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Empfehlung der VELKD-Bischofskonferenz fĂŒr den dienstrechtlichen Umgang mit Eingetragenen Lebenspartnerschaften und gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften von Pfarrern und Pfarrerinnen

Donnerstag 30. September 2004 von VELKD-Bischofskonferenz


VELKD-Bischofskonferenz

Empfehlung fĂŒr den dienstrechtlichen Umgang mit Eingetragenen Lebenspartnerschaften und gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften von Pfarrern und Pfarrerinnen gemĂ€ĂŸ Artikel 9 Absatz 2 Satz 2 der Verfassung der VELKD vom 9. MĂ€rz 2004

Die unterschiedlichen Positionen zu Eingetragenen Lebenspartnerschaften und zu anderen gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften berĂŒhren als Ordnungsfragen nicht den status confessionis. Diese Feststellung eröffnet FreirĂ€ume fĂŒr den theologischen Diskurs, die durch den dienstrechtlichen Umgang mit Eingetragenen Lebenspartnerschaften und anderen gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften nicht eingeengt werden dĂŒrfen. Die dienstrechtliche Praxis muß vielmehr so differenziert sein, daß das Ergebnis der theologischen Diskussion weder in die eine noch in die andere Richtung vorweggenommen wird.

Die Bischofskonferenz empfiehlt den Gliedkirchen gemĂ€ĂŸ Artikel 9 Absatz 2 Satz 2 der Verfassung der VELKD, sich beim dienstrechtlichen Umgang mit Eingetragenen Lebenspartnerschaften und anderen gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften von Pfarrern und Pfarrerinnen an folgenden GrundsĂ€tzen zu orientieren:

Aus den Formulierungen des Pfarrergesetzes (PfG), insbesondere aus § 51 PfG, wird deutlich, daß fĂŒr Pfarrer und Pfarrerinnen, die in hĂ€uslicher Gemeinschaft mit anderen Personen leben, das Leitbild von Ehe und Familie maßgebend ist. Jede andere Form des Zusammenlebens, die mit dem Anspruch auf öffentliche Anerkennung gelebt wird, stellt eine begrĂŒndungsbedĂŒrftige Ausnahme dar.

Maßstab fĂŒr die ZulĂ€ssigkeit einer Ausnahme ist die in der Ordination begrĂŒndete Verpflichtung zu einer dem Amt entsprechenden LebensfĂŒhrung (§ 4 Abs. 2 PfG). Ausnahmen können daher nur in Betracht kommen, wenn besondere persönliche GrĂŒnde vorliegen und die GlaubwĂŒrdigkeit des pfarramtlichen Dienstes nicht beeintrĂ€chtigt wird.

Besondere persönliche GrĂŒnde, die eine Ausnahme rechtfertigen, werden in der Regel nur vorliegen, wenn eine Lebensgemeinschaft auf Grund ihrer rechtlichen oder tatsĂ€chlichen Gestaltung ein vergleichbar hohes Maß von VerlĂ€sslichkeit und gegenseitiger Verantwortung wie die Ehe ermöglicht.

Pfarrer und Pfarrerinnen, die ausnahmsweise in einer Eingetragenen Lebenspartnerschaft oder einer anderen gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft leben wollen, mĂŒssen in ihrem pastoralen Dienst die Leitbildfunktion der Ehe anerkennen. Sie dĂŒrfen die eigene Lebensform nicht als der Ehe gleichrangiges oder ĂŒberlegenes Leitbild propagieren, und die eigene Lebensform darf nicht Gegenstand der VerkĂŒndigung oder der AmtsfĂŒhrung werden.

Die Entscheidung, ob eine Eingetragene Lebenspartnerschaft oder eine andere gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft mit dem pfarramtlichen Dienst zu vereinbaren ist, obliegt den nach gliedkirchlichem Recht zustÀndigen kirchenleitenden Organen. Pfarrer und Pfarrerinnen, die eine solche Form des Zusammenlebens eingehen wollen, sind verpflichtet, diese kirchenleitenden Organe rechtzeitig zu unterrichten, damit im GesprÀch eine Lösung gefunden werden kann, die den Erfordernissen des pfarramtlichen Dienstes Rechnung trÀgt.

 Eine Eingetragene Lebenspartnerschaft oder eine andere gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft ist nur in Gemeinden oder allgemeinkirchlichen Aufgaben zulĂ€ssig, wenn dort diese Form akzeptiert wird. Insbesondere die einmĂŒtige Zustimmung des Kirchenvorstandes und der anderen an Personalentscheidungen beteiligten Personen und Gremien ist unverzichtbar (magnus consensus). Die Lebensform eines Pfarrers oder einer Pfarrerin darf die Einheit der Gemeinde und die Gedeihlichkeit des Wirkens in dieser Gemeinde nicht gefĂ€hrden.

Die Bischofskonferenz stellt fest, daß es den Gliedkirchen der VELKD nach diesen Empfehlungen unbenommen bleibt, fĂŒr ihre Pfarrer und Pfarrerinnen Eingetragene Lebenspartnerschaften oder andere gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften weiterhin generell auszuschließen.

H a n n o v e r, den 9. MĂ€rz 2004
Der Leitende Bischof Dr. Hans Christian K n u t h

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 30. September 2004 um 12:16 und abgelegt unter Kirche, Sexualethik.