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K√∂nig Hiskia – „Und er tat, was dem Herrn wohlgefiel.“

Freitag 28. Januar 2011 von Prädikant Wolfgang Wilke


Prädikant Wolfgang Wilke

Predigt: K√∂nig Hiskia – „Und er tat, was dem Herrn wohlgefiel.“¬†(2. K√∂n. 18-20; 2. Chr. 29-32 und Jes. 37-39)

Die Bibel beschreibt Lebensl√§ufe von sehr unterschiedlichen Menschen, von K√∂nigen und Priestern, von Richtern und Propheten, ¬†aber auch von ganz normalen Menschen wie Du und ich. Die Bibel ist kein Buch von gestern, wie uns manche weismachen wollen. Nein, die Bibel ist hochaktuell und ein Kursbuch zum Leben. Sie beschreibt Lebensgeschichten von besonderen und von ganz normalen Menschen mit ihren W√ľnschen, N√∂ten und Problemen. Das k√∂nnte heute ganz genau so passieren.

Eine dieser Lebensgeschichten handelt von Hiskia, dem König von Juda. Er lebte um 700 vor Christus. Während so manche seiner Vorgänger das Mißfallen Gottes erregten, heißt es von ihm:

  • Und er tat, was dem HERRN wohlgefiel, wie sein Vater David.
  • Er vertraute dem HERRN
  • Er hing an dem HERRN und wich nicht von IHM ab und hielt Seine Gebote.
  • Ergebnis: Und der HERR war mit ihm.[1]

Wenn doch √ľber unser Leben einmal ein solches Urteil gef√§llt werden k√∂nnte! Dabei waren die Verh√§ltnisse bei seinem Amtsantritt alles andere als rosig. Als er im Jahre 716 v.Chr., mit gerade erst 25 Jahren, K√∂nig von Juda wurde, war das Nordreich Israel von den Assyrern bereits erobert (722) und der gr√∂√üte Teil der Bev√∂lkerung in andere assyrische Provinzen deportiert worden. Sein eigenes Land, das S√ľdreich Juda,¬† war Assyrien tributpflichtig. Jederzeit konnte ihm das gleiche Schicksal widerfahren.

Das geistlich religi√∂se Leben war desolat. Sein Vater, K√∂nig Ahas, hatte nicht getan, was dem HERRN wohlgefiel, sondern er f√ľhrte den heidnischen G√∂tzendienst in Juda ein. Bei einem Aufenthalt in Damaskus bewunderte er den heidnischen Altar und sandte dessen Abbild zu seinem Priester Uria nach Jerusalem, um eine Kopie davon machen zu lassen. Dieser Altar wurde dann im Tempel Gottes in Jerusalem aufgestellt und Opfer darauf dargebracht. Au√üerdem lie√ü er, dem K√∂nig von Assyrien zuliebe, Kultger√§te aus dem Tempel entfernen und eine Sonnenuhr im Tempel errichten. Damit entweihte er den Tempel Gottes.

Obwohl Hiskia in seinem Vater kein positives Vorbild hatte, wu√üte er aber: Wir tragen die volle Verantwortung f√ľr unsere Lebensf√ľhrung. F√ľr die √§u√üeren Bedingungen, die wir in unserem Leben vorfinden, und f√ľr unseren Charakter und unsere Veranlagungen, die mit unserer Geburt mitbekommen, sind wir nicht verantwortlich, aber daf√ľr, wie wir darauf reagieren und damit umgehen. Wie reagierte Hiskia?

In vier Punkten möchte ich seinen Lebenswandel erläutern:

1.  Die Reform oder das Großreinemachen
2.  Das Vertrauen
3.  Die Antwort Gottes
4.¬† Die Pr√ľfung

1. Die Reform oder das Großreinemachen

Nach seinem Amtsantritt, er ist 25 Jahre alt, beginnt er sofort damit, die Mi√üst√§nde in seinem Reich, insbesondere den G√∂tzendienst,¬† ¬†gr√ľndlich zu beseitigen und das geistliche Leben auf eine solide, Gott wohlgef√§llige Basis zu stellen. Mit der Ermutigung des Propheten Jesaja leitet er eine religi√∂se Reform ein, die in drei Stufen abl√§uft.¬†

Als erstes mu√üte die Priesterschaft, das kirchliche Establishment, daf√ľr gewonnen werden. Auf dem freien Platz √∂stlich des Tempels hielt er eine eindringliche Rede, schilderte ihnen die S√ľnden der Vorfahren, die Gottes Gebots so wenig beachtet hatten. Dann √§u√üerte er seine feste √úberzeugung, da√ü all das Ungl√ľck, welches das Volk Israel getroffen hatte, in seiner Gottlosigkeit begr√ľndet sei. H√§tten wir doch heutzutage Herrscher und Politiker, die die Weisheit haben, sich diese Wahrheit selbst vor Augen zu f√ľhren, und den Mut, ihre Politik daran auszurichten und sie vor dem Volk zu vertreten.

a)¬† ¬†Als n√§chstes versuchte er die Fr√∂mmigkeit im Volk zu f√∂rdern. Dazu wurden die religi√∂sen Feste wieder eingef√ľhrt und als erstes gleich das Passahfest wieder gefeiert, das lange Zeit nicht mehr gefeiert worden war.

Er sandte Boten in alle Teile seines Landes, sogar zu den Stämmen des Nordreiches Israel, um sie zum Fest einzuladen. Dort ernteten sie aber meist nur Spott, soweit waren sie schon vom biblischen Glauben an den lebendigen Gott entfernt.

Ist es bei uns heute nicht √§hnlich? Unsere kirchlichen Feiertage nimmt man nicht mehr ernst, den Bu√ü- und Bettag hat man inzwischen abgeschafft und an der Sonntagsheiligung wird kr√§ftig ger√ľttelt. Die ¬†EU-Verfassung wurde trotz heftiger Gegenwehr ohne jeglichen Gottesbezug verabschiedet.

b)¬† ¬†Zuletzt nahm Hiskia den schwierigsten und sensibelsten Teil seiner Reform in Angriff: Die Bek√§mpfung des G√∂tzendienstes und die Zerst√∂rung aller fremden G√∂tzenalt√§re und G√∂tzenbilder. Man sollte es kaum glauben, was sich da an G√∂tzenbildern angesammelt hatte. Das Schrecklichste war, da√ü sogar die bronzene Schlange angebetet wurde, die Mose damals auf Anweisung Gottes in der W√ľste gemacht hatte.

Statt sie als Sinnbild f√ľr Gottes Eingreifen anzusehen, hatte man sie selbst zum Gott erkl√§rt, ihr den Namen Nehustan gegeben und ihr Opfer dargebracht. Auf welche Irrwege der Mensch mit seiner Religiosit√§t doch geraten kann, wenn er sich nicht allein an den lebendigen Gott h√§lt.

Die Schlange wurde zerst√∂rt und gr√ľndlich zermahlen, so da√ü niemand auch nur mit den Resten G√∂tzendienst treiben konnte. Anschlie√üend schickte er Gruppen treuer Israeliten durch das Land, um √ľberall zu vollziehen, was in Jerusalem begonnen hatte. Die G√∂tzenbilder wurden umgesto√üen und verbrannt, die heidnischen Kultst√§tten zerst√∂rt. Teilweise geschah das unter dem Z√§hneknirschen der Leute, die jahrzehntelang dort ihren G√∂tzen gehuldigt hatten.¬†Das war f√ľr Hiskia sicherlich ein mutiger und riskanter Schritt, den er mit aller Konsequenz zu Ende ging.

Bei jeder anderen Reihenfolge dieser drei Schritte h√§tte er mit dem z√§hen Widerstand des Volkes rechnen m√ľssen. Nachdem aber die Priesterschaft d.h. das kirchliche Establishment, die Theologen, gewonnen waren und die Feiertage wieder ihren richtigen Platz im Leben des Volkes hatten, konnte auch dieser heikle Punkt angegangen werden. Das war damals. ¬†

Wie aber sieht das bei uns pers√∂nlich, in unserem Herzens¬≠tempel aus? Ist auch bei uns kaum zu glauben, was sich da im Laufe unseres Lebens an G√∂tzenbildern angesammelt hat? Was steht da manchmal so herum. Fromme G√∂tzen wie z.B. ein falscher Christus, oder eine Maria, die sog. Muttergottes, Schutz-Heilige, aber auch die G√∂tzen Karriere, Mammon und Sex, ¬†auf die man sein Vertrauen setzt und ihnen Opfer bringt an Zeit, Geld und Gesundheit. Wieviele haben ihren Glauben an den lebendigen Gott z.B. der Karriere regelrecht geopfert. Ein solcher g√∂tzendienerischer Lebenswandel ist Gott ein Greuel und die unausbleiblichen Folgen hat jeder selber zu tragen. Das hatte Hiskia glasklar erkannt, wenn er sagt: ich bin der festen √úberzeugung, da√ü das Unheil, das unser Volk getroffen hat, in dieser Gottlosigkeit begr√ľndet ist.¬† ¬†

Wir sind kein K√∂nig, der sich gegen ein Volk durchsetzen mu√ü. Wir m√ľssen nur gegen unsere eigenen Veranlagungen, W√ľnsche, Triebe, Neigungen und unsere falschen G√∂tter k√§mpfen. Sind wir bereit zu einem gr√ľndlichen Gro√üreinemachen in unserem Herzen und bringen wir den Mut auf, alle G√∂tzen dort herauszuwerfen und zu zerst√∂ren? Und wollen wir dem lebendigen Gott alleine dienen und IHM unser ganzes Vertrauen schenken? Hiskia tat genau das.

2. Das Vertrauen

In der Beschreibung des Hiskia hei√üt in 2.K√∂nige 18,5: ‚ÄěEr vertraute dem HERRN, dem Gott Israels, da√ü nach ihm seinesgleichen nicht war unter allen K√∂nigen Judas, noch vor ihm gewesen.‚Äú Nachdem Hiskia die religi√∂se Reform als Teil seiner Innenpolitik durchgef√ľhrt hatte, wandte er sich der Au√üenpolitik zu und schon bald kam hier die n√§chste Herausforderung.

Der Assyrerk√∂nig Sanherib zog mit einem riesigen Heer, vielen Streitwagen und einer unz√§hligen Kavallerie heran. Angesichts dieser gewaltigen Milit√§rmaschinerie, die sich durch Pal√§stina w√§lzte, mordend und brennend, alles einrei√üend, was sich ihr in den Weg stellte, sank Hiskia und seinen Beratern der Mut. Was sie von den Fl√ľchtenden h√∂rten, die in Jerusalem Zuflucht suchten, √ľbertraf alle ihre Vorstellungen. Die Treffsicherheit der reitenden Bogensch√ľtzen war beeindruckend. Besonders imposant waren die gewaltigen Belagerungsmaschinen: Katapulte, mit denen sie Felsbrocken gegen die Stadtmauern und in die Stadt schleuderten.

W√§hrend der Assyrerk√∂nig Sanherib noch die j√ľdische Festung Lachisch s√ľdlich von Jerusalem belagerte, sandte er seinen Feldmarschall nach Jerusalem. √úber Nacht stand ein riesiges Kriegsheer vor den Toren Jerusalems und K√∂nig Hiskia wurde in einem offiziellen Brief aufgefordert, sich zu ergeben. Darin hie√ü es:

2K√∂ 19,10:¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† „La√ü dich von deinem Gott, auf den du dich verl√§ssest, nicht verf√ľhren, indem du sprichst: Jerusalem wird nicht in die Hand des K√∂nigs von Assyrien gegeben werden!“

2K√∂ 19,11:¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† „Siehe, du hast geh√∂rt, was die K√∂nige von Assyrien allen L√§ndern getan, wie sie den Bann an ihnen vollstreckt haben; und du solltest errettet werden?“

2K√∂ 19,12:¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† „Haben die G√∂tter der Heiden auch die errettet, welche meine V√§ter vernichtet haben, n√§mlich Gosan, Haran, Rezeph und die Kinder von Eden zu Telassar?“[2]

Was sollte Hiskia in dieser so gef√§hrlichen Lage tun? Was w√ľrden die Verantwortlichen in einer √§hnlichen Situation heutzutage tun? Hiskia jedenfalls traf die richtige Entscheidung, er ging in den Tempel und legte Gott am Altar diesen Brief hin und betete zu Gott:

‚ÄěO HERR, du Gott Israels, der du √ľber den Cherub-Engeln thronst, du allein bist Gott √ľber alle K√∂nigreiche der Welt. Himmel und Erde hast du geschaffen. HERR, erh√∂re mich! Sieh doch, wie schlimm es um uns steht! H√∂re, wie Sanherib dich, den lebendigen Gott, verh√∂hnt. Es ist wahr, HERR: die assyrischen K√∂nige haben die L√§nder aller ihrer Feinde verw√ľstet. Sie haben deren G√∂tter ins Feuer geworfen, denn es waren ja keine lebendigen G√∂tter, sondern nur Figuren aus Holz oder Stein, von Menschen gemacht.¬† Darum konnten die Assyrer sie verbrennen. Nun bitte ich dich, HERR, unser Gott: Errette uns aus der Gewalt des assyrischen K√∂nigs! Alle L√§nder der Erde sollen erkennen, da√ü du allein Gott bist.‚Äú[3] ¬†

H√§tten wir in einer √§hnlichen Situation noch den Mut und w√ľrden wir uns angesichts dieser lebensbedrohenden Lage die Zeit zum Gebet zur Lagebesprechung mit Gott nehmen? W√ľrde unser Glaube einer solchen Situation standhalten?¬†

Schwierigkeiten zwingen uns, unseren Blick auf Gott zu richten und IHM zu vertrauen, statt auf uns selbst. In einer solchen Situation entscheidet sich, ob wir glauben, da√ü es Gott gibt, oder ob wir, durch Jesus Christus,¬† eine pers√∂nliche Lebensbeziehung zu IHM haben und IHM uns und unser Leben ganz anvertrauen. Wenn wir in Jesus so mit IHM verbunden sind, d√ľrfen wir mit all unserer Angst und Not und allen Sorgen zu IHM kommen.

  • Gott kennt einen Weg.
  • ER wei√ü die L√∂sung,
  • ER hat die Macht und
  • ER ist bei uns.¬†

In dieser unruhigen Zeit kommt eine weitere Bedrohung auf Hiskia zu. Er wird krank und mu√ü das Bett h√ľten, hofft aber, bald wieder aufstehen zu k√∂nnen, denn wichtige Regierungsgesch√§fte standen gerade jetzt an. Doch Gott l√§√üt ihm durch den Propheten Jesaja sagen:

‚ÄěSo spricht der HERR: ‚ÄěRegle noch die letzten Dinge, denn du bist unheilbar krank und wirst bald sterben.‚Äú[4]¬†

Das traf Hiskia wie ein Keulenschlag. Jetzt sollte er sterben, wo er doch alles getan hatte, den Namen Gottes im Volk wieder gro√ü zu machen. Er verstand Gott nicht mehr, er konnte ihn doch jetzt nicht durch vorzeitigen Tod strafen wollen. Auch in dieser Situation wandte sich Hiskia an den lebendigen Gott. Inbr√ľnstig, wie sicher nie zuvor, und unter lautem Weinen, betete er zu Gott und bat IHN, ihn doch noch einige Jahre leben zu lassen. Zwei gro√üe, Existenz bedrohende N√∂te und Sorgen, zwei aufrichtige Gebete an den lebendigen Gott! Erh√∂rt Gott Gebete und kann ER in die Geschicke dieser Welt eingreifen?

3. Gottes Antwort

Ja, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Gott der Bibel und der Vater Jesu Christi, ist ein lebendiger Gott, der einzige lebendige Gott, der das ganze Universum geschaffen hat. IHM d√ľrfen wir vertrauen, auf IHN d√ľrfen wir uns verlassen und in IHM geborgen sein, wie in einer Burg. Wie reagiert Gott nun auf die beiden Gebete des Hiskia? Zum ersten Gebet um Rettung vor dem Heer der Assyrer:

Gott ist der einzige und lebendige Gott, der auf die Gebete Seiner Kinder hört und reagiert. ER läßt Hiskia durch den Propheten Jesaja wissen, daß die assyrischen Truppen Jerusalem nicht betreten werden, sondern auf demselben Wege abziehen, auf dem sie gekommen sind. 

‚ÄěDarauf gebe ich, der HERR, mein Wort. Um meiner Ehre willen besch√ľtze ich diese Stadt. Ich rette sie, weil ich es meinem Diener David versprochen habe.‚Äú[5]

Wie sieht nun die Antwort Gottes ganz konkret aus, was passierte? Noch in der gleichen Nacht sandte Gott Seinen Engel in das Lager der Assyrer, der 185.000 Soldaten t√∂tete[6]. Das hat dem Assyrer¬≠k√∂nig Sanherib einen solchen Schock eingejagt, da√ü er sofort zum Aufbruch blasen lie√ü und mit seinen Truppen abzog und nach Assy¬≠rien zur√ľckkehrte. Einige Zeit danach wurde er im eigenen Land beim Beten im Tempel seines Gottes Nisroch von seinen S√∂hnen ermordet.¬†Mit einer solchen Wendung h√§tte niemand gerechnet. Gott hatte Jerusalem noch einmal verchont. Wohl dem, der auf den lebendigen Gott vertraut.

Auf das zweite Gebet um Lebensverl√§ngerung antwortet Gott ebenfalls. Kurze Zeit nach dem Gebet kommt Jesaja bereits wieder zur√ľck ins Krankenzimmer und sagt:

‚ÄěSo spricht der HERR: Ich habe dein Gebet geh√∂rt und deine Tr√§nen gesehen. Ich will dich gesund machen. √úbermorgen kannst du wieder in den Tempel des HERRN gehen. Ich verl√§ngere dein Leben um 15 Jahre.‚Äú[7] ¬†

So konkret antwortet Gott zuweilen auf Gebet. Dar√ľber freute sich Hiskia sehr, doch eines mu√üte er auch lernen. Nicht um seiner guten Taten willen wollte Gott ihn und die Stadt Jerusalem retten, nein, ER sagte ausdr√ľcklich:

‚ÄěUm meiner eigenen Ehre willen und weil ich es meinem Knecht David versprochen habe‚Ķ‚Äú[8]

4. Die Pr√ľfung

Nach einem solchen Wandel mit Gott und solch großartigen Gebetserhörungen, könnte man doch nun zu Recht sagen: Ende gut, alles gut. Aber nein. Vielleicht genau wegen der großartigen Erlebnisse mit Gott und Seinem bewahrenden Beistand, trifft Hiskia eine weitere Herausforderung.

Eines Tages erscheint eine Delegation hoher k√∂niglicher Beamter aus Babylon, der aufstrebenden Gro√ümacht im vorderen Orient. Der babylonische K√∂nig hatte geh√∂rt, da√ü Hiskia krank gewesen war und lie√ü ihm Geschenke und einen freundlichen Brief √ľberbringen. Hiskia f√ľhlte sich dadurch √ľber die Ma√üen geschmeichelt und geehrt. Anders als mit dem Brief des Assyrerk√∂nigs, geht er mit diesem Brief nicht in den Tempel, um Gott zu fragen, wie er sich verhalten solle, sondern empfing die Gesandten freundlich und zeigte ihnen sein ganzes Schatzhaus. In alle Kammern lie√ü er sie schauen. Sie sahen das Silber und das Gold, die kostbaren √Ėle und Gew√ľrze. Sogar das Waffenlager und die Vorratsh√§user zeigte er ihnen. Im ganzen Palast und im ganzen Reich gab es nichts, was diese M√§nner nicht zu sehen bekamen.‚Äú[9]¬†

Kurz darauf kam der Prophet Jesaja zu Hiskia und wollte wissen:

‚ÄěWoher kamen diese M√§nner und was wollten sie von dir? Und Hiskia antwortete ‚ÄěAus einem fernen Land sind sie gekommen, aus Babylonien‚Äú Und ‚Äěwas haben sie im Palast gesehen?‚Äú Hiskia erwiderte: ‚ÄúSie haben alles gesehen, was ich besitze. In jede einzelne Schatzkammer lie√ü ich sie schauen. Da sagte Jesaja: ‚ÄěH√∂re, was der HERR dazu sagt:

‚ÄöEines Tages wird der ganze Reichtum in deinem Palast ‚Äď alle Sch√§tze, die du und deine Vorfahren angeh√§uft haben ‚Äď nach Babylonien fortgebracht werden. Nichts wird √ľbrig bleiben. Auch einige deiner S√∂hne, die dir noch geboren werden, wird man verschleppen. Sie m√ľssen als Eunuchen im Palast des babylonischen K√∂nigs dienen.‚Äú[10]¬†

Hiskia sagte nur: ‚Der HERR weiß, was ER tut; ich beuge mich Seinem Urteil. Wenn nur zu meinen Lebzeiten noch Friede und Ruhe herrschen.“[11]

Uns stellt sich sofort die Frage, was war denn daran so falsch, was Hiskia tat, da√ü Gott ein solches Urteil f√§llte? Gott lie√ü Hiskia tun, was dieser f√ľr richtig hielt. ER wollte pr√ľfen, wie es in seinem Herzen aussah.[12]¬†Wie reagierte Hiskia? Hiskia br√ľstete sich und wollte die Babylonier beeindrucken und als Verb√ľndete gegen die Assyrer gewinnen. Gleichzeitig wollte er ihnen zeigen, da√ü er auch f√ľr sie ein ernstzunehmender Partner sein k√∂nnte, der in der Lage ist, mit seinen Sch√§tzen weitere Hilfstruppen aus den arabischen Gebieten anzuwerben. An dieser Stelle vers√ľndigte sich Hiskia gegen Gott. Er hatte doch erfahren, da√ü Gott seine Hilfe war in allen seinen N√∂ten.

  • ER lie√ü ihm, gegen manchen Widerstand,¬† die Ausrottung des G√∂tzendienstes gelingen;
  • ER errette ihn aus der Belagerung durch das assyrische Heer;
  • ER machte ihn wieder gesund und versprach ihm, sein Leben um 15 Jahre zu verl√§ngern.

Diese sog. Erfolge haben ihn unvorsichtig gegen die Angriffe des Teufels gemacht. Die Schwierigkeiten trieben ihn direkt in Gottes helfende Arme. Aber durch die Schmeicheleien erlag er in seiner Eitelkeit den teuflischen Verf√ľhrungen. Er wurde selbstsicher und hochm√ľtig. Er wollte das assyrische Joch aus eigener Kraft und mit seinen Mitteln absch√ľtteln, statt auch hier sein ganzes Vertrauen auf Gott zu setzen, der ihm bis hierher so wunderbar geholfen hatte.

Wir sehen, gerade dann, wenn alles wunderbar zu laufen scheint, lauert die Gefahr, da√ü wir uns von Gott abwenden, indem wir uns auf unsere eigene St√§rke und M√∂glichkeiten besinnen und verlassen. Deshalb m√ľssen wir gerade dort besonders aufpassen, wo uns Gott in Seiner G√ľte viel Gelingen in unserem geistlichen Leben schenkt.

Unser Leben kann noch so gut beginnen, wir m√ľssen auf der Hut sein, da√ü wir den Lauf auf der Lebens-Kampfbahn auch in guter Weise beenden und uns nicht, wie Hiskia, kurz vor dem Ziel ablenken und verf√ľhren lassen und damit vielleicht alles in Frage stellen.

Schluß

Der Lebenslauf von Hiskia möchte uns Vorbild, Warnung und Mahnung zugleich sein. Wir sollen:

1.  allen Götzendienst in unserem Leben ausrotten und Gott allein die Ehre zu geben und IHN alleine anbeten.
2.  unser ganzes Vertrauen in allen Dingen auf den lebendigen Gott setzen.
3.¬† auf unserem Lebensweg weise wandeln und uns vom Teufel nicht ablenken und verf√ľhren lassen.

Dann darf vielleicht auch √ľber unserem Leben einmal stehen:

„Er/Sie tat, was dem HERR wohlgefiel“
„Er vertraute dem HERRN“
„Er hing an dem HERRN“
„Und der HERR war mit ihm.“

Das schenke uns der gnädige und barmherzige Gott.

Amen.


[1] 2.Kö 18,3-7

[2] Schlachter 1951

[3] 2.Kö 19, 15-19 Hfa

[4] 2.Kö 20,1

[5] 2. Kö 19, 33-34 Hfa

[6] 2.Kö 19, 37

[7] 2.Kö 20, 5-6 Hfa

[8] V.6b

[9] V. 12b-13

[10] Jesaja 39, 6-8

[11] V. 14-19

[12] 2.Chron 32,31b

Pr√§dikant Wolfgang Wilke, Predigt f√ľr den¬†11.Sonntag nach Trinitatis, 22.8.2004

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 28. Januar 2011 um 18:06 und abgelegt unter Predigten / Andachten.