Gemeindenetzwerk

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Geistlich leben und leiten in einer verÀnderten Zeit

Dienstag 3. Februar 2015 von Pfr. Hans-Otto Graser


Pfr. Hans-Otto Graser

Es gehört zum Wesen der Zeit, dass sie sich verĂ€ndert. Das ist nicht neu. Darum stimmen auch Aussagen wie diese: Wir leben heute in einer ganz anderen Zeit. Die Zeiten haben sich geĂ€ndert. Das Rad der Geschichte lĂ€sst sich nicht zurĂŒckdrehen. Wie aber, wenn behauptet wird, man könne in einer verĂ€nderten Zeit nicht lĂ€nger an ĂŒberholten Ansichten festhalten. Es sei notwendig, mit der Zeit zu gehen, wolle man nicht ausgegrenzt werden. Ohne Anpassung gehöre man nicht dazu.Nun, wenn UnglĂ€ubige so denken und reden, kann man das ja verstehen. Was aber, wenn Christen solche Meinungen vertreten? LĂ€uft das am Ende nicht auf einen Verrat an Jesus und am Wort Gottes hinaus? In der Tat! Anpassung an den Welt- und Zeitgeist ist Verrat an Jesus und seinem Wort. Wer mit der Welt im Gleichschritt marschieren will, kann nicht gleichzeitig Jesus nachfolgen. Vielen scheint das heute nicht mehr klar zu sein. Doch es bleibt dabei: „Wer der Welt Freund sein will, der wird Gottes Feind sein“ (Jak. 4,4b). Und: „Wenn jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters“ (1.Joh.2,15). Es ist deshalb frommer Selbstbetrug zu behaupten, man gehöre zum heiligen Gott, wenn man andererseits noch mit der Welt liebĂ€ugelt. Und gefĂ€hrlich wird die Sache dann, wenn solche SelbstbetrĂŒger in der Gemeinde Jesu Leitungsaufgaben innehaben. Sie sind verfĂŒhrte VerfĂŒhrer und blinde Blindenleiter.

Und damit zu unserem ersten Teil.

Geistlich leben in einer verÀnderten Zeit.

Was heißt „geistlich leben?“ Auf den Punkt gebracht bedeutet geistlich leben dasselbe wie heilig leben. In 3.Mo. 19,2 spricht Gott zu seinem auserwĂ€hlten Volk Israel: „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der Herr euer Gott!“ Und fĂŒr die Gemeinde der AuserwĂ€hlten im Neuen Bund gilt, wie wir aus 1.Petr. 1,16 wissen, dasselbe. Als Jesusleute sind wir also „heilige“, das heißt von Gott herausgerufene und fĂŒr Gott ausgesonderte Leute. Errettet von der Macht der Finsternis und versetzt in das Reich seines Sohnes (Kol.1,13), gehören wir zum heiligen Gott. Jesus hat uns mit seinem teuren Blut von der Gewalt der SĂŒnde, des Teufels und des ‚Todes erlöst. Nun leben wir nicht mehr unter der Herrschaft dieser MĂ€chte. Ebenso wenig unter der Anklageschrift und dem Fluch des Gesetzes. Wir sind Jesu Eigentum und durch sein Blut mit dem Vater versöhnte Kinder. Weil Jesus unsere SĂŒnden getilgt und unsere Schuld bezahlt hat, haben wir allezeit freien Zugang zum Thron der Gnade. Weil er den göttlichen Zorn ĂŒber unsere SĂŒnde auf sich zog, blickt der Vater freundlich auf uns herab und rechnet uns unsere SĂŒnden nicht mehr an. Als Erlöste und dem Herrn Geweihte umfĂ€ngt uns die in Jesus erschienene Gnade Gottes von allen Seiten. Nun aber mĂŒssen wir aufpassen. Gottes Gnade ist keine „billige Gnade“ (Bonhoeffer). Sie ist keine Schleuderware. Gott wirft uns seine Vergebung und Erlösung nicht wie ein Marktschreier hinterher. Er bietet sie uns in seinem Sohn an, der sie uns mit seinem Leiden und Sterben teuer erworben hat. Allein um Jesu Willen begnadigt Gott bußfertige SĂŒnder. Er stĂŒlpt seine Gnade keinem ĂŒber, der sie weder sucht noch will. Und gleich gar nicht begnadigt er die SĂŒnde. So gewiss Gott den SĂŒnder liebt, so gewiss hasst er die SĂŒnde, und zwar jede SĂŒnde. Deshalb heißt geistlich leben auch in stĂ€ndiger Buße leben. So wie wir es bei Luther in der ersten seiner 95 Thesen lesen: „Unser Herr und Meister Jesus Christus wollte mit seinem Wort „Tut Buße“ usw. (Matth. 4,17), dass das ganze Leben der GlĂ€ubigen Buße sei“. Nichts anderes meint Paulus wenn er in Titus 2,11 schreibt: „Es ist erschienen die heilsame Gnade allen Menschen und nimmt uns in Zucht, dass wir absagen dem ungöttlichen Wesen und den weltlichen Begierden und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben…“

Gottes Gnade lĂ€sst uns nicht wie wir sind. Jesus hat sein Blut nicht vergossen, damit wir in der SĂŒnde fröhlich weiterleben können und am Ende trotzdem in den Himmel kommen. Wer so denkt, ist nicht nur das Opfer einer billigen Gnade, sondern er spielt auch mit dem Höllenfeuer. Vielmehr hat sich der Heiland geopfert, damit wir wieder werden können, was wir eigentlich sein sollten: Gott geweihte, heilige Menschen, die nicht mehr sich selbst leben, sondern fĂŒr den da sind, der sie erlöst hat: Jesus! Menschen, die ihren Herrn und Erlöser von Herzen lieb haben und ihm deshalb gerne gehorchen. So wie Jesus in Joh. 14,23 sagt: „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten!“ Jesus will keinen zĂ€hneknirschenden, gesetzlich-pharisĂ€ischen Kadavergehorsam. Er sucht bei uns einen Gehorsam aus Liebe und Dankbarkeit fĂŒr die Erlösung und Befreiung. Und wenn wir Jesus wirklich lieben, fĂ€llt uns die Absage an das ungöttliche Wesen und die weltlichen Begierden nicht mehr schwer. Im Gegenteil: Wir verabscheuen die Welt mit ihrer Lust. Haben wir erst einmal die Herrlichkeit des Herrn geschmeckt, bedeuten uns die Herrlichkeiten der Welt nichts mehr. Sind uns die Augen fĂŒr die kostbarste aller Perlen aufgegangen – fĂŒr Jesus – gehen sie uns fĂŒr die Welt und ihre SchĂ€tze zu. Doch dazu brauchen wir den heiligen Geist. Nur er kann uns die Augen fĂŒr die Herrlichkeit des Heiland öffnen. Ohne ihn geht es uns wie Hiob: „Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen“ (Hiob 42,5). Allein der Heilige Geist kann uns Jesus so groß machen, dass er unser Ein und Alles wird. Sagt Jesus doch selbst vom heiligen Geist in Joh. 14,14: „Er wird mich verherrlichen!“ Wollen wir also echte Jesusliebhaber und damit geistliche Leute sein und immer mehr werden, mĂŒssen wir uns vom heiligen Geist erfĂŒllen lassen. Und wie gut, dass Jesus uns die Bitte um den heiligen Geist in den Mund legt: „Wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben, denen, die ihn bitten“ (Luk. 11, 13). Allerdings muss auch beachtet werden, was Petrus in Apg. 5,9 sagt: „Und wir sind Zeugen dieses Geschehens und mit uns der Heilige Geist, den Gott denen gegeben hat, die ihm gehorchen.“ Verharren im Ungehorsam und erfĂŒllt werden mit dem Heiligen Geist schließt sich demnach gegenseitig aus. Wer sich jedoch fĂŒr den Gehorsam entscheidet, darf zuversichtlich um die FĂŒlle des Heiligen Geistes bitten. Gott verheißt nicht nur den Geist, er mahnt uns sogar durch den Apostel Paulus in Eph. 5, 18: „Lasst euch vom Geist erfĂŒllen!“ Diese GeistesfĂŒlle haben wir bitter nötig, wenn wir Leute sein wollen, die Jesus lieben und ihm aus Liebe gehorchen, eben geistliche und heilige Leute. Nur wo der Geist Gottes unsere Herzen erfĂŒllen kann, sind sie auch erfĂŒllt von Liebe zum Herrn. Nun ist der Heilige Geist zwar in unsere Herzen ausgegossen wenn wir wiedergeborene Christen sind (Röm. 5, 5). Doch es liegt an uns ob wir auch voll des Geistes sind. Ob wir ihm Raum in uns geben oder ob ihn hindern und dĂ€mpfen. Ob wir ihm mit unserer Selbstliebe im Wege stehen oder ihm durch Selbstverleugnung den Weg ebnen. Ist Letzteres der Fall, kann und wird der Heilige Geist in uns das Feuer der Liebe zu Jesus entfachen. Und wo diese Liebesflamme in uns brennt, haben wir auch Hunger nach Gottes Wort, Sehnsucht nach Gebet, Verlangen nach dem Tisch des Herrn und Heimweh nach den BrĂŒdern. Laue Christen haben an diesen GnadenschĂ€tzen nur wenig oder gar kein Interesse. Jesusliebhaber dagegen können davon gar nicht genug bekommen. So aber bleibt die Liebeflamme am Brennen und das geistliche Leben lebendig und heilig.

Geistlich Leiten in einer verÀnderten Zeit

Im 1.Timotheusbrief schreibt Paulus an seinen Mitarbeiter Timotheus: „Du aber sei den GlĂ€ubigen ein Vorbild im Wort, im Wandel, in der Liebe, im Glauben, in der Reinheit“ (Kap. 4, 12). Diese Worte sollte jeder beherzigen, der sich zum geistlichen Leiten in der Gemeinde Jesu berufen weiß. Geistliche Leiter mĂŒssen Vorbilder sein. An ihnen sollten sich andere orientieren können. Von ihnen darf eine konsequente, an der Bibel ausgerichtete LebensfĂŒhrung erwartet werden. Eben eine „geistliche“ bzw. „heilige“ LebensfĂŒhrung. Wehe dem geistlichen Leiter, auf den das Urteil des Kirchenvaters zutrifft: „Mit ihren Worten bauen sie Kirchen, mit ihrem Leben reißen sie sie wieder ein!“. Damit wird deutlich: Geistliche Leiterschaft ist eine ungeheure Herausforderung. Geistliche Leiter, die ihr Amt ernst nehmen, haben einen schweren Stand. Das sehen wir deutlich bei Mose. Was hatte dieser von Gott berufene Leiter nicht alles zu erdulden und zu erleiden. Vierzig Jahre musste er ein widerspenstiges Millionenvolk durch die WĂŒste fĂŒhren und ertragen. Wie hielt der Mann das nur aus? Der HebrĂ€erbrief gibt uns Antwort: „Er hielt sich an den, den er nicht sah, als sĂ€he er ihn“ (Hebr. 11, 27). Mose war mit allen Fasern seines Herzens und Lebens an Gott und seine Befehle gebunden. Und er war ein Beter. Mose war ein geistlicher, bzw. heiliger Mann. Bis dahin, dass auf seinem Gesicht etwas vom Licht der Herrlichkeit Gottes aufleuchtete (2, Mos. 34, 29-35). In der Tat ein rechtes geistliches Vorbild dieser Mose. Nicht anders die Apostel. Auch sie pflegten innigste Gemeinschaft mit dem Herrn. Auch sie waren MĂ€nner des Gebets. Auch ihnen war Gottes Wort heilig. Deutlich sehen wir das in Apg. 6, 4, wo sie sprechen: „Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben.“ In der Jerusalemer Gemeinde erhob sich ein Murren unter den griechischen Juden gegen die hebrĂ€ischen. Ihre Witwen wurden bei der tĂ€glichen Versorgung ĂŒbersehen. Und nun meinten diese Leute, die Apostel sollten die Aufgabe der Versorgung ĂŒbernehmen. Doch diese antworteten: „Es ist nicht recht, dass wir fĂŒr die Mahlzeiten sorgen und darĂŒber Gottes Wort vernachlĂ€ssigen“ (Apg. 6, 2). Damit werteten sie den diakonischen Dienst nicht ab, aber ihre Aufgabe sahen sie im anhaltenden Beten und in der VerkĂŒndigung des Wortes Gottes. So setzten sie ein fĂŒr alle Mal ein klares Zeichen. Gewiss, die Sorge um das leibliche Wohl der Menschen ist wichtig, aber unvergleichlich wichtiger ist die Sorge um ihr ewiges Heil. Darum ist es brandgefĂ€hrlich wenn das Gebet und die VerkĂŒndigung des Wortes Gottes zugunsten humanitĂ€rer Hilfe und ArmutsbekĂ€mpfung in den Hintergrund gerĂŒckt wird. Von der Bibel her ist es eindeutig: Sowohl Gemeindebau als auch Gemeindeleitung geschehen durch Gebet und Gottes Wort. Deshalb mĂŒssen Gemeindeleiter vor allem anderen MĂ€nner der Bibel und des Gebets sein. Anders sind sie keine Vorbilder, und im schlimmsten Fall sogar blinde Blindenleiter und VerfĂŒhrer. Nur wer sich in der Bibel gut auskennt und sich ihr unterwirft, kann andere biblisch unterweisen. Nur wer ein Beter ist, wird von Gott zum Dienst am Wort bevollmĂ€chtigt. Und nur wer selber ein geistliches Leben fĂŒhrt, kann andere geistlich anleiten und der Gemeinde recht vorstehen. Damit aber kommen wir noch zu einem besonders heiklen Punkt. Zu diesem Vorstehen gehört neben dem „Weiden“ der Gemeinde auch das „SchĂŒtzen“. Der Gemeindeleiter muss dafĂŒr Sorge tragen, dass in der ihm anvertrauten Herde Gottes Wort rein und unverfĂ€lscht verkĂŒndigt wird. Er muss aller unbiblischen Lehre entschieden wehren. Und er muss aller Unordnung und allen widergöttlichen Verhaltensweisen mutig und entschlossen entgegentreten. Insofern hat der Gemeindeleiter sogar die Aufgabe zu richten. Es stimmt nicht, wenn immer behauptet wird, das Richten sei grundsĂ€tzlich verboten. Verboten ist uns nur, ein endgĂŒltiges Urteil ĂŒber einen Menschen zu fĂ€llen. Das ist ausschließlich Gottes Sache.

Anders ist das mit dem Beurteilen. Das ist uns ausdrĂŒcklich geboten: „Ihr Lieben, glaubt nicht einem jeden Geist, sondern prĂŒft die Geister, ob sie von Gott sind!“ (1.Joh. 4, 1). Mehr noch: In 1.Kor.5,11f schreibt Paulus: „Ihr sollt nichts mit einem zu schaffen haben, der sich Bruder nennen lĂ€sst und ist ein UnzĂŒchtiger oder ein Geiziger oder ein Götzendiener oder ein LĂ€sterer oder ein Trunkenbold oder ein RĂ€uber… Habt ihr nicht die zu richten, die drinnen sind?“. Gewiss, das Ziel dieses Richtens ist nicht verdammen. Es geht hier vielmehr um Gemeindezucht. Wer sich scheut, die zu ĂŒben, verstĂ¶ĂŸt gegen Gottes Ordnung. Übrigens ist Gemeindezucht ein Akt der Barmherzigkeit. Manchmal das letzte Mittel, einen irrenden und abtrĂŒnnigen Bruder noch zur Besinnung zu bringen und zur Umkehr zu bewegen. Wer darum nicht bereit ist, unbußfertige SĂŒnder aus der Gemeinde auszuschließen, verstĂ¶ĂŸt gegen Gottes Willen. Doch wir alle wissen, dass es viel einfacher ist, den Menschen zu gefallen, als Gott zu gehorchen. Und deshalb geht es in vielen Kirchen und Gemeinden heutzutage so zu, wie es zugeht. Was wird inzwischen nicht alles an SĂŒnde und Widergöttlichem geduldet. Nein, es geht nicht um eine reine und sĂŒndlose Gemeinde. Die gibt es nirgends. Doch es geht um die Bewahrung der Heiligen vor dem Abfall. Und da haben Gemeindeleiter eine ungeheure Verantwortung. Gott wird jeden Gemeindeleiter einmal zur Rechenschaft ziehen. Dann wird nicht gefragt, ob er es den Menschen recht machen wollte, sondern ob er Gott treu war und sein Wort ernst nahm. Oder um mit Jes.66,2 zu sprechen, ob er zerbrochenen Geistes war und vor Gottes Wort erzitterte. Mehr erzitterte als vor dem Zorn und der Wut der Leute, bzw. ihrem Spott und ihrer Verachtung. Gebe Gott, dass wir alle wieder mehr erzittern vor seinem heiligen Wort, denn das ist die wichtigste Voraussetzung fĂŒr das geistliche Leben und Leiten in einer verĂ€nderten Zeit. Besser gesagt: einer immer gottloser werdenden Zeit.

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Dienstag 3. Februar 2015 um 12:36 und abgelegt unter Seelsorge / Lebenshilfe, Theologie.