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Iranischer Konvertitenpastor Saeed Abedini vorzeitig aus der Haft entlassen

Mittwoch 20. Januar 2016 von Internationale Gesellschaft fĂŒr Menschenrechte


Internationale Gesellschaft fĂŒr Menschenrechte

Zur Person und zum Fall

Saeed Abedini (*7. Mai 1980, Teheran/Iran, im Iran bekannt unter dem Namen: Saeed Abedinigalangashi) konvertierte im Jahr 2000 vom Islam zum Christentum. Seit 2004 ist Abedini mit Naghmeh Panahi-Abedini verheiratet; sie haben zwei Kinder, Rebekka (*2007) und Jacob (*2008). Nach der MachtĂŒbernahme von PrĂ€sident Ahmadinedschad verschĂ€rfte sich die Lage fĂŒr iranische Konvertiten dramatisch.

Deshalb verließ Saeed Abedini Anfang 2006 mit seiner Frau das Land, um sich in den USA niederzulassen (im MĂ€rz 2010 wurde ihm die amerikanische StaatsbĂŒrgerschaft zugesprochen). 2009 kehrte er jedoch mit seiner Familie in den Iran zurĂŒck. Vor Ort wurde er kurzzeitig von iranischen Behörden festgehalten. Sie verlangten von ihm, dass er jegliche christlichen AktivitĂ€ten, z.B. Kirchenbesuche, unterlassen mĂŒsse, damit er frei in den Iran ein- und ausreisen könne. Saeed akzeptierte die Forderungen und konnte sich in Zusammenarbeit mit den iranischen Behörden fĂŒr den Bau eines nichtreligiösen Waisenhauses fĂŒr Straßenkinder engagieren. Diese Arbeit erforderte mehrfache Reisen in den Iran. Trotz der Einhaltung aller Forderungen wurde Saeed Abedini im Juli 2012 auf einer Reise im Iran verhaftet und 2013 zu 8 Jahren Haft wegen „GefĂ€hrdung der nationalen Sicherheit“ verurteilt. Seit seiner Verhaftung setzte sich seine Frau durch aktive Öffentlichkeitsarbeit fĂŒr ihn ein, dies geschah u. a. durch Fernsehinterviews und per Facebook.

Verhaftung und Prozess

WĂ€hrend eines Aufenthaltes im Iran, reiste Abedini im Juli 2012 nach Georgien und in die TĂŒrkei, wurde aber bei seiner RĂŒckkehr in der NĂ€he der tĂŒrkischen Grenze von iranischen Revolutionsgardisten in einem Bus festgenommen. Die Gardisten beschlagnahmten seinen iranischen sowie den US-amerikanischen Pass und stellten ihn unter Hausarrest. Wenig spĂ€ter wurde ihm der US-amerikanische Reisepass wieder ĂŒbergeben. Die Sicherheitsbehörden teilten ihm mit, dass er auf Abruf fĂŒr seine Verhandlung bereit zu stehen habe. Am 26. September 2012 wurde Abedini in seinem Haus in Teheran festgenommen. Zahlreiche persönliche GegenstĂ€nde und Bargeld wurden konfisziert. Immer wieder wurden Abedini und seine Familienmitglieder mit dem Tode bedroht, da sie „Apostaten“ seien. Abedini wurde bis zu seiner Verlegung am 3. November 2013 im fĂŒr Folter berĂŒchtigten Evin-GefĂ€ngnis in Teheran festgehalten. Etwa vier Wochen musste er in Einzelhaft durchstehen, bevor er in Abteilung 3, Zelle 209 verlegt wurde. Er wurde auch gefoltert. Zudem sollen mehrere islamische Geistliche versucht haben, ihn von seinem Glauben abzubringen.

Anfang 2013 berichtete die iranische staatliche Nachrichtenagentur INSA, dass Abedini auf Kaution freigelassen werden wĂŒrde. Als seine Familie daraufhin zweimal versuchte, die Kaution (umgerechnet etwa 245.000€) zu bezahlen, wurde die Annahme der Kaution wegen angeblicher „Formfehler“ abgelehnt. Das Gerichtsverfahren vor der 26. Abteilung des Islamischen Revolutionsgerichts in Teheran unter Vorsitz des fĂŒr seine harten Urteile berĂŒchtigten Richters Pir Abassi begann am 21. Januar 2013. Erst mit Beginn des  Verfahrens wurde es Abedinis Anwalt, Naser Sarbazi, gestattet, Einsicht in die Akten zu nehmen. Anwaltliche Vertretung war zudem nur am ersten Tag des Verfahrens genehmigt.

Am 27. Januar 2013 verurteilte der Richter Pir Abassi den Pastor wegen „GrĂŒndung von Hauskirchen“ und „GefĂ€hrdung der nationalen Sicherheit“ zu 8 Jahren Haft. Am 4. Februar 2013 legte Abedinis iranischer Anwalt Berufung ein. Schließlich wurde Abedini am 16. Januar 2016 freigelassen.

Vor seiner Haftentlassung, wurde ein Brief von Pastor Abedini an seine Familie aus dem GefĂ€ngnis herausgeschmuggelt, in dem er von erlittener physischer und psychischer Folter berichtete. Zudem sei ihm mehrmals gesagt worden, er wĂŒrde fĂŒr seinen christlichen Glauben „gehĂ€ngt werden“. Seine Familie wurde wiederholt abgewiesen, als sie ihn besuchen wollte. Im Evin-GefĂ€ngnis im Nordwesten Teherans wurden bereits wĂ€hrend der Schah-Zeit politische Gefangene inhaftiert. Es ist berĂŒchtigt fĂŒr seine unmenschlichen Haftbedingungen. Laut Augenzeugenberichten werden die HĂ€ftlinge dort tĂ€glich erniedrigt, gedemĂŒtigt und gefoltert. Zudem ist das GefĂ€ngnis, das ursprĂŒnglich fĂŒr 320 Personen ausgelegt war, chronisch ĂŒberbelegt. Im Januar 2012 sollen dort rund 8.000 HĂ€ftlinge zusammengepfercht gewesen sein.

Am 3. November 2013 verlegten iranische Sicherheitsbehörden Abedini in das Rajai-Shahr GefĂ€ngnis in Karaj, etwa 50 km westlich der Hauptstadt Teheran. Auch dieses GefĂ€ngnis ist fĂŒr alltĂ€gliche Folter, Missbrauch und menschenunwĂŒrdige Haftbedingungen bekannt.

Hintergrund

Christen stellen im Iran eine religiöse Minderheit dar, und insbesondere Konvertiten mĂŒssen zahlreiche Repressionen seitens des Regimes ertragen, u. a. mĂŒssen christliche Gemeinden ErklĂ€rungen unterzeichnen, keine Missionsarbeit zu betreiben. Außerdem werden Gottesdienstbesucher seitens der Polizei kontrolliert. Im Iran ist es einem Muslim nicht möglich, auf legalem Wege seine Religion zu wechseln oder religionslos zu sein. Der Übertritt vom Islam zum Christentum und Atheismus können mit dem Tode bestraft werden. Dies hat dazu gefĂŒhrt, dass sich ein Netz von Hauskirchen entwickelte. Bibelstunden und Gottesdienste werden in privaten Wohnungen abgehalten. Zahlreiche Konvertiten befinden sich in iranischen GefĂ€ngnissen, wo sie zum Teil physisch und psychisch gefoltert werden.

Quelle: Internationale Gesellschaft fĂŒr Menschenrechte (IGFM) 

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 20. Januar 2016 um 13:06 und abgelegt unter Christentum weltweit.