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Wach auf, wach auf, du deutsches Land (1561, ungekĂĽrzt)

Dienstag 3. Oktober 2017 von Johann Walter (1496-1570)


Johann Walter (1496-1570)

Wach auf, wach auf, du deutsches Land
Originalfassung von 1561

1. Wach auf, wach auf, du deutsches Land!
Du hast genug geschlafen,
bedenk, was Gott an dich gewandt,
wozu er dich erschaffen.
Bedenk, was Gott dir hat gesandt
und dir vertraut sein höchstes Pfand,
drum magst du wohl aufwachen!

2. Gott hat dich, Deutschland, hoch geehrt
mit seinem Wort der Gnaden.
Ein groĂźes Licht dir auch beschert
und hat dich lassen laden
zu seinem Reich, welchs ewig ist,
dazu du denn geladen bist,
will heilen deinen Schaden.

3. Gott hat dir Christum, seinen Sohn,
die Wahrheit und das Leben,
sein liebes Evangelium
aus lauter Gnad gegeben;
denn Christus ist allein der Mann,
der fĂĽr der Welt SĂĽnd gnug getan,
kein Werk hilft sonst daneben.

4. Du lagst zuvor im Finstern gar
mit Blindheit hart gekränket.
Bei dir kein Licht der Wahrheit war.
Dein Herz war gar gelenket
zur Lüge und Abgötterei,
falsch Gottesdienst und Heuchelei
ins Teufels Reich versenket.

5. Du hast zuvor den Antichrist,
sein Teufels Lehr gehöret.
Und seine LĂĽgen, Stank und Mist
als göttlich Ding geehret.
Du gabst ihm noch als deinem Herrn
dein Leib und Gut auch willig gern,
der keins dich nicht beschweret.

6. Von solcher LĂĽgen falschem Schein
hat Gott dein Herz getrennet.
Durch Luther, den Propheten dein,
ganz Deutschland solchs bekennet.
Hat dich gezogen gnädiglich
zu seinem Reich gar väterlich.
wohl dem, der’s recht erkennet.

7. FĂĽr solche Gnad und GĂĽte groĂź
sollst du Gott billig danken.
Nicht laufen aus sei’m Gnaden SchoĂź
von seinem Wort nicht wanken!
Dich halten wie sein Wort dich lehrt.
Dadurch wird Gottes Reich gemehrt,
geholfen auch den Kranken.

8. Du solltest bringen gute Frucht,
so du rechtgläubig wärest.
In Lieb und Treu, in Scham und Zucht,
wie du solch’s selbst begehrest.
In Gottes Furcht dich halten fein
und suchen Gottes Ehr allein,
dass du niemand beschwerest.

9. Ob du solchs tust, das ist am Tag,
darf nicht erweiset werden.
Es zeugt jetzt die gemeine Klag‘,
dass ärger nie auf Erden,
auch weil die Welt gestanden ist,
noch nie gewest solch TĂĽck‘ und List,
in Worten und Gebärden.

10. Es ist nicht auszusprechen mehr
die Bosheit, SĂĽnd und Schande,
die grausam Gottes Läst’rung schwer,
so jetzt in deutschem Lande.
Solch SĂĽnde ist so hoch gebracht,
dass auch dafĂĽr der Himmel kracht,
erschĂĽttert seine Bande.

11. Gott hat sein Wort gegeben drum,
dass wir uns zu ihm wenden.
So kehrt Deutschland das Blättlein um,
tut seinen Namen schänden.
ist ärger worden denn zuvor,
all SĂĽnde schwebt jetzt hoch empor.
Drum wird Gott Strafen senden!

12. Der Wucher, Geiz, BetrĂĽgerei
wird jetzt als Kunst gelobet,
Ehebruch, Unzucht und Völlerei,
wird auch noch wohl begabet.
Falsch Tück und List, Verräterei,
Untreu, Falschheit, groĂź BĂĽberei
ihr viel jetzt hoch erhebet.

13. Die Jugend wird gezogen jetzt
in Mutwill frech gewähnet,
dass sie in Schalkheit so verschmitzt,
was ehrlich ist, verhöhnet.
Ihr Kleidung muss fein bĂĽbisch sein.
Das Weibsvolk gibt sehr bösen Schein,
mit Zierlichkeit beschönet.

14. Wer jetzt nicht Pluderhosen hat,
die schier zur Erde hangen
mit Zotten wie des Teufels Wat,
der kann nicht höflich prangen.
Es ist solchs so ein schnöde Tracht,
der Teufel hat’s gewiss erdacht,
wird selbst sein also gangen.

15. Denn welcher Christ solch Kleid anblickt,
der wird vor Trauer klagen.
Sein Herz vor Gottes Zorn erschrickt.
Wird bei ihm selbst oft sagen:
Ach Gott, Deutschland, das dringet dich!
Das du musst straffen härtiglich
mit schweren groĂźen Plagen.

16. All Ständ‘ sind jetzt so gar verderbt.
Will niemand sich erkennen
mit gutem Schein, doch so gefärbt,
tun all sich Christen nennen.
Und wird der göttlich Name teu’r
zur SĂĽnd‘ gebraucht so ungeheu’r,
Deutschland wird sich abrennen.

17. Was vormals Unrecht, SĂĽnd‘ und Schand‘,
das tut man jetzt gut preisen.
Was vormals Blei und Zinn genannt,
das heiĂźt man jetzt hart Eisen.
All Ding‘ han sich so gar verkehrt.
Unrecht hat sich sehr hoch gemehrt.
Solch’s tut die Tat erweisen.

18. Die Wahrheit wird jetzt unterdrĂĽckt,
will niemand Wahrheit hören;
die LĂĽge wird gar fein geschmĂĽckt,
man hilft ihr oft mit Schwören;
dadurch wird Gottes Wort veracht’,
die Wahrheit höhnisch auch verlacht,
die LĂĽge tut man ehren.

19. Dieweil denn Deutschland gar nicht will
an Gottes Wort sich kehren
und häuft der Sünden täglich viel,
es lässt ihm niemand wehren,
so wird auch Gott ein scharfe Rut,
viel Strafen senden wie ein Flut
und Deutschland mores lehren.

20. Wer Augen hätt‘ und sehen könnt,
der wĂĽrde freilich spĂĽren
an Himmel, Erde, Luft und Wind
die Gottesstrafe rĂĽhren.
Viel Zeichen lässt geschehen Gott.
FĂĽrwahr er was im Sinne hat:
Will uns zur Busse fĂĽhren.

21. Martinus Luther, Gottes Mann,
hat Deutschland oft vermahnet.
Es sollt von SĂĽnden abelan,
ein groĂźe Straf ihm ahnet.
Gott wĂĽrd an Deutschland strafen hart
den Undank an seim Gnadenwort
keins Undanks Gott sich schonet.

22. Wach auf, Deutschland, ’s ist hohe Zeit,
du wirst sonst ĂĽbereilet,
die Straf dir auf dem Halse leit,
ob sich’s gleich jetzt verweilet.
FĂĽrwahr, die Axt ist angesetzt
und auch zum Hieb sehr scharf gewetzt,
was gilt’s, ob sie dein fehlet.

23. Gott warnet täglich für und für,
das zeugen seine Zeichen,
denn Gottes Straf ist vor der TĂĽr;
Deutschland, lass dich erweichen,
tu rechte BuĂźe in der Zeit,
weil Gott dir noch sein Gnad anbeut
und tut sein Hand dir reichen.

24. Das helfe Gott uns allen gleich,
dass wir von SĂĽnden lassen,
und fĂĽhre uns zu seinem Reich,
dass wir das Unrecht hassen.
Herr Jesu Christe, hilf uns nu’
und gib uns deinen Geist dazu,
dass wir dein Warnung fassen.

25. O Gott gib, dass der Name dein
durch falsche Lehr nicht g’schändet!
Von deinem Wort und Lehre rein
nicht werden abgewendet.
Dein Wille dämpf all‘ Menschen Tand,
so von der Wahrheit abgewandt,
durch Teufels List verblendet.

26. Amen spricht, der dies Lied gemacht.
Gott tröste, die Not leiden,
und stĂĽrze bald der LĂĽgen Pracht,
so Wahrheit stets tut neiden,
und mach zuschand, was Unrecht ist.
Stärk unsern Glauben, Jesu Christ,
wenn wir von hinnen scheiden.

 

 

 

 

 

 

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Dienstag 3. Oktober 2017 um 10:52 und abgelegt unter Gemeinde.