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Der Mensch als Bild und Gleichnis Gottes und die Leit- und Leidbilder des Menschen. Zur Gleichstellungsideologie des ‚Gender-Mainstreaming‘

Donnerstag 5. Februar 2015 von Prof. Dr. Reinhard Slenczka (1931-2022)


Prof. Dr. Reinhard Slenczka (1931-2022)

Einleitung:

Das Thema ist im rechten Verständnis ein dogmatisches Thema. Aber dazu muss man wissen: Dogma ist ein Reizwort; dogmatisch ist ein Schimpfwort. Hingegen erscheint es in Gesellschaft und Kirche als ein Vorzug, gegen Dogmen und undogmatisch zu sein. Doch gerade ein solcher Antidogmatismus ist das deutlichste Kennzeichen für Dogma, indem behauptet wird: Das ist doch so, wie ich das meine. Man versteht Dogma, zumal im kirchlichen Bereich, als Vorschrift, deren Anerkennung im Glauben gefordert wird. Allerdings: Wir glauben nicht an Dogmen, sondern was wir glauben, das ist unser Dogma.Die Wirklichkeit des Dogmas und des Dogmatischen liegt in den Abgründen unserer Bewusstseinsinhalte und Urteilsmaßstäbe. Das ist der Bereich in jedem Menschen, bei dem es um Bewusstsein, Gewissen, Überzeugung, um Herz und Sinn, Gefühl, Meinung, Geschmack und dergleichen, mithin im weitesten Sinn um Glauben geht. In diesem schwer zu fassenden Bereich sind wir Menschen verletzlich und können daher auch verletzend werden. Mit Hilflosigkeit und Empörung stehen wir diesen Erscheinungen in unserer Gegenwart gegenüber. Diese Hilflosigkeit kommt auch darin zum Ausdruck, dass ständig nach Toleranz und Respekt gerufen wird, um die in der Gesellschaft aufbrechenden Konflikte zu bewältigen. Doch auf diese Weise werden, und das zeigt sich gerade bei unserem Thema mit aller Deutlichkeit, lediglich neue Dogmen durchgesetzt, und dies meist mit erheblichem Zwang. Deshalb ist es nötig, für unser Thema folgendes zu beachten:

Die Trennung von Staat und Kirche nach der Weimarer Reichsverfassung von 1919 (Art. 137: „Es besteht keine Staatskirche“) bedeutet bei uns lediglich, dass die Kirchenverwaltung nicht mehr durch staatliche Konsistorien und einen staatlichen Summepiscopus, sondern durch die Kirchen selbst durchgeführt wird. Also: Kirchenverwaltung geschieht nicht durch den Staat, sondern durch die Kirchen selbst.

Religion ist jedoch keineswegs auf die christliche Kirche begrenzt. Seit dem Altertum gibt es eine sogenannte „politische Theologie“, die auch als „Zivilreligion“ bezeichnet werden kann. Dabei handelt es sich um die Elemente, die eine politische Gemeinschaft verbinden und tragen, also etwa die Grundlagen von Recht und Sitte, Werte, Sprache, Geschichte, Nationalhymnen, Fußballnationalmannschaften, Fahnen, nicht zuletzt die Volksmeinung. Insgesamt geht es hier um Furcht und Hoffnung (Rudolf Otto: tremendum – fascinosum). Manche Erscheinungen in diesem Bereich werden auch direkt als politische Religiosität bezeichnet, etwa die Weltanschauung bestimmter Parteien mit ihrem Anspruch, aber auch mit ihrer Gegensätzlichkeit. Religion ist also ein wesentlich weiterer Bereich als Kirche und christlicher Glaube. Eine Trennung von Staat und Kirche bedeutet daher niemals auch eine Trennung von Staat und Religion; denn ein Staatswesen ist als solches eine religiöse Erscheinung, insofern es dabei um tragende und verbindende Werte, Normen und Ordnungen geht. Wenn diese fehlen oder zerbrechen, zerfällt auch die staatliche Gemeinschaft. Dieser Hinweis ist zum Verständnis des Weiteren nötig, auch wenn er nicht weiter vertieft werden kann. Wie aktuell das jedoch ist, wird jeder wissen.

Bei der Behandlung dieses Themas GM ist für den Referenten ebenso wie für die Zuhörer zu beachten: Jeder Mensch hat seinen Glauben; jeder Mensch hat auch seinen Gott. Denn, so lehrt Luther in der Auslegung des 1. Gebots im Großen Katechismus: „Das Trauen und Glauben des Herzens macht beide, Gott oder Abgott. Worauf Du nun dein Herz hängst und verlässest, (zu ergänzen: und wovor du dich fürchtest), das ist eigentlich dein Gott.“ Es geht also nicht darum, ob Gott ist oder nicht, sondern was mein Gott ist.

1          Was ist ‚Gender Mainstreaming‘?

‚Gender‘ ist die englische Bezeichnung für das grammatische Geschlecht, also Genus oder Gattung, im Unterschied zum biologischen Geschlecht ‚sex‘. ‚Mainstreaming‘ bezeichnet eine Hauptströmung, in die verschiedene Nebenströme einfließen können. Nach dem englischen Wortlaut handelt es sich also um einen Vorgang, eine Bewegung, die darin besteht, dass verschiedene Gattungen in einem Strom zusammenfließen.

Sowohl im Englischen, aber auch angesichts der Unmöglichkeit, eine passende deutsche Übersetzung zu finden, ist das Wort eine Tarnkappe, unter der sich höchst unterschiedliche Bewegungen und Interessen verbergen. Die Leiterin des neuen Gender-Zentrums der EKD, Claudia Janssen, bezeichnet GM durchaus treffend als einen „großen Container, in den Leute ganz viele Inhalte reinlegen“[1]. Unwillkürlich denkt man doch dabei an einen Abfallcontainer.

Es geht bei dem GM keineswegs einfach um die „Gleichheit vor dem Gesetz“. Die ist in Art. 3 unseres Grundgesetzes vom 23. Mai 1949 festgelegt ist, und demnach gilt: „1. Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. 2. Männer und Frauen sind gleichberechtigt. 3 Niemand darf werden seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.“ Da dies unbestritten geltendes Recht ist, ist zu fragen, welches besondere Interesse hinter dem GM steht.

Die Antwort auf diese Frage gibt das in Deutschland und entsprechend in anderen Ländern sowie in der Europäischen Gemeinschaft neu eingeführte „Allgemeine Gleichstellungsgesetz“ (AGG, kurz auch „Antidiskriminierungsgesetz“) vom 14. 8. 2006. Hier heißt es in der deutschen Fassung: „Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen“.

Damit wird deutlich, dass die in der Verfassung garantierten Grundrechte durch die Hintertür des Arbeitsrechts ergänzt werden durch die „sexuelle Identität“. Außerdem ist zu bemerken: Dieses Gesetz hat ausdrücklich nicht nur eine präventive Funktion, die darin besteht, Straftaten zu verhindern. Es hat vielmehr eine produktive Funktion, Unterschiede zu „verhindern oder zu beseitigen“. Im Klartext: Gesellschaft soll durch dieses Gesetz verändert werden.

Eine derartige Gesellschaftsveränderung vollzieht sich seit Jahren in der westlichen Welt. Ich frage: Ist es nicht das Kennzeichen von Diktatur, wenn ein bestimmtes Bild vom Menschen und von der Gesellschaft, also eine Ideologie, durchgesetzt wird, wenn alle bisher geltenden Grundlagen im Bereich von Ehe und Familie zunächst mit stillem Druck und Propaganda und dann mit offenem Zwang und durch Gesetzgebung verändert, ja aufgehoben werden? Eine Diktatur findet in ihren Anfängen nach aller Erfahrung aus manchen Gründen begeisterte Anhänger. Späterer Widerstand aber ist höchst gefährlich. Die Straffolgen aus der Übertretung von Gottes Geboten sind jedoch unausweichlich. In Deutschland hatte man das nach 1945 deutlich erkannt und auch bekannt; doch solche Erfahrungen werden in der Geschichte immer wieder schnell vergessen und verdrängt.

Der Inhalt dieses Gesetzes bezieht sich lediglich auf das Arbeitsrecht. Dabei gibt es nach § 8 sowie § 20, 4 eine „zulässige unterschiedliche Behandlung wegen der Religion und Weltanschauung“. Das heißt: Es ist keine Übernahme von den Kirchen gefordert. Eine Ordination von Frauen zum geistlichen Amt kann also nicht nach staatlichem Recht erzwungen werden. Dazu ist auch zu beachten: Das kirchliche Amt ist kein Rechts- und Versorgungsanspruch, etwa noch mit Stellenteilung und Teilzeit, sondern Dienst, ja Sklavendienst. Das kirchliche Amt der Diakonissen ging verloren oder wird sogar verachtet. Ebenso kann eine Segnung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften oder deren Zusammenleben im Pfarrhaus nach diesem Gesetz nicht gefordert werden. Wie kann man denn auch segnen, worauf nach Gottes Wort kein Segen ruht?

Wo solche Bestimmungen in kirchliches Recht aufgenommen und durchgesetzt werden, erliegt man in kirchlichen Gremien und Leitungsämtern ohne gesetzlichen Zwang, jedoch unter dem starken Druck und Einfluss der öffentlichen Meinung und den auch in den kirchlichen Organen vertretenen Interessengruppen dem Ruf der Stunde, den Forderungen der Zeit. Seit jeher sind die Kirchen eine gesuchte Plattform, um in der Öffentlichkeit Einfluss zu gewinnen.

Die Bewegung des GM zielt ausschließlich auf eine Gleichstellung sexueller Identität und auf eine aktive Beseitigung biologischer Unterschiede, die nicht als Schöpfungsordnung angesehen werden, sondern als willkürliche menschliche Gestaltung und Verhaltensweise. Welche Nebenströme in einen solchen Hauptstrom einfließen, hat sich in letzter Zeit ständig gezeigt, indem aufgedeckt wird, welche Interessen von Personen und Gruppen seit Jahrzehnten am Werk sind, um Anerkennung für ihre sexuellen Phantasien und Vorlieben durchzusetzen, gezielt und erschreckend im Sexualkundeunterricht in Kindergärten und Schulen: Konkubinat (Ehe ohne Trauschein und ohne den Segen Gottes), Homosexualität, Päderastie (Missbrauch von Kindern). Im Grunde geht es darum, eine willkürliche Beliebigkeit sexueller Triebbefriedigung im offenen Widerspruch zu einer seit Jahrhunderten gewahrten christlichen Eheordnung durchzusetzen.

Dabei ist unübersehbar, wie die von Gott geschaffene natürliche Ordnung der lebenslangen Ehe von Mann und Frau zur Zeugung und Erziehung von Kindern nunmehr persönlichen Wünschen zu individueller Triebbefriedigung übergeben wird, vorausgesetzt, wie es in kirchlichen Erklärungen heißt, dass in „Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und Treue gelebt wird“, eine recht naive Forderung, wenn man weiß, was unter Menschen nicht nur möglich ist, sondern geschieht. Schon hier zeigt sich das Ideal einer paradiesischen Unschuld, von der nach dem Sündenfall keine Rede mehr sein kann.

Das strikte, apodiktische Verbot Gottes, „du sollst nicht ehebrechen“ – nach dem hebräischen Wortlaut heißt das dezent ausgedrückt: „du sollst nicht beliebig deinem Trieb folgen“ – , wird ersetzt durch eine milde Empfehlung zu einer freundlichen Verhaltensweise, die voraussetzt, dass Menschen immer nur das Gute wollen und tun – oder aber: dass immer das gut ist, was eine Mehrheit wünscht und tut.

Wie stark sich diese Bewegung in unser Bewusstsein bereits eingegraben hat, zeigt sich in der Selbstverständlichkeit, mit der Heterosexualität ebenso wie Homosexualität sprachlich als gleichwertige Formen menschlicher Triebbefriedigung angesehen werden. Es wird überhaupt nicht mehr bemerkt, wie sich dahinter alle möglichen und unmöglichen Perversionen verbergen, die mindesten nach dem Wort Gottes bislang als „widernatürlich“ – „para physin“ (Röm1, 26) angesehen wurden. Jeder Einwand wird mit der Keule „Homophobie“ abgeschmettert. Doch kann man übersehen, wie tagtäglich und geradezu als Begleiterscheinung fortschrittlicher Emanzipation von Fällen und Verfahren zu Missbrauch, zu physischen (Gesundheit) und psychischen Schädigungen in diesem Bereich zu lesen ist? Dabei versuchen Rechtsprechung und Gesetzgebung die schlimmen Folgen aus der Übertretung des 6. Gebots aufzufangen.

Wer die Geschichte kennt, der weiß, dass solche Auffassungen und Praktiken keineswegs neu sind, sondern in vielen Kulturen und Zeiten vorkommen. Die christliche Kirche hat sich jedoch seit ihren Anfängen immer wieder deutlich von Konkubinat (Ehe ohne Trauschein), Homosexualität und Päderastie abgegrenzt, weil das gegen Gottes Willen und Ordnung ist, also, wie der Apostel Paulus schreibt: „widernatürlich“ (Röm 1, 26). Dies alles widerspricht dem klaren Gebot Gottes; wie kann es dann unter dem Segen Gottes stehen und gesegnet werden? Gottes Wort sagt eindeutig: „die solches tun, werden das Reich Gottes nicht erben“ (1 Kor 6, 9; Gal 5, 21).

Was aber geschieht, wenn nun nicht allein in der EKD, sondern in vielen protestantischen Kirchen in Amerika und Europa, Beschlüsse gefasst und Erklärungen abgegeben werden, nach denen diese eindeutigen Gebote und Ordnungen Gottes keine Geltung mehr haben sollen, sondern von der gesellschaftlichen Entwicklung des GM aufgehoben werden? Damit haben wir uns zu beschäftigen, dabei bedenkend, dass Gottes Schöpfungsordnung für alle Menschen gilt, dass sein Gericht über Lebende und Tote nach seinem Gesetz für alle Menschen gilt. Dabei geht es um das, was nach Gottes Willen für uns Menschen heilsam ist, was vor Strafen, materiellen und seelischen Schaden und schließlich nicht zuletzt und gerade auf diesem Gebiet der Sexualität, vor Krankheiten schützt. Wo aber Menschen meinen, Gottes Gebote ändern oder aufheben zu können, setzten sie sich selbst an die Stelle Gottes.

Die wahre Kirche, die Gottes Wort und sein Handeln in Gnade und Gericht kennt und allen Völkern zu verkündigen hat, ist dabei nicht auf sich selbst begrenzt. Sie ist vielmehr das Gewissen der Gesellschaft oder, wie der Herr sagt: „Salz der Erde, Licht der Welt, eine Stadt auf dem Berge“ (Mat 5, 14-16). Das ist jeweils eine oft unscheinbare Minorität, deren Wirkung meist erst dann wahrgenommen wird, wenn eine Speise geschmacklos ist, wenn man im Dunkel überall anstößt, wenn man in wegloser Wüste keine Orientierung hat. „Wenn das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen. Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten“. Darum geht es im Weiteren.

2          Nur der Teufel lernt aus der Geschichte

Einer meiner theologischen Lehrer, Peter Brunner, hat einmal die Frage gestellt, ob man aus der Geschichte lernen könne. Seine Antwort: „Aus der Geschichte lernt nur der Teufel, nämlich wie man es anstellen muss, dass die Menschen immer wieder auf dieselben Fehler hereinfallen.“

Was unter der Tarnkappe von GM geschieht, kann man mit empörten Protest ablehnen, wenn man hört, wie die Anrede Gottes willkürlich nicht nur in Gottesdiensten, sondern in einer ganzen Bibelübersetzung, die sich als „Bibel in gerechter Sprache“ anpreist, gegen alle Regeln der Philologie aber unter dem Zwang einer Ideologie in männlich-weibliche Bezeichnungen („Vater / Mutter unser“) geändert wird. Oder wie die von Gott gestiftete Ehe kirchenamtlich aufgelöst wird mit der Behauptung, so etwas gebe es nicht in der Heiligen Schrift. Man kann das auch der Lächerlichkeit preisgeben angesichts der verbreiteten Sprachverhunzungen bis hin zu der aus der Schweiz kommenden Forderung, statt Vater und Mutter Elter 1 und Elter 2 zu sagen, oder dass im Kirchenamt der EKD in Hannover geschlechtsneutrale Toilettenbezeichnungen eingeführt wurden.

Noch peinlicher aber ist es, wenn man sieht, wie 80 Jahre nach der 1. Bekenntnissynode von 1934 in Barmen-Gemarke dieselben Fehler wieder auftauchen, die in der Barmer Theologischen Erklärung nicht politisch gegen den Nationalsozialismus, sondern theologisch gegen das Eindringen einer vom Nationalsozialismus bestimmten politischen Religiosität in die Kirche durch die Deutschen Christen abgelehnt wurden. In der Präambel dieser Erklärung heißt es, dass die Gemeinsamkeit des Bekenntnisses und damit die Einheit der Kirche aufs schwerste dadurch gefährdet ist, „dass die theologische Voraussetzung, in der die Deutsche Evangelische Kirche vereinigt ist…dauernd und grundsätzlich durch fremde Voraussetzungen durchkreuzt und unwirksam gemacht wird. Bei deren Geltung hört die Kirche nach allen bei uns in Kraft stehenden Bekenntnissen auf, Kirche zu sein.“

Die Barmer Theologische Erklärung vom 31. Mai 1934 richtete sich keineswegs auf eine politische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, sondern gegen das Eindringen gesellschaftspolitischer Forderungen zur Umgestaltung der Kirche durch die Deutschen Christen: Einheitskirche, Beseitigung jüdischer Elemente aus der Pfarrerschaft, aus Liturgie, Gesangbuch und Bibel, alles mit dem Ziel, ein „artgerechtes Christentum“ völkischer Prägung einzuführen. Dazu wurden auch mehrere Forschungsinstitute z.B. in Eisenach und Tübingen eingerichtet, um diese Ideologie in der Kirche auch wissenschaftlich durchzusetzen.

Auslösendes Moment war damals das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ (Kurz „Arierparagraph“) vom 7. April 1933. Auch hier war keine Anwendung auf die Kirchen vorgesehen oder gefordert. Doch die Generalsynode der altpreußischen Union hat damals mit Beschluss vom 6. 9. 1933 das staatliche Gesetz eilfertig in kirchliches Recht übernommen. wurde. Es folgten entsprechende Beschlüsse der Synoden von Braunschweig, Sachsen, Lübeck und 1934 Hessen-Nassau. Dazu bestand auch damals für die Kirchen keinerlei politische Nötigung, und eine Reihe von Theologischen Fakultäten, darunter auch die Erlanger, hatten in ihren Gutachten eine Übernahme von staatlichem in kirchliches Recht abgelehnt. Doch man folgte nicht theologischer Einsicht, sondern dem Ruf der Stunde und den Forderungen der Zeit. Damit begann 1933 der Kirchenkampf mit der Gründung des Pfarrernotbundes und danach der Bekennenden Kirche.

Man muss heute feststellen, dass fortlaufend seit Jahrzehnten durch die Kirchenverwaltungen in der EKD (ich spreche ausdrücklich nicht von Kirche) die Bewegung des GM unterstützt und in kirchlichen Erklärungen, Beschlüssen und Gesetzen aufgenommen und bei Widerspruch und Kritik auch mit Zwangsmaßnahmen durchgesetzt werden. Das geschieht nicht nur in Deutschland, sondern ebenso in den skandinavischen und in amerikanischen Kirchen. Es besteht eine Kirchenspaltung.

Was 1933 die Forderung eines „artgerechten Christentums war, ist heute der Auftrag für das eilig von der EKD am 7. April 2014 gegründete „Studienzentrum für Genderfragen in Kirche und Theologie“ dafür zu sorgen, „Kirche geschlechtergerecht zu gestalten“ (so der damalige Ratsvorsitzende Schneider). „Das Studienzentrum für Genderfragen in Kirche und Theologie will zur Gestaltung einer Kirche beitragen, in der die Vielfalt menschlicher Begabungen auf allen Ebenen unabhängig von Geschlechtsrollen und Geschlechtsidentitäten zum Tragen kommt“. So in der Ordnung dieses Zentrums.

In den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts gab es immerhin noch einige sog. „intakte“ Landeskirchen, bei denen die Kirchenleitung nicht von den DC beherrscht wurde. Heute gibt es innerhalb der EKD keine Kirchenleitung, aber auch keine Theologische Fakultät, die sich den Zwängen dieser gesellschaftspolitischen Bewegung entzieht und dagegen protestiert. Die Kirchenspaltung jedoch vollzieht sich innerhalb der Kirchen und zwischen ihnen.

3       Das Ringen zwischen wahrer und falscher Kirche, zwischen Geist und Fleisch, zwischen Kirche und Welt.           

Es ist leicht, die Bewegung des GM als Unfug anzusehen, wenn behauptet wird, der Unterschied von männlich und weiblich sei nicht von Gott gegeben oder in der Natur angelegt, sondern durch Erziehung – oder Verführung – willkürlich zu entwickeln. Doch das Problem liegt tiefer, und das zeigt sich an der Schärfe der Gegensätze, die innerhalb der Kirche, aber darüber hinaus zwischen den Kirchen, in der Gesellschaft und global zwischen Völkern und Kulturen ausgelöst werden.

In globalem Maßstab betrifft sie das Verhältnis von West- und Osteuropa, von Christentum und Islam, von Europa und Afrika bzw. Asien. Ich habe während 8 Jahren in Lettland , aber auch bei Aufenthalten in Afrika, selbst erlebt, mit welchen politischen, moralischen und materiellen Pressionen diese Ideologie in Gesellschaft und Kirche vor allem auch durch kirchliche Instanzen aus Deutschland und Skandinavien aufgezwungen wird. Immerhin hat man in Osteuropa nicht nur in Erinnerung, sondern bis heute vor Augen, welche Folgen die Zerstörung von Ehe und Familie in den Anfängen der Sowjetrevolution gehabt hat unter dem frühsozialistischen Programm einer sozialen und sexuelle Emanzipation der Frau mit dem Ziel, sie „nicht auf Küche und Kochtopf zu beschränken“ und dazu „freie“ also durch Ehe nicht gebundene Liebe[2].

In den dreißiger Jahren schon wurden daher in der Sowjetunion energische Gegenmaßnahmen ergriffen. Wenn das GM gerade in Osteuropa abgelehnt wird, so geschieht das keineswegs aus Rückständigkeit, sondern aus bitterer Erfahrung, deren Folgen man bis heute spürt, in die man uns hier im Westen hineinzwingt.

Die Gegensätze sind von außerordentlicher Schärfe, zumal wo diese Ideologie in die Kirche eindringt und sogar von Kirchenverwaltungen mit Disziplinarmaßnahmen durchgesetzt wird. Jeder, der davon betroffen ist, wird bemerken, dass es hier nicht um Äußerlichkeiten geht, sondern um einen Bereich, der unser Gewissen, unseren Glauben berührt. Dieser Bereich ist sehr verletzlich, und das tritt in den Aggressionen zutage, die diese Auseinandersetzungen in der einen wie in der anderen Richtung begleiten. Im tieferen Sinne handelt es sich um einen dogmatischen Sachverhalt, wenn man Dogma nicht oberflächlich als äußere Vorschrift versteht, sondern als Bewusstseinsinhalt und Urteilsmaßstab.

Vordergründig beschränken wir Religion und Kirche meist auf einen besonderen und nicht jedermann zugänglichen Bereich. Das Augenmerk richtet sich dann zwangsläufig auf die Frage nach dem Verhältnis von Kirche und Gesellschaft, in Deutschland auf die Möglichkeiten, eine Existenzberechtigung der Kirche nachzuweisen und Mitglieder bzw. Kirchensteuerzahler zu werben. Dabei wird jedoch übersehen, dass Gott nicht ein Produkt unserer menschlichen Vorstellungen und Wünsche ist, sondern Schöpfer, Erhalter, Richter und Retter für alle Welt und jeden Menschen, lebende und tote.

Nun versucht man ständig, in kirchlichen Erklärungen und Entscheidungen die Heilige Schrift so zu interpretieren, dass sie Verständnis und Zustimmung der öffentlichen Meinung findet. D. h. alle möglichen Widersprüche gegen das Tun und Lassen von uns Menschen werden eifrig beseitigt. Sie sollen nicht stören, abweisen oder ausgrenzen. Das alles steht seit Anbeginn der Menschheit unter der verführerischen Frage der Schlange (Gen 3, 1): „Ja, sollte Gott gesagt haben…?“ Hier liegt der Anfang von Exegese und Ethik. Bei diesem Verfahren wird das Wort Gottes unter die Geschichte von Menschen gestellt und danach je nach Bedarf gedeutet bzw. umgedeutet.

Die erfahrene Realität des Wortes Gottes der Heiligen Schrift sieht jedoch völlig anderes aus: Keine kirchenamtliche Entscheidung kann den Wortlaut der Heiligen Schrift ändern oder gar aufheben. Denn bei diesem Wort geht es keineswegs nur um äußeres Verstehen und Zustimmung, sondern um Gnade und Gericht, um Verstehen und, was meist verdrängt wird, Verstockung.

Die Gebote und Weisungen Gottes aber gelten für die ganze Welt und alle Menschen, wie der Herr sagt: „Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis es alles geschieht. Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und lehrt die Leute so, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehrt, der wird groß heißen im Himmelreich“ (Mat 5, 18-19). Diese Gebote sind auch der Maßstab für das Endgericht nach den Werken. Man kann sie übertreten, man kann sie umdeuten, doch aufheben kann man sie nicht.

Wie das Wort Gottes unvergänglich ist, so ist auch seine Wirkung unaufhebbar. Das zeigt sich in den Widersprüchen und Konflikten, die auch im Zusammenhang des GM wie auch bei anderen Themen ausgelöst wird. Doch diese geistliche – im Unterschied zu einer historischen und gesellschaftspolitischen – Dimension des Wortes Gottes gilt es wahrzunehmen, sowohl bei jedem einzelnen wie auch in der gesamten Menschheit. Das ist der Bereich von Herz und Gewissen, wo bei jedem Menschen das Gesetz Gottes wirkt in Anklage und Verteidigung (Röm 2, 12-16). Dieses jedem Menschen bekannte Geschehen aber zielt, wie der Apostel Paulus sagt, auf den Tag „an dem Gott das Verborgene der Menschen durch Jesus Christus richten wird, wie es mein Evangelium bezeugt“ (Röm 2, 16).

Unter dieser Einsicht können wir verstehen, dass es bei dem Ringen in unserem Gewissen, in und zwischen den Kirchen und im globalen Bereich zwischen Kulturen und Völkern um das Handeln Gottes in Gnade und Gericht geht. Gott ist hier am Werk. Er erleuchtet, aber er verblendet auch Menschen.

Die christliche Gemeinde hat aus der Offenbarung von Gottes Wort aber noch etwas zu bedenken: Seit Tod und Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus leben wir in der Endzeit, das ist in der Erwartung seiner Wiederkunft zum Gericht über Lebende und Tote. Zu den Zeichen der Endzeit gehört das Auftreten von Irrlehrern, Falschpropheten und von Personen, die behaupten der Christus, der Messias zu sein. (Auch in unserer aufgeklärten Gegenwart gibt es nach einer Statistik etwa 1500 solcher Personen, die eine größere oder kleinere Schar von Anhängern um sich sammeln). Die Irrlehrer treten in der Kirche auf; der Antichrist begegnet keineswegs nur als äußerer Gegner der Kirche; er erscheint vielmehr dort, wo Christus ist und an seiner Stelle. Daher ist das Ringen zwischen wahrer und falscher Kirche auch ein Kennzeichen für das Vorhandensein von Kirche, ebenso wie das Ringen zwischen dem Fleisch der Sünde und dem Geist Gottes eine Folge der Wiedergeburt und der Verbindung mit Christus durch die Taufe ist (Röm 6-8).

In 2 Thess 3 wird das keineswegs erschreckende, sondern faszinierende einer solchen Person beschrieben, die als der „Widersacher“, der „Mensch des Bösen“ bezeichnet wird. Im Griechischen heißt das der „Mensch der Gesetzlosigkeit“ „anomia“. Hier geht es also darum, dass die Gesetze Gottes übertreten und außer Kraft gesetzt werden. Daher die ernste Warnung: „Lasst euch von niemandem verführen, in keinerlei Weise; denn zuvor muss der Abfall kommen und der Mensch der Bosheit offenbart werden, der Sohn des Verderbens. Er ist der Widersacher, der sich erhebt über alles, was Gott oder Gottesdienst heißt, so dass er sich in den Tempel Gottes setzt und vorgibt, er sei Gott. Erinnert ihr euch nicht daran, dass ich euch dies sagte, als ich noch bei euch war? Und ihr wisst, was ihn noch aufhält, bis er offenbart wird zu seiner Zeit. Denn es regt sich schon das Geheimnis der Bosheit (anomia); nur muss der, der es jetzt noch aufhält, weggetan werden, und dann wird der Böse (anomos) offenbart werden. Ihn wird der Herr Jesus umbringen mit dem Hauch seines Mundes und wird ihm ein Ende machen durch seine Erscheinung, wenn er kommt. Der Böse (anomos) aber wird in der Macht des Satans auftreten mit großer Kraft und lügenhaften Zeichen und Wundern und mit jeglicher Verführung zur Ungerechtigkeit bei denen, die verloren werden, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben, dass sie gerettet würden. Darum sendet ihnen Gott die Macht der Verführung, so dass sie der Lüge glauben, damit gerichtet werden alle, die der Wahrheit nicht glaubten, sondern Lust hatten an der Ungerechtigkeit“ (2 Thess 2, 3-12). Wenn wir durch das Wort Gottes den Blick für unsere Gegenwart geöffnet bekommen, dann sehen wir auch, wie sich das Gericht Gottes auch in der Gegenwart unter uns und an uns vollzieht. Natürlich kann man das leichthin oder auch protestierend wegwischen. Aufheben kann man es aber nicht.

4         Die Macht der Bilder: Bild oder Wort?

Es ist wohl so: Für die Macht der Bilder sind wir blind, weil Bilder unser Denken und Handeln leiten, ja beherrschen. Sie blenden uns. Niemand kann diesem Vorgang entrinnen; und Bilder wirken tief im Unterbewussten.

Im Zeugnis des Wortes Gottes haben wir es an zwei ganz entscheidenden Stellen mit Bild zu tun. Doch dieses Bild wird nicht von Menschen entworfen und durchgesetzt. Es kommt aus der Erleuchtung durch das Wort Gottes, das oft unserer Erfahrung mit Menschen widerspricht.

  1. Gen 1, 27: „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Weib“ (In genauer Übersetzung muss es heißen: und schuf sie männlich und weiblich“). Auf den Wortlaut ist zu achten: Bild Gottes ist der Mensch in der Einzahl. Männlich und weiblich bildet als Eigenschaft die Zweizahl: er schuf sie. Gottebenbildlichkeit gilt also für Mann und Frau in gleicher Weise. Das muss nicht erkämpft oder verwirklicht werden, sondern darin liegt gleiche Würde und gleicher Anspruch auf Schutz. Diese Gottebenbildlichkeit ist ein unverfügbares Menschenrecht. Die Bestimmung des von Gott männlich und weiblich geschaffenen Menschen aber liegt in der Gemeinsamkeit mit verschiedenen Organen und der Aufgaben unter dem Auftrag und Segen Gottes: „Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht“. Das ist die von Gott für alle und jeden Menschen geschaffene und gesegnete Ehe, in der Männliches und Weibliches verbunden sind mit dem Auftrag, die menschliche Gattung zu erhalten – auch nach dem Sündenfall.

Durch die Übertretung des vor dem Tod schützenden Verbots Gottes ist der Mensch von Gott getrennt. Aus dem Paradies in der unmittelbaren Gemeinschaft mit Gott ist er vertrieben und dem Tod verfallen. Der Engel Gottes „mit dem blitzenden und flammenden Schwert“ versperrt den Weg zum Baum des Lebens. Die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies bleibt in jedem Menschen, zumal wenn er die Folgen aus der Übertretung von Gottes Gebot sieht und erleidet: Krankheit, Sünde, Ungerechtigkeit, Tod.

  1. Christus ist das Bild Gottes; durch ihn werden wir zum Bild Gottes erneuert und in die Gemeinschaft mit Gott zurückgeführt in das ewige Leben: „Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes“ (Röm 8, 29; 2 Kor 4, 4; Kol 1, 15; Hebr 1, 3; Joh 12 45; 14, 9).

Wichtig ist hier zu sehen: Das Bild vom Menschen ist nicht eine Zielvorstellung, die erreicht bzw. durchgesetzt werden soll. Das Bild ist vielmehr eine Grundlage, die gleichsam ein Licht bildet, das unsere Wirklichkeit ins rechte Licht setzt.

Wenn wir in unserer Erfahrung nach dem Bild Gottes im Menschen suchen, werden wir immer nur auf Unterschiede und Mängel stoßen. Wenn wir jedoch von der Offenbarung Gottes in seinem Wort ausgehen, dann fällt ein Licht in das Dunkel dieser Welt und die Verblendung unserer Herzen. Es ist Aufklärung, wie es 2 Kor 4, 6 heißt: „Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi“.

Doch nun zurück: GM ist eine Ideologie. Ideologie aber ist, wie das Wort besagt, eine Lehre in Bildern, in Vorstellungen. In der Art der Wirkung kann man das GM durchaus als Wahn bezeichnen. Ein Wahn oder eine Illusion bestehen darin, dass man von Bildern erfasst wird, die als Wirklichkeit angesehen werden, die einen Menschen beherrschen in Furcht und Hoffnung. Sie faszinieren (fesseln) und erschrecken, was übrigens das Kennzeichen des Religiösen ist. In der Umgangssprache haben wir viele Ausdrücke für diesen Sachverhalt: Man bildet sich etwas ein. Diese Wendung hat eine doppelte Bedeutung: positiv: man prägt sich etwas ein, was man festhalten will; negativ: man bildet sich etwas ein, was der Wirklichkeit nicht entspricht. Man hat ein Vorbild oder Leitbild, dem man nachstrebt, also ein Ideal (auch mit Bild zusammenhängend). Der Psychologe C.G. Jung hat diesen Sachverhalt in seiner Lehre von den Archetypen entfaltet. Ein Vorbild kann, wie ich das als Wortspiel in meinem Thema aufgenommen habe, auch zum Leidbild werden, unter dem man leidet, wenn man vergeblich versucht, das zu erreichen, allein schon an Aussehen und Gewicht.

In diesen unauslotbaren Bereich gehört auch die Religion und damit alles, was mit Glaube, Dogma etc. zu tun hat.

Ideologien treten ständig in Geschichte und Gesellschaft auf; sie fesseln, begeistern, aber zerbrechen auch die menschliche Gemeinschaft. Alle Ideologien sind Zielvorstellungen, die darin übereinstimmen, dass solche Ziele verwirklicht, ja u. U. auch kämpferisch durchgesetzt werden sollen.

Nehmen wir ein paar Beispiele: Die Vorstellung einer Weltrevolution zur Bildung einer klassenlosen Gesellschaft im Marxismus Leninismus zu einem Paradies der Arbeiter und Bauern. Die Vorstellung einer germanischen Herrenrasse. Die Vorstellung von einer Umverteilung des Privateigentums in gemeinsames Staatseigentum. Die Vorstellung einer Beseitigung aller Standes- Begabungs- und Einkommensunterschiede in der sog. Universitätsrevolution nach 1968 mit dem Ergebnis der Umwandlung der deutschen Eliteuniversität in eine Massenuniversität mit sog. Chancengleichheit, wobei die unvermeidliche Auswahl nach Fähigkeit und Begabung immer mehr hinausgeschoben wird, bis sie, und dann sehr schmerzlich, in der Berufseingangsphase durchgreift.

Bei dieser stichwortartigen Aufzählung geht es noch nicht um eine Bewertung, sondern um eine Beschreibung von Vorgängen, die uns erfassen, beherrschen oder abstoßen. Wohl aber geht es darum, dass hier unweigerlich Konsens und Dissens aufbrechen, also Gemeinschaft gebildet wie auch zerstört wird. Das gehört zu Wesen und Wirkung von Religion.

Das GM als Ideologie oder als Wahn besteht in der Zielvorstellung, dass der durch Verbote verdrängte Sexualtrieb befreit und in jeder Form befriedigt werden soll, autonom, sich selbst als Gesetz ohne Fremdbestimmung (heteronom). Auftretende Unterschiede sollen, wie es im Antidiskriminierungsgesetz heißt, „verhindert oder beseitigt“ werden.

Die Bilder aber einer sexualisierten Gesellschaft begleiten und verfolgen uns überall, allerdings mit der verheerenden Folge, das Scham und Keuschheit, die einen natürlichen Schutz bedeuten, systematisch zerstört werden. In aller Schärfe muss man sagen: Wo die Würde des Menschen in der Beherrschung seiner Triebe unter dem Gebot Gottes besteht, beherrschen nunmehr die Triebe den Menschen. Vernunft besteht in der Anerkennung und Befolgung von Geboten und Verboten. Darin besteht der grundlegende Unterschied zwischen Mensch und Tier. Wo das nicht geschieht, herrscht der Trieb wie bei den Tieren.

Die christliche Gemeinde ist durchaus zu allen Zeiten für solche Ideologien anfällig, denn sie hat im Wort Gottes und als Sehnsucht im Herzen die Verheißung des Reiches Gottes, eines Reiches von Gerechtigkeit, Frieden und ewigem Leben, die Wiederherstellung des durch den Sündenfalls verlorenen Paradieses.

Doch hier liegt ein ganz entscheidender Unterschied, ja Gegensatz vor: Das Kommen dieses Reiches Gottes ist uns im Wort des Herrn angekündigt. Es nicht ein Handlungsziel, wohl aber eine Grundlage zum Handeln beginnend mit der Verkündigung Jesu: „Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“ (Mark 1, 15). Das ist Umkehr, nicht Fortschritt! Der Zugang zum Reich Gottes ist durch Tod und Auferstehung Jesu Christi eröffnet. Durch ihn sind die Verderbensmächte von Sünde, Tod und Teufel überwunden. Das ist unser christlicher Glaube, vom Wort Gottes der Heiligen Schrift bezeugt und aller Welt zu verkünden.

Das GM ist bewegt von der Vorstellung einer fortschreitenden Emanzipation, also einer Befreiung aus Sklaverei zu einer Gesellschaft in Freiheit und Gleichheit, was dann auch mit Gerechtigkeit gleichgesetzt wird. (N. B. man muss einmal überlegen, was es bedeutet, wenn Gerechtigkeit nicht mehr an geltendem Recht ausgerichtet ist – Autonomie im Sinne Kants – , sondern wenn geltendes Recht aufgehoben und an herrschende Meinungen und Verhaltensweisen angepasst wird – Heteronomie im Sinne Kants. Der Fachausdruck dafür ist Diktatur des Proletariats, die stets gesteuert ist). Überwiegend ist das GM eine Frauenfrage, was sich auch darin zeigt, dass überwiegend Frauen hier aktiv sind und Männer furchtsam schweigen oder blindlings nachreden.

Doch was hier Leitbild ist, ist zugleich Leidbild. Es ist wohl unübersehbar, dass im GM ein Frauenbild dominiert von einer Frau mit einer Leitungsfunktion im akademischen, politischen oder wirtschaftlichen Bereich – vorzugsweise im Alter zwischen 18 und 42 Jahren mit entsprechendem Aussehen. Solche Frauen erscheinen im Licht der Öffentlichkeit, bei dem freilich auch in den Schatten gerät, was dahinter steht und was damit nicht vereinbar ist. In aller Öffentlichkeit wird inzwischen über die Belastung junger Familien geklagt, zumal mit der Überforderung von Frauen. Zudem gibt es viele andere Erwerbstätigkeiten und vor allem auch Gaben und Aufgaben, die von Frauen wahrgenommen werden, die nicht im Licht der Öffentlichkeit sich darstellen, sondern in sog. Kitas anscheinend einen neuen Sklavenstand bilden, indem sie dort für geringere Bezahlung einspringen müssen, wo die besonderen Aufgaben von prominenten Frauen und Müttern vernachlässigt werden. Doch muss man nicht von Diskriminierung sprechen, wenn von „nur Hausfrau“ die Rede ist oder abfällig von „Hausfrauenehe“, wenn Kinder als Karriereknick erscheinen und „Familienpause“ einen Zwischenfall oder gar Hindernis in der Karriere bilden?

Wenn wir mit diesen sehr kurzen, vielleicht auch verkürzten Hinweisen ein Bild vor Augen haben, dann müssen wir nun zu der grundlegend wichtigen Unterscheidung von Bild und Wort kommen, genauer: von Wort Gottes und Bild des von Gott Geschaffenen: „11 Da tratet ihr herzu und standet unten an dem Berge; der Berg aber stand in Flammen bis in den Himmel hinein, und da war Finsternis, Wolken und Dunkel.

12 Und der HERR redete mit euch mitten aus dem Feuer. Seine Worte hörtet ihr, aber ihr saht keine Gestalt, nur eine Stimme war da.

13 Und er verkündigte euch seinen Bund, den er euch gebot zu halten, nämlich die Zehn Worte, und schrieb sie auf zwei steinerne Tafeln.

14 Und der HERR gebot mir zur selben Zeit, euch Gebote und Rechte zu lehren, dass ihr danach tun sollt in dem Lande, in das ihr zieht, es einzunehmen.

15 So hütet euch nun wohl – denn ihr habt keine Gestalt gesehen an dem Tage, da der HERR mit euch redete aus dem Feuer auf dem Berge Horeb -,

16 dass ihr euch nicht versündigt und euch irgendein Bildnis macht, das gleich sei einem Mann oder Weib,

17 einem Tier auf dem Land oder Vogel unter dem Himmel,

18 dem Gewürm auf der Erde oder einem Fisch im Wasser unter der Erde.

19 Hebe auch nicht deine Augen auf gen Himmel, dass du die Sonne sehest und den Mond und die Sterne, das ganze Heer des Himmels, und fallest ab und betest sie an und dienest ihnen. Denn der HERR, dein Gott, hat sie zugewiesen allen andern Völkern unter dem ganzen Himmel“ (Deut 4, 11-19).

An dieser Stelle liegt der Fundamentalirrtum nicht nur des GM, sondern aller Bewegungen, die Christen ergreifen, verführen und zwingen, aus eigenen Kräften ihre Vorstellung vom Reich Gottes auf Erden zu verwirklichen. Ich sage es so: Das Bild des Geschöpflichen wird über das Wort Gottes gestellt, und das führt unausweichlich zu einer Vertauschung von Schöpfer und Geschöpf, also zu einer Aufhebung des 1. Gebots: „Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine anderen Götter haben neben mir“.

Der Apostel Paulus hat diesen Sachverhalt Röm 1, 18-32 exakt beschrieben: Wo der einzig wahre, aber unsichtbare Gott, der in seinen Werken der Schöpfung erkennbar ist, nicht erkannt, das heißt, dass er gepriesen und ihm gedankt wir – also im Gottesdienst, da verfällt der Mensch der Faszination und den Schrecken des Geschaffenen: „…und haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes vertauscht mit einem Bild gleich dem eines vergänglichen Menschen und der Vögel und der vierfüßigen und der kriechenden Tiere. Darum hat Gott sie in den Begierden ihrer Herzen dahingegeben in die Unreinheit, so dass ihre Leiber durch sie selbst geschändet werden, sie, die Gottes Wahrheit in Lüge verkehrt und das Geschöpf verehrt und ihm gedient haben statt dem Schöpfer, der gelobt ist in Ewigkeit. Amen“ (Röm 1, 23-25).

Im Weiteren wird uns durch das Wort Gottes aufgedeckt, wie der Sexualtrieb sich verselbstständigt in allen möglichen widernatürlichen, also gegen Gottes Schöpfungsordnung, Perversionen. Und das ist nicht ein bloßes moralisches Problem, sondern darin vollzieht sich das Strafgericht Gottes. Dreimal heißt es: „Gott hat sie dahingegeben“ (Röm 1, 24. 26. 28).

5         Das Zeugnis der wahren Kirche in ihrer Welt- und Gesellschaftsverantwortung:

Wo man meint, es sei die Aufgabe der Kirche, dass sie zeitgemäß, artgemäß und geschlechtergerecht gestaltet werden soll, ist festzustellen, dass hier die Kirche aufgehört hat, Kirche zu sein – wo auch immer. Es ist aber auch festzustellen und noch einmal mit Nachdruck zu betonen, dass das Ringen zwischen wahrer und falscher Kirche Kennzeichen von Kirche und Wirkung des Wortes Gottes ist. Dadurch kommt es nicht nur zu Unterscheidungen, sondern auch zu Scheidungen, also zu Schismen und Häresien, von denen es 1 Kor 11 heißt: „…es müssen ja Spaltungen unter euch sein, damit die Rechtschaffenen unter euch offenbar werden“. So sollen abschließend die wichtigsten Entscheidungs- und Unterscheidungspunkte zusammengefasst werden:

  1. Die Unterscheidung von Schöpfer und Geschöpf. Wo der wahre Gott nicht angebetet und verehrt wird, verfällt die Vernunft unter die Macht des von Gott Geschaffenen. Man macht sich seine, wie es leider auch in der theologischen Fachsprache heißt, seine Gottesbilder, männlich / weiblich. Im Alten Bund kam die ständige Versuchung von den fremden Göttern anderer Völker, vor allem die Fruchtbarkeits- und Sexualkulte von Baal und Astarte. Ganz praktische politische und ökonomische Überlegungen oder auch die Heiratspolitik von Fürsten zwingen zu einer Verbindung von religiöser und politischer Gemeinschaft.

Beim Propheten Jeremia wird ein bei Frauen beliebter feministischer Kult der „Himmelskönigin“ (Jer 7, 18; 44) erwähnt, für die man Kuchen backt und Trankopfer spendet. Der Warnung des Propheten vor den Strafen Gottes erwidert man: „Den Worten, die du im Namen des HERRN uns sagst, wollen wir nicht gehorchen…“ (Jer 44, 16).

  1. Zu allen Zeiten hat die wahre Kirche für die Lebensordnung der Gemeinde, aber damit auch für die Ordnung der Gesellschaft die Verantwortung für Ehe und Familie nach Ordnung und Gebot Gott wahrgenommen. Der Konkubinat, also eine Ehe ohne Trauschein, d.h. unter Stand und auf Zeit (Augustin), wie das im römischen Reich weithin üblich war, wurde von der christlichen Gemeinde strikt abgelehnt mit dem Hinweis, dass ein solches Verhältnis nach Gottes Wort eine volle Ehe ist: „Zwar haben sie (die Christen) an allem als Bürger Anteil, leiden aber wie Fremdlinge. Jegliche Fremde ist ihnen Heimat, und jeder Heimat ist Fremde. Wie alle übrigen heiraten sie, bekommen Kinder, doch sie machen keine Abtreibung. In der Tischgemeinschaft sind sie gastfrei, nicht aber im Geschlechtsverkehr. Sie existieren im Fleisch, leben aber nicht nach dem Fleisch. Sie wandeln auf Erden, sind aber Bürger des Himmels… die Christen leben in der Welt, doch sie sind nicht von der Welt“. (1 Kor 6, 16f): „Oder wisst ihr nicht: wer sich an die Hure hängt, der ist ein Leib mit ihr? Denn die Schrift sagt: „Die zwei werden ein Fleisch sein“ wer aber dem Herrn anhängt, der ist ein Geist mit ihm. Flieht die Hurerei! Alle Sünden, die der Mensch tut, bleiben außerhalb des Leibes; wer aber Hurerei treibt, der sündigt am eigenen Leibe…“ Außerehelicher Geschlechtsverkehr widerspricht dem Gebot und Willen Gottes.

Eine Formpflicht für die Ehe wurde von Staat und Kirche im 16. Jahrhundert eingeführt angesichts der großen sozialen Probleme, die dadurch entstanden, dass von ihren Männern verlassene Frauen mit Kindern (Alleinerziehende) den Gemeinden zur Last fielen. Konkubinat, heute eine als normal angesehene Lebensform, bedeutet in Wirklichkeit, dass Frauen die Rechte und Würde, damit auch der Schutz einer Ehefrau vorenthalten wird oder dass sie darauf blind verzichten. Das physische, psychische und soziale Elend, das hier um sich greift, wird von den Gesellschaftslügen verdrängt. Solche Fälle gelten als „nicht angepasst“, d. h. sie passen nicht zu dem herrschenden Bild.

Man darf auch darauf hinweisen, dass für die Amtsträger in der Gemeinde besonders hohe Erwartungen für ein vorbildliches Leben in Ehe und Familie gestellt werden, zumal im Blick auf die Außenstehenden (1 und 2 Tim, Ti). Praktizierte Homosexualität und Ehebruch sind mit kirchlichen Ämtern unvereinbar.

  1. Das erwählte Volk Gottes wird aus der Welt herausgerufen. Es ist in der Welt, doch nicht von dieser Welt, wie der Herr seiner Gemeinde sagt: „Wenn euch die Welt hasst, so wisst, dass sie mich vor euch gehasst hat. Wäret ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihre lieb. Weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt (Joh 15, 18-19). Und der Herr sagt uns auch: „Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es hat eurem Vater wohlgefallen, euch das Reich zu geben“ (Luk 12, 32).

Unsere Aufgabe ist das Zeugnis für das unveränderliche Wort Gottes in Verkündigung und Lebensführung, wie unser Herr sagt: „So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“ (Mat 5, 16).

Unsere Aufgabe ist die Fürbitte, mit der wir schließen:

Herr, himmlischer Vater, wir bitten dich für deine Gemeinde und ihre Diener: Bewahre die Deinen, die du erwählt hasst, vor Irrtum, vor Verführung und in Verfolgung. Das bitten wir in Jesu Namen. Amen.

Anhang: Glaubensvoraussetzungen

Glaubensvoraussetzungen sind nicht Richtungsfragen, als die sie leicht relativiert werden können als Unterschiede vielfältiger Deutungsmöglichkeiten. Glaubensvoraussetzungen sind vielmehr das, was Grund und Inhalt unseres Glaubens ist, der uns trägt, der uns verbindet, der freilich auch Grenzen zieht. Hier geht es also nicht um sowohl – als auch, sondern um Ja und Nein, um Bekennen und Verleugnen. Wer meint, durch Anpassung Kirchensteuerzahler gewinnen zu können, der weiß nicht, was die geistliche Wirklichkeit von Offenbarung und Kirche ist. Darin liegt die große Gefahr, dass Theologie und Kirche zur Zivilreligion werden, die gesellschaftspolitischen Zwecken dient und damit zu einer Staatsreligion pervertiert.

Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Mat 28, 18-20). Wo Kirche ist, zeigt sich im Gottesdienst, also an der reinen Verkündigung des Evangeliums und der rechten Verwaltung der Sakramente (CA VII). Denn nur dadurch entsteht und besteht Kirche.

Das vor Erschaffung der Welt (Eph 1, 4) erwählte Volk Gottes wird aus der Welt herausgerufen. Es ist in der Welt, doch nicht von dieser Welt wie der Herr seiner Gemeinde sagt: „Wenn euch die Welt hasst, so wisst, dass sie mich vor euch gehasst hat. Wäret ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihre lieb. Weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt (Joh 15, 18-19).

Um es mit ein paar Beispielen anzudeuten: Als Mose auf dem Berg Sinai die Tafeln des Bundes empfängt, macht Aaron unter dem Zwang der Volksmeinung, das seine göttliche Leitung vermisst, das goldene Kalb zur Befriedigung der religiösen Bedürfnisse (Ex 32).

Ähnlich ergeht es dem König Saul, der gegen das Verbot des Herrn sich die Beute aus dem Sieg über die Amalekiter aneignet und daraus ein unerlaubtes Opfer zelebriert. Seine Entschuldigung gegenüber dem Propheten Samuel, der ihn zur Rede stelle: „Da sprach Saul zu Samuel: Ich habe gesündigt, dass ich des HERRN Befehl und deine Worte übertreten habe; denn ich fürchtete das Volk und gehorchte seiner Stimme“ (1 Sam 15, 24).

Für die frühe christliche Gemeinde war es der Kaiserkult, durch den das multikulturelle und multireligiöse römische Reich zusammengehalten werden sollte. Die Bekenntnisentscheidung bestand in der Frage vor Gericht und unter den Zwängen öffentlicher Meinung, ob der Kaiser der Herr, also Gott ist, oder ob Jesus Christus Herr und Gott ist. Dabei ging es um Tod und Leben. Durch Verleugnung Christi konnten Christen ihr Leben, ihre Seele und den gesellschaftspolitischen Konsens retten. Doch damit verlieren sie nach dem Wort des Herrn das ewige Leben und ihre Seele.

Das Essen von Fleisch aus dem heidnischen Kultbereich war ein Problem der gesellschaftlichen Beziehungen z. B. bei Einladungen (Röm 14; 2 Kor 8).

Nicht zuletzt, und dazu gibt es viele Ermahnungen in den neutestamentlichen Briefen, kommt es zur „Entfremdung“, indem Christen nicht mehr mitmachen, was alle oder die meisten machen: „Weil nun Christus im Fleisch gelitten hat, so wappnet euch auch mit demselben Sinn; denn wer im Fleisch gelitten hat, der hat aufgehört mit der Sünde, dass er hinfort die noch übrige Zeit im Fleisch nicht den Begierden der Menschen, sondern dem Willen Gottes lebe. Denn es ist genug, dass ihr die vergangene Zeit zugebracht habt nach heidnischem Willen, als ihr ein Leben führtet in Ausschweifung, Begierden, Trunkenheit, Fresserei, Sauferei und gräulichem Götzendienst. Das befremdet sie, dass ihr euch nicht mehr mit ihnen stürzt in dasselbe wüste, unordentliche Treiben, und sie lästern; aber sie werden Rechenschaft geben müssen dem, der bereit ist, zu richten die Lebenden und die Toten“ (1 Petr 4, 1-5).

Aus dem frühchristlichen Diognetbrief:

„Zwar haben sie (die Christen) an allem als Bürger Anteil, leiden aber wie Fremdlinge. Jegliche Fremde ist ihnen Heimat, und jeder Heimat ist Fremde. Wie alle übrigen heiraten sie, bekommen Kinder, doch sie machen keine Abtreibung. In der Tischgemeinschaft sind sie gastfrei, nicht aber im Geschlechtsverkehr. Sie existieren im Fleisch, leben aber nicht nach dem Fleisch. Sie wandeln auf Erden, sind aber Bürger des Himmels… die Christen leben in der Welt, doch sie sind nicht von der Welt“ [3].

Doch noch etwas ist aus Gottes Wort der Heiligen Schrift zu erkennen: Der Antichrist, das sind Personen, die nicht nur gegen Christen, sondern die an der Stelle Christi auftreten und in seinem Namen meinen sprechen zu dürfen, hat seinen Ort da, wo Christus ist. Das ist ebenso, wie Atheismus nur dort möglich ist, wo Gott verehrt wird.

Damit stehen wir mit unserem Thema vor einer bleibenden Anfechtung des Volkes Gottes in dieser Weltzeit, der wir niemals entrinnen können, die wir jedoch mit Gottes Hilfe zu bestehen haben.

Bild und Glaube stehen in einem sehr engen Zusammenhang: Der Mensch, von Gott zu seinem Bild und Gleichnis geschaffen; Christus, das Bild Gottes und durch ihn die Wiederherstellung des verlorenen Bildes Gottes. Denken wir nur, welche Wirkung Bilder in uns und für uns haben: Die biblischen Texte wirken durchweg als Bilder von Personen und Handlungen, ebenso die Gleichnisse Jesu. Biblische Bilder haben einen festen Ort in der Kunstgeschichte. Und Paulus kann daher die Verkündigung so beschreiben (Gal 3, 1): „…denen doch Jesus Christus vor die Augen gemalt war als der Gekreuzigte? So auch mit Paul Gerhardt: „Erscheine mir zum Schilde, zum Trost in meinem Tod, und lass mich sehn dein Bilde, in deiner Kreuzesnot, da will ich auf dich blicken, da will ich glaubensvoll, dich fest an mein Herz drücken. Wer so stirbt, der stirbt wohl“.

In diesem Bereich der Bilder, der Dogmen, des Glaubens spielt sich auch die Auseinandersetzung um das Gender-Mainstreaming ab. Wenn wir das als Christen richtig erfassen, dann geht es für den einzelnen um ein Ringen im Gewissen zwischen den Forderungen der Zeit und Gesellschaft und dem Wort und Gebot Gottes.

Die entsprechenden Programme, Forderungen und Erklärungen versuchen diesem Ringen durch Umdeutungen der Schrift zu entgehen. Sie versuchen auf diese Weise Gewissen zu beruhigen, oder diese Gewissen werden auch verführt oder direkt oder indirekt gezwungen. Doch auch damit kann der Widerspruch aus Gottes Wort nicht beseitigt werden; denn das Wort bleibt geschrieben. Damit bleibt auch die Anklage der Gewissen. Es bleibt vor allem, was jedoch am eifrigsten verdrängt und geleugnet wird, die Strafe Gottes für die Übertretung seiner guten und den Menschen vor seiner Selbstvernichtung zurückhaltenden Gebote. Solche sichtbaren und spürbaren Strafen Gottes werden zwar eifrig bestritten oder doch beschönigt als Leiden. Dazu Luther: „Das pflegen die Gottlosen zu tun: Die Strafe für die Sünde deuten sie als Martyrium und rühmen sich in ihrer Gottlosigkeit“ (WA 25, 90, 31 f).

In vier Punkten versuche ich nun, die Entscheidungssituation, in der wir als Gemeinde wie auch als einzelne Christen stehen. Dabei ist auch zu bedenken, dass das Schwergewicht dieser Auseinandersetzungen sich nicht in der Publizistik, sondern in den Familien abspielt sowie in der Erziehung, für die Eltern, Gemeinde und Schule verantwortlich sind. Welche Vorbilder, welche Weisungen sind hier im Guten wie im Schlechten wirksam?

Die Heilige Schrift, das Wort des Dreieinigen Gottes, als Grundlage der Welterkenntnis.

„Wer einen Gott hat ohne sein Wort, der hat keinen Gott; denn der rechte Gott hat unser Leben, Wesen, Stand, Amt, Reden, Tun, Lassen, Leiden und alles in sein Wort gefasset und uns fürgebildet, dass wir außerhalb seines Wortes nicht suchen noch wissen dürfen noch sollen, und auch von Gott selbst nicht; denn er will von uns außerhalb seines Wortes mit unseren Dichten und Nachdenken unbegriffen, ungesucht, ungefunden sein.“(Von Ehesachen 1530. WA 30, III, 213, 24-39).

Nun gibt es an dieser Stelle einen klaren Dogmengegensatz, wenn auf einer Seite die Heilige Schrift als Wort des Dreieinigen Gottes aufgefasst wird, während im Gegensatz dazu die Heilige Schrift als Gotteswort im Menschenwort verstanden wird. Nach aller Erfahrung ist dieser Gegensatz unaufhebbar, und das muss man einfach feststellen, auch wenn es schwer zu ertragen ist. Dieses Ringen ist eine Wirkung des Wortes Gottes.

Für unser Thema möchte ich das an einem konkreten Beispiel vorführen, nämlich Gen 1, 27. Dabei lautet die Frage: Ist dieser Text eine Erkenntnisgrundlage für das, was der Mensch nach seiner Erschaffung durch Gott ist, oder ist es ein Erkenntnisgegenstand, wie man sich die Entstehung des Menschen unter früheren gesellschaftlichen Verhältnissen vorgestellt hat. Die Grundfrage ist dann: Ist es hier Gott, der uns sagt, wie er am Menschen handelt, oder ist der Mensch, der sich vorstellt, wie Gott ist uns handelt. Ist das handelnde Subjekt Gott oder Mensch – das ist eine dogmatische Grundsatzentscheidungen.

Nun zum Text: „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Weib“.

Zuerst zur Philologie (zu deutsch: Die Liebe zum Wort): Auffallend ist der Wechsel im Personalpronomen vom Singular: der Mensch / ihn, zum Plural: schuf er sie.

Im Hebräischen sowie im Griechischen wie auch in anderen Übersetzungen steht nicht „Mann und Weib“, sondern „Männliches und Weibliches“, also nicht Substantiv, sondern Adjektiv bzw. substantiviertes Adjektiv. Z. B. im Englischen: „male and female“. Mensch gilt also in der Einzahl für beides; unterschieden, jedoch keineswegs getrennt ist das Genus: männlich und weiblich. Die Grundbestimmung „Bild und Gleichnis Gottes“ für Mensch umfasst das Männliche und Weibliche in seiner Unterschiedenheit und Zusammengehörigkeit.

Was unter Bild und Gleichnis Gottes alles verstanden werden kann, mag hier auf sich beruhen. Doch eins ist wichtig: Es ist eine Würde und Auszeichnung vor allen anderen Lebewesen, die Gott geschaffen hat; es ist zugleich der Schutz, dass nach dem Willen Gottes Menschen nicht getötet werden dürfen (Gen 9, 6). Aber es ist auch ein kleiner und so unscheinbarer Text, der allerdings eine sehr weite Verbreitung und Wirkung hat.

Doch woran kann man diese Gottebenbildlichkeit erkennen? Wir haben das nur als geschriebenes Wort Gottes, dem freilich unsere Erfahrung in der Beurteilung von Menschen oft genug widerspricht, wenn wir sie nach Entwicklungsstand (ab wann ist ein Mensch Mensch? – Aristoteles: mas occasionatum – ein wegen meteorologischer Umstände missratenes Männliches; „Ist das Weib ein Mensch? so eine akademische Diskussion im Jahr 1594, in anderer Weise wiederholt Anfang des 20. Jahrhunderts unter der Frage nach dem „physiologischen Schwachsinn des Weibes“), nach Gesundheitszustand (wie lange ist menschliches Leben zu ertragen? Euthanasie), nach geistiger Fähigkeit, nach Hautfarbe, Rasse (höhere, niedrigere), Vermögen, gesellschaftlichem Status, Akademiker / Nichtakademiker) etc. beurteilen. Alles dies und vieles anderes haben wir als Erfahrung in der Begegnung mit Menschen tagtäglich vor Augen, und in dieser Weise werten wir und entscheiden zustimmend und ablehnend. Aber: Seit jeher haben Theologen mit Berufung auf die Heilige Schrift dagegengehalten: Der Mensch ist von Gott zu seinem Bild und Gleichnis geschaffen; deshalb ist sein Leben und seine Würde unantastbar. Das hatte im Kirchenkampf während des Dritten Reichs eine besondere Bedeutung, wenn in einer Erklärung der 12. Bekenntnissynode in Breslau in einer Handreichung für Pfarrer und Älteste zum 5. Gebot, ebenso immer wieder in andren Erklärungen, hingewiesen wird: „…Begriffe wie ‚Ausmerzen‘, ‚Liquidieren‘ und ‚unwertes Leben‘ kennt die göttliche Ordnung nicht. Vernichtung von Menschen lediglich weil sie Angehörige eines Verbrechers, alt oder geisteskrank sind, oder einer fremden Rasse angehören, ist keine Führung des Schwertes, das der Obrigkeit von Gott anvertraut ist“ (Niesel 107)

Der Widerspruch aus der Erfahrung jedoch bleibt. Für viele andere zitiere ich den Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Konrad Lorenz (1903-1989) mit seinem weitverbreiteten Buch „Das sogenannte Böse“ (1963): „Wir sind das Höchste, was die großen Konstrukteure des Artenwandels – Mutation und Selektion – auf Erden bisher erreicht haben, wir sind ihr ‚letzter Schrei‘, aber ganz sicher nicht ihr letztes Wort. Für den Naturforscher sind alle Absolutsetzungen …Sünde gegen den Heiligen Geist des panta rhei…Wenn ich den Menschen für das endgültige Ebenbild Gottes halten müsste, würde ich an Gott irre werden…Das langgesuchte Zwischenglied zwischen dem Tier und dem wahrhaft humanen Menschen – sind wir“ (S. 322, 323, 388).

Der hier vorliegende Dogmengegensatz ist offensichtlich: An die Stelle Gottes treten die personifizierten Größen Mutation und Selektion. Nach dem Darwinschen Evolutionsgedanken bezeichnen sie das Prinzip vom Recht des Stärkeren, der sich durchsetzt. Wenn nach dem Wort Gottes der Mensch von Gott zu seinem Bild und Gleichnis geschaffen ist, dann ist das eine unverfügbare, unverlierbare Würde, die keinesfalls von einem Entwicklungszustand abhängt, die keinem bestritten und genommen werden kann. Allerdings kann dies durch die Trennung von Gott geschehen, indem sich der Mensch von Gott abwendet und dem Tod als der Sünde Sold (Röm 6,23) verfällt.

Christus ist nach dem vielfachen Zeugnis der Schrift das Bild Gottes (Röm8, 29; 2 Kor 3, 18; 4, 4; Kol 1, 15; 3, 9f; Hebr 1, 3; Joh 12, 45; 14, 9). Indem wir ihm gleich werden durch die Taufe, wird auch in uns das Bild Gottes wiederhergestellt und erneuert.

Nun mag man leicht einwenden, das seien eben christliche Vorstellung oder sogar Erfindungen. Doch dagegen ist mit allem Nachdruck festzuhalten: Der Dreieinige Gott, der sich in seinem Sohn Jesus Christus und durch den Heiligen Geist offenbart, ist nicht eine Erfindung von Menschen, sondern Schöpfer, Erhalter, Richter und Retter für alle Welt und jeden Menschen.

Was ist „Gender-Mainstreaming“? – Bekennen und Verleugnen.

Hier brauche ich nur kurz zusammenzufassen, was ich in dem Vortrag ausgeführt habe: Wir haben es mit einer gesellschaftspolitischen Bewegung, mit einem Wahn, zu tun, die insofern religiös ist, als sie die tiefsten Tiefen menschlichen Bewusstseins ergreift und beherrscht. Das muss die christliche Gemeinde erkennen; sie muss freilich auch diese Versuchung und die damit verbundene Verfolgung bestehen. Dabei richtet sich die Kritik zunächst natürlich auf solche Erklärungen und Entscheidungen unter dem Namen der Kirche, in denen man den Forderungen der Zeit folgt. Im Grunde ist das ein Vorgang der sog. Zivilreligion, bei der was um den gesellschaftspolitischen Konsens geht, als um die tragenden und verbindenden Grundlagen einer Gesellschaft.

Die zu Recht kritisierten Erklärungen und Beschlüsse gehen alle davon aus, auf die Stimme des Volkes zu hören, weil man sie fürchtet.

Das ist die ständige Anfechtung und Versuchung der Gemeine durch die ganze Geschichte des Volkes Gottes auf seiner irdischen Wanderschaft im Alten wie im Neuen Bund bis zum Tag der Wiederkunft unseres Herrn zum Gericht über Lebende und Tote.

Bekennen und Verleugnen ist für den Christen nach dem Wort des Herrn die Entscheidungssituation vor dem Gericht von Menschen, sei es die öffentliche Meinung, sei es das staatliche Gericht. Bekennen steht darin, dass wir zu Christus gehören und auf sein Wort hören, ihm nachfolgen und seinem Bild gleich werden. Verleugnen oder sich schämen heißt wie bei Petrus: „Ich kenne den Menschen nicht“ – man schämt sich oder schweigt von Person, Wort und Werk Jesu Christi.

Die Vertauschung von Schöpfer und Geschöpf.

„Denn Gottes Zorn wird vom Himmel her offenbart über alles gottlose Wesen und alle Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten. Denn was man von Gott erkennen kann, ist unter ihnen offenbar; denn Gott hat es ihnen offenbart. Denn Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit der Schöpfung der Welt ersehen aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt, so dass sie keine Entschuldigung haben. Denn obwohl sie von Gott wussten, haben sie ihn nicht als Gott gepriesen noch ihm gedankt, sondern sind dem Nichtigen verfallen in ihren Gedanken, und ihr unverständiges Herz ist verfinstert. Da sie sich für Weise hielten, sind sie zu Narren geworden und haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes vertauscht mit einem Bild gleich dem eines vergänglichen Menschen und der Vögel und der vierfüßigen und der kriechenden Tiere“ (Röm 1, 18-23).

Hier geht es nicht um kirchenpolitische Richtungen und Theologenmeinungen, sondern hier muss Gott in seinem Wort sprechen und wir müssen hören, gehorchen, oder, wenn es denn Gottes Wille ist, unsere Ohren verstopfen und unsere Herzen und Gewissen verstocken. Protest oder Umkehr.

Dies aber sagt uns Gott in seinem Wort: Wo der wahre Gott nicht erkannt und also ihm gedankt und er gepriesen wird, da tritt an die Stelle Gottes die Macht, eben auch die Anziehungskraft des von ihm Geschaffenen. Die Stelle Gottes bleibt nie leer. Dreimal heißt es dann als Folge: „Gott hat sie dahingegeben“ (Röm 1, 24, 26, 28) in widernatürliche (1, 27) Sexualpraktiken. Die sind damals nicht anders als heute. Aber so sagt Gottes Wort: „Sie wissen, dass, die solches tun, nach Gottes Recht den Tod verdienen; aber sie tun es nicht allein, sondern haben auch Gefallen an denen, die es tun (Röm1, 23).

Entscheidung und Trennung.

Entscheidung und Trennung vollzieht sich dadurch und dort, wo Gottes Wort gelehrt und gehört wird. Das geschieht zuerst in unseren Herzen in dem Widerspruch von Fleisch der Sünde und Geist Gottes. Es geschieht aber ebenso in der Gesellschaft in der Begegnung von Kirche und Welt. Es geschieht schließlich auch in dem Ringen von wahrer und falscher Kirche. In einer Zusammenfassung von allem, was gesagt wurde, möchte ich nun zum Schluss die Entscheidungspunkte kurz, klar und in der hier heilsnotwendigen Schärfe formulieren; denn hier geht es in der Tat um die Verantwortung vor dem Gericht Gottes, dessen Kriterien uns in seinem Wort in aller Klarheit gegeben sind:

  1. Gott offenbart sich in seinem Wort mit seinen Namen, mit denen er angerufen und bekannt werden will. Wenn die Gottesnamen in der Liturgie sowie in einer „Bibel in gerechter Sprache“ nach der Ideologie des Main-Streaming geändert werden in z. B. „Vater-Mutter unser“, „Sohn Gottes“ als Tochter oder Kind Gottes, Streichung von Anreden wie Herr, Vater etc., dann ist das ein Missbrauch des Namens Gottes, „und der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.“
  2. Wenn behauptet wird, die Heilige Schrift habe keinen eindeutigen Begriff für Ehe, sondern verschiedene Formen familiären Zusammenlebens, dann ist das eindeutig falsch und tendenziöse Zweckbehauptung. Richtig ist, dass Gott den Menschen männlich und weiblich geschaffen hat mit dem Auftrag „seid fruchtbar und mehret euch und machet euch die Erde untertan“. Das ist die Schöpfungsordnung, die niemand ändern kann noch darf. Freilich kann sie, wie allenthalben die gute Schöpfung Gottes, von Menschen missbraucht werden. Sie muss deshalb auch als Gottes Ordnung durch entsprechende menschliche Gesetze geschützt werden.
  3. Die Heilige Schrift hat keinen Begriff für „Sexualität“. Wohl aber kennt sie das Begehren bzw. die Triebe im Menschen, die jedoch nicht auf den Sexualtrieb beschränkt sind, sondern jede Art von Begehren bezeichnet, das gegen Gottes Gebot und Ordnung gerichtet ist. Das betrifft durchgehend alle Gebote und Weisungen, die ja durchweg dadurch bestimmt sind, dass sich der Mensch in seiner gefallenen Natur gegen Gott und seine Gebot auflehnt, sie übertritt und damit Gottes gute Ordnung zerstört, sich selbst zum Schaden.

An dieser Stelle ist auf einen Sachverhalt aufmerksam zu machen, der überhaupt nicht mehr beachtet wird. Das ist die Verführung unter dem Zwang einer schleichenden Sprachveränderung. Mit aller Selbstverständlichkeit sprechen wir heute von Heterosexualität, von Homosexualität und entsprechend von Homophobie als Drohung mit der Möglichkeit von Bestrafung.

Dazu ist nachdrücklich auf folgendes hinzuweisen: Das Wort Gottes kennt nur die durch den Schöpfer geschaffene Verbindung von Mann und Frau, wie sie durch sein Wort gesegnet und durch das 6. Gebot vor Missbrauch geschützt wird. Alles, was außerhalb von Segen und Gebot durch Menschen geschieht, ist Sünde, d.h. gegen Gottes Ordnung – „gegen die Natur“ (Röm 1, 26) und gegen das, was für den Menschen heilsam ist: „Oder wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Lasst euch nicht irreführen! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, Ehebrecher, Lustknaben, Knabenschänder, Diebe, Geizige, Trunkenbolde, Lästerer oder Räuber werden das Reich Gottes ererben. Und solche sind einige von euch gewesen. Aber ihr seid reingewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes“ (1 Kor 6, 9-11).

Wenn uns das durch Gottes Wort klar wird, dann wird auch klar, dass es hier nicht um theologische oder politische Richtungen geht; es geht auch nicht um eine Vielfalt möglicher Schriftdeutung. Es geht vielmehr allein um die Eindeutigkeit von Gottes Wort im Widerspruch zu der Vieldeutigkeit und Verdrehung durch menschlichen Ungehorsam – auch und gerade in der Kirche. Denn der heilsame Ruf zur Umkehr wird bleiben, solange das Wort Gottes bleibt. „Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz bis alles geschieht“ (Mat 5, 18)“

Vortrag bei der Mariengemeinde der SELK Berlin Zehlendorf. Kirchweihfest am 1. Februar 2015.

[1] Idea Spektrum. Nr. 24. 12. Juni 2014. S. 16.

[2] Charles Fourier (1772-1837), Le nouveaux monde amoureux. Ca. 1820 verfasst, jedoch erst 1967 frz. und 1977 deutsch „Die neue Liebeswelt“, veröffentlicht.

[3] Diognetbrief V,1-VI,3; vgl. Didache V, 2

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 5. Februar 2015 um 22:39 und abgelegt unter Ehe u. Familie, Gemeinde, Gesellschaft / Politik, Sexualethik, Theologie.