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Ehe und Familie sind ins Gerede gekommen…

Mittwoch 21. Mai 2014 von Lippischer Gemeinschaftsbund e.V.


Lippischer Gemeinschaftsbund e.V.

…in Gesellschaft, Politik und Kirche. Christen fragen stets zuerst: Was sagt Jesus dazu?

„Da traten Pharisäer zu ihm und versuchten ihn und sprachen: Ist’s erlaubt, dass sich ein Mann aus irgendeinem Grund von seiner Frau scheidet? Er aber antwortete und sprach: Habt ihr nicht gelesen: Der im Anfang den Menschen geschaffen hat, schuf sie als Mann und Frau und sprach (1.Mose 2,24): »Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden „ein“ Fleisch sein«? So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern „ein“ Fleisch. Was nun Gott zusammengefĂĽgt hat, das soll der Mensch nicht scheiden! Da fragten sie: Warum hat dann Mose geboten, ihr einen Scheidebrief zu geben und sich von ihr zu scheiden? Er sprach zu ihnen: Mose hat euch erlaubt, euch zu scheiden von euren Frauen, eures Herzens Härte wegen; von Anfang an aber ist’s nicht so gewesen. Ich aber sage euch: Wer sich von seiner Frau scheidet, es sei denn wegen Ehebruchs, und heiratet eine andere, der bricht die Ehe.“ (Matthäus 19,3-9)

Jesus zeigt uns durch seine Antwort:

1. Das geschriebene Wort Gottes als MaĂźstab
In seiner Haltung zur Ehe bezieht sich Jesus ausdrĂĽcklich und ausschlieĂźlich auf die Heilige Schrift, indem er seine Antwort auf das geschriebene Wort Gottes in 1. Mose 1 und 2 grĂĽndet. Jesus stellt fest: „Die Schrift kann nicht gebrochen werden.“ (Joh 10,35). Die Bibel ist der bleibende, immer aktuelle und heilsame MaĂźstab – auch in den Fragen von Ehe, Liebe, Sexualität und Familie (2. Tim 3,16.17). Deshalb fragt Jesus: „Habt ihr nicht gelesen?“

2. Die grundlegende Bedeutung von 1. Mose 1 und 2
Was und wie in 1. Mose 1-3 gesprochen wird, macht deutlich, dass hier Aussagen von grundlegender Bedeutung stehen – gerade auch im Blick auf Ehe und Familie. Jesus bestätigt dies ausdrücklich. Er stellt klar: Was am Anfang der Bibel gesagt wird, ist wegweisend und verbindlich. Hier finden wir, was Gottes Wille von „Anfang an“ ist und was von da aus durch die ganze Bibel hindurch gelehrt und bekräftigt wird. Die Bibel berichtet auch von vielen Menschen, die Gottes gute Ordnung missachtet oder vergessen haben. Wir lesen z.B. von Ehebruch, Prostitution, Missbrauch, Vergewaltigung, Vielehe, vorehelichen Geschlechtsverkehr usw. Damit werden die geschilderten Verfehlungen jedoch nicht gebilligt oder positiv gelehrt. Vielmehr schildert die Bibel damit realistisch die Sünde des Menschen und zeigt, wie viel Not und Leid der Mensch über sich und andere bringt, wenn er von dem abweicht, was Gottes Wille „von Anfang an“ ist.

3. Geschaffen als Mann und Frau
Jesus lehrt mit 1. Mose 1 und 2, dass Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat. Mann-Sein und Frau-Sein sind jeweils gute Gabe Gottes. Der Wunsch des Schöpfers ist es, dass sich Männer ihrer Identität als Mann bzw. Frauen ihrer Identität als Frau freuen, diese Identität positiv bejahen und bewusst ausleben. Zugleich dürfen und sollen wir uns der Identität und der Würde unseres andersgeschlechtlichen Gegenübers freuen und diese achten und wertschätzen.

4. Mann und Frau – geschaffen füreinander
Jesus lehrt mit 1. Mose 1 und 2, dass Gott Mann und Frau füreinander geschaffen hat. In liebevoller Gemeinschaft dürfen sie Erfüllung, Freude und Geborgenheit finden. Gerade in ihrer seelischen, geistigen und körperlichen Unterschiedlichkeit und Andersartigkeit dürfen sie einander ergänzen. Die Schönheit dieser Liebe zwischen Mann und Frau als Geschenk Gottes drückt besonders das Hohelied Salomos aus. Der Reichtum der gegenseitigen Ergänzung wird in 1. Mose 2,18-23 und Eph 5,21-33 deutlich. Die negative Beurteilung praktizierter Homosexualität in der Bibel ergibt sich konsequent aus der guten Ordnung Gottes, dass von der Schöpfung her Mann und Frau für einander geschaffen sind.

5. Die Ehe – göttliche Gabe, Ordnung und Stiftung
Jesus lehrt mit 1. Mose 1 und 2, dass die geschilderte Gemeinschaft von Mann und Frau ihren festen, gottgewollten Platz in der Ehe hat. Sie ist für Jesus mit 1. Mose 1 und 2 gute Gabe, Ordnung und Stiftung Gottes („Was Gott zusammengefügt hat…“), durch die die liebevolle Gemeinschaft von Mann und Frau getragen und geschützt wird (z.B. 1. Mose 24,67).

6. Mit der Schöpfung gegeben
Jesus lehrt mit 1. Mose 1 und 2, dass die heterosexuelle Ehe (mit der daraus erwachsenden Elternschaft und Familie) mit der Schöpfung gegeben ist. Darum spricht z.B. in den lutherischen Bekenntnisschriften die Apologie der Confessio Augustana mit Recht von der Ehe zwischen Mann und Frau nicht allein als einer göttlichen Stiftung sondern auch als einem von Gott gesetztem „ius naturalis“ (Naturrecht). In diesem Sinn nennt Röm 1,26 praktizierte Homosexualität „widernatürlich“ und betont, dass die dort genannten „Heiden“ es eigentlich von Natur aus besser wissen könnten (obwohl sie als „Heiden“ ja die geschriebenen Gebote gar nicht kennen). Weil es um ein universales „ius naturalis“ geht, hat der Schutz von Ehe und Familie seinen festen Platz in der Menschenrechtserklärung der UNO von 1948 wie auch in unserem Grundgesetz. Ehe und Familie sind eben unerlässliche Ordnungen für die Zukunft einer intakten Gesellschaft (Jer 29,5-7).

7. Ă–ffentlich und rechtsverbindlich
Die Ehe hat öffentlichen und rechtsverbindlichen Charakter; denn sonst würde sich in obigem Bibeltext ja gar nicht die Frage nach dem Scheidungsrecht stellen. Die Ehe ist der exklusive Treuebund zwischen einem Mann und „seiner“ (nicht irgendeiner) Frau, der er fest anhängt (hebräisch:„anklebt“), um eine neue, eigenständige Familieneinheit zu gründen („Vater und Mutter verlassen“). Mögen sich Eheschließungsrituale ändern, doch wo die Bibel von Ehe spricht, hat die Eheschließung öffentlichen und rechtsverbindlichen Charakter (z.B. 1. Mose 29,21-23; Mt 1,18.20.24; Mt 25,1-10; Joh 2,1-11).

8. Legitimer Ort der sexuellen Vereinigung
Die Ehe ist der legitime Rahmen, wo es zwischen Mann und Frau eine ganzheitliche Gemeinschaft nach Geist/Seele und Leib gibt („ein Fleisch“). Die sexuelle Vereinigung ist demnach als besonders intensiver, „krönender“ Ausdruck der ganzheitlichen Gemeinschaft von Mann und Frau fest in diese eingebunden. Wenn es z.B. im Hebräischen über die sexuelle Vereinigung Adams mit Eva heißt „Adam erkannte sein Weib“ (1. Mose 4,1), zeigt dies, wie es nicht nur um ein körperliches Geschehen sondern um eine Begegnung und Gemeinschaft nach Leib und Seele mit einem persönlichen Gegenüber geht. Diese gegenseitige Hingabe macht verletzlich und bedarf deshalb des Schutzes der Ehe. Die Treue schafft das nötige Vertrauen, durch das vorbehaltlose Hingabe erst möglich wird. Das Ausleben der sexuellen Vereinigung außerhalb des Schutzraumes der Ehe lehnt das Wort Gottes deshalb zum Schutz des Menschen als Unzucht ab (z.B. 1. Kor. 7,1-9). Für den Liebenden im Hohenlied 4,12 ist die Braut vor der Hochzeit „ein verschlossener Garten“. Für Maria und Josef ist vorehelicher Geschlechtsverkehr gemäß 5. Mose 22,15 undenkbar (Lk 1,34). Dieser Maßstab spiegelt sich auch in 2. Kor 11,2 wieder.

9. Elternschaft und Familie
Nach 1. Mose 1,28 gibt Gott Mann und Frau die Gabe, durch ihre Vereinigung neues Leben zu schaffen. So entsteht aus der Ehe von Mann und Frau Elternschaft und damit Familie. Vater, Mutter und Kinder sind demnach kein „Biedermeieridyll“ sonder bilden die Kernfamilie. Auch wenn sich Sippengeflechte und Großfamilien um diesen Kern bilden, bleibt der Kern von der Schöpfung her immer die Keimzelle und Konstante.

10. Geborgenheit durch unverbrĂĽchliche Treue
Unter Rückgriff auf 1. Mose 1 und 2 und auf das Ehebruchsverbot aus den 10 Geboten betont Jesus die Unverbrüchlichkeit des Ehebundes gegen die „tolerantere“ Haltung seiner Zeitgenossen. Erst diese Treue schafft die Geborgenheit, die Mann und Frau und auch deren Kinder im Tiefsten ersehnen und benötigen. Dieser Treuebund will die Liebe in schweren Zeiten und Krisen tragen. Er soll und darf an vermeintlich „toten Punkten“ Ausgangspunkt für ein Ringen um neues Miteinander, um die gegenseitige Liebe und Versöhnung sein.

11. Ehelosigkeit
Lesen wir in Mt 19 weiter, stoßen wir darauf, wie Jesus auch über die Ehelosigkeit spricht. Er selber hat sie gelebt. Ebenso der Apostel Paulus. Sie ist verbunden mit sexueller Enthaltsamkeit und eröffnet eine besondere Freiheit, mit ganzer Hingabe Gott zu dienen und darin Erfüllung zu finden. (1. Kor 7,1-9). Darin ist sie Vorbild unseres himmlischen Lebens, das wir auch in Ehelosigkeit ganz für den Herrn leben und darin volle Erfüllung finden werden (Mt 22,30).

12. Jesus und die alttestamentlichen Gebote
VordergrĂĽndig berufen sich auch die Pharisäer auf die Schrift, indem sie die Regelung des Mose zur Ehescheidung anfĂĽhren (5. Mose 24). Jesus stellt klar, dass diese Regelung – obwohl Teil der Schrift – nur eine „Notordnung“ auf Zeit war. DemgegenĂĽber betont er durch RĂĽckgriff auf das Ehescheidungsverbot, mit dem Gott seine ursprĂĽngliche Ordnung aus 1. Mose 1 und 2 schĂĽtzt, die zeitlose GĂĽltigkeit der 10 Gebote. Mit den Geboten „Du sollst Vater und Mutter ehren…“ und „Du sollst nicht Ehebrechen…“ bestätigt und schĂĽtzt Gott die treue Gemeinschaft der heterosexuellen Ehe und die daraus erwachsende Elternschaft bzw. Familie. Die 10 Gebote mit ihren zahlreichen biblischen Erläuterungen und Entfaltungen sind Konkretionen des Doppelgebotes der Liebe (Mt 22, 36-40; Röm 13,8-10). Liebe zu Gott und zum Nächsten verwirklicht sich also im Ausleben der Gebote und Ordnungen Gottes und nicht darin, dass wir eine menschliche Vorstellung von Liebe ĂĽber Gottes Ordnungen stellen.

Jesus führt hinter die „Notordnung“ des Mose zum ursprünglichen Willen Gottes von der Unverbrüchlichkeit der Ehe zurück, weil mit Jesus die erneuernde Kraft des Heiligen Geistes kommt, der zu Liebe, Treue, Miteinander, Vergebung und Neuanfang in Ehe und Familie befähigen kann und will.

13. Vergebung und Neuanfang
Am Beispiel des Umgangs Jesu Christi mit der Ehebrecherin in Joh 8,1-11 wird grundlegend deutlich, was sich auch durch das ganze Verhalten Jesu hindurch zieht und MaĂźstab fĂĽr das Verhalten seiner Gemeinde sein soll:Jesus liebt den SĂĽnder, nimmt ihn in groĂźer Liebe an und schenkt Vergebung. Zugleich nennt Jesus Christus SĂĽnde beim Namen und beschönigt oder rechtfertigt das Verkehrte nie. Seine bedingungslose Annahme und Vergebung zielen aber auf Veränderung des Menschen. Dieses gilt in gleicher Weise fĂĽr jede Art von SĂĽnde. Es betrifft z.B. den Geiz und die Unversöhnlichkeit genauso wie die praktizierte Homosexualität (I Kor. 6,9-11). Denn SĂĽnde ist letztlich immer Gefangenschaft, die den Menschen zerstört und von Gott trennt. Gerade weil Jesus also den SĂĽnder liebt, möchte er ihn konsequent von dem Verderben der SĂĽnde frei machen. Dies geschieht, indem Jesus Vergebung schenkt und Gesinnung und Lebenswandel des Menschen nach dem Willen Gottes zum Guten verändert. Im konkreten Beispiel von Joh. 8 schenkt Jesus der Ehebrecherin seine Vergebung und zugleich einen Neuanfang mit den deutlichen Worten: „SĂĽndige hinfort nicht mehr…“

So fragt Jesus auch uns in unserer Zeit: „Habt ihr nicht gelesen?“ (Mt 19,4)

Pfr. Matthias Köhler, Hohenhausen, April 2014

Beisitzer im Vorstand des Lippischen Gemeinschaftsbundes e.V.

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 21. Mai 2014 um 17:03 und abgelegt unter Ehe u. Familie, Kirche, Theologie.