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Schwangerschaftskonfliktberatung – wenig beachtete Aspekte bei einem lange diskutierten Thema

Dienstag 1. M├Ąrz 2016 von Walter Rominger


Walter Rominger

Seit 2001 stellt die r├Âmisch-katholische Kirche in ihren Beratungsstellen keine vom Gesetzgeber geforderten Beratunsgsscheine mehr aus, die ein straffreie Abtreibung erm├Âglichen, wollte aber die Beratungen noch intensivieren. Eine Reihe von Initiativen, wie etwa ÔÇ×Kaleb e. V.ÔÇť oder ÔÇ×Die BirkeÔÇť betreiben bereits seit Jahren eine ÔÇ×erfolgreicheÔÇť Schwangerschaftskonfliktberatung ohne Scheinvergabe. Dies wird daran deutlich, da├č nach Angaben dieser Einrichtungen nachweislich schon viele Abtreibungen verhindert werden konnten. Wird jedoch auf die Vergabe des Scheins verzichtet, so ist eine solche Beratung vom Staat nicht mehr anerkannt und damit entfallen staatliche Zusch├╝sse.

Wie die erw├Ąhnten Initiativen zeigen, kann dennoch gute Beratungsarbeit geleistet werden, jedenfalls in mehr Freiheit und Gewissensbindung, als wenn eine Einbindung in das vom Staat geforderte Beratungssystem, wenn Zusch├╝sse flie├čen sollen. Denn ├╝ber die staatlichen Zusch├╝sse wird die Arbeit im Sinne des Staates beeinflu├čbar, da auch hier ein gutes St├╝ck weit das Sprichwort gilt: WesÔÇÖ Brot ich essÔÇÖ, desÔÇÖ Lied ich singÔÇÖ.

Der Staat aber scheint daran interessiert, da├č m├Âglichst viele Anbieter von Schwangerschaftskonfliktberatung in dem von ihm vorgeschriebenen System verbleiben, wenn sie seine Zusch├╝sse wollen. Er kauft sich Erf├╝llungsgehilfen. Es f├Ąllt auf, da├č dem Staat viel daran liegt, da├č die Kirchen und ihre Sozialwerke in seinem Beratungssystem verbleiben. Ansonsten k├╝mmern ihn doch die Kirchen nicht so gro├č und ist er h├Ąufig nicht so kirchenfreundlich eingestellt. Das ist doch verd├Ąchtig!

Wenn nun von Staatsseite aus so viel Wert darauf gelegt wird, da├č die Kirchen ins staatliche System zur Schwangerschaftskonfliktberatung integriert sind, dann steht dahinter die ├ťberlegung, da├č die Kirchen als Moralinstanzen gelten und sich nun als solche f├╝r politisches und gesellschaftliches Vorgehen gebrauchen, besser: mi├čbrauchen lassen. Es herrscht die Meinung, wenn die Kirchen dies mittragen, dann kann es doch nicht falsch sein. Und deshalb wird von Staatsseite aus dann Unverst├Ąndnis gezeigt, wenn eine Kirche nicht mehr mitmacht. Der Staat hat an der kirchlichen Beteiligung in der Hauptsache insoweit Interesse, als sie f├╝r sein Vorgehen n├╝tzlich sind. Daf├╝r entlohnt er sie sogar mit Zusch├╝ssen. Aber wenn bei dieser Form von Beratung nicht mitgezogen wird, dann kann nicht mehr mit staatlichen Zusch├╝ssen gerechnet werden. Da├č der Staat Initiativen, die sich nicht in dieses System einbinden lassen, staatlich nicht f├Ârdert, zeigt, da├č der Staat nicht an einer Schwangerschaftskonfliktberatung an sich Interesse hat. Sein Interesse besteht lediglich an der ihm genehmen, welche die straffreie Abtreibung erm├Âglicht, nicht aber an einer solchen, die hierzu eindeutig Nein sagt. ├ťber das Geld will er seine Meinung durchsetzen. Das ist in hohem Ma├če unmoralisch.

Es ist schon infam, wenn ein Staat Kirchen hierzu benutzt. Er ist damit nicht einmal mehr weltanschaulich neutral. Er benutzt die Kirchen, um seine Politik, die nicht an einem von ernsthaften Christen vertretbaren Menschenbild orientiert ist, (noch) besser betreiben zu k├Ânnen. Aber Kirchen, die sich dazu benutzen lassen, versagen. Hier kann es keine Kompromisse geben. Zum einen steht das 5. Gebot dem entgegen und steht es zum andern ├╝berdies Kirchen schlecht an, solch ethisch nicht zu rechtfertigende Politik zu f├Ârdern. Sie sollten immer ideologiekritisch sein, sich aber nie von Ideologen kaufen lassen. Das derzeitige Verhalten evangelischer Kirchen und ihrer Werke steht ihnen schlecht an. Da├č diese Zusammenh├Ąnge nie genannt werden, belegt noch lange nicht, da├č sie nicht bekannt w├Ąren. Vielmehr ist davon auszugehen, da├č sie sehr wohl bekannt sind, aber absichtlich der ├ľffentlichkeit verschwiegen werden. Doch diese wenig beachteten Aspekte bei diesem ansonsten doch viel diskutierten Thema d├╝rfen nicht ├╝bergangen werden.

Walter Rominger, Mehlbaumstr. 148, 72458 Albstadt, Tel + Fax: 07431 / 74485

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Dienstag 1. M├Ąrz 2016 um 10:58 und abgelegt unter Gesellschaft / Politik, Kirche, Lebensrecht.