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Die Kirchen schrumpfen, Kirchensteuern sichern sie, nur zu Weihnachten sind sie voll

Montag 17. Dezember 2018 von Detlef Löhde


Detlef Löhde

Ja, zum Heiligen Abend werden die Kirchen wieder voll sein, zum 1. Weihnachtstag dann schon wieder weniger. FĂŒr manche ist der 24. Dezember der traditionelle Besuch einer romantischen MĂ€rchenvorstellung. Die Frage ist, ob der Besucheransturm am 24.12. von den Kirchen genutzt wird, den Menschen das pure rettende Evangelium zu verkĂŒndigen und ihnen nicht nur eine romantische Stunde zu bieten. Die Kirche verkĂŒndigt kein MĂ€rchen, sondern die geschichtliche Tatsache und Einladung, dass Gott seinen Sohn in die Welt gesandt hat, um den Menschen Versöhnung und Frieden mit Gott und die Erlösung von SĂŒnde und ewigem Tod zu bringen (Joh. 3, 16). Das soll auch an jedem Sonntag im Mittelpunkt stehen.

Die Zahl der Kirchglieder ist seit 50 Jahren bestĂ€ndig rĂŒcklĂ€ufig. 1968 waren in der Bundesrepublik noch ĂŒber 90% und in der DDR noch 68% der Bevölkerung Glied einer christlichen Kirche. Heute sind es in Deutschland nur noch 57 %, in den östlichen BundeslĂ€ndern nur noch 20 – 25 %. Die Kirchen haben Millionen Kirchglieder verloren! Als Christ macht einen das betroffen, zumal von den verbliebenen 57 % ein betrĂ€chtlicher Anteil nur noch formalrechtlich Glied der Kirche ist. Man ist noch Kirchmitglied, weil man die diakonischen und karitativen Einrichtungen, wie KindergĂ€rten, KrankenhĂ€user, Altenheime und den Einsatz fĂŒr Mitmenschlichkeit unterstĂŒtzen will. Der Kernbotschaft des christlichen Glaubens, wenn sie ĂŒberhaupt gehört wird, wird nur noch gelangweilt bis skeptisch begegnet. Der sonntĂ€gliche Gottesdienstbesuch von nur 2 – 4 % der verbliebenen Kirchglieder macht das deutlich. Die dazu schon vor geraumer Zeit getroffene beschwichtigende kirchenamtliche Feststellung von einer „distanzierten Kirchenmitgliedschaft“ und einer „Individualisierung des Glaubens“ macht die Sache nicht besser.

Die wenigen noch praktizierenden Christen, die regelmĂ€ĂŸig die Gottesdienste besuchen und sich an der Bibel orientieren, sind inzwischen zu einer gesellschaftlichen Randgruppe geworden. Als solche kann sie die Gesellschaft nicht mehr mit ihren Werten prĂ€gen und sie erfĂ€hrt auch kaum noch gesellschaftspolitische RĂŒcksichtnahme. Ja, immer hĂ€ufiger werden bibel- und bekenntnistreue Christen als lĂ€stige Mahner, Spielverderber und gesellschafts-politische Bremser und Störer empfunden und zuweilen als Fundamentalisten diffamiert.

Wie reagieren die Kircheninstitutionen auf diese Entwicklung? Sicher ist der Trend maßgeblich auf eine fortgesetzte Verweltlichung und einen praktischen Materialismus der westlichen Wohlstandsgesellschaft zurĂŒckzufĂŒhren. Dennoch muss gefragt werden, ob vielleicht auch die Kirchen selbst ungewollt etwas zu diesem Schrumpfungsprozess beigetragen haben und weiter beitragen.

Vielfach wird versucht, die Gottesdienste „niederschwellig“ zu gestalten. Man will sie aus ihrer besonderen gottesdienstlichen und kirchlichen SphĂ€re in eine SphĂ€re des Alltags fĂŒhren, um neuen Besuchern etwaige Schwellen- und BerĂŒhrungsĂ€ngste zu nehmen. Auf die gottesdienstlichen Eigenheiten soll verzichtet werden. Eine ehrfurchtsvolle Haltung, Liturgie und traditionelle Kirchenlieder und -musik werden als wenig einladend und hinderlich empfunden. Etliche biblische Begriffe und Inhalte, wie SĂŒnde, Buße, Vergebung, Kreuzesopfer, Erlösung, Heiland, Weltgericht, Himmel, Hölle, Wiederkunft Christi sollen aus einladender RĂŒcksichtnahme so nicht mehr erwĂ€hnt werden. Dass die VerkĂŒndigung des Evangeliums immer verstĂ€ndlich und aktualisiert sein muss, steht außer Frage und auch gegen den Versuch neuer Formen ist grundsĂ€tzlich nichts einzuwenden. Es darf dabei aber nicht zu VerwĂ€sserung, zu Substanzverlust und zur ProfanitĂ€t des Gottesdienstes kommen. Das geschieht auch, wenn in der VerkĂŒndigung nur noch wenig auf das VerhĂ€ltnis des Menschen zu Gott, aber dafĂŒr um so mehr auf das VerhĂ€ltnis von Mensch zu Mensch abgestellt wird. Die VerkĂŒndigung darf sich nicht in Appellen mit erhobenen Zeigefinger erschöpfen, wie man sich heute in der Welt zu verhalten und zu bewegen hat. Und wenn man auf der moralisch besseren Seite sein will, mĂŒsse man dem nachkommen.

All diese misslichen Versuche haben nicht zu mehr Gottesdienstbesuchen, sondern zur Verflachung und zum Substanzverlust gefĂŒhrt. Gottes Verheißung des Heils und des Glaubens liegt in und auf seinem verkĂŒndeten Wort und nicht auf menschlichen Konzepten. Die Kirche hat sich in gewissem Maße selbst sĂ€kularisiert.

Mitunter hat sich bei kirchlichen AmtstrĂ€gern auch eine eigentĂŒmliche Verweichlichung der Sprache und des Auftretens eingestellt. Damit werden im Alltags- und Berufsleben stehende nĂŒchterne Menschen, besonders MĂ€nner, aber nicht erreicht. Viele von ihnen sehen im Gottesdienst nur noch eine „Veranstaltung fĂŒr enthusiastische Frauen, Kinder und rĂŒhrselige Alte“. Ein Blick auf die Gottesdienstbesucher an einem normalen Sonntag scheint das oftmals zu bestĂ€tigen.

Um keinen Ansehensverlust zu erleiden und keinen Unmut zu erzeugen und dadurch vielleicht noch mehr Kirchglieder zu verlieren, bemĂŒhen sich insbesondere die Kirchen der EKD weitgehend dem gesellschaftspolitischen Trend zu folgen oder ihn schweigend zu tolerieren. Das betrifft die öffentlich unwidersprochene Hinnahme von Kritik an den Heilstatsachen und biblischen Aussagen, die Relativierung der Wahrheit Jesu Christi, die Empathie fĂŒr andere Religionen und das Mitmachen bei der Gender-Ideologie, der Segnungen und Trauungen von Gleichgeschlechtlichen sowie das weitgehend öffentliche Schweigen zu den jĂ€hrlich hunderttausenden SchwangerschaftsabbrĂŒchen.

DarĂŒber hinaus haben sich die EKD-Kirchen personell und programmatisch auch parteipolitisch recht einseitig links-grĂŒn positioniert. Der derzeitige EKD-Ratsvorsitzende Bischof Heinrich Bedford-Strohm ist SPD-Mitglied, er lĂ€sst seine Mitgliedschaft nur wĂ€hrend seiner Bischofsfunktion ruhen, bei seinem VorgĂ€nger Bischof Wolfgang Huber war es genauso. Überproportional viele Superintendenten und Pastoren sind SPD-Mitglieder. Es muss gefragt werden, ob der Hirte und Seelsorger einer Gemeinde und Kirche sich aus grundsĂ€tzlich theologischer und besonders seelsorglicher Sicht ĂŒberhaupt parteipolitisch engagieren sollte. Zum Streben nach politischem Einfluss und Macht ist er nicht zum Hirten berufen (ordiniert) worden. Auch in den Leitungsgremien und der Synode der EKD und des Ev. Kirchentages sind vornehmlich Mitglieder der SPD und GrĂŒnen tonangebend. Entsprechend diesem kirchen-politischen Mainstream und der persönlichen politischen Verflechtungen schließt man sich vielen links-grĂŒnen Initiativen und Demonstrationen unkritisch an.

Andere Positionen werden mehr oder weniger moralisch abqualifiziert. Wer auf der moralisch besseren Seite stehen will, muss links-grĂŒne Positionen teilen, getreu dem Satz des reformierten Theologen Karl Barth: „Ein wirklicher Christ muss Sozialist werden.“ Bei solcher einseitigen Positionierung fĂŒhlen sich Konservativ-BĂŒrgerliche nicht mehr willkommen und nehmen innerlich und Ă€ußerlich Abstand von der Kircheninstitution. Eine gesellschaftliche Schicht verabschiedet sich, die lange eine tragende Konstante der Kirche war. Durch eine gesellschaftliche Einseitigkeit hatte die Kirche schon zum Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts ĂŒberwiegend die Arbeiterschaft verloren.

Doch wer aus politischen GrĂŒnden die Gottesdienste und Kirchen verlĂ€sst, wird geistlich heimatlos. Nur Wenige suchen in der Umgebung nach einer noch bibeltreuen und parteipolitisch neutralen Gemeinde, einer Freikirche oder freien Gemeinde. Nach einem Austritt gibt es dann in der Familie keine Taufen, keine Konfirmationen, keine Trauungen und keine christlichen Bestattungen mehr und die christlichen Festtage ohne Gottesdienst verlieren ihre eigentliche Bedeutung. Aufgrund eines gefĂŒllten Alltags verbleibt dann meistens auch ein regelmĂ€ĂŸiges persönliches Befassen mit der Bibel und dem Glauben. Mit dem Verlassen der Gottesdienste „verdunstet“ der persönliche Glaube immer mehr. Schon im HebrĂ€erbrief wird gewarnt, den Gottesdiensten und der Gemeinde fernzubleiben (Hebr. 10, 25). Der Glaube wird genĂ€hrt, erhalten und gestĂ€rkt durch das Hören des Wortes Gottes und aus der Gebets- und Abendmahlsgemeinschaft (Apg. 2, 42; Röm. 10, 17). Christen sind zur gottesdienstlichen Gemeinschaft berufen. Auf einem selbst gewĂ€hlten vereinzelten persönlichen Glauben liegt keine Verheißung, sondern geistliche Einsamkeit und Gefahr.

Die Krise der Schrumpfung wird von den Volkskirchen dadurch ĂŒberspielt, dass sie seit 1919 in einem verfassungsrechtlichen und staatsvertraglichen KooperationsverhĂ€ltnis zum Staat stehen, das ihnen öffentlichen Status und einen gewissen Einfluss garantiert. Und mit der guten Wirtschaftslage sprudeln die staatlichen Steuern und damit auch die vom Staat eingezogenen Kirchensteuern in beachtlicher und steigender Höhe. Damit können die verfasste Kircheninstitutionen bei Zahlung guter GehĂ€lter aufrechterhalten werden. Doch weshalb werden die ĂŒppigen finanziellen Einnahmen nicht zuerst fĂŒr eine offensive öffentliche VerkĂŒndigung des Evangeliums ĂŒber alle Medien eingesetzt? FĂŒrchtet man den Widerstand des gesellschaftspolitischen Zeitgeistes oder ist man sich seiner Botschaft des Evangeliums selbst nicht mehr so sicher, oder ist es nur satte Bequemlichkeit und TrĂ€gheit?

Was sagen wir vom Glauben her, zu diesen schmerzlichen Entwicklungen? Trotz diesem schmerzlichen Trend, trotz aller WiderstĂ€nde, wollen und sollen wir getreu dem Befehl unseres Herrn und Heilands Jesus Christus sein Evangelium von der Vergebung unser SĂŒnden und unserer Erlösung zum ewigen Leben unverfĂ€lscht weitersagen (Mt. 28, 18-20, 1. Kor. 4, 1-2). Denn Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zum ewigen Leben gerettet werden (1.Tim. 2, 4).

Und Jesus verheißt uns tröstend, dass die Pforten der Hölle die Gemeinde / Kirche nicht ĂŒberwĂ€ltigen werden (Mt. 16, 18) und spricht (Mk. 13, 31): „Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen“ und (Mt. 28, 19): „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“. Der Herr wird also seine Botschaft und Kirche erhalten bis er am Ende der Zeit und Welt wiederkommt! Damit haben aber keinesfalls die heute existierenden Ă€ußeren Kircheninstitutionen eine Ewigkeitsgarantie.

Und wir haben auch nicht die Verheißung, dass unsere Welt, unser Volk, unsere Gesellschaft zum Ende hin immer christlicher werden wĂŒrde. Nein, Jesus sagt uns das Gegenteil, dass in der letzten Zeit verfĂŒhrerische Lehren und falsche Propheten kommen und Viele vom Glauben abfallen werden. Und, dass Leiden und Verfolgungen ĂŒber die Christen kommen werden (Mt. 24; Mk. 13; Lk. 21). Zugleich verheißt uns Jesus aber auch, dass er mit seinem Geist immer bei uns als den Seinen ist und uns ins ewige Leben fĂŒhren wird. Der Herr Christus ist seinen Verheißungen treu, darauf lasst uns vertrauen.

Detlef Löhde, 14. 12. 2018

Quelle: https://www.biblisch-lutherisch.de/welt-kirche/kirche-schrumpft/

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 17. Dezember 2018 um 12:18 und abgelegt unter Kirche, Theologie.