Gemeindenetzwerk

Ein Arbeitsbereich des Gemeindehilfsbundes

Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag Artikel empfehlen Artikel empfehlen

Gender mainstreaming – eine Grundorientierung

Donnerstag 7. Mai 2015 von Evangelischer Arbeitskreis der CDU


Evangelischer Arbeitskreis der CDU

1.) Geschichtliche Eckdaten

September 1995 – 4. Weltfrauenkonferenz in Peking – Ziele der Pekinger Aktionsplattform

Abs. 25: „Many Governments have enacted legislation to promote equality between women and men and have established national machineries to ensure the mainstreaming of gender perspectives in all spheres of society.“ „Zahlreiche Regierungen haben Rechtsvorschriften zur Förderung der Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann erlassen und einzelstaatliche Mechanismen eingerichtet, die fĂŒr die konsequente Einbeziehung einer geschlechtsbezogenen Perspektive in alle Bereiche der Gesellschaft Sorge tragen sollen.“ Abs. 27: „In many countries, the differences between women’s and men’s achievements and activities are still not recognized as the consequences of socially constructed gender roles rather than immutable biological differences.“ „In vielen LĂ€ndern wird noch immer nicht anerkannt, dass die unterschiedlichen Leistungen und TĂ€tigkeiten von Frauen und MĂ€nnern nicht so sehr auf unabĂ€nderliche biologische Unterschiede als auf gesellschaftlich determinierte Geschlechterrollen zurĂŒckzufĂŒhren sind.

Dezember 1997 – Resolution der UNO-Generalversammlung

„Reaffirming also that the Economic and Social Council should continue to oversee system-wide coordination on the basis of an integrated approach in the implementation of the Platform for Action, including the mainstreaming of a gender perspective.“ „Wir bestĂ€tigen ebenfalls, dass der Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen weiterhin die systemweite Koordination auf der Grundlage eines integrierten Ansatzes bei der Umsetzung der [Pekinger] Aktionsplattform ĂŒberwachen soll, einschließlich der Einbeziehung der Gender-Perspektive.“

Artikel 3 des Vertrags von Amsterdam (1999) | neu: Artikel 8 des Vertrags ĂŒber die Arbeitsweise der EuropĂ€ischen Union (Lissabonner-Vertrag, 2008)

„In all its activities, the Union shall aim to eliminate inequalities, and to promote equality, between men and women.“ „Bei allen ihren TĂ€tigkeiten wirkt die Union darauf hin, Ungleichheiten zu beseitigen und die Gleichstellung von MĂ€nnern und Frauen zu fördern.“ „Seit der Verabschiedung des Vertrags von Lissabon im Jahr 2008 ist die Verpflichtung der EU zu „Gender Mainstreaming“ in Artikel 8 des Vertrags ĂŒber die Arbeitsweise der EuropĂ€ischen Union festgeschrieben.“ (Quelle: Homepage des Bundesministeriums fĂŒr Familie, Senioren, Frauen und Jugend)

Juni 1999 – Kabinettsbeschluß der rot-grĂŒnen Bundesregierung

„Mit Kabinettbeschluss vom 23. Juni 1999 hat die Bundesregierung auf der Grundlage des in Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG festgelegten Staatsziels die Gleichstellung von Frauen und MĂ€nnern als durchgĂ€ngiges Leitprinzip ihres Handelns anerkannt und beschlossen, diese Aufgabe mittels der Strategie des Gender Mainstreaming zu fördern. In AusfĂŒhrung dieses Beschlusses wurde am 26.7.2000 in § 2 der Gemeinsamen GeschĂ€ftsordnung der Bundesministerien die Verpflichtung aller Ressorts festgelegt, diesen Ansatz bei allen politischen, normgebenden und verwaltenden Maßnahmen der Bundesregierung zu beachten (
)“

Mai 2007 – Bundesministerium fĂŒr Familie, Senioren, Frauen und Jugend

„Gleichstellung bedeutet, Frauen und MĂ€nnern ein gleichermaßen selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Gleichstellungspolitik gibt nicht vor, wie Menschen leben sollen; dass niemand zur Anpassung an stereotype Vorstellungen von „MĂ€nnern“ und „Frauen“ gezwungen werden darf. An das Geschlecht und an Geschlechterrollen dĂŒrfen grundsĂ€tzlich keine Vor- oder Nachteile geknĂŒpft werden. Rollenverteilungen, die zu einer höheren Belastung oder sonstigen Nachteilen fĂŒr ein Geschlecht fĂŒhren, dĂŒrfen durch staatliche Maßnahmen nicht verfestigt werden. Faktische Nachteile, die typischerweise ein Geschlecht treffen, dĂŒrfen durch begĂŒnstigende Regelungen ausgeglichen werden.“

2.) Zitate und Thesen zur Gender-Theorie und der sog. Akzeptanz sexuellerVielfalt

„sex“ (engl.) = biologisches Geschlecht „gender“ (engl.) = soziales Geschlecht

„Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es.“ Simone de Beauvoir, französische Schriftstellerin und Philosophin (1949)

„Die ZwangsheterosexualitĂ€t setzt sich selbst als das Original, das Wahre, das Authentische (…) Mit anderen Worten: obligatorische heterosexuelle IdentitĂ€ten, jene ontologisch gefestigten Phantasmen ‚Mann‘ und ‚Frau‘, sind theatralisch produzierte Effekte, die als Grundlagen, als Originale, als normatives Maß des Realen posieren.“ Judith Butler, Professorin fĂŒr Rhetorik in Berkeley (1999)

„Gender-Studies haben nachgewiesen, dass es kein vorgefertigtes Geschlecht gibt – es ist ein Konstrukt, abhĂ€ngig von historischen und kulturellen Kontexten.“ Thorsten Voß, Dozent fĂŒr den Studiengang Gender-Studies an der UniversitĂ€t Bielefeld (2007)

Die fĂŒnf Thesen von Gender-Mainstreaming (nach der US-Journalistin Dale OÂŽLeary, Teilnehmerin an der GrĂŒndungskonferenz Peking 1995, in ihrem Buch „The Gender Agenda“):

In der Welt braucht es weniger Menschen und mehr sexuelle VergnĂŒgungen. Es braucht die Abschaffung der Unterschiede zwischen MĂ€nnern und Frauen, sowie die Abschaffung der VollzeitmĂŒtter. 
 Da mehr sexuelles VergnĂŒgen zu mehr Kindern fĂŒhren kann, braucht es freien Zugang zu VerhĂŒtung und Abtreibung fĂŒr alle und Förderung homosexuellen Verhaltens, da es dabei nicht zu EmpfĂ€ngnis kommt. 
 In der Welt braucht es einen Sexualkundeunterricht fĂŒr Kinder und Jugendliche, der zu sexuellem Experimentieren ermutigt. Es braucht die Abschaffung der Rechte der Eltern ĂŒber ihre Kinder. 
 Die Welt braucht eine 50/50-MĂ€nner/Frauenquote fĂŒr alle Arbeits-und Lebensbereiche. Alle Frauen mĂŒssen zu möglichst allen Zeiten einer Erwerbsarbeit nachgehen. 
 Die Religionen, die diese Agenda nicht mitmachen, mĂŒssen der LĂ€cherlichkeit preisgegeben werden.

3.) Ziele von „Gender Mainstreaming“ in einer „SexualpĂ€dagogik der Vielfalt“

(nach Prof. Dr. Uwe Sielert, 2001, Professor fĂŒr SozialpĂ€dagogik in Kiel. Forschungs- und Lehrschwerpunkte: Jugendhilfe und Schule, sozialpĂ€dagogische Aus- und Fortbildungsdidaktik, Sexualerziehung und GeschlechterpĂ€dagogik sowie PĂ€dagogik der Vielfalt.):

„Wenn Gender in diesem Sinne als omnirelevante Kategorie interpretiert wird und die Struktur aller gesellschaftlichen Bereiche, also auch das sexuelle Begehren und die Formen des Zusammenlebens durchdringt (
), meint Gender Mainstreaming nicht nur die Infragestellung der bipolaren Geschlechterordnung, sondern ebenso (
) sowie das Eintreten fĂŒr vielfĂ€ltige Elternschaft und eine Pluralisierung der Lebensweisen und Familienformen“ 
 Sich einzusetzen fĂŒr eine Vielfalt der sexuellen Orientierungen, gegen die Dominanz der Kernfamilie. „Das heißt also auch, HeterosexualitĂ€t, GenerativitĂ€t und Kernfamilie zu ‚entnaturalisieren‘ und SexualpĂ€dagogik daraufhin zu ĂŒberprĂŒfen, inwiefern sie die Möglichkeit zur selbstbestimmten LebensfĂŒhrung einschrĂ€nkt, wenn durch ihre Intentionen und Maßnahmen explizit oder implizit nahe gelegt wird, heterosexuell und in Kernfamilien mit leiblichen Kindern zu leben.“ 
 Ausdehnen der GenerativitĂ€t außerhalb der biologischen Elternschaft durch Pflegschaft und Adoption, Leihmutterschaft und verschiedene Formen kĂŒnstlicher Befruchtung. 
 „GenerativitĂ€t ĂŒber die biologische Elternschaft hinaus auszudehnen ist – abgesehen von den notfalls akzeptierten Formen sozialer Elternschaft – noch ein heiß umkĂ€mpftes und tatsĂ€chlich noch mit vielen Unbekannten behaftetes Vorhaben, fĂŒr das es mit Sicherheit noch zu frĂŒh wĂ€re, es in ein ‚top-down-Programm‘ von Mainstreaming einzugliedern.“

4.) Der Aktionsplan fĂŒr Akzeptanz & gleiche Rechte in Baden-WĂŒrttemberg

„Unter FederfĂŒhrung des Sozialministeriums wird derzeit ein landesweiter Aktionsplan entwickelt, um Vorurteile gegenĂŒber lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, transgendern, intersexuellen und queeren Menschen (LSBTTIQ) abzubauen. Er soll im FrĂŒhjahr 2015 vom Kabinett beschlossen werden. Unser Ziel ist es, die Öffentlichkeit fĂŒr das Recht auf Gleichbehandlung und Nichtdiskriminierung zu sensibilisieren und Maßnahmen zu entwickeln, um Ausgrenzung und Benachteiligung aktiv entgegenzuwirken. 
 Damit der Aktionsplan die tatsĂ€chliche Lebenswirklichkeit von lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, transgender und intersexuellen Menschen abdeckt, wird die Erstellung und Umsetzung durch einen Beirat begleitet. GemĂ€ĂŸ dem Leitsatz „Gute Politik wĂ€chst von unten“ sind die Nichtregierungsorganisationen, VerbĂ€nde und Vereine aktiv in die Erstellung des Aktionsplans eingebunden.

Zum Beirat gehören: Vertretungen der Ministerien, alle vier im Landtag vertretenen Fraktionen und 12 Vertretungen des landesweiten Netzwerks LSBTTIQ, die Kommunalen LandesverbĂ€nde, die Liga der freien Wohlfahrtspflege Baden-WĂŒrttemberg, die Aidshilfe Baden-WĂŒrttemberg und das Landesgesundheitsamt Baden-WĂŒrttemberg.“ (Quelle: Homepage des baden-wĂŒrttembergischen Sozialministeriums)

Außerdem: 4 Beteiligungsworkshops v.a. mit LSBTTIQ-Organisationen; Online-Umfrage unter LSBTTIQ-Menschen; Ampelsystem des Aktionsplans: GrĂŒn: Beschlossen; Gelb: Wird noch diskutiert; Rot: Wird vorerst nicht umgesetzt. Aber: Die Vertretungen des Netzwerks LSBTTIQ machten deutlich, dass der „roten“ Liste nur zugestimmt wird, wenn die roten Maßnahmen weiterhin ErwĂ€hnung im Aktionsplan finden.

NĂ€chste Termine 2015: bis Mai: Weiterentwicklung von „gelben“ Maßnahmen in Arbeitsgruppen oder ArbeitsgesprĂ€chen; Anfang Juni: Abschließende Beiratssitzung zur endgĂŒltigen Abstimmung des Maßnahmenkatalog; Im Anschluss daran, wird die Kabinettsvorlage einschließlich Maßnahmenkatalog mit den Ressorts abgestimmt (Juni – Juli); Die Kabinettsbefassung soll noch vor der Sommerpause (Juli 2015) erfolgen.

Maßnahmenauswahl:

GrĂŒn: Überarbeitung der Lehrmaterialien und Unterrichtsbeispiele, insb. SchulbĂŒcher: Vielfalt sichtbar machen; Kritische Betrachtung des Dudens; Nutzung einer sensiblen Sprache in allen Veröffentlichen und Reden des Landes, z.B. geschlechtsneutrale Anrede. Gelb: Anpassung von BĂŒchern und Spielen im Kindergarten; Vielfalt sichtbar machen; Aufnahme der Thematik vielfĂ€ltiger LebensentwĂŒrfe in die OrientierungsplĂ€ne der KindergĂ€rten; Verankerung der Themen LSBTTIQ bzw. sexueller und geschlechtlicher IdentitĂ€t im Bildungsplan; Quotenregelung: LSBTTIQ-Menschen sollen in Gremien vertreten sein; Formulare, Fragebögen und Software anpassen, um die vielfĂ€ltigen Lebensformen abzubilden. Rot: Sanktionen fĂŒr transphobe und homophobe Medieninhalte (Wort, Bild), aktive Medienbeobachtung; Keine UnterstĂŒtzung von bzw. Vergabe von AuftrĂ€gen an Institutionen, die diskriminieren (wie z.B. Kirchen); ZuschĂŒsse fĂŒr Hochschulen kĂŒrzen / streichen, die ein veraltetes Menschenbild lehren.

5.) Gender-Mainstreaming wurde ohne parlamentarische Debatte oder gesellschaftliche Diskussion eingefĂŒhrt!

Fortschreitende Entwicklung: Auflösung der Geschlechter (Mann / Frau); Auflösung der Kernfamilie (Keimzelle der Gesellschaft / Fortpflanzung); Ideologische Umerziehung der Gesellschaft und Aufhebung von Grundrechten.

6.) Schlussgedanke:

2013 lebten in Baden-WĂŒrttemberg 78 % der Familien mit minderjĂ€hrigen Kindern als verheiratete, heterosexuelle Ehepaare und 16 % alleinerziehend. (Quelle: Statistisches Bundesamt, 20.10.2014). Respektieren wir die Entscheidung der ĂŒberwĂ€ltigenden Mehrheit der BĂŒrger oder sind diese „tradierten Geschlechterrollen und Familienbilder zu ĂŒberwinden“ (GrĂŒne Jugend Baden-WĂŒrttemberg, 16.05.2013)?

David MĂŒller (EAK Baden-WĂŒrttemberg) April 2015

Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag Artikel empfehlen Artikel empfehlen

Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 7. Mai 2015 um 14:13 und abgelegt unter Ehe u. Familie, Gesellschaft / Politik, Sexualethik.