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Führt das biblische Christentum zur Blüte einer Kultur?

Montag 2. November 2015 von Johann Hesse


Johann Hesse

Das Edikt von Potsdam und das Erstarken Preußens

Vor 430 Jahren im Spätherbst des Jahres 1685 erließ der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg das Edikt von Potsdam. Er reagierte damit auf die Hugenottenverfolgungen, die im Frankreich Ludwigs XIV. nach dem Erlass des Edikts von Fontainebleau am 18. Oktober 1685, ihren Höhepunkt fanden. Etwa 20.000 hugenottische Protestanten kamen als oftmals hochqualifizierte Flüchtlinge nach Brandenburg. Es waren Menschen, die Glauben und Leben konsequent an der Bibel ausrichteten und bereit waren, für ihr Bekenntnis harte Verfolgung, Tod oder Vertreibung auf sich zu nehmen.

In seinen „Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Hauses Brandenburg“ schrieb Friedrich der Große über das Edikt von Potsdam: „Ludwig XIV. widerrief das Edikt von Nantes, worauf mindestens 400.000 Franzosen ihr Vaterland verließen. Die Reichsten gingen nach England und Holland; die Ärmeren, aber Betriebsamsten flüchteten ins Brandenburgische; ihre Zahl betrug gegen 20.000. Sie halfen unsre verödeten Städte wieder bevölkern und verschafften uns die Manufakturen, welche uns mangelten. Alle diese Waren lieferte uns der Kunstfleiß der Franzosen. In Berlin siedelten sich Goldschmiede, Juweliere, Uhrmacher und Bildhauer an. Die Franzosen, welche sich auf dem flachen Land niederließen, bauten Tabak an und zogen treffliche Früchte und Gemüse auf dem Sandboden, den sie durch ihren Fleiß in treffliches Fruchtland umwandelten.“[1]

Es ist heute allgemein anerkannt, dass diese biblisch-reformatorisch bzw. calvinistisch geprägten Christen Leistungsträger – eigentlich Segensträger – der preußischen Gesellschaft wurden. In allen Bereichen der Gesellschaft, also in Bildung, Wirtschaft, Politik, Kunst und Literatur, trugen sie maßgeblich zum wirtschaftlichen und kulturellen Aufstieg Preußens bei.

Israel unter den Königen David und Salomo

Ich möchte den Blick noch weiter in die Vergangenheit richten. Israel erlebte unter den Königen David und Salomo eine in der Geschichte Israels beispiellose Erfolgsgeschichte. Aus dem unscheinbaren Stammesverband erwuchs völlig unerwartet eine machtvolle Kulturnation. Unter David hatte Israel seine größten militärischen Erfolge gefeiert und war zu einer starken Regionalmacht geworden. David konnte seinem Nachfolger ein innen- und außenpolitisch gut aufgestelltes Königreich übergeben. Während der Herrschaft Salomos blühte Israel geradezu auf. Nicht nur der Tempel mit seiner außergewöhnlichen Schönheit, sondern viele andere öffentliche und private Paläste und Gebäude wurden errichtet. Israel unterhielt rege Handelsbeziehungen mit dem Ausland. Handelsschiffe importierten Gold, Silber, Elfenbein, Affen und Pfauen. Pferde und Streitwagen wurden in Ägypten verkauft und an andere Nationen weiterverkauft. Tributpflichtige Nationen zahlten hohe Abgaben und mehrten den Reichtum Israels. Salomo dichtete und schrieb, und seine Weisheit erlangte Ruhm auf dem internationalen Parkett. Das Urteil der Königin von Saba über den Königshof in Jerusalem ist bezeichnend: „Und siehe, nicht die Hälfte hat man mir gesagt. Du hast mehr Weisheit und Güter, als die Kunde sagte, die ich vernommen habe“ (1 Könige 10,7).

Wie kam es zu diesem ungeheuren Aufstieg und der wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Blüte Israels? Die Bibel macht deutlich, dass hier ein direkter Zusammenhang zwischen dem Glauben an den lebendigen Gott, dem Befolgen seiner Gebote und dem Einhalten der Bundesverpflichtung einerseits und dem Erfolg oder Misserfolg der Nation besteht. Befolgte Israel unter Führung seines Königs die Bundesverpflichtungen, würde Gott sein Volk in jeder Hinsicht – politisch, wirtschaftlich, kulturell – segnen. Sobald Israel sich von Gott abwandte, würde es den Fluch, Schaden und Misserfolg auf sich ziehen. So war es in 5 Mose 28 angekündigt worden, und so erfüllte es sich in der Geschichte. Als Salomo sich von Gott abwandte und den Götzendienst im Lande förderte, leitete er den Abstieg Israels ein.

Was ist Kultur?

Diese zwei Beispiele aus der Geschichte sollen zunächst genügen, um aufzuzeigen, dass ein direkter Bezug zwischen Glaube und kultureller Entwicklung besteht. Zunächst möchte ich allerdings erst einmal klären, was Kultur ist:

Das lateinische Wort cultura stammt ab vom Verb colere, das übersetzt wird mit pflegen, urbarmachen oder ausbilden. In der deutschen Sprache bezeichnet der Begriff von Anfang an die Kultivierung des Landes und „die Pflege der geistigen Güter“. Es ist der Mensch, der durch sein schöpferisches Wirken Kultur hervorbringt. Mit dem Begriff Kultur beschreiben wir die Fähigkeit, Land zu kultivieren (bearbeiten, gestalten, Ertrag und Ästhetik), ein (friedliches) Gemeinwesen zu organisieren, das Miteinander zu gestalten, die Welt zu erforschen, Wissen zu sammeln und nutzbarzumachen, Kunstfertigkeiten und Techniken zu beherrschen (Rechnen, Schreiben, Lesen) und sich künstlerisch auszudrücken (Musik, Malerei, Literatur).

Es sei hinzugefügt, dass es unterschiedliche Kulturbegriffe und Deutungen von Kultur gibt. Es ist auch klar, dass es Hochkulturen z. B. in China oder Ägypten mit kulturellen Errungenschaften gab, die unabhängig von dem Glauben an den Gott der Bibel entstanden sind. Auch ist es durch die Geschichte hindurch immer wieder zu einem Missbrauch des Christentums gekommen, so dass die kulturelle Entwicklung im Namen des Christentums eher verlangsamt und behindert wurde, anstatt sie zu fördern. Und dennoch werden wir sehen, dass der Glaube an den Dreieinigen Gott in besonderer Weise zum Aufblühen einer Kultur beiträgt.

1 Der Missionsauftrag und die Verbreitung von Sprache und Bildung

1.1 Der Missionsauftrag

Jesus Christus gab seinen Jüngern einen Missionsauftrag mit globaler Perspektive: „Geht hin und machet zu Jüngern alle Völker. Taufet sie auf den Namen des Vater und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten, alles, was ich euch befohlen habe“ (Mt 28,19-20). Die Jünger sollten zu allen Völkern der Erde und zu allen Menschen gehen und sollten sie lehren, die Worte Jesu zu verstehen und anzuwenden. Um diesen Auftrag zu erfüllen, mussten zunächst Sprachen erforscht, alphabetisiert und die Bibel übersetzt werden. Viele Volks- und Sprachgruppen erhielten erst durch Missionare ihr eigenes Alphabet, ihre erste eigene Bibel und in der Folge den Zugang zu komplexeren Gedankengebäuden und einer umfassenden Bildung. Zwangsläufig ging mit dem Missionsauftrag also auch ein Bildungsauftrag einher.

1.2 Die Hmar im Grenzgebiet von Indien und Burma

Im 19. Jahrhundert waren die Hmar in Indien gefürchtete Kopfjäger. Ihre Kultur war geprägt von Elend, Schmutz, Analphabetismus, Gewalt, Mangelernährung, Geisterglaube, der Angst vor Dämonen und Mächten. Ein walisischer Geschäftsmann und Missionar sandte diesem Volk im Jahr 1909 eine Bibel in der Lushai-Sprache. Der Häuptling der Hmar ließ dem Missionar mitteilen, dass er mehr über dieses Buch wissen wolle. Dieser folgte der Einladung und erklärte den Hmar das Evangelium. Einige Hmar kamen zum Glauben. Eine Familie schickte ihren Sohn Rochunga auf eine 160 km weit entfernte Schule mit folgender Begründung: „Du musst lernen und für uns die Bibel übersetzen“. Rochunga studierte später am St. Pauls College in Kalkutta, dann an der Universität von Allahabad und lernte die Originalsprachen der Bibel in Glasgow. Dort begann er mit der Übersetzung der Bibel in die Hmar-Sprache. 1958 kehrte er mit dem vollständig übersetzten Neuen Testament zurück. Die erste Auflage des NT war sofort vergriffen. Rochunga gründete zunächst neun Dorfschulen, wo Hmar-Schüler lesen und schreiben lernten, um die Bibel lesen zu können. 85 weitere Schulen, in denen biblische Inhalte vermittelt wurden, ein College und ein Krankenhaus wurden gegründet. Heute sind 85 % der Hmar alphabetisiert (in Indien liegt der Alphabetisierungsgrad bei unter 60 %). Heute sind nach Angaben von Wikipedia 98,58 % der Hmar Christen. Die Kopfjagd gibt es bei den Hmar nicht mehr. Die von Hmar-Christen gegründete Organisation „Bibles for the world“ verschickt Bibeln in viele Länder der Erde. Von den Schulen der Hmar sind seither eine Reihe von Botschaftern, Staatssekretären, Polizeichefs, Beamten, Ärzten, Rechtsanwälten, Ingenieuren, Professoren und Pastoren hervorgegangen.[2]

Die Hmar sind ein noch sehr junges und aktuelles Beispiel dafür, wie das Evangelium und die Bibel eine Volksgruppe verändern kann. Durch das Evangelium entsteht eine Leidenschaft für die Bibel. Diese Leidenschaft ist Antrieb für das Erlernen der eigenen Sprache, der Schaffung einer eigenen Schrift und der Übersetzung der Bibel. Es wird Lesen gelernt, um die Bibel lesen zu können. Dadurch entsteht ein Schul- und Bildungswesen. Gewissermaßen als Kollateralgewinn entsteht der Zugang zu weiterführender Literatur und anderen Wissensgebieten. Mehr Bibel führt zu mehr Bildung.

1.3 Bibel und Bildung

Auch in der europäischen Geschichte hängen Bibel und Bildung ganz eng miteinander zusammen. Als Karl der Große in seinem Frankenreich Schulen gründete, waren diese Bildungseinrichtungen keine säkularen, sondern christliche Bildungseinrichtungen, die an Kirchen und Klöster angegliedert waren: „Wahrscheinlich im Jahre 787 verfügte er, dass an allen bischöflichen Kirchen wie in allen Klöstern Schule gehalten werden sollte…Lesen, Schreiben und Singen waren Lehrfächer und die Sprache, deren Kenntnis vermittelt wurde, das Latein.“[3]

Das englische Sonntagsschulwesen, das von Robert Raikes (1735-1811) angestoßen wurde, sollte es Kindern aus den untersten Gesellschaftsschichten ermöglichen, Lesen und Schreiben zu lernen. Am Sonntag mussten diese Kinder nicht arbeiten, so dass man ihnen mit ehrenamtlichen Helfern und anhand biblischer Geschichten und Inhalte Lesen und Schreiben beibrachte. 1831 besuchten bereits 25% der 1,25 Millionen britischen Kinder eine Sonntagsschule.[4]

Die amerikanischen Eliteuniversitäten sind Gründungen der biblisch-reformatorisch ausgerichteten Pilgerväter. Und natürlich sind auch Oxford und Cambridge ohne ihre christliche Wurzeln nicht denkbar.

Auf einer Reise durch Siebenbürgen stieß ich ebenfalls auf diese enge Symbiose von Bibel und Bildung. In Kronstadt (Brasov) lebte und wirkte der Siebenbürger Reformator Johannes Honterus (1498-1549), der mit Martin Luther im Briefkontakt stand und maßgeblich an der Einführung der Reformation in Siebenbürgen beteiligt war. Diese setzte sich in Siebenbürgen in den Jahren 1542-1550 durch. Das Honterusdenkmal an der Schwarzen Kirche in Kronstadt erinnert an das von Honterus verfasste Reformationsbüchlein sowie die von ihm eingeführte Schulordnung. Siebenbürgen bietet ausreichend Anschauungsmaterial für den unauflöslichen Zusammenhang zwischen Evangeliumsverkündigung und Bildung. Typischerweise findet man in Siebenbürger Städten und Ortschaften das evangelische Schulhaus in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche.

Der weltweite Alphabetisierungsindex kennzeichnet den Alphabetisierungsgrad aller Nationen. Die Nationen mit einem Grad von über 97 % sind weitgehend Nationen mit einer christlichen Prägung und Vergangenheit.[5]

2 Biblische Arbeitsethik und wirtschaftlicher Erfolg

2.1 Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus

Es war der Soziologe und Nationalökonom Max Weber (1864-1920), der als erster auf den Zusammenhang zwischen dem biblisch-reformatorischen Christentum und dem wirtschaftlichen Erfolg ganzer Nationen hingewiesen hat. In seiner Studie „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ untersuchte er die Hintergründe des wirtschaftlichen Erfolges insbesondere calvinistisch-reformatorischer Nationen wie der Schweiz, Holland, England oder den Vereinigten Staaten. Er stellte fest, dass der reformatorische Glaube calvinistischer Prägung der Nährboden für die wirtschaftliche Entwicklung erfolgreicher Industrienationen wurde. So schrieb er u. a.: „

„Einer der konstitutiven Bestandteile des modernen kapitalistischen Geistes, und nicht nur dieses, sondern der modernen Kultur, die rationale Lebensführung auf Grundlage der Berufsidee, ist geboren aus dem Geist der christlichen Askese.“[6]

Weber sah die calvinistische Prädestinationslehre als Grundlage des modernen Berufsethos. Woran erkannte der von Gott erwählte Puritaner, Quäker, Täufer oder Pietist den Stand seiner Erwählung? Am Grad der Heiligung. Die Heiligung aber verlangte einen asketischen Lebensstil. Dieser asketische Lebensstil musste alle Lebensbereiche des Alltags und damit auch des Berufslebens durchdringen. Die methodische Systematik der Lebensführung half so dabei, Heilsgewissheit zu erlangen. Nach Weber verließ die christliche Askese durch das reformierte Christentum die Klosterzellen des Mittelalters und durchwirkte das Berufsleben hunderttausender von Menschen und prägte so ganze Berufszweige und Volkswirtschaften und begründete damit ihren kulturellen Erfolg. Die christliche Askese „trat auf den Markt des Lebens, schlug die Türe des Klosters hinter sich zu und unternahm es, gerade das weltliche Alltagsleben mit ihrer Methodik zu durchtränken.“[7]

2.2 Biblische Arbeitsethik

Und tatsächlich finden wir ja in der Bibel viele Prinzipien, deren Befolgung wirtschaftlichen Erfolg befördert oder Misserfolg verhindert. Schon der Schöpfungsbericht erteilt dem Menschen den Auftrag, über die Schöpfung zu herrschen, den Garten zu pflegen und den Acker zu bebauen. Der Mensch ist nicht willfähriges Opfer der Natur, sondern er herrscht über sie und greift gestaltend in sie ein.

– Sowohl der Jude als auch der Christ sind aufgerufen, an sechs Tagen zu arbeiten und nur am siebten Tag zu ruhen

– Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen (2 Thess 3,10) oder in der Mönchsregel von Benedikt von Nursia: „Müßiggang ist aller Laster Anfang.“

– Das ganze Sprüchebuch ist durchzogen vom Gegensatz Torheit der Faulheit und Weisheit des Fleißes: „Lässige Hand macht arm; aber der Fleißigen Hand macht reich“ (Sprüche 10,4). Interessanterweise war das Sprüchebuch eines der beliebtesten   Bibelbücher der Puritaner.

– Der Fleiß wiederum war gepaart mit dem Aufruf zur Mäßigung und Sparsamkeit, denn Luxus, Zügellosigkeit und Völlerei wurden verurteilt. Großer Fleiß und wenig Luxus befördern die Investitionsbereitschaft. Weniger Konsumption führt zu mehr Investition.

– Der Umgang mit Zeit: Da die Zeit bis zur Wiederkunft Christi kurz ist, sollte die Zeit ausgekauft werden: „Kauft die Zeit aus, denn es ist böse Zeit“ (Eph 5,16)

– Das Prinzip der Ehrlichkeit und des Vertrauens. Es ist nachgewiesen, dass mangelnde Ehrlichkeit und Misstrauen der Subjekte wirtschaftlichen Handelns zu wirtschaftlichem Niedergang führen: Hätten sich VW-Manager und Ingenieure an biblische Normen gehalten, hätten sie einen gewaltigen betriebs- und volkswirtschaftlichen Schaden verhindert. Das Befolgen biblischer Ethik hängt eng mit wirtschaftlichem Erfolg und Misserfolg zusammen.

2.3 Bahnbrechende Erfindungen und erfolgreiche Volkswirtschaften

Wo sind die großen Erfindungen und technischen Errungenschaften der modernen Welt entstanden? In der westlichen Welt und weitgehend in den Ländern mit christlicher Prägung. Die industrielle Revolution ist vom puritanischen und methodistischen England ausgegangen und hat sich vor allem in den Nationen des christlichen Abendlandes durchgesetzt. Viele der bis heute erfolgreichsten Volkswirtschaften der Welt sind bis heute früher vor allem christlich geprägte Nationen gewesen: USA, Deutschland, Großbritannien, Frankreich. Aber auch Holland oder die Schweiz gehören zu diesem Kreis erfolgreicher Wirtschaftsnationen.

Wo wurden die bahnbrechenden Erfindungen der Elektrotechnik gemacht? Philipp Reis (1860) und Alexander Graham Bell (1876) sind die Erfinder des Telefons. (Deutschland und USA). Werner von Siemens erfand den ersten elektrischen Generator (1866). Die Glühlampe wurde von Edison erfunden.

Wo wurde der Motor erfunden? Die Dampfmaschine in England (Thomas Savery, Thomas Newcomen, James Watt, der sie 1778 weiterentwickelte). Sie löste die industrielle Revolution aus. Roberst Stirling (Ingenieur und Pastor) erfand den Heißgasmotor, aus dem sich der Ottomotor entwickelte, den Gottlieb Daimler und Carl Benz in ein Auto einbauten. Richard Trevithick baute 1802 in Wales die erste Dampflokomotive der Welt.

Wo wurde der Computer erfunden? Die Erfindung des Computers hat eine lange Vorgeschichte, wobei alle entscheidenden Entwicklungen im Kulturraum des Christlichen Abendlandes gemacht wurden. Der erste funktionsfähige Computer der Geschichte war die Zuse Z 3, die Konrad Zuse im Jahr 1941 baute.

Woher stammen Nobelpreisträger und Anmelder von Patenten? Sie stammen mit großem Abstand überwiegend aus dem jüdisch-christlichen Kulturkreis.

Damit soll nicht gesagt werden, dass die Erfinder dieser bahnbrechenden Erfindungen biblisch-reformatorische Christen waren. Jedoch fällt auf, dass in Nationen, die über viele Jahrhunderte und in vielen Lebensbereichen von der Bibel geprägt wurden, ein guter Nährboden für neue wissenschaftliche Erkenntnisse, technologische Fortschritte und wirtschaftliche Erfolge entstand.

2.4 Die soziale Marktwirtschaft und ihre christliche Grundlage

Sehr interessant ist auch der Vergleich zwischen den beiden Wirtschaftssystemen in Ost- und Westdeutschland nach dem zweiten Weltkrieg. Im Osten Deutschlands setzte sich eine streng materialistisch-atheistische Planwirtschaft durch, während sich im Westen Deutschlands auch gegen Widerstände das Konzept einer sozialen Marktwirtschaft durchsetzte, deren maßgebliche Vordenker überzeugte Christen waren, so z. B. Walter Eucken, Constantin von Dietze (Nationalökonom und Mitglied der Bekennenden Kirche) oder auch Wilhelm Röpke.

In einer Broschüre mit dem Titel „70 Jahre Denkschrift des Freiburger Bonhoeffer-Kreises“ heißt es einführend: „Die soziale Marktwirtschaft ist nicht nur eine Wirtschafts- sondern vor allem auch eine Werteordnung. Nicht nur das ordnungspolitische Konzept, sondern auch und gerade die ethische Fundierung der Sozialen Marktwirtschaft haben ihren Ursprung und ihre christliche Grundlage in der im Winter 1942/43 konspirativ erarbeiteten und im Juli 1945 veröffentlichten Denkschrift des Freiburger Bonhoeffer-Kreises.“[8] Ludwig Erhard war eng mit diesem Kreis und der Arbeit dieser christlich geprägten Ökonomen verbunden. Das Konzept der Sozialen Marktwirtschaft und damit auch das Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit haben also durchaus protestantische Ursprungslinien.

2.5 Der Zusammenhang von Glaube und Reichtum

Max Weber wies bereits auf eine paradoxe Entwicklung hin und zitierte dazu den Begründer des englischen Methodismus John Wesley (1703-1791):

„Ich fürchte: Wo immer der Reichtum sich vermehrt hat, da hat der Gehalt an Religion in gleichem Maße abgenommen. Daher sehe ich nicht, wie es möglich sein soll, dass irgendeine Wiedererweckung echter Religiosität von echter Dauer sein kann. Denn Religion muss notwendig sowohl Arbeitsamkeit als auch Sparsamkeit erzeugen, und diese können nicht anders als Reichtum hervorbringen. Aber wenn Reichtum zunimmt, so nimmt Stolz, Leidenschaft und Weltliebe in allen ihren Formen zu. Wie soll es also möglich sein, dass der Methodismus, das heißt eine Religion des Herzens, mag sie jetzt auch wie ein grünender Baum blühen, in diesem Zustand verharrt. Die Methodisten werden überall fleißig und sparsam, folglich vermehrt sich ihr Güterbesitz. Daher wachsen sie entsprechend an Stolz, Leidenschaft, an fleischlichen und weltlichen Gelüsten und Lebenshochmut. So bleibt zwar die Form der Religion, der Geist aber schwindet allmählich.“[9]

John Wesley wusste, dass der biblische Glaube der Methodisten auch wirtschaftliche Erfolge mit sich brachte. Er kannte aber auch die Folgen dieses wachsenden Wohlstands. In gewisser Hinsicht hat er mit dieser Beobachtung auch den Weg des westlichen Kulturkreises beschrieben. Die Hinwendung zum christlichen Glauben sowie die frühen und späten reformatorischen Erweckungen in ihren vielen Schattierungen brachten mit sich Fleiß, Sparsamkeit, Ehrlichkeit und Erfindergeist und vor allem den Segen Gottes, so dass erfolgreiche Betriebe, Industrien und Volkswirtschaften entstanden. Mit dem Wohlstand aber wuchsen auch Stolz, Eitelkeit, Habgier und Weltliebe. Der Glaube schwand. Das Resultat erleben wir heute. Gigantische und erfolgreiche Volkswirtschaften, einen unfassbaren Lebensstandard und geniale Erfindungen, die unser Leben so viel leichter machen – aber der Glaube an den lebendigen und allmächtigen Gott, der sich in Jesus Christus und im Wort der Bibel offenbart hat, ist bei Vielen weitgehend verdampft.

3 Biblisches Familienverständnis und ein funktionierendes Gemeinwesen

3.1 Die Studie „Sex and Culture“ von Joseph D. Unwin

Die Studie „Sex and Culture“ von Joseph D. Unwin erschien im Jahr 1934. Die großangelegte Studie untersuchte 80 Kulturen in Bezug auf den Zusammenhang von sexueller Regulierung und kultureller Entwicklung. Es ging um eine psychoanalytische These, nach der die Sublimierung sexueller Triebe immer ein Triebventil in sozialer Energie sucht. Zivilisation entsteht demnach aus dem Verzicht instinktiver, insbesondere sexueller Triebe. Unwin untersuchte kulturell hochstehende und vollkommen unzivilisierte Völker verschiedenster Epochen. Dabei fand er heraus: Je freizügiger eine Gesellschaft die sexuellen Bedürfnisse befriedigte, desto niedriger die gesellschaftliche Entwicklungsstufe. Je stärker die sexuellen Bedürfnisse durch Konventionen und Ordnungen reguliert waren, desto höher auch die zivilisatorische Entwicklungsstufe.[10]

„In den historischen Aufzeichnungen gibt es kein Beispiel einer Gesellschaft, die große soziale Energie aufweist, es sei denn, sie war für einen gewissen Zeitraum absolut monogam. Fernerhin kenne ich keinen Fall, daß in einer absoluten monogamen Gesellschaft die Fähigkeit, hohe soziale Energie aufzuweisen, ausblieb.“[11]

Wurde die absolute Monogamie aufgelöst, führte dies innerhalb von mindestens drei Generationen zum Niedergang einer Kultur.

„Diese Gesellschaften lebten in unterschiedlichen geographischen Regionen; sie gehörten zu unterschiedlichen Rassen; aber ihre Geschichte der Heiratsordnung ist dieselbe. Am Anfang hatte jede Gesellschaft dieselben Ideen in Bezug auf die sexuellen Regulierungen. (…) Jede Gesellschaft reduzierte die Möglichkeiten der sexuellen Befriedigung auf ein Minimum, wies große soziale Energie auf und florierte. Dann erweiterte sie die Möglichkeiten der sexuellen Befriedigung; ihre Energie wurde weniger und löste sich auf. Das einzig Außergewöhnliche an dem Ganzen ist die absolut gleichförmige Wiederholung.“[12]

3.2 Die Familie als Keimzelle der Gesellschaft

Die Bibel zeigt uns nach welchen Prinzipien Ehe und Familie idealerweise funktionieren. Die Ehe besteht aus einem Mann und einer Frau, die in lebenslanger Liebe miteinander verbunden sind (Monogamie). Der Mann ist das Haupt und trägt damit die Verantwortung für seine Frau und die gemeinsamen Kinder. Er liebt seine Frau, sorgt für sie und versorgt sie. Die Frau hilft ihrem Mann, berät ihn und ordnet sich seiner Führung unter (Eph 5,16). Die Ehe ist offen für Kinder (Fruchtbarkeit). Kinder werden den Eltern geschenkt, sie empfangen Liebe von den Eltern und gehorchen ihnen (4. Gebot). In diesen Familienstrukturen wird Liebe geübt,  Verzicht gelernt, Versöhnung und Vergebung praktiziert, steht man treu füreinander ein, lernt man Fleiß und Verantwortung zu übernehmen. Es entstehen vertrauensvolle Beziehungen. Die in der Familie gelebte Heiligung führt dazu, dass Sünde, Böses, Schlechtes, Schädigendes und Zerstörerisches möglichst bekämpft und im Glauben überwunden wird. Das Böse wird durch Gutes überwunden.

Eine Gesellschaft ist immer das Produkt der in ihr lebenden Familien. Je mehr Familien in der verändernden und heiligenden Kraft des Evangeliums leben, desto mehr werden sich heilsame Strukturen in der Gesellschaft ausbreiten. Eine Gesellschaft mit vielen Familien, in denen nach biblischen Prinzipien gelebt wird, wird eine florierende Gesellschaft sein. Genau aus diesem Grund haben die Gründungsväter der Bundesrepublik mit Artikel 6 „Ehe und Familie unter den besonderen Schutz der staatlichen Ordnung gestellt.“ Sie sahen die gesunde Familie als Keimzelle für eine gesunde Gesellschaft.

3.3 Der Niedergang der Familie und der Zerfall einer Kultur

Was passiert mit einer Gesellschaft, welche die biblischen Ehe- und Familienprinzipien aushöhlt und missachtet? Wenn nicht mehr Treue und Liebe das Miteinander von Mann und Frau und ihren Kindern bestimmen, sondern Egoismus, Untreue, Streit, Eifersucht, Verdächtigungen, Lüge, Angst und Verletzungen, dann werden sich diese Verhaltensweisen in der Gesellschaft ausbreiten. Misstrauen und Treuebruch in der Keimzelle werden sich wie ein Krebsgeschwür in allen Bereichen der Gesellschaft ausbreiten. Was wir in der Keimzelle leben und praktizieren, breitet sich in alle Bereiche aus. Wenn keine Heiligung mehr gelebt wird, kann Sünde sich ungehindert ausbreiten.

So belegt eine Langzeitstudie der Psychologin Judith Wallerstein aus den Vereinigten Staaten, dass Kinder durch die Scheidung der Eltern enorme Folgeschäden zu tragen hatten. Selbst nach zehn Jahren gelang es den betroffenen Eltern und Kindern oftmals nicht, „Gefühle und Erinnerungen zu verscheuchen, Schmerzen und Depressionen zu lindern, Eifersucht, Zorn und Wut auszulöschen.“ Scheidungskinder litten besonders stark unter Schuldgefühlen, Loyalitätskonflikten, Bindungsängsten oder auch Aggressionen. Nach 10 Jahren gaben 20 % der Teilnehmer an, erhebliche Mengen Alkohol zu konsumieren und je nach Altersgruppe gaben 10 % – 30 % an, sich kriminell zu verhalten. Viele mussten einen Leistungsabfall in der Schule hinnehmen.[13] Die Untreue der Eltern wirkte sich negativ auf die Kinder aus. Die Untreue vieler Eltern führt zu einer massenhaften Verbreitung negativer Verhaltensmuster in die nächste Generation und damit in die Gesellschaft hinein.

Was passiert mit einer Gesellschaft, in der die Scheidung zum Normalfall wird, Sexualität ohne Normen ausgelebt wird, Nachwuchs verhindert wird, ungeborene Kinder ermordet werden, Promiskuität gefördert und homosexuelle und damit nicht auf Nachwuchs angelegte Beziehungen rechtlich mit der Ehe gleichgestellt und öffentlich-medial bevorzugt werden? In einer solchen Gesellschaft werden Untreue, Egoismus, sexuelle Ausbeutung, psychische und physische Erkrankungen zunehmen. In einer solchen Gesellschaft wird sich mehr und mehr eine Kultur des Todes ausbreiten. Eine solche Kultur wird nach der Prognose Unwins innerhalb weniger Generationen zerfallen.

Eine Kultur zerfällt, wenn Sünde sich ungehindert ausbreitet. Eine Kultur blüht auf, wo Sünde weniger wird, weil viele Menschen ihre Sünden bekennen und ihr Leben nach dem biblischen Wort und seinen lebensschaffenden Ordnungen ausrichten. Für eine zerfallende Kultur, gibt es nur einen Ausweg: Umkehr zu dem lebendigen Gott und zu den heilsamen Lebensordnungen der Bibel. Dann kann eine Gesellschaft heil werden und kulturell aufblühen.

4 Biblisches Christentum und die Entstehung der Freiheitsrechte

Woher kommen die Menschenwürde und unsere von der Verfassung garantierten Freiheitsrechte? Die freiheitlichen Demokratien, in denen Meinungsfreiheit, Bekenntnisfreiheit und Versammlungsfreiheit herrschen, sind ausnahmslos im jüdisch-christlichen Kontext entstanden. Sie sind zwar auch ein Produkt der Aufklärung; doch ist selbst die Aufklärung eine Pflanze, die nur dort wachsen konnte, wo das Christentum den Nährboden lieferte.

4.1 Die Menschenwürde

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ (Artikel 1, GG)

Die Menschenwürde wurzelt in der Ebenbildlichkeit Gottes, wie sie uns vom biblischen Schöpfungsbericht und auch nur dort verbindlich zugesprochen wird: „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn und er schuf sie als Mann und als Frau“ (1 Mose 1,27). Weil Gott den Menschen zu seinem Bilde schuf, und jeder Mensch vom ersten Menschenpaar abstammt, kann es keine abgestufte Menschenwürde geben. Hinzu kommt, dass der Sohn Gottes Mensch wurde, und damit die verlorengegangene und durch die Sünde entstellte Ebenbildlichkeit des Menschen wieder sichtbar gemacht hat.

Das Christentum steht allen Versuchen entgegen, die Menschenwürde bestimmten Menschengruppen abzusprechen. Es waren überzeugte und bekennende Christen, die im englischen Parlament unter der Führung von William Wilberforce und unter dem Einfluss des früheren Sklavenhändlers John Newton 1833 die Abschaffung der Sklaverei durch den Slavery Abolition Act erreichten. Und es sind heute überzeugte Christen, die sich gegen die Ermordung noch nicht geborener Kinder aussprechen und sich schützend vor die Menschenwürde des ungeborenen Kindes stellen. Die Freiheitsrechte, die wir heute gerne als Produkt der Aufklärung sehen, wurzeln in Wirklichkeit in der Menschenwürde, die sich nur aus der Ebenbildlichkeit Gottes ableiten lässt. Weil der Mensch – jeder einzelne Mensch – von Gott geschaffen und geliebt ist, hat er auch unveräußerliche Rechte vor Gott und in Beziehung zu anderen Menschen.

4.2 Weitere Grundrechte und ihre Herkunft

Nach Artikel 2 des Grundgesetzes hat „Jeder das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit“. Die Grundlage dieses Artikels finden wir schon in den Zehn Geboten: „Du sollst nicht töten“.

Nach Artikel 3 des Grundgesetzes „sind alle Menschen vor dem Gesetz gleich“. Das ergibt sich aus der Ebenbildlichkeit und der gemeinsamen Abstammung vom ersten Menschenpaar, das Gott erschaffen hat.

Nach Artikel 4 des Grundgesetzes gelten „Glaubens- Gewissens- und Bekenntnisfreiheit“. Diese Freiheiten sind in den jüdisch-christlichen Kulturen in jahrhundertelangen Entwicklungslinien und Kämpfen entstanden. Sie müssen unbedingt geschützt und immer wieder neu erkämpft werden. Wer sich im islamischen Kulturkreis vom Islam abwendet und sich dem Christentum zuwendet, hat nach islamischen Schariarecht die Todesstrafe verdient. Wer die Glaubensfreiheit verwehrt und mit der Todesstrafe droht, nimmt dem Menschen alle Freiheiten. Wer nicht die Freiheit hat, glauben zu dürfen, ist nicht mehr frei. Die zunehmende Islamisierung unseres Landes wird zwangsläufig auch das Schwinden von Grundrechten und Freiheiten zur Folge haben.

Nach Artikel 5 des Grundgesetzes gilt: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten.“ Der Philosoph Harald Seubert führt dieses Recht auf eine christliche Tugend zurück: „Das für demokratische Verfassungen unerlässliche Urrecht der Freiheit kann sich auf die christliche parrhesia, der Offenheit, berufen. Sie ist die Haltung, frei das als wahr Erkannte zu sagen“[14] Gegen das vom Hohen Rat in Jerusalem verordnete Redeverbot breiteten die Apostel in Jerusalem die Botschaft des Evangeliums aus. Sie sagten den Pharisäern: „Wir können’s ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben“. Ein Paulus ließ sich für das „Ich schäme mich des Evangeliums nicht…“ lieber einkerkern und steinigen, als dass er seinen Mund verschlossen hätte. Es ist dieses Freiheitsrecht, das auch Luther vor dem Reichstag zu Worms im Jahr 1521 ausübte:

„… wenn ich nicht durch Zeugnisse der Schrift und klare Vernunftgründe überzeugt werde; denn weder dem Papst noch den Konzilien allein glaube ich, da es feststeht, daß sie öfter geirrt und sich selbst widersprochen haben, so bin ich durch die Stellen der Heiligen Schrift, die ich angeführt habe, überwunden in meinem Gewissen und gefangen in dem Worte Gottes. Daher kann und will ich nichts widerrufen, weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist. Gott helfe mir, Amen!“

Unsere Freiheitsrechte sind im Feuer der Christenverfolgungen erkämpft worden und konnten sich mit der Ausbreitung des Christentums im ganzen westlichen Kulturkreis durchsetzen. Sie mussten über Jahrhunderte und müssen auch heute immer wieder neu erkämpft werden. Mit dem zunehmenden Verlust christlicher Glaubensüberzeugungen werden wir auch unsere Freiheiten verlieren.

5 Fazit

Wir haben gesehen, dass das biblisch-reformatorische Christentum Kulturen zum Blühen bringen kann. Warum ist das so? Es liegt an Jesus Christus selbst. In ihm offenbart Gott das Menschsein, wie es ursprünglich gedacht war. Ein Menschsein ohne die zerstörerische Macht der Sünde und mit der unzerstörbaren Kraft ewigen Lebens. Je mehr Menschen in einem Kulturraum Christus nachfolgen, desto mehr werden die zerstörerischen Kräfte der Sünde zurückgedrängt und desto mehr können sich die heilenden und lebensbringenden Kräfte des Evangeliums ausbreiten. Je mehr Männer und Frauen, Eheleute und Familien in der Nachfolge Christi stehen, desto mehr werden sich auch segensreiche biblische Prinzipien in Bildung, Wirtschaft und Politik ausbreiten. Auf diese Weise können ganze Gesellschaften, Volkswirtschaften und Kulturkreise segensreich zur Blüte kommen.

Andersherum gilt auch dies. Je weniger eine Gesellschaft von Christus her geprägt ist, desto größer werden sich in dieser Gesellschaft Strukturen der Sünde krebsartig ausbreiten. Eine Kultur des Lebens wird dann durch eine Kultur des Todes verdrängt. Eine solche Gesellschaft wird dahinwelken, verblühen und absterben. Wir stehen heute in Europa mitten in einem solchen Verwelkungsprozess. Ein ganzer Kulturkreis löst sich von seinen christlichen Wurzeln und sägt damit an dem Ast auf dem er sitzt. Wir lassen Unglaube und Sünde wuchern und verlieren den Segen Gottes.

Der Inder Vishal Mangalwadi schreibt: „Die Bibel war die Kraft, die Europa wiederbelebte. Auf die Europäer übte Gottes Wort eine solche Faszination aus, dass sie ihre alten heiligen Mythen über Bord warfen, um auf Gottes Wort zu hören, es zu studieren, es in sich aufzunehmen, es zu verkündigen und seine Verbreitung zu fördern – und so konnten sie eine moderne Welt aufbauen. In der Morgendämmerung des 21. Jh. ist der Westen nun wieder im Begriff, seine Seele zu verlieren. Wird er in ein neues finsteres Geschichtsalter abgleiten, oder demütigt er sich vor dem Wort des allmächtigen Gottes?“[15]

Johann Hesse, Oktober 20015

Als Vortrag gehalten am 16.10.2015 bei der norddeutschen Regionaltagung des Deutschen Christlichen Techniker Bundes (DCTB e.V.) im Geistlichen Rüstzentrum Krelingen.

[1] Dieses Zitat Friedrichs des Großen befindet sich auf einer bronzenen Gedenktafel am Französischen Dom am Berliner Gendarmenmarkt.

[2] Vishal Mangalwadi, Das Buch der Mitte, Fontis-Verlag, Basel 2014, S. 487ff

[3] Johannes von Walther, Die Geschichte des Christentums, Band I,2, S. 317.

[4] Vishal Mangalwadi, Das Buch der Mitte, Fontis-Verlag, Basel 2014, S. 303 und 304.

[5]  http://www.laenderdaten.de/bildung/alphabetisierung.aspx

[6] Max Weber, Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, S. 96.

[7] Max Weber, Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, S. 79.

[8] Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer in Deutschland, „70 Jahre Denkschrift des Freiburger Bonhoeffer-Kreises“, 2015.

[9] Max Weber, Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, S. 92.

[10] http://www.dijg.de/sexualitaet/joseph-unwin-sex-culture/

[11] http://www.dijg.de/sexualitaet/joseph-unwin-sex-culture/

[12] http://www.dijg.de/sexualitaet/joseph-unwin-sex-culture/

[13] http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13496707.html

[14] Harald Seubert, Europa ohne Christentum – Woraus wir im 21. Jahrhundert leben können, mediakern, Friesenheim 2012, S. 117.

[15] Vishal Mangalwadi, Das Buch der Mitte, S. 547

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 2. November 2015 um 7:29 und abgelegt unter Ehe u. Familie, Gesellschaft / Politik, Wirtschaftsethik.