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Offener Brief zum Austritt aus der Evangelischen Landeskirche Mitteldeutschlands

Freitag 16. Dezember 2016 von Prof. Dr. Dr. Wulf Bennert


Prof. Dr. Dr. Wulf Bennert

Prof. Dr. Wulf Bennert gilt als einer der renommiertesten Restauratoren von Kirchen und Baudenkmalen in Deutschland. Nach 60 Jahren Zugehörigkeit zur Evangelischen Kirche erklärte er am 17. November seinen Austritt aus der Evangelischen Landeskirche Mitteldeutschlands. Mit der freundlichen Zustimmung von Prof. Dr. Bennert veröffentlichen wir untenstehend seinen Brief an Landesbischöfin Junkermann, in dem er seinen Austritt begründet.

                                             Hopfgarten, den 19.11.2016

Herrn Pfarrer Thomas Behr
Auf dem Sand 23
99428-Niederzimmern

Frau Landesbischöfin Ilse Junkermann
MichaelisstraĂźe 39
99084 Erfurt

Herrn Superintendent Henrich Herbst
Herderplatz 8
99423 Weimar

BegrĂĽndung meines Austritts aus der Evangelischen Landeskirche Mitteldeutschlands am 17.11.2016

Sehr geehrte Frau Landesbischöfin, sehr geehrter Herr Superintendent, sehr geehrter Herr Pfarrer,

am 17. 11. 2016 habe ich nach 60 Jahren Zugehörigkeit zur Evangelischen Kirche meinen Austritt erklärt. Diesem Schritt ist ein schmerzhaftes Ringen vorausgegangen, stellte die Kirche doch einen wesentlichen Inhalt meines Lebens dar. In dem repressiv-atheistischen System der DDR war ich einige Zeit Vorsitzender des Gemeindekirchenrates in Hopfgarten und stellvertretender Synodaler der Thüringischen Landeskirche. Im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit konnte ich in den letzten drei Jahrzehnten für den baulichen Erhalt von mehreren hundert Kirchengebäuden in ganz Deutschland sorgen. Für den Fall, dass die Gründe meiner dennoch getroffenen Entscheidung Sie interessieren sollten, möchte ich deren wichtigste nachstehend benennen.

❶ In dem von der Evangelischen Kirche in Deutschland herausgegebenen Bericht über die am 9. November zu Ende gegangene EKD-Synode in Magdeburg steht unter dem Punkt Politische Kultur in den Gemeinden zu lesen: „Vor dem Hintergrund des wachsenden politischen Einflusses von Rechtspopulisten hat die EKD in den vergangenen Jahren mehrfach die Lage in Kirchengemeinden untersuchen lassen. In Magdeburg wurde die qualitative Studie „Kirchenmitgliedschaft und politische Kultur“ präsentiert. Zwar seien in Kirchengemeinden feindliche Einstellungen wie Antisemitismus, Homophobie und Islamophobie festgestellt worden, heißt es darin. Es gebe aber auch „starke Faktoren“ von Widerstandfähigkeit. Da die Ergebnisse keine allgemeingültigen Aussagen zulassen, hat die Synode den Rat um regelmäßige quantitative Forschungen gebeten.“

Dazu erkläre ich: Es ist für mich nicht hinnehmbar, dass Kirchensteuern dazu verwendet wurden – und in Zukunft noch umfangreicher verwendet werden sollen – um die politischen Einstellungen der Gemeindemitglieder systematisch zu untersuchen. Ich fühle mich dabei in fataler Weise an die Gesinnungsschnüffelei des DDR-Regimes erinnert.

Und ich selbst finde mich nach obigen AusfĂĽhrungen auf der Seite einer „feindlichen Einstellung“ wieder. Denn nach intensiver Beschäftigung mit dem Islam hege ich so erhebliche BefĂĽrchtungen gegenĂĽber den weltweiten Auswirkungen des politischen Islam, dass diese wohl mit dem altgriechischen Begriff φόβος bezeichnet werden können – die von der EKD beauftragten „Forscher“ wĂĽrden bei mir also die „feindliche Einstellung der Islamophobie“ diagnostizieren. Ich möchte jedoch keiner Glaubensgemeinschaft angehören, die mich als ihren Feind betrachtet.

❷ Der Inhalt des vorbeschriebenen Tagesordnungspunktes „Politische Kultur in den Gemeinden“ stellt keine singuläre Verirrung dar, sondern fügt sich in den allgemeinen Duktus der Synode ein, der von der Süddeutschen Zeitung mit der Titelzeile „Klare Kante gegen rechts“ gewürdigt worden ist. In der einstimmig verabschiedeten Erklärung der Synode heißt es: „Wir beziehen klar Position gegen populistische Angstmache und rechte Hetze.“ Es besteht wohl kein Zweifel daran, dass der Adressat dieser Erklärung vor allem die AfD ist. Damit besorgt die EKD das Geschäft der etablierten Parteien, die sich aus beinahe panischer Angst vor Machtverlust zu einem Meinungskartell zusammengeschlossen haben, das der neuen Partei a priori Haß und rechte Hetze unterstellt. Das Wohlwollen des Mainstream-Journalismus ist ihr damit sicher. Für mich jedoch verbreitert sie damit nur den tiefen Graben, der sich inzwischen durch Deutschland zieht.

❸ Am 20. Oktober diesen Jahres besuchte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm gemeinsam mit Kardinal Reinhard Marx den Tempelberg und die Klagemauer in Jerusalem. Beide kirchliche WĂĽrdenträger legten – wie mehrere Pressefotos belegen – fĂĽr diese Besuche ihre Kreuze ab. Als BegrĂĽndung fĂĽhrte der Ratsvorsitzende an, er sei sowohl von der muslimischen als auch von der jĂĽdischen Glaubensgemeinschaft um die Abnahme dieses christlichen Symbols gebeten worden und äuĂźerte auf der Synode in Magdeburg: „Ich habe die Verantwortung als Vertreter einer christlichen Religion, friedensstiftend zu wirken.“

Für mich ist diese Erklärung der untaugliche Versuch, eine von schäbigem Opportunismus diktierte Handlung zu „friedensstiftendem Wirken“ hochzustilisieren. Offenbar im Gegensatz zu den Teilnehmern der Synode möchte ich kein Mitglied einer Kirche mehr sein, deren höchster Repräsentant ohne Not das zweitausendjährige, die gesamte Christenheit einigende Symbol des Kreuzes verleugnet.

❹ Auf Facebook findet sich unter https://www.facebook.com/MajorAryeShalicar/ die Aufforderung des Vertreters der israelischen Sicherheitsdienste Arye Sharuz Shalicar, der Ratsvorsitzende möge öffentlich machen, welcher Sicherheitsdienst von jüdischer Seite angeblich verlangt habe, an der Klagemauer die christlichen Glaubenssymbole nicht öffentlich zu tragen. Er habe den Vorwurf überprüft, und man sei empört über eine solche Behauptung.

Wenn diese Information zutrifft, hat Bischof Bedford-Strohm vor der Synode wissentlich die Unwahrheit gesagt. Ein so bedenklicher Mangel an Wahrheitsliebe ist völlig unvereinbar mit der Ausübung des Amtes eines Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche Deutschlands.

Ich möchte die Hoffnung auf eine Zeit nicht aufgeben, in der die Evangelische Kirche in Deutschland sich nicht mehr wie eine politische Partei gebärdet und dabei die Gesinnung ihrer Gemeindeglieder ausforscht, sondern sich wieder auf die VerkĂĽndigung des Evangeliums konzentriert. In diese Kirche – der gewiĂź nicht mehr ein Bischof Bedford-Strohm vorsteht –  wĂĽrde ich dann sehr gerne wieder eintreten.

Mit freundlichen GrĂĽĂźen,

Prof. Dr. sc. techn. Dr. rer. nat. Wulf Bennert

    – Träger des Bundesverdienstkreuzes –

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 16. Dezember 2016 um 10:41 und abgelegt unter Allgemein.