. November 2019

[1] 1.Joh 3,7; Offb 22,11

[2] Röm 8,8

[3] Röm 10,3

[4] Baral, Karl; Handbuch der biblischen Glaubenslehre, 4. Überarbeitete und erweiterte Auflage 2016, S. 462

[5] 1.Mose 2,17

[6] Vgl 2. Kor 5,21 NGÜ

[7] Röm 5,17

[8] Vgl. Lexikon zur Bibel a.a.O. Spalte 550

[9] Vgl. Cochlovius, Joachim: Leben im Zeichen des Kreuzes – Eine Auslegung des Römerbriefes – HĂ€nssler-Verlag, 1997, S.21+22

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 21. Februar 2020 um 12:15 und abgelegt unter Predigten / Andachten.