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Predigt: Ein Geschenk an die Auserwählten

Dienstag 1. April 2008 von Erzbischof Janis Vanags


Erzbischof Janis Vanags

Ein Geschenk an die Auserwählten
Predigt am Ostersonntag, 23. März 2008 im Dom zu Riga

In Christus Geliebte, an diesem Morgen m√∂chte ich euch mit einem Aufruf des gro√üen apostolischen Vaters und Kirchenlehrers Johannes Chrysostomus zum heiligen Osterfest gr√ľ√üen. Ich habe das schon in fr√ľheren Jahren getan, doch beschreibt er so sch√∂n und pr√§zise das Wesen des Osterfestes, da√ü man sich darin immer wieder von neuem hineinh√∂ren kann.

Wer tugendhaft ist und Gott liebt, der erfreue sich dieses lichten Festes.

Wer ein kluger Knecht ist, der erf√ľlle sich mit der Freude des Herrn.

Wer vom Fasten m√ľde geworden ist, der empfange jetzt seinen Ehrenpreis

Wer von der ersten Stunde an gearbeitet hat, der empfange den ihm zukommenden Lohn.

Wer erst nach der sechsten Stunde eingetroffen ist, der f√ľrchte sich nicht und trete ohne zu zweifeln heran.

Wer erst nach der elften Stunde eingetroffen ist, der mache sich keine Sorgen darum, er sich versp√§tet h√§tte, denn der freigiebige Herr empf√§ngt den Letzten ebenso wie den Ersten und g√∂nnt dem nach der elften Stunde Gekommenen die Ruhe ebenso wie dem, der seit der ersten Stunde gearbeitet hat, er erbarmt sich des Letzten und sorgt f√ľr den Ersten, er entlohnt den Ersten und beschenkt den Letzten. Deshalb tretet alle vor Gott ‚Äď die Einen wie die Anderen ‚Äď und empfanget Euern Lohn.

Reiche und Arme, jauchzet miteinander!

Enthaltsame und Nachlässige, ehrt diesen Tag!

Fastende und Nichtfastende, freut euch heute!

Das Mahl ist bereitet ‚Äď tut euch alle g√ľtlich daran! Gro√ü ist das Lamm, und niemand gehe hungrig von dannen! Nutzet alle den Reichtum des Wohlwollens!

Niemand weine wegen seiner Armut, denn f√ľr alle ist das Reich gekommen!

Niemand weine √ľber seine S√ľndhaftigkeit, denn die Vergebung leuchtet vom Grabe Christi entgegen.

Niemand f√ľrchte sich vor dem Tod, denn von dem hat uns der Tod des Erretters befreit! Er ist niedergefahren zur H√∂lle und hat die H√∂lle gefangen gesetzt. Das hat schon Jesaja vorausgesehen, der ausrief: ‚ÄěGr√§me dich, H√∂lle!‚Äú

Der Tod nahm den Leib, aber fand Gott, er nahm die Erde, aber begegnete dem Himmel, er nahm das, was er sah, aber stieß auf das, was er nicht sah.

‚ÄěTod, wo ist dein Stachel? H√∂lle, wo ist dein Sieg?‚Äú (1. Korinther 15,55)

Christus ist auferstanden und du bist gest√ľrzt!

Christus ist auferstanden und die Dämonen sind gefallen!

Christus ist auferstanden und die Engel freuen sich!

Christus ist auferstanden und im Grabe liegt kein Toter!

Christus, vom Tode auferstanden, ist zum Erstgeborenen der Toten geworden. Ihm sei Lob und das Reich von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen!

Christus ist auferstanden! Er hat den Tod besiegt und hat der H√∂lle ihren Anspruch auf uns entrissen. In die Welt, welche sich auf das Ende zu bewegt und dem Tod verfallen ist, hat Christus die Unsterblichkeit und das ewige Leben gebracht. Und, was das wunderbarste dabei ist ‚Äď er hat das JEDEM zug√§nglich gemacht, der es sich nur w√ľnscht. Wie das Johannes Chrysostomus sagte: Das Mahl ist bereitet ‚Äď tut euch alle g√ľtlich daran! Das Lamm ist gro√ü ‚Äď niemand gehe hungrig von dannen!

Daher feiert das auserw√§hlte Volk Gottes ‚Äď die Kirche Christi – das Osterfest als sein allerh√∂chstes Fest. Vielleicht erscheint das Wort vom auserw√§hlten Volk anma√üend. Dennoch gibt es einen guten Grund, Euch, die ihr heute morgen wirklich die Auferstehung Christi feiert, als Auserw√§hlte zu bezeichnen.

Noch kurz vor Ostern konnte ich in verschiedenen Medien hören und lesen, daß Umfragen ergeben hätten, daß nur etwa der zehnte Teil der Einwohner Lettlands Ostern als christliches Fest feierte. Die Übrigen feierten es nach anderen Traditionen oder nutzten es einfach als arbeitsfreie Zeit. Dabei hatte ich den Eindruck, daß man diese Meldung mit einem zufriedenen oder freudigen Unterton wiedergab.

Das mag uns vielleicht im ersten Augenblick irritieren ‚Äď nur so wenige? Es ist nicht angenehm, sich als Minderheit zu f√ľhlen. Aber entspricht das nicht mit den Worten Christi? Er hat doch das Gleichnis vom K√∂nig erz√§hlt, der die G√§ste zum Hochzeitsmahl seines Sohnes geladen hatte, aber diese sich entschuldigten und nicht kommen wollten. Dieses Gleichnis beschlie√üt Jesus mit den etwa geheimnisvollen Worten: ‚ÄěViele sind berufen, aber wenige sind auserw√§hlt.‚Äú Pfarrer vermeiden es oft, in ihren Predigten auf diese Worte einzugehen. Das Thema der Auserw√§hlung, da√ü nicht alle durch die enge Pforte in den Himmel eingehen w√ľrden, da√ü die Mehrheit den breiten Weg bevorzugt, der von dieser Pforte wegf√ľhrt ‚Äď das ist eine empfindliche Frage. Es ist schon sehr unbequem, dar√ľber zu reden.

Aber das, was geheimnisvoll oder unbequem erscheint, macht das Leben deutlich, Christus ist auferstanden! Das Osterlamm ist zubereitet und wird an der Tafel angeboten. Viele sind berufen. Mit den Worten aus dem Munde des Chrysostomus spricht Gott selbst: ‚ÄěKommt alle! Reiche und Arme, Enthaltsame und Nachl√§ssige, Fastende und Nichtfastende, S√ľnder und Heilige! Das habe ich f√ľr euch getan! Christus, das unschuldige Osterlamm, wurde zur Ausl√∂sung eurer S√ľnden geschlachtet. Die Vergebung leuchtet vom Grabe Christi entgegen. Seine Auferstehung ist eure Unsterblichkeit!‚Äú Das ist die Einladung Gottes an alle: AN ALLE! Viele sind berufen, aber wenige sind auserw√§hlt. Neun von zehn geladenen G√§sten entschuldigen sich im Gleichnis Jesu:

Ich habe Ländereien und Vieh gekauft. ich habe ein Geschäft, und meine Arbeit hält mich ab.

Ich habe eine Frau genommen ‚Äď ich bin eine neue Beziehung eingegangen, und deswegen ist es nicht der rechte Augenblick, sich Gott anzun√§hern

Ich habe keine Zeit, die mir das erlaubt, meinen Gott kann ich auch zu Hause anrufen. Und, ehrlich gesagt, interessiert es mich √ľberhaupt nicht.

Jesus kam, um jeden Menschen zu suchen, und gab sein Leben f√ľr alle, aber er sah bereits voraus, da√ü es so sein w√ľrde, wie die Umfrage es bekundete: Viele sind berufen. Das Leben macht es deutlich.

Doch ihr alle, die dem Ruf Gottes folgten, ihr, die ihr mit Freude die Auferstehung unseres Herrn feiert ‚Äď ihr seid wahrhaftig die Auserw√§hlten! Gott hat euch ein wahrhaftig k√∂nigliches Geschenk √ľbergeben! Ihr k√∂nnt wie Kinder in fr√∂hlicher Ungeduld das bunte Papier aufschn√ľren, um zu sehen, was das Paket enth√§lt.

Was hat uns Gott zu Ostern geschenkt? Denken wir dar√ľber nach. Jeder von uns hat heute nach dem Aufstehen seinen Mund ausgesp√ľlt und seine Haare gek√§mmt. Wir schauten in den Spiegel. Was haben wir dort entdeckt? Von mir kann ich sagen, da√ü mich an jedem Morgen mein Hauptproblem anschaut. Ich entdecke die Spuren, die der Tod in meinem Gesicht hinterlassen hat. An jedem Morgen bin ich ihm um eine Nacht n√§her ger√ľckt.

Wir k√∂nnen versuchen, diese Spuren zu vertuschen und zu gl√§tten. Damit besch√§ftigt sich eine ganze Industrie. Vor kurzem sah ich in einem Journal ein Foto, auf dem eine Frau ihre Falten mit einer Maske aus 24-kar√§tigem Gold gl√§ttet. Es ist wunderbar, da√ü es diese M√∂glichkeiten gibt. Jedoch ist es wie eine Flucht nach oben auf abw√§rts f√ľhrenden Stufen. Den nicht aufzuhaltenden Kommenden – den Tod ‚Äď wird sie nicht zur√ľckdr√§ngen k√∂nnen.

Ich erinnere mich, wie mein Vater mir als Teenager einmal eine Schachuhr in das Zimmer stellte, damit ich irgendwo auf die Zeit blicken k√∂nnte. Doch diese Uhr ging sehr laut. Mir schien es, da√ü mit jedem Ticken eine Sekunde meines Lebens abgeschlagen w√ľrde. Um zw√∂lf Uhr kam eine kleine rote Fahne aus der Uhr heraus. Als der Zeiger sich in einer Stunde einmal um sich selbst gedreht hatte, fiel die kleine Fahne unerbittlich, fast schicksalhaft herunter, als wollte sie damit sagen ‚Äď das war es! Die Zeit ist verflossen. Lange konnte ich das nicht aushalten und hielt die Uhr an.

Wir k√∂nnen eine Uhr anhalten, aber die Zeit k√∂nnen wir nicht aufhalten. Wir k√∂nnen es uns angew√∂hnen, √ľber unseren Tod nicht nachzudenken. Man rechnet ihn zu den wenig sensiblen und zu den unwillkommenen Gespr√§chsthemen. Ich wei√ü, da√ü manche von euch sich in diesem Augenblick gest√∂rt f√ľhlen – was redet er an diesem Festtage vom Tod!? Doch auch wenn wir den Tod vergessen, so werden wir ihn auch nicht auszul√∂schen verm√∂gen. Und sterben bedeutet, wirklich alles zu verlieren. Das ist unser Hauptproblem, an das uns unser Spiegel auch heute fr√ľh erinnert hat.

Und deshalb ist Gottes Ostergeschenk an Seine Auserw√§hlten wahrhaft k√∂niglich. Als der Erzengel Gabriel Maria verk√ľndete, da√ü sie die Mutter des Heilands der Welt sein w√ľrde, fegte er alle deren Fragen und Zweifel mit einem Satz beiseite: ‚ÄěBei Gott ist kein Ding unm√∂glich.‚Äú Wie auch unsere Fragen sein m√∂gen, wie unaufhaltsam auch die Zeit und wie unabwendbar der Tod sein mag, bei Gott ist kein Ding unm√∂glich.

Es gibt nichts anderes, was die Worte Gabriels so bestätigt wie die Auferstehung Christi. Gott ist der Vater, vor dessen Augen Sein Sohn gekreuzigt wird. Kann es eine größere Ausweglosigkeit geben als diese? Wenn es nur die Ausweglosigkeit des Sohnes wäre, der am Kreuz stirbt und vor dessen Grab ein gewaltiger Stein hingewälzt wird. Unser Verstand, Empfinden und unserer Erfahrung sagen uns, daß hier nichts mehr repariert werden kann.

Doch Gott l√∂st diese Situation auf einem v√∂llig anderen, f√ľr uns unzug√§nglichen Niveau. Er entrei√üt dem Tod den Sieg. Er beh√§lt sich das letzte Wort vor, und die Bedingungen f√ľr unsere Existenz werden durch die Auferstehung bestimmt. In Seiner allm√§chtigen Kraft l√∂st er nicht nur Seine eigene Ausweglosigkeit, sondern auch unser gr√∂√ütes Problem ‚Äď den Tod. Die Auferstehung wird auch zu unserer Realit√§t.

In der Heiligen Schrift lesen wir: ‚ÄěSo gibt es nun keine Verdammnis f√ľr die, die in Christus Jesus sind. Wenn wir Ihm im Tode gleich geworden sind, dann werden wir Ihm auch in der Auferstehung gleich sein. Wer an Ihn glaubt, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern ist vom Tod in das Leben eingegangen.‚Äú

Der Apostel Paulus weist auch auf den gro√üen Unterschied zwischen dem Leben und dem Tod hin. Der S√ľnde Sold ist der Tod; die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserm Herrn durch Seine Liebe und Seinen stellvertretenden Tod. Er starb am Kreuz unschuldig unseren Tod, ohne da√ü Er den Tod verdient h√§tte. Den Tod f√ľr unsere S√ľnden erhalten wir auf jeden Fall, doch das ewige Leben dann, wenn wir mit Christus vereint sind ‚Äď im Glauben und im Sakrament der Taufe. Durch Seine Auferstehung aus dem Grabe befreite uns Gott auch vom ewigen Tod. So ruft der Apostel Paulus aus: ‚ÄěErgreifet das ewige Leben, zu dem auch ihr berufen seid.‚Äú Alle sind berufen. Wenn wir nach der Gerechtigkeit messen, dann sind es nur sehr wenige, die wir den Auserw√§hlten zuordnen k√∂nnen. Aber f√ľr die Auserw√§hlten ist das Geschenk Gottes wirklich k√∂niglich. ‚ÄěGott wird abwischen alle Tr√§nen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.‚Äú So hei√üt es am Ende der Bibel. Du kannst zu den Auserw√§hlten geh√∂ren. Gott, bei dem kein Ding unm√∂glich ist, ist kein unerreichbares Ziel oder unergr√ľndbares Prinzip, sondern unser uns liebender Vater ist uns Menschen zug√§nglicher als Gott, der es uns geschenkt hat, Ihn zu suchen. Gott ist niemandem von uns fern. Fliehe nicht und verstecke dich nicht vor Ihm, so wird Er dich finden. Wenn ihr euch Ihm nahet, dann nahet er sich euch. ‚ÄěWer da glaubt und getauft ist, der wird selig.‚Äú spricht Christus. Durch den Glauben an den Auferstandenen und durch das Bekenntnis zu Christus als unseren Herrn sind wir Kinder Gottes, dem alles geh√∂rt.

Wenn eine weise Seele das begriffen hat, wird sie sich nicht mehr dar√ľber beklagen, da√ü das Leben kurz sei, und der Realit√§t damit ausweichen wollen, da√ü sie die Uhr anh√§lt. Ein weiser Mensch zittert nicht vor dem leeren Wahn und allem B√∂sen der Zeit und stimmt auch nicht trotzig das Lied an, da√ü das Leben bitter, aber das Bier s√ľ√ü sei. Ein weiser Mensch ist auf der Suche nach den Werten Gottes. Je wertvoller ein Leben gewesen ist, umso ruhiger, ohne Tr√§nen und ohne Furcht, trennt sich ein weiser Mensch von ihm im Wissen darum, da√ü der Tod die Tr√§nen abtrocknet und von den Leiden dieser Welt befreit und zur Auferstehung und zum ewigen Leben f√ľhrt. Am meisten f√ľrchten sich diejenigen vor dem Tod, in deren Leben es keine Werte gegeben hat.

Es gibt kein schlimmeres Ungl√ľck f√ľr einen Menschen als gottlos zu sein. Ein solcher sieht im Leben keine Rechtfertigung und im Tode keinen Sinn, .und m√∂chte sich an den weltlichen Nichtigkeiten berauschen, um die Ewigkeit zu vergessen. Doch die Ewigkeit l√§sst es nicht zu, da√ü man sie vergisst. Sie kommt und l√§sst sich nicht aufhalten. Wirklich – wir sind Auserw√§hlte, wenn wir sie im Vertrauen auf die Auferstehung erwarten und dabei sprechen k√∂nnen: ‚ÄěDennoch bleibe ich stets an dir; du h√§ltst mich bei meiner rechten Hand; du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich endlich mit Ehren an. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nicht nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.‚Äú

Hier mu√ü ich einen Augeblick innehalten und an ein Gedicht von Imants Ziedonis denken, das mich oft zum Nachdenken angeregt hat. Dort ging es um einen Menschen, der in der Finsternis der Nacht unter dem Sternenhimmel von einer heftigen Einsamkeit √ľberkommen wurde ‚Äěwie ein von F√ľchsen noch nicht get√∂tetes Pferd, das niemanden hat, dem es seine unendliche Angst anvertrauen k√∂nnte.‚Äú

Ich habe den Eindruck, da√ü unser genialer Dichter hier wieder auf zutreffende Weise etwas Wahres ausgesprochen hat, was wir vielleicht auch schon einmal selbst empfunden haben. Die Ewigkeit ist keine eindeutige Angelegenheit. Vor der Endlosigkeit kann man wirklich Angst bekommen. Ewige Seligkeit zusammen mit dem freundlichen und liebenden Gott ist eine sehr beruhigende Vorstellung. Doch die Ewigkeit mit allem B√∂sen, Unfrieden, mit aller Angst und allem Leid, das in dieser Welt und auch von mir verursacht wurde kann uns bis zu unserem Tod Angst machen. Ein Mensch k√∂nnte sich mit dem Ende des Daseins, besonders in der zweiten H√§lfte seines Lebens, tr√∂sten, wenn die Last, die er zu tragen hat, schwer geworden ist. Viele w√§ren damit zufrieden, wenn sie ihr Leben noch bunter und interessanter verbringen und dann einfach verl√∂schen k√∂nnten ‚Äď wie ein Licht, dem pl√∂tzlich der Strom abgeschaltet wird.

Doch einen solchen Schalter gibt es nicht. Gott hat uns in der Bibel offenbart, da√ü wir zu Seinem Ebenbild und Gleichnis geschaffen worden sind ‚Äď als ewige Wesen. In den Menschen hat er verschiedene Gaben investiert, doch eine F√§higkeit hat kein einziger Mensch. Wir haben nicht die F√§higkeit, gar nicht zu existieren.

Wenn die Bibel vom Leben spricht, dann denkt sie nat√ľrlich nicht nur an das leibliche Leben auf dieser Welt, sondern sie gibt auch Zeugnis von dessen Fortsetzung ‚Äď vom ewigen, nicht endenden Leben im Frieden, in der Seligkeit, in Eintracht mit Gott und sich selbst. Wenn die Bibel sagt, da√ü der Tod der Sold der S√ľnde sei, denkt sie auch nicht nur an den leiblichen Tod und das Ende des Lebens auf der Erde. Die Bibel spricht davon, wo der Mensch seine Ewigkeit verbringen wird. Die Ewigkeit h√∂rt nie auf. Gerade deshalb kann uns die Endlosigkeit, der wir nicht entrinnen k√∂nnen, sowohl ermutigen als auch erschrecken‚Ķ

Wer darf den Berg des Herrn besteigen? Wer wird an Seiner heiligen St√§tte stehen? Der unbefleckte H√§nde und ein reines Herz hat, dessen Sinn nicht nach nichtigen Dingen steht und der nicht mit List einen Meineid schw√∂rt. Das alles wird in der Heiligen Schrift bestimmt. Betrachten wir uns ganz n√ľchtern. So sind wir nicht. Mit der Bagage, die wir mitschleppen sind uns die Pforten des Himmels zu eng. Es gibt Dinge in unserem Leben, die wir uns nicht einmal selbst eingestehen m√∂chten. Wir w√ľrden uns ihrer unendlich sch√§men, wenn sie jemand erfahren w√ľrde.. Aber wie sollen wir dann vor Christus treten, der nicht nur alles wei√ü, sondern auch um unserer S√ľnden willen gefoltert und get√∂tet wurde? Wie wagen wir es, an Ihn heranzutreten? Was wird Er mit uns tun?

In dem sehr bekannten Roman Quo vadis √ľber die ersten Christen zur Zeit Neros spricht der Apostel Petrus mit einem Griechen. Dieser bedauernswerte Mensch hatte in seinem Leben viel betrogen, gelogen, gestohlen und andere verraten. Als er schlie√ülich die Menschen erblickte, die er verraten hatte, und die dann Nero zum Erg√∂tzen gefoltert und verbrannt wurden, √ľbermannte sogar seine irdische Seele das Grauen. Doch der Apostel f√ľhrte ihn an das Ufer eines Gew√§ssers und lie√ü ihn vom Ufer aus Kieselsteine in das Gew√§sser werfen. Kannst du mit diesen Kieselsteinen das Meer zusch√ľtten? M√∂gen die Kieselstein noch so gro√ü sein, die du hineinwirfst, sie verschwinden in der Tiefe, als h√§tte es sie nie gegeben. So ist es mit der Vergebung Christi, Es gibt keine S√ľnde, die Christus nicht vergeben m√∂chte.

Diese Vorstellung k√∂nnen wir manches Mal nur schwer akzeptieren. Kann man Stalin vergeben? Kann Hitler in den Himmel kommen? Kann Gott den Kinderm√∂rdern von Gulbene vergeben? Werden alle Gewaltt√§ter oder alle, die uns B√∂ses angetan haben, die von Rechts wegen in der H√∂lle schmoren m√ľssten, Gottes Vergebung empfangen? Das erscheint uns falsch und ungerecht.

Doch sollten wir auf keinen Menschen von oben herab blicken. Es gibt in der ganzen Welt keine S√ľnde, die wir in einer bestimmten Lage nicht auch begehen k√∂nnten. Und wenn wir sie nicht begangen haben, dann k√∂nnen wir dankbar sein, da√ü uns das erspart blieb.

Viel wichtiger ist es, uns bewu√üt zu machen. da√ü es keine S√ľnde gibt, die Gott uns nicht vergeben wollte oder k√∂nnte. Die Liebe, Gro√üherzigkeit Christi und dessen Macht, zu vergeben, ist wirklich unfa√übar und nicht zu messen. Sei es, was es will, was unser Gewissen

quält, Er hat es bereits am Kreuz mit Seinem Tod erkauft, ausgelöst und durch Seine Auferstehung besiegt. Die Vergebung ist schon da. Du brauchst nur Ihn um Vergebung zu bitten und sie im Glauben von Ihm zu empfangen.

Wahrhaft k√∂niglich ist das Ostergeschenk Gottes. Unschuldige H√§nde und ein reines Herz. Nicht wir haben es rein bewahrt, sondern Christus hat es gereinigt und geheiligt. Das ist unsere M√∂glichkeit, den Frieden des Herzens im Leben zur√ľck zu gewinnen. Das ist unsere M√∂glichkeit, den Berg des Herrn zu besteigen und vor Ihn zu treten. Alle werden durch die S√ľnde get√∂tet, aber von denen, welchen Christus vergeben hat, singt die Kirche in der Osternacht: ‚ÄěO gl√ľckselige Schuld, die eines solchen Erl√∂sers w√ľrdig war.‚Äú Die eigentlich Auserw√§hlten sind diejenigen, die dieses Geschenk annehmen. Alle sind berufen, sogar wenn nur einer von zehn darauf reagiert. Christus spricht: ‚ÄěWer zu mir kommt, den werde ich nicht versto√üen.‚Äú

Vielleicht erscheint uns die Auferstehung als eine weit vom Leben entfernte Angelegenheit, an die man sich vielleicht in seiner letzten Stunde erinnern k√∂nnte, die aber in unserem Alltag nicht von gro√üer Bedeutung ist. Dennoch ist die Auferstehung eigentlich eine der gr√∂√üten Notwendigkeiten unseres Lebens. Der lettische Philosoph Rihards KŇęlis sagt, da√ü die Auferstehung der Gewinn einer neuen Erkenntnis sei. Dieser Gedanke ist es wert, darauf n√§her einzugehen. Der Gewinn einer neuen Erkenntnis. Gelegentlich geschieht es, da√ü das Leben uns vor eine gro√üe Chinesische Mauer f√ľhrt, gegen die du anl√§ufst, sie aber nicht √ľbersteigen oder umgehen kannst. Wir begreifen zum Beispiel, da√ü wir falsch gelebt und viel Zeit vergeudet haben, unser Haus auf einem Fundament erbaut haben, das nicht h√§lt. Und nun sind Jahre vergangen, die wir nicht r√ľckg√§ngig machen k√∂nnen, um anders zu leben, aber so weiter zu gehen, das k√∂nnen oder verm√∂gen wir nicht. Manches Mal verlieren wir in unserem Leben etwas so Gro√ües, da√ü nur noch ein Vakuum √ľbrig bleibt, das nicht gef√ľllt werden kann, auch nicht mit Surrogaten. Was tun? Wie weiter leben?

Das sind die Fragen nach einem neuen Sinn des Lebens. Die Fragen nach der Auferstehung. Die Auferstehung nach einem solchen ‚ÄěTod im Alltag‚Äú. Denken wir nach: betrifft diese Frage in irgendeiner Weise auch uns? Wenn ja, dann brauchen wir die Auferstehung. Einen neuen Sinn. Nicht erst nach dem Tode, sondern jetzt.

Das ist leichter gesagt als getan. Der Mensch w√ľrde vielleicht wer wei√ü was daf√ľr geben, wenn sich seinem Leben ein neuer Sinn er√∂ffnete, aber er schafft es einfach nicht. Dann erinnern wir uns daran, da√ü die Auferstehung Gottes Werk ist. Sogar Jesus ist aus dem Grabe in der Kraft Gottes auferstanden. Ebenso ist das auch mit uns. Wenn wir auf die Chinesische Mauer gesto√üen sind, an der kein Weg mehr vorbei f√ľhrt, es keinen neuen Sinn mehr gibt, so ist der neue Weg in Ihm zu finden, der f√ľr uns auferstanden ist. In Jesus Christus.

Vielleicht erscheint das vielen als eine sch√∂ne Theorie. Sie sind getauft und konfirmiert, sie gehen sogar zur Kirche, doch das Vakuum des Lebens ist noch nicht gef√ľllt und einen neuen Sinn haben sie noch nicht entdeckt. Ihnen f√§llt es schwer, die Berichte zu verstehen, da√ü der Mensch in Jesus Christus das Gleichgewicht, den Frieden und einen neuen Sinn des Lebens findet. Aber oft sind wir getaufte Christen den Soldaten zu vergleichen, die Jesus kreuzigten. Sie waren Jesus so nahe, am stellvertretenden Tod Jesu so mit beteiligt wie kein anderer. Sie h√§tten ihn um die Vergebung ihrer S√ľnden und das ewige Leben bitten k√∂nnen und alles auch erhalten. Doch alles, was sie von Christus wollten, war, da√ü sie seine armselige Kleidung unter einander verteilten.

Handeln wir als Christen oft nicht auch so? Alles ist uns geschenkt, aber was w√ľnschen wir uns von Christus? Ist es nicht so, da√ü wir von seinen k√∂niglichen Gaben nur f√ľr das Papier und die Schnur der Verpackung interessieren, statt zu erkennen, was das Paket eigentlich

enthält?

Die Auferstehung und der neue Sinn, das sind keine Kleinigkeiten. Der Apostel Paulus schreibt in seinem Brief an die Römer, daß wir zu einem neuen Leben auferstehen, wenn wir mit Christus eingetaucht sind in Seinen Tod. Eingetaucht und nicht mit der Fingerspitze benetzt.

Unser Leben gleicht den beiden Schalen einer Wage, in die jemand st√§ndig etwas hinein legt. Wir selbst haben die M√∂glichkeit, die Proportionen zu vergleichen ‚Äď wie viel bedeutet f√ľr unsere Seele der Fernseher, die Serien, die Shows, das Vergn√ľgen, nichts sagende Gespr√§che, Zeitungen, Pflichten, die t√§glichen Sorgen, und wie viel bedeuten in der anderen Wagschale der Tod und die Auferstehung Christi? Ist es dann ein Wunder, wenn wir keinen neuen Sinn finden? Wenn wir es nicht verm√∂gen, aufzuerstehen? Die Auferstehung ist Gottes Werk. Ein neuer Sinn des Lebens ist zu finden und jedes Vakuum ist zu f√ľllen, wenn wir ein wahrhaft geistliches Leben f√ľhren. Gestern abend sagte in einer H√∂rfunksendung Professor Leons TaivńĀns, da√ü Religion keine Schw√§rmerei sei, sondern Disziplin. Arbeit an sich selbst. Ich k√∂nnte dem hinzuf√ľgen ‚Äď zuerst das Werk des Heiligen Geistes an der Seele des Menschen. Wie viele M√∂glichkeiten haben wir ihm daf√ľr einger√§umt? Was bedeuten uns in unserem Alltagsleben die Gaben des Heiligen Geistes ‚Äď das Wort Gottes, die Sakramente, das Gebet und das Studium, der christliche Glaube und die Lehre, die Philosophie. die Erfahrung, die Tradition, die Gottesdienste, die Musik. Der Weg der J√ľnger Christi ist sehr tief, reich und sch√∂n. Dort kann man einen neuen Sinn bei jeder Ratlosigkeit, einen Ausweg aus jeder Ausweglosigkeit und ein F√ľllen jedes Vakuums finden ‚Äď aber damit, da√ü wir in sein Leben eintauchen, und nicht um Seine Kleider w√ľrfeln.

In Christus Geliebte, besonders diejenigen, die wir getauft und konfirmiert sind, und zu Christus Ja gesagt haben ‚Äď wir sind tats√§chlich sein auserw√§hltes Volk, dem er die F√ľlle seines Lichtes geschenkt hat. Da√ü wir doch unser Auserw√§hlt Sein nicht f√ľr ein Linsengericht dieser Welt verschleuderten!

Das wollte ich sagen nicht nur jedem pers√∂nlich, sondern auch unserem Volk. Christus hat den Letten als Nation so viel geschenkt. Die lettische Sprache hat sich ausgeweitet und ist durch die √úbersetzung der Bibel so reich geworden. Dort haben auch die Schriftstellerei und andere Gebiete der Kultur ihren Ausgangspunkt gehabt. Die Schulen der Br√ľdergemeine haben die Letten zu einem hoch gebildeten europ√§ischen Volk gemacht. Damals konnte man das wahrnehmen, was man heute zum Beispiel in S√ľdostasien sehen kann. Religionsforscher weisen darauf hin, da√ü dort jetzt ein gro√üer Aufbruch des Selbstbewu√ütseins der Christen geschieht. Die Zahl der Christen w√§chst dort um Tausende und Millionen. Und parallel dazu w√§chst in jenen L√§ndern der Wohlstand.

Als damals Europa den christlichen Glauben annahm, entwickelt sich dort die m√§chtigste Zivilisation, die sich sp√§ter √ľber die ganze Welt ausbreitete. Wenn ich daran denke, dann erinnere ich mich an die seltsam Freude in der Stimme, die bekannt gab, da√ü heute nur 10% der Einwohner Lettlands Ostern als ein christliches Fest feierten, welches f√ľr Menschen anderer Volkszugeh√∂rigkeit wichtiger sei als f√ľr die Letten.

Das ist die Stelle f√ľr einen weiteren Gedanken von Professor TaivńĀns, der sagte, da√ü altruistische Gesellschaften lebensf√§higer seien als egoistische. Aber der Altruismus entsteht in einer Gesellschaft durch die Religion. Somit wird unsere Gesellschaft, wenn sie sich vom Christentum distanziert, immer egoistischer, individualistischer und immer weniger lebensf√§hig. Der Philosoph Rihards KŇęlis erinnert zutreffend daran. da√ü die Weltgeschichte einem gro√üen ethnischen Friedhof gleich kommt. Unz√§hlige V√∂lker sind zu Grunde gegangen und existieren nicht mehr. Auch wir empfinden, da√ü wir in einem Zustand des Unterganges leben neben einer h√∂chst vitalen und expansiven Zivilisation des Islam, die eine immer m√§chtiger werdende Stellung im einst m√§chtigen christlichen Europa einnimmt.

Wenn wir an unser Volk denken, dann lenken wir unsere Aufmerksamkeit auf die Vergangenheit. Wir begehen verschiedene Gedenktage und versuchen unsere einmalige Geschichte der Welt zu erkl√§ren. Doch sollten wir viel ernsthafter √ľber unsere Zukunft nachdenken. Unser Volk braucht einen neuen Sinn. Es braucht die Auferstehung. Auf den Marktpl√§tzen dieser Welt ist sie nicht zu finden. Auf den Marktpl√§tzen w√ľrfelt man um Christi abgetragene Kleider, darum, was √ľbrig geblieben ist vom einst stolzen christlichen Erbe. Um aufzuerstehen, brauchen wir Christus selbst, das Leben mit Christus, die Erziehung unserer Kinder zu Seinen J√ľngern. Die Rettung und Fortentwicklung der Weisungen Christi in unserer Gesellschaft k√∂nnte sich als viel n√∂tiger erweisen als die Begehung eines Gedenktages einmal im Jahr. oder da√ü man einmal j√§hrlich zur Kirche kommt.

So seht nun, in Christus Geliebte und von Christus Auserw√§hlte, wie viel uns verhei√üen und geschenkt ist! Christi k√∂nigliche Geschenke machen uns auf eine ganz besondere Weise frei. Was uns meistens √§rgert oder bedr√ľckt, ist die Erkenntnis ‚Äď ‚ÄěDas ist ungerecht! Das ist unehrlich!‚Äú Wahrlich, in der Welt gibt es viel Ungerechtigkeit. Oft scheint es uns, da√ü uns unser Anteil vorenthalten wird, der uns von Rechts wegen zusteht. Oft ist das auch so. Das macht uns wild und qu√§lt uns und wir f√ľhlen uns im Konkurrenzkampf bedroht. Aber Gott hat uns Seinen Sohn geschenkt. Christus ist f√ľr uns gestorben und auferstanden. Durch Ihn empfangen wir die Vergebung der S√ľnden, einen neuen Sinn des Lebens auf der Erde und des ewigen Lebens. Den kann uns niemand nehmen.

Das ist eine wunderbare und befreiende Botschaft. Wir brauchen uns nicht mehr zu qu√§len und zu √§rgern, wenn bei irgendwelchen menschlichen Dingen etwas nicht gerecht oder nicht ehrlich zugeht, oder wenn wir nicht alles erhalten haben, was uns nach unserer Meinung zusteht. Gott hat uns, ohne da√ü wir es verdient h√§tten, viel mehr geschenkt und uns zu Seinen Auserw√§hlten gemacht. M√∂ge die Erkenntnis, da√ü nicht der Sieg im Konkurrenzkampf Sicherheit schenkt, sondern da√ü uns Gottes Freundlichkeit, die uns geschenkt ist, lehren m√∂ge, freigiebig und gro√üherzig anderen gegen√ľber zu sein, fr√∂hlich und friedevoll. Denn Christus ist doch f√ľr uns auferstanden ‚Äď wahrhaftig auferstanden! M√∂ge Seine Auferstehung auch unsere Herzen und Augen erf√ľllen, sich in unseren Worten und Werken, in unserem Leben und unserem Tod widerspiegeln. Ich w√ľnsche euch allen ein gesegnetes, frohes Osterfest!

√úbersetzung aus dem Lettischen: Johannes Baumann

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Dienstag 1. April 2008 um 17:50 und abgelegt unter Predigten / Andachten.